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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1982-03-23
bis
1984-08-24
* kkk - Die Briefe - in Auszügen abgedruckt - wurden unterschiedlich bewertet. Erich Knapp verstand sie als eher privat und vertraulich. Horst Lummert hat Briefe an den kuckuck als potentiell öffentlich - als per se für die Öffentlichkeit bestimmt - angesehen.
Das war eine Besonderheit des kuckuck von Anfang an, ein Gründungsprinzip dieser offenen proletarischen Alternative zur bürgerlichen und kleinbürgerlichen Verschlossenheit.
Der Verlauf der Korrespondenz zeigt, daß eine anders auszulegende redaktionelle Zusicherung nicht gegeben wurde und daß darüber letztlich Einvernehmen bestand.
Lummerts Fragen an Knapp waren ganz offensichtlich journalistisch-investigativer Natur.
Wer an den kuckuck schrieb, wußte, an wen er schrieb. Privatbriefe an den kuckuck gab es nicht.
Hinzu kam, daß der Briefautor den Empfänger wiederholt der Lüge zieh, was nur mit der Veröffentlichung der Briefe ausgeräumt werden konnte.
Der Abdruck in kuckuck 47 diente einer notwendigen Aufklärung. Die dokumentarische Wiedergabe seiner kkk-Beiträge im Internet
- siehe kkk-review:
setzt sich mit aktuellen Arbeiten Knapps fort:
NewCatch Strategien:
1983-08-18:
Sie sollten alles, was Sie zu sagen haben - die Art des deutschen Neonazismus, was Sie unter Monotheismus verstehen, "die kollektivseelische Entmannungspolitik des vergangenen Jahrzehnts" usw. - m.E. ganz scharf in eigenen Artikeln darstellen.
Also nicht nur in Polemiken gegen andere Artikel, Bücher usw., in denen dann fast nebenbei sich ergibt, was Sie als das Richtige ansehen.
Direkter.
Das hilft auch schwerfälligeren Menschen wie mir, besser und schneller zu begreifen.
Die deutsche Linke ist tot, schrieben Sie 1980/81.
Zweifellos.
Ich sah die "Kapital"- und "Grundrisse"-Gruppen 1975/76 auseinandersprengen durch das feministische Problem.
Plötzlich wollten die Männer Homosexuelle werden.
Das war wirklich so.
Dann nur noch Stereomusik, Filmen und Vertonen der Filme, Bergwandern, kein politisches Wort mehr.
Und Hegel lesen, absatzweise, danach in ein Schlemmerlokal.
Wenn Sie den Feminismus auffassen als dies - das Sprengmittel gegen eine sich selbst aufklärende Linke -, dann stimme ich zu, dann ist er faschistoid.
Das meinen Sie wohl auch mit Entmannungspolitik?
Da die deutsche (und nicht nur diese) Linke tot ist, ergeben sich für deren Reste Orientierungsschwierigkeiten, Abirrungen en masse.
Auch für mich...
Daß Juden oder die Juden heute nicht mehr Deutsche sein wollen, verstehe ich.
Aber niemand, weder Christ noch Jud, kann jene jüdischen Deutschen zwischen, sagen wir: dem Jahr 1000 und 1933 nachträglich zu Nichtdeutschen erklären.
Das waren Deutsche, weil sie das eben waren.
Jüdische Deutsche.
Und die Juden im Rheinland, vor den Germanen dort, waren rhenani, Rheinische.
... Ich saß in ein oder zwei Proseminaren Adornos, verstand nichts, mochte Adorno mit seinem zarten Wesen und seinen runden Augen, machte politische, platte, gutgemeinte Zwischenfragen, die A. geduldig, wahrscheinlich innerlich ungeduldig, beantwortete.
Ich war fehl am Platz.
... Als seine Damen ihm die Brüste zeigten, hob er in panischer Abwehr die Aktentasche hoch.
Ich hätte hingegriffen.
