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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Nachzulesen im Sammelband:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 9. Revisionismus-Kritik exklusiv I
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1996-00-00

Horst Lummert

Geprüftes Torahwissen

Feststellungen grundsätzlicher Art

Revisionismus-Kritik exklusiv

Alles Interessante über Juden, Judentum, jüdische Geschichte und Israel kommt aus jüdischen Quellen.

Aus diesen Quellen schöpft auch der organisierte Antijudaismus; eigentlich legt er seine Schwämme in die Pfützen, die beim Schöpfen entstanden.

Nichts Neues unter der Sonne.

Der Gegensatz zwischen der innerjüdischen Diskussion, ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, und dem antijudaischen Gebrauch davon besteht einfach darin, daß Israels Feinde buchstäblich von den geistigen Abfällen leben, mit denen sie auch noch auf die Straße gehen.

Auf die Straße und schließlich in die Gosse gezerrter Geist wird aber Ungeist.

Dafür reichen die Reste allemal.

Und daß dieser Ungeist auf seine Straßenstreuner zurückfällt, liegt in der Natur der Sache.

Doch zunächst: Was von Johannes Peter Ney und Hartmut Suevenar gegen meine "Nordische Götterwelt" vorgebracht wird (vgl. Sleipnir 1/96) und kkk-feder 7, ist genau das, was ich als "Wurzeln abgeschnitten" (Ney), als "nationales Gedankengebäude zum Einsturz gebracht" (Suevenar) habe.

Hinter allem bleibt die romantische Vorstellung von den "indogermanischen Sprachen", in manchen Schriften mittlerweile gar von einem "indogermanischen Urvolk".

Diese literarische Erfindung der deutschen Romantik ist eben keine nationale "Wurzel" der Deutschen, sondern allenfalls ein "Gedankengebäude", eine geistige, idealistische Konstruktion aus den Verfallselementen und Resten (auch hier!) deutscher Klassik.

Ein Jammer, daß man sich mit solchen Phantastereien noch abgeben muß.

Auch *********/Adelung hat fleißig (vgl. Sleipnir 2/96) die Scherben, die meine Wedeleien mit dem Ärmel hinterließen, wieder eingesammelt.

Er restauriert sein Zauberschloß aus dem Märchenwald.

Nein, ich habe keine Wurzeln abgeschnitten, oder doch nur die Wurzeln nationalsozialistischer Phantasmagorien.

Ich widerlege die Authentizität dieser "Wurzeln" und mache den Blick frei für die Geschichte des Abendlandes, die reale und die geistige Geschichte, deren morgenländische Wurzeln nur übersehen werden können, wenn man sich vorsätzlich blind macht.

Und eben dies geschah mit der Erdichtung des "Indogermanentums".

Selbst die Theorie von den Seßhaften - den Unbewegten, Unmotivierten, den, wie man's auch interpretieren kann, auf den Jahrtausendwanderungen der Menschheit Zurückgebliebenen, Bleiernen, Phlegmatischen - und ihren "intelligenznomadischen" (siehe bei Oberlercher) Widersachern ist nicht nur komisch; sie stellt der Sessel-Rasse, die sich auf dem Papier gern dem Landwirt vergleicht, ein bedenkliches Armutszeugnis aus.

Doch nicht einmal diese Idee ist auf eigenem Mist gewachsen, sie ist schlichterdings der Bibel abgeguckt.

Hans-Dietrich Sander, einer der Ideenweiterreicher, dieser nämlichen "Nomadologen" auf der politischen Rechten, bei ihm findet sich noch alles im Keim, was bei Oberlercher schon über die Maßen und Zäune ausbricht, Hans-Dietrich Sander hat sich, vorsichtig, wie er ist, auch auf die Etymologie nicht eingelassen, sondern seine Sache wieder mal vertagt, "bis ein bestallter Altphilolog es sich unter obwaltenden Umständen wieder leisten kann, in Sleipnir unter einem Pseudonym zu schreiben" (vgl. Sleipnir 1/96).

Die "obwaltenden Umstände" sind wohl die alten geblieben, aber der Altphilolog hat sich nun (unter Pseudonym, versteht sich) gemeldet.

Sander indes macht ein paar Bemerkungen, auf die ich eingehen möchte.

