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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Nachzulesen im Sammelband:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 9. Revisionismus-Kritik exklusiv I
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1995-00-00

Horst Lummert

Eine historische Turbulenz

Principium Individuationis / Begriffe sind Grabsteine des Denkens / Der unaufgelöste Widerspruch

Die multikulturelle Gesellschaft wird unbehaglich, wenn sie zur Unkultur verkommt, als stünde sie unter prinzipiellen Zwängen.

Die multi-ethnische(!) Gesellschaft als eine Kultur mit einer Religion wäre die vernünftige Alternative, läßt sich freilich nicht diktieren.

So bleibt die multi-kulturelle Gesellschaft im Moment das einzig Erreichbare - mit dem Pseudo-Ausweg in die nationalistische - ethnizistische, rassistische - Sackgasse.

Es gilt: Der Rassismus, wie auch immer er auftreten und sich definieren mag, ist - absolut - unannehmbar.

Geschichte, Wissenschaft und Ethik sprechen und wirken gegen ihn.

Im ärgsten ist er jedermanns Privatangelegenheit.

Der europäische, ja kosmopolitische Gedanke von heute ist der nationale Gedanke von gestern und vorgestern.

Wie die deutschen Stammesfürsten sich gegen die nationale Vereinigung sträubten, so sträuben sich die Nationalisten gegen Europa und die Atlantische Gemeinschaft.

Der Nationalismus war und ist als Einigungsidee progressiv, als Schutz- und Befreiungsmaßnahme legitim.

Als Methode gegen die europäische und darüber hinausgehende Einigung ist er reaktionär und widergeschichtlich.

Damals war der Separatismus ein Provinzialismus, heute ist er ein Nationalismus.

Die Metamorphosen des Nationalismus zeigen eine fallende, welkende Tendenz.

Da wir die Geschichte nicht zurückdrehen können (und wollen), haben wir nur die Frage zu beantworten, ob unsere multi-ethnische, multi-rassische Welt nun auch multi-kulturell werde bzw. bleibe - oder ob sie sich auf eine gemeinsame Kultur, einen zivilisatorischen Konsens einpendelt.

Mit dem Etikett "Kultur" ist vieles im Gespräch.

Meist geht es um ideologische Inhalte bzw. die Interpretation von Sitten und Bräuchen.

Unsere heutige Weltzivilisation hat längst einen allgemeinen Lebenskonsens hervorgebracht.

Wir leben in einer Epoche brisanter und kritischer Übergänge.

Kultur ist, wie man miteinander umgeht.

Ungute Sitten machen sich breit und können als allgemeine Unkultur oder Gottlosigkeit bezeichnet werden.

Die Gottlosigkeit ist allgemein, sofern die Menschen unkultiviert sind, keine Kultur mehr haben.

Mit der Kultur ist es wie mit der Rasse: Man hat sie oder hat sie nicht.

Man ist nicht Angehöriger einer Kultur oder einer Rasse, nein, höre gut zu:

Du hast Kultur, weil du Rasse hast.

Du hast Rasse, weil du Kultur hast.

Du bist Spitze, wenn und weil du Spitze bist, nicht weil irgendwelche Vorfahren einmal Spitze waren.

Herkunft zählt überhaupt nicht, wenn du nicht zählst.

Zählst aber du, so wird alle Herkunft belanglos.

Die Menschheit steht also nur vor der einen Frage: hat sie Kultur - oder hat sie sie nicht.

Es gibt überhaupt nur eine Kultur, wie es nur eine Wahrheit gibt.

Im Zeitalter der Auswertung exakter Naturwissenschaften soll es nicht schwerfallen, zu dieser schlichten Erkenntnis zu kommen.

Den Einen Gott als Vater und Lehrer des Wissens zu begreifen, ist am Ende ganz einfach.

online-Fassung

kuckuck
feder 6
frühjahr 1996
9. Jan. 1996

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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