1982-03-23
bis
1984-08-24

Erich Knapp in Briefen an Horst Lummert

"Unautorisiert"*

* kkk - Die Briefe - in Auszügen abgedruckt - wurden unterschiedlich bewertet. Erich Knapp verstand sie als eher privat und vertraulich. Horst Lummert hat Briefe an den kuckuck als potentiell öffentlich - als per se für die Öffentlichkeit bestimmt - angesehen.
Das war eine Besonderheit des kuckuck von Anfang an, ein Gründungsprinzip dieser offenen proletarischen Alternative zur bürgerlichen und kleinbürgerlichen Verschlossenheit.
Der Verlauf der Korrespondenz zeigt, daß eine anders auszulegende redaktionelle Zusicherung nicht gegeben wurde und daß darüber letztlich Einvernehmen bestand.
Lummerts Fragen an Knapp waren ganz offensichtlich journalistisch-investigativer Natur.
Wer an den kuckuck schrieb, wußte, an wen er schrieb. Privatbriefe an den kuckuck gab es nicht.
Hinzu kam, daß der Briefautor den Empfänger wiederholt der Lüge zieh, was nur mit der Veröffentlichung der Briefe ausgeräumt werden konnte.
Der Abdruck in kuckuck 47 diente einer notwendigen Aufklärung. Die dokumentarische Wiedergabe seiner kkk-Beiträge im Internet
- siehe kkk-review:
setzt sich mit aktuellen Arbeiten Knapps fort:
NewCatch Strategien:

Die Brief-Auszüge in sieben Teilen

Erich Knapp an Horst Lummert/kuckuck

Teil 07

1984-03-01:

Ganz tot sind Die Grünen noch nicht, das mag sich noch zwei Jahre hinschleppen.

Uns muß es darauf ankommen, wie sie zerfallen, an welchen Themen (das Gewürg des Herrn Bastian und der mystische Unterleib der Kelly klären ja nur je individuell auf, über diese Individuen sowie über jene, die sie wählten, duldeten usw.).

Mir kommt es darauf an, daß Die Grünen nicht wiederkehren, dasselbe in blau etwa...

Wenn Sie es nicht schon wüßten, würde ich es Ihnen jetzt sagen: falls ich noch einmal politisch ins Getümmel stiege - wenns wieder mal gegen die etablierten Parteien geht, bin ich wieder dabei.

Eigentlich bereite ich unsere Radikaldemokraten/NFR dafür vor...

Der Doppelbeschluß, soweit er einer war, hat als zweiten politischen Teil in der Tat die breite Raketendebatte zustande gebracht.

Und Helmschmidt ist der Erfinder des Doppelbeschlusses, der als doppelter ja auch nur in der BRD verstanden worden ist, während alle anderen NATO-Regierungen ihn als eindeutigen Rüstungsbeschluß ansahen.

Aber das heißt m.E. nicht, daß Helmschmidt dieses Ergebnis seiner "intelligenten" Politik gewollt hätte; der Mann ist nämlich beschränkt.

Ein Technoverständler, ein politischer Hochhausarchitekt Typ Spätbauhaus, also gemessen am heute Erforderlichen ein Dummkopf.

Unter den Dummköpfen freilich ein Schnelldenker, und die Dummköpfe sind eine 95%-Majorität.

Nie bezweifelt habe ich und auch früh publiziert, daß die NATO-intelligence die naive Massenreaktion auf den Beschluß vom 12.12.79 klug voraussah, für sie vorplante, Netze zum Auffangen der Protestbewegung, schon in den 70ern geknüpft (denken Sie an die Russell-Tribunale, an Dutschke, an die "KPD"!), ausspannte.

Das war ganz clever gemacht.

Die DKP in der Friedensbewegung hat unwillentlich mitgespielt.

Sie hat mitverhindert, daß der Protest politisch klarsichtig wurde (aus ihrer Blockloyalität heraus).

Insofern haben Typen wie Bahro ganz recht.

Ich sage nur: nicht Contra, sondern Nichtwiderstehen (in diesem Fall bin ich Buddhist), weil manches Contra an den Gegner bindet, statt von ihm zu befreien.

Die DKP hat dafür gesorgt, daß nun nach der Pershing-Installation auch noch konventionell aufgerüstet wird.