In Form eines Briefes an mich schreibt er u.a.:

In der Einleitung zum etymologischen Experiment mit der Aura (vgl. Sleipnir 5/95 - kkk) stellten Sie die Hypothese auf, "daß im Hebräischen die gemeinsame Ursprache mehr oder weniger erhalten geblieben ist".
Paßt das zur abramitischen Stadt Ur, als einem Ort, von dem Aura ein Sublimat sein soll?
Ist der Nomade der ursprüngliche Mensch par excellence, müßte doch der Jude Nomade gewesen sein.
Das aber bestreiten Sie nicht nur mit der Reduktion der Aura, sondern auch mit der dezidierten Bemerkung, daß die seßhaften Juden durch den "Vertreibungsknick" erst ins Nomadentum hineingeschleudert worden wären.
War der Jude aber seßhaft, nach dem Frevel an sich, konnte das Hebräische schlecht beanspruchen, die Ursprache bewahrt zu haben, die wäre dann besser bei den tatsächlichen Nomaden aufgehoben.
Oder waren die Nomaden einfach sprachlos, sprachlos im Sinne des unartikulierten Brüllens von Primaten? (Sleipnir 1/96, Seite 39).

Wer sich die Fähigkeit zu staunen bewahrt hat, dem muß auffallen - vorausgesetzt, meine Etym-Bestimmungen sind richtig, was der Altphilolog Adelung anhand eines einfachen Wörterbuches jederzeit feststellen kann -, daß die Erklärungen der Götternamen aus der Edda - des Namens Edda selbst und des griechischen Homer - auf dem hebräischen Wege erstaunlich (!) genau die Charaktere und Eigenschaften treffen, die den Göttern, den Namensträgern, in der germanischen Überlieferung zugeschrieben werden, ja daß sie darüber hinaus plausibel machen, was aus dem Germanischen sprachlich nicht, jedenfalls nicht ohne weiteres erklärt werden kann und darum, wenn man sich darauf beschränkt, unerklärt und rätselhaft bleibt.

Was wir von der Urgeschichte Israels wissen, stammt aus der Torah.

Sie berichtet uns von den Anfängen mit Abram und seiner engeren Familie in der chaldäischen Stadt Ur.

Die Familie verläßt die Stadt, macht sich auf den Weg nach Haran, später geht es weiter in Richtung Süden nach Kanaan, schließlich nach Ägypten und wieder zurück.

Leben und Lebensweise der Familie, die sich dann trennt, über die Regionen verteilt, wird uns als nomadisch, viehnomadisch geschildert.

Die spätere Versklavung in Ägypten, Auf- und Abstieg der Josephsfolge, kann man schon nicht mehr so bezeichnen.

Wenn der Aufenthalt dort vierhundert Jahre währte, prägt dies den Charakter einer Gemeinschaft.

Der Auszug aus Ägypten, die vierzigjährige Wanderung durch die Wüste, ist ohne den ständigen Rückbezug auf die "Fleischtöpfe Ägyptens", das heißt, auf die am Ende wie miserabel auch immer zu denkende "Seßhaftigkeit", nicht zu begreifen.

Es schließt die religiöse Bindung an die alten Götter Ägyptens mit ein.

Der Auszug ist nicht das Kind einer Idee, sondern die notwendige Folge einer irdischen Katastrophe, wie sie in den Büchern als eine Serie von "Plagen" beschrieben wird.

Eine Welt brach zusammen, und damit ihr Selbstverständnis.

Die alten Götter hatten es nicht verhindern können.

Das Verderben, das über Ägypten kam, erhielt einen Namen: den Namen des Gottes der Hebräer (vgl. meinen Deutungsversuch in der "Nordischen Götterwelt").

Die Eroberung Kanaans, die Ansiedlung, nach einigen hundert Jahren die reguläre Staatsgründung, die Teilung des Staates in zwei rivalisierende Staatswesen - nämlich Juda und Israel - umfaßt bis zu den ersten Gefangenschaften, der Vertreibung (Judas) nach Babylon und (Israels) nach Assyrien einen Zeitraum von etwa tausend Jahren.

Die ASSYRISCHE GEFANGENSCHAFT verläuft sich im Norden des heutigen Irak und Syriens, im Osten der Türkei gen Kaukasus.

Die Chasaren, die rund tausend Jahre später, in christlicher und islamischer Zeit, zum Judentum "übertreten", werden - antijüdisch - gern als Hunnen identifiziert.

Allein der Name "Chasar" bedeutet im Hebräischen "Rückkehr", was die Theorie, es handle sich bei den Chasaren um Teile der verschollenen Stämme Israels, eher stützt als entkräftet.

"Hunnen" - als Schimpfwort - haben in Europa Tradition.