Dieses Handgreifliche bringt nicht zuschüttbar den Graben zwischen den schlechten Schüler K. und die Frankfurter Schule.
Mit Sonnemanns Stil hatte ich viel Mühe, und alles verstanden habe ich nie.
Abschweifung:
Damals zeigten sie ihre Brüste, um Panik zu erzeugen, heute machen sie Panik, wenn man sie sehen will...
Frau Witte.
Nietzsche hat ja alles gesagt zur protestantischen Pastorenfrau.
Bei Frau W. fehlte der Haarknoten im Genick.
Sonst falb, dünnlich, unauffällig, brillig, schüchtern, stotternd auf Empfängen, immer hilfesuchend, rührend schon.
Wie kam sie zu dem einzigen Kind?
Vater Witte kann es nicht mit Samen, nur mit Pipi gezeugt haben.
Kalte Möse.
Dieser Sohn - Gottes Taten sind wunderbar und unerforschlich sein Ratschluß - war dunkelhaarig, empfindsam, intelligent, taktvoll.
Da kein noch so besoffener Kümmeltürke Frau W. vergewaltigt hätte, kann ich mir nur eine Adoption vorstellen.
Falls Brüste vorhanden, dann spitztütenförmig als Doppelfalz dreieckig über den unteren Rippen liegend.
Spitztüten für Bonbons natürlich, nicht fürn Pfund Zucker, und ohne kleine blaue Sternchen aufgedruckt!
Und keine Bonbons drin.
... Strauß greift wieder einmal zur Atomwaffe, die Nordlichter wollen es behutsamer anstellen...
Generell ist die Gefahr einer kleindeutschen Wiedervereinigung näher gerückt.
Strauß, obwohl katholisch, denkt nicht feudalmitteleuropäisch, sondern deutschnational-bismärckisch, wie der oberschlesische Kathole Mende seinerzeit.
Dazu vom Osten, Moskau, die Möglichkeit, daß der Nachfolger Berijas dessen Wiedervereinigungsplan aufnehmen könnte, von der Pershing II bedrängt.
Ich werde mich dagegen stellen.
Ob Wiedervereinigung von Ost oder West - herauskommen kann nur der perfekteste Polizeistaat der Welt...
Ich übrigens spiele nicht mit diesem oder jenem.
Ich suche Waffen.
Dabei muß ich rumfingern, hochheben, beobachten ohne Vorurteil.
Das meiste werfe ich weg.
Ich brauch leider viel Zeit dazu.
Bin langsam, ungebildet, der Kompaß der Abstraktion fehlt mir, weil ich Abstraktionen mißtraue.
Ich habe keine topografische Karte, die Sterne sind von Wolken verdeckt.
Auch auf meine besten Freunde kann ich mich nie ganz verlassen.
Eine billardkugelartige Navigation!
Ich strample, schlucke übles Wasser mit faulen Fischresten, bin müde - aber noch oben, hoffe ich.
1983-08-25:
... Mir ist klar, mit wem ich mich einlasse. Aber Ihnen nicht...
Glauben Sie mir, daß mir die Lebensart Österreichs gefällt, das Kulinarische, der Augenschmaus, die füllig-fraulichen Frauen, der intelligent-hinterfotzige, psychoanalytische, sadomasochistische Wiener Dialekt.
Aber ich hab schon 1953 dorten den völlig ungehemmten, mordgierigen Antisemitismus gehört; das muß man nicht suchen, das liegt offen und stinkt.
Jaja, die "Sehnsucht zurück", schreiben Sie demaskierend.
Wie einfach, die Piefkes zum Sündenbock nazistischer Schuld zu machen!
Lueger, Schönerer, Lanz von Liebenfels usw. waren Österreicher, R. Wagner und H. S. Chamberlain wurden im bajuwarischen Bayern groß.
Und Hitler am Grenzfluß dazwischen.