Denn die Forderung nach konventioneller Aufrüstung war ja die der FREEZE-Fraktion (zu der General Rogers gehört), für die die Instantpazifisten nur ein Rauchschleier waren, blöder Dunst, pure Verweigerung, die Realität sehen und analysieren zu wollen.

Und nun erhält der Westapparat der SED die Quittung: der Instantpazifismus nimmt nur noch die Rüstung des Ostblocks ins Visier.

Gut gemacht, ML'er in Ostherlin.

Ja, das ist halt meine Analyse der Friedensbewegung, scharfsichtig wie keine andere.

Was ja auch der Grund ist, warum sie nirgends zur Kenntnis genommen wurde.

Jetzt schreibt der Bahr ohne o im SPIEGEL, was ich vor 4 Jahren in StvZtfr. geschrieben habe - und er gilt als Vor-Denker.

1984-03-15:

... Der neue KUCKUCK: ich bin sehr zufrieden, er schweißt sich jetzt ein in die bestehenden Strukturen wie eine Panzerfaust...

... - Wissen Sie, mein arisch-sozialdemokratischer Vater hat zweimal einen widerlichen Mann aus Bensheim - mir gegenüber, als er sich Luft machte - "Mehljudd" genannt.

Dabei war der ein typischer hinterfotziger, verschlagener Kathole...

... Ich bin nicht gegen die britische Weltpolitik, aber gegen die britische Deutschlandpolitik - wir als zu verknallende Haftladung für ein begrenztes Unternehmen.

Dazu bin ich mir zu schade.

Die ordnen uns ganz traditionell ein: so und so sind die Germans halt, also setzen wir sie so und so ein...

1984-03-24:

... Aus unserem Schriftwechsel?

Also dann müßte ich Wort für Wort mit Ihnen vorher absprechen, nicht um zu ändern, aber um entscheiden zu können.

Einerseits habe ich erfahren, daß meine oft krasse und unbeherrschte Ausdrucksweise bei den meisten Lesern den zum Ausdruck kommen sollenden Inhalt total überdeckt.

Andrerseits beleidige ich oft.

Drittens bin ich immer noch ein wenig Operateur, möchte also nicht bis zum letzten meine Ansichten bloßlegen.

Aber, wie gesagt, warum nicht punktuell und nach präzisen Absprachen.

1984-04-02:

... Überhaupt die Föderalisten!

Proudhon und Frantz: antisemitische Schmierfinken.

Der katholische Faschismus ist gefährlicher als der nordische.

Er steht uns noch bevor mit seiner "Menschlichkeit" und "Demokratie"...

1984-04-03:

Es ist gefährlich und setzt einen allen möglichen Mißverständnissen aus, wenn man sich mit den Feinden seines Feindes verbündet.

Wenn man schwach und vereinzelt ist, kann man nur entweder in Isolation bleiben und zuletzt in ihr verrecken oder mit wechselnden Bündnissen Macht zu gewinnen versuchen.

Ich bin in den Bonner Apparat gegangen, um Macht zu gewinnen.

Er war mir als nazistischer - wenn auch hinsichtlich des AA nicht so genau - bekannt.

Ich ging ins AA, weil dieses sich per Inserat angeboten hatte, also durch Zufall.

Der öffentliche Dienst war ein Sprungbrett für einen Aufstieg in den Bundestag, den ich mit und durch die SPD machen wollte.

Allerdings war Auslandstätigkeit dafür nicht gut geeignet (für gleichzeitige Parteitätigkeit).

Deshalb bewarb ich mich schon von Fort Lamy aus um alle möglichen Posten bei SPD-Städten und -Ländern, ohne Erfolg.

Während der Zeiten meiner Tätigkeit in Bonn aber war ich so beschäftigt (z.B. Schichtdienst), daß ich nicht regelmäßig zu Parteiversammlungen gehen konnte.

Diesen Lebensplan mag dumm nennen, wer will.

Es war mein Plan.

Er hat nicht hingehauen.

Man verurteile mich zu was man wolle.

Ich habe für Richter nur schweigende Verachtung übrig!...

Den Walter Barthel kenne ich seit meiner Rückkehr aus Kairo.