Komischerweise haben die Engländer den Deutschen den Namen "Huns" gegeben.

Immerhin waren die Hunnen einst bis in den deutschen Westen vorgedrungen.

Undenkbar, daß dies ohne ethnische Folgen geblieben ist.

Nicht nur die Hunnen waren hier, auch Awaren und andere Nomadenvölker.

Die "urgermanischen" Hünengräber sollte man vorsorglich und klugerweise als Hunnengräber erkennen.

Jüngere Nachschlagewerke - wie etwa das dtv-Lexikon - führen nicht einmal mehr das Stichwort "Hünengrab", früher die übliche Bezeichnung.

Man muß unter "Megalith..." suchen, aber auch da findet sich Seltsames:

Da die Megalithbauweise nach neueren Einsichten nicht an bodenständige Kulturen gebunden ist, wird die Bezeichnung Megalithkultur nur noch mit Einschränkung angewendet.

Es paßt nicht mehr ins Bild, nicht wahr, Megalith und nicht bodenständig, das fehlte uns noch!

Im außereuropäischen Raum finden sich Megalithdenkmäler stets in Verbindung mit Ahnenverehrung und hierarchischer Gesellschaft, bes. in Nord- und Westafrika, Vorder- und Ostasien, Indien, Hinterindien, Indonesien und Ozeanien (a.a.O.).

Mongolische Viehnomaden setzen bis heute Steingrabmale in die Steppenlandschaft und pflegen sie seit Jahrhunderten.

Das Verschwinden des in Deutschland herkömmlichen Namens "Hünengrab" erinnert ein wenig an das klammheimliche Verschwinden der "deutschen" Schrift aus dem nationalsozialistischen Druckbetrieb.

Die "Schalkenburg" - nomen est omen - bei Quenstedt wird in der Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart (DGG), Heft 3/93, als "der älteste deutsche Kultplatz entdeckt" - "ein deutsches Ur-Labyrinth".

In einem "Rekonstruktionsversuch" wird eine "fünf ovale Ringe aufweisende Pfostenanlage... aus rund 5000 Baumstämmen" vorgestellt.

Forscher vom Hallenser Raumflugplanetarium stellten fest, daß die drei "Eingänge" als Visierlinien zur sternkundlichen Beobachtung gedient haben.

Das mag ja sein.

Und wann war das?

Na, "Neolithikum, die jüngere Steinzeit zwischen 2800 und 3700 v.d.Ztw.", Holz hin, Baumstamm her, darunter machen wir's eben nicht.

Da sitzt mir doch ein kleiner Schalk aus der Schalkenburg im Nacken und flüstert mir ins Ohr:

Hör zu, das ist von den Hunnen, die bauten sich solche Anlagen für ihre Pferde, erinnert nicht sowieso alles an einen Zirkus, Tiergatter oder...

Vielleicht hat die eurasische Erinnerung an die Hunnen unterschwellig zur Erfindung und Ausdichtung der "indogermanischen" Ursprünge beigetragen.

Ich will darüber nicht spotten.

Unsere asiatische Verwandtschaft ist mir so lieb und teuer wie die europäische, gehört ja auch alles zusammen.

Natürlich läßt sich nicht ausschließen, daß die Steppennomaden von Quenstedt aus den Himmel beobachteten.

Schließlich bestimmten die Sterne den Zeitpunkt der Rückkehr, und zurückgekehrt sind sie doch, wenn auch vielleicht nicht alle, vor allem nicht ihre hier gezeugten Kinder.

Die neueren Einsichten hindern uns also nicht an der Verehrung unserer Ahnen im Angesicht der Hünengräber oder Hunnengräber.

Im Gegenteil, jetzt kriegt die Sache Hand und Fuß.

Selbst Oberlercher räumt ein, nicht schalkhaft, nicht er:

Entscheidend ist... der Gestaltungswille. Nicht, daß die Germanen... etwa alle blond gewesen wären..., sondern daß sie sich schon damals gerne blond gefärbt haben,

lange vor den Hunnen, nämlich "zu des Tacitus' Zeiten" (Lehre vom Gemeinwesen, S. 185 f.).

Ich sag's ja, man setzt sich irgendwas in den Kopf, und ab geht die Post.

Zurück zur Realität: Auch die Geschichte der Moorleichen wäre neu zu erforschen.

Aus der BABYLONISCHEN GEFANGENSCHAFT gab es eine Rückkehr: die Stämme Juda und Benjamin.

