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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1997-00-00
Richard Chaim Schneider: Fetisch Holocaust. Die Judenvernichtung - verdrängt und vermarktet. Kindler Verlag, München 1997.
Schneider widmet sein Buch
Henry Schwarzschild s.A. - dem Holocaust-Überlebenden, dem Kämpfer für Gerechtigkeit, dem Zyniker, dem lachenden Pessimisten, dem gottlosen Gläubigen, einem der Lamed-Waw seiner Generation.
"Lamed-Waw" ist eine Zusammensetzung aus zwei hebräischen Buchstaben, die hier mit ihrem jeweiligen Zahlenwert - Lamed = 30, Waw = 6 - Bedeutung haben.
Schneider setzt sich kritisch mit dem Holocaust-Begriff auseinander, mit seiner Verwendung beim "Shoah-business".
Eine jüdische Abrechnung mit diesem ganzen Rummel, hinter dem die Toten vergessen werden.
Er beschäftigt sich eingehend mit dem Verhalten der Medien im Umgang mit dem Goldhagen-Buch Hitlers willige Vollstrecker.
Er weist - anläßlich der öffentlichen Diskussionen mit dem amerikanischen Wissenschaftler und Autor - auf die Diskrepanz hin: zwischen dem Scharfrichter-Habitus der deutschen Historiker- und Kritiker-Prominenz (contra Goldhagen) auf der einen und dem aufmerksamen, freundlichen und nachdenklichen Zuhörerpublikum auf der anderen Seite.
Dabei wollen wir nicht vergessen, daß dieselbe deutsche Prominenz und Kultur-Schickeria gegen das deutsche Volk in seiner schlichten Mehrheit in Sachen Nazismus, Judenverfolgung und -vernichtung die gleiche Haltung an den Tag legt.
Die "Eliten", wohlweislich, hatten damit nichts zu tun.
Chaim Schneider stellt dazu folgende Überlegungen an:
Das dunkle Zentrum des deutschen Bewußtseins - man mag es kaum noch glauben, und doch offenbarte die Diskussion um die Thesen von Daniel Jonah Goldhagen, was bereits bei allen früheren öffentlichen Auseinandersetzungen um den Holocaust manifest wurde: die Schwierigkeit einer breiten öffentlichen Mehrheit in Deutschland, die Brutalität, das Grausame dieses Verbrechens an sich heranzulassen.
Der bereits verschleiernde Begriff Holocaust setzt automatisch Distanz zwischen dem deutschen Betrachter und dem Vorgang an sich.
Die Nazis sind im kollektiven deutschen Bewußtsein nicht nur ein anderer deutscher Stamm, sondern beinahe schon ein Synonym für extra-terristische Wesen, die irgendwann, zwischen 1923 und 1933 mit einem UFO in Deutschland gelandet waren, dann für einige Jahre ihr Unwesen getrieben und schließlich deutschen Boden auf ebenso merkwürdige Weise verlassen hatten, wie sie einst gekommen waren (52).
Chaim Schneider stellt fest - und Fragen:
Während in den siebziger und achtziger Jahren die Versuche der jüngeren Deutschen, sich mit der Vergangenheit ihrer Väter, ihrer Familie zu konfrontieren, zum öffentlichen Thema wurde, scheint sich dieser Kampf zwischen Väter- und Söhne-Generation längst zu einer stillschweigenden Aussöhnung mit der Vergangenheit gewandelt zu haben...
Eine befriedigende nationale Identität aber läßt sich nur erreichen, wenn man die Vergangenheit in diese neue Nationwerdung einbindet (54).
Ist es nicht kurios, daß die drei in den Medien besonders gepuschten Auseinandersetzungen mit dem Holocaust, die das deutsche Volk wirklich gefesselt hatten, von Juden stammten?
Die Fernsehserie Holocaust, der Kinofilm Schindlers Liste und jetzt eben Hitlers willige Vollstrecker?
Läßt man die Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den Großereignissen Revue passieren, inklusive der gereizten Reaktionen der Goldhagen-Kritiker, dann erhebt sich doch ganz automatisch die Frage, ob der, wenn man so sagen will, jüdische Zugang, die emotionsgeladene Hinwendung zur Shoah, nicht genau der Weg ist, der auch einen deutschen Nachkriegsgeborenen eher erreicht.
Und: Ist es nicht offensichtlich, daß eben auch die Mehrheit der Deutschen sich, wenn überhaupt, dann solch eine Annäherung an ein kaum zu ertragendes historisches Erbe wünscht? (53 f.).
Hermann Schaber spricht von einem "Holocaust-Glauben" (vgl. auch Koll/Lang: "Holokaustismus", S. 34 ff.).