Erst seit da, was ja zu den Ironien des Falles Kairo gehört.

Aber das ist der ungeschriebene Kolportageroman.

Gescheiter Mensch, ich mag ihn.

Er schied als Bonner Redakteur aus, als er sich wegen der Konzeption der "NEUE" mit Guggomos zerstritt.

Wurde 1981 Redakteur des "Bonner ED" und abgehalftert von dem DS-Klüngel, der daraus den "Linker ED" machte und die Redaktion nach Hannover verlegte.

Barthel hat eine Holzdreherei, steht finanziell sehr schlecht, ist mit einer Krankenschwester verheiratet, lebt im Ahrtal in einem Haus, das auch K.-H. Hansen gehört.

Barthel hat mich immer vor bestimmten SED-Praktiken gewarnt.

Sein Sohn sitzt oder saß in der DDR im Zuchthaus, wegen Randalierens und Renitenz, nicht politisch.

Zu Bahros Zuchthausverhalten kann ich nichts beitragen, glücklicher Weise.

Daß er in einer ungewissen Art von Absprache mit dem SSD nach Westen entlassen wurde, ist mir offenkundig.

Ich frage mich immer: ist er mehr ein Westagent gegen den SED-Einfluß in der BRD oder ein Verwirragent der SED oder beides zusammen oder beides periodisch abwechselnd?

Oder ist er ein deutscher Nebelkopf?...

Wenn ich mich von einer nazistischen Verschwörungstheorie freihalte..., dann kann ich feststellen, daß die Entstehung der Grünen und der Friedensbewegung einen Massenzustrom ins Lager des Nationalneutralismus erbracht haben...

Beobachte ich mich selbst, wird deutlich, welche äußeren Ereignisse das Auftreten neuer und neualter Bewegungen begünstigten.

Mein Bruch mit "Bonn" incl. SPD bewirkte, wollte ich mich nicht aus der Politik zurückziehen, Kontakte mit der potentiellen Anti-Bonn-Partei, die dann zur Grünen wurde.

Ich bin da nicht der einzige SPD'ler...

... Die Koalition der UdSSR mit den Deutschnationalen ist älter, älter als der Vietnamkrieg, älter als Schenkes Versuche.

Denken Sie an Radeks Rede über Schlageter, an das Nationalkomitee Freies Deutschland und seine Farben!

Die emanzipatorischen Kräfte Europas wurden schon unter Stalin verraten, wie deren Schwäche die Isolation Sowjetrußlands bewirkte, aus der "Kronstadt" und Stalin entstanden.

Ulrich Sonnemann und Nettl haben Ebert (Noske) als Mitvater Hitlers und Stalins gezeichnet.

Es gab noch mehr Väter, z.B. den deutschen Generalstab, der auch Eberts Vater war.

Es ist wahr, daß die amerikanische Civil rights- und Friedensbewegung die Beendigung des Vietnamkrieges erzwungen hat und daß sie Indiz für die starke demokratische Strömung in den USA ist, die ein Teil meiner wenigen Hoffnungen ist.

Aber wie Nixon/Kissinger den Krieg beendet haben, diese nicht erstmalige kaltschnäuzige Abkehr von bisherigen Verbündeten, das macht mich schaudern...

... Adorno hat schon recht: das Verzeihenkönnen ist Ergebnis der Erinnerungen an eigene Schandtaten.

Ich erinnere mich meiner.

Wer frei ist von Schuld, hat das Recht, Steine zu werfen.

Bücher hätte auch ich verbrennen können (falls ich sie nicht heimlich in mein Zimmer geschleppt hätte), falls ich 1933 neunzehn Jahre gewesen wäre und andere Eltern gehabt hätte.

Ich weiß, warum Fanatismus entsteht...

... Meine Feinde sind die in "Bonn"...

Meine Feinde sind die "im Volk", endemic...

Was mein Verhältnis zu Sch. betrifft, so habe ich dazu brieflich und, dank Ihrer Großzügigkeit, im KUCKUCK einiges gesagt...

Es gibt eine Kurzgeschichte von Stefan Zweig, in der ein junger Jude in einer schlagenden Verbindung ist und als "Rostjude" ausgeschlossen wird.