Da Benjamin eine zwielichtige Rolle spielt, bleibt also Juda.

Seitdem, frühestens aber mit der staatlichen Zweiteilung des Landes in Israel/Samaria und Juda/Jerusalem kann korrekterweise von "Juden" gesprochen werden.

Abraham und die Stämme Israels waren keine Juden, sondern deren Ursprung.

Auch in der jüdischen - nachbiblischen - Überlieferung wird sprachlich nicht immer scharf differenziert.

Zutreffend kann von Juden erst in der nachnomadischen, nachägyptischen, nachgesamtstaatlichen Zeit die Rede sein.

Absolut korrekt wird die Bezeichnung durch Geschichte, Selbstverständnis und Brauch mit der Vertreibung durch die Römer aus Jerusalem, der Zerstörung des zweiten Tempels, was ich den "Vertreibungsknick" in der Geschichte des (Rest-) Volkes Israel nenne.

Die nachbiblische Diaspora als Nomadentum zu interpretieren, liegt nah, wird auch zum Teil säkular-jüdisch so gesehen, ist aber meines Erachtens Resultat eines Fehlgedankens.

Die Aura des Ortes geht jetzt von Jerusalem aus.

Ich habe "Aura", Aor, richtig als Licht, Feuer usw. übersetzt, "Ort" als Pluralform von Aura/Aor, nämlich "Aorot" erklärt.

Die Faszination, die von den Lichtern und Feuern einer Stadt ausgeht, ist darin sicherlich aufgehoben.

Wer die Stadt und ihre Aura in der Phantasie - als Jude in der Diaspora - oder real - als Wüstennomade, der am Horizont die Oase erblickt - vor sich hat, verbindet damit die Behebung einer existentiellen Not.

Beduinen lieben die Wüste nicht.

Die Wüste ist ein Schicksal.

Sie lieben den Garten, die Bäume, die Flüsse.

Ihre Wanderungen vollziehen sich von Ort zu Ort.

Das herkömmliche Diaspora-Judentum zeigt die Tendenz, sich zu verstädtern, falls es nicht daran gehindert wird.

Derlei Behinderungen aus der Welt zu schaffen, liegt im wohlverstandenen jüdischen Interesse.

Im Westen kann man bei Juden von einer städtischen Seßhaftigkeit sprechen.

Für die meisten Juden in der westlichen Gesellschaft bleibt Jerusalem mit Israel ein imaginäres Ziel, kein wirkliches.

"Nächstes Jahr in Jerusalem" ist ein Gruß, der sich aufs nächste Jahr nicht festlegt.

Dennoch bleibt für den Fall, daß die Umstände es zulassen, es erzwingen und gleichzeitig erlauben, Jerusalem/Israel ein konkretes Ziel, eine Zuflucht.

Die Juden oder die alten Hebräer sind nicht die Erfinder der hebräischen Sprache.

Was wir das Hebräische nennen, war zugleich das Altägyptische, das Phönizische, das Babylonische, das uns unter verschiedenen Namen bekanntgeworden ist.

Adelung, nebenbei, hat wahrscheinlich gar nicht gemerkt, was für ein Witz ihm mit dem Hethitischen unterlief (Sleipnir 2/96).

Die systematische Neigung der abendländischen Wissenschaft, alles auseinanderzunehmen, was ursprünglich zusammengehört, wirkt sich auch hier aus.

Im Hebräischen, wie natürlich auch im Arabischen, im einstigen Aramäisch, haben wir die Sprache als eine Einheit, die die alte, wie ich denke, gemeinsame Sprache in sich aufbewahrt hat.

Natürlich haben diese Sprachen sich gewandelt.

Darum greife ich nicht beliebig Wörter heraus, kümmere ich mich nicht um Formentwicklungen.

Ich stütze mich auf von alters her überlieferte Eigennamen, deren den Träger charakterisierende Wortbedeutung gewöhnlich übersehen und überhört wird, aber jederzeit wieder belebt werden kann.

Ich stütze mich, wie gesagt, auf die überlieferten alten Namen, deren Semantik verdrängt oder vergessen wurde, und vor allem auf die Heiligen Bücher aus allen Kulturen und Epochen.

Ihre Heiligkeit, d.h. ihre Tabuisierung, hat nämlich einen konservierenden Charakter.

Sie bietet mit hoher Wahrscheinlichkeit die Gewähr, daß die Schriften seit Jahrhunderten und Jahrtausenden weitgehend unangetastet, also unverändert geblieben sind.

