Navigation überspringen

kokhaviv publications

Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

Horst Karl August Lummert (Avram Kokhaviv)

Die Revision

Literatur als Konflikt
Zeit der Assassinen oder Hasse deinen Nächsten wie dich selbst

Scurra*-Amaleq inter familiam
*hebr. SChOReR /SChUR = Auflauerer, Feind

Nichts Privates an der Literatur. Das Wort ist eine Offenbarung, jeder Satz stellt den Autor bloß. Wer die Erkenntnis fürchtet, darf nicht schreiben. Schriftsteller sind Personen der Zeitgeschichte, die der forschenden Neugier zuvorkommen müssen. Seit der Veröffentlichung in Styleskji ist Michael Scurra, ob nun gemeuchelt oder nicht, kein Privatmann mehr. Mit seiner stillosen Reaktion auf die redaktionellen Bemühungen um seine Texte hat er sich einen Bärendienst erwiesen. Er hätte auch mal "danke schön" sagen können. Der sich erniedrigte, sollte erhöht werden. Das ist mißlungen.

Morddrohungen erhielt ich schon in großer Zahl. Ich will mich nicht daran gewöhnen, aber auch nicht beklagen. Es gehört offenbar dazu. Auch Todesurteile wurden über mich gefällt. Ich denke an einen bestimmten Typ, der nicht zur Ruhe kommen will, solange ich lebe. Ein Irrer. Und nun mein Amaleq, mein Zweitgeborener, der immer der Erste sein wollte. Wie gehe ich damit um? Er schrieb unter dem Namen Scurra eine Kritik am kuckuck. Das war schon ganz gut. Aber es reichte mir nicht. Mir reichte nicht der saloppe Umgang mit meinen Theorien. Und es reichte mir nicht aus, daß da einer unter der Tarnkappe den Heckenschützen übte. Ich sagte, hör zu, Feinde habe ich genug.

In die Diskussion kam er zu spät. Das Ende der Worte war angesagt. Da reichte er den alten Schlauch herüber, unziemlich, infam, amaleqitisch, wie ich fand. Warum? Ich steckte in einer prekären Situation, wurde mit Prozessen überzogen... Ja, ich hatte mit meinem kuckuck die Leute herausgefordert, hatte sie in Weißglut gebracht. Bestimmte Menschen sind - aus politischen und persönlichen Gründen - allergisch gegen das, was ich hier tue. Mit einer Reihe von Zivilprozessen aus nichtigen Anlässen kann so ein Miniblatt ausgepowert werden. Wer auf diese Weise verfährt, wo er publizistisch reagieren müßte, will nicht mehr diskutieren, dem sind die Argumente ausgegangen, der schleicht durch die Hintertür. Seltsam konstruierte Strafprozesse kamen und kommen hinzu.

Auf der Hut vor meinen Verfolgern und Denunzianten, sehe ich plötzlich meinen Sohn Amaleq im Wege, denke, jetzt will er mir beistehen, die Ehre seines Vaters verteidigen, da zieht er seine alte Feindschaft aus dem Mantel und sticht zu. Das wird Gott nie verzeihen. Jetzt nennt der Bube mich einen Denunzianten. Es war die letzte Prüfung. Dieser Hinterhalt war besonders infam, weil er verdeckt bleiben wollte. Alle sollten sehen, was geschah, doch niemand, wer unter der Tarnkappe steckte. Der Brief an den "lieben Vater", die Feindbestimmung... Eine private Mitteilung?

Die Veröffentlichung war eine politische Entscheidung. Scurra ist mir seit langem ein Sicherheitsrisiko, ein potentieller Amaleq... Die Entscheidung war richtig, hat sie doch den Charakter dieser Feindschaft ans Licht gebracht. Das Risiko wiegt nur noch halb. Gut zu wissen, woran ich bin.

Styleskji 1 hat die amaleqitischen Exponate einer Untersuchung zugänglich gemacht. Literatur als Konflikt. Der Brief an den "lieben Vater" ist ein Schlüssel zu Scurra und seinen Geschichten. Der Anlaß war kuckuck feder 25/26.

Ein hohes Alter spricht für die Qualität des Weines. Man sollte ihn nur vorsichtig umschlauchen, wenn der alte Sack zu reißen droht, weil er mürbe geworden ist. Ein passender Vergleich? Als ich Amaleqs Gegenvorschläge las, dachte ich: Was für ein Schlauch! Doch das Bild will nicht passen.

Politisch lese ich reaktionäre Gedanken, nicht einmal modisch aufgeputzt: Ablehnung der Demokratie, Propagierung zwanghaft-ritueller Herrschaftsmethoden, Rückgriff auf den faschistoiden Exupéry, der sich morgenländisch verhüllt. Wie auch Nietzsches Zarathustra in den antikisierenden Abhandlungen, in denen Amaleq mit Ödipus eine Symbiose eingeht, herumspukt, als wäre er der echte, der Perser. Die Anführung der irrationalen Elemente gegen meine hebräischen (nicht deutschen, nicht europäischen) Aufklärungen ist ein alter, verbrauchter Schlauch, auf den gern zurückgegriffen wird, wenn Schlaumeiers mal wieder die Welt nicht verstehen.

Wer gegen mich, gegen mein Denken und Trachten sich definiert, wie mein Amaleq es tut, kann nur in der Dunkelheit agieren, versinkt im Zeitalter des Wassermanns, in jenen Tiefen, die den Erzähler Scurra zu sich herab-, in sich hineinziehen, die ewigen Mutterschlünde, denen er nicht zu entrinnen vermag. Der wahrhaftige Wassermann, dieser amaleqitische Verkünder der Finsternis ist mir als erklärter Todfeind eine Ehre. Ihn habe ich mir verdient. Jenseits von Gut und Böse. Von den Konsequenzen wollen wir jetzt nicht reden. Der Geist aber schwebte über, nicht unter, nicht in den Wassern. Ein potenziertes biblisches Drama.

Amaleq ist nicht Abrahams Sohn, er ist Avrams Sohn in einem mythischen Sinn. Amaleq will sich an seinem Vater vergreifen, hat die Hand gegen ihn erhoben, hat sich über ihn erhoben. Nur auf den ersten Blick zitiert und polemisiert er gewissenhaft. Meine Gegner haben es an sich. Ich kann einige nennen. Sie zitieren mich unvollständig. Damit aber zeigen sie mir ihre Feindschaft. SChaber tut es, SChröder tut, SCurra tut es. Sie bleiben dabei, auch wenn ich sie darauf aufmerksam gemacht habe. Interessante Beispiele: Ich schreibe, wovon der Revisionismus lebe und woran er sterbe. Der zweite Teil wird nicht rezipiert. Ich sage: Der toranische Gesetzesgedanke ist ein moderner Gedanke, ein Gedanke der Zukunft, man habe also Zeit, sich mit ihm vertraut zu machen. Das Aktuelle wird unterschlagen. Ich machte mir Gedanken über den Begriff des Holocaust, seine theologische Seite. Was kommt dabei heraus: Auschwitzlüge. Jedesmal die einfache Lösung, die kurze Quizantwort. So geht es aber nicht.

Der Holocaust ist eine Beleidigung des jüdischen Volkes, in seiner elementaren Bedeutung ein Akt der Aufopferung. Der Begriff impliziert, daß Gott seine Hand im Spiel gehabt habe. Ihr habt mein Gesetz vergessen. Ihr habt Amaleq nicht bekämpft, als es an der Zeit war, habt ihn gewähren lassen, bis es zu spät. "Auschwitz" als Aufforderung Gottes, Rache zu üben... Wer die Konsequenzen scheut, muß sich überlegen, ob er bei "Holocaust" bleibt. Wenn ja, hat er zu tun, was getan werden muß. Amaleq hat das begriffen. Und Israel wird es begreifen müssen, wenn es nicht zurückfallen will.

Mich mit Calvin zu assoziieren... Die Wahrheit hat es schwer. Da kommen allemal Finsterlinge aus ihren Verstecken. Wer meine Arbeit behandelt, wie meine erklärten Todfeinde es tun, wird sein Wunder erleben. Wer mit der Meute hetzt, ist verdammt, ehe der Tag anbricht. Verflucht ist, wer seinen Vater oder seine Mutter verunehrt.

Amaleq kritisiert und höhnt über meine Arbeit unabhängig von Inhalt, Sinn und politischer Absicht. Da sein Denken und Schreiben sich aus dem Konflikt mit Avram definiert, könnte er ebensogut etwas völlig anderes gesagt und geschrieben haben, immer aber und grundsätzlich gegen mich, ganz gleich, was ich sage. Nur die Konsequenz meiner politischen Philosophie macht es ihm leicht, auch seinerseits halbwegs konsequent zu bleiben. Sollte ich eines Tages mal nicht mehr Hü, sondern Hott sagen, müßte und würde er sofort den Hü-Part übernehmen.

