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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1982-03-23
bis
1984-08-24

Erich Knapp in Briefen an Horst Lummert

"Unautorisiert"*

* kkk - Die Briefe - in Auszügen abgedruckt - wurden unterschiedlich bewertet. Erich Knapp verstand sie als eher privat und vertraulich. Horst Lummert hat Briefe an den kuckuck als potentiell öffentlich - als per se für die Öffentlichkeit bestimmt - angesehen.
Das war eine Besonderheit des kuckuck von Anfang an, ein Gründungsprinzip dieser offenen proletarischen Alternative zur bürgerlichen und kleinbürgerlichen Verschlossenheit.
Der Verlauf der Korrespondenz zeigt, daß eine anders auszulegende redaktionelle Zusicherung nicht gegeben wurde und daß darüber letztlich Einvernehmen bestand.
Lummerts Fragen an Knapp waren ganz offensichtlich journalistisch-investigativer Natur.
Wer an den kuckuck schrieb, wußte, an wen er schrieb. Privatbriefe an den kuckuck gab es nicht.
Hinzu kam, daß der Briefautor den Empfänger wiederholt der Lüge zieh, was nur mit der Veröffentlichung der Briefe ausgeräumt werden konnte.
Der Abdruck in kuckuck 47 diente einer notwendigen Aufklärung. Die dokumentarische Wiedergabe seiner kkk-Beiträge im Internet
- siehe kkk-review:
setzt sich mit aktuellen Arbeiten Knapps fort:
NewCatch Strategien:

Die Brief-Auszüge in sieben Teilen

Erich Knapp an Horst Lummert/kuckuck

Teil 06

1983-11-28:

Grad ist ein Brief weg, schreibe ich den nächsten...

... Ich kenne keinen Zieschank persönlich, keine Wohnorte und dergleichen.

Daß der Name jetzt in Argentinien genannt wurde, erfuhr ich neulich zufällig in einem Gespräch, mehr nicht.

Natürlich im Zusammenhang mit den Verschwundenen.

Von einem haben Sie mich jetzt überzeugt:

Ein Herausgeber muß anders handeln als ein politischer Täter.

Aber ich glaube nicht, daß ich Sie enttäuscht habe; ich glaube, Sie standen mir von vorn herein mit Skepsis gegenüber...

... Also meine Bitte: nicht zu dick, dafür messerscharf gegen mich.

Das erspart mir nutzlose Widerlegungen...

Oder habe ich nicht alles zugegeben, was Sie mir zu Recht, aus Ihrer Perspektive natürlich, vorwarfen?

Letzte Grüße aus Davos, aber ohne Tb...

1983-11-30:

... Ob meine "Prämissen... (Krieg)" stimmen oder nicht, ist differente Auffassung zwischen Ihnen und mir.

Ich kann nur beteuern, daß ich die Realität dieser Prämissen ehrlich annehme.

Bis heute...

... Westeuropa muß von den USA unabhängig werden.

Die westdeutsche Bourgeoisie muß europäisiert werden oder das Gebiet der BRD auf die Nachbarn aufgeteilt und zivilisiert werden...

1983-12-05:

... "Alles nur fauler Zauber..., das mit dem ganzen Regionalismus."

Da haben Sie doch Recht!

Zwar Föderalismus ist gut und richtig.

Aber der real existierende Regionalismus ist entweder ein Ethnozentrismus oder ein Mittel zum Zweck, des Aufbrechens des absolutistischen Territorialstaates (nicht, wie fälschlich dieser bezeichnet wird, des Nationalstaates, der, wo demokratisch, besser hieße Nationsstaat, auf französisch Etat-nation).

Mir geht es 1) um die föderative Vereinigung Westeuropas, möglichst mit Teilen Afrikas, später, nach Transformation des Staatssozialismus im Osten, Gesamteurafrikas oder, um so besser, Asiopafrikas.

Es geht mir 2) um die Auflösung der BRD.

