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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...


Die prägende Kontroverse

Teil 3 der Trilogie des Verrats

Nacherzählt von Unger Varnsdorf

Aus: HORST LUMMERT in kuckuck (kulikri) 1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv. Mit grafischen Einlassungen von Gutz Gauch. Band 8

Das Josephsgrab in Gurs und bei Jerusalem.
Vorkommende Ähnlichkeiten sind nicht rein zufällig.

Anonymus auf dem Vulkan.

Ein kleiner Teufel hüpfte über den Kraterrand und rief: Mach dich auf! Die Brüder warten! Es sind so viele Fragen. Werde Antwort! Und sprang in den Krater zurück.

Anonymus aber gab sich Namen an und ging davon.

Ich muß eine Geschichte erzählen, die mir seit langem auf der Leber liegt. Die Geschichte vom Dämon. Die Geschichte eines Kobolds und kleinen Teufels, der mit seiner Geburt Böses in die Welt gebracht hat.

Er war für sie geschaffen. Gut werde er's haben. Die Karriere hielt nichts und niemand mehr auf.

Er war ein Harlekin, ein Tunichtgut, einer vom heiligen Schein obendrein.

Lefeu trug ihn am kleinen Finger. So lachte er nicht und weinte nicht, fand Schelm sich mit Schelm. Dieser Gesell erlebte Sternstunden nur zur einen Hälfte.

Die prägende Kontroverse begann vor dreimal neun Jahren. Der sehende Vogel, Augur, Papagei und Eule in einem, war ein Geschöpf des Krieges. Der Krieg bot Anlaß, war aber auch ein Sohn des schreienden Flügelschlags.

Die Entdeckung getarnten Unheils im täglichen Einerlei hatte das Beben ausgelöst. Eine Märchengestalt wurde zur grauen Leitfigur in der Politgeschichte der siebziger, achtziger und neunziger Jahre.

Avram nahm eine Spur auf, von der er nicht lassen konnte. Verfolgung der Spur und die Enthüllung ihrer Veranstalter bleibt der unverwechselbare Grundzug des sinnenden Chaldäers.

Es fing so harmlos an. Malerei und Dichtung gaben die Auflassung, und das wilde Gefieder konnte zufrieden sein. Der ideelle Erfolg stellte sich sofort ein.

Als der Vogel eines Tages kräftig mit den Flügeln schlug, gingen überall die Jalousien herunter, und das war ein wichtiges Zeichen.

Wenn Avram von einer zweiten Verschwörung gegen Demokratie und Menschenrechte spricht, so ist es die Folge dieser politischen Urerlebnisse.

Ihn erstaunte der Automatismus. Seine Ausschließung geschah wie auf Befehl. Von Stund an waren ihm die Türen versperrt.

Er stellte sich aufs eigene Gebein.

So hob er die schreienden Farben ins Licht und pirschte sich langsam ans Thema heran.

Was nach systematischem Vorgehen ausschaut, verdankt sich dem Zufall. Tatsächlich ergab sich eines aus dem anderen.

Was Bewunderung einträgt, wird nicht ernst genommen.

Untergrundliteratur galt es aufzuschließen.

In einem Wust von Gefühlen, Albträumen und Narreteien lauerten Fußangeln dem Denken auf in der Demokratie.

Die Wiederentdeckung alter Spuren gelang im Handumdrehn. Deutschlands Sumpf gab sich literarisch in einer wie Pilze aus dem Boden geschossenen alternativen Presselandschaft.

Daraus entstanden später die Grünen.

In deutschen Moorlanden kannte Avram sich bald aus. Er prägte den Begriff Ökofaschismus und gab ihm kritischen Gehalt.

So wurde Blut&Bodens Wiedergeburt freundlich empfangen.

Ein gerader, nur scheinbar verschlungener Weg führt von den Alternativen zu den Alten Nativisten, von den liebenswerten Träumern und Dichtern der siebziger Jahre zu den fahnenschwenkenden Nazis, die heute die Straßen der Republik erobern.

Die Alternative von damals ist die heute herrschende politische Kaste.

Kanzler und MinisterInnen, StaatssekretärInnen, MenschInnen in Redaktionen und auf Bildschirmen, die das Land regieren und dirigieren, inszenieren und spielen eine schlechte Persiflage auf Volk, Welt und Politik.

Der einst linke, jetzt rechte Ungeist der Straße ist Geist von ihrem Geiste oder Ungeiste. Was sie bekämpfen, etabliert sich gemeinsam mit ihnen.

Man hat auf verschiedene Weise versucht, die Arbeit des verkappten Falken zu stören, wenn nicht zu zerstören. Durch Totschweigen, Fehlinformation, Materialüberlastung konnte dieser Vogel vergessen, in Verruf gebracht und gelähmt werden.

Was heute im Internet geschieht, lief damals nach selber Methode, nur eben papieren ab.

Die Unternehmungen, den klärenden Piraten zu irritieren, schienen anfangs die puren Zufälle zu sein, obwohl es solche Zufälle nicht gibt.

Im literarischen und politischen underground hausten Naturtalente, die ihr nebelndes Unwesen trieben.

Die deutsche Seele war im Gange.

Wurde im Hintergrund ein wenig an Fäden gezogen und gezupft, so geschah es in erzieherischer Absicht.

Der hassische Harlekin hatte den Faden nach Amsterdam. Eine säuregeborene Begabung.

Banik stiftete Schaden vor und nach Falken-Zeiten. Dem hebräischen Federpiraten legte er so viele Steine in den Weg, daß der Chaldäer daraus eine Himmelstreppe sich erbaute.

Die Auseinandersetzung mit dem hassischen Harlekin nahm weiten Raum ein, zog sich über Jahrzehnte hin und gab dem schreienden Gefieder Farbtupfer der Erinnerung.

Unter negativem Aspekt könnte man von einem Koboldssyndrom sprechen. So spielte der Dämon eine boshafte Rolle.

Angefangen hatte die Geschichte nicht harmlos, aber doch affirmativ. So war nicht vorauszusehen, welche Formen es einmal annehmen würde.

Alles begann mit einem Widerhaken. Es war der erste harlekinische Beitrag, den der göttliche Vogel unter seine Fittiche nahm.

Die erste Widerrede enthielt Elemente, die die Geschichte später brisant machen.

Die prägende Kontroverse nahm ihren Anfang. Eine Themenpalette verwies zunächst auf Deutschland. Endlich ging es um Judentum und Islam.

Der Monotheismus und die Frage der Identität gingen ineinander auf. In Ismael, dem ersten Sohn Avrams mit der Hagar, kamen Universalität und Individualität zur Einheit.

Schon zu Beginn hätte man erkennen können, daß die Problematisierung der Nation und ihres Begriffs ein Umgehungsthema war, ein Umweg, wenn auch ein notwendiger Umweg, wie sich herausstellen sollte.

Die Sprungspinne Harlekin machte bereits in ihrem ersten Ansatz Bewegungen, die die späteren Kämpfe mitbestimmen.

Nicht verwunderlich, daß der ausländische Beobachter der westdeutschen und Westberliner Diskussion nicht klar sehe und sich einen falschen Reim darauf mache.

Denn diese Diskussion sei eine deutsche traditioneller Art, eine Fehde deutscher Illusionisten gegen deutsche Realpolitiker, also kein Diskurs.

Wer oder was war gemeint?

Ein begabtes Volk grabe, um dem Krieg seiner Vernichtung zu entkommen, eine Ideologie aus, die deutsche nationale, die es nicht nur zu drei Angriffskriegen (1870/71, 1914/18, 1933/45) motiviert habe, sondern es auch in der Entmündigung hielt, deren letzte Weise die ist, die sich seit 1945 ergibt.

Der ethnisch definierte Nationsbegriff aus der deutschen Romantik habe uns gegen die demokratischen Nationen wie gegen die multi-ethnischen Staaten gestellt.

Das kommt daher wie die leibhaftige Revolution, und man mochte meinen, daß ihm die Politik in Fleisch und Blut übergegangen war.

Doch dann rutscht es durch, das Schlitzohr, dem die Politik nur Stoff ist.

Als ob sich dahinter ein Grundmotiv verbarg, das wir aufdecken müßten.

Einerseits das polit-realistische Rumoren, andererseits ein unabdingbares Zusetzen, das dem Einen und Praktischen gar keine Chance mehr läßt.

Kein deutscher Akademiker mache sich die Mühe der Definition des Begriffes Nation. Sie sei offenbar schon da.

Warum wählt er den Begriff Nation, warum nicht Demokratie, Freiheit, zum Beispiel auch freie Wahlen, in denen das Volk sagen und entscheiden kann, was es will?

Nation darf und muß historisch vorausgesetzt werden, wenn wir nicht den Boden unter den Füßen verlieren wollen. Der Kobold braucht diesen Halt unter den Füßen nicht. Seine Begriffswahl ist praktischer, weil sie eine Nation möglich macht, die zwar keine ist, aber sich wenigstens so nennt.

Ihm war dazumal an der Teilung Deutschlands gelegen. Die Sprungspinne hatte richtig verstanden: Holland ist keine Nation. Österreich ist keine Nation. Die Schweiz ist keine Nation. Eine deutsche Nation, wie wir sie aus dem Mittelalter kennen, schließt alle mit ein.

Der Haß machte ihn blind und führte ihn in die Irre.

Woher kam dieser Haß?

Was Avram zu wenig bedachte, waren Baniks Erfahrungen, war sein Insiderwissen. Während Avram die westdeutsche Demokratie verteidigte, wußte Ben Joseph, daß der Apparat ideologisch verrottet war, daß eine gewissenlose Trägerschaft des vergangenen Unheils sich des Apparates bemächtigt hatte.

Was dem Avram nach der Wiedervereinigung sofort klar war, daß nämlich eine neue Vergangenheit uns zu schaffen machen werde, das wußte er nach dem Kriege nur abstrakt. Banik Ben Joseph aber erlebte es täglich in seiner Behörde.

Banik wußte, was er tat, weil er die inneren Verhältnisse der politischen und staatlichen Machtstrukturen kannte. Sein Grundfehler war, daß er sich irgendwann mit den externen Feinden der Demokratie gegen die internen Feinde verbündete.

Aus diesen gesellschaftlichen und staatspolitischen Verhältnissen heraus wollte Banik Friedenreich sich neu konstituieren. Er wollte vom Bestehenden ein Stück abbrechen und daraus per Entscheidung seine Nation begründen.

Was macht das Gemeinsame aus, wenn wir nicht rassistisch argumentieren wollen: eine politische Selbstbestimmung, eine Konstituierung?. Die politischen Formen wechseln in Jahrhunderten oft mehrmals, das kann es nicht sein.

Doch Blut & Boden? Das ist ein Mythos, der nicht hält, wenn Menschen aus ihrem Land vertrieben werden.

Das Ewige, das bestimmende Element, ist die Sprache. Die deutsche Sprache beseelt die Deutschen, wenn man so will, und das hat einen grundlegenden Charakter.

Ein wanderndes Volk verliert seine Identität nicht, solange es seine Sprache behält. Die Sprache ist das kollektive Konstituens, ist das kollektive Bewußte und Unbewußte zugleich.

Der Begriff Nation bezieht sich auf Überkommenes, aufs mit der Geburt Übernommene.

Das lateinische natio heißt Geburt, ist auch der Name der Geburtsgöttin; es bedeutet Volksstamm, Völkerschaft, Sippschaft, Herkunft.

Im Laufe ihrer Geschichte unterscheiden sich die Völkerschaften infolge von Vergrößerung und natürlicher Teilung, Abwanderungen, Zusammentreffen mit Fremden, bisher Unbekannten.

Was durch die Sprache zusammenhält, ist noch am ehesten von Dauer, weil die Verständigungsmöglichkeit die Fremdheit aufhebt.

Die Einheit Europas hat ein Sprachproblem, das im Mittelalter durch das Lateinische im universitären und kirchlichen Bereich gelöst war.

Die Bildungsfrage stellt auch Grenzen in Frage. Sprachen verbinden und trennen. Sie schließen ein und schließen aus.

Gemäß der babylonischen Sprachverwirrung, die uns die Bibel überliefert, scheint dieses fast naturgeschichtliche System von Gott so gewollt zu sein, damit wir nicht übermütig werden. Die großen Zusammenschlüsse wären demnach diejenigen, die sich der Sprache bedienen.

So wäre etwa eine Union der Deutschsprachigen in Europa richtiger als die Union aller Europäer. Auch eine Union der Latein-Europäer mit den Latein-Amerikanern ist denkbar. Eine Union der Slavischsprachigen. Das ist kein Rassismus, sondern eine Ordnung nach Sprachkulturgebieten, und die sind geschichtlich gegeben, was künftige Kriege um Gebiete und regionale Hegemonien nicht ausschließt.

Latein-Europa und Latein-Amerika erinnern das römisch-katholische Christentum: ein weltgeschichtliches Phänomen aus dem Begriff der Sprachnation, der Muttersprache.

Dieses Szenario entspricht nicht dem, was ich mir unter Europa vorgestellt habe. Ein gebildetes Europa kennt keine Sprachgrenzen. Wo haben wir das gebildete Europa?

Das Sprachproblem hat sich nicht einmal in kleinen Ländern wie Belgien oder der Schweiz lösen lassen. Die Sprachgruppen leben nebeneinander her, von sprachgebildeten Ausnahmen abgesehen, die nur die Regel bestätigen.

Im Europäischen Parlament und im Europarat gibt es latent bis offen einen Sprachenstreit, der mit Macht- und Einflußfragen einhergeht.

Jeder Mensch hat eine Mutter und eine Muttersprache. Es ist eigentlich das, was jeder Identität zugrunde liegt.

Die intellektuelle Selbstdefinition bewegt sich in diesem Vorgegebenen, im Medium des Denkens, das von der Sprache abhängig ist.

Du definierst dich nicht ungestraft von dieser Entität weg. Niemand verleugnet seine Wurzeln ungestraft. Die Sprache ist der erweiterte Name, der an Gott gemahnt.

Was erbrachte die Französische Revolution dem Volk: la grande nation? Die Freiheit, die auf dem Papier steht?

Hat nicht die französische Sprache mehr Konstitutionskompetenz erwiesen als der revolutionäre, politisch gewollte Nationalstaat, und ist nicht andererseits der nationalistische Kult mit der französischen Sprache als retardierendes Element in die Geschichte Frankreichs eingegangen?

Merkwürdig, daß darüber die frankophone Communauté vergessen worden ist. Die Kolonialmacht Frankreich hatte mit der Entscheidung für die übergreifende Sprachgemeinschaft einen wichtigen Schritt in die Zukunft, zugleich aber aufs Wesentliche zurück getan. Das spätere Denken in Herrschaftsstrukturen und ethnischen Begriffen ist dagegen reaktionär und regressiv. Ist der Kolonialismus ein Element des Fortschritts in der Geschichte der Menschheit?

Baniks Berufung auf demokratische Entscheidungen ist nicht von Dauer. Der Harlekin der Revolution spricht nur noch hämisch von Demokratie, meint, daß der Nazismus in Deutschland endemisch sei. Die Deutschen sind also die genetisch bestimmten Nazis, und Hitler war genauso wie Adenauer und andere Politiker ein Demokrat.

Unser Kobold entwickelt im Laufe der Jahre einen Haß auf das deutsche Volk, daß man glauben möchte, der Haß sei im Harlekin genetisch angelegt, also eine endemisch gewachsene Eigenheit, die man ihm nicht austreiben könne. Wie auch das deutsche Volk eben ist, wie immer es sei.

Nur besteht dieser Kobold darauf, gar kein Deutscher zu sein. Er haßt die Deutschen, wie er später die Juden haßt, und rechnet sich jeweils denen zu, die er momentan gerade nicht haßt.

Er scheint stets geglaubt zu haben, was Lefeu in Le Havre ihm eingab: im Besitz der unverdorbenen politischen Rezepte zu sein. So erhob er sich über die Deutschen auf eine Weise, die in der Karikatur als deutsch verstanden wird.

Bei einem Vergleich kommt Deutschland, was z.B. seine Integrationskraft betrifft, recht gut weg. Was auf diesem Gebiet geleistet wurde, ist beispielhaft, doch leider kein Vorbild.

Deutschland hat seit 1945 nicht nur seine eigenen Flüchtlinge und Vertriebenen aufgenommen und so gut wie nahtlos integriert, es hat sich zum Einwanderungsland erklärt und mittlerweile rund sieben Millionen Migranten eingegliedert.

