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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
1999-12-30
... der einst die politische Linke kriminalisierte und durch RA Gerhard Schröder, den heutigen Bundeskanzler, seine Wiederzulassung als Anwalt erlangte.
Daran mußte ich denken, als ich in einer der "Thesen" (Nummer 4) - gar nicht auf ihn bezogen - las:
Wird er zur Vordertür hinausgeworfen, ist er sich nicht zu stolz, durch die Hintertür sogleich wieder einzutreten.
Mahler war nie ein Linker.
Als Mitglied der Schlagenden Verbindung Thuringia und jahrelanger Wirtschaftsanwalt erfüllte er die persönlichen und berufsständischen Voraussetzungen für eine Politik der Neuen Mitte, von der klassenlogisch faschistische Pfade abzweigen müssen (!), sobald die geschichtlichen Umstände es ermöglichen und - so oder so - ratsam erscheinen lassen.
Mahlers Einstieg bei den Rechtsradikalen und Nationalsozialisten ist eine Rückkehr, was die Rechten nicht wissen oder so nicht wissen wollen.
Sie haben Vorbehalte.
Oder gehört Mahler am Ende gar zu den bezahlten agents provocateurs, ähnlich wie die Punks, die, mit Hitlergruß und Naziparolen blökend, gegen gute D-Mark vor den Kameraleuten posieren? -
hieß es bei dem österreichischen Konservativen Friedrich Romig in der Wiener Zur Zeit vom 16. Dezember 1999.
Warum die ganze Aufregung?
Mahler hat ein paar "Thesen" veröffentlicht, die - für bürgerlich-nationale Verhältnisse - von einer gewissen Brisanz sind.
Die Presse hat sachlich unzureichend darüber berichtet, die E-Medien nahmen sich vor allem Schlingensiefs Theaterrummel vor, so wurde eine ernstzunehmende Entwicklung zum unterhaltsamen Gag, man konnte schnell zur gewohnten Tagesordnung umkehren. Was ist geschehen?
Mahler tischt Wahrheiten auf, die von historischer Gegenseite längst dar- und klargelegt worden sind.
Hat Horst Mahler den kuckuck gelesen?
Auch bei Daniel Goldhagen findet sich diese Einsicht, und Mahler stimmt dem ausdrücklich zu:
Der Jude Daniel Goldhagen sieht in der politischen Kultur der Deutschen "die Hauptursache des Holocaust".
Diese These gilt es zu begreifen, denn sie ist wahr, wenn und soweit der Holocaust Ereignis war.
Wenn wir ihre Wahrheit nicht erkennen, wird die deutsche Kultur in unserem Volke erlöschen (Sleipnir 5/99, S. 38 ff.).
Mahler definiert also das, was er als "deutsche Kultur", nicht als ihre Pervertierung versteht, aus ihrem Antagonismus zum Judentum, zur "mosaischen Gesetzesreligion".
Diese essentiell antijüdische, amaleqitische "deutsche Kultur" möchte Mahler nicht "erlöschen" lassen, er will sie retten.
Wovor?
Vor dem "jüdischen Geist".
Die Thesen des Horst Mahler lagern sich eigentlich um die eine Kernthese:
Die Überwindung des jüdischen Geistes ist eine Notwendigkeit.
Aber für wen, und warum?
Mahler ist kein Judenverfolger:
Im Dritten Reich erhob sich der Nationalgeist der Deutschen zu dem Versuch, den Nationalgeist der Juden durch die Verfolgung der jüdischen Menschen zu überwinden.
Das Ergebnis dieses Versuches konnte kein anderes sein, als die Vollendung des jüdischen Geistes in der Weltherrschaft des Geldes.
Der "Versuch" schlug also fehl.
Horst Mahler hat begriffen, daß der Krieg der Nazis gegen "die jüdische Weltherrschaft" kein "Rassenkampf", sondern ein Vernichtungskrieg gegen den "jüdischen Geist" war.
Mahler meint, man müsse hier unterscheiden, beruft sich auf Luther - ohne zu erwähnen, daß auch der "Reformator" physische Maßnahmen gegens Judentum erwog und anempfahl.
Luther würde heute ähnlich wie Mahler sich "humaner" und "geistiger" ausdrücken.
Die posthitlersche Sprachregelung gälte letztlich auch für ihn.
Bleiben wir beim "Geist":
Warum "muß" er "überwunden" werden?
