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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

Erschienen in dem Buch:
Yael Kokhaviv, Pädagogische Gedanken und Erzählungen
Die Weiße Reihe. Berlin: kokhaviv press, 2000.

Yael Kokhaviv

Tele-Tubbies

Eine Kindersendung im Kinderkanal. Durch die Sendung führen praktisch vier kleine marsmännliche Figuren mit verschiedenartigen Antennen auf den Köpfen, in den Farben rot, gelb, grün und blau (damit die Kinder auch gleich die Farben lernen können). Ich nehme an, diese Sendung wurde für Dreijährige konzipiert. Das Umfeld: Eine Sonne strahlt vom künstlichen Himmel, aus der ein Kleinstkindgesicht immer wieder mit seinem babyhaften Lachen zum Zuge kommt. Die Figuren befinden sich auf einer mit Blumen geschmückten hügeligen Wiese mit kleinen Kratern. Die Namen der Figuren sind Lala, Po, Tinky-Winky und... der dritte Name ist mir entfallen, aber sicher wird mir eines der dreijährigen Kinder im Kindergarten aus der Bredouille helfen. Die wissen das. Sie sehen aus, wie kleine Babys im Strampelanzug mit Kapuze, deren Windeln durch die sich abzeichnenden Konturen erkennbar werden. Große Kulleraugen und ein zahnloser Mund , aus dem logischer Weise nur altersgemäße Dreiwortsätze kommen, sind unter anderem ihr Erkennungszeichen. Ich glaube, sie haben nicht einmal eine Nase. Die herumspringenden Kaninchen sind ausnahmsweise keine Kunstfiguren, die sind echt.

Auf der Wiese steht ein gelber Stuhl, ein Sprecher unterhält sich mit den Tele-Tubbies, indem er ihnen ein korrektives Feedback gibt. Z.B. »Das Stuhl.«, »Ja, das ist ein Stuhl.« Sie versuchen, sich daraufzusetzen, was für die Kleineren ein schwieriges Unterfangen ist, während der Größere dieser Vierertruppe es mühelos schafft und auch gleich mit einer kleinen Melodie belohnt wird. Die Gespräche werden von Kindergelächter begleitet (wie im wirklichen Leben). Der zweite Teil dieser 25minütigen Show besteht aus einem kurzen Informationsfilm, der durch eine in der Landschaft stehenden Windmühle auf dem Monitor einer der Puppen (sie haben alle vier einen Fernseher auf dem Bauch installiert) in Gang gesetzt wird. Inhalt eines der Filme ist z.B. ein auf einem Pony reitendes vierjähriges Kind, welches zuvor das Fell des Tieres mit seiner Mutter zusammen gebürstet hat und es kindgemäß kommentiert. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber warum sendet man dieses Filmchen gleich zweimal, bloß weil die Tubbies sagen:»Noch mal!« Man könnte nun entgegnen, Kinder lernen durch Wiederholung, aber soviel gabs ja da nicht zu lernen (schließlich wollen wir unsere Kinder nicht überfordern). Natürlich wollen Kinder immer wieder dieselbe Geschichte hören, bis sie sie verstanden haben und sie damit uninteressant geworden ist.

Abgesehen von dem realen Film ist mir die ganze Show etwas unheimlich. Diese Kinder haben gar keine Eltern, sie spielen auf einer Wiese, scheinen durchaus glücklich zu sein, bewegen sich gut nachempfunden wie unsere lieben Kleinen. Irgendwann verabschieden sie sich, weil plötzlich aus der Wiese heraus ein U-Boot-Rohr in die Höhe schießt und verlauten läßt: Winkewinke Lala, winkewinke Po usw., bis alle vier in ihrem Krater verschwunden sind, um gleich wieder, wie es kleine Kinder nun einmal tun, zu erscheinen, um dasselbe Winkewinkespiel noch einmal durchzuziehen. Das zuschauende Kind wird fast ausschließlich mit der Babysprache konfrontiert, der Wortschatz wird keineswegs erweitert, bis auf das Wort Stuhl, was Kinder in diesem Alter selbstverständlich kennen. Die Sonne ist identisch mit einem Baby, heißt es nicht sonst Frau Sonne? Aus dem U-Boot ertönt eine Männerstimme, aber die Tele-Figuren verschwinden in einem hügeligen Krater, verschwinden sie wieder im Mutterleib? Kann man sich nicht entscheiden, ob man das Kind will. Eine Vaterstimme, einen Mutterkörper, die Mutter Erde. Die Kinder brauchen keine Eltern mehr, von außen werden sie ein wenig gelenkt, denn sie sollen ja nicht verwahrlosen. Werden Experimente gemacht? Kinder leben nur noch von Luft, Licht und Sonne. Zynische Gedanken einer Erzieherin und Gott sei Dank Mutter zweier schon erwachsener Kinder.

Die Kinder lieben diese weichen 100DM teuren Tele-Tubbies. Sie lieben sie als Kuschelpuppe oder als Quartett, sie ahmen ihre Winkewinke-Stimmen nach und kennen natürlich jedes Detail, jeden Namen. Ein großer Lernerfolg!

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