In 3 Föderationen.

Inhaltlich ist das was ganz andres als der real existierende Regionalismus, etwas diesem Feindliches.

Sie sind wirklich kein politischer Stratege.

Sie nehmen alle Worte und alle taktischen Züge für gleichwertige...

... Naja, das ist wieder mal ein Lummertscherz, das mit ich hätte gar kein Rheinbund-Konzept.

Sicherlich: es muß auch inhaltlich wachsen.

Aber ich habe daran nun seit gut 6 Jahren gearbeitet.

Das ist die Frucht meines politischen Lebens...

Autoren spielen mit Worten und treffen spielend oft ins Netz.

Aber nicht immer.

Frankeuropa gegen Bismarck- und Habsburger Reich, ja.

Aber nicht "Frankenreich", obwohl Charlemagne keine schlechte Erinnerung ist.

Westlich von Heppenheim steht noch die schöne Kaiserhalle, karolingische Renaissance, des Klosters Lorsch.

Ich wollte sie mal zum Signum des Rheinbundes bezw. meines Verlages machen.

Aber da fand ich, daß ausgerechnet Karls Sohn, Ludwig der - na was? - Deutsche!, dort begraben liegt - und ließ das sein...

... Nun gut, sollte ich abkratzen: mein Leben war richtig, ich gegen die Deutschen.

"Knapp ./. BRD" - lautete die Gerichtsakte...

Und mein letztes politisches Wort:

Schafft den Rheinbund (die Fahne habe ich auch schon gemacht)!

1983-12-09:

... Nie hat es mir hinterher leid getan, daß ich gezogen habe, in welche Richtung auch immer.

Den Kurs verstärken oder gegensteuern, das kommt immer darauf an, wo ich gerade ansetzen konnte.

Das Boot kreuzt, mal dahin, mal dorthin, mal die Segel oben, mal unten.

Auf das Ziel kam es mir an, mehr als 30 Jahre lang.

Zuletzt habe ich, seit 1975 etwa, die SPD stürzen helfen.

Die, mit denen ich das zuweg gebracht habe, sind für die nächste Phase - nicht der Sturz der CDUCSUFDP bezw. ihre Ablösung durch die SPD schlechthin, sondern die Beseitigung des Nazistaates BRD - nicht gebrauchbar.

Weg mit ihnen, ab ins Clo, Spülung!

Und nicht vergessen: den Hintern abputzen und die Hände waschen!

So geht das.

Mein Ziel?

Das habe ich mal meinem Klassenkameraden R.Z. in Hamburg gesagt.

Wir guckten auf die Außenalster, über das Gitter gestützt, rechts der Jungfernstieg, abends.

Drei Faktoren wollte ich im Lauf meines Lebens auslöschen: die deutsche Bourgeoisie, den deutschen Staat (damals noch verstanden als den 45 untergegangenen und nur noch restweise wegzusäubernden, was mir eine Leichtigkeit zu sein schien) und das Christentum.

Das war im Frühjahrssemester 54, bevor ich nach Lawrence/Kansas ging, wo The day after spielt.

An diesem Leichtsinn läßt sich ablesen, was alles Irrtum bei mir gewesen ist.

Aber prinzipiell bin ich der gleichen Ansicht wie damals.

Nur: ich schaff's nicht mehr...

Meine Oma wurde in Frankfurt ausgebombt, hat alles verloren.

Sie trug noch Sachen aus dem brennenden Haus, packte sie in ein Wägelchen.

Als sie wieder mal unten war, hatte jemand das Wägelchen gestohlen, samt Inhalt.

Sie kam bei uns an.

Zum ersten Mal, seit meine Mutter sie kannte, hatte sie nicht mehr die ununterbrochenen nervösen Ticks an sich, war ganz ruhig und gelassen.

Traurig.

Aber es war notwendig.

Denn:

Deutschland verrecke!