Die "Überwindung des Geistes" sucht uns (?) heim als eine Art Tempelreinigung und Vertreibung der Geldwechsler.
Aus welchem Tempel?
Will Mahler das Judentum retten, indem er es "säubert"?
In der attributiven Judaisierung des Geistes arbeitet er tautologisch daran, den menschlichen Geist zu relativieren.
Nur hat die "Entjudung" des "deutschen" Geistes eine Menge Ungeist zurückgelassen.
Die hebräische Überlieferung tritt mit dem Anspruch auf, der Welt das Höchste an Geist geboten zu haben, abgewiesen worden zu sein, doch endlich die Befreiung der Menschheit im (jüdischen) Geiste erleben zu dürfen.
Dagegen mag sich einiges einwenden lassen, aber die Wirkung dessen, was wir "jüdischen Geist" nennen, ist in der Geschichte kaum zu übersehen.
Die deutsche Philosophie hat mit Kants Kategorischem Imperativ den toranischen Gesetzesgedanken in die individuelle Verantwortung und damit in die Entscheidungsfreiheit des Menschen gehoben.
Das Edelste, das von einem Philosophen zu erwarten war.
Über Kant hinaus wird deutsches Denken rückfällig.
Ob barbarisches Lutheranertum oder Herder-Hegelsches Vervölkischen: es sind Versuche, am Judentum vorbei den Juden etwas nachzumachen, was sich nicht nachmachen läßt, weil jeder seine Geschichte hat.
Nicht Nachahmung ist gefragt, sondern die Erkenntnis der Geschichte und ihrer Lehren, vor allem aber die Erkenntnis Gottes, wie sie uns toranisch überliefert worden ist.
Das Wesen der Torah ist die Idee des Gesetzes, das die Denker aller Epochen und Kontinente stets von neuem beschäftigt hat.
Das Gesetz Gottes, europäisch verkürzt Naturgesetz, ist nicht relativierbar.
Das Besondere der Lehre vom Sinai ist die Erhellung der Gesetzlichkeit menschlicher Beziehungen, alles andere als "äußerste Äußerlichkeit".
Des Aristoteles' Entelechie, ein Wort, das sich hebräisch leicht entschlüsseln ließe, ist nur ein anderer Begriff, hier angewandt auf die Krone der Schöpfung.
Hitlers Versuch, "den jüdischen Geist zu überwinden", indem er die Juden verfolgte und umbrachte, war also - nach Mahler - ein Fehler.
Warum?
Das Ergebnis dieses Versuches konnte kein anderes sein, als die Vollendung des jüdischen Geistes in der Weltherrschaft des Geldes.
Ein schlüssiger Satz, ein schlüssiger Gedanke?
Wer das jüdische Volk als den geschichtlichen Träger des jüdischen Geistes erkennt, muß, will er den Geist ausrotten, die ihn hegenden Menschen aus dem Weg räumen.
Ich glaube, Hitler war "realistischer" als Mahler, mußte zu seiner Zeit auch nicht Mahlers Vorsicht walten lassen, und Horst Mahler ist einer der Mutigeren unserer Tage.
Ich meine, er wagt es, die Auslöschung des jüdischen Geistes anzumahnen, da der deutsche Geist nicht aus der Geschichte gelöscht werden soll.
Horst Mahler "weiß" mehr, als er mit seiner Hitler-Kritik ausdrückt.
Einen wichtigen Aspekt erörterte Friedrich Romig in der Wiener Zur Zeit vom 16.12.99:
Mahler entpuppt sich als der toranisch "von Gott her" Denkende und Verstehende.
Der "Alttestamentarier" Horst Mahler benutzt hebräisches Denken, um der Verantwortung für den Holocaust die Spitze zu verbiegen, aber ich habe das Gefühl, daß er mehr und besser verstanden hat, als seiner politischen Konzeption eigentlich guttun kann.
Merkwürdig ist es für mich schon, plötzlich meinen Gedanken zu begegnen.
Nach toranischer Auffassung ist es in der Tat so, wie Romig den Mahler zitiert:
*Völkervernichtung geschieht im Auftrag Gottes.
*Die ganze Geschichte muß von Gott her gedacht werden.
*Der eigentliche Gegner Deutschlands ist der Judaismus, das geistige Judentum.
Was versteht Mahler unter "jüdischem Geist"?
