free download kokhavivpublications.com Styleskji newcatch.com

Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...


Michael Scurra

ALTER WEIN IN NEUEM SCHLAUCH

Der 'kuckuck' und dessen Heilsbotschaft: "Das 'Projekt Yishmael' versteht sich auf toranischer Grundlage als bescheidenen Fürsprecher einer deutsch-israelischen Achse, um die sich der Islam dreht. (...) Die zugleich konzipierte Islamisierung Deutschlands zielt auf einen revolutionären Islam ab, der - über sich aufgeklärt - seine vorislamischen Grundlagen neu entdeckt hat. (...) Deutschland setzt seine Reichsgeschichte fort, indem es den genuinen Rassismus und Antisemitismus - via Beschneidung und Islamisierung - hinter sich läßt, darüber hinaus aber nun - als neue islamische Macht - die gesamte islamische Welt in diesem Prozeß initiativ befördert. (...)"

"Ein Fundamentalismus der Aufklärung. Ein Islam, der sich auf die Torah besinnt. Ein Hebräertum, das seine universellen Pflichten erinnert. Ein Deutschland, das daran teilnimmt. Ein Land der Philosophen. kuckuck..." (feder 15/16)
Der Mann hat Visionen...Von Bescheidenheit keine Spur. Das muß man erst einmal verdauen. Es gilt, vorab Fronten zu klären.
Der revolutionäre Islam, die islamische Welt wird "über sich aufgeklärt" vom islamisierten Deutschland, gar vom 'kuckuck'. Da ist er wieder, der abendländische, der aufgeklärte Aufklärer, der dem Morgenland sagt, wo es lang geht.
"Im Namen des Vaters (Judentum), des Sohnes (Christentum) und des Heiligen Geistes (Islam). (...) "Die toranische Idee ist in der Tat alles andere als tolerant. Sie postuliert eine Wahrheit, die neben sich keine andere duldet. Dies hat seine Fragwürdigkeit und ist bedenkenswert; bedenkenswert wie alle Wissenschaft, die nicht viele 'Wahrheiten' nebeneinander akzeptieren kann. (...) Der Menschheit bleibt also genügend Zeit, ... den Gesetzesgedanken noch einmal gründlich zu reflektieren. Niemand hat die Wahrheit für sich gepachtet. Jeder Mensch unterliegt seinen Irrtümern und Unzulänglichkeiten. Auch dies zu erkennen, ist, wie gesagt, 'brahmanische Weisheit'." (feder 17/18)

Der 'kuckuck' legt sich, ganz Demokrat, religiös nicht fest. Er umarmt, mit "brahmanischer Weisheit", alle drei monotheistischen Religionen; mit aufklärerischer Strenge schwebt er als moralischer Wegweiser über den Dingen. Wenn er, auch hier ganz der Aufklärer, postuliert, daß niemand die Wahrheit für sich gepachtet habe, relativiert er in diesem Zuge natürlich auch den Wert der Torah. Nach jüdischem (religiösem) Selbstverständnis ist die Torah gottgewollt und gottgegeben, und es ist islamische Gewißheit, daß Allah der Urheber des Koran sei. Es gibt nur einen Gott, es gibt nur eine Wahrheit! Wenn Avram Kokhaviv sich mit aufklärerischem Eifer auf die Torah beruft und sie wie eine Keule auf die gläubigen Juden, Moslems und Christen niederfahren läßt, nimmt das schon absurde Züge an. Da versucht der Vogel in seiner Hybris, dem Fisch das Fliegen beizubringen.
Der 'kuckuck' ist ein demokratisches Medium der 48er, der 1848er deutschen Demokraten und der Reformjuden. Trennung von Kirche und Staat in einer Demokratie. Weg vom Diktat des Talmud. Ausübung der Religion als Privatsache. Das ist doch nichts Neues. Doch der 'kuckuck' setzt noch einen drauf: "Verflucht ist, wer Israel flucht. Das sollte Ihnen wie jedem anderen Moslem stets gegenwärtig sein." (feder 21/22)

Wen wundert es da noch, daß der Avram Kokhaviv weder bei den Juden, noch bei den Moslems viele Freunde findet.