Ich kann Ihnen nicht Seiten mit Namen füllen, die Sie selber kennen, aber sich weigern, in Ihr Bild als mehr aufzunehmen denn belangloses Detail.
Sie weigern sich, weil Ihr Bild kaputt ginge, dieses.
Natürlich kommt mein Irrationales, Böses, Kräftiges, Kackiges, Niedriges aus meinem katholischen Teil, wobei dieser ein proletarischer war, so daß Entwicklung möglich wurde.
Genau deshalb weiß ich, warum ich vor dem Katholischen warne.
Ihnen gefällt meine entwürdigende Beschreibung der Frau Witte nicht.
Aber daß ich so denken und sprechen kann, das habe ich hier, "unten" gelernt.
Und wenn ich auch dem Protestantismus, abzüglich seiner rassistischen Sinnenfeindlichkeit, die Stange halte als Protagonist der Emanzipation - ich selbst lasse mich nicht verevangelen.
Denn wir überlebten, weil wir schlau, verlogen, ja in einem Fall kriminell waren.
Die gemeine Lache, wenn ich sehe, wie die Prediger der "Gewaltfreiheit" von Militärpolizisten verprügelt werden (Wut nur, wenn es junge Dummköpfe trifft), das ist mein Katholisches.
Das läßt mich wittern, wo hinter edlen Phrasen die Blödheit steckt.
Nein, entschieden waren die südlichen antisemitischen Ideen die früheren, älteren und auch so populär-direkten, daß die Massen von ihnen infiziert wurden.
Was steckt eigentlich hinter Ihrem obstinaten Interesse, sich dieser Wahrheit zu verweigern?
Angst?
Angst, in Mitteleuropa ganz allein zu sein?
Wir sind allein.
Nur kein Selbstbetrug!
Ich meinte das wirklich, meinen früheren "Privatnazismus"...
Mein "Privatnazismus" also: der feige geprügelte Bub wollte auch einmal zur Horde gehören...
Was Sie über den psychischen Untergrund der Auschwitz-Mörder schreiben, darüber habe ich vor Jahrzehnten entsetzt nachgedacht.
Ein Haß verrauscht doch, nachdem man den Gehaßten blutig getrampelt hat.
Gefühle erschöpfen sich, vielleicht nach vielen periodischen Aufwallungen. Stau, Befriedigung usw..
In der Liebe, im Haß, im Verbrechen.
Deshalb habe ich immer gesagt: die Nazis sind keine Menschen, sondern Maschinen, denn böse Menschen bleiben nicht permanent und kalt böse.
Aber wenn Sie meinen, daß dieses Ergebnis psychischer Verklemmung andere als 'katholische' Wurzeln haben müsse, dann kommt mein Widerspruch...
Hitler war nämlich ein Kathole, sonst wäre er nicht so ein einfühlsamer Demagoge und Menschen-Ausspieler gewesen, so erfolgreich, so blutig... .
... Ja, die Ostdeutschen wollen die Wiedervereinigung.
Aber mir grauts vor denen.
Ich will sie massenhaft nicht, nicht als SED-Herren, nicht als Mit"bürger".
Ostelbier, ich liebe Euch - aber bleibt, wo Ihr seid!...
Ach, Petra Kelly, aus einem katholischen Kloster, ich sag ja immer: die Frau liest ja nicht, liest auch nicht Feuchtwanger.
Sonst würde sie tun, was dieser von ihr erwartet: dialektisch die Lebensfreude zeigen.
1983-08-26:
... Man braucht ja ein Netz, an dem man neue Informationen anhängt.
Beispielsweise in H.L. - Der nordische Knoten: ich erfuhr erst vor zwei Monaten, daß Tarot und Tarock nicht dasselbe ist...
Oder: Steiner lehnt den Islam ("Mohammedanismus") strikt ab.
Oder: Siebker muß persönliche Kontakte zu Ludendorffern haben (Soyka).
... wie Paulus einst seinen unverstandnen Meister...": der ist aber der Theorie-Fels, auf dem der Vatikan steht.