Für meine Untersuchungen ist z.B. das moderne Hebräisch ungeeignet, weil in ihm durch gehäufte Entlehnungen aus anderen, besonders europäischen Sprachen die urtümliche Wortwurzelstruktur gelitten hat.

Ich denke, daß auch im klassischen Chinesisch vergleichend geforscht werden müßte.

Chinesische Schriftzeichen bieten Beispiele von Form-Sinn-Beziehungen, die auf Verwandtschaft schließen lassen.

Das Studium der Maya-Sprache(n) würde uns ein großes Stück weiterbringen.

Dem Entdecker Columbus wird nachgesagt, daß er Hebräer mit an Bord hatte, die ihm das Verständnis der mittelamerikanischen Dialekte erleichtern sollten.

Manche Leute zogen daraus den Schluß, daß die Vorfahren der "Indianer" etwas mit den verschollenen Stämmen Israels zu tun hatten.

Das glaube ich nicht.

Die Mayas lassen sich ins dritte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgen.

Dies ist die Zeit der Großen Flut, wie sie uns die Torah berichtet.

Ich habe versucht, die mittelamerikanischen Stufenpyramiden, die Dämonenbilder an ihrer Basis, auf alten Reliefs, als Zeugen der Flut zu verstehen.

Das Wasser ging in Stufen zurück, die "Dämonen" sind das Getier zwischen Wasser und Land, Finsternis und Sonnenlicht.

An jeder Steinküste läßt sich bei Sonnenuntergang beobachten, wie Käfer, Krebse, kleine Ungeheuer aus dem Wasser hervorkriechen.

Bei Sonnenaufgang verschwinden sie ganz schnell. Sie scheuen buchstäblich "wie der Teufel" das Licht.

Im Gilgamesch-Epos werden Krankheit und Sterblichkeit mit der Flut in Zusammenhang gebracht.

Der frühe Sonnenkult war, meine ich, eine Religion des Dankes für die Wiedergesundung.

Die Sonne machte die Erde wieder trocken und frei.

Japan nennt sich das Land der aufgehenden Sonne.

Drei Meeresgöttinnen, die auf japanischen Inseln wohnen, gelten als Töchter der Sonnengöttin.

Die Sonne brachte die Inseln hervor.

Erdgeschichtliche Zusammenhänge gehen einem plötzlich auf.

Kosmisch-geologische Veränderungen späterer Epochen machen die Sonne zu einer Gefahrenquelle für das Leben.

Die Wüsten zeugen von dem anderen, dem tödlichen Wesen der Sonne.

Die neue Realität mußte verstanden werden. Die Menschen entwarfen dazu ihre Theorien, Lehren, Religionen.

Nomaden als "sprachlos, sprachlos im Sinne des unartikulierten Brüllens von Primaten", zu definieren, halte ich nicht nur für gewagt, es spricht daraus kaum verblümt die Absicht, den "Nomaden", sprich: den Juden, so nebenbei, wie's halt gerade paßt, eins auszuwischen.

Mal sind sie "Intelligenznomaden" (Oberlercher), mal "unartikuliert brüllende Primaten".

Ich bin da überhaupt nicht empfindlich.

Aber zur Sache möchte ich sagen, daß der Nomade - ich denke zunächst an Völker der Wüsten und Steppen Afrikas und Asiens - zwischen Seßhaften hin- und herwandert, seine Zeitordnung von den irdischen und kosmischen Bewegungen herleitet, aber eben auch von praktischen Notwendigkeiten und Zielen.

Der "wahre Nomade" ist natürlich eine Idealgestalt wie der "edle Ritter".

Wer jedoch als Nomade eine Zeitlang unter freiem Himmel gelebt hat, kommt sich, wieder unter einem Dach, wie ein Verräter am wahren Leben vor.

Der Wandernde ist nicht zuletzt ein Transporteur, der die Ware des einen gegen die Ware des andern tauscht, der kauft und verkauft.

Nomaden haben sich besonders in Wüstenländern, wo Viehherden nicht leben können, auf den Handel kapriziert.

Ich vermute, daß weniger das Nomadentum an sich als seine Verknüpfung mit dem Handel die "Nomadologie" als neue Lehre gegen die Juden empfahl.

Die Kanaaniter waren Händler, das sagt schon der Name, und wurden darum von den Hebräern verachtet, was diese den heutigen Deutschen sehr ähnlich macht.

Wenn Händler Händler Händler schimpfen, könnte man sagen.

Der Handel ist aber ein elementarer Wirtschaftsfaktor.