Das ist die einfache Version seiner ödipalen Denkstruktur. Es reicht ihm keineswegs, nur gegen mich zu sein, zu denken und zu schreiben. Seine Morddrohung ist folgerichtig, könnte er doch im Ablebensfalle an meine Stelle treten - mit allem, was dazugehört. In seinen Erzählungen wird es durchweg offenbar. Seine Frauengeschichten sind Diebsgeschichten. Er liebt die Frauen nicht, er will sie besitzen, und nicht einmal das. Er will eine Frau nicht erobern, sondern wegerobern, einem andern Mann abstibitzen. Er lebt aus zweiter Hand.

Er sagt, daß ich mit meiner Philosophie keine Familie gründen könne, aber ich habe sie gegründet, und sie lebt zahlreich, während er sich in dieser Hinsicht als wahrer Pechvogel erwiesen hat. Dann sagt er aber z.B. in einem Brief an mich, na ja, diese Familie wird nicht lange halten, wird mich und meine Frau, also seine Eltern, nicht überleben, während die Kennedys ewig seien, mit ihrem Reichtum, ihrer Intelligenz. Das sind Vergleiche. Wir und die Kennedys, deren Urgroßmutter erst kürzlich von sich sagte, sie habe ein glückliches und erfülltes Leben gehabt. Bei so vielen Toten, Gefallenen, Verunglückten, Ermordeten! Was für eine solide Familie wir doch sind - ohne Geld und Besitz. Wenn, ja wenn, dieser Scurra nicht wäre? Er definiert sich nicht nur gegen seinen Vater, sondern ausdrücklich auch gegen seine Familie, gegen uns alle. Er will nicht dazugehören, tut nun aber so, als hätten wir ihn hinausgedrängt.

Ich weigere mich, den "Fall Scurra" als Krankheitsfall zu verstehen. Wir sehen den "Fall" von seiner philosophischen Seite, behandeln ihn literarisch. Mythengeschichtlich wird Scurra zu dem von ihm gern gewählten Paris und dem von mir bevorzugten Amaleq. Paris hatte sich nicht gegen Priamos erhoben, er fügte ihm und Troja nur den bekannten historischen Schaden zu. Seine Mutter Hecuba hatte den Traum. Sie gebar eine brennende Fackel, die Troja vernichten würde. Scurra hat mit dem Blick auf sein "Troja" die gleichen Wünsche, ersehnt darüber hinaus den Sonnenaufgang im Westen. Den ganzen Kosmos, das gesamte Universum bietet er auf gegen den Vater und die Familie, die doch mit leichter Hand "weggefegt" werden könnten.

Dieser "stolze Trojaner" hat nur einen Feind, und sein Vater hat so viele davon, daß er die ihm auch schon wieder neidet. Er konnte sich an dem Kampf beteiligen, das Kriegsglück wenden helfen, aber da fand er den ödipalen und zugleich amaleqitischen Ausweg: er erschlägt seinen Vater, möglichst unerkannt, wenn dieser friedlich unterwegs ist oder gar auf der Flucht, sich seinen übermächtigen Feinden zu entwinden. Da schlägt Amaleq zu, ein Held, wie er im Buch der Bücher steht, einer, dem ich gleichwohl etymologisch immer gerecht werden wollte.

Ich hatte Amaleq als Verstümmelung von Am-Al-Amaq gedeutet, was so viel wie Volk des unerforschlichen Gottes heißt, aber auch Volk des Unerforschlichen, der Tiefe, des Tals. Michael Scurra hat nicht schlecht gewählt. Er wird es nicht so wissen. Die Wahl erfolgte unbewußt. Auch "Gerschom" spricht dafür. Die Wortwurzel GRS(ch)/o/m (oder w) reicht in die früheste Kindheit zurück.

Scurra schildert mich als - "oberprophetenhaften" - "Visionär". Brieflich kommt er zu der "Erkenntnis", daß ich "die jüdische Karte" spielte, um meine Revisionismuskritik (!) vor Strafverfolgung zu schützen. Das kommt mir bekannt vor. Meine "Selbstdarstellung" geht ihm auf die Nerven...

Ich habe vorgeführt, wie andere - andere Feinde - mich beschreiben ("darstellen"): als chassidischen Rabh, allmächtigen Oberjuden, Gott und Messias, als bösen Zaddik (Amaleq nennt mich "unverhohlen kalt und bösartig") und so fort. Ich habe das Jüdische an mir heruntergespielt, es auf meine Mutter reduziert, von deren Jüdischkeit ich noch in den sechziger Jahren nichts wußte. Mein Bruder Gerhard ertrug es nicht, kam, als er's erfuhr, bei einem Autounfall ums Leben, hinterließ einen Sohn namens Michael. Wenn ich seit meiner Geburt auf dem jüdischen Wege bin, so hat mich eine innere Motorik, eine Erbanlage, eine genetische Erinnerung geleitet. Anders kann ich es mir nicht erklären. Und daß wir 1988 israelische Staatsbürger wurden, hing mit unserem Alijah-Antrag zusammen, durch den die Staatsangehörigkeit automatisch in Kraft tritt. Wir hatten ein Statusproblem. Die papierene Familiengeschichte weist Lücken auf. Man bot uns an, "überzutreten", das lehnten wir ab - wie die äthiopischen Fallaschen es abgelehnt hatten. Jude kann man nicht werden. Man ist es, oder man ist es nicht. Amaleq aber nahm die Gelegenheit wahr, sein Judentum nun gegen Vater und Familie zu definieren. Ein Widerspruch in sich. Richtig, was er schreibt: du kannst nicht lernen, was du nicht schon hast.

Die euro-islamische Strategie entstand aus konkreten historischen Elementen. Der kuckuck deckt Tendenzen auf. Die dialektische Methode ist ihrer Natur nach investigativ. Es werde so oder so sich nicht entwickeln, ist keine Vision, sondern eine Schlußfolgerung aus Gegebenheiten. Es bleibt deprimierend, in Deutschland für Deutsche eine Zeitschrift zu machen, die mehr vom Leser fordert als fleißiges Buchstabenzusammenlesen.

Als autoritären Charakter haben mich zwei erklärte Todfeinde bezeichnet. Ich bestehe darauf, autoritativ zu argumentieren. Realitäten lassen sich überprüfen. Die Autorität, die wir anerkennen, der wir uns unterwerfen müssen, ist die Wahrheit. Daß ich mit irrationalen Mitteln hantierte, wirft mir nicht einmal mein persönlicher Amaleq vor. Der 'Fundamentalismus der Aufklärung' geht davon aus, daß unser Denken und "Aufklären" sich von den historischen Fundamenten nicht lösen kann, ohne Schaden zu nehmen. Darüber Klarheit zu gewinnen: Wenn es ein kuckucks-Konzept gibt, so ist es dies.

Die rituelle Seite des Lebens gehört zur Realität, zu den resignativ hinzunehmenden Notwendigkeiten. Selbst Mohammed hat überliefert, daß er sich den Forschenden zuwandte, ohne den Betenden ihr Gebet nehmen zu wollen. Die Botschaft vom Sinai ist eine Lehre, die der Unterschiede und Schwächen der Menschen eingedenk bleibt. Eine Lehre der geistigen Prädestination aber auch. Ein Volk von Heiligen, Priestern und Lehrern sollt Ihr werden. Notwendigerweise, weil die Menschen eben sind, wie sie sind, weil sie gern delegieren: ihre geistigen und seelischen Belange, die ihnen zu kompliziert erscheinen. Ihre Lehrer haben ein spezifisches Interesse an dieser Kompliziertheit. Oft wird die einfache Wahrheit so verpackt, daß ohne kompetente Hilfe sich nichts mehr auswickeln läßt. Die geistige Klassengesellschaft entsteht, wo Mosheh von Jithro dazu überredet wird, in Rechtsangelegenheiten sich zahlreich vertreten zu lassen, statt die Bevormundung abzuschaffen und auf die individuelle Autonomie zu vertrauen. Dadurch wird das Volk der Wüste normalisiert. Die Verallgemeinerung des Besonderen hat ihren Preis. Es liegt nicht an der wachsenden Zahl des Volks.

Jahrelang hätte er - so oder so - sich an der Diskussion im kuckuck beteiligen können. Als in feder 25/26 "Das Ende des Wortes" verkündet und festgestellt wurde, daß "die Zeit der Gespräche vorbei" sei, da rappelte Scurra sich auf, bezog seine Hecke und schoß pseudonym, nicht auf meine Feinde, sondern auf mich. Die Enthüllung in Styleskji 1 hat diesen einen Zweck: die Hintergründe und Zusammenhänge deutlich zu machen.