Es sind die Deutschen selbst, die aus verschiedenen ideologischen Winkeln den Deutschen, also sich, nicht nur das Leben schwer machen, sondern das Volk, also sich, mit Vorliebe als unbelehrbar, genetisch beschädigt, irgendwie anders als die anderen beschimpfen. Bei näherem Hinsehen entpuppt es sich freilich als ein interner Klassenkampf der techno-bürokratischen Neuen Mitte gegen die gesellschaftlichen Fundamente.

Der kritische Falke hat mit dem Hinweis auf gewisse Schichtenspezifitäten versucht, den vermeintlichen Nationalcharakter in eine Reihe von Sozialcharakteren aufzulösen.

Der autoritäre Charakter der Deutschen beruht auf der eigenwilligen Selbstfindung von Strebern und Aufsteigern, deren Chancen in Deutschland offenbar besonders gut sind, obwohl man in Dänemark, der Schweiz, in Österreich, Schweden und Rußland das gleiche Phänomen beobachten kann.

Nicht der große Unterschied zwischen den Reichen und den Armen; es sind eher zu relativierende Differenzen, die quer durch die Bevölkerung und durch die Familien gehen.

Die Mittelstandskultur ist in Deutschland nicht nur eine historisch gewachsene Gegebenheit, die sich obendrein stark in Frage stellen läßt, sie ist in erster Linie ein ideologisch vorerwünschtes Strebertum.

Der sprichwörtliche Fleiß der Deutschen ist kein Phantasieprodukt, sondern eine historische Erfahrung.

Wahrscheinlich hat die Mitte-Mentalität ihren Ursprung beim Militär. Erstrebenswert war nicht der Feld-Marschall, sondern der Feld-Webel. Das Erreichbare war ein Ziel.

So haben wir eine Mischung aus Ehrgeiz und Bescheidenheit, eine Eigenheit des Mittelstands, der in der Neuen Mitte allerdings den alles andere als bescheidenen Nachahmer gefunden hat. Mit dem Bewußtsein Neuen Adels steckt hier die faschistische Gefahr als soziologisches Novum. Untertanengeist ist heranzüchtbar.

Seiner beruflichen Karriere entsprechend, gehörte der harlekinische Don Quichote in diese Kategorie. Er war und ist der gehobene Mittelschichtler, der Macht will und erlangt, dessen Streben jedoch umständehalber gebremst und schließlich verhindert wird. Aus dieser Situation gibt es nur den Ausbruch, die explosive Daseinsveränderung.

Ein Rumpelstilz genügt sich nicht, ist neben dem Beruf auch ein Berufener. Als Parteipolitiker wurde er Demokrat und Sozialist und Ökologist, als Arbeiter im politischen Steinbruch diente er der Deutschen Jugend, bei Fahne und Reich, als Neuer Bonapartist, Euro-Sozialist und endlich als Heiliger Krieger des Islam in einer feindlichen Umwelt.

Doch im stillen, unerkannt, trauerte er, so die analytische Sicht, der Großen Kirche nach, die er widerspenstig verlassen hatte. Der autoritäre Charakter fand Unterschlupf in der Ideologie des kreuzritterlichen Deutsch-Orden-Preußens mit dem Ausguck - über Akko - auf den Islam.

Ein Harlekin gibt sich nie zufrieden. Er rasselt mit den Ketten, erfindet oder fand sich immer neue Theorien der Selbstspiegelung. Denn eigentlich ging es ihm nur um die harlekinischen Geschichten, die hier nun erzählt werden sollen.

Seine historische Selbstverwirklichung war ständig in Gefahr, ins Abseits zu geraten, nicht mehr ernst genommen zu werden. Da traf der Harlekin der Revolution auf Lefeu in Le Havre, auf die schreienden Farben der modernen Fotografie, auf den göttlichen Vogel, der ihm zum Schicksal werden sollte. So hatte Lefeu es sich ausgedacht.

Vielleicht bin ich der erste und bisher einzige, der diesen Mann zwar nicht unbedingt und explizit, aber in seiner Gänze, seiner politischen Funktion, vor allem in seiner ontischen Bedeutung versteht und ernst nimmt, wähnte Avram.

Was Mister Banik heute oder morgen im einzelnen schrieb, zählt weniger als der objektive Zusammenhang.

Er mag für das eine oder andere seines Tuns sogar blind gewesen sein. Es paßte durchaus ins Bild, daß der politische Harlekin klare Einsichten demonstrierte und brauchbare Analysen vorlegte.

Ein Mangel, daß er sich meist damit begnügte, sie in Briefform zu fassen und zu verbreiten.

Rumpelstilz liebt es nicht, beim Namen genannt zu werden, dann stampft er sich in den Boden der Tatsachen.

Gesellschaftlich genügte er sich nicht, während er ontisch und formal eine Selbstgenügsamkeit an den Tag legte, die Avram immer wieder erstaunte. Der Irrende von Darmstadt war auch sich ein Rätsel.

Er kannte viele Leute aus dem Apparat, hatte gute Beziehungen. Doch keine half. Womöglich hätte er mit formaler Brillanz sein gesellschaftliches Ungenügen beheben können, falls ihm je daran lag.

Dieser Kobold war überzeugt, der Genialsten einer zu sein, was für ein Jammer, wenn es ihn nicht mehr gab.

Aus seinen logisch konsequenten Einsichten zog er im Laufe der Zeit gegensätzliche politische Schlußfolgerungen. Was er in den achtziger Jahren als Gefahr an die Wand malte, war ihm in den neunziger Jahren ein willkommener Anlaß zum Seitenwechsel.

Aus dem Deutschenhasser wurde ein preußen-islamischer Nationalist, aus dem einstigen Freund der Juden ein fanatischer Antizionist.

So schreibt der selbe Mann, daß er in seinem politischen Leben stets die Einheit Deutschlands in den Grenzen von 1937 angestrebt habe.

Ohne Unterlaß.

Israel müsse von der Landkarte verschwinden.

Ja, eines Tages wurde er wirklich verrückt. Er drehte völlig durch, doch niemand weiß den Tag und die Stunde zu nennen, da es geschah.

Als Anlaß kann man sich allerdings den kuckuck notieren. Der setzte ihm zu. Mit dem kam er nicht klar.

Der kuckuck raubte ihm die Contenance.

Sollte ihn je einer als kultivierten Menschen gekannt haben, er würde ihn nicht wiedererkennen.

Was anfangs nur Taktik, davon kam er nicht mehr los.

Als ob sich im Denken ein Völkermörder versteckt, einer, der seine Wünsche und Ziele in Befürchtungen und Warnungen hüllt.

Der Friedenskämpfer der achtziger Jahre hat sich aber in den Neunzigern als heiliger Kriegstreiber einen Namen gemacht.

Und warum nicht in den siebziger, achtziger Jahren den Friedensschalmeien einer aggressiven Kriegsbewegung folgen?

Das waren die sprichwörtlichen Anfänge, denen es zu wehren galt. Der Harlekin der Revolution widersetzte sich nicht, sondern fädelte ein und machte kräftig mit.

Er ging mit der Meute.

Das gilt, wenn es gilt, für den politischen Kobold. Er gehörte dazu.

Ja, die existenzielle Unabdingbarkeit war bei Rumpelstilzen stets vorhanden. Auch auf ihn trifft der Satz zu: Die Reichsdeutschen haben eine Diktatur gewollt...

Niemand verhöhnt dann die Demokratie so verbissen wie dieser Harlekin des sozialistischen, ökofaschistischen, euro-gaullistischen, separatistischen, sufistischen Aufruhrs.

Und der Arier-Paragraph, den er bei den Sozialdemokraten beklagt, ist dem Islamisten-Deutschisten keineswegs fremd.

Was dieser Westentaschendämon inzwischen über und gegen die Juden geschrieben hat, bricht manche Rekorde antisemitischen Wahns. Alles nur psychologische Taktik?

Einst schlug er sich für Demokratie in Deutschland. Wenn er recht hat, hat er recht.

Die Freiheit des Citoyen wurde zur Ellenbogenfreiheit der Neuen Mitte. Was Albertz als Restauration des deutschen Obrigkeitsstaates denunzierte, war bei allen Mängeln die Gründung und Vitalisierung der Bundesrepublik Deutschland, deren Demokratie durch die Machenschaften der Neuen Mitte, dieser sozio-historischen Verwandlung der Alt-Neuen Rechten, in akute Gefahr geraten ist.

Und nun bricht aus der Routine der Staatsmaschinerie und eines verstaatlichten Volkes die Friedensbewegung heraus. Das macht die Todesangst. Die angekündigte Installierung amerikanischer Mittelstreckenraketen, die den Einschlag der sowjetischen provozieren, setzte in der sensibleren Jugend das verdrängte Schuldgefühl der Älteren positiv frei. Was wir den Juden und Sinti angetan hatten, wird auf uns zurückkommen.

Die angebliche Todesangst war organisierte Angstmacherei, eine Demagogie, die im Volke nicht verfing. Ein Beispiel für die politische Reife der Deutschen im Vergleich mit ihren minoritären Sprüchemachern. Vielleicht hat diese Mitte Angst vor einer Rache für Auschwitz und möchte drum ihr schlechtes Gewissen aufs Volk abwälzen.

Der Harlekin beklagte an der Bewegung, daß sie an eine Wiedervereinigung dachte. Die rotgrünen Friedens-Vereiniger hatten ein eigenes Modell vor Augen. Sie wollten die DDR als besonderen Staat anerkennen.

So hätten wir zwei deutsche Staaten bekommen, die irgendwann über eine Konföderation nachdenken mochten. An eine NATO-Mitgliedschaft war nicht mehr zu denken. Das Modell diente zur Beseitigung der Militärblöcke. Nun, der Warschauer Pakt hat sich selbst beseitigt, und die NATO reicht nach Polen. Wie lange noch?

Nur wenn die USA an einer Fortführung der bisherigen Allianz-Politik nicht mehr interessiert sind, wenn die ihren nationalen Interessen widerspricht, könnten die Friedenskrieger nachträglich Erfolg haben.

Merkwürdig ist, daß die harlekinisch an die Wand gemalten Gefahren seit der Etablierung einer rotgrünen Bundesregierung wirklich bestehen.

Der Weg nach rechts führt heute gegen rechts, wenn er erfolgreich sein will; gegen Nazismus und rechte Gewalt, wo oft genug die weltanschaulichen NS-Erbschaften aus den armanischen (!) Grundausstattungen hervorlugen. Armani ist nicht nur ein bis dato geheimer Herrenmodetip der neuen Gecken in der Politik.

Banik träumte, er sei ein Zebra und heiße Ismael. Ismael, der Sohn Avrams und der Hagar, galt christlich als illegitim. Er war der Sohn der Magd.

Ismael, Stammvater der arabischen Muslime, leitete Banik in den Islam.

Die Armut machte aus der Jüdin Lina eine Hagar, aus der Göttin der Nächte das Weib des Avram-Arthur Ben Agostino und die Mutter Ismael-Avrams. Der innere Islam war geboren. Avram Ben Arthur.

Ismail Ibrahim ibn Habib El Kokab.

Yussuf war ein Sohn Jakobs und Neffe Esaus, Enkel Isaaks und Urenkel Abrahams. Die Söhne Yussufs waren Manasse und Ephraim.

Seine letzte Erwählung war der Islam, dem er alsbald eine besondere Gestalt des Separatismus aufgab, den Preußen-Islam, die Hervorhebung Preußens als einer separaten islamischen Nation in Europa.

Das Preußen-Konzept ist die Ost-Variante des Neuen Rheinbunds. Die Freunde haben ihn verlassen.

So bleibt der kuckuck, ärgster Feind und letzte Zuflucht. Wie im Schwarzen September die Fatah-Streiter vor den tödlichen Attacken der Armee ihrer jordanischen Freunde über die nahe Grenze zum Erzfeind Israel flohen.

Alles vergessen.

Das Geheimnis der prägenden Kontroverse: es tobte ein Bruderkrieg. Die verfeindeten Brüder trennten sich einst im Lida Distrikt, sie oder ihre Väter und Großväter, und gingen in verschiedenen Richtungen fort. Herschl glaubte seinen Bruder Vechtel tot, in einem sibirischen Arbeitslager verschollen oder in Amerika verloren gegangen. Seine Schwägerin Faigl Kukawka-Morgenstern wurde in Bialystok ermordet. Vom einzigen Kind fehlt jede Spur.

Der eingangs erwähnte kleine Teufel am Kraterrand des Vulkans rief es ihm zu, wem zu, dem Avram oder seinem Bruder Tareq, auch Herschl, der den Namen des Vaters trug? War der Vulkan dieser Vater und der kleine Teufel sein Dämon, der uns in Le Havre als das Fotogenie Lefeu begegnet? Der Herr sprach zu ihm: Lekh Lekha! Mach dich auf! Und der kleine Teufel rief ihm nach: Suche deine Brüder, werde Antwort! Beide kamen aus dem Vulkan, und Lamakh war siebenundsiebzigfach geschützt und versiegelt wie Avram zu einer Zeit, da er die Welt noch nicht verstand.

Und Avram, der noch ein Anonymus war, machte sich auf den Weg durch alle Ödnis, die sein Schicksal ihm bescherte, und die Ödnis war voller Illusion, ein Irrlicht ums andere. Er mußte Gewichte schätzen und Bedeutungen messen, nichts blieb ihm erspart. Und Tareq war immer dabei. Er schimpfte seinen Bruder einen Mörder, und Avram sann darüber nach, ob er an Tareqs Tode schuldig wäre, wenn er nur alles genau bedachte, keine Kleinigkeit wegließ und den Dingen auf den letzten Grund ging. Abhram war Qain und Tareq sein Habhel. Wenn Amaleq sich als Gershl oder Hershl verhüllte und auf seinen Bruder und Vater Avram einschlug, um sich selbst zu Tode zu treffen im Auto auf der Straße nach D. am Brückenpfeiler aus Beton, dann, ja, dann hatte Tareq seine Stunde und beklagte die Welt.

Wo nichts mehr war, trafen sie sich eines Tages wieder, erschöpft und unerschöpft zugleich, zwischen Kukawka und Odessa, wo sie das Schiff nach Kairo nahmen, wo alles noch einmal begann. Eine Philosophie der Übermüdung kam zu ihrem Recht.

Ein Traum zu früher Stunde gegen 4 Uhr. Avram spürte einen Krampf in der rechten Wade und wurde wach. Er erinnerte sich an eine Buchhandlung: Ich stand an einem Tisch und suchte nach einem bestimmten Buch. Im Traum kannte ich den Namen des Autors. Ich fragte nach dem Hauptwerk oder Lebenswerk, seiner Lebensgeschichte, seiner Biografie, einer Autobiografie. Eine Angestellte, ging vorbei, ich rief es ihr zu, erhielt keine richtige Antwort. Vor mir aufgetürmte Taschenbücher, Broschüren. Ich hielt einen umfänglichen Band in Händen, mit grobem, rauhem Ledereinband, der sich beim Blättern bog, er trug keinen Titel. Das Buch war in alter Fraktur gedruckt. Am oberen Rand einer aufgeschlagenen rechten Seite lese ich "Übermüdung".

Der rauhe, titellose Ledereinband signalisierte teuer, und daß ich es mir nicht leisten könne.

Avram vergaß nicht, verzieh aber seinem Bruder alles, weil der nicht schuldig war in seiner Unwissenheit. Tareq wußte nicht, was er tat, denn er wußte nicht, daß sein Erzfeind sein Bruder war. Beide wußten es nicht. Und beide hatten eine Ahnung davon.

In seinen Träumen lebte und starb Tareq in Belarus, in Bialystok, wo ihre Schwester Faigl, eine verehelichte Morgenstern, ermordet wurde. Ihr Mann Vechtel beendete sein jüdisches Leben in einem sibirischen Arbeitslager. Sie hatten ein Kind, das seither verschollen ist. Oder war Faigl ihre Schwägerin und Vechtel ein Bruder?

Der vulkanische Winzling hatte sie zusammengeführt und wieder auseinander gerissen. Er führte den einen auf Glatteis und bestimmte den andern zu seinem Retter in der Robe des Staatsanwalts, der zuletzt Gnade walten ließ und lassen mußte, denn Brüder verraten einander nicht an die Obrigkeit der Widersacher, und Widersacher waren sie alle.

Jäger und Gejagter waren Brüder.

Plötzlich erscheint mir alles so unwirklich. Mit dem Leoniden hat die Welt andere Gestalt angenommen. Ein neuer Stern am Himmel ordnet sich ein und bestimmt die täglichen Dinge.