Die Kanaaniter/Phönizier waren ein Seevolk mit zahllosen Stützpunkten, Hafenzufahrten an allen Küsten dieser Erde.

Sie waren Städtegründer.

Ihre heute bekannteste Stadtgründung war Karthago, lateinisch Carthago, griechisch Karchedon, phönizisch Quart-Hadascht (die Schreibweise übernehme ich aus dem erwähnten dtv-Lexikon).

Der phönizische Name bedeutet "Neue Stadt", "Neustadt".

Im Hebräischen heißt "Neustadt/Neue Stadt" Qirjath Chadasch.

Es ist derselbe Name.

Qir ist die Wand, die Mauer, Plural Qiroth.

Die Stadt wird hier von ihren Mauern her definiert. Das lateinische quadrus (viereckig), quartus (der vierte), quattuor weist auf die Vierzahl hin.

Unser Quadrat ist eine Entlehnung aus dem Lateinischen/Phönizischen/Hebräischen.

Im griechischen Karchedon klingt das noch nach.

In Kar (Kopf, Haupt) ist jedoch bereits die Funktion einer Stadt enthalten.

Das Meer der Kanaaniter/Phönizier war nicht nur das Mittelmeer.

Rund um Afrika nach Indien und China bis zu den Westküsten des Mayalandes erstreckte sich die Wasserwüste der Kanaaniter/Phönizier.

Es war ihnen bekannt, daß man Indien auch auf der Westroute erreichen kann.

Wie die handelnden Wüstennomaden stets auch Räuber und Plünderer, so waren die Seefahrervölker gleichzeitig Piraten.

Nicht von ungefähr ist der griechisch-römische Gott Hermes/Merkur ein beflügelter Nomade, Götterbote, immer unterwegs, der intelligente Gott des Wissens, der Information, der Händler und Diebe.

Der olympische Nachrichtendienst.

Malaien und Chinesen waren den Phöniziern Geschäftspartner, Konkurrenten, Rivalen auf den Weltmeeren.

Wie schnell wird aus der wirtschaftlichen Konkurrenz ein Handelskrieg, aus dem Handelskrieg Mord und Totschlag, eben Piraterie.

Was ich hierbei hervorheben will, ist, daß die nomadisierenden See- und Landvölker welterfahrene, sprachgewandte, wissende, nämlich wohlinformierte, den Seßhaften allein aus diesen Gründen überlegene Leute waren.

Da war keine Zauberei im Spiel.

Die Weltläufigkeit, der praktische, praktizierende Kosmopolitismus, der hohe Informationsgrad machte diese "Nomaden" zu den eigentlichen Herren der Welt.

Sie kannten alle Sprachen und deren innere Verwandtschaften.

Während die Seßhaften gewöhnlich schliefen, beobachteten die See- und Landnomaden den nächtlichen Himmel.

Bis in unsere Zeit sind die Weltmächte eigentlich Seemächte.

Die Kontrolle über die Länder und Kontinente geht von deren Rändern, ihren Küsten aus.

Nicht zufällig ist die Einrichtung geheimer Intelligenzdienste auf Marine-Ursprünge zurückzuführen.

Navigation ist das Schlüsselwort.

Signalsysteme sind jahrtausendealt und durch modernen Funk nur graduell, nicht wesentlich verbessert worden.

Die scheinbare Unabhängigkeit von den Gestirnen macht sie heute um so anfälliger für unberechnete Störungen.

Selbst die Nachrichtensatelliten, die um die Erde kreisen, ergänzen lediglich das Uraltbewährte.

Die Seefahrt hat nicht nur den umfassenden Überblick, der sie seit alters befähigt, nach den erkannten Küstenlinien Land (!)-Karten zu entwerfen; sie hat auch das nahe und intime Hafenwissen.

Daran hat sich trotz der neuen infrastrukturellen Festlandgegebenheiten grundsätzlich nichts geändert.

Der Kosmopolitismus ist jüdisch-hebräisch nur insofern, als die Juden Kanaaniter wurden; der Gott vom Sinai erklärt die Welt anders.

Er schafft einen neuen Überblick, wo der alte verlorenging.

Manches läßt sich wiederfinden.

Der Verlust ist nicht für die Ewigkeit.

Beides ist auch subjektiv bedingt.

Und das Neue ist inzwischen alt geworden.

Was aber so alt geworden ist, wird, nach Brecht, noch lange leben.

kuckuck
feder 7
II. quartal 1996
30. Mai 1996

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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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