Yair Kokhaviv hätte anders reagiert: Ich stelle alles Dunkle zurück, öffne mein Visier, trete ehrlich auf und kämpfe gemeinsam mit dir gegen unsere gemeinsamen Feinde. Danach werden wir weitersehen. Vielleicht würde dieser - gemeinsame - Kampf die Situation grundlegend ändern. Die Veröffentlichung der "Schlauch"-Geschichte in Styleskji 1 war ein - letzter - Versuch, dem Gestrauchelten in den Sattel zu helfen. Das halbe Heft ist dem Scurra gewidmet. Er kommt so proper und reichlich zu Wort, daß es eine Freude ist, ihn zu lesen. Die Reaktionen sind - wir leben im Zeitalter des Wassermanns - durchweg positiv. Er hätte gestärkt aus der Krise hervorgehen können. Stark sein heißt: souverän sein, Haltung bewahren, nicht wie ein wildgewordener Amokläufer den Besen reiten. Michael Scurra beging geistigen Selbstmord.

Der zweite Schlüssel / Das Ende des Wortes (in kuckuck feder 25/26)

Komplizierter wird die Lage durch einen anderen Umstand. Osama bin Laden hat uns ("den Juden", Mann und Weib, alt und jung) den Vernichtungskrieg erklärt. Das Verhältnis zu Israel und "dem Juden" ist ein Kernstück islamischer Geschichtsidentität. Es wird schwer sein, dem Islamofaschismus einen authentischen und zugleich demokratischen Islam entgegenzusetzen. Friede den Hütten und Krieg den Palästen! Wo stehen die Hütten und wo die Paläste?

Demokratie und Islam in Deutschland haben gemeinsam eine historische Aufgabe zu bewältigen. Die Demokratie ist durch den Verlust ihrer Sinnwerte in eine lebensgefährliche Krise geraten. Christentum, Patriotismus und Sozialismus haben es nicht vermocht, der zu Recht- und Gesetzlosigkeit verkommenen Freiheit wieder Substanz zu geben. Der Islam in Deutschland und Europa ist eine wie von Gott gesandte Gelegenheit, dem abzuhelfen. Die Erneuerung des Abendlandes durch den Islam ist keine Assimilation, sondern ein dialektischer Prozeß, in dem der Islam selbst sich einen neuen Charakter geben wird, indem er die Grundsätze der Demokratie sich zu eigen macht. Die Islamisierung Deutschlands und Europas ist kein Diktat, sondern eine freie Entscheidung des Volkes, der Völker, des einzelnen Menschen. Neue Inhalte - nicht Formen - tun not. Das "System" funktioniert, nur seine "Betreiber" sind "aus den Fugen" geraten. Das Haus steht, es soll wieder wohnlich werden.

Der Islam schließt die Klassenproblematik nicht aus: das "Projekt Yishmael" ist ausdrücklich im Dienste der Klassengerechtigkeit konzipiert worden. Ein torahlinker, sozialrevolutionärer Islam setzt sich vom faschistischen Islam in Deutschland ab bzw. stellt sich diesem entgegen. Klassenkampf und Islam, Islam und Klassenkampf. Der proletarische Klassen-Denkansatz erfüllt das Gerechtigkeitserfordernis, also das, was allen Religionen und Revolutionen ins Buch geschrieben steht, aber nirgendwo durchgesetzt worden ist. Der Islam als 'Großes Fahrzeug' der Botschaft vom Sinai nimmt endlich Gott für die Rechte der 'Hütten und Zelte' in Anspruch. In dieser Sache können wir sogar auf Jesus von Nazareth zurückkommen, der die Armen den Spatzen verglich, für die Allah sorgt.

Das Elend der Welt ist ein Hüttenelend, ein Elend der von den Besitzenden Verdammten. Wir sind Vorübergehende und als solche frei auf Erden und keinem untertan außer Gott. Daran haben wir uns zu erinnern. Recht und Unrecht bis ans Ende der Tage. Das Recht als Maß und Richtschnur, das Unrecht als zu richtende und auszumessende Wirklichkeit. Wider den Eklektizismus. Die Zeit, da in Deutschland - vorübergehend - diskutiert wurde, als die Fetzen flogen und die Funken sprühten, die liegt Jahrzehnte zurück. Der kuckuck ist insofern ein Anachronismus.

Ich versuchte, talmudisches Denken in die Diskussion zu bringen, die permanente Auseinandersetzung, den endlosen Disput, das sich immerfort und von neuem eröffnende Sagen. Ich bezeichnete die nachbiblische Literatur als torahwidrig, was sie ja auch ist. Die mündliche Überlieferung sollte nicht aufgeschrieben werden. Die Gefahr, daß sie verloren gehen könnte, änderte diese einstige Grundauffassung. Die talmudischen Inhalte sind mir weniger wichtig. Der Talmud ist eine Methode. Daran halte ich fest. Freunde habe ich mir damit nicht gewonnen. Meine Feinde verstehen mich dafür um so besser.

Ich "widerrufe" jeden Anschein einer Distanz zur jüdischen, nachbiblischen Überlieferung. Meine immanente Kritik gehört in den ewigen Disput, der außerhalb des Judentums ohnehin nicht begriffen wird. Und ich "widerrufe'' meine Ablehnung des "Zionismus". Meine politische Distanz zum Staat Israel. Ich bin Talmudi &&& Zioni - in einer Zeit der Not und der Bedrängnis um so mehr.

Was sich hier im kuckuck abspielt, ist eine Miniatur politischer Zusammenhänge und Ereignisse. Die Zeit der Gespräche ist vorbei. Die Zuspitzungen leiten letzten Endes in kriegerische Auseinandersetzungen über. Gegen Israel ist sich alle Welt einig. Die Versuche des kuckuck, das "Projekt Yishmael" friedlich in die Wege zu leiten, haben eine eigene Dialektik entwickelt. Im offenen Gespräch werden Positionen aufgelockert, Prinzipien zuruckgestellt. Wenn man sich näherkommt, gar sich einigt, werden Ecken rund und Kanten unscharf. Die Friedenspolitik im Nahen Osten war ähnlich unrealistisch wie jene, die in Europa mit dem Zusammenbruch des Sowjetreiches sich als Geschichtsverhinderungspolitik und also als ein Phantom erwies. Wer diese Konsequenzen voraussah, wer die "Friedensbewegung" als eine "Kriegsbewegung", als ein Instrument der Destabilisierung der Bundesrepublik Deutschland durchschaute, galt als ebenso kriegslüstern wie der kritische Beobachter des "Friedensprozesses" im Nahen Osten.

Natürlich hat alle Welt in Israel den Störenfried und Fremdkörper erkannt. Um das auch überzeugend darzubringen, haben die Propagandamaschinerien in aller Welt keine Mühe gescheut, um aus dem Winzling Israel eine Weltgefahr zu machen. Wie so was angestellt wird, demonstriert Dirk Schröder exemplarisch am Mini-Objekt kuckuck. Die Propaganda arbeitet wie ein Gebläse: das Kleine wird aufgepumpt. Im Gegenzug saugt die Pumpe die Luft aus den wahren Riesen der Weltgeschichte. Es ist klar, daß ich in dieser Situation als überzeugter Zionist meine Rolle weiterspielen muß. Vielleicht war ich 1967 der erste Kritiker israelischer Politik. Damals war Israel stark. Und darum in Deutschland auch so beliebt: Moshe Dajan als der Deutschen liebster Rommel dazumal.

Der Yom-Kipur-Krieg brachte den ersten kuckuck hervor. Es mußte sondiert werden. Wie sah's hier eigentlich unter der Decke aus, also etwa im literarisch-politischen "underground". Die kuckuck federn setzten von vornherein auf einer höheren Ebene an. Aber auch hier ging's ums Verborgene. Verdecktes &&& Verstecktes ist ein Element der Zeit, ist "Noch" oder "Noch-nicht". Die Phasen des kuckuck erweisen sich schließlich als kombinierte Arbeit an derselben Sache. Fazit: Israel ist der einzige Staat, der sich als Nation legitimiert. Oder anders: Der Zionismus ist der einzig legitime Nationalismus als einer der autonomen Behauptung. Der Staat Israel wird von mehreren Weltmächten existentiell in Frage gestellt. Den Juden wird als Staatsnation, was ja ein Staatsgebiet einschließt, das Existenzrecht abgesprochen. Die nationale Selbstverteidigung Israels ist ein Kampf: auf Leben und Tod. Hier erhält der Nationalismus seine historische Berechtigung zurück. Die anti-israelische ist eine anti-jüdische Dämonologie, von der im kuckuck reich Zeugnis abgelegt wurde. Die Verbösung Israels ist beispieIlos. Es ist mir eine Ehre, in diesem Weltkrieg nicht auf der Seite der Mehrheit zu stehen. Notabene: feder 1 war ein Kind des Golfkriegs.