Der Pferdefuß ist die Gaskammerfrage.
Aus Anlaß meiner "Revisionismus-Interpretation" (kkk-feder 6) schreibt Schaber ("Heiliger Krieg - und kein Ende?", kkk-feder 13, S. 26 ff.):
Wenn dann angesichts dieser Lage von deutschen Einsatzgruppen und Polizeibataillonen für jeden von Partisanen getöteten Deutschen (genannt wird die Zahl 500.000 - kkk) 10 - meist jüdische - Geiseln aus der Zivilbevölkerung erschossen wurden - woran ebenfalls nicht zu zweifeln ist -, dann ergibt sich daraus allein schon die Zahl von 5 Millionen zivilen Opfern, die mit der bisher genannten Anzahl von Holocaust-Opfern weitgehend übereinstimmen (29).
Er meint, daß diese Erschießungen "durch das damals geltende Kriegsrecht abgedeckt waren".
Er würdigt den programmatischen Mord-Antisemitismus der Nazis viel zu wenig, wenn überhaupt, atmet aber auf, seit die Gaskammer-Geschichte ein paar Fragen aufgeworfen hat.
Ich habe mich bereits in den achtziger Jahren gegen den Begriff "Holocaust" ausgesprochen, weil mit ihm suggeriert werden kann, daß der Massenmord an den Juden so etwas wie eine heilige Handlung gewesen sei, was sich ja auch mit dem Urteil des, gerade in diesem Heft wieder vorgestellten philosophischen Antishemitismus decken würde.
Gaskammer oder nicht, machen wir's kurz, ändert überhaupt nichts an der historischen Wertung des NS-Staates.
Solange wir davon ausgehen konnten, daß Gaskamnern bei der Judenvernichtung das Hauptinstrument waren, mochte die Zahl der Täter, immer gemessen an der technischen Effizienz der industriellen Tötungsmaschinerie, theoretisch niedrig angesetzt werden.
Nun aber, da sowohl von ns-revisionistischer Seite als auch von kompetenten jüdischen Holocaust-Forschern - Arno J. Mayer, Yehuda Bauer, Daniel Jonah Goldhagen - die Bedeutung der Gaskammern bei der Judenvernichtung stark relativiert worden ist, stehen wir vor der Erkenntnis, daß die Zahl der Täter unermeßlich größer war und gewesen sein muß, wenn dennoch allein die als Geiseln erschossenen Juden etwa die Zahl der vorher genannten Gaskammertoten erreichen.
Daß selektiv immer Juden als Geiseln umgebracht wurden, läßt sich mit der Haager Landkriegsordnung keineswegs erklären.
Der antisemitische Rassenwahn wird den NS-Deutschen nicht im nachhinein angehext, er war da, er hatte in Deutschland die Macht und das Sagen.
Und meine nun schon Jahre währende Beschäftigung mit dem NS-Revisionismus (ich bestehe auf diesem qualifizierenden Terminus!) hat mich zu der Einsicht gebracht: daß sie es wieder tun würden; daß sie es getan haben, weil sie es wieder tun würden: sie haben es in sich.
Seine Erfahrungen in Deutschland stützen im übrigen die alte kuckuck-These, daß das Volk der Deutschen von seinen - "demokratischen" und ausdrücklich antidemokratischen - "Eliten" - streng - getrennt werden muß.
Diese "Eliten" repräsentieren indirekt die Funktionsträgerklasse des NS-Staats wie die des SED-Staats.
Die Reaktion auf Goldhagen war eine Selbstenthüllung jener, die zuvor - und das seit Jahrzehnten - das deutsche Volk in seiner Gesamtheit zum VerbrechervoIk gestempelt hatten, sich selbst dabei allerdings regelmäßig ausnahmen.
Der "eliminatorische Antisemitismus" fragt am Ende nicht danach, auf welche Weise - tot oder lebendig - "der Jude" zu "eliminieren" sei.
Die Vergangenheit, die uns da einholt, widerlegt den sich moralistisch gerierenden NS-Revisionismus und bestätigt die schlimmsten Befürchtungen.
Denn wenn allein bei "Geiselerschießungen" 5 Millionen Juden umkamen, wie haben wir dann weiterzurechnen, wenn wir an die anderen denken, die nicht als "Geiseln", sondern anderswie - direkt oder indirekt - ermordet wurden?
Wir wollen hier auch etwas klarstellen, was in der NS-Revisionsdebatte als mildernder Umstand angeführt wird.