Diese äußere und innere Situation konnte ich immer schon gut begreifen.

Ich war schon oft in Gesellschaft, die "eigentlich" nicht meine war.

So kommt es, wenn man zu keiner Gesellschaft, zu keiner Gruppe gebört - aber, als entweder junger, irgendwo zugehörig sein wollender oder als politisch taktierender Mensch irgendwo sich beigesellen will oder zu müssen glaubt...

... Je älter ich werde, desto klarer werde ich für mich und desto verrätselter vielleicht für manche andere...

... Wie schon gesagt: an Demokratie und Res publica muß in Westdeutschland nichts mehr beseitigt werden...

Während ich mich an dieser Abräumungsarbeit beteiligte, habe ich gleichzeitig immer versucht, Demokraten in West- und Osteuropa auf den Fall vorzubereiten...

... Ihr könnt mich nämlich alle!

Wenn ich mein Herz an einen meiner Verbündeten je hängen werde, dann muß er schon gründlich bewiesen haben, daß er von meiner Sorte ist...

Ich habe in der Tat vorgesorgt.

Narbonne zum einen.

Und zum anderen: ich hänge nicht am Leben, das ich nur noch als graue Pflichtstrecke ansehe...

... Meine Asche, wie festgelegt, wird irgendwann einmal ins Mittelmeer gestreut, am Fuß des Denkmals für Brossolette.

Und falls das nicht möglich würde: mein "Geist" wird eh schon dort sein.

Er ist bereits jetzt dort...

1984-04-04:

Wenn ich gerecht bewertet werden wollte, würde ich ob des unbeweglichen Richters in Berlin - nicht unähnlich manchmal (!) dem Bundesanwalt Lunz in K'ruhe - verzweifeln.

Aber das kratzt mich nur noch, wenn es gar zu arg wird.

Dabei muß ich zugestehen, daß ich es den allermeisten Menschen zu schwer machte.

Nur, H.L., welchen Vorteil hätte ich nach Ihrer Meinung, wenn ich Sie belügen würde?

Da ich keinen sehe, schließe ich darauf, daß Sie mich für einen Lügner aus pathologischen Gründen halten müssen.

Warum, so frage ich weiter, beschäftigt sich eigentlich der H.L. derart intensiv mit mir wie es keiner, wenigstens auf der intellektuellen Ebene, je mit mir getan hat?

Weil ich ein Fall, sein Fall bin?

Der Idealfall vielleicht für seine längst geplanten harlekinischen Geschichten?

Ein Modell, an dem er eine Theorie exemplifizieren kann?...

Mein heutiger Zahnarzt, Dr. Flath, Arbeitersohn übrigens, war mein Fähnleinführer.

Neulich erzählte er mir im Beisein einer Assistentin - und das war mir peinlich, siehste! -, daß er mich als Nachwuchsführer vorgeschlagen habe.

Da hat ihn jemand (wer, das habe ich schon wieder vergessen, siehste!) beim Bann angeschmiert, er habe doch seinen Sohn nicht auf die Liste gesetzt, aber den E.K., dessen Mutter doch...

"Legende"?

Schreiben Sie das ruhig mal!

Kann mir nicht schaden...

"... vom Vater sehe ich ab..."

Klar, wegen Ihres Klassenschemas.

Nicht wegen seiner Persönlichkeit, die wie alle Persönlichkeiten ihre guten und schlechten Seiten hatte.

Aber die kennen Sie ja nicht.

Also urteilen, sprechen Sie frei entlang dem Klassenschema.

Das gibt immer Weltliteratur.

Deutsche.

... Wer Schuld sprechen will, soll das tun; ich verachte ihn, weil ich weiß, daß jeder erwachsene Mensch sich schuldig gemacht hat.

Gäbe es einen Gott, nähme ich vielleicht sein Urteil an.

Aber zuvor würde ich fragen, warum er Situationen hat entstehen lassen, in denen jeder einmal schuldig werden mußte...

Der Prinz zu Löwenei wurde Vorsitzender und sagte dem ZDF-Strobel nach meiner Entlassung, ich sei doch der, der das Reichsbanner ruiniert habe.

Stimmt ja auch.

Ruinierung einer Ruine...