Im Kalender steht Lekh Lekha, die Aufforderung an Avram, sein Vaterland zu verlassen und in das Land zu ziehen, das Gott ihm nennen werde. Es ist der Befehl am Tage der Geburt Davids, dem 13. Cheschvan des Jahrs 5761. Vollmond. Er zieht mit Lot und den Frauen nach Kanaan und schließlich nach Ägypten, denn Hunger war im ganzen Land. Und Avram sorgt sich um den Leoniden, der dem Fotofeu ins Visier geriet.

Von Krieg war die Rede.

Demokratie in Deutschland hat das enge Bündnis mit den USA zur Grundbedingung.

Was sagt Friedenreich anno 82 oder 83 dazu?

Ist der Harlekin ein Prophet?

Die Drohung mit den Atomraketen hebt die Prophezeiung wieder auf.

Der Ethnizismus ist ein europäisches Faktum. Das vorgeschichtliche Zusammentreffen zahlloser Stämme hat Europa und gerade auch Deutschland konstituiert. Diese historische Realität muß zur Kenntnis genommen werden. Es ist auf vielfache Weise versucht worden, die Tatsachen zu korrigieren oder auszuräumen. Die vereinte Volkstums- bzw. Nationalitätenpolitik Hitlers und Stalins ist eines der jüngeren, abschreckenden Beispiele. Ethnische Vertreibungen nach 1945 bis Kosovo sind Versuche wider die Geschichte und sind doch auch diese Geschichte selbst. Die Geschichte archiviert solche Fehler. Alle Versuche, die Welt umzumodeln, sie in Ordnung zu bringen, scheitern nicht nur, sie müssen bezahlt werden.

Die harlekinischen Ausführungen sind damals unkommentiert geblieben. Damit war, wenn auch unerkannt, eine geschichtliche Vorsorge getroffen. Kaum zwanzig Jahre danach sind wir in der Lage, frappierende Vergleiche anzustellen - nicht nur maßzunehmen an der Geschichte, wie sie tatsächlich verlief.

Von den Kinderhöllen in Deutschland müßte ich zuerst erzählen, denn dort fängt "unpolitisch" alles an, was die Kontinuität deutscher Staatsgewalt ausmacht.

Avram glaubte ihm kein Wort.

Dokumente einer lebendigen Phantasie?

Ich will deshalb nur von einem sprechen, mit dem ich damals kein Wort gesprochen habe. Denn im Bann der Angst haben er und ich einander kaum wahrgenommen. In Erinnerung ist mir nur noch der letzte Tag vor seinem Abtransport, als er sich in der Schule verabschiedete.

Eine Erinnerung oder eine erfundene Geschichte?

Er hieß wirklich so: Timotheus Kreuz, ein gut katholischer Name, denn er war katholisch. Er war auch, was wir, ohne kränkende Absicht, einen Zigeuner nannten. Ob Sinti oder Roma, weiß ich nicht. Wie alt waren wir? Sieben oder acht Jahre. Es muß Ende 1939 oder Anfang 1940 gewesen sein.

Vielleicht war es 1938.

Die Geschichte paßte genau in die politisch-ideologische Landschaft der siebziger und achtziger Jahre.

Ein gutes Jahrzehnt später schreibt der selbe Mann, jetzt als Moslem, in einem Brief an Avram: Sie schrieben einmal, ein stehlender Zigeuner, dem der Bestohlene ins Gesicht speie, sage ungerührt, "es regnet". Ist das Ihr Selbstporträt? Amalek gilt Ihnen doch als ägyptischer Zigeuner. Mit Ihnen kann man nicht kooperieren, das ist bekannt. Man darf es auch nicht aus Gründen der moralischen Hygiene. Wer im Zigeunerlager lebt, kommt, falls überhaupt unversehrt, nicht ohne Ungeziefer zurück (feder 8:19).

Und: Er will nicht nobel sein und benimmt sich oft wie ein asozialer Zigeuner... (f 11:41). Wie kriegt ein Mann wie Fritze Banik solche Worte aufs Papier? Er weiß, was geschah, kennt die Geschichte, kann nicht sagen, er habe es nicht gewußt. Oh, er weiß! Und dieses Wissen macht ihn schuldig, macht ihn verantwortlich für seine Hetze gegen Zigeuner und Juden!

Was geht in diesem Kopfe vor, dem so viel Böses einfällt, das er anderen zuschreibt?

Bei aller Wahrheit im Detail, es wird doch nur ein tendenziöses Stück daraus.

Das sind doch nur die typischen Ausscheidungen eines deutschen Selbsthassers. Vor denen werde ich meinen Lebtag die Deutschen als Volk in Schutz nehmen.

Da war zum Beispiel der kurzweilige Briefwechsel mit Robert Havemann. Aber nach unserem Konzept sind die Vorgänge und Personen, die darin handeln und an die er sich wandte, zweit- oder drittrangig. Die Emanation namens Banik spricht für sich, ist eine geschlossene Entität, und wie die Harlekinische Idee bereits ausformuliert war, ehe der Harlekin dann wirklich auftrat, so ist in seinem Leben nichts zufällig, nichts, das nicht vorgesehen war von Anfang an, seit seiner Geburt, vor seiner Geburt, mit, ja vor seiner Zeugung. Und sein jüdischer Großvater lebte spätestens mit seiner Erwähnung und Beschreibung durch den Enkel.

Der Antipode zu Israel war keimhaft gegeben, lange vor der literarischen Begegnung. Das ist bemerkenswert: Sie kannten sich nur aus den Schriften. Alles weitere folgte daraus. Mit Hilfe der Phantasie haben wir vielleicht eine ungefähre Vorstellung vom Aussehen des jeweils anderen. Sonst ahnen wir nur und lesen im übrigen, was über sie geschrieben steht.

Der Harlekin der Revolution gefällt sich in der Rolle des marxistischen Theoretikers und beweist damit seine Schmiegsamkeit.

Der Kobold ist kein Theoretiker. Der Kobold ist intelligent, ist klug, hat eine schnelle Auffassungsgabe. Er begreift, wo er begreifen will. Er schaltet sich ein und paßt sich an. Seine Aufgabe ist nicht die Theorie, sondern die Einschaltung. Er interveniert. Seine intellektuellen Anpassungen erfolgen eruptiv und kollidiv. Friedenreich ist ein Mars-Geschöpf.

Eine Zeitlang war der schreibende Vogel die Quelle schlechthin, wenn man sich über Amaleq, seine Thesen und Abenteuer informieren wollte. Leser fanden das bald nicht mehr sehr lustig, wünschten ein Ende der Debatte mit dem Harlekin der Revolution.

Aber da war etwas, was offenbar nicht sofort verstanden wurde. In Friedenreichs Arbeiten verbarg sich eine politische, wenn nicht historische Botschaft. Friedenreich war mehr als der oder das, den und was wir von ihm erfuhren. Das war zumindest ein Eindruck, der sich zur Hypothese entwickelte. Es entstand allmählich eine merkwürdige Situation.

Zwischen Banikamaleq und Avram entfaltete sich ein Grundsatzstreit, an dem die Leser nicht mehr teilnahmen, den sie nur noch als neutrale Beobachter verfolgten. Sie machten sich ihr eigenes Bild von dem Kampf zweier alter Männer, ohne noch auf die Inhalte der Auseinandersetzung zu achten.

Die Absurdität steigerte sich bald dahin, daß Friedenreich und Avram die einzigen waren, die wirklich verstanden, was ablief.

Im Laufe der Jahre unternahm Avram wiederholt den Versuch, ibn Yussufs politisch-historische Rolle zu analysieren und auszuwerten. Dabei ging er oft bis an die Grenzen des Zumutbaren.

Wer war dieser Banik Friedenreich, fragte er sich und die höhere Instanz der Leserschaft. Avram dachte daran, Baniks Geschichte literarisch aufzuarbeiten, ihn verdeckt zu behandeln.

Nach seinem lang verstorbenen Großvater Joseph nenne ich ihn ibn Yussuf.

Eine Geschichte von dreißig Jahren und die Instandsetzung eines Fragments.

Der Harlekin ist mehr als eine Person. Er ist ein Prototyp, der immer wieder auftaucht, sein Unwesen treibt und verschwindet, nicht ohne penibel darauf zu achten, daß seine Spuren... Aber nein, die Geschichte muß anders erzählt werden. Der Harlekin verwischt seine Spuren nicht, er leugnet sie.

Alles lief ab, wie es ablaufen mußte. Es erfüllte sich ein Schicksal auf wirklich vertrackte Weise. Friedenreich war der rächende Retter und verstand sich auch so. Wer erkannte in ihm das böse Prinzip, das sich Geltung verschaffte?

Ja, er war ein Kämpfer, ein Landsknecht, der für jeden kämpfte, der ihn dafür lobte, und er ist müde geworden. Und doch käpfte er immer nur für sich.

Die Lektüre seiner Schriftspuren macht bald klar, daß der Fall komplizierter ist, als er in der Hitze des Gefechts dem Widerstreiter erscheinen mochte, daß jedenfalls auf zu schlichte Weise nichts zu ergründen sein wird.

Die Vorurteile, die für beide Seiten den Kampf vereinfachten, stehen nicht am Anfang. Doch es dauert nicht lange, bis der Krieg seine ersten Gefechtsgeräusche hören läßt.

Das Mißtrauen brach auf, als ibn Yussuf dem Avram seine Geschichte zu erzählen begann, denn der glaubte ihm nicht. Es wurden Sachverhalte ausgebreitet, die alles belegen sollten, doch je mehr Avram zu sehen bekam, desto mißtrauischer wurde er.

Im Hintergrund lauert eine ungeklärte politische Affäre, die im diplomatischen Raum begann und endete. Es begann in den sechziger Jahren und endete 1975, aber danach ging es erst richtig los.

Er verlor plötzlich seine Stelle als Presse- und Kulturattaché und lag auf der Straße. Im nachhinein sieht die Entlassung wie geplant aus. Hatte das Amt ihn längst freigegeben? Ein ganzes Jahr stand er unter Beobachtung, dann schnappte die Falle zu.

Er hatte ein Spiel begonnen und sollte dafür bestraft werden. Schnell geriet er in den Verdacht, für eine fremde Macht zu arbeiten.

Er brachte sich ständig in Gefahr, machte auf sich aufmerksam, liebte den Wirbel, der tat ihm wohl.

Das Schlimmste, was ihm geschehen konnte: verschwiegen werden. Man mochte über ihn die bösesten Geschichten erzählen, doch ihn vergessen, ihn nicht mehr beachten, das traf ihn in der Seele.

Wie eine Medusa auf dem Sand, wartete er auf die nächste Welle, die ihn zurücktragen würde.

Ihn trieb der Übermut, sobald er sich sicher fühlte. Er war intelligent und beliebt. Das hielt in jungen Jahren, ließ später nach; auch mit zunehmendem Alter entwickelte er einen gewissen Charme, der ihm oft über Abgründe half.

Menschen, die ihn näher kannten, mochten sich von ihm täuschen lassen. Avram war davon überzeugt, daß es so sein mußte: ibn Yussuf war ein Täuscher, ein Scharlatan, der es verstand, mit einer Visitenkarte aus Diplomatenzeiten um Achtung zu werben. Er schlich sich ein.

Avram traute ihm nicht, trug mit seinem Argwohn zur Verschlechterung der Beziehung bei.

Dennoch war da eine wechselseitige Schätzung. Avram machte eine Zeitung, und Tareq ibn Yussuf bewunderte ihn darob. Banik Friedenreich hatte nämlich, wie er von sich sagte, zwei linke Hände.

Avram wiederum hatte in Tareq ibn Yussuf die Nachrichtenquelle entdeckt, die er nicht versiegen lassen wollte. Dieser Friedenreich kannte viele Menschen, war in der Welt herumgekommen, sprach mehrere Sprachen, trug interessantes Wissen in seinem Gepäck. Man mußte es nur prüfen.

Baniks Albträume waren Erinnerungen an eine verlorene Zeit. Wenn er aufwachte, fand er sich in Schweiß gebadet. Was hatte er nur angerichtet, daß er auf einem Trümmerhaufen saß, seine Frau, wie Avram, ohne es zu wissen, vermutete, ihm davongelaufen war. Das durfte nicht wahr sein. Doch er wußte, daß es so war. Sein Wahn half ihm darüber hinweg.

Die beiden waren einander nie begegnet, doch sie kannten sich besser, als jeder andere seinen Nachbarn oder Mitarbeiter kennen mochte.

Ihr zufälliges Zusammentreffen hatte etwas Vorhergesehenes, Vorbestimmtes. Es sollte sich so entwickeln, wie es dann geschah.

Waren feindliche Seelen zusammengestoßen? Vielleicht hätten sie sich unter anderen Umständen ganz gut verstanden.

Banik Friedenreich warb um Freundschaft. Avram hielt Distanz, ließ den Werbenden nicht an sich heran. Ibn Yussuf war ihm nicht geheuer.

In Banik Friedenreich entlarvte sich die Bundesrepublik Deutschland als ein kulturloses, gewöhnliches Politmonster.

Durch ibn Yussuf fand der Verdacht Bestätigung, daß ibn Yussuf kein Einzelfall war. Der Mann war als Deutschlands Vertreter für Kultur und Sprecher der Politik ein Kuriosum und Skandalon zugleich.

Ben Joseph interpretierte weltweit deutsche Politik. Verkrachte Diplomaten sind das Holz, aus dem Palastrevolten geschnitten werden. In ihrer Unzufriedenheit, ihrem beruflichen Unbefriedigtsein lauert der Verrat.

Tareq ibn Yussuf war in seiner Art proteisch.

Er läßt sich nicht fassen. Er blendet, sollte aber nicht unterschätzt werden, macht sich geheimnisvoll, ist aber kein Spieler, der auf ein Game aus wäre. Wer dachte, er sei es, traf auf den Nachbarn, der sich aufregte, weil ihm einer auf den Schlips getreten war oder durch den Vorgarten latschte und auf seinen Beeten stand.

Aber da war immer mehr in dem Mann.

Unser Kobold war nicht nur der verkrachte und vom Schicksal zunächst verwöhnte Staatsangestellte. Eigentlich hatte er nie da hineingepaßt.

Banik ist kein Herdentier, aber auch nicht der typische Einzelgänger. Er schwimmt in der Welle, geht und trabt mit der Herde, folgt dem Zeitgeist, um leichter aufzusteigen. Was sich bereits bewegt, ist leichter zu dirigieren. Sobald er sein Etappenziel erreicht hat, tritt eine neue Verhaltensweise ein.

Etappenziele sind ihrer Natur nach objektive Begrenzungen. Es geht nicht weiter, und Friedenreich holt sich eine andere Leiter, wobei es problematisch werden kann, wenn er ein paar Stufen zurücktreten muß; springt auf einen anderen - fahrenden - Zug.

Er annonciert seinen nahen Tod und ist bei der Wahl der Mittel nicht pingelig. Zu gern nähme er an seinem Begräbnis teil.

Psychologisch kann man damit schnell fertig werden. Aber Banikamaleq ist kein Patient, sondern ein politischer Akteur. Ein gefallener Engel, der zwischen Selbstmitleid und autoritärer Unverschämtheit hin und her pendelt.

Ein angeschossener schwarzer Vogel. Einer, der nicht aufgeben will, dessen Verabschiedungen nur die nächste Wiederkehr ankündigen. Einer, dem alle Mittel recht sind, der keine Skrupel kennt. Damit folgt er nur seinem Gesetz.

Banik Friedenreich ist ein geschickter und gesandter Operateur, ein Privatmann, dessen intimste Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sind beziehungsweise gefälligst zu sein haben!

Siehe da, ein Mensch!

Ich bin der, vor dem uns die gute Fee immer gewarnt hat, der bin ich, ja, der bin ich.

Wenn ihr mich nicht ernst nehmt, wenn ihr glaubt, an mir vorbeisehen zu können, werdet ihr euer Wunder erleben, dann werdet ihr mich kennenlernen!

Ob er kriecht oder fleucht, ob er steigt oder fällt, noch in seinen tiefsten Stürzen bittet er um unsere freundliche oder unfreundliche Aufmerksamkeit.

Der Harlekin der Revolution ist ein Künstler und ein Kunstwerk zugleich. Das sich selbst erschaffende Gesamtkunstwerk Banik Friedenreich lädt zur Besichtigung ein.