Mein Großvater mütterlicherseits war ein Berliner Jude, abgebrochener Jurastudent, Handlungsreisender danach, er soll ein hübscher Mann gewesen sein.

Er wollte meine Oma heiraten, aber die Eltern wollten nicht.

Das waren Emporkömmlinge aus Bauernhäusern im Taunus, verwandt mit dem Adam (von) Opel.

Fürstendiener zuerst, hatten von denen - Isenburg? - ausgesteuertes Möbel, Empire, Bouleschränke usw. übernommen, in Ffm. hatten sie den Brüsseler Hof.

Die waren Bürger geworden.

Heirat mit einem Handlungsreisenden, nee.

Daß er Jude war, spielte für Frankfurter keine Rolle.

Also kam meine Oma kurz vor der Niederkunft nach Heppenheim, gebar ihre Tochter, die Hebamme meldete sie im Rathaus an, Oma gleich zurück nach Ffm..

Meine Mutter, ein Auge blind, ein Loch im Herzen, wuchs im erzkatholischen Hepprum auf, in einer evangelischen Familie, immer am Rand.

Natürlich wußte das Kaff, wer der Vater war, und hier war das, der Vater und die illegitime Geburt, eine Schande.

Ganz abgesehen von der Drohung:

Du kannst ja zu Deiner Mutter gehen.

Der Großvater kam ab und zu aus Ffm. zu Besuch, auch die Mutter, der Großvater führte meine Mutter aus zum Essen in den "Halben Mond".

Verstoßen von denen dort, von "besseren Leuten".

1983-12-15:

... Zum Biografischen:

Heppenheim/Bergstraße/Odenwald/Rheingraben, das sind landschaftlich und städtebaulich (letzteres etwas verwischt durch die neueste Zersiedlung) schöne Orte und historisch reiche.

Die Bevölkerung, ob katholisch oder evangelisch, ist geistig inert.

Die politisch-kulturelle Identität der Kurpfalz ging ja im Dreißigjährigen Krieg und in der Gegenreformation verloren.

Gern bin ich nicht hierher zurückgekommen.

Es war der Tod meiner Mutter bezw. ökonomische Notwendigkeit, die mich zurückzwangen.

Wir wollten eigentlich 1982 nach dem Elsaß auswandern, dort eine Fremdenpension aufmachen.

Das Elsaß ist landschaftlich-städtebaulich so, wie meine Heimat es bis in die 50er Jahre noch war, sozusagen geografisches Spiegelbild (die Berge im Westen, das Rheintal im Osten), aber, wenngleich z.T. unsere mittelrheinischen Dialekte sprechend, so doch politisch französisch diskutierend.

Den Bruch von 1813/15 bezw. 1866 gibt es dort nicht.

Im Gegenteil: von den Stadtfreiheiten der Dekapolis ging es zur bürgerlichen Freiheit.

Bucer war der einzige nicht antisemitische Reformator im deutschen Sprachraum.

Der Rheinbund ist eine Bedingung für das "raus" - die europäische und von hier aus intendierte Weltföderation.

Ich glaube, daß Sie da richtig tippen: mein unvermeidlicher Rückweg nach Heppenheim, in die Enge (Angst, Asthma) mag die Infarkte verursacht haben, wenn wir absehen von meinem Übergewicht und der psychosomatischen, gewordenen Konstitution.

Aber der KUCKUCK-Lektüre verdanke ich sie nicht.

Auch wenn es Sie jetzt enttäuscht: der KUCKUCK ruft Frühling; er ist ein, mein Befreiungsmittel...

Ja, was erhebt sich der Sohn immerfort gegen die Mutter?

Weil er zwar als Mensch voll solidarisch mit ihr war/ist, aber als "Kopf" proletarisch gesinnt wie der Vater.

Alle Grundsatzentscheidungen habe ich gegen den (starken) Willen meiner Mutter durchgesetzt.

1983-12-23:

Es wundert mich, daß das AA geantwortet hat, aber ai nicht.