Wenn ich "Karäar" sagte, so ist dies ein etymologischer Ausflug, der mit der Sekte der Karäer nichts zu tun hat. Die hebräische Wortwurzel erlaubt die Deutung, daß man auch zu dem, was ich hier tue, "berufen" sein kann. Meine Feinde haben es immer gewußt, wenn auch nicht wirklich verstanden. Meine Ohnnacht gilt meinen Feinden als Macht, als Ausdruck einer ihnen unerklärlichen Überlegenheit. Sie täuschen sich. Was mir Macht zu geben scheint, ist die Sprache, ist das Wort. Das Wort aber ist nicht von mir oder kraftlos. Was als Bedrohung empfunden wird, dafür bin ich nur Sprachrohr, Wortsetzer, ausführendes Organ.

Was bedeutet dies alles? Ist es wichtig, was ich mit dem kuckuck anstelle - und anrichte? Richte ich Schaden an, während ich glaube, der Wahrheit einen Dienst zu erweisen? Was will ich? Was habe ich zu wollen? Meine Botschaft lautet: Verflucht ist, wer Israel flucht. Ja, wir haben verstanden, daß ihr uns vernichten wollt. Das nehmen wir auf uns. Und Gott wird es wenden. Mit dem Siegel-Druck ist der Krieg erklärt, der falsche Friede abgesagt, der Pfeil gebrochen. Die aggressive Notiz ist die Verkriegerung der Beziehungen. Wir riskieren alles, wir haben nichts zu verlieren. Und ein neues Davidsland zu gewinnen. Paßt nur auf! Eure große Zahl besagt nichts, wenn Gott nicht auf Zahl setzt. Wartet ab!

Das modifizierte Kontinuum: aussteigen, ohne auszusteigen. Wenn es den Feinden Israels gelingt, den Islam für sich zu mobilisieren, erhält das "Projekt Yishmael" einen völlig anderen Charakter. Dann ist es nicht mehr der Bruder, den wir rufen. Dann wird das "Projekt" zu einer Abwehrmaßnahme. Wir müssen überlegen, ob es zwischen "Frieden" und "Krieg" noch ein "Drittes" gibt. Das "Dritte", das wir bisher kennen, ist der Terror gegen die Zivilbevölkerung Israels und die Beantwortung des Terrors mit Gegenterror, mit Anschlägen auf Hisbollah-Milizen und Hamas-Aktivisten. Das "dritte" Element ist das Unberechenbare, Geheime, Obskure und Okkulte. Es ist die Stunde derer, die im Dunkeln ihre Fäden ziehen und Netze weben. Zeit der Assassinen. Interessant von außen anzusehen, mörderisch in vermittelter Nähe. Ein tödliches Gespinst und ein Sumpf aus Kumpanei und Zauberei. Osana ben Ladin* (korrekt?).

*Der Name läßt sich als "Gesetzloser" deuten.

Sie wissen, ja, sie wissen, was sie tun. Sie sind verantwortlich für alles, was sie tun, denken und sagen. Es gibt keine Gnade für sie. Keine mildernden Umstände. Sie wenden deine Worte wider dich. Ihre Bosheit macht dich frei von jeder Schuld.

Ich stehe zu Israel nicht in seiner Macht, sondern in seiner Ohnmacht, nicht seiner Größe wegen, sondern weil es als so winziges Land den Haß der ganzen Welt auf sich zieht. Das läßt sich rational nicht erklären. Israel hat Fehler gemacht, gewiß, aber daß die drei oder vier Millionen Juden auf einem engen Streifen Ost-Strand des Mittelmeers den hundert Millionen und mehr Arabern und den Hunderten Millionen von Moslems in der Welt ein Dorn im Auge seien, muß, falls es denn so ist, etwas mit der dialektischen Spannung zwischen Quantität und Qualität zu tun haben. Da aber Israel als Staat und Gesellschaft nicht allzuviel Großartiges vorzuweisen hat, selbst die Armee läßt sich relativieren, muß, was "Qualität" betrifft, etwas anderes im Spiel sein. Ich denke, daß es eigentlich das jüdische Bewußtsein ist, die Überzeugung, außergewöhnlich, ja von Gott selbst auserwählt zu sein, was sich obendrein in den antiken Schriften nachlesen läßt: daß dies die Gemüter ringsum und in der ganzen Welt in Wallung bringt.

Nun wird die Gründung des kleinen jüdischen Staates auf groß angelegte Intrigen und Verschwörungen zurückgeführt, nur leider standen die Juden mit ihrem nationalstaatlichen Anliegen völlig allein da. Sie fanden nicht nur keine Hilfe, sie hatten es mit einer Welt vieler, allzu vieler und allzu mächtiger Feinde zu tun. Im nachhinein mag man sich daraus seine Legenden häkeln. Aber es ist schon so: Nicht die weltliche Macht Judas, sondern seine Ohnmacht war zuletzt sein größter Trumpf. Ohne Gottes Hilfe, ohne das Zusammentreffen glücklicher und vor allem unglücklicher Umstände wäre daraus nichts geworden. Daß die Zionisten von ihrem Ziel nicht abließen, hat, wie es scheint, ihren alten Gott schließlich doch überzeugt. Das Judentum ist eine Denkschule.

Eine "Qualität" Israels ist nicht zu übersehen: Ohne die Initialzündung "Israel" hätte es keine effizienten Befreiungsbewegungen in den nahöstlichen Ländern gegeben, keine Al-Fatah, keine PLO, ohne Israel gäbe es heute weder Hamas, Hisbollah noch überhaupt die islamische Revolution und Renaissance seit Khomeini in Iran, keine Taliban in Afghanistan und keinen erfolgreichen Widerstand der islamischen Völker gegen die Sowjetunion, die heute nicht mehr existiert. Die Formel "Kein Islam ohne Israel" trifft also nicht nur entwicklungs- und religionsgeschichtlich zu, sie gilt auch für die politischen Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte, ja des ganzen Jahrhunderts. Sie bleibt gültig und wirksam.

Der Impuls kommt nicht aus irgendwelchen "jüdischen Machenschaften", sondern schlicht aus dem "jüdischen Geist". Wenn ein Jude sagt, wir sind anders als die Völker, treibt er sie zur Weißglut, bringt sie auf Trab, mobilisiert sie... Meist ist ihm gar nicht bewußt, was er damit anrichtet. Er sagt es in aller Unschuld, oft ironisch. Er ist vielleicht der einzige, der das nicht gänzlich ernst nimmt. Und mit dem "Anderssein" hat er ja recht, die Geschichte bestätigt es doch: Das jüdische Volk hat eine andere Entwicklung als ''die Völker" durchgemacht. Es ist nicht zu vergleichen. Die "Frechheit'' der Juden steckt eigentlich darin, daß sie auf ihrer "Besonderheit" bestehen trotz ihrer oft erbärmlichen Situation. Jahrhunderte lagen sie am Boden und gewissermaßen im Dreck, ohne davon abzulassen: Wo sie waren, war "oben"*. Das mochte ein Bismarck ähnlich von sich sagen, aus Mund und Feder der Juden war es eine Frechheit und schließlich ein Wagnis, was sie regelmäßig auch zu spüren bekamen. Gott hatte es ihnen eingegeben. Ihre Feinde aber glauben fester denn je daran, unumstößlich, fixer als die Juden selbst.

*Scurra/Gerschom definiert sich andersherum: Wo er, da ist "unten".

Ein mysteriöser Vorgang. Die Juden werden zu dem, was sie sind, durch ihre Feinde, in deren Bewußtsein und Vorstellung. Es ist ungeheuerlich: daß der Jude die einfachsten Dinge auch ganz einfach ausspricht, doch in den Ohren seiner Feinde hört es sich an wie hochkompliziert, verwegen, verrucht, irgendwie teuflisch. Sie machen aus ihm einen Dämon, indem sie auf ihn hören wie auf ein Orakel. Es ist schwierig, dies nachzuzeichnen. Ein Jude, der es erlebt hat, denkt, die Leute seien verrückt, eigentlich paranoid, besessen. Ihre Reaktion auf sein Verhalten und seine Worte erscheint ihm widersinnig, wie hergeholt, aus tiefsitzenden Vorurteilen kommend, es sind angelernte, eingetrichterte Ressentiments. Man wird nicht als Antisemit geboren. Wird man aber als Jude geboren? Wo ist das Problem? Ist der Jude "normal", ist sein Widersacher "nicht ganz bei sich"? Aber die Norm wird von der großen Zahl bestimmt. Jude sein heißt: von minderer Zahl sein und dadurch anders.