Avram hatte ihn als vielschichtigen Agenten eingeführt. Ibn Yussuf sollte mitspielen, um auf diese Weise einen interessanten Brenn- und Anziehungspunkt zu schaffen. Wo zwei sich streiten, findet bald auch Publikum sich ein.

Das hat ibn Yussuf nicht verstanden.

Die Nerven hielten nicht, auch litt er an Asthma. Sein einstiger Chef hatte das gleiche Leiden. Aus der Krankheit luge die Angst hervor, sagte ibn Yussuf unbekümmert ins Mikrophon. Dagegen hilft nur Israel, das Salzmeer nach Sodom und Gomorrha.

Avram begriff diese Aufregung nicht.

Was hätten die zwei auf die Beine stellen können! Eine Zeitlang erschienen sie gemeinsam unschlagbar. Doch ibn Yussuf akzeptierte die Regeln nicht, verstand sie wohl kaum und spielte verrückt...

Der Advokat des Teufels hatte sich an dem Taha zu Darmstadt vergeudet.

Der Mann lebt davon, daß er seine Vergangenheit von Fall zu Fall neu erfindet. Diese Geschichte will geschrieben sein. Er ist an einer Aufarbeitung nicht interessiert. Was tun?

Die Einzelheiten sind im Laufe der Jahre dargestellt, beschrieben, kritisiert und abgelegt worden. Den Fakten ist nichts mehr hinzuzufügen, und alles noch einmal durchzukauen, ist sowiewo unnötig, da die Dokumente alles Wichtige hergeben.

Taha ibn Yussuf sollte sich dazu noch einmal abschließend äußern, aber er witterte Gefahr, neuerlichen Verrat an seinem Anliegen, so ist nichts daraus geworden. Vorerst.

Zwischen zwei Bänden, die der Revisionismus-Kritik gewidmet sind, will ich nun an der Sache Friedenreich eine geläuterte Revision vornehmen, keine sachbezogene Uminterpretation, sondern eine Betrachtung der übergeordneten Bezogenheiten. Der olympische Blickwinkel bringt ein paar Überraschungen zutage.

Die Harlekinischen Geschichten wieder aufnehmen und fortsetzen, um sie zu einer Vollendung zu bringen.

Die Geschichten nahmen einen harmlosen Anfang. Daran könnte man anknüpfen. Lefeu kommt ins Spiel. Die Spinnerei, durchsetzt mit Zitaten aus alten Heften, kennt keine Grenzen. Wozu sollte es gut sein?

Ich will die Dinge und den Mann bei vielen Namen nennen. Über die Jahre kam alles Gute und Böse im Klartext unter die Leute. Die eine oder andere Neuansicht soll dem Mann und Macher aus Darmstadt zugute kommen.

Der Reiz der Literatur. Roman, ja, einen Roman sollst du schreiben!

Den Roman zum Roman. Sein Leben war ein Roman. Aber das ist nun schon entschieden.

Hier kommt es wirklich auf die richtige Form an. Beginnend mit der Kindheit. Nicht zu weit schweifen.

Die literarischen Überlegungen bergen die Gefahr einer Überzeichnung. Aber ein Friedenreich kann gar nicht überzeichnet werden. So einen Menschen trifft man nicht oft. Die Überzeichnung ist mit ihm lebendige Gestalt geworden.

Banik Friedenreich wandte sich an bekannte Adressaten.

Seine Einwände lassen sich auf einen festen Nenner bringen: Er wollte die Wiedervereinigung Deutschlands verhindern. Ja, er arbeitete an einer weiteren Teilung, an weiteren Teilungen des Landes. Sein Regionalismus war extrem gegen die Bundesrepublik gerichtet, die er dem alten Reich gleichsetzte. Dann kommt er aus dem Schlamassel nicht mehr heraus, weil er ständig daran erinnert wird, daß seine politische Vergangenheit anders als von ihm geschildert verlief. Seine paranoisch antideutsche Politik kam von der Großwetterstraße ab. Banik lief panisch aus dem Ruder.

Ein solches Bestreben lag nicht einmal im Interesse der Sowjetunion, die Deutschland als Gesamtes nur vorübergehend als eine Art Faustpfand aufgegeben hatte. Die andere kommunistische Weltmacht, China, trat sowieso für die Einheit Deutschlands ein. Die Position der Schwächung durch Teilung konnte allenfalls als Unterstützung der DDR gedacht sein, aber auch im Sinne konkurrierender Nachbarstaaten in Europa, also etwa Dänemarks, Frankreichs, der Niederlande, Großbritanniens... Was zählt das alles vor der Instanz, die wir hier im Sinn haben, der wir alles vorlegen wollen, was im Sinne und zu Gunsten des einst Angeklagten in allem mit drinsteckt?

Friedenreich vertrat seine radikale Position gegen Deutschland durchaus überzeugend. Er ließ durchblicken, daß er als politisch, gar rassisch Verfolgter eine schlimme Kindheit hinter sich hatte. Sein Vater, ein alter Sozialdemokrat, hatte 1933 seine Arbeit bei der Sozialversicherung verloren. Die Familie litt auch nach dem Kriege unter antisemitischen Attacken und Anzüglichkeiten.

Dennoch war Avram mißtrauisch. Vieles glaubte er nicht.

Es gab etliche Widersprüche und Ungereimtheiten in den Erzählungen, die der schreibende Flügelschlag im Verlauf einer langen Korrespondenz zu klären suchte. Das machte den Briefpartner allmählich böse.

Andererseits: wo finden sich solche immanenten Widersprüche nicht, wenn ein ganzes Leben sich schriftlich ausgebreitet hat?

Banik Friedenreichs spätere antisemitischen Ausbrüche sollten dem mißtrauischen Avram schließlich recht geben.

Wie könnte man den Gegensatz zwischen Avram und Friedenreich definieren?

Avram war der typische Einzelgänger, der alle Kräfte in sich weiß, gesellig durchaus, aber in seinen Entscheidungen und Handlungen letztlich immer einsam.

Banik Friedenreich gehörte ständig irgendeiner Organisation an, einer Partei, einer Behörde, einem bedeutenden Betrieb oder einer Religionsgemeinschaft. Er brauchte den Hintergrund einer Institution, auf die er sich berief. Seine Kräfte holte er sich aus dem Kollektiv, in dem er sich bewegte. Ohne Kollektiv schien er buchstäblich in nichts zu zerfallen. Sein Halt lag außerhalb. Es war sein großer Mangel.

Avrams investigative Methode war nicht immer fein. Um mehr aus Banik herauszubekommen, ging Avram provokant psychologisch vor. Dabei kam mir eine bald erkannte Labilität dieses Kobolds entgegen, sagt Avram. Ich wehrte mich jedoch gegen die Annahme, es in Friedenreich mit einem angeknacksten Pechvogel zu tun zu haben. Eher hielt ich ihn für einen Profi, der seine dilettantischen Einlagen gab, um von heiklen Fragen abzulenken. Die ontische Qualität der Banikschen Einlassungen habe ich ständig mitbedacht, fand jedoch in der politischen Streitlandschaft allenfalls ein paar polemische Niederschläge.

Er war empfindlich oder spielte mir eine Empfindlichkeit vor, die zu einem Profi seines Schlages nicht passen wollte. Seine Karriere lag vor mir. Ich konnte sie greifen. Doch plötzlich kam es zu jener Katastrophe in Afrika. Ich untersuchte den Fall, so gut ich konnte, und kam zu dem Ergebnis, daß Friedenreich nicht unschuldig war. Doch welcher Mensch ist unschuldig?

Er bezichigte mich der Lüge, der Unterschlagung von Nachrichten, um ihm zu schaden. Daraufhin veröffentlichte ich einen großen Teil unserer Korrespondenz. Das war formal nicht korrekt, aus meiner Sicht jedoch legitim. Die Briefe bewiesen, daß ich nicht gelogen und die Leser nicht getäuscht hatte.

Seitdem ist Krieg zwischen Israel und Amaleq. Was für mich eine Klärung der Sachumstände, das war für Amaleq der casus belli. Doch da, wie gesagt, der Krieg, auch dieser Krieg mithin, der Vater der Dinge ist, muß der nun fast zwei Jahrzehnte dauernde Streit mit Banik Friedenreich irgendetwas hervorgebracht haben, das des Nachdenkens wert ist.

Worum ging es damals eigentlich? Ich war dahinter gekommen, daß er Verbindungen zu politischen Kreisen hatte, die man einerseits der rechten Szene zuordnen mußte, die andererseits eine Politik betrieben oder anstrebten, die Deutschland aus dem Westen heraushebeln sollte.

Den ersten Maulwurf der Nation kannte er seit vielen Jahren aus gemeinsamer SPD-Mitgliedschaft, er machte auch gemeinsam mit alten NS-Prominenten subversive Politik gegen die Bundesrepublik Deutschland, und zwar so entschieden und intensiv, daß ich von dem ursprünglichen Gedanken, er wolle sich nur für seine Entlassung aus dem diplomatischen Dienst rächen, bald abkam zugunsten einer anderen Überlegung.

Tatsache war, daß er nur fortsetzte, was er auch vorher getan hatte. Vielleicht diente das Vorspiel lediglich einer später nützlichen, plausiblen Glaubwürdigkeit. Was er tat, hatte durchaus etwas Agentenhaftes, aber stets so, daß man es seinem Naturell zuschreiben wollte. Für einen Agenten war er zu geschwätzig, aber war er das überhaupt?

Es war immer wieder mal zu beobachten, daß er bestimmte Fakten und Vorgänge zeitweilig verschwieg, daß er taktisch vorging, daß er seine Informationen dosierte. Ich gab und gebe der Theorie den Vorzug, daß er gewissermaßen ein geborener Zersetzungsagent war. Er machte das alles aus eigenem Antrieb, hatte sozusagen dieses Schicksal abzutragen. Die harlekinische Sprungspinne war in ihm.

Die Briefe nach Grünwalde besagen, daß Banik Friedenreich den Frieden in Europa ausdrücklich von der Erhaltung des sowjetischen Machtblocks und seiner Vorherrschaft abhängig machte. Und von der Teilung Deutschlands und damit Europas. Das System Yalta sollte der Stein der Weisen sein?

Damit ist die Koboldsfrage noch lange nicht beantwortet. Als Hilfstitel dient, was eine substantielle Hypothese bezeichnet:

Der Hasser

Banikamaleq ist ein Hasser. Er haßt alles, was ihm über den Weg läuft, ohne ihn näher zu beachten. Er haßt vor allem sich selbst. Sein Selbsthaß ist die Grundbedingung für den Allhaß des Banik Friedenreich. Wir wollen jetzt nicht nach den Gründen forschen. Es genügt, daß wir es festhalten: Er mag sich nicht. Sein Name macht ihm zu schaffen. Denn Friedenreich ist ein Krieger.

Äußert sich in den Haßausbrüchen eine Selbsterkenntnis? Er haßt die Deutschen, die Juden, den Avram und den Kokhaviv und die ganze Mishpachah. MiShPaChaH. Er haßt alle, die ihn nicht mehr mögen, weil sie ihn durchschaut haben. Was ihn im Trocknen liegen läßt, zieht seinen Haß auf sich. Banikamaleq frißt sich auf wie eine selbstmörderische Giftspinne, falls es so was gibt.

Wir wollen alles von einer anderen Warte, unter einem anderen Blickwinkel betrachten. Wer schreibt, ist der Wahrheit verpflichtet. Später fügte ich hinzu: Die Wahrheit aber ist revolutionär. Wer demnach schreibt, der bindet sich an die Revolution. Was aber ist das?

Avrams Definition wich immer von der herkömmlichen ab. Die herkömmliche Auffassung von Revolution war stets, daß mit ihr und durch sie die alten Gesetze abgeschafft werden sollten. Die Ewigkeit und ihre Regeln wurden negiert. Alles war der Geschichte unterworfen, und durch sie relativierte sich alles, was einmal geschehen und künftig geschehen würde. Der Mensch mußte nur das Schicksal in seine Hände nehmen. Relativierung und Subjektivierung schlossen ein Bündnis.

Avram definierte Revolution dagegen: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Das Gesetz, das ich mehr und mehr als das Gesetz Gottes verstand, mußte wieder zur Geltung kommen. Die Ewigkeit galt es wieder zu Bewußtsein zu bringen.

Wie hing das mit Avram zusammen? Wie äußerte sich hierin sein persönlicher subjektiver Faktor? Warum stand er plötzlich auf der anderen Seite? Obwohl er doch aus der antiautoritären und antipatriarchalischen Grundauffassung hervorgegangen war.

Stimmte das aber hinsichtlich der Prinzipien? Warf er den Vätern nicht vielmehr vor, das Gesetz verletzt zu haben, also ihrer Pflicht nicht mehr nachgekommen zu sein? War er nicht der Sohn, der sich zu ihrem Vater machte und machen mußte, um die Dinge erst wieder ins rechte Lot zu bringen?

Andererseits: macht das nicht jeder Ödipus? Will nicht jeder an die Stelle des Vaters treten, um ihn später zu entdecken? Gab es da wirklich einen so gravierenden Unterschied, daß Avram sich von diesem ewigen Kreislauf ausschließen konnte?

Die Wahrheit ist revolutionär. Umdenken ist wie der Sprung aus dem Fenster. Solche Sprüche begleiten Avrams Schreiben, bilden seinen Kern. Ein paar Aphorismen kehren wieder, dann und wann, doch an ihnen erkenne ich, wenn ich ehrlich bin, eine Wiederkehr des Immergleichen, das sich zur Lehre aufgeschwungen hat. Wie kommen wir aus dem Zyklus heraus?

Auch darauf hatte er die Antwort bereits vor Jahrzehnten gegeben: Befreiungsakte sind eine List des Schicksals. In Banik Friedenreich bekämpft Vater Avram den Ödipus, der nicht zur Vernunft kommen will.

Wer bin ich, daß ich diesen Haß auf mich ziehe, als wäre da eine Mauer, an der sie sich die Köpfe einrennen? Sind denn meine Denkerträge so gültig, daß ich über alles erhaben sein kann? Worin haben meine ödipalen Feinde recht? Was setzen sie an mir aus, das kritikwürdig wäre? Unger Varnsdorf hat versucht, den einen oder anderen Aspekt nacherzählerisch herauszuarbeiten. Ja, das bin ich.

Die Rede ist von Fällen: Jeder persönliche Amaleq ist ein ebensolcher Fall.

Das soll ohne meine Schuld abgelaufen sein? Erzählungen und Nacherzählungen, Essays.

Kann ich mich erhaben über alles fühlen und gleich zur Tagesordnung übergehen? Ist mein eingeborener Argwohn außer jedem Zweifel? Er hat mich vor Gefahren bewahrt. Er hat mir auch eine Menge Feinde beschert. Ich sage Verrat, als ob mit mir gleichsam alles, was wert ist, verraten werde. Wer mich verrät, wird auch jeden anderen verraten. Auf Amaleq im Quadrat trifft es zu. Amaleq hatte schon als Kind ein gebrochenes Verhältnis zur Wahrheit. Ein charakteristisches Moment.

War ich der Wahrheitsfanatiker, der seinen Mitmenschen das Leben zur Hölle machen konnte? War ich der Fels, gegen den sie anrannten? Waren nicht jene nur unbeweglich, überempfindlich?

Ich warf einen Schatten, dieser Schatten verfolgte mich nun.

Ich wollte eine SACHE HINTER MICH BRINGEN, und es gelang mir nicht. Ich saß in einer Falle, die ihre eigenen Regeln entfaltete und mich nicht mehr losließ. War das ein Schicksal, das ich zu tragen hatte? Ich begriff es so und will versuchen, die Zusammenhänge genauer zu verstehen. Vielleicht hatte ich nur etwas falsch gemacht und falsch verstanden.

Mein Amaleq hat es gewagt, gegen mich aufzutreten, und er hat es nicht schlecht gemacht. Ich bin auf seiner Seite, wenn ich die Dokumente unseres Streites lese. Wie anders als sich überhebend hätte er den Kampf aufnehmen können? Wenn es seine letzte Prüfung war, so hat er sie bestanden. Avram.

Meine Amaleqah hat sich gegen mich erhoben wie Amaleq, dessen Anliegen sie von Anfang an vertrat.

Auch Amaleq hat gekämpft, und zwar so entschieden, daß ich eine Zeitlang glaubte, er tue es nicht auf eigene Rechnung, sondern im Auftrag. In diesen Verdacht bin auch ich geraten. Wer heute konsequent und kämpferisch auftritt, in Deutschland zumal, dem glauben die Leute nicht einfach. Hinter dem vermuten sie irgend eine Macht, Rückhalt, Verbindungen; eher sind sie bereit, ihn für eine Strohpuppe zu halten als für ein selbständiges Risiko.