Gerade umgekehrt hätte ich das erwartet.

Natürlich ist ai die jahrelange Untätigkeit jetzt peinlich... (Vgl. kuckuck 42e-h; die Sache Zieschank betreffend, und kkk-review, Argentinien - kkk).

... ausgelöst durch die ständigen starken widerstreitenden Gefühle Zorn-Wut-Aggression-Haß (die sich nicht austoben können) und tiefe Resignation-Todeswünsche.

Das muß doch zu unregelmäßigen Stromsignalen ans Herz führen.

Ist doch logisch.

Also das nicht zum Zug gekommene zoon politicon E.K. treibt mich zum Suizid.

Bleibt mir nichts mehr übrig, da ich anders mit ihm nicht fertig werde, als den "Politiker" aus dem Boot zu schmeißen.

Politik adé...

1984-01-14:

Bastian: ein Drecksack als Mensch, Leuteschinder als Offizier.

Nazi, Bayernchrist.

Beansprucht natürlich immer Menschlichkeit für sich, klagt sie ein.

Für andere gibts keine.

Vater-Tochter-Verhältnis zu der früh verwaisten Petra (der Vater ging durch).

Petra benutzt ältere Männer (Humphrey, Mansholt, diesen irischen Gewerkschafter, Bastian) zum Karrieremachen.

Nun tritt das Schwein aus, hoffentlich folgen noch einige mehr.

Damit die Fraktion untergeht mit ihrer Mischung aus Unpolitik, Theater und Geheule.

Die waren schon so korrupt, daß sie den korrupten Parlamentarismus nur noch korrupter gemacht haben....

... Erst mal Petra, die andere für ihre Altersversorgung nach dem Weltuntergang zahlen läßt...

Das war schon immer so, die Schlampe P.K.K. greift einfach in den Geldtopf.

Für was hat man denn den Staat, die Partei, die anderen?

Sie zahlt möglichst keine Steuern, keine "Rüstungssteuern" natürlich...

Sie bekam ihr Geld, Männer sind ja großzügig.

Es geht mir um den Nachweis der Kontinuität unreif-nassauernden Verhaltens der Kelly.

Das gehört auch zur Zeitgeschichte der BRD.

Dennoch gehörte sie zu meiner Links-Fraktion gegen Gruhl und Konsorten.

Bis, nach Gruhls Austritt, ich die abstoßen konnte.

So ist halt Politik.

Meine Demaskierung der Kelly habe ich nicht mehr.

... Wie der KUCKUCK das verarbeiten kann, weiß ich nicht.

Aber zumindest können Sie mich künftig so kritisieren, daß Sie mich treffen, mich treffen und mich politisch treffen.

Das bringt uns alle voran...

Noch mal zu Kelly.

Diese Argumentation ist eine grüne, nicht ihre persönliche:

Ich beteilige mich an der Aktion des SED-Westapparats, dafür beteilige ich mich auch an der Aktion der BRD-Abteilung des britischen Geheimdienstes, also an Krefelder Appell und Russell-Peace-Foundation.

... Der KUCKUCK hat schon viele Wahrheiten ausgesprochen, die von 300 Abonnenten gelesen wurden, von 30 begriffen, von 3 beherzigt.

Der KUCKUCK durfte die HJ-Führer-Verschwörung zwischen den Nationalneutralisten in der BRD und FDJ-Führern darstellen.

Aber mit Zieschank hat er die erste konkrete Wahrheit gesagt.

1984-01-18:

... Übrigens hat die "nonkonformistische" Linke, hat Russell-Tribunal gegen Berufsverbote, der gesamte Klüngel, von mir als "Fall Kairo" großen Abstand gehalten.

Heute meine ich, die Erklärung dafür läge in der Gleichgerichtetheit jener Geheimdienste, die in Portugal und Kairo tätig waren, und die diese Nach-68er-"Linke" zusammengebastelt haben.