... Ich bin Demokrat, weil ich die oben verachte.

Ich bin autoritär, weil ich weiß, was dem Volk gut tut...

1984-04-17:

Was ich für die schlimmste moralische Korruption der Deutschen halte?

Nicht die Naziverbrechen.

Diese Korruption war zwar Weltklasse, aber sie wurde nach 45 übertroffen...

Ich frage nach den sozialen Ursachen, wenn einer Bücher verbrannt hat...

Wenn einer aus politischen Gründen gemordet hat, interessiert mich immer noch die soziale Ursache...

Ich schirme ihn ab?

Nagut...

Mein Nachfolger in Dacca und SPD-Genosse Briehm... durfte am Tag nach dem ersten Massenmord der pakistanischen Armee das Auto des Generalkonsuls nehmen, Stander drauf... - ... werden auch Menschen verbrannt, ohne daß vorher Bücher verbrannt wurden...

1984-04-24:

... Ich habe in Ostpakistan und Ägypten die vielen Männchen gesehen, verwöhnt, eitel, egozentrisch, Möchtegern-Playboys, unbeständig, treulos, verlogen.

Alles Bürgersöhnchen, verwöhnter als deutsche, englische, amerikanische, niederländische oder skandinavische junge Männer, schlimmer als Italiener...

... Orientalischer Sturm: zwischen Tours und Poitiers und vor Wien gebrochen.

Aber heute sind die Moslems doch in Europa.

Ich denke an die Gründung einer deutschlinken (also rheinbündisch-) moslemischen Geschwisterschaft, sozusagen Kampfbund für deren Bürgerrecht hierzulande.

Nicht nur politische, sondern deutsch-türkische Eheschließungen fördernd, ermutigend.

Die Linke wird rechts oder moslemisch.

Wie, mit wessen Hilfe das anzuleiern wäre, weiß ich noch nicht.

Skrupel habe ich keine...

1984-05-12:

Ich glaube einfach nicht, daß Sie sich mit einer altertümlichen Kunstfigur abgeben; das ist so intellektuell-schrullenhaft; Sie gehn doch ebenfalls direkt auf den Punkt zu.

Ich meine, diese Intellektuellen, die solche absonderlichen Vorlieben haben (etwa irre scharf auf Ohnsorgtheater-Sendungen sind), sind Feiglinge; das meinte ich immer schnuppern zu können.

Ein Feigling sind Sie nicht.

Also warum Harlekinaden?

Ich will Sie mal fragen, ob Sie wissen, warum der Harlekin gewürfelt gefärbte Kleidung trägt.

Wenn Sie das wissen und dazu, woher das Wort arlequino stammt, das die Nachschlagwerke für die Wortwurzel halten - dann weiß ich, wer Sie sind.

Also heraus mit der Sprache: woher stammt die Figur des Harlekins?

Wenn Sie das wissen, dann wissen Sie nach dieser Frage auch, wer ich bin.

Ich bin nämlich wirklidh ein Harlekin, by the way.

Aber, das muß ich dringlich hinzufügen, ein ganz, ganz kleiner, ein übender Anfänger, der die großen Harlekine nur bitten kann, demütig, seinen guten Willen als Abschlagszahlung auf seine vielen Stümpereien zu nehmen.

... einsamer Illuminat, der ich bin oder sein möchte.

Gäbe es eine Verschwörung der Aufklärer und Revolutionäre, ich wäre dabei.

1984-05-22:

... Man spielt ein Spielchen mit, übertreibt es "scherzhafter" Weise, sieht wie ein Narr aus und hinterläßt Fragen bei den Sensibleren.

Der Harlekin gibt keine Auskünfte oder Antworten...

Also Harlekin entweder ein tiefenpsychologisch Fremdgesteuerter oder ein halbwissend steuern Wollender, ein Provokateur...

1984-06-01:

... Ihre Methode ist genau die, die "jesuitisch" genannt wird.

Und Sie wissen: Dominikaner und Jesuiten haben die Wahrheit so verdreht, derart teuflisch, daß man nach ihren "Beweisen" Menschen foltern und ermorden konnte...

Ich wäre z.B. nie auf den Gedanken gekommen, Ihre Arbeit, aus der diese gelungenen Werkstücke namens KUCKUCK kommen, auf dreckige Motive zu reduzieren...