Die Würdigung Amaleqs impliziert die Anerkennung einer Bipolarität. Ja, in gewisser Weise. Das ist aber nur vorübergehend. Die bildhafte Analogie muß in einem Gesamt aufgehoben werden. Amaleq, das bist du.

Solange ich alles nur als Verrat interpretierte, brachte ich die Dinge schnell auf eine Reihe. Sie hatten mich alle verraten, mich, meine Prinzipien, das Gesetz Gottes, seine ganze Schöpfung. Indem ich es so zuspitze, muß ich spätestens erkennen, daß das die ganze Wahrheit nicht sein kann, obwohl ich mit diesem Eingeständnis ein weites Terrain aufgebe, zumindest öffne, an dessen Grenzen die Schilder mit der Aufschrift stehen: Betreten auf eigene Gefahr. Tabuzone. Bis hierher und nicht weiter! Daneben als Warnzeichen die erhobene Klaue eines gefährlichen Raubtiers.

Mit der Freigabe des Terrains verzichte ich auf Prioritäten und geschichtliche Erfahrungssätze, Grundsätze, die auch nur zeitweilig aufgegeben werden können, wenn wir nicht einen großen Fehler machen wollen.

Es besteht die Gefahr einer Mystifizierung, wo wir vielleicht kämpfen müssen. Wenn es heißt, daß Amaleq nicht schlafe, so darfst auch du nicht schläfrig werden. Die Anerkennung des Feindes hebt die Feindschaft nicht auf.

Rußland war und bleibt eine Markierung. Ben Yussuf sagt, das Tschetschenien-Link auf unserer WebSite sei eine Irreführung. Das tschetschenische Regierungs-Statement vom 14.10.2000 erklärt Meldungen, die besagen, daß das tschetschenische Kommando freiwillige Kämpfer für den Nahen Osten (Israel/Palästina) vorbereite, zu einer bodenlosen Lüge, die wahrscheinlich aus russischen Quellen stamme. Tschetschenien fordere im Gegenteil von beiden Seiten die Einstellung der Gewalttätigkeiten. Die Kavkaz-Informationen passen also nach wie vor in unser Programm.

Solche Kleinigkeiten machen den Leser jedesmal hellwach, weil aus ihnen wesentliche Erinnerungselemente hervorschimmern. Wenn Banik nicht auf eigene Rechnung arbeitet, welche Interessen vertritt er dann? Seine Radikalität ist maßlos und geht darum an den Wurzeln der Probleme meist sicher vorbei. Das sage ich zu seinen Gunsten.

Der Versuch, in die Rolle des Protagonisten zu schlüpfen, sollte sehr früh beginnen. In der Kindheit. Ich schreibe in der ersten Person. Was wollt ihr von mir? Ihr könnt mir doch alle das Wasser nicht reichen, aber körperlich bin ich euch unterlegen. Ich Banik heiße auch noch Friedenreich. Das ist schon Belastung genug.

Banik wollte immer dazu gehören, wurde demnach abgewiesen. So mußte er sich attraktiv machen. Seine Intelligenz half ihm dabei. Und er hatte einen Genius, der ihn auf den Weg brachte, kleinen Gefahren auswich und ins große Desaster gradwegs hineinführte. Wie war das möglich? Was in ihm verursachte solche Verfehlungen? Er wollte hoch hinaus und gelangte regelmäßig in Positionen, die ihm die Möglichkeit gaben, irgend etwas zu kontrollieren. Schlüsselfunktionen in der zweiten oder dritten Reihe schienen wie ihm auf den Leib geschneidert.

Schlüsselpositionen sind Nahtstellen, Schleusen, Kreuzungen, Weichen, Vermittlungen, Relaisschalter. Wenn Friederich Banik beruflich in solche Rollen geriet, neigte er schnell dazu, den Checkpoint auch in seinem Sinne zu nutzen. Da mochte es Komplikationen geben, aber es entsprach seinem Naturell, aus dem Nebenstelle eine Zentrale zu machen. Dazu trug ein angeborener oder anerzogener Größenwahn bei.

Nach dem Verlust seines Diplomatenberufs wird das besonders deutlich. Als ob er jetzt aus seiner Rolle herausfällt. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich die Situation doch komplizierter dar. Taha ibn Yussuf hat sein Schicksal nicht angenommen. Er hat den Rausschmiß niemals akzeptiert, auch als Gottesfügung nicht wirklich realisiert.

Als die Kokhavivpublications sich von ihm einen ausgeruhten Buchbeitrag erbaten, schrieb er zurück, daß er nicht ausgeruht sei. Für einen Moslem eine erstaunliche, eigentlich überraschende Aussage. Die Ergebenheit in Gottes Willen wäre ja das A&O.

Friedenreichs Operationen können als wiederholte und sich ständig wiederholende Ausbrüche, Befreiungsversuche verstanden werden. Er brach die Ketten des Geschicks und verhedderte sich darin um so mehr.

Eine positive, ergebene, Betrachtung seines Lebens, seiner Karriere, seiner Politisierung und Seinsverwirklichung bringt nämlich zutage, daß alles seine Ordnung hatte.

Was Banik ausdrücklich wollte, war nicht unbedingt das, was er tun und sein sollte.

Als er Anfang der achtziger Jahre beim himmlischen Vogel landete, war dies der Beginn einer Lebensprüfung. Ich denke, daß die daraus erwachsene Kontroverse nicht nur den Vogel und seine innere Substanz, sein Image geprägt hat, sondern besonders auch dem Menschen einen Stempel aufgedrückt hat, von dem er sich nicht mehr frei machen kann, ohne seiner Identität zu schaden.

Als diese zwei Faktoren zusammentrafen, war Friedenreich grad mal fünfzig Jahre alt, jetzt geht er auf die Siebzig zu. Das ist ein ganzes Stück Leben. Aus meiner Sicht ist dies ein langer, viel zu langer Zeitabschnitt der Selbstfindung. Er zieht sich hin, weil Banik sich dagegen sträubt. Das, so meine Sicht, ist ihm nicht oder noch nicht voll bewußt, sonst gäbe es diesen Streit nicht mehr. Damals schlug die Stunde der Wahrheit, die alte Uhr war abgelaufen. Seither scheint die Zeit still zu stehen, obwohl sich viel ereignet hat.

Der Harlekin der Revolution trat zum Islam über und radikalisierte sich vom Mono-Ethisten zum militanten Islamisten, wechselte vom verbitterten Deutschenfeind zum entschiedenen Judenfeind, vom Antinazi zum Antizionisten und Antikokhaviv. In seinem Kampf gegen den Prototyp Avram fokussiert oder exemplifiziert sich die Interessen-Identität von Preußentum und Islam.

Absurd wird dieser Kampf, weil der schreibende Vogel eine euro-islamische Strategie entwickelt hat, die dem Banikschen preußendeutschen Islam-Modell nicht per se zuwiderläuft. Es müssen andere Gründe mitspielen, wenn Banik jeden neuen Feder-Gedanken zum Anlaß nimmt, sich mit ihm antagonistisch auseinanderzusetzen. Avram war vielleicht der, der Banik Yussuf immer sein wollte, im Auftreten, in der Selbstgewißheit, der transzendentalen Identität.

Ich habe versucht, diese Reaktionsweise, die fast periodisch auftritt, richtig zu verstehen. Vielleicht sind es nur Anpassungsprozesse. Was mir an Friedenreichs Verbal-Aktionen nicht gefällt, ist eigentlich nur ihr Stil, ist ihre Mir-nach!-Mentalität, die auf Inhalte wenig Rücksicht nimmt. Im gleichen Stil kämpft Amaleq in den sechziger, siebziger, achtziger und neunziger Jahren - bei wechselnden Inhalten, Konzeptionen und geistigen Horizonten.

Das ist meine Sicht. Der Kobold sieht das natürlich anders. Aber man kann auch mal versuchen, das Phänomen Harlekin der Revolution in seiner Selbstentfaltung zu erkennen.

Die politischen und religiösen Zielvorgaben waren nur Stationen der Selbstfindung. Es ging nicht um diese oder jene politisch-weltanschaulichen Vorstellungen, Pläne, radikalen, militanten Strategien... Wobei das Militante als Zutat allerdings meist eine wichtige Rolle spielt. Es ist sein Drohpotential.

Banik will damit erpressen. So präsentiert er den falschen Propheten und Naseweisen, den Warner und potentiellen Retter. Wenn ihr nicht auf mich hört, werdet ihr Böses erleben. Dabei vermischt die subjektive Drohung sich mit der vermeintlich objektiv zu erwartenden Katastrophe.

Auf Katastrophen ist er fixiert. Wirtschaftskatastrophen, Naturkatastrophen, Atomkatastrophen. Er lebt in einer ständigen Krise, die den katastrophalen Ausbruch erwartet, erwünscht, vorbereitet und fürchtet. Dabei hat er seine gesellschaftliche Katastrophe längst hinter sich. Sie brach im Frühjahr 1975 aus.

Hinter seinen auch vorher politisch oder apokalyptisch interpretierten Befürchtungen verbirgt sich, so meine ich, eine existentielle, auf ein künftiges Schicksal ausgerichtete Angst als Grundbefinden, das nicht nur dem Rumpelstilz Banik eignet, aber in ihm eine individuelle Schärfe erreicht hat.

Von daher paßt auf einmal alles zusammen. Er entblättert sich, wirft eine Haut nach der anderen ab, es sind alles nur Fassaden, aktuelle Anlässe, Gelegenheiten, die sich von Fall zu Fall bieten. Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun. Ist dieser Harlekin insoweit deutsch, als er eben so handelt, reagiert, operiert?

Aber er tut eine Sache nicht um ihrer selbst willen, sondern seinethalben. Eigentlich ist es ihm völlig egal, was er tut. Wofür er sich das eine oder andere Mal engagiert, ist nicht die Frage, nur daß er sich engagiert! Wenn er nur sich engagiert, was seinem egoistischen, seinem individuellen Seinszweck dient.

Engagement-Enragement an sich! Der Motor darf nicht zur Ruhe kommen, dieser Trieb, der nichts antreibt, möge er heiß laufen und ausglühen, nur ruhen darf er nicht. Warum denke ich dabei an Karls Perpetuum mobile? Und an die Medusa, die tonlos zum Himmel schreit, während sie gestrandet im heißen Sand vertrocknet.

Widersacher Friedenreich ist ein Motor um seiner selbst willen, ist eine Medusa fürs Meer, ein Perpetuum mobile, das sich genügt.

Damit aber ist er auch ein Prototyp des Menschen. Beispielhaft, weil in ihm und an ihm alles sich zugespitzt hat.

Diesem Menschen gerecht zu werden, birgt immer die Gefahr, das von ihm begangene Unrecht zu legitimieren. Denn Friedenik Banreich hat in seinem politischen Leben viele Dinge getan, die man nicht entschuldigen kann.

Nein, Banik Friedenreich und Taha ibn Yussuf sind nur unter dem Aspekt göttlicher Vorsehung, also jenseits von Gut und Böse, zu ergründen. Sie haben getan, was sie tun mußten. Das Böse an und in ihnen ist von Gott so gewollt. Amaleq ist ein Heiliger oder ein Verdammter, ein Knecht Gottes von der besonderen Art.

In seinem Selbsthaß offenbart sich eine Absicht des Himmels. Eines Tages schrieb er dem Weitererzähler eine Postkarte. Von Stund an sollte er eine Rolle spielen. Seine Quengeleien waren nur Ermahnungen. Ich sollte doch endlich verstehen, was es mit ihm auf sich habe. Ja, dieser Kobold sollte mir noch zu schaffen machen.

War Banik jener Lefeu, der in den Harlekinischen Geschichten aus der Taufe gezogen worden war? Oder der Harlekin, der sich bisweilen als Dämon gab, um gehört zu werden? Der Harlekin hing ab von Lefeu. Der Mann mit dem Objektiv in Le Havre hatte das politische Leben des Harlekin auf der Platte, ehe es begann. Der Fotograf war zum Projektor bestimmt. Auch Lefeu hatte ein Schicksal.

Dann aber war die Idee vor ihm da wie vor dem Harlekin, denn die Harlekinischen Geschichten entstanden zur Jahreswende 1971 auf 1972. Hatte es damit etwas zu tun, daß ich dem irrenden Kobold eine Rolle beimessen wollte, die nicht von vornherein in ihm angelegt war? Oder brachte ich nur den Code mit beziehungsweise den Schlüssel zum Code, falls Friedenreich damit zu knacken war?

Welche Lehren zog ich aus allem? Im Fall Friedenreich Banik zeigten sich viele Seiten des Lebens, die meist verborgen bleiben. Wie konnte ein Mensch so viel Bosheit an den Tag legen. Das verstand ich nicht. Ich mußte, um verstehen zu können, eine andere Dimension hereinbringen.

Der Harlekin wurde mir zu einem metaphysischen Erlebnis, das zunächst ganz harmlos aufgetreten war. Auf diese Weise war mir der Kobold eine Bereicherung. Nun konnte ich alles, was er tat, als sinnvoll begreifen. Gott hatte sich den mit den schreienden Farben auserkoren, aus welchen Gründen auch immer. Chanah sagt zu Avram, er errichte aus den vielen Steinen, die man ihm in den Weg legt, eine Treppe, über die er hinaufsteige. Jeder Stein eine Stufe, die Vorstellung ist gut.

In der Tat verhalf Banikamaleq dem Avram und seinem Gefieder zu einer unerwarteten Resonanz. Was die Karawane erstaunte, war, daß Amaleq viele Freunde und Bekannte hatte, die sich gegen Avram mobilisieren ließen. Intelligente Leute, die Amaleqs Worte nicht zu prüfen schienen.

Er schilderte den Patriarchen als dubiosen Juden, also war Avram für sie offenbar dieser dubiose Jude. Banik Friedenreich schickte regelmäßig Kopien seiner umfangreichen Schmähkorrespondenz an Avram, so daß der ganz gut Bescheid wußte. Amaleq wollte provozieren und sorgte für einen verbesserten Kenntnisstand beim schreibenden Federvieh.

Avram und Sam haben Banik Friedenreich als ihren Schatten bezeichnet. Ein Schatten wird geworfen, ist ein physikalisches Phänomen. Der Schatten führt kein Eigenleben, er verdankt sich dem, den er ununterbrochen begleiten muß. Er verdankt sich dem Licht, das er nur als Umrandung der Gestalt zu sehen bekommt. Amaleq ist nicht der Schatten. Er steht und geht in dem Schatten, der er zu sein scheint. Als Schatten hat er keine Chance. Als Begleiter und Verfolger im Schatten kann er davon träumen, eines Tages daraus hervorzutreten. Bilder unterliegen dem natürlichen Verschleiß.

Immerhin haben wir zwei Allegorien, die analog zu sein scheinen. Die Medusa hängt vom Meer ab, der Schatten von dem, der ihn wirft. Vergleiche müssen stimmen, müssen in unserm Fall auf Banik Friedenreich zutreffen; das würde bedeuten, daß ihm keine Eigenbewegung zukomme. Er wäre ein Getriebener, kein Treibender, obwohl er doch gerade als den sich versteht, der die Dinge durch Auslösung voranbringt. Aber was ist er nun zuerst?

Pure Zufälle scheinen ihn irgendwo an Land zu spülen. Ich glaube, das ist wichtig. Medusen im Meer sind kein Problem. Angeschwemmt, machen sie auf sich aufmerksam. Es ist ein interessanter Gedanke, dies ihrer Natur zuzumessen. Sie lassen sich an Land spülen, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Sie wollen angespült sein, sie sind uns zugeordnet. Da sie uns aber nur zu einer Last werden, können und müssen wir wohl aus allem den Schluß ziehen, daß sie uns zur Last werden sollen. Warum?

Das Reinigen der Strände kann es nicht sein. Darum hat sich ursprünglich niemand gekümmert. Eine Lektion über die Vergänglichkeit. Jedes und alles braucht seine Umgebung. Ohne sie ist nichts und niemand lebensfähig. Wer das Licht nicht erträgt, sucht den Schatten. Banik braucht eine Eule, die sich in den Papagei verwandelt. Er ist sein Lebenselixier. Doch wenn Licht ist, ist der Vogel ohne seinen Schatten, ohne diesen Mann im Schatten nicht denkbar. Oder? Ohne Schatten nicht, ohne diesen Mann im Schatten schon.