Daß ich gegen die war, wußten die längst bevor ich's wußte.

Aber der KUCKUCK kommt diesem Sonnengeflecht immer näher.

Merken Sie das, H.L.?

Ich will nie den Vorwurf hören, ich hätte manipuliert.

Trotzkis Militarisierung der Arbeit, gegen die Arbeiteropposition.

Auch ich beklage diese Riesendummheit Trotzkis...

1984-01-21:

Eine Nachbarin ist gestern an Hirntumor gestorben.

Sie hatte ein schweres halbes Jahr durchzumachen, bis sie sich aus der Welt rausgewurstelt hat.

Aber jetzt hat sie's geschafft!

Ich, wie Sie, prügle mich weiter rum, gegen Mißverständnisse am Laufband, gern verstanden werdend.

Aber das Werden ist ja ewig, höre ich...

Es wäre schön, gäbe es einen gerechten und allwissenden Gott.

Der könnte dann in Kenntnis aller Gründe, warum einer so oder so etwas getan hat oder nichts, abwägen.

Ich, ewig geschlagen, seit ich ein ganz kleines Kind war, nehme mir das Recht zurückzuprügeln.

"Mei Leit" (meine Leute) sind die Proleten dieses Landes, diese immer feiger werdende Menge, immer beamtenhafter ihre Dutzendvisagen, immer angepaßter, immer geblähter, in der Aufmachung.

Die gehören geschlagen und angespieen, bis sie in sich kehren!

Damit sie sich retten können!...

... Für Nazis und Antisemiten tue ich nichts, statt Selbstbestimmung wünsche ich denen das Henkerbeil.

Was Adam Michnik verdrängt: nicht nur die KP Polens, sondern das ganze polnische Volk ist heute noch antisemitisch...

Auch das wissen Sie: meist beklage ich die drohende Ausrottung der "Menschen unseres Landes" durch den drohenden Krieg.

Deren Mehrzahl spricht deutsch.

Ich sagte wiederholt, daß ich dieses Sodom gern vermieden sehen möchte um der "Gerechten" (Kinder usw.) willen; schrieb dies auch z.B. in NP.

Sie können doch nicht die vielen Äußerungen von Reagan, Weinberger und anderen über einen begrenzten Krieg in Mitteleuropa ignorieren!

Sie werten sich doch selber ab, wenn Sie Längstbekanntes abstreiten.

Daß die Nazis von Weltverschwörungen gegen die Deutschen geschwafelt haben, war die Projektion eigener Verschwörungs- und Völkermord-Absichten auf andere.

Bei den Nazis war das keine irreale Vorstellung; der Mordversuch ist, zunächst verdrängt und auf andere projiziert, aus ihnen ausgetreten, Realität geworden.

Also gibt es sowohl Verschwörungen wie Massenmorde.

Solche realen Albträume sind aber nicht auf deutsche Nazis beschränkt.

Ich meine schon, daß Sie mich da ständig mißverstehen wollen.

Ihre Gründe dafür kann ich nicht erhellen...

... Viele meiner Freunde schreiben mir, ganz unabhängig voneinander, daß sie aus dem KUCKUCK "nicht ganz schlau" werden...

... Nur die Überschrift bitte so:

"Erich Knapp:
in Deutschen Mythen, Helle suchend".
(Vgl. kuckuck 43/44/45, S. 80 - kkk)

Der Name drüber, weil ich über Themen schreibe.

Doch bitte keinen deutlichen Abstand zwischen Namen und Überschrift und den Anfang der Überschrift mit kleinem "i".

Ich möchte damit darstellen, daß ich nicht nur über deutsche (großes D, bitte) Mythen schreibe, sondern selber in ihnen war und bin, wenn auch nicht ohne Bewußtsein, daß es Helligkeit gibt.

Irgendwo.

Daß, dies keine Druckfehler sind, können Sie meinetwegen anmerken...