Die gezählten oder ungezählten Toten, die durch irgendwelche Lagerkrankheiten, Typhus, Cholera und was dergleichen mehr oder einfach vor Angst, ausgehungert, durch Schläge oder anderswie dahingerafft wurden: sie alle belasten das nazistische Lagersystem, sie entlasten es nicht!
Die Zahl der Verantwortlichen steigt mit der Zahl der Toten gerade unter Berücksichtigung des neu entdeckten Umstands, daß die Gaskammern gar nicht die Haupttatwaffe waren, sondern viele, viele kleine Wäffchen, handliche Pistolen, schuß- und schlagkräftige Karabiner, Holzknüppel, Eisenstangen, Seitengewehre von vielen, vielen Einzeltäterlein bedient wurden.
Je weniger Gaskammern, desto mehr Mörder!
So einfach ist das, und ich verstehe gar nicht, worüber sich die NS-Revisionisten nun noch freuen wollen.
Bei den früheren Berechnungen spielten die Geiselerschießungen eher eine Nebenrolle, wenn von 6 Millionen Toten die Rede war.
Diese Rede verstummt aber nicht.
Nun kommen die 5 Millionen hinzu.
Die da und dort bereits kolportierte Zahl von 11 Millionen jüdischen Mordtoten würde die NS-Revis von der "magischen Zahl 6" erlösen und eine neue Shoah-Zahl in die Köpfe setzen.
Nun gut, wer rechnet, irrt, wie ein altes englisches Sprichwort sagt.
Und wer einen Menschen vernichtet, hat eine Welt vernichtet, sagt Rabbi Löw.
Dieses Denken aber sollte (und soll wieder) vernichtet werden.
Und eben dies macht den Krieg gegen den Nazismus (und seine antishemitischen Erben) zu einem heiligen Krieg.
Da steht Geist gegen Ungeist.
Die penetranten Versuche, sich herauszureden, haben alles nur verschlimmert.
Der "wissenschaftliche Revisionismus" hat die kritische Reflexion provoziert, just bei denen, die bereit waren, diesen Revisionismus unbefangen und sachlich unter die Lupe zu nehmen.
Die Shoah ist gegenwärtig: als Vergangenheit und als Entwurf.
Während sich Justiz, Polizei, Politik und Medien ums Geschehene kümmern, nimmt die Zahl der Schreibtischtäter zu, sind die neuen Intellektuellen des antishemitischen Irrtums dabei, die nächste Shoah theoretisch zu begründen, praktisch zu empfehlen und vorzubereiten.
Eine andere Frage ist, ob Deutschland imstande sein wird, eine zugemessene, sagen wir, intellektuelle Klarheit darüber zu gewinnen, mit Herz (!) und Verstand.
Mit ihr entscheidet sich letzten Endes, ob Deutschland eine Zukunft haben kann.
Man könnte auch sagen, daß dieses Land eine neue, ganz anders verfaßte Elite braucht, wenn wir bei diesem Wort schon mal bleiben wollen.
Die von Hermann Schaber angeregte deutsch-jüdische - auch politische - Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit auf nationaler Ebene ist gleichwohl kritisch aufzunehmen.
Das projekt YISHMAEL versteht sich - auf toranischer Grundlage - als bescheidener Fürsprecher einer deutsch-israelischen Achse, um die "sich der Islam dreht" (vgl. kkk-feder 6).
Die zugleich konzipierte Islamisierung Deutschlands zielt auf einen revolutionären Islam ab, der - über sich aufgeklärt - seine vorislamischen Grundlagen neu entdeckt hat.
Die alte Klassenfrage stellt sich also von neuem.
Deutschland setzt seine "Reichsgeschichte" fort, indem es den genuinen Rassismus und Antisemitismus - einen philosophisch-metaphysischen Antishemitismus - via Beschneidung und Islamisierung hinter sich läßt, darüber hinaus aber nun - als neue islamische Macht - die gesamte islamische Welt in diesem Prozeß initiativ befördert.
Dies ist ein revolutionärer Vorgang, der vom nächsten Jahrtausend einen Großteil für sich beanspruchen wird.
Israel/Judentum und Deutschland kommen, so oder so, nicht mehr voneinander los.
Der - konstruktive - Blick in die Zukunft ist die Erlösung für alle Beteiligten, die aus diesen oder jenen historischen Gründen einander feind geworden sind.
Den revolutionären Umwandlungsprozeß in die Wege leiten, das ist kein politisches Tagesprogramm, sondern die Aufgabe für ein neues Zeitalter, für den Fall, daß Gott es so will.
online-Fassung
kuckuck
feder 15/16
III./IV. quartal 1997
4. Sep. 1997
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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