Wenn die "große Zahl" in eine neue Qualität umschlägt, wird's gefährlich für die alte. Was macht den Juden anders, was unterscheidet ihn von den anderen? Seine Religion ist bekannt. Sie ist den andern bekannt geworden, spätestens mit der jüdischen Weigerung, eine andere Religion, die Religion der anderen anzunehmen. Das trennt. Alle Menschen passen sich neuen Gegebenheiten an, ordnen sich der Mehrheit unter, wechseln Gewohnheiten und Lebensanschauungen, Glauben und Bekenntnis. Nur der Jude hält am Alten, Überkommenen fest, wie an einem Strohhalm, so mögen die einen meinen; er ist starrköpfig, unbelehrbar, rückständig, harthörig und anmaßend, so die andern. Er hält sich für was Besonderes. Seine Auserwähltheit, durch Übersetzungen publik geworden, ist nichts als Größenwahn. Das erregt die Menschen. Sie wenden sich von ihm ab, er muß sich nun vor ihnen hüten. Sie verstehen ihn nicht, er sie um so besser. Das wird auch umgekehrt. Vielleicht fängt damit alles an. Er kann sie sehr gut verstehen und bleibt ihnen ein Rätsel. Er hat in Jahrhunderten und Jahrtausenden viel darüber nachgedacht und daraus eine Überlebensstrategie entwickelt. Seine "mündliche Überlieferung", es sind die aufgezeichneten Dialoge der Lehrer und Väter, legt Zeugnis davon ab. Das ist seine jüdische Geschichte in einer fremden und feindseligen Welt. Ja, es sind feindliche Seelen, Feindesseelen, die ihn umgeben, sobald er sein Haus, seine Familie, seine Gemeinde verläßt. Das Besondere am Juden ist seine Sonderheit, sein absonderliches Dasein inmitten oder am Rande der anderen Menschen. Sie sondern ihn aus und ab, er sondert sich aus und ab. Wenn jene ihn absondern, so trifft hier auch der wörtliche Doppelsinn zu: sie sondern ihn ab wie etwas vom Eigenen, aber Verpönten, Verderbten, Verdorbenen, Unreinen, Bösen. Sie scheiden ihn aus. "Auseitern" nennen es die Anthroposophen. Juden und ihre Feinde sehen sich wechselseitig jeweils dem Bösen gegenüber. Antisemiten sind von einer magischen Feindseligkeit besessen. Sie wirkt wie ein Gift in ihnen, dessen Opfer sie am Ende selber sind. Sie tragen schwer daran. Eine Gottesknechtschaft besonderer Art. Die Auserwähltheit eines natürlichen Satelliten.

Merke: Dreimal Jehudah ist die Wahrnehmung Israels.

Ein Islam, der Israel bekämpft, trifft seine eigenen Wurzeln, beschädigt sich selbst.

Der Krebsschaden des Christentums ist sein Kampf gegen "den ewigen Juden", das ewige Wissen, sein Giften gegen die Erfahrung und die Erkenntnis Gottes.

Darum ist "verflucht, wer Israel flucht", wie ein Kind, das seinen Eltern flucht, seinen Vätern und Lehrern.

Aus dem Ochsenstachel ward ein Fischerhaken, aus Jehudah längst Juda, und das heißt: aus Sohn und Stamm Jakobs das Wissen Israels.

***Ist Avram Kokhaviv ein Jude?... Lummert sagt dazu: Mein Judentum gründet sich auf die Linie meiner Mutter, weiter nichts" (feder 12, Seite 18...). Der herablassende Nachsatz ist verräterisch, denn er besagt, daß Avram Kokhaviv über dem Judentum stehen muß, also Chaldäer ist. Von hier hat er seine geistigen Wurzeln (Patriarchat), von der Mutter (Matriarchat) die körperliche Konstitution. Seine geistige Heimat kommt auch in seinem Vornamen zum Ausdruck, denn Abraham, der Vater der Menge, kam ja als "Avram", A-Bh-R-M, aus Ur in Chaldäa. - Die babylonischen Chaldäer sind die Urheber und Meister der abendländischen Astrologie. Hierzu Lummert: "Ich bin übrigens ein Skorpion... und mit dem Judentum, wissen Sie, da bin ich halt mein eigener Rabbi" (feder 12, Seite 33). Wer darf ungestraft so sprechen? Nur "die Weisen, die sich auf die Zeiten verstehen", also "die Astrologen, die auch das Richteramt" haben (A.Sulzbach, "Das Buch Esther", Basel 1983, Seite 21, zu Vers 1,13). Von ihnen heißt es im rabbinischen Schrifttum: "Da sagten die Astrologen: Ihr seid Juden, die Astrologie hat für euch keine Geltung" (Tanchuma Stettin p.563, in: Ludwig Blau, "Das jüdische Zauberwesen", Darmstadt 1987, Seite 147). Die Chaldäer als Astrologen grenzen sich also scharf von den Juden ab, da sie über ihnen stehen. Und der "Jude" Avram Kokhaviv bekennt sich als im Tierkreis "Skorpion" Geborener, mithin als Nicht-Jude im Geiste. - Ergebnis: Horst Lummert ist zwar Jude von Geburt, doch betrifft dies nur die körperliche Qualität der Reinheitsgesetze der Thora. Im Geiste ist er jedoch Chaldäer und steht damit über dem Judentum" (vgl. "Wer ist Horst Lummert? / Wie man einem kuckuck kunstgerecht die Federn rupft und darunter den Schwarzen Meeradler zum Vorschein bringt" von Dirk Schröder. Nachdruck in feder 25/26. 8 Seiten).***

Hinter der esoterischen Aufmachung verbirgt sich eine anti-israelische Schmähschrift. Schröders Namensanalyse ist trotzdem lesenswert. Er kommt darin zu der "Erkenntnis", daß ich nicht nur ein "böser Zaddik", sondern auch der "liebe Gott" selber sei, in einer anderen Schrift macht er mich zum "Messias". Der okkulte Antijudaismus ist sehr einfallsreich. Übrigens meinte Schröder bereits in einem früheren Werk ("Weltformel"), daß die Zaddikim vom Erdboden verschwinden müßten, wenn die Menschheit erlöst werden soll. Amaleqs Trachten.

Rabbi Elieser sagte: Die Ehre deines Nächsten sei dir so lieb wie die deinige, sei nicht leicht zu erzürnen und kehre einen Tag vor deinem Tode zurück. Wärme dich an dem Feuer der Weisen, aber nimm dich vor ihren Kohlen in acht, daß du nicht verbrennst, denn ihr Biß ist gleich eines Fuchses Biß, ihr Stich gleich einem Skorpionstich, ihr Zischen gleich dem einer giftigen Schlange und all ihre Worte gleich glühenden Kohlen. Sprüche der Väter, Abschnitt 2:15.

Wer seinem Vater und seiner Mutter flucht, dessen Leuchte wird verlöschen in der Finsternis. Sprüche Salomos 20:20.

Ich kuckucksvogel in meiner Hybris wollte dem Wassermann das Fliegen beibringen. Scurra hat recht: es geht nicht.

Daß ich unter Juden und Moslems viele Freunde hätte, kann ich in der Tat nicht behaupten. Meine erklärten Hasser und Todfeinde aber sind weder dies noch das. Ihre Angriffe, Intrigen und Hetzkampagnen waren durchweg antijüdisch begründet, selbst wenn der eine oder andere sich ausdrücklich als Moslem, arianischer Christ, Neuheide oder gar messianischer Israelit deklarierte.

Ich bin kein gläubiger Hebräer. Ein Hebräer sollte die Gewißheit haben und nicht glauben.

Das Judentum ist kein Abstammungsrassismus, nicht einmal nach dem Talmud. Abstammung hat im jüdischen Denken keinen rassischen Charakter; sie wird seelisch und geistig begriffen. Darum auch im Exil der Bezug auf die Mutter, weil sie es dem Kind mit der Milch, mit den ersten Worten, Zärtlichkeiten, urvertraulich, gottvertraulich eingibt.

Es geht ums Exil. Das Land ging verloren. Die Väter haben eine schwere Niederlage erlitten. Als die Beauftragten Gottes sind sie geschwächt. Jetzt kommt den Müttern die Aufgabe zu, das Verlorene zu ersetzen.

Keine christliche Amme kann dem jüdischen Kind die Erinnerung aufrechterhalten. Was gegen diese Wahrheit spricht, kommt bestenfalls aus dem Irrtum - ob nun jüdisch oder nichtjüdisch bedingt.