Die Vollendung des jüdischen Geistes in der Weltherrschaft des Geldes,
klingt ähnlich wie die "Vollendung des Katholizismus im Nationalsozialismus", weil Hitler, Goebbels, Bormann, Himmler und so weiter Katholiken waren, wobei regelmäßig vergessen wird, daß sie ihre Religion aufgegeben hatten, wie auch der evangelisch getaufte Christ Karl Marx ständig als "Jude" herumgereicht wird, obwohl er sein Judentum nicht nur (via Vater) verlassen, sondern in seinen Schriften verraten und verleumdet hat.
"Progressive" Antisemiten greifen gern auf ihn zurück, was ich ihnen nicht verdenken will; an Marx läßt sich manches exemplifizieren.
Ein wichtiger Satz bei Horst Mahler:
Die mosaische Gesetzesreligion hat den Geist in die äußerste Äußerlichkeit getrieben.
Dort nimmt er die Gestalt des Gottestodes an.
Seine Auferstehung vollzieht sich im Nationalgeist der Deutschen.
Die Gesetzesidee mit dem christlichen "Gottestod" in Verbindung zu bringen, war just jene Überschreitung, die auch die Natur nicht zuläßt.
Das auf den Menschen bezogene Gottesgesetz ist nicht so leicht zu verstehen, weil wir uns ein Rätsel bleiben.
Selbsterkenntnis braucht ein Menschenleben.
So wurde die Schrift zum überlieferten Gotteswort:
die Erkenntnisse der Früheren und Frühesten können darin zu Rate gezogen werden.
Die "Auferstehung" Gottes im "Nationalgeist der Deutschen" ist eine Perle in Mahlers Krone:
die Deutschen als die Juden nach Auschwitz.
Auch die "Weltherrschaft des Geldes" hat etwas mit dem "Nationalgeist der Deutschen" zu tun.
Bei den tonangebenden Deutschen spielt Geld eine so herausragende Rolle, daß sie gar nicht verstehen können: auch andere denken nur noch ans Geld.
Die Deutschen halten sich ihren "Fleiß" und ihre "Tüchtigkeit" zugute.
"Faulheit" kann eine innere Entscheidung gegen die äußere Versklavung sein.
Alle Wohlhabenheit hat den Seelenpreis, den der Teufel kassiert.
Die Ideologie der Neuen Mitte ist eine Religion des materiellen Besitzes, ein Fetischismus der kostbaren Schale.
Unter dem grünen Laubenlaub naturreligiöser Unschuld verbarg sich die Zielstrebigkeit der Waldbarone.
Jedem zugängliche, allgemeine Erkenntnisse und Erfahrungen...
Und das ist unser eigentliches Problem:
Warum sieht ein intelligenter Mann wie Horst Mahler nur in einem abgezäunten Bereich die genannten Herrschaftselemente, obwohl sie doch allerorten anzutreffen sind und in der Tat die Welt zu beherrschen scheinen.
Die politische Linke stellte einst die Klassenfrage, der Nunmehr-Völkische Mahler unterscheidet nicht mehr nach Arm oder Reich, sondern in Herderschen/Hegelschen "Volksgeistern".
Wie billig, und wie konsequent doch auch, wo man soziologisch glaubhaft nicht und niemals je für das konkrete Volk Partei nehmen konnte und kann.
Das "Völkische" ist ein Surrogat.
Die "Überfremdung des deutschen Volkes" ist eine Entfremdung der "Völkischen", ihre Selbstentfernung aus dem Volk, das (und wie es) die Geschichte, ergo: der Herr der Geschichte zusammengetragen hat.
"Von Gott her denken", nicht wahr...
"Nach dem mosaischen Glauben...
- es gibt dergleichen nicht -
...ist für Juden die Befolgung der göttlichen Gebote die einzige Möglichkeit, ihrem Gott gerecht zu werden.
Nur für Juden?
Es gilt für jeden Menschen!
Wer ohne Schirm in den Regen geht, wird naß.
Das ist Gesetz!
Wer mit dem Kopf durch die Wand will, wird Schaden nehmen.
Das ist Gesetz!
Gesetze gelten für jeden oder verdienen den Namen nicht.
Was Mahler vom Judentum weiß, geht unter den Nagel meines kleinen Fingers, links oder rechts, egal.
Wer mit dem Judentum so aus dem Handgelenk - schnipp! - fertig zu werden glaubt, hat keine Ahnung von der Geschichte.
Von Marx lernen heißt irren lernen.
Biblische "Strafe" lehrt Kausalität.