Selbst wenn man mir Spionageverdacht vorgeworfen hätte, was nicht der Fall war, hätte man mich nicht arbeitslos machen dürfen.

Juristisch.

... Wie gesagt, meine Freunde kommen beim KUCKUCK nicht ganz mit.

Z.B.: "... schon wieder ein KUCKUCK - der Name ist nur zu berechtigt! Man ist so irritiert, daß man mit Lesen nicht aufhört, aber hernach kann man doch nur kuckuck sagen."

Aber das drucken Sie bitte nicht ab!

Der Schreiber hat nicht ganz recht.

Der KUCKUCK ist ein Querkopf - und -schläger.

Aber er könnte dieses Quersein deutlicher machen.

Immerhin, er erzeugt einen Lese-Sog.

Danach wird er nicht befriedigt weggelegt, sondern es bleiben Unbehagen, Ärger.

Das heißt, er liegt im Kopf quer.

Ein anderer Freund, dem ersten nicht bekannt und ganz weit weg von ihm wohnend, auch konfessionell, landsmannschaftlich so weit auseinander wie Westfalen u. Brandenburg:

"... als ich schrieb, ich sei aus dem KUCKUCK nicht schlau geworden. Nein, das waren Beiträge anderer in dem ersten Heft (41) und dann vor allem die Tatsache, daß ich in dem 2. wieder Sachen von Dir fand, aber gleichzeitig auch eine scharfe Polemik gegen Dich mit z.T. auch, wie ich fand, diskriminierenden Formulierungen."...

Ich muß doch noch was dazu sagen, und wenn's Ihnen noch so auf den Wecker geht:

Die Nazis hatten mit ihrem "internationalen Komplott" partiell recht.

Zwar, sie selber waren ein Komplott mit völkermörderischer Absicht.

Aber nun beginnt für mich eine Darlegung, die Sie entsetzen wird:

Die Nazis wurden so "böse", sagen wir 1918, weil sie erkannten, daß das Deutsche Reich "London" ins Netz gegangen war.

Da kopierten sie die Westmächte.

An die Hochachtung vor dem "Secret Service", uns von den Schullehrern nebenbei vermittelt, erinnere ich mich.

Auch war ja die "Rassen"gesetzgebung ein bösartiger Abzug altjüdischer Ehevorschriften.

Überhaupt die geheime Hochachtung der Nazis vor den Juden!

Nun meinen Sie, mich ertappt zu haben:

Knapp ein Reinwäscher der Nazis!

Aber sparen Sie sich die Empörung für das, was jetzt kommt:

Zwar wollte das Deutsche Reich vor 1914 zur Weltmacht greifen.

Aber das hatte England ja gemerkt.

Also machte es die Einkreisungspolitik.

Deutschland, als es zum Ziehen kam, mußte ziehen.

Und es ging ins Netz, verlor.

King Edwards Plan war gelungen.

Er war ein Freimaurer.

Die Freimaurer sind judenfreundlich.

Also hatten 2 kapitalistische Großmächte gegeneinander gekämpft.

Da könnte der Sozialist ja neutral sein.

Der Sozialist E.K. ist aber nicht neutral, sondern sagt, England habe richtig gehandelt.

Weil Deutschland nämlich schon lange vor 1914, sozusagen 1805 ideologisch und 1871 staatlich, nazistisch war, avant le nom.

Die beiden kapitalistischen Staaten waren also nicht schlankweg gleichartig.

Was mit der NSDAP ans Licht kam, war das Wesen des Deutschen Reiches.

Und dieses wurde von Edward eingekreist.

Vielleicht verstehen Sie, warum ich gegen Rudolf Steiners und der heutigen Anthroposophen Mitteleuropa-Pläne bin?

Die Nazis waren die konsequentesten, sozusagen ehrlichsten Staatsdeutschen, Machtdeutschen.

Die verschwiemelten vor 33 und nach 45 sind gefährlicher, weil schlecht zu packen, und damit die längerwährenden.

