16.01.00

Horst Lummert

Carlos Mejía Gamboa oder Die Herausforderung ans treulose Vergessen

Der Autor ist Peruaner und Berliner. Die Gedichte erschienen an der Spree, schmücken ihren Titel* mit einem Gemälde (oder einer Pastellzeichnung) von Labogal 1988 (Lima): Ein Mädchen in rotem Kleid unter einem Citrus-Baum, in jeder Hand eine Frucht. Drei Zitronen, ja, Zitronen, auf dem Boden neben dem Tragekorb. Es sind noch junge Bäume, vielleicht werfen sie ihre erste Ernte ab. Das Mädchen, die junge Frau im kurzen Kleid, den großrandigen, gelben Hut auf dem Haar, hat ihre rote Tasche, den Rucksack, an einen Baum gestellt. Das Copyright liegt bei Markán Ediciones Berlin 1999. Ein bemalter Stein.

*Carlos Mejía Gamboa: Como reto al pérfido olvido. Berlín - 1999

Carmega, das Namenskürzel habe ich mir ausgedacht, hat gegen Berlin klimatische Vorbehalte. Lima, die Stadt seiner Kindheit, liegt mit Berlin auf dem gleichen - nicht selben! - Breitengrad. Berlin: 52° Nord. Lima: 12° Süd. Dazwischen sind 40° Poesie. Der Abstand von 52° Nord zu 12° Süd beträgt 64° = 8 x 8°. Davon 40° (oder Jahre) durch die Wüste, bleiben 24° (oder Jahre). Vor 12 Jahren, 1988, sah die Welt noch anders aus. In 12 Jahren, 2012, soll, dem Maya-Kalender nach, dieses (christliche?) Weltzeitalter zu Ende gehen. Am 52. Breitengrad Süd endet Chile, liegen die Falkland-Inseln (Malwinen), verläuft die Magellanstraße. Etwas südlicher: Kap San Diego, die äußerste Spitze Argentiniens, Tierra del fuego (Feuerland). Djibouti, gegenüber der Südecke Jemens, Aden, Tais, dazwischen der Wasserweg Bab el Mandeb, der Afrika von Arabien/Asien trennt, das südliche Ende des Roten Meers, alles liegt 12° Nord, also in paralleler Nachbarschaft zum südlichen Lima. Von den Falkland-Inseln oder dem Kap San Diego nach Berlin. Von Berlin nach Lima. Von Lima nach Aden oder Djibouti. Die Orte und ihre Namen geben Auskunft, sie sagen uns, daß wir über sie nachdenken sollen. Wenn wir den Abstand zwischen Berlin und Lima, wir sagten: 64°, symmetrisch über den Äquator legen, haben wir nördlich und südlich je 32°, da liegt Israel (N), Tel Aviv Yafo, und (S): Uruguay, Südaustralien, Kapland (Südafrika). Die Nord-Verschiebung um 40° ist nötig, weil die aktive Südzone 40° (oder Jahre) nördlicher beginnt. Die amerikanische Entsprechung zu Israel ist Mexico, beide um 32°N. Peru ist eine Ausnahme, eine Besonderheit. Shanghai und Kagoshima in Südjapan liegen auf der Höhe Israels. Lahore in Pakistan. Um Berlin auf dieses Niveau zu bringen, müßten wir Lima/Peru um 20° nach Süden verschieben. Damit haben wir die Klarheiten beseitigt.