Der von der Vorstellung seiner Nichtigkeit geprägte Mensch ist zur Freiheit nicht fähig,
sagt Mahler - es soll eine gültige Aussage über "den Juden" sein.
Jahrtausende hat dieser Jude als stabil-elastisches Individuum in der Sicherheit seines überlieferten Wissens (!), treu seiner Familie und der Familie der Familien, seine geistige Unabhängigkeit, seine Freiheit sich bewahrt, anders wüßte Horst Mahler nichts von Juden, Judentum und jüdischem Volk.
Der "ewige Jude" hat sich, im Gegensatz zu Mahlers Behauptung, niemals unterworfen, er ist sich und seinem Gott über die Zeiten treu geblieben, das (!) ist es, was ihm nachgetragen (!) wird.
Was dem Mahler ein "Fluch", das ist dem Juden ein Segen.
Der Gesellschaftsvertrag, den Mahler anführt, ist eine Auszeichnung.
Kein "normaler" Untertan schließt mit der Obrigkeit einen "Gesellschaftsvertrag", er wird unterworfen!
Daß
dem wehrlosen und daher stets gefährdeten jüdischen Volk im jeweiligen Wirtsvolk ein Nischendasein
gesichert war, nun ja, es hat sich nicht assimiliert, hat für seine innere Freiheit und die von Gott gegebene Selbstgewißheit Zeugnis abgelegt.
Der Deutsche Horst Mahler, hätte er ein Gefühl für Ehre und Stolz, würde sich vor diesem ohnmächtigen Helden verneigen.
Der "jüdische Selbsthaß" ist alles andere als das.
Ein Jude haßt sich nicht.
Wer sich haßt, haßt sich ob seiner Verworfenheit, seiner Untreue, seines Abfalls, seiner assimilativen Schwäche.
Selbsthasser sind Verräter, nicht Juden, die über Jahrtausende genug Gelegenheit hatten, Verrat zu üben, sich aber eher peinigen ließen.
Von welchen Juden spricht er überhaupt?
Er beschreibt die ebenso hilflosen wie standhaften Diaspora-Juden im gottlosen Europa der vergangenen Jahrhunderte, ihre menschlichen Unzulänglichkeiten, die niemand so treffend und eindrucksvoll geschildert hat wie Juden selbst.
Jüdische Erzählungen helfen über die Not.
Es ist aber auch ein Jude, Jesus von Nazareth, der den Bann des Gesetzes bricht...
Keine Rede davon!
Nicht einmal Paulus hat das Gesetz für Juden in Frage gestellt.
Die Heidenmission steht auf einem anderen Blatt, kann allerdings, qua Beziehung zum Gesetz, als Geringschätzung ausgelegt werden:
Christentum ein Instantjudentum?
Wem das gefällt...
Und dieser Jude JESUS habe
die Existenz des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes als den einen Gott verkündet?
Zunächst aber:
Lasset die Kindlein zu mir kommen!
So unchristliche Gedanken las ich, außer bei verängstigten Neuen Heiden, lassen wir die alten mal weg, bisher nur im Kurier der Christlichen Mitte.
Die Dreifaltigkeit ist eine theologische Komplikation, in der die menschliche Familienbeziehung sich griechisch schwertut.
Schon dieser einfache Gedanke aber, der dem Verstand Grenzen aufzeigt, überfordert die Juden,
meint Mahler in seiner ganzen Unwissenheit.
Was den Polytheismus angeht, der das geschichtlich gewordene Kirchenchristentum verhängnisvoll durchwirkt, so muß man nicht sehr bewandert sein, um das Heidentum im Heiligen-Bilder-Figuren-Kult wiederzuerkennen.
Daß das Bild ein Feind der Phantasie ist, wußten die Hebräer, als an "Christentum" und dergleichen Abirrungen noch nicht zu denken war.
Das geschichtlich Besondere und Neue war der Eine Gott, er ist es geblieben, was seine wohlorganisierten Widersacher unentwegt bestätigen.
Es reicht ja, daß es sie gibt.
Die Blasphemie der "Gottessohnschaft" aus der Feder eines Mannes, den ich in den sechziger Jahren als drohenden Demagogen kennenlernte, vervollständigt das Mosaik, vorausgesetzt, man verwechselt den "Gottessohn", wie er geschichtlich sich austobte, nicht mit dem "lieben Jesulein".
Damals wollte er die Demokratie "das Fürchten lehren", lange vor dem "bewaffneten" Krampf.