Der Mann im Schatten ist also nicht identisch mit diesem und unterliegt nicht dessen Gesetz. Er muß sich nicht darin aufhalten. Hat der Kobold uns mehr zu sagen als dies: ich begleite euch, bin immer dabei, ohne mich geht nichts mehr? Das wäre viel.

Die Hypothese lautet: Taha ibn Yussuf ist dem Avram zugeordnet. Er tut, was er tun muß. Was aber tut er? Er zeigt einen Willen, eine Absicht: er will dem göttlichen Flügelschlag Schaden zufügen, will seinen Ruf zerstören, seine Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen, ihn lächerlich machen. Aber ist es ihm gelungen? Ich meine, hatte er Erfolg damit?

Er will vielleicht eine literarische Existenz vernichten, indem er Avram einen Zivil- oder Strafprozeß nach dem andern aufhalst. Die Richtung stimmt, wenn man so will. Und der Erfolg? Banik macht sich selber mit der Zeit lächerlich und geradezu unmöglich. Aus seinen Briefen an Dritte ist zu ersehen, daß er seine alten Freunde, Brüder im Islam, Friedensgenossen aus Grünen und SPD, nacheinander verliert, und zwar dadurch, daß sie ihm nicht mehr alles glauben, daß sie ihm allmählich nicht mehr trauen. Und er spürt es sofort.

Seine Reaktion ist das gewöhnliche Herauspoltern. Eigentlich ist er immer wieder allein. Der schreibende Vogel war jahrelang sein einziges Forum, wenn auch nicht jedesmal in seinem politischen und vor allem persönlichen Sinne. Seine bösesten Sachen wurden hier meist ziemlich elegant aufgefangen. "Die Geschichte einer Enttäuschung" unterschrieb die Redaktion den ersten Titel, der sich mit dem Politkobold befaßte. Damit wurde einer Enttäuschung über den Revolutionär Harlekin Ausdruck gegeben. Doch der verstand falsch und meinte, daß die Geschichte seiner Enttäuschungen nicht zufriedenstellend aufgeschrieben worden sei.

Banik Friedenreich ist der Enttäuschte. Und doch fand er im göttlichen Gefieder ein Forum der Duldsamkeit, das allmählich zu einem Teil seines Schicksals geworden ist. Friedenreich gehörte zum wilden Falken wie der Falke zum Frieden. Wer aber ist dieser Taha ibn Yussuf?

Ist der Harlekin der Revolution mehr als nur ein Schatten, ist er ein böser Schatten, die Personifizierung des Feindes, so etwas wie der Amaleq der Bibel?

Amaleq ist ein Feind Gottes und somit ein Feind des Gottesvolks. Aber warum? Was an ihm ist denn so gravierend, daß er ewige Feindschaft schwor und also bis ans Ende der Zeiten von Gott bekämpft wird, auf eine Weise, die alles andere als fein ist.

Offensichtlich hat Amaleq es nicht anders verdient.

Maleakh ist ein Bote, ein Beauftragter, Gesandter, ein Engel. MLKh ist ein (kanaanitischer) Gott, ein König, ein Herrscher, ein Fürst. MLKhH ist die Königin und Herrscherin. Engel Gottes. Eine Angela und ein Angelos. Jakob rang mit dem Engel des Herrn, der vielleicht Esau, vielleicht Ismael, vielleicht Amaleq war. Er errang sich damit den Segen Gottes, seinen neuen Namen (Israel/Kokhaviv) im Zeichen des Orion, hinkt aber seither, wie es heißt.

Jeder Kampf hinterläßt Wunden, Narben und Erinnerungen.

Was fällt mir zu Friedrich Banik ein? Kontakte, an denen Amaleq nicht beteiligt war, lockten ihn zur Anteilnahme. Waren sie schlecht, wollte er sie bessern, waren sie gut, wollte er sie zerstören. Alles hing davon ab, in welchem Ruf er bei den schreienden Farben stand, welchen Stellenwert man ihm gerade beimaß. Haben wir eine Qain-Abel-Projektion vor uns?

Das glaube ich nicht. Er ist kein Abel, und Avram ist es erst recht nicht. Oder sie sind es irgendwann einmal gewesen, als es uns noch nicht gab.

Er will mich anschwärzen. So was kennen wir aus dem Neuen Testament. Die christliche Geschichte ist voll davon, daß die Guten von den Bösen, daß besonders Jesus Christus von Judas Ischarioth denunziert und verraten werden. Gott bestraft den Denunzianten durch dessen eigene Hand.

Mir ist der Name des Verräters verdächtig, und ich fürchte, daß diese Namensgebung ein Bestandteil der eigentlichen Denunziation und des historischen Verrats an der Religion der Väter ist.

Wo ist in der Torah ein vergleichbarer Vorgang zu finden, eine Konstellation, in der wir uns einigermaßen wiedererkennen können?

Ich fand den Verrat an Ismael so gravierend, daß die gesamte Heilsgeschichte von ihm geprägt ist, ohne daß noch einer ein Wort darüber verlöre. Avram.

Aber zählt der Verrat an einem Menschen, wenn mit ihm nicht auch Gott verraten wird? Die Vertreibung Ismaels und seiner Mutter Hagar war aber ausdrücklich ein Wunsch des Herrn.

Joseph wurde von seinen Brüdern verraten. So steht es geschrieben. Der Verratene aber verzeiht den Verrat und nimmt seine Brüder und die ganze Familie in Ägypten freundlich auf. Darauf ist der Segen Gottes.

Wenn Friedenreich Taha ibn Yussuf ist, so wäre er Menasheh oder Ephraim. Eine unpassende Figuration.

Vielleicht ist er nur einer der Büttel, die dem Jesus das Wasser verweigern und ihm Essig reichen, die den Gekreuzigten mit Lanzen in die Seite stechen. Ein Schinder. Ein Handlanger der Inquisition. Irgendwie scheint er da am besten hineinzupassen.

Imgrunde ist es egal, wer an der Macht und wer der Geschundene ist. Banikamaleq ist mit der Straße, mit der Meute, wobei er sich in der Rolle des Opfers am liebsten sieht.

Der mentale Totschläger ist kein Täter. Andererseits aber doch ein Operateur, der auf funktionellen Erfolg aus ist. Er ist als Rächer der Enterbten ein Rächer und Retter in wirklich eigener Sache. Daß er vor fünfundzwanzig Jahren in Kairo aus der deutschen Botschaft flog, wird er seinen Treibern nie verzeihen. So bleibt auch Amaleq an ihm haften bis in alle Ewigkeit.

Dieser für ihn offenbar völlig überraschende Rausschmiß muß schon lange vorbereitet gewesen sein. Vielleicht war Friedenreich der einzige Überraschte, als er plötzlich vor der Tür stand.

Ich versuche, das nachzuempfinden. Rache. Rache. Das Blut kocht, wenn ich nur daran denke. Ich werde um mein Recht kämpfen und im übrigen mir ein neues Betätigungsfeld suchen.

Das hat auch Friedenreich getan. Unterm Federkleid wurde allerdings die Kairoer Affäre so gründlich untersucht, daß Friedenreichs Schicksal im Ergebnis gerecht erschien. Ja, es sah alles danach aus. Als ob dem gejagten Harlekin gar kein Unrecht zugefügt worden, sondern er mit einem blauen Auge noch einmal davongekommen war.

Das konnte unser Kobold nicht auf sich sitzen lassen.

Daraus resultiert schließlich die Feindschaft gegen das schreibende Gefieder.

Gehe ich davon aus, daß ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Sach-Interpretation vorgelegt habe, so wird der harlekinische Krieg gegen den Zionismus zu einer Raserei auch gegen die wilden Hebräer und ihre Integrität.

Ein solcher Djihad ist nicht mehr fair, sachlich, wahrheitsgemäß. Er verzichtet auf jegliche Wahrhaftigkeit. Indem er den göttlichen Vogel zu seinem Erzfeind erklärt und sich als kämpferischen Islamismus definiert, im Heiligen Krieg gegen Israel, gegen Zionismus und Judentum, seinen Krieg gegen den schreienden und schreibenden Vogel als Teil, ja als den Fokus jenes großen Heiligen Krieges begreift, sind ihm alle Mittel recht, ist ausdrücklich alles erlaubt. Er ist an keine Regeln mehr gebunden.

Er kommt wie Amaleq daher, weil er sich als Amaleq versteht. Er ist Amaleq, wie viele andere es sind.

Das Besondere an Banikamaleq ist sein proteisches Wesen. Er wechselt das Gewand. Meine Feinde sind seine Freunde. So lief er zu ihnen über. Da meine Todfeinde pure Nazis sind, lief er zu den Nazis über. Der aktuelle arabisch-islamische Haß auf Israel, auf das Judentum, auf die Juden, dieser Haß verbindet den Nationalsozialismus mit dem Islam zum metaphysischen Feind Israels. Daran hat Friedenreich Taha ibn Yussuf zu Darmstadt seinen Anteil.

Das ist der Antagonismus zum projekt YISHMAEL, wie es in schreienden Farben vorgeschlagen worden ist. An der Unvereinbarkeit der Konzepte scheiterte der Versuch, eine Zeitschrift Ismael! gemeinsam herauszugeben.

So wäre Ismael gleich dem Amaleq? Die talmudische Literatur läßt substantiell keinen Zweifel daran. Ich wehre mich dagegen. Die amaleqitische Funktion des Christentums könnte darüber vergessen werden. Die Gleichsetzung Amaleq-Ismael verdankt sich vermutlich byzantinischen Denkquellgebieten. Sie beruht auf einem gravierenden Irrtum, wenn nicht politische Opportunitäten dazu geführt haben.

Das historische Interesse Ost-Roms, seine Verfeindung mit dem Islam umzulenken, ist verständlich und legitim, ebenso das Bestreben des Dritten Rom, nämlich Rußlands, seine beiden semitischen Feinde Judentum und Islam aufeinander loszulassen.

Ich habe die Figur Osama Bin Laden (Osama Ben Ladin) bei näherer Betrachtung als eine Schachfigur im weltpolitischen Spiel Rußlands gegen den Westen ausgemacht. Auch Israel könnte mit ihm spielen. Je böser der Islam erscheint, desto leichter lassen sich Koalitionen gegen ihn schmieden. Der Mann, dessen Name als Gesetzloser gelesen werden kann, hat dazu aufgerufen, sämtliche Juden und Amerikaner zu töten, Männer und Frauen, Alte und Kinder, überall in der Welt. Ein Appell, nur Juden umzubringen, hätte nicht die Resonanz, die gebraucht wird, um den Westen, vor allem Amerika aufzurütteln.

Osama Ben Ladins Hetze läßt die Europäer außer Betracht. Er selektiert Juden und Amerikaner. Die Europäer können sich zurücklehnen und abwarten. Im Kriegsfall würden Amerikaner und Israelis gegen die arabisch-islamische Welt kämpfen, während Europa und Rußland zuschauen und sich dabei immer näher kommen. Dieses Szenario entspricht dem Konzept des Osama Bin Laden. Israel könnte damit, falls überhaupt, nur kurze Zeit spielen. Bleibt also tatsächlich Rußland, ich würde sagen: der oströmische Raum.

Vielleicht ist die übereilte Integration Serbiens in Europa ein passendes Teilstück zum neuen Puzzle. Kostunica mußte sich nicht viel Mühe geben.

Eurasien unter Weglassung der islamischen Südränder ist bequemer zu handhaben, wenn der Islam damit beschäftigt ist, sich der Amerikaner und Juden zu erwehren. Natürlich gibt es Gegenmodelle, und dazu gehört sicherlich auch, daß die tschetschenische Regierung sich ausdrücklich dagegen gewandt hat, im Palästina-Konflikt proarabische Hilfe zu leisten. Tschetschenien behandelt beide Parteien neutral und fordert sie auf, die Gewalt einzustellen.

Die Interessen der Handelnden sind zu kompliziert, als daß sie sich simplen Maschen wie denen der La Din Kollektion einpassen könnten. Auch in Afghanistan liegen die Dinge anders, als das antiwestlich-antijüdische Bilderbuch es darstellt. Die ideologische Vereinfachung hat regelmäßig ihre Stunde und wird ebenso regelmäßig von der Geschichte überholt.

Die Gedanken zur neuen Lage sind noch nicht ausgedrückt worden. Neu ist der bevorstehende, vorläufige Abschluß der Reihe HL in kkk mit Band 12 KURIOSALB. Neu ist die (potentielle) Hereinnahme von Autoren wie zur Stützung und Autorisierung der Dokumentation. Die Schwierigkeiten sind nicht neu: Ibn Yussuf spreizt sich, Friedrich Banik antwortet nicht, der Harlekin der Revolution fürchtet die revolutionäre Einvernahme... Neu daran ist eigentlich nur der Versuch, die Evokation. Christian Worch hat inzwischen zugestimmt (keine Einwände).

Zu beobachten ist auch die Rolle der russischen ORG-Kriminalität, die im internationalen Waffenhandel im Geschäft ist und z.B. die kolumbianische Guerilla beliefert. Rußland tritt auf diesem Wege als Rivale Chinas auf. Hauptfeind der EU sind die Europäer, sind die europäischen Nationalstaaten. Helmut Kohl müßte ein europäisches Schlüsselamt übernehmen.

Wie kann revolutionäres Denken auf Helmut Kohl reflektieren? Der Mann ist in seiner Standfestigkeit und seiner Prinzipientreue in einer gottlosen Welt revolutionärer als alle sogenannten Revolutionäre, die wahren Konterrevolutionäre zusammen.

Helmut Kohl gehört in eine Reihe mit Papst Johannes Paul II. und dem Ajatollah Khomeini. Sie verteidigen die Gesetze Gottes gegen die aus Fugen und Gesetz geratene Welt.

Sie sind Einzelgänger der Geschichte, während die Progressisten aller denkbaren Farben auf die große Zahl setzen und nur die Zerstörung im Sinn haben, die Zerstörung der von Gott geregelten Dinge. Sie werden damit scheitern, aber das wird sie nicht davon abhalten, die Politik der Entheiligung der menschlichen Belange, diese widergeschichtliche Geschichte des Unheils zu Ende zu führen.

Unsere WebSite hat weltweit Aufmerksamkeit erregt.

Wir stecken einer politischen Meinungsführerschaft im Halse. Der größte Erfolg ist unser Mißerfolg in Deutschland, ist zugleich die außergewöhnliche Aufnahme im weltweiten INTERNET.

Wie lassen sich die Diskrepanzen beseitigen? Ist eine Harmonisierung überhaupt möglich?

Auf der einen Seite der neue Schnitt, auf der anderen der Versuch, eine Kooperation zu organisieren.

Diese Kooperation ist zwar antagonistisch gedacht, hat aber die Wahrscheinlichkeit in sich, nicht akzeptiert, falls überhaupt verstanden zu werden.

Waren es falsche Signale?

Worum geht es? Die Kontaktaufnahme dient verschiedenen Zwecken. Kokhav will testen, was möglich ist, wie der Kontaktversuch ankommt, ob auf diesem Wege neue Informationen zu erlangen sind. Wie bisher zu erkennen, ist der revolutionäre Kobold nicht auf dem laufenden. Taha ibn Yussuf weiß nicht einmal, daß der Welt-Islam komplett im Netz vertreten ist. Demnach fehlt ihm der Anschluß, sonst wüßte er Bescheid.

Die Kokhavim werden den neuen Versuch mit ibn Yussuf erst einmal durchspielen. Wenn er mißlingt, muß ein anderes Konzept her. Die verhinderte Dokumentation wäre als neuer Titel vorzumerken. Die verhinderte Wahrheit ist in der Tat ein großes Thema.

Fritz Banik ist auf seine Art immer ein Multiplikator gewesen; andererseits hat der Vogel zu Baniks Verbreitung beigetragen, mehr als jede andere Publikation. Das mag ein Fehler gewesen sein, ist aber nicht wieder rückgängig zu machen. Wenn Taha ibn Yussuf als Desinformator richtig bestimmt ist, haben die schreienden Farben die Fehlunterrichtungen gleichzeitig gestreut und konterkariert sowie Amaleqs Rolle desavouiert. Man mußte ihn nur zu Wort kommen lassen.

Was ist irrational an Friedenreich Josephsohn und seiner negativen Favorisierung im göttlichen Gefieder? Es ist eine merkwürdige Dialektik in dieser Beziehung. Und im letzten ist noch vieles daran nicht durchschaut. Die Psychologie hat die Politik befördert.