"Wider den heiligen Geist, Sakrileg, Verrat, Frevel" Gemach, gemach; wo Menschen leben, gibt es Schwächen, Irrtümer, Widersprüche. Wie es im "Land der Philosophen" zugeht, stelle ich mir etwa so vor: "... die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser." (Genesis 1/2)

Der 'kuckuck' wirft dem Judentum vor, die Torah auf den Kopf gestellt zu haben. Die Frage sei erlaubt, ob er aus der Position des gläubigen Hebräers oder der des deutschen "Aufklärers" zu dieser Erkenntnis gelangt ist. Es gehört zu den Stärken des Herausgebers, daß er keine Antworten schuldig bleibt. So schreibt er in der feder 23/24: "Während das erste, das zerbrochene Gesetz einfach und klar für wissende, dankbare, erwachsen gewordene Menschen gedacht war, besteht das zweite - nachfrevlerische (!) - Gesetz vor allem aus einer Vielzahl ritueller Vorschriften, die wie eine Bestrafung anmuten. (...) Ismael und Israel brauchen weder Tempel, noch König, noch Priester. Ein geprüftes Torahwissen wird dies bestätigen."

Saint-Exupéry gibt darauf die Antwort: "Und ich habe nicht gesehen, daß Menschen durch Argumente der Logiker verändert worden wären; ich habe nicht gesehen, daß sie sich durch die Eindringlichkeit des schielenden Propheten von Grund auf bekehrt hätten. Doch weil ich mich kraft eines Zeremoniells an ihren Wesenskern wandte, habe ich sie meiner Einsicht geöffnet" (Die Stadt in der Wüste).
Mit philosophischen Erkenntnissen allein gründet man keine Familie, zieht man seine Kinder nicht groß, eint man kein Volk. In einem "Land der Philosophen" nach dem Geschmack des Avram Kokhaviv gäbe es keine Priester, keine Rituale, keine Feste. Es gäbe wirklich keinen Grund zum Feiern.
Kein Zweifel, der Allmächtige hat mit dem zweiten Gesetz weise gehandelt. Erinnert werden sollte auch daran, daß nicht "geprüftes Torahwissen", sondern die Befolgung der Talmudgesetze die Diaspora-Juden vor dem spirituellen Untergang bewahrt, im speziellen Fall des osteuropäischen Chassidismus die Hinwendung zum Mystizismus ihre physische Vernichtung verhindert hat.

"Ich habe den Atheismus nicht vor, sondern hinter mir. Durch und durch rational." (feder 21/22) Genau hier offenbart sich das ganze Dilemma des Avram Kokhaviv. Ich weiß, wovon ich rede. Von 1986 bis 1988 habe ich hautnah mit orthodoxen Juden im religiösen Kibbutz Kfar Etzion hoch oben in den judäischen Bergen zusammengelebt und -gearbeitet. In diesem Kibbutz richten sich alle nach den strengen talmudisch/rabbinischen Gesetzen. Ich war beeindruckt von der Lebenskraft und -freude, dem Optimismus und der Selbstgewißheit dieser Menschen, die - sofern männlich - täglich mehrere Stunden betend in der Synagoge verbrachten und selbst beim Brechen des Brotes nicht ihre Bestimmung vergaßen. Sie studierten - "durch und durch rational" - die Torah, den Talmud und die Werke des Maimonides, und ich tat es ihnen gleich. Dann beteten sie - "durch und durch irrational" - in der Synagoge zu dem Allmächtigen, und ich war, obwohl die selben Worte rezitierend, obwohl leibhaftig unter ihnen, spirituell nicht mit ihnen. Dort wurde mir deutlich vor Augen geführt, daß ich zwar physisch, nicht aber im Herzen, an der Seele beschnitten bin. Ichführte die Demut nur auf der Zunge, die Betenden lebten sie vor.
Obwohl ich in Kfar Etzion meine schönste und geistig fruchtbarste Zeit erlebte, ist mir an jenem Ort auch meine eigene spirituelle Armut mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt worden. Ich hatte dem inneren Reichtum dieser Menschen nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Wie sollte ich ihnen da jemals einen Rat erteilen wollen, können?

Bliebe noch zu klären, wie der Visionär das mehrheitlich atheistische und zudem seelisch verkümmerte Deutschland auf den Weg des autoritären Islam zu bringen gedenkt. Hier tragen schließlich die Männer - salopp ausgedrückt - ihren Sack auf dem Rücken, und die Frauen haben sich unlängst das Recht erkämpft, sich wie Huren zu kleiden, pardon, zu entkleiden und deren Vokabular zu übernehmen. Entwicklungsfördernde Kataklysmen sind derzeit wohl nicht zu erwarten.
Der 'kuckuck' erstrebt einen demokratischen Islam oder eine islamische Demokratie. "Das (demokratische - M.S.) Haus steht...". Der Islam muß es nur noch beziehen.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Auch ich rede der weltweiten Islamisierung und deren Förderung durch das Judentum das Wort. Allerdings favorisiere ich die Achse Jerusalem-Mekka/Medina. Doch zuvor gilt es, endlich, endlich die abendländische Dominanz auf diesem Planeten mit List und Gewalt zu brechen. Der theoretische Ansatz: Die westliche Demokratie als das subtilste und perfideste Instrument der Unterdrückung und Ausbeutung des Menschen, sowie die tragische Erkenntnis, daß die Schonzeit für den kleinen Mann auf dieser westlich dominierten Welt vorbei ist. Die Tempel der Götzendiener mit den höchsten Türmen stehen in New York, London und Frankfurt/Main.