Im Feminismus spielen Mütter überhaupt keine Rolle. Die feministische Ideologie ist eine mutter- und frauenfeindliche Amazonenreligion, die im übrigen Scurras Argumente gegen die Bedeutung bzw. für die Bedeutungslosigkeit der Väter anführt. Die toranische Lehre ist die Wende gegen diese heidnische Unwissenheit. Scurras Judentum ist so etwas wie eine Vereinsmitgliedschaft. Das unterscheidet uns eben. Die Amazonen sind die Kehrseite zu den Scurranern, vom selben Ungeiste beide.

MOSES und die Offenbarung der Demokratie* (feder 25/26)

Hannes Stein schreibt ähnlich dem kuckuck wider den Zeitstrom und seine neue Religiosität. Eine Berührung gibt es seit 1996.

Hannes Stein ist jedenfalls einer der so wenigen, daß man sie an den Fingern einer Hand abzählen kann, die die aktuellen Ideologien wirklich durchschaut haben. Kulturanthropologisch knüpft er zunächst bei dem (mittlerweile wohl lernfähigen) Heinsohn an, um dann aber schnell zur Sache zu kommen. Am Schluß bedankt sich der Autor bei einer Reihe von Dozenten, Wissenschaftlern, einem Jerusalemer Rabbi. "Bei Paul Badde (München) für die Lizenz, ihn hemmungslos zu beklauen..." Es wird Zeit, die richtigen Gedanken auch einmal von mehr als zwei Leuten gedacht und aufgeschrieben zu finden.

Bei aller Interdependenz in Angelegenheiten des Geistes: Hannes Stein ist ein Bekenner, Jahrgang 1965, studierte in Hamburg Anglistik, Amerikanistik und Philosophie, war Mitarbeiter der FAZ und des 'Spiegel' und schreibt heute für die 'Berliner Zeitung'. Er lebt in Jerusalem. Ein überzeugter, ja leidenschaftlicher Verfechter der westlichen, parlamentarischen Demokratie. Seine These, und es ist die These des 'kuckuck': Die Torah ist das Eine Licht "zwischen Finsternis und Finsternis". Aus ihrem Gesetzesgedanken wächst konsequent der demokratische Rechtsstaat. Dieses Licht ist in Gefahr, ausgelöscht, zumindest aber unter den Scheffel gestellt zu werden. Mit Beruf auf Kardinal Ratzinger sieht er in der Rejudaisierung des Christentums, insonderheit des Katholizismus, eine Möglichkeit der Rettung für die judäo-christliche Idee, den biblischen Monotheismus.

Die Differenzen zwischen Christentum und Judentum sieht er eher läßlich als Folge der allzu frühen Wiederkehr der heidnischen Götter.

*1998 by Rowohlt Berlin

Sein Denkansatz ist christlich, wahrscheinlich römisch-katholisch, ja, fundamentalistisch. Er schreibt nicht wie ein Jude, sondern als Christ, der in der Rückbesinnung auf die alttestamentarischen Quellen die Erlösung der Kirche und der Menschheit erblickt. Hierbei geht er keinen Schritt vom Gesetze ab. "Ratzinger spricht über das umstrittene Buch (die Heilige Schrift Israels) ohne falschen Besitzanspruch, er meint: '... wir müssen neu lernen, es recht zu lesen.' Ein großer, schlichter Satz. Zur Zeit der spanischen Inquisition wäre der Kardinal auf dem Scheiterhaufen gelandet. - Womöglich ist dieser Joseph Ratzinger ein Esra, der das katholische Gottesvolk von den Völkern der Länder scheidet ob ihrer Greuel. Ja, er polarisiert; er teilt ein, und er teilt aus. Er sagt: Diese da gehören nicht zu uns, und jene dort wohl (auch wenn sie es selber gar nicht wissen). Er macht es wie die Bischöfe im Mittelalter, als der Mob anrückte und nach dem Blut der Juden schrie: Er verschließt die Palasttore... Auf die Frage aber, wie viele Wege zu Gott führen, reagiert der Kardinal mit verblüffender Nonchalance: 'So viele', sagt er, 'wie es Menschen gibt.'" (190).

Die Rettung des Gesetzes ist der Rechtserhalt des Individuums, die Garantie seiner Freiheit. Dieses wesentliche Element in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit ist tatsächlich ein Ertrag westlicher, judäo-christlicher Zivilisationsarbeit. Es verleiht der im letzten Grunde demokratischen Kultur ein Höchstmaß an Legitimation. Alle anderen geschichtlichen Hervorbringungen müssen sich daran messen lassen.

Der Apostel Paulus (Kapitel: "Saulus/Shaul") ist "ein Nachkomme Abrahams" und "ein Prophet der Völker". Seine "geniale Umdeutung der Niederlage Jesu hat bewirkt, daß die hebräische Aufklärung die Grenzen ihrer eigenen Kultur überschreiten konnte... Die monotheistische Idee ergriff die Massen und wurde zur materiellen Gewalt" (62). "Jene Juden, die sich Jesus verweigerten, spielten im göttlichen Plan des Paulus vorerst keine aktive Rolle mehr. Sie traten von der Bühne des Heilsgeschehens ab" (64). Aber, "die Juden wurden noch dringend benötigt: als Zuschauer. Nur sie konnten bezeugen, daß die historische Entwicklung noch nicht abgeschlossen war" (64f.). Maimonides "war der Ansicht, daß der Regisseur, der in den Höhen thront, sich einer List bedient, um die Menschen auf den richtigen Weg zu locken: Sowohl der Irrglaube der Christen als auch die Lügenreligion (?? - kkk) Mohammeds seien Gottes Werk. Zwar hätten die Entstehung des Christentums und des Islam viel Leid über die Juden gebracht - aber dieses Unglück, meinte der Philosoph, werde der Menschheit schließlich zum Segen gereichen. Die beiden Tochterreligionen (!! - kkk) des Judentums dienten, ohne es zu wissen oder zu wollen, jüdischen Interessen. Dieser Gedanke, der sich in der Mischne Thora findet, einem Werk, in dem Maimonides das jüdische Gesetz nach rationalen Maßstäben kodifizierte, war für Christen und Muslime kaum erträglich. Der entsprechende Passus wurde darum aus den gedruckten Ausgaben getilgt und hat sich nur handschriftlich erhalten. Er lautet: 'Alle Dinge, die Jesus, den Nazarener, betreffen und jenen Ismaeliten, der nach ihm aufstand, dienen nur dem Zweck, dem König Messias den Weg zu ebnen und die ganze Welt einzurichten, Gott einmütig zu dienen... Wie? Bereits ist die ganze Welt voll von Dingen, die den Messias und die Thora betreffen. Und diese Dinge sind bis auf entfernte Inseln und bei vielen Völkern verbreitet... Aber wenn der wahre Messias aufsteht..., werden sie... erkennen..., daß ihre Propheten... sie in die Irre geführt hatten.' - Im Neuen Testament heißt es: Die Ersten werden die Letzten sein. Und so ist es bei Saulus: Die Juden müssen bis zum Jüngsten Gericht auf den Zuschauerbänken Platz nehmen. Die Heiden, die sich zu Christus bekennen, dürfen sich vor ihnen spreizen, weil sie Gott nun näher sind. - Für Maimonides aber gibt es 'in dieser göttlichen Komödie eine doppelte Ironie', wie der jüdische Religionswissenschaftler Daniel Krochmalnik anmerkt. Die Christen sind schlau und glauben, daß sie Gott auf ihrer Seite haben, aber Gott ist schlauer: Er foppt die Anhänger des falschen Messias aus Nazareth - mögen sie noch so felsenfest davon überzeugt sein, daß sie das göttliche Skript kennen. Denn heimlich waren die Letzten (die verstockten Juden) immer die Ersten geblieben. So stehen 'die vermeintlich Ersten, die sich ihres Vorrangs stets gerühmt haben', am Ende als die Dummen da - ohne Applaus müssen sie von der Bühne ziehen" (65f.).

Mit ernsten Folgen. In einem Flugblatt von 1848 heißt es: "Die Christen, die keinen Christenglauben mehr haben, werden die wütendsten Feinde der Juden sein... Wenn das Christenvolk kein Christentum... mehr hat..., dann, Ihr Juden, laßt Euch Eiserne Schädel machen, mit den beinernen werdet Ihr die Geschichte nicht überleben!" (168). - "Im Talmud steht: Als Gott den Juden die Zehn Gebote gab, kam der Haß in die Welt. Denn nicht nur am Berg Sinai war die göttliche Stimme zu hören, sie hallte in sämtlichen Winkeln der Erde wider. Alle Völker konnten seither wissen, welche Forderung an sie gerichtet war - eine Zumutung, die nie verziehen wurde. Hitler und die Seinen zogen daraus die Konsequenz. Sie wollten der Stimme vom Sinai die Kehle zertreten und wieder gesunde, blonde Heiden werden" (178).