Gott wird jetzt alles so fügen, wie es ihm gefällt. Die Kokhavim haben offenbar akut gemacht, haben bewirkt, was wir nur noch ausführen mußten. Im Zeichen des Sternenfrühlings stand auch der Untergang der INKA-Kultur, die eigentlich nur untergegangen ist, um eines Morgens wieder aufzutauchen.

Gestern ein interessanter Filmbericht über die Forschung Bill Sullivans: Er bestätigt die Theorie, daß der pazifische Raum von der Himmelskunde bestimmt war. Die Inkas wehrten sich nicht, weil sie wußten, daß ihre Geschichte gerade zu Ende ging. Ihre Verbindung mit der Milchstraße (Kokhaviv oder Sternenfrühling) wurde unterbrochen. Das Lama vertrat - wie in Ägypten der Esel - die Sonne. Wer für wen oder wofür steht, werden wir vielleicht noch erleben.

Die Amputation geschah nicht unvorhergesehen, wir hatten eine Amaleqah im Gestirn.

08.10.2000. Yom Kipur. Kriegsgefahr im Nahen Osten. Die deutschen jüdischen Organisationen erwähnen die Bedrohung Israels mit keinem Wort. Was können wir tun? Die GAMLA-Informationen haben wir ins Net gestellt. Was noch? Die Flughäfen sind geschlossen.

Vor einigen Tagen wurde das Josephs-Grab zerstört. Die UNO verurteilt Israel wegen seiner exzessiven Gegenmaßnahmen. Nur die USA enthielten sich der Stimme. Stimmenthaltung heißt: sie stimmten nicht dagegen.

Ein zweites Josephs-Grab steht in Gurs, in Südfrankreich. Bruno Joseph wurde 1884 im ostpreußischen Rastatt geboren und verstarb anno 1941 im Deportiertenlager für jüdische Vertriebene aus Deutschland. Tareq ibn Yussuf ist sein Sohn, sein Wnuk. Brunos Geschichte führt weit nach Osten zurück.

Die historische Stunde der Wahrheit erweist sich auf allen Gebieten.

Ich muß vielleicht noch einmal bei Null anfangen. Chanah hatte einen Traum: Amaleqah überreichte mir ihren Sohn. Er war rabenschwarz, lieb und lustig, tatschte und ergriff mein Gesicht.

Die US-Präsidentenwahl steht vor der Tür. Ich glaube, dann, aber erst dann, wird sich klären, wie der Nahost-Konflikt angepackt werden muß. Die US-Streitkräfte sind in höchster Alarmbereitschaft. Sie haben Informationen über spezielle terroristische Angriffsabsichten auf militärische und zivile Sicherheitseinrichtungen in Bahrain, Qatar und der Türkei.

In der letzten Nacht fanden in Israel wieder schwere Gefechte statt. Israelische Hubschrauber und Panzer beschossen die (christlich-) arabische Stadt Beit Jala. Von dort war die Armee mit Maschinengewehrfeuer angegriffen worden.

Israel rechnet mit langer Dauer der Auseinandersetzungen, Monate, vielleicht ein Jahr...

Welch ein Horizont?!

Torah Left habe ich als meine Religion angegeben.

Der Islam, wie er geschichtlich geworden und koranisch konstituiert ist, reicht mir nicht. Die toranische Grundlage ist unverzichtbar.

Ohne die Torah ist der Quran in wesentlichen Fragen nicht zu verstehen. Torah Left ist nicht nur die Ehrenrettung Yishmaels vor dem talmudischen Tribunal, Torah Left ist die Stunde der Wahrheit, ist der Kriegsgrund und das Anerbieten eines Friedens, den alle verstehen und annehmen können.

An Torah Left entzündete sich der Streit mit Friedenreich Banik als einem Sohn Amaleqs.

In Torah Left muß Amaleqs Sohn nicht seine Herkunft verleugnen.

Torah Left ist der glühende Kern der Weltgeschichte, ist das wahrheitsgeschichtliche Urereignis.

Mit anderen Worten: die Kokhavim erkennen weder das aktuelle Judentum noch den aktuellen Islam an. Auf toranischer Grundlage finden Yishmael und Yisrael wieder zusammen. Selbst das Christentum wird sich darin wiedererkennen. Denn Yishmael, das Vorbild Yisraels, wurde mit seiner Mutter Hagar in die Wüste geschickt, wo Gott sie errettete.

In Torah Left ist das Leben Befreiung aus der Sklaverei seit Menschengedenken. Sie legitimiert die Geschichte als Erlösungsprogramm.

Wenn die Torah die teleologische Bedeutung der Frauen hervorhebt, so ist die ägyptische Magd Hagar, die Schwarze Sarah der Zigoyim, die Urgestalt ihrer transzendentalen Sendung.

Hände weg von den Übermittlern, die in Israel vorübergehend eine Bleibe gefunden haben. Die Kriege im Nahen Osten haben Anteil am historischen Schöpfungsprozeß. Es sind keine Vernichtungskriege. Sie durchwandern gerade eine aionische Schaffensperiode.

Torah Left hat wie jede Wahrheit eine Sprache, in der sie formuliert worden ist. Die Torah ist eine hebräische Überlieferung, wie der Quran eine arabische Überlieferung ist. Torah Left erscheint in deutscher Sprache.

Die Idee Torah Left rekurriert auf die Ursprache und ist darum vielleicht ein Fehlgedanke, der die göttlichen Sprachregeln nicht einhalten kann. So würde jede Sprachwelt ihre eigene Alttestamentarische Linke hervorbringen müssen, um Gott zu gefallen. Der Wettstreit bliebe gewährleistet, und das Leben ginge unterm neuen Sternbild weiter.

Der nächste Imperator kommt. Und zur Zeit bestimmt die englische beziehungsweise amerikanische Sprache unsere Zivilisation. Identitätsverluste eingeschlossen.

Von der Sprache her erschließen sich dem Denken neue Einsichten und Aussichten. Dabei wollen wir es erst einmal belassen. Das neue Nomaden- und Piratentum bietet eine Alternative - wenn nicht auch sie hauptsächlich eine Sammlung sprachlich bedingter Alternativen in sich trägt.

Die Position Torah Left mag den Anschein erwecken, daß sie angesichts der islamischen Renaissance einen Ausweg suche, um Israel zu retten. Israel betrachten wir auf mehreren Ebenen.

1. Die Rechtslage. Gebietseroberungen sind unzulässig. Die UNO-Resolutionen verlangen die Freigabe der 1967 eroberten Gebiete. Die Bevölkerung eines besetzten Landes hat das Recht, der Besatzungsmacht Widerstand zu leisten.

2. Die Geschichte. Die ideelle Begründung des Staates Israel war der Entwurf einer Architektur. Israel sollte Heimat und Zuflucht aller Juden werden. Als solche wurde es von der Judenheit nicht angenommen. Es war und bleibt ein Störfaktor in Mittelost.

3. Israel ist mir ans Herz gewachsen. Seine Bevölkerung muß geschützt werden. Israel ist ein Sicherheitsfaktor auch für die außerisraelische Judenheit.

4. Das transzendierende Israel ist die Mobilisierung der islamischen Welt.

5. Islam ist die geistige Eroberung.

6. Torah Left ergänzt die transzendentale Rolle Israels um die klassenpolitische Komponente. Der Befreiung des Islam folgt die Sklavenbefreiung auf dem Fuße.

7. Der Urgedanke war und ist die göttliche Sorge um Yishmael und seine Mutter Hagar. Erst die toranische Vertiefung der Lehre Mohammeds macht deutlich, daß der Stammvater Yishmael ein Sklave Abrahams war. In seinem Schicksal offenbart sich Gottes Hoheit über die Sklaverei.

8. Aus den Sklaven Abrahams machte er Könige und Fürsten, an Zahl und Gütern reiche Völker. Das wissen wir aus der Torah und der historischen Einhaltung eines göttlichen Versprechens. Jahrtausende vor Sinai und seinem Gesetz. Der Quran verschließt dieses Geschick, und das Judentum hat den Platz des Verheißenen okkupiert.

Ein Arbeitstitel lautet:

Denen ich unrecht tat. Eine Familiengeschichte.

In der relativen Gesetzlichkeit des spielerischen Zufalls, so viel hatte ich begriffen, schlug sich Gottes Wirken nieder.

Der Unterschied, der im Neuen Testament zwischen "Menschensatzung" und dem Gesetz Gottes gemacht wurde, war und ist Avrams Credo.

Principium aber ist der Anfang. Mir ging es um die Regeln des Anfangs und aller Anfänge, um die Zeugungsvorgänge und Schöpfungsakte.

Alles um mich herum war so relativ, daß ich darüber nur hinwegsehen konnte oder es kritisch in Augenschein nehmen mußte. Nichts blieb davon übrig.

Die heiligen Stürme, die dem Volk Israel im Sinai vorangingen, waren auch meine Wegweisungen, ich war in ihnen, sie waren in mir.

Mein heiliger Zorn sollte über sie kommen. Sie hatten mich als ein Naturereignis zu erleben, das vorüberging, doch niemals vergessen wurde.

Keine Schuldfrage war zu klären. In diesem Moment der Wiederkehr lebten wir in einer Zone jenseits von Gut und Böse. Und ich tat denen unrecht, die nicht schuldig werden konnten. Schuldig werden kann ein Friedrich Banik, weil er zuviel weiß.

Einsicht ins eigene Vergehen kommt gewöhnlich zu spät. Du kannst es nicht zurücknehmen, kannst nicht wieder gutmachen, was angerichtet worden ist.

In der Familie kamen Urschichten zur Geltung, die einander bremsten, neutralisierten. Schichten der Intelligenz und der Begrenztheit, der Phantasie und der stumpfen Nadel, die bei Gebrauch mehr Schaden anrichtet als die spitze Schärfe. Die Katastrophen der Ungenauigkeit sind vielleicht eine Tautologie. Denn jedes Zurechtrücken ist mit Schmerzen verbunden. Harmonie ist ein Wunsch und eine Idee, ein Glaube.

Die gesellschaftliche Klassenproblematik ist keine innere Angelegenheit.

Was meine ärgsten Feinde mir zuschreiben und anrechnen, kann ich nur taktisch und polemisch in den Abfall kehren. Meine bösesten Feinde haben mir schon böse Wahrheiten gesagt.

Daß Avram kein "Jude", sondern ein "Chaldäer" sei, hat er mit Freude und dankbarer Zustimmung aufgenommen. Nur ein "Chaldäer" kann mit weltgeschichtlichen Fakten und kosmologischen Energien so hantieren, wie er es getan hat.

Es lohnt nicht mehr, sich damit auseinanderzusetzen, nachdem die Identität sich vereinzelt hat. Die Differenzierung ist eine Individualisierung. Und sie ist ein Unrecht, ein Unheil, das angerichtet werden muß, wenn Gottes Schöpfung nicht enden soll.

Ich bin aus meiner Familie ausgeschert, aus meinem Volk ausgeschert, aus der christlichen Zivilisation, dem Judentum, aus dem politischen Troß, aus dem Islam.

Das nenne ich die dialektische Methode. Die Differenzierung, die niemals endet und enden kann. Die Wahrheit ist eine Idee. Ein Vorwurf. Eine blinde Skizze. Wie der Nomade, so ist der Denkende auf dem Weg.

Die begrenzten Seelen sind die unschuldigen Wesenheiten. Wesenheiten haben ihre Aufgaben, ihre Landschaften, Regionen, die sie eigentlich nicht verlassen dürfen, die sie umständehalber jedoch oft verlassen müssen.

So treffen Seelen zusammen, als hätten sie sich gesucht, und es entsteht der Eindruck: Ihr habt euch gefunden und bildet nun eine Einheit des Stillstands. Ist es möglich, daß verlorene Seelen einander über weite Länder, Meere und Kontinente suchen und finden, und niemand vermag zu sagen, ob es gut war?

Abhram und ibn Yussuf sind feindliche Partner im Geiste, "antagonistische Kooperatoren", die sich nie begegneten, die von einander nur schriftlich wissen und dennoch wie im Traume sicher sind, den andern genau zu kennen, besser als engste Vertraute.

Unparteiisch und gerecht zu sein, wo jeder doch Partei, das Recht auf seiner Seite weiß. Die Wahrheit, die in den Gegensätzen ihr Recht bewahrt. Ibn Yussuf kann eine Liste von Gründen für seinen Haß anführen; von Fakten und Beispielen des Unrechts, das Abhram ihm zugefügt hat und nach wie vor zufügt.

Ich bin Avram und also davon befreit, Beweise gegen ibn Yussuf vorbringen zu müssen. Mein Recht und meine Gerechtigkeit liegen im Sonnenlicht jedem erkennbar. Meine Selbstgerechtigkeit ist nicht von Übel, sondern über jeglichen Verdacht erhaben, die reine Selbstverblendung zu sein. Ich muß keine Wette abschließen: Baniks Selbstgerechtigkeit eines Ben Yussuf ist aller Selbstzweifel bar.

Doch wer nicht kämpft, der hat schon verloren, und wenn ich meinem selbsterklärten größten Todfeind alles Recht des Gerechten zugestehe, erkläre ich meine bedingungslose Kapitulation. Dann bin ich der Unterlegene. Dann ist die Geschichte auf seiner Seite. Allah ist bei den Standhaften. Solange wir kämpfen, haben wir vor diesem Gott recht. Denn in den Feindschaften treffen Urkräfte aufeinander. Urwesen, die ihre von Gott bestimmten, mithin auch begrenzten Aufgaben und Pflichten zu erfüllen haben. Was immer wir denken und subjektiv erleben, jeder lebt und kämpft in den Grenzen, die der Feind ihm zieht. Die Antagonismen sind Faktoren Gottes als des Herrn der Geschichte, die im kleinen wie im großen ihre Spiele offenbart.

Vor Gott tue ich also das größte Unrecht, wenn ich im Sinne des Ausgleichs und der Waffenruhe und des Friedens gerecht sein will. Denn dieser Frieden ist die letzte Ruhestätte.

Das gilt für Amaleq daheim und für Amaleq in der Ferne. Es gilt für Ben Yussuf und Tarik Taha, Derekh in Baal wie für Gershom, Moshes Sohn in der Wüste. Wenn die Schöpfung nicht enden soll, müssen ihr die inneren Feindschaften erhalten bleiben. Sie sind das Gesetz des Universums. Die Götter ruhen nicht aus. Ruhende Götter sind gestorben, abgelöst von anderen, die nicht aufgeben und also nicht sterben. Wo Götter zu ruhen scheinen, beginnen sie neu. Unruhe ist das Wesen des Universums.

Ich nehme meine Feinde ernst, indem ich sie bekämpfe. Der Anfang meiner Feinde ist in meinem Denken. Es entscheidet und hat bereits entschieden, wer und was als Feind für mich in Frage kommt. Friedrich Banik, ein Sohn Amaleqs, war mir aufgegeben und vorgegeben. Und er scheint sich in dieser Feindschaft prinzipiell zu gefallen, ja, wesentlich entdeckt zu haben.

Der Harlekin müßte sich zum olympischen Aufschwung entschließen.

Feindschaften, deren Bedeutung wir nicht erkennen, sind nur halb so viel wert. Oder wiegen das Doppelte. Eine unerkannte Feindschaft ist als Dummheit vor Gott eins der größeren Versäumnisse.

Schlag dich nicht auf fremden Gefilden. Führe deine Kämpfe.

Hinter den Personen erwarten uns Prinzipien, göttliche oder kosmische Anteile. Wie in den antiken Mythen führen die Menschen in Stellvertretung von Göttern oder universellen Urkräften ihre härtesten Kriege. Ohne den Himmelsauftrag wäre Frieden auf Erden: dann aber im Sinne von Ende, Aus und Ruhe in Frieden.

Die erste Etappe handelte von der Friedensbewegung, der Wiedervereinigung Deutschlands, seiner NATO-Zugehörigkeit, es ging um Ökologie und um die Vorentscheidung im Kalten Krieg zwischen Ost und West.

Baniks Haß auf "die Deutschen" und alles Deutsche war sprichwörtlich. Deutschland sollte noch mehrmals geteilt und schließlich abgeschafft werden.

Die zweite Etappe begann nach der Wiedervereinigung, nach Avrams Israel-Schritt. Jetzt treten andere Prioritäten auf den Plan. Es ging und geht um die große Frage, wie der Monotheismus in die Welt kommen solle, wie er die Zukunft bestimmen werde.