Aber die Nazis waren sich dessen nicht bewußt, sie hielten einen Rathenau, Stresemann, Erzberger für schlechte Deutsche.

Subjektiv (weil ohne Bewußtsein) sahen sie Deutschland 1914 eingekreist, hielten es 1918 für verraten, einem teuflischen Weltplan ausgeliefert.

Was hat denn mein verehrter Freund Clemenceau gemeint mit den "20 Millionen Deutschen zuviel"?

Nicht den Mord an 20 Millionen Menschen, sondern ihre kulturpolitische Umprägung, in meinen Worten: rheinbündisch-sozialistische Emanzipation.

Ich muß ja mal Schluß machen.

Deshalb: diese Staatsnazis und die der USA, die Ku-Klux-Klaner, christlichen Fundamentalisten, Babbitts McCarthys usw. - die bekämpfe ich.

Zweimal waren die USA auf der richtigen Seite und mit Recht in Weltkriege eingetreten.

Aber etwa ab "Chile" oder "Vietnam" liegt die historische Scheidung.

1984-01-29:

Ihre Sachen kommen hier inmer gut an, ein Lob dem Heppenheimer Verfassungsschützer im Postamt.

Die in Ffm. haben 2 Bücher gestohlen.

Eure in WBerlin scheinen nicht zu stehlen, aber sie öffnen halt die Briefe clumsily.

Ihr Verdacht, ich informiere Sie "systematisch" peu à peu, ist lustig.

Denn wenn einer hier steuert, dann mein Unterbewußtsein, meine Faulheit und Nachlässigkeit klug ausnutzend, mich.

Und dann sieht das in Ihren Augen ganz abgefeimt aus...

... da macht diese ganze demokratisch-rechtsstaatliche Republik einen Mordswirbel um einen General.

Wenn so einem Unrecht geschieht, gibts auf einmal freie Presse und Rechtsstaat.

Was aber ist mit an die Hundert kleiner Leute, darunter der tote Peter Lazarek und der lebende E.K.?...

Es waren die Christen, die 1.600 Jahre lang Juden systematiseh ermordeten.

Die Nazis waren Christen.

Der rabiateste Antisemitismus ist orthodox-katholisch und römisch-katholisch.

Nie hat der Vatikan einen Nazi exkommuniziert.

Was Preußen zu diesem Entsetzlichen - entscheidend! - dazugetan hat, war die gewissenlose Perfektion des modernen Apparates.

Das ist schon genug des Schlimmen!

Ein Staat ohne Sinn, das war Preußen.

Und Österreich ein Staat mit schlimmem Sinn.

Das waren die beiden deutschen staatlichen Errungenschaften, wenn man vom eigentlichen Mittelalter absieht.

Die Nazis sind Christkatholen mit nordischem Vokabular, die Faschisten in Polen, Rumänien (lesen: Hilsenrath, Nacht), Ungarn, Kroatien waren Christnazis ohne nordische Ideologie.

... Es ist gut möglich, daß das ein rechtes Komplott war, in das ich hineinrutschte...

Es ist natürlich wahr: die Stellungnahme zum Münchner Attentat ist im Vergleich zu den Reaktionen in Italien und Frankreich ein "kleiner Fuchs"...

Angenommen, schreiben Sie, dies und dies und dies geschehe - dann würde ich das Rheinbundkonzept fallen lassen.

In der Tat kommt es mir nicht auf den Namen an, wenn es nur dann Dt.BuRep hieße und diese in eine westeuropäische Föderation eingebunden wäre.

Die BRD ist mir zu mächtig, deshalb will ich sie dreiteilen.

Und dann ist sie strukturell das, was sie ist; sie kann sich nicht grundsätzlich ändern.

Täte sie es, wäre das der Anfang für etwas anderes.

Auch ich war damals für die NATO.

Bis heute bin ich ein Westler.