Und heute? "Hat der Nationalsozialismus seine militärische Niederlage überlebt?... Das erste, was dem besorgten Zeitgenossen dazu einfällt, sind die neofaschistischen Parteien Europas... Politische Parteien haben aber immerhin den Vorzug, daß sie sichtbar sind. Gefährlicher ist jenes nationalsozialistische Gedankengut, das im Verborgenen blüht - sei es in den Gärten des New Age oder in den Gewächshäusern des weltanschaulichen Vegetarismus; sei es im diskreten Kult, den radikale Tierschützer um unsere vierbeinigen Freunde errichtet haben, oder in jenen feministischen Tempeln, wo das Mutterunser gebetet wird und Juden unerwünscht sind" (179f.). - "Der Ökologismus hat gute Aussichten, zur neuen Staatsreligion zu werden; wenn er es nicht längst geworden ist. Ein ganzes Volk läßt sich verdonnern, grüne, braune und weiße Flaschen zu sortieren, Zeitungen, Blech und Plastiktüten auseinanderzuklauben und Biotonnen aufzustellen - dies, obwohl jeder weiß, daß das Altpapier meist nur zum Verrotten gut ist, das Weißglas sowieso mit dem Buntglas im selben Schmelzofen landet und Plastik gar nicht recycelt werden kann. Wie nennen wir eine Handlung, die neurotisch zwanghaft wiederholt wird, ohne daß sich ein vernünftiger Grund für sie angeben ließe? Es handelt sich um ein Ritual... Das Mülltrennungsritual mag kompliziert erscheinen, die von ihm ausgesandte Botschaft ist es nicht. Sie lautet einfach: Ich mache mit. - Ich gehöre dazu. - Ich bin einer von den Guten. - Daß sich hierin totalitäre Mentalität offenbart, versteht sich von selbst: Das deutsche Müllritual ist das Fundament einer neuen Volksgemeinschaft... Die grün-esoterischen Natur- und Katastrophengötter haben die sinnliche Evidenz und die Plausibilität auf ihrer Seite. Man muß nicht über okkulte Fähigkeiten verfügen, um zu sehen, daß ihre Macht weiter zunehmen wird. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (und des Apostels Paulus) sieht dagegen ziemlich alt aus. Auch seine eigene Lobby läßt ihn immer mehr im Stich... In Gestalt des innigst geliebten deutschen Theologen, des antisemitischen Fernsehpredigers Eugen Drewermann, ist diese Tendenz gleichsam Fleisch geworden" (186ff.).

Bleibt der Islam.

Hannes Stein hat sich mit dem Islam nicht anfreunden können. Er macht sich auch nicht die Mühe, ihm halbwegs - theologisch, religions- und kulturgeschichtlich - gerecht zu werden, und ich fürchte, dies ist die Laufmasche in seinem Gestrick. Der Islam hat nämlich zum freien Europa seinen Beitrag geleistet. Er hat das Christentum auf den Weg der Zivilisation geführt, hat die Naturwissenschaften, die Mathematik, den Städtebau, die Medizin bereichert. Er hat dem christlichen Europa vorgeführt, was Reinlichkeit, Licht auf den Straßen und schöne Architektur zur Humanisierung der Gesellschaft beitragen. Der Islam brachte Licht und eine neue Geistigkeit nach Europa. Durch ihn erhielt die griechische Philosophie Fleisch und Blut. Die Kreuzzüge zeigten der christlichen Zivilisation ihre Grenzen. Damals erlebte das Abendland seinen gewaltigsten Kulturschock, der sich ähnlich nur noch in Mittelamerika wiederholte, wo die Christen aber gleich anders verfuhren, indem sie die Spuren der maya-aztekischen Überlegenheit sofort in Trümmer legten, was ihnen freilich nicht vollständig gelang, so daß wir heute Kenntnis davon haben.

Der europäische Haß auf die Juden resultiert großenteils aus der Ohmacht des Abendlandes gegenüber dem islamischen Hauptfeind, dem jüngeren, dafür um so mächtigeren Bruder der altehrwürdigen Religion der Hebräer. An dem Gott Israels und Ismaels rannten sich die Christen ihre Köpfe blutig. Dafür mußten die unbewaffneten Diaspora-Juden büßen.

Hannes Stein möchte sich bzw. dem Christentum nun die wahre Lehre der Juden gutschreiben. Das widerspricht aber jeglicher geschichtlichen Logik. Der Bilderkult der West- und Ostkirchen ist ein eklatanter Bruch mit dem toranischen Gesetz, von der Vergöttlichung des Nazareners ganz zu schweigen. Ich will nicht so weit gehen, die christliche Religion als heidnisch zu bezeichnen, zu stark wird mit den Evangelien der biblische Geist vermittelt, aber die heidnischen Beimischungen sind unübersehbar. Der Islam ist dagegen fast unbefleckt. Auch in ihm spielen heidnische Kultelemente ihren Part; das belangt allerdings nicht die Hauptströmung der Sunna.

Das historische Auftreten Gottes hat sich auch islamisch manifestiert. Die Geschichte der islamischen Länder und Völker spricht gegen jede anderslautende Deutung. Im islamischen Denken tritt das Bewußtsein von Ewigkeit und unabdingbarer Wahrheit stärker hervor. Der menschliche Wille ist von alters her durchschaut als ein zweckloses Mühen. Der Orient hat vom Okzident in dieser Hinsicht nichts zu lernen. Der Westen ist allerdings schon dabei, seine Willenskraft als einen oft unnützen Energieaufwand zu begreifen. Wie der Westen damit fertig zu werden versucht, ist freilich von westlicher Art. Befreiungsakte als eine List des Schicksals zu verstehen, liegt dieser Mentalität nicht im Sinn. Vielleicht haben wir hier ein Problem mit der "nordischen Rasse".

Die Zukunft des Krieges in dem Kapitel zur Rolle Esther - Seiten 69 bis 87 - wird letztlich, sage ich, in der Welt von Geist und Religion, Philosophie und seelischer Konsistenz entschieden. Ob wir uns wehren oder kapitulieren: das principium individuationis weiß die Antwort darauf. Die Entscheidung zwischen dem "führenden deutschen Intellektuellen" Hans Magnus Enzensberger und dem Franzosen André Glucksmann fällt mir nicht schwer. Enzensberger ist der typisch deutsche Neutralist, der sich tunlichst aus allem heraushalten möchte, um hernach desto plumpsiger reinzufallen. Glucksmann zeigt die Zähne und hebt seine Klauen. Bis hierher und nicht weiter. Der Mensch hat seine Tabuzone zu jedermanns Achtung. Er ist bisher mit allem fertig geworden. Wir werden auch mit dem individuellen Terror fertig werden, so oder so. Wir kämpfen nicht, weil wir kämpfen wollen, sondern weil und wenn wir es müssen, weil Gott es so will. Was dem Europäer eine Redensart, ist für Israel und Ismael eine Grundwahrheit. Drum verachte, Ismael, die Torah nicht! Bei Gott!

Amaleq ist ein Leichtfuß. Die Überlebensstrategie Talmud übernimmt er von mir, die beschnittenen Herzen von Schaber, den Ur-Avram, der über dem Judentum stehe, von Dirk Schröder. Das zweite Gesetz ist bei mir nicht der Talmud; es sind die Gesetzestafeln nach dem Tanz ums Goldene Kalb. Die zweiten Tafeln, so meine Theorie, sind mit den ersten, später zerbrochenen, inhaltlich nicht identisch; ihnen sind die schwierigen Gesetzesvorschriften, die 613 Verbote&Gebote, zuzuordnen, die auf den ersten Tafeln noch fehlten. Das ist nicht "mündliche" Überlieferung, nicht Talmud, sondern mein bescheidener Beitrag zur Aufklärung unserer historischen Fundamente. Etliche Indizien stützen die These, daß die Vorschriften als Strafe gedacht waren, in dem schon erwähnten Sinne: Ihr wollt den Tanz, Ihr sollt ihn haben. Meine Theorie samt euro-islamischer Strategie mit den "1848er deutschen Demokraten und den Reformjuden" gleichzusetzen, ist billig. Da frißt der Schöps die junge Saat ab, schafft einer mit Schaufeln weg, was ich teelöffelweis angelegt habe.