Eigentlich geht es um den Islam. Taha ibn Yussuf sieht sich als Moslem in der Konfrontation mit Israel, dem er das staatliche Existenzrecht abspricht. Israel ist sein Feind. Diese Feindschaft hat er aufs Judentum ausgeweitet. In Friedrich Baniks Haßtiraden vermischen sich antizionistische mit antijüdischen Elementen. Was in der ersten Etappe Deutschland und die Deutschen, das sind in der zweiten Etappe Israel und die Juden.

Bezogen auf seine persönliche Situation, benutzt Taha ibn Yussuf in der zweiten Etappe den Islam, um aus der deutschen Geschichte auszusteigen.

Das von den Kokhavim vorgestellte projekt YISHMAEL modelliert einen an der überlieferten Lehre orientierten Islam, der im Hebräertum seine Wurzeln erkennt; sowie ein Judentum, das endlich wieder begreift, daß der Islam kein babylonisches Ungeheuer ist, sondern eine Enkelreligion der Schule vom Sinai, die die ethnischen Grenzen Israels erfolgreich überwunden hat.

Gleichzeitig wird Deutschland einbezogen, das als Davidsland das historisch gewordene Bindeglied zwischen Jerusalem und dem Islam ist beziehungsweise zu sein hätte. Avram brachte es auf die Formel einer Achse Berlin-Jerusalem, um die sich der Islam dreht. Um die verbindende Achse kreist der Islam, der sich nun auch seiner historischen und aktuellen Bedingungen bewußt wird.

Dieses Projekt ist eine Idee, eine Vision, die sich auf stabile Gegebenheiten stützen kann. Eine euro-islamische Strategie hat eine multiethnische, aber monokulturelle, nämlich islamische Zivilisation im Blick, die gleichwohl die menschenrechtlichen Erträge der europäischen und amerikanischen Geschichte, die auf der Freiheit des Individuums und der Trennung von Staat und Religion beruhen, nicht außer acht läßt, sondern zu einer politischen Richtschnur ihrer täglichen Bestrebungen gemacht hat. Die Entdeckung, daß die Lehre des Quran diesem historischen Zugewinn nicht widerspricht, ist aufregend und revolutionär.

Taha ibn Yussuf vertritt in dieser Hinsicht eine eher dogmatische Auffassung. Sein Dogmatismus weist allerdings erhebliche Weichstellen auf, sobald die Lehre nämlich von ihrem Protagonisten Disziplin und Verzicht verlangt. Sein kämpferischer Islam liegt zu verschiedenen Moslem-Schulen allein aus solchen Gründen quer.

Ebenso wie Banik verteidigen sie auf ihre je verschiedene Weise den Formalismus einer Welt, die seit langem vergangen und geografisch weit ab ist, so daß man oft erst genauer hinschauen muß, um sehen zu können, daß diese Welt auch dort nicht mehr existiert. Insofern ist ibn Yussuf moderner, als er im Diskurs zuzugeben bereit wäre. Turban-Eitelkeiten gehen ihm völlig ab.

Hätte Rumpelstilz nicht fortgesetzt den Ehrgeiz oder den inneren Antrieb, sich von dem göttlichen Gefieder theoretisch-konzeptionell absetzen zu müssen, sollte es ihm eigentlich ein leichtes sein, der euro-islamischen Strategie, die inzwischen in der Staatenpolitik ihre ersten Auswirkungen zeigt, zuzustimmen.

Eine Strategie der Freiheit und des Gesetzes, des freien Individuums in der Wahrheit Gottes, kommt der konkreten Person Ibn Yussuf direkt entgegen. Als ob der Mann in seinem Leben nichts anderes suchte als das. Yishmael als Torah Left findet sich implizit in manchen Schriften dieses verkniffenen Harlekins, in denen er auf die soziale Frage in den Ländern der sogenannten Dritten Welt, zum Beipiel Indien, Bezug nimmt.

Der parodierte Kobold ist ein kluger Mann. Er könnte auf elegante Weise die zweite mit der ersten Etappe verbinden, etwa im Sinne Bassam Tibis, der nicht nur eine verfassungsgemäße, freiheitliche deutsche Leitkultur, sondern auch einen Euro-Islam proklamiert, dessen innere Freiheit die Freiheit des Citoyen sein soll.

Sein langer Marsch durch Parteien, politische Bewegungen und Religionen war nicht substantiell und von vornherein, sondern in der formal-organisatorischen Ausstattung ein Irrtum. Der Harlekin der Revolution ist kein Parteimann, kein Kollektivmensch, er ist ein Einzelgänger, der, zugegeben, in jede Organisation ein zerstörerisches Element einbringt, das alsogleich zu wirken beginnt. Glücklich macht ihn das aber nicht.

Ben Yussuf ist ein freies Individuum oder gar nicht. Seine Erfolge verdanken sich seinen gewitzten Einmann-Operationen. Wenn er sich - so oder so - gemein macht, geht er zugrunde.

Der Irrende von Darmstadt lebt in seiner Strafe.

Dieser Geschundene ist ein Heiliger, ein gefallener Engel. Er ist der Lump und der Leidende unter seinen Lumpen, er ist der Jude und sein schlimmster Feind.

Banik Friedenreich, Josephs Sohn, ist der Flehende, den Gott erhört hat, und ich bin das Ohr und das Rohr, das es an ihn weitergab. Friedenreich ist ein Geprügelter und ein böser Mensch, dem seine Bosheiten und Abscheulichkeiten nicht verziehen werden dürfen, die er gegen die Wahrheit ins Spiel brachte, um nicht sehen und nicht hören zu müssen.

Friedenreich hat einen Feind: die Wahrheit. Und die Wahrheit ist die des Friedenreich. Keine Spiegelwahrheit, sondern die Wahrheit in ihm und seiner Lebensgeschichte. Komprimiert, sozusagen auf den Punkt gebracht und entzeitlicht, läßt sich sagen, daß der Wurm Banik, diese unausgeschlüpfte Motte sich zum Schmetterling nicht entfalten konnte, weil das göttliche Schnabeltier ihm vor der Zeit begegnete.

Friedenreich war ein Frevler und ein frommer Beter, wenn ihn der Wahn verließ. Ein Verdammter, der nur einen Advokaten auf Erden kannte, und das war Avram, so daß die Dämonen sich regten, regten gegen den Übermut des zugleich geschlagenen und getretenen Harlekin der Revolution.

Ben Yussuf schien verdammt und unerlösbar jedem, der Avram übersah, den ewigen Feind des Ben Yussuf und Treiber ins Verderben. Doch die Wahl hatte Friedenreich. Er war Amaleq als das waidwunde Tier, das nicht ausbluten wollte. Avram der Jäger Ismael, der nach seinem Gesetze lebte und jagte.

Erkenntis ist zuerst Selbsterkenntnis, und die würde ihm zu schaffen machen.

Der Kobold aus dem Hassischen hat nur noch ein Thema. Und ich schreibe die ganze Geschichte für ihn auf.

Aber war Banik Friedenreich ein Verräter? War er sich untreu geworden und nicht vielmehr stets der Alte geblieben? Verrat heißt ja, daß du überläufst, daß du deine bisherigen Positionen bekämpfst. Das ist bei Friedenreich durchaus festzustellen. Andererseits ist ein Umdenken möglich. Besondere Erfahrungen führen zu neuen Erkenntnissen, die frühere Überzeugungen umwerfen. Das ist möglich. Friedenreich ist anders strukturiert.

Friedenreich ist grundsatzlos.

Friedenreich ist ein Fundamentalist des Alles-oder-nichts, und das Fundament Friedenreichs ist Friedenreich.

Eigentlich ist nicht Friedenreich der Verräter. Friedenreich kann nur verraten werden. Er setzt die Schwelle niedrig. Der Wahnsinnige Friedenreich lebt nach dem Grundsatz Jesu Christi: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich, und zwar total und absolut.

Sie waren Gegensätze wie Sonne und Mond, wie der Planet, der ständig von einem Kometen angegriffen wird, falls das Bild überhaupt paßt. Avram legte nämlich Wert auf seinen Planeten- und Kometencharakter. Ein Kokhabh war beides und konnte beides sein und noch viel mehr.

Friedenreichs Antagonismus zu Avram regte den Verrat an und lockte die Verräter herbei. Wer an Verrat dachte, ihn bereits in sich hatte, der zählte seine Tage jetzt nicht mehr nach dem Kalender, sondern nach dem neuen Kampf am Sternenhimmel.

Kokhabh Abhram war ein Planet, dessen Kräfte zwiefache Natur offenbarten. Er schied die Geister, zog an und stieß ab. Abhram sortierte und konstellierte so den Himmel neu. Wer ihm zuhörte, hörte einem bescheidenen Mann zu. Doch seine Worte kamen mit hohem Anspruch. Die Zahl der Abgestoßenen nahm mit den Anforderungen zu.

Der Verrat zeigte eine positive Entwicklung an. Die Kluft wurde breiter und tiefer. Das Prinzip der Trennung war das Schöpfungsprinzip.

Amaleq war Amaleq, und Banik Friedenreich lieh sich ihm als Maske und Person. Amaleq war kein Verräter, weil er den Verrat nie verriet und niemals verraten hatte. Seine proteische Natur war eine Inkarnation den Verrats.

Verräter waren jene, die dem Amaleq zuliefen. Wer gegen Abhram die Hand erhob, wer gegen ihn kämpfte, wie nur Amaleq gegen Israel es tat und getan hatte, war der Übelsten einer. Ein Verfluchter und Verdammter.

Banik Friedenreich war der inkarnierte Verrat. Niemand war für ihn, also war er gegen alle. Er wechselte von Partei zu Partei und verriet sie der Reihe nach, wie sie ihn verraten hatten.

Banik hatte begriffen, daß es um alles ging, was Gott oder die kosmischen Gesetze ihnen aufgetragen haben.

Die Erinnerung an seine verdienten Niederlagen war das Schlimmste, was man ihm antun konnte.

Avram hegte ein beachtliches Verständnis für ihn, glaubte, ihn wirklich zu verstehen, seine Motive zu kennen. Natürlich war Banik der geborene Amaleq, der Hinterhalt in Person, und doch war da etwas, was Avram nicht kalt ließ, und in eben diesem Punkt wurde Avram unaufmerksam und nachlässig.

Avram wiederholte den Fehler Shauls, des ersten Königs von Israel. Er begnügte sich mit Etappensiegen, um sodann wieder seinen Studien sich zuzuwenden. Aber Amaleq war kein Studienobjekt, sondern sein Todfeind.

Banik Friedenreich war nicht der Leibhaftige, war nicht Amaleq durchweg, von ihm nur durchwirkt.

Avram entdeckte seltsame Parallelen, als ob unabhängig voneinander sich Gleiches oder Ähnliches zutrug. Auch an Ben Joseph entfaltete sich eine Metaphysik der Überraschungen.

Avram hatte es den Irrenden angetan.

Zeige mir deine Feinde, und ich sage dir, daß du sie verdient hast.

Gegencharaktere traten auf, um Avram zu vernichten.

Sie verwendeten die gleichen Zutaten. Es kam aufs Rezept an, und wie der Kellner das Essen servierte.

Er vertraute auf Gott in der größten Finsternis.

Israel des Jahrs 5749, wie es anfing. Es fing mit einem Frevel an, mit dem Feuer am heiligen Shabath, der verbrannten Schrift. Daß sie ihn jagten. Daß Israel den Überbringer nicht erkannte.

Avram suchte nach Worten für das Unsagbare und Unaussprechliche. Er glaubte auf eine Weise, daß er sich dessen gewiß war.

Für Avram war es ein leichtes, in Banik Friedenreich die Maske Amaleqs zu erkennen.

Und doch stand Banik im Zeichen der Schwäche und der Ausgelaugtheit. Friedenreich war friedevoll und voller Angst.

Seine Empörung richtete sich wider Gott, der alles gefügt hatte, was Friedenreich den Menschen nun zuschrieb.

Vor denen hatte er Angst, denn er fürchtete, daß sie ihn überleben könnten, spürte, daß sie es würden.

Der Harlekin der Revolution brauchte den Mann, der ihn ernst nahm, und Avram nahm diesen Kobold ernst, versuchte, ihn zu verstehen.

Die Angriffe Amaleqs zwangen zum unbeirrten Kampf auf Leben und Tod.

Der Herr kämpfte für Avram, wenn dieser vor Müdigkeit unaufmerksam geworden war. Gott behütete seinen Mann auf heiligem Boden, denn er lief barfuß auf Erden. Avrams Fehler dienten dem Herrn zur Belehrung seiner Feinde.

Was ihn zog und bannte, war der Westen, war der Ozean, der Nordatlantik nach Amerika, das pazifische Becken, das ihn mit den Maya, mit China, Indien, Arabien und Afrika verband, mit dem alten Ägypten, mit Babylon, den malaiischen Fischern und Seefahrern. Wo die Sonne nicht unterging.

Das Meer war das ewige Weib, das du befahren sollst, Sebulon, drum freue dich, sechster Sohn Jakobs, der du vielleicht der Siebente warst. Tritt das Erbe an, Sebulon, wie Gott es befahl. Gott hat für dich entschieden. Nimm an, Sebulon, nimm an! Die Horizonte sind die Arena deiner Überschreitungskünste.

Sklavenzeiten sind Gottes Zeit. Gotteskritik ist nicht zuende gedacht, wenn sie die coincidentia oppositorum außer acht läßt.

War nicht in diesem Gott der satanische Widersacher gegenwärtig. War nicht in ihm ungeteilt, was Avram in sich und von sich scheiden mußte, um Avram sein zu können, derselbe, der er sein mußte, wenn er vor Gott bestehen wollte?

Oder war der vollkommene Mensch wie Gott weder gut noch böse, sondern beides in einem?

Wer waren die vollkommenen Menschen in der Antike, in den alten Mythen der Menschheit? Etwa die leidenden Halbgötter, die vom Nektar gekostet und an himmlischen Freiheiten geschnuppert hatten, aber doch sterblich blieben?

Die wilden Hebräer an den seidenen Fäden waren keine Kreuzesidee, obwohl sie dem Mann aus Nazareth in seiner Unabdingbarkeit näher sind als den meisten Menschen.

Du hängst in der Felswand, kommst nicht voran und nicht zurück, erinnerst dich nicht, wie du herausgefunden hast.

Banik schickte an Avram eine Postkarte, so begann ein Drama, das sich über ein Vierjahrhundert hinzog. Fast. Siebzehn Jahre dehnten sich, und Avram verstand noch immer nicht, was es damit auf sich hatte.

Banik Friedenreich war ein Gesandter Gottes, den Avram nicht wahrhaben wollte. Dieser Bube durfte kein Engel sein. Er war ein beschränkter Teufel, der in ihm, Avram, endlich seinen Meister fand.

Ben Arthur beerbte seinen Vater nicht im Spiele um des Spieles willen. Avram machte ernst, und ihm war es ernst, als er zu spielen begann.

Spielen im Ernstfall schuf Distanz. Der Mann hielt sich die Dinge vom Leib und konnte doch mit ihnen hantieren. Er warf ein und parierte, spielte nach eigenen Regeln, die sich von Fall zu Fall und von Spiel zu Spiel von neuem ergaben.

Längst hatte der Herr der Geschichte sich zum Herrn der taktischen Kriegführung bestellt. Er ließ seinen Streiter nicht allein bei diesem Spiel. Avram mochte die Dinge leicht nehmen und heiter auf sich zukommen lassen. Die Regeln bestimmte der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und wenn wir Ismael noch hinzunahmen, so nahmen wir ein Moment der Überraschung hinzu, das die Partie belebte.

Er hatte kein Tagewerk vor sich. Der Kobold war kein Vorübergehender, sondern ein Jahrhundertgast der besonderen Art. Er mußte ihn bewirten. Und belehren.

Sieh hinein: Was du getan, haben andere auch getan, aber die sind dafür belohnt worden, während du deine Strafe abträgst bis ans hassische Ende.

Warst du gerechter als sie? Keineswegs. Warst du konsequenter als sie, treuer der Idee und der gemeinsamen Sache ergeben? Keine Rede davon.

Die gemeinsame Sache war seit langem zerbröselt, die Idee war ein Sammelsurium von Ungereimtheiten. Nur eure Wut hattet ihr gemeinsam. Und die hat die einen voran, die anderen in die Tonne gebracht.

Sie waren dem Teufel treu geblieben, dir hat dein spät entdeckter Gott nicht mehr helfen können.

Das ist nicht das Ende der Geschichte. Umstände