Kein Faschismus, kein Nationalismus, kein Kommunismus; etwas völlig Neues, Altes muß her. Auch darüber muß noch geredet werden, im 'kuckuck'...

In der Brust des "aufgeklärten" 'kuckuck'-Autors schlägt ein zerrissenes Herz. Avram Kokhaviv, Avram, der Name des Mannes, mit dem der Allmächtige noch keinen Bund geschlossen hatte. Avram, der in Ur, in Chaldäa Geborene, der Anführer eines Nomadenstammes. Und da finde ich folgende Zeilen aus dem kkk 2, 1973/74: "Irgendwann verstand ich 'Zeit' als eine bloße Abstraktion des Weges - von Seßhaftgewordenen... Seßhaft werden, zur Ruhe kommen, heißt sterben." Avram oder Avraham, nomen est omen.
Kein Zweifel, mit dieser Aussage, so sie denn noch Geltung haben sollte, stellt Avram Kokhaviv nicht die Torah auf den Kopf. Er stellt sich neben, über sie, lehnt den Bund mit dem Allmächtigen ab.
Das ist ja durchaus eine ehrenwerte Einstellung, wenn da nicht immer dieser oberprophetenhafte, gegen alle "frevlerischen" Monotheisten gerichtete Zeigefinger wäre.

Dem Philosophen Avram Kokhaviv ist alles mit "Blut und Boden" Verbundene ein Greuel (sinngemäß: "Ich ziehe die geistige Verwandtschaft der Blutsverwandtschaft vor"). Insofern überrascht die folgende Passage aus der feder 12 nicht:

"Das Judentum ist kein Abstammungsrassismus, nicht einmal nach dem Talmud. Abstammung hat im jüdischen Denken keinen 'rassischen' Charakter; sie wird seelisch und geistig begriffen. Darum auch im Exil der Bezug auf die Mutter, weil sie es dem Kind 'mit der Milch', mit den ersten Worten, Zärtlichkeiten, urvertraulich, gottvertraulich eingibt."

Das ist eine philosphische Auslegung, der ein Hauch von Feminismus innewohnt. Wenn für die seelische und geistige Abstammung allein die Mutter von Bedeutung ist, wozu ist dann noch der Mann, der Vater gut?

Ich halte dieser Interpretation eine weniger idealisierte, pragmatische entgegen: Im Exil gilt der Bezug auf die Mutter, weil bei der Geburt eines Kindes nur die Mutterschaft unzweifelhaft bewiesen ist, während die Vaterschaft immer nur eine vermutete ist. So gilt das Kind einer jüdischen Mutter auch dann als Jude, wenn es nicht von seiner Mutter, sondern z.B. von einer Christin gestillt, liebkost und großgezogen wird. Es gibt und gab auf dieser Welt keine rabbinische Autorität, die diesen Tatbestand jemals hinterfragt hätte. Anders liegt der Fall bei einem Menschen, der nicht das Kind einer jüdischen Mutter ist. Er kann sich beschneiden lassen, alle den Juden auferlegte Gebote strikt befolgen, er mag der erste unter den Frommen in der Synagoge sein. Er gilt dennoch weder bei den Orthodoxen noch bei den Reformjuden als Jude, weil, so wird man ihm erklären, seine Mutter keine Jüdin sei. Er kann diesen jüdischen Status nur durch einen von einem Rabbiner geleiteten Konversionsakt erlangen. Ich stimme mit der o.a. Aussage überein, daß Abstammung im Jüdischen keinen rassischen Charakter hat. Doch die Behauptung, sie, die Abstammung werde nur "seelisch und geistig begriffen", ist eine irreführende Verkürzung. In Genesis 12/2 verspricht der Allmächtige dem Avram: "Ich werde dich zu einem großen Volk machen..." In Genesis 17/4 heißt es dagegen: "... Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Avram nennen. Avraham (Vater der Menge) wirst du heißen..." Die Juden verstehen sich nicht als Rasse, aber als eine Nation, ein Volk, genauer: ein Mischvolk. Mit dieser Erkenntnis kann man leben, oder?

kokhaviv publications > Styleskji


© Copyright 1999 - 2002 kokhaviv publications