Seine Entdeckung des "Liebe deinen Nächsten!", ein altes Gebot der Hebräer, wird sich nicht gegen diese richten, nicht einmal an sie.
Wenn Mahler das Gesetz (!) ernst nimmt, wird er verstummen.
Dennoch ist es wichtig, ihn genau zu lesen, solange er schreibt.
Mahlers Gottesverständnis ist ein höherer Kinderglaube.
Seine Pfadfinderwissenschaft trägt nicht weit.
"Gesetz" ist nicht, was wir uns aussuchen, wählen oder mit Füßen treten können.
Wir sind ihm unterworfen auf Gedeih und Verderb.
Wir haben dennoch eine Wahl.
Wenn wir die Schüssel loslassen, wird sie auf den Boden fallen und nicht in den Himmel.
Das ist "Gesetz".
Judentum ist Gesetzeslehre.
"Antisemitismus" ist ein anderer Name für Unbelehrbarkeit.
Der "zersetzende Einfluß" des Judentums ist eine Gefahr für die institutionalisierte Ignoranz.
Gebt auf!
Die "Weltherrschaft des Judentums" ist anderer Art, als ihr es euch ausgedacht habt.
Inzwischen
trifft die Ostküste vielfältige Vorkehrungen.
Die wichtigste ist die Herstellung und Verteidigung der Definitionsmacht über die Begriffe, die das Denken bestimmen.
"Definitionsmacht über die Begriffe...", nicht schlecht.
Aber die liegt nach toranischem Verständnis bei Gott, wir können sie studieren und dadurch (!) unser Denken bestimmen, bestimmter machen, präziser, adäquater.
Mahler sieht eine Willkür am Werk - und spricht zwischen den Zeilen von sich, seinen Absichten und Begehrlichkeiten.
Denn, so Mahler:
Das jüdische Prinzip ist aber aus sich heraus in Auflösung begriffen.
Unter dem Eindruck der Verfolgungen ist der Zionismus, also die vom Willen zur Staatsbildung beseelte Fraktion des jüdischen Volkes, erstarkt.
Mit der Gründung des Staates Israel hat der Untergang des Judaismus begonnen.
Er wird nicht aufzuhalten sein.
Ich weiß nicht, wann Mahler seinen Text geschrieben hat, mit der heutigen Wirklichkeit hat das nur sehr wenig zu tun.
Der Staat Israel ist der weltliche Augapfel, den jeder Jude hütet, weil er mittlerweile weiß, daß dieser Staat keine Episode war oder ist.
Die Orthodoxie, vor der Staatsgründung voller Zweifel, ob dieser politisch-historische Akt von Gott gewollt sei, hat Israel längst "anerkannt".
In jüngster Zeit melden sich wehrdienstunwillige Yeshivah-Studenten zur Armee.
Die Stabilität Israels ist eine Bedingung, ein elementarer Sicherheitsfaktor im Rücken der Diaspora.
Der "Jude", den Horst Mahler uns vorstellt, ist der des vorigen Jahrhunderts, wie er von Marx, aber auch von den Zionisten beschrieben wurde, die ihn aufrütteln wollten für den historischen Schritt nach Palästina.
Der Staat Israel hat heute seine Probleme, und wir werden es wahrscheinlich bald erleben, ob und wie die Dinge geregelt werden können.
Außerhalb Israels wie im Lande erstarkt indessen das religiöse Judentum; die israelische Bevölkerung wächst - durch Zuwanderung und natürliche Mehrung.
Während die Deutschen seit Jahrzehnten offenbar nichts Wichtigeres zu tun wünschen, als Kinder nicht (!) in die Welt zu setzen, nimmt im Orient, und ich zähle Israel und seine Diaspora ideell mit hinein, die Zahl der großen Familien zu.
Israel hat begriffen, daß es leben muß, daraus schöpft das Judentum seine neuen Kräfte.
Die Dialektik, die zwischen "weltlichen" und frommen Juden gleichwohl wirksam bleibt, ist in eine Phase der gegenseitigen Befruchtung und Beflügelung eingetreten.
Horst Mahler kommt abschließend zu einem interessanten Fazit:
Israel ist aus dem Erbe seiner heiligen Bücher rassistisch und völkisch orientiert.
Seine Bedrohung durch innere und äußere Feinde weckt in ihm faschistische Neigungen.