PROLEGÓMENO
Con este libro en forma de poemario quiero, más que enarbolar y mostrar figuras literarias, rendir un pulcro homenaje al amor, algunas veces hecho soledad y, otras, hecho mujer.
Hecho soledad, cuando a pesar del sentimiento que potencialmente lo contiene, la distancia y el espacio torturan su espiritualidad lacorándolo, algunas veces, y alimentándolo, en pocas. En este contexto, las situaciones se recrean en ausencia o lejania del ser amado, entretejiéndose tramas estrictamente subjetivas que duelen o que uno inventa que duelen; se crean engaños, remordimientos, desconfianzas, temores, perjurios, para satisfacer ese ego impotente.
Cuando está hecho mujer, no se encuentran las palabras adecuadas, especialmente adjetivos, para describir la razón de pasiones, gozos, entregas y vibraciones de la carne: ¡existe una naturaleza que no nos permite equivocación!
Vivir en soledad, idolatrar a Soledad, morir en soledad, son las razones que han arrancado de mi humilde, modesta y atrevida pluma estos versos como realización de ese sentimiento tan humano y tan divino.
Son versos que carecerían, también, de soporte espacial si de alguna manera hubiera obviado escenarios, paisajes, circunstancias, que nutrieron de énfasis a motivaciones estimuladoras del rededor para acrecentar sentimientos manifestados; procuro que eso advierta el lector intentando hacer una retrospectiva en sus vivencias acumuladas. Considero necesario, también, devele algunas locuras inevitables convertidas en eslabones que fortalecieron fantasias y en buena hora si hace suyos, y muy personales, algunos versos; eso para mi satisfacción sería un logro especial y sentiré haber logrado un objetivo aglutinante.
El Autor

Gamboas Gedanken wenden sich an die schicksalhafte Natur des Menschen, flanieren um Liebe und Tod, um Unschuld, Leidenschaft, Musik und Verzweiflung. Ist das wahr? Ist er nicht ein Egozentriker, der mit seiner Einsamkeit kokettiert, der sie lebt und stirbt, sie vergöttert als eine Frau des Namens Soledad? Er tastet die Grenzen nicht ab, schlägt mit den Handballen seiner Empfindsamkeit gegen die Markierungen, hat sie (und sich) dann und wann verletzt. Er weiß, Worte ändern die Zustände nicht. Der Nachdenkliche ist immer erreichbar. Ein Existentialist, der sich seinen Fantasien und Gedanken hingibt. So kommt eine Familie zur Ruhe. Gedichte an die Kinder. Der Mann ist nicht auf einen einfachen Nenner zu bringen.

Dichter schreiben für Dichter und an eine aufmerkende Sprachempfänglichkeit. Das Wort erreicht den Stein auf Umwegen.

Poesie läutert in der Einsamkeit. Einsamkeit, Frauen, und die besondere Frau, Maria Soledad. Der politisch Engagierte ist ein liebender, dankbarer, verehrender Mann, der die Welt, die gelebte Vergangenheit dem Vergessen entreißen will. Und er stürzt sich ins Namenlose. Vergessen als Perfidie, wo die Einsamkeit zur Verlassenheit mißrät.

ELLA
Desesperadamente complidora.
Insaciablemente ardiente.
Sádicamente fornicada.
Locamente abandonada.
Exageradamente amada.
Ingenuamente entregada.
Tremendamente satisfecha.
Trágicamente olvidada.

Der Verrat an der Liebe. Vergessen und Untreue sind Synonyme. Mit deiner Erinnerung hältst du denen die Treue, denen du begegnet bist, deren Wege deinen Weg kreuzten. Bis ins Abstruse.

Einsam hütet er den Brunnen seiner Seele. Er weiß: der Reichtum ist in uns, in den Menschen, die wir lieben. Aus Sehen und Denken und Sehen spricht eine Mystizität und Abgeklärtheit, die in politischen Entscheidungsfragen wohl der Resignation den Vorzug gibt, weil sie weiß, daß sich am Zustand dieser Welt und an der Natur des Menschen nichts ändern wird.

SOLO CON MI ANSIEDAD
Mi soledad tiene sed de ti,
de tus ansias y pasiones,
del placer de tu voz,
del encuentro con tu carne.
Oscorece lenta la ciudad...
mi cuerpo se pone frio,
mis sentidos en abandono;
veo un beso, me pica la razón.
Sola en tu soledad
solo con mi ansiedad,
en arrebatos de triste diciembre
siento que aún es setiembre.
Tus cuarenta, mis cuarenta,
dias y noches de pálida luna
han perforado sin que sienta
mi dócil y frágil fortuna.
Tu ondular casi no bravío
me arrebataba un escalofrio;
tengo mi fuerza dormida
que reventará de un brio.
Te quise, me quieres;
me odias, resisto.
Quebrando tu dolce sendero,
agradable placer, persisto.
Me apago... me muero,
ya no resiste este cuero;
en mi impotencia ruego
amarte como esperas.