1984-08-07:

Soeben höre ich in den Nachrichten, die SED habe sich als unabhängige Partei bezeichnet und von der Führungsrolle der KPdSU sei in dem Artikel im ND nicht mehr die Rede.

Dies ist die verdiente Quittung für die total bürokratisierte sowjetisehe Partei und die Konsequenz des großrussisch-chauvinistischen Stalinismus: was Moskau recht ist, muß Peking, Belgrad, Tirana, Bukarest und jetzt auch Berlin-Ost billig sein.

Die stalinistische Krankheit wird immer weiter fortschreiten.

Warum ich das Ihnen schreibe?

Nun, langsam wird man im Westen Europas merken, daß ich die rettende Idee, rettend vor einer gesamtdeutschen Konföderation zweier Polizeistaaten, in die Welt gesetzt habe.

Warum ich das Ihnen schreibe?

Weil ich Ihnen, ohne ein Wort meiner Kritik zurückzunehmen, den Charakter des KUCKUCK als freies Forum betonend (das ist längst und mehrfach geschehen), danken muß für den Abdruck meiner Texte!

1984-08-24:

Lieber Horst Lummert,

zur Abrundung:

In der 2. Augusthälfte 1968 schrieb ich mein nach m.E. einziges "Gedicht":

1968
Viele Jahre
hab ich Heimweh gehabt nach Dir,
gutes Amerika:
Nach Nantucket Island
im nächtlichen Meer,
nach dem Gewimmel New Yorks,
nach dem Nordwind von Kansas,
der bis auf die Knochen schnitt,
nach dem Anblick der
weißen Socken
der College girls,
nach Deinen grünen Erbsenfeldern,
State of Washington.
Viele Jahre
hab ich Heimweh gehabt
nach Dir,
gutes Amerika.
Ich hab Dich geliebt,
weites Amerika.
Auch zwischen Laredo und Little Rock,
Du Schinder der schwarzen Haut,
hab ich Tramper Dich
wütend geliebt,
weites Amerika.
Dich Getto-Amerika,
Gangster-Amerika,
Ramsch-Amerika,
hab ich dennoch geliebt.
Viele Jahre
hab ich Heimweh gehabt,
hab Dich geliebt und
wütend geliebt,
großes Amerika.
Dir hab ich gedankt,
freies Amerika,
im Hunger des Frühlings 45,
auf den Trümmern des Reichs.
Dir gedankt
im GlennMiller-Sommer darauf:
Declaration of Independence
Menschenrecht
Pursuit of happiness
Freiheitskriege
Verfassung!
Bis heute,
freies Amerika,
sei bedankt!
Du hast mich belehrt,
vornehmer Jefferson,
und Du,
menschlicher Lincoln,
und Du,
kluger Franklin D. R.
Dir hab ich verdankt,
liebes Amerika,
die Hoffnung erst,
die Aufrichtigkeit und
den Willen zu kämpfen.
Bis heute,
großes Amerika,
sei bedankt!
Du hast uns verraten,
berechnendes Amerika,
in Vietnam,
im Auftrag der Geldsäcke.
Hast den Braunen geholfen
aus Herrschsucht.
Uns hast Du verraten.
Doch
wer weiß warum
Du Dich verraten hast,
Amerika?
Heut red ich von Dir,
Amerika,
als ob
ich Dich
nie
gekannt hätte,
nie geliebt,
nie Heimweh gehabt hätte
nach Dir, Amerika,
nicht immer in Deiner
Schuld
stünde.
Mit kühler Stimme,
mit hassenden Worten red
ich von Dir.
Doch manchmal nachts
trifft mich ein Name,
rührt mich ein Song,
seh ich ein Bild:
von Kansas oder dem
State of Washington.
Dann
denke ich wieder an Dich,
hab Heimweh nach Dir,
liebe Dich, danke Dir immer noch,
gutes Amerika.
Du hast uns verraten,
kleines Amerika.
Dich hast Du verraten,
Dich selbst.
Schade um uns,
schade um Dich,
großes und gutes
Amerika.
Amerika!

online-Fassung

kuckuck 47
I/85
18. Feb. 1985

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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