Nur die USA stören mich heute, da ich ihre heutige Rolle kenne und ihre frühere (die Klösterlinie für Naziverbrecher) kennen lernte.

Für die Westeuropabindung Westdeutschlands bin ich, war ich, bleibe ich.

Russell Peace und Sozialistische Internationale, da gibt es m.E. keine direkte Verknüpfung.

Aber beide hängen sie von einer dritten Größe ab, sind deren Funktionen für verschiedene Zwecke, auf verschiedenen Tätigkeitsfeldern.

... Ich meine, daß es innerhalb der SI einen englischen und einen US-Flügel gibt.

Brandt und Palme englisch, Craxi, Gonzales, Soares, Schmidt amerikanisch.

Papandreou eher englisch.

Von Schweden weiß ich nichts, außer dem, was ein früherer Zeitungsleser so "weiß".

Interessierte mich nie...

Libyen: Ghaddafi ist kein Hitler, aber ein Unruhestifter dort, wo Unruhe gut ist, und dort, wo sie schadet.

Daß er auf den Philippinen oder in der Westsahara einheizt, finde ich gut.

Daß er sozialgesetzgebend, frauenbefreiend, schulisch, sanitär in Libyen den Islam modernisiert, begrüße ich.

Ich sollte halt mal hinfahren und mir eine eigne Meinung bilden.

"Wer die Ärmsten antastet, handelt wider den heiligen Geist."

Das ist ewig wahr.

Aber machen Sie mal Politik!

Machen!

Wenn die Ärmsten noch gar nicht gelernt haben, sich selbst zu regieren, weil ihre Herren sie nichts haben lernen lassen außer Blödsinn und Selbstverstümmelungen; wenn der Aufstand der Ärmsten deswegen zusammenbrechen muß (auch weil er nicht gleichzeitig weltweit stattfindet, was ja überlegenes Wissen voraussetzt), dann hilft auch die beste Absicht nichts.

Dann muß ein caretaker-Regime dazwischentreten, bevor die Reaktion alles liquidiert.

Und das bringt die Gefahr der Stalins mit sich.

Der Sowjetkommunismus ist eine taube Nuß, insofern konservativ, deshalb braucht er Mauern.

Aber einen "Fortschritt" vom Kapitalismus her will ich noch weniger.

Deshalb bin ich für die konservierende Mauer.

Weiß dabei, daß hinter ihr der Fäulnisprozeß auch ohne westliche Zutaten vor sich geht.

1984-01-30:

... Wenn ich gerade beim Lokaltratsch bin.

Mein Zahnarzt, alter Schulkamerad, erzählte mir am Freitag, der Hitler-Architekt (??), der vor kurzem starb und so viele Bücher schrieb, saß auch in Spandau ein - Speer! -, der stammt ja aus Heidelberg.

Und der hätte nach 45 so den anständig-gläubigen Nazi gespielt.

Nun war in Heppenheim eine KZ-Filiale, "die Paprika" (weil die Paprika aus Ungarn in der hiesigen warmen Klimazone der Bergstraße akklimatisierten u.a.), ein Arbeitslager mit Hungerrationen, viele Russen verreckten dort.

Also der Vater meines Zahnarztes wurde zum Transport landwirtschaftlicher Produkte aus diesem KZ dienstverpflichtet.

Und so bekam die Familie Speer in Heidelberg stets frisches Gemüse.

"Und da will der uns weismachen, er hätte nichts gewußt!"

1984-02-22:

Sie werden sehen: in den Bonner Amtsstuben wird man im KUCKUCK blättern.

Und da Sie in jedem Heft die Themen mischen, wird es immer ein Vergleichen und Suchen geben, wobei andere Informationen in die Hirne eindringen.

Man kann nicht aufhören zu lesen, wie mir ein Leser schrieb.

Und schlau werden muß man schon selber.

KUCKUCK!

online-Fassung

kuckuck 47
I/85
18. Feb. 1985

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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