Als ob das lateinische Christentum mit dem alten Inka-Maya-Glauben, seiner Ergebenheit ins Unumgängliche, eine Symbiose einging. Der Unterworfene hebt sich im Eroberer auf, dieser aber in der Unterwerfung. Die neue Maya-Christlichkeit wurde möglich, weil zwei Erwartungen und Erfüllungen zueinander fanden.

Das alte Volk der Maya wird mit der Urflut in Zusammenhang gebracht, und etymologisch lassen sich dazu Indizien beibringen.

Die katholische Invasion war erfolgreich, weil sie das Feuer brachte und - ein Tabu der Maya: - das Rad der Geschichte antrieb, während die Maya/Azteken - als Ying - nachgaben und nachgeben mußten. Es war realistisch, am Ende zu kapitulieren. Der Tod der Vielen zeigt, daß der Widerstand sich über Jahrhunderte hinzog.

Die Maya gaben den äußeren Kampf auf, sind sich aber treu geblieben. Ihre religiöse Affinität zur römisch-katholischen Form des Christentums sicherte ihnen eine Überlebenschance unter der Obhut der Kirche. Es reicht bis in unsere Zeit, da die Befreiungstheologie sich um die Unterdrückten bemüht, was stets nur ein Kompromiß sein kann. Die Seele ruht in den Künsten aus, in ihnen sind die Feindseligkeiten wie erloschen. Unter der Asche. Und sie entflammen von neuem, wenn der Wind es so will.

OBSESIÓN

¡Música interlocutora mía!.
Partituras desnutridas avivan mi alma,
aunque fláccida de esperanzas
agoniza en un acorde apasionado,
al pensar que somos
los que tanto queremos a la vida.
¡Sí! la queremos ver ahogándose
en el último suspiro terrenal.
¡Oh, muerte mía!
¿No escuchas mis súplicas
pidiéndote una migaja de paz,
para este infeliz bicho pensante
que esclavo tuyo quiere ser
por la eternidad vacía de su suerte?
¡Mundo de hombres, mundo de locos!
Gente estupidizada por la civilización;
locos, asesinos, genocidas, pero sabios.
Miserables roedores del amor,
matando a Cupido os moriréis
bañados por manos sádicas
que lentamente os harán gozar
de espasmódicos aullidos de placer.
¡Versos de despedida inútil!
Si la muerte me quisiera esclavo,
sumiso le entregaría mi alma
que cansada de tribulaciones está
acariciando los últimos instantes
que se pegan en los dedos
cual migajas que se pierden
en las manos temblorosas
de los que no tienen pan.

Hat Mejía die Maya vergessen, während er gegens Vergessen schreibt? Er relativiert, begibt sich ins Allgemeine, wo wir vor einer besonderen, historisch konkreten Frage stehen: Und - nehmt euch ein Beispiel an diesen Menschen, an ihrer unerschütterten und unerschütterlichen Treue. Sie haben die Chancen genutzt, waren nicht bereit, sich (!) aufzugeben, nicht willens, ihre Geschichte, ihre Götter und Geister zu verraten: die werden ihnen helfen in der Stunde der Maya.

Die lateinamerikanische Kirche ist, scheint's, auf die Stunde vorbereitet. Ob sie mit den Maya gerettet wird oder diese mit ihr untergehen: ihre gemeinsame Stunde wird schlagen - mit zwiefachem Sinngehalt. Wenn die Weisen aus dem Maya-Land zu ihrem Recht kommen, wenn ihr Kalender bestätigt wird, da sie den Himmel richtig gelesen haben - in zwölf Jahren wird sich's erweisen.

Jede Welt hat ihre Sprache. Ich will Gamboas Gedichte lesen und verstehen, das ist nicht einfach. Jede Sprache schließt ein und schließt aus. Und die Sprache der Maya ist bisher nicht zu Wort gekommen. Ihr Schöpfergott Itzamná, der sie ihnen einst schenkte, wird daran erinnern.

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