Die von der amerikanischen Ostküste geförderte Islamisierung Europas führt über kurz oder lang zu einem scharfen Interessengegensatz zwischen Israel und der amerikanischen Judenheit.
In dieser Lage könnte eine Annäherung zwischen Deutschland und Israel geboten erscheinen.
Darin steckt der Gedanke, daß in kommender Zeit ein "rassistisch und völkisch orientiertes" Israel und ein "rassistisch und völkisch orientiertes" Deutschland sich näher kommen könnten und sollten.
Vielleicht ist es als Geste gemeint.
In Mahlers Überlegungen ist die Logik des antiamerikanischen Wunschdenkens.
Die alles entscheidende Frage ist, ob die Politik durch die Wiederaneignung der deutschen idealistischen Philosophie Wurzeln in der geistigen Substanz der Deutschen schlagen kann.
Wenn das gelingt, wird die Idee des Deutschen Reiches als europäischer Schutzgenossenschaft wieder aufleben.
Mahlers Hauptgedanke ist antijudaisch und antiislamisch motiviert.
Die "Schutzmacht"-Idee ist in bezug auf Deutschland ein doppelschneidiges Schwert.
Ich favorisiere eine "Achse Berlin-Jerusalem, um die sich der Islam dreht".
Dem Islam sind toranische Korsettstangen einzuziehen, um ihn von seinen antijüdischen Ambitionen abzubringen - mit Deutschlands geistiger (und sicherheitspolitischer) Unterstützung:
Ich denke an deutsche Philosophie, an ihren Höhepunkt in Immanuel Kant.
Das politische Denken in Deutschland muß auf seine demokratische Grundierung achten.
Es sind Kräfte am Werk, die beim geringsten Anlaß das Kind mit dem Bade ausschütten möchten.
Mahlers Denken enthält Elemente, auf die man achten muß; verknüpft mit Oberlerchers Reichsmodell entpuppen sie sich als Gruselarchies.
Nicht die erwähnten Fakten, sondern die ideologisch-geopolitischen Hintergründe machen sein fragwürdiges Konzept auch gefährlich.
Daß Israel aufgrund seiner Schrifttradition "rassistisch und völkisch" orientiert sei, wird auf jüdischer Seite manchmal ähnlich gesehen.
Die Einschätzung beruht auf einem Irrtum.
Die Lehre vom Sinai bedient sich zwar eines kleinen Volkes, eigentlich einer Menschenansammlung, aus der durch die Lehre (!) aber erst ein Volk werden soll.
Auch hier steht im Anfang das Wort.
Es gilt übers Ende hinaus.
Mir vorzustellen, daß Israel mit einem von Mahler/Oberlercher entworfenen Deutschland kooperieren könnte, reicht meine Phantasie nicht aus.
Der Gesamtzusammenhang wird erst wieder hergestellt, wenn wir die wohl wichtigste Nachricht an der Kante 1999 zu 2000 in Betracht ziehen.
Ich erinnere mich nur an die zwei großen Demonstrationen von 1968 in Berlin (West), und schon fügt sich Mahlers Rolle - 1. Mai 1968 mit SEW und Wanderstock - ins heutige Bild.
Seine jüngsten Interventionen sind plausibel.
Die national-konservativen Kritiker haben es nur noch nicht (oder schon ganz gut) verstanden.
Dies ist die Nachricht:
Rußland
Sergejew lädt Scharping nach Moskau ein
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping ist von seinem russischen Kollegen Igor Sergejew zu einem Besuch in Moskau eingeladen worden.
Die beiden Politiker kamen am Freitag im Kosovo gemeinsam mit dem Oberbefehlshaber der Friedenstruppe in der Provinz, General Klaus Reinhardt, zu einem Gespräch zusammen.
Scharping hielt sich zu einem Besuch der deutschen Kfor-Truppen im Kosovo auf.
Vor dem Treffen in Pristina hatte Sergejew erneut heftige Kritik an der internationalen Friedensmission geübt.
Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete, lud Sergejew seinen deutschen Kollegen nach Moskau ein, um eine bilaterale militärische Zusammenarbeit zu erörtern.
Sergejew bekundete auch die Absicht seines Landes, die Ausbildung russischer Offiziere an der Bundeswehrhochschule von Februar 2000 an wieder aufzunehmen.
AP
Die Welt, 27. Dezember 1999
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Siehe auch:
Hermann Schaber: Sich die biblischen Ordnungsvorstellungen zu eigen machen
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