Überlebensstrategie im geistigen Sinne, gewiß. Das talmudische und chassidische Judentum hatte kein Sensorium für die drohende Hitler-Katastrophe. Das ist ein Maßstab. "Ich habe den Atheismus nicht vor, sondern hinter mir. Durch und durch rational." Die Sätze stammen aus meiner Auseinandersetzung mit Walter G. Neumann, dem alle Religion voraufklärerischer Natur ist. Ich argumentiere gegen ihn, daß mein Monotheismus kein Rückfall, sondern Ertrag rationaler Erkenntnis ist. Der Mystizismus hat die physische Vernichtung nicht verhindert, eher für heraufdämmernde Gefahren blind und taub gemacht. Die Geschichte des osteuropäischen Judentums ist der tränentreibende Beweis dafür.

Scurra hat Glück, daß er mein Sohn ist oder war, sonst hätte ich seine halbgaren Auslassungen unkommentiert gelassen. Er schildert mich als einen mit zerrissenem Herzen, der in einem "ganzen Dilemma" stecke. Ich, Avram, der hin- und hergerissene Bund- und Bündnislose. Selbst Dirk Schröder wußte es besser. Obendrein wolle ich das seelisch verkümmerte Deutschland auf den Weg des autoritären Islam bringen. Gleichzeitig wirft er mir vor, den Islam demokratisieren zu wollen.

Die Lehre vom Sinai ist das Fundament der Freiheit.

Derweil sind dem abtauchseligen Meeresblüter die Argumente davongeschwommen. Als autoritäres Rumpelstilzchen greift er prompt zu Neptuns Spieß oder Hamans (!) Hackebeil: Er spielt den Richter und Henker. Und das im Namen des Herrn. Scurra bekennt seine spirituelle Armut, die ihn hindere, dem inneren Reichtum anderer Menschen beizukommen. Daran hätte er denken sollen, als er seinen Schlauch ausrollte. "Avram, der in Ur, in Chaldäa Geborene, der Anführer eines Nomadenstammes. Und da finde ich folgende Zeilen aus dem kkk 2, 1973/74: 'Irgendwann verstand ich Zeit als eine bloße Abstraktion des Weges - von Seßhaftgewordenen... Seßhaft werden, zur Ruhe kommen, heißt sterben.' Avram oder Avraham, nomen est omen (vgl. f 17/18, S.98). Kein Zweifel, mit dieser Aussage, so sie denn noch Geltung haben sollte, stellt Avram Kokhaviv nicht die Torah auf den Kopf. Er stellt sich neben, über sie, lehnt den Bund mit dem Allmächtigen ab" (skji 1:10).

Abgesehen von der Anleihe bei meinem okkulten Intimfeind aus Biel (vgl. feder 25/26), zeugt dieser Kommentar von einer Ignoranz, die sich Schröder mir gegenüber nicht geleistet hätte. Seßhaftigkeit, Reichs- und Städtegründungen... - alles Zeichen eines menschlichen Grundverhaltens, das mit unserer Natur zusammenhängt. Die großen Werke des Menschen dokumentieren seine Sterblichkeit, seinen Verfall, den er zu Lebzeiten erkennt, was einer Erkenntnisfähigkeit bedarf, die dem Scurra abzugehen scheint. So ist es mir ein Vergnügen, hier wiederholen zu können, daß ich die geistige Verwandtschaft der Blutsverwandtschaft natürlich vorziehe. Wenn das Judentum nicht die geistige Familie wäre, die sich obzwar auch biogenetisch definiert, aber das ist erfahrungsgeschichtlich und erkenntnistheoretisch fast ohne Belang, könnte man es vergessen. Verwandt sind wir ja alle miteinander. Und mein Verwandter Scurra ist mir sogar geistesverwandt, nur halt seitenverkehrt. Er ist nicht nur biologisch, er ist auch geistig mein Sohn. Auf ihn hat meine dialektische Methode genetisch abgefärbt. Ich habe einen Amaleq gezeugt. Die Antithese.

Gott bestimmt seine Protagonisten und Antagonisten vor ihrer Geburt, wenn nicht vor ihrer Zeugung. Darum vielleicht mein immer wieder zu erkennen gegebenes Bestreben, mit Amaleq Frieden zu schließen, was ich als Appell direkt an Israel richte und gerichtet habe. Doch das wäre falsch? Auch, weil ich auf etymologischen Spuren entdeckte, daß Amaleq mehr ist als nur ein Feind. Er ist ein Urprinzip, über das ich mir noch nicht völlig klar geworden bin. Ist er der Urfeind, wie die Bibel ihn schildert, oder muß ein "geprüftes Torahwissen" zu anderen Einsichten gelangen? Scurra scheint mit seinem Verhalten der Torah, ihrer gängigen Interpretation nach, Recht zu geben. Und wieder diese quälende Frage, ob Auschwitz womöglich als Strafe dafür zu verstehen sei, daß das Volk Israel den Amaleq in seinen historischen Erscheinungsformen nicht rechtzeitig erkannt und getötet hat. Der Gedanke drängt sich ontologisch auf, ist praktisch-ethisch aber unannehmbar, obwohl der Krieg als der ewige Vater der Dinge nicht nur eine Redensart, sondern gleichsam die menschengeschichtliche Wahrheit ist. Die Zerrissenheit von König Shaul wäre in mir?

Daß ich mich nicht festlegen wolle, zwischen den Religionen laviere, wie es irgendwo heißt, hat mir bisher niemand vorgeworfen. Wer mich kennt, weiß, daß ich bei jeder Gelegenheit Farbe bekannt habe, vor allem viel gründlicher, überlegter, als Scurra es nun nachahmen will. Er sollte meine Integrität als Autor nicht leichtfertig in Zweifel ziehen. Noch glühen die Kohlen, denen er sich so unbekümmert genähert hat.

Darum mußte ich seinen Decknamen - nom de guerre? - lüften: Jeder andere kann ohne weiteres schreiben, was Scurra schrieb, mein Sohn darf es nicht, weil er so nur wider besseres Wissen schreiben kann. Ist dies aber seine Wahrheit, so leben wir - bei aller Blutsverwandtschaft - in entgegengesetzten Welten. Oder einer von uns beiden ist verrückt. Ich zöge es vor, die Verrücktheit auf beide halbwegs gerecht zu verteilen, so daß jeder auf seine Weise verrückt wäre. Aber ließe es sich halten?

Interessant finde ich schon, daß er mit meinen erklärten politischen und weltanschaulichen Gegnern/Feinden in vielem übereinstimmt. Er argumentiert wie sie, überdimensioniert mich, wie sie es tun, nimmt meine Darstellungen, Erklärungen, Argumente und Einsichten nicht zur Kenntnis, sortiert seine Zitate nach Nützlichkeit und Geschmack. Ich erkenne nicht den leisesten Versuch, mir ein bißchen gerecht zu werden. Er spielt sich auf, als stünde er über mir wie ich angeblich über dem Judentum. Er höhnt über mich, spottet über mein Denken, und alles als einer, der nie zugehört hat, der nie zuhören wollte. Ein armer Irrer, aber er ist mein Fleisch und Blut. Gott helfe mir. Ja, Gott ist sein Zeuge. Scurra hat auf sich aufmerksam gemacht. Ein Auge, das den Vater verspottet, und verachtet, der Mutter zu gehorchen, das müssen die Raben am Bach aushacken und die jungen Adler fressen. Sprüche Salomos 30:17. Und Shaul weiß nicht ein und nicht aus.

Es ist Krieg, und mein Amaleq steht auf der anderen Seite. Indem er mich beißt, nagt er an den Prinzipien, die ich vertrete, für die ich einstehe. Er müßte wissen, daß hier eine brauchbare Alternative entworfen worden ist; daß ich nicht Beliebigkeiten hinausposaune. Er hätte daran teilnehmen, kritisch mitarbeiten, hätte manches, was ihm nicht gefällt, korrigieren können. Vor rund zwanzig Jahren bot ich ihm an, den kuckuck weiterzumachen. Ihm fehlte dazu nicht das schreiberische Können, was ihn hinderte, war ein tiefsitzendes Vorurteil, eine irrationale Sperre, ein innerer Haß, den ich mir bis heute nicht erklären kann. Er hätte mir das Heft aus der Hand nehmen können, seine Sperre ließ es nicht zu. In den zwanzig Jahren hat sich vieles geändert. Eine neue Generation ist herangewachsen. Keine Familie? Nur ein Boskopp wird das behaupten. Rai Ner, das ist: der das Licht gesehen. Ger Schom machte sich fremd und blind. Wer Michael Scurra ist, wissen wir nun auch. Yair Kokhaviv. Nein, Gott hat es nicht zugelassen. Yair ist nicht zum Verräter geworden. Der Name ist unbesetzt geblieben. Dies ist eine Lektion.

© Copyright 1999 - 2003 kokhaviv publications