"... das Denken gegen sich selbst zu verkehren..." und die Jesuiten - also so römisch-spanisch sind Sie doch nicht.
Waren Sie in der Situationistischen Internationale?
Sie schreiben auf (print) Seite 15 zweimal "wir"...
... Sie zeigen doch immer auf die HJ~Führer.
Jetzt fällt mir ein: hab ich auch mal getan ... 1961... über die HJ-Nazis in der FDP...
Von damals datiert meine nicht eben freundliche Bekanntschaft zu Dr. B. C. Witte, später in Kairo...
... Ob Zischka noch lebt, weiß ich nicht.
Er lebte im Dunstkreis des linken Reichsbanner-Flügels, für den ich Anfang der 70er kommissarischer LaVorsitzender - Landesverbandsvorsitzender - in NRW war, bevor wir diesen LaVerband - Landesverband - aus Protest gegen die Rechten in Hessen (Verbindungen zu Nazis) auflösten...
1983-10-12:
... Ich bin nur ein Anreißer, Aufsprenger.
Zwar glaube ich, daß ich die Ladung an der einzig richtigen Stelle angebracht habe (das ist das Ergebnis aller früheren Irrtümer, die insofern sinnvoll wurden), vielleicht noch die Lunte anzünde, die dann langsam voranbrennt.
Mehr ist für mich nicht drin.
Ehre meinem Andenken!
... Die Sudetendeutschen waren immer katholisch.
Was bei ihnen bedeutet: politisch; was bedeutet: Macht akkumulieren, seine Position günstig darstellen (notfalls lügen), Anpassungswillige nett behandeln.
Die Tschechen, zwangskatholisiert, waren heimtückisch, wie die Heppenheimer Katholen, die von 1620 bis 1805 zwangskatholisiert wurden.
Verfolgte, ob sie sich unterwerfen oder standhalten, müssen hinterfotzig werden...
Mitterrand ist dubios, wie es mir immer klarer wird, ein bloßer schweigender Taktiker.
Im Tschad zwar schmiert er die USA an; er will nicht gegen Libyen kämpfen, sondern das Richtige durchsetzen: Teilung des Tschad in Nord und Süd...
... ich weiß ja auch, wer wo nicht schaden, nur nützen kann, mir nur nützen kann...
... Portugal: gallisch, der Hahn das gemeinsame Symbol, die Ähnlichkeit der Aussprache des Französischen und Portugiesischen.
Beide anti-kastilisch, anti-habsburgisch, anti-preußisch, katholisch ohne imperialistisch (ich beziehe mich auf den Glauben!).
"Bis zum Äquator" (H.L.)?
Und Madagaskar, und Brasilien, Angola, Mozambik?
Aber Vorsicht mit dem kastilischen Spanien!
Andalusien, Katalanien, Galizien (Galiläa), Baskenland usw.: ja.
Aber nicht das Anti-Islamische und Negativ-Islamische der Reconquista, Kastiliens also.
Das endet immer in Inquisition, Folter, Zensur, Ahnenforschung, Armee, Polizei, Wüste...
Letztes Jahr fuhr ich zufällig durch Gurs im Pyrenäenvorland.
Ich erinnerte mich: da war ein Lager.
Im Vorbeifahren sah ich ein Schild.
"Monument" usw., glaubte ich zu lesen.
Da ich nicht um einen Halt bitten wollte, nahm ich mir vor, nächstes Mal dort vorbeizukommen.
Ungewiß, wann.
Es war im September 83.
Ich wurde mitgenommen, sonderte mich ab, fragte.
Ja, am Ortsausgang sei ein Friedhof.
Inzwischen erinnerte ich mich wieder: Arthur Koestler, Pfeil ins Blaue.
Er war dort mit anderen Interbrigadisten interniert.
Am Ortsausgang ein Tor zur rechten, zu.
"Beim Friedhofswärter nachfragen".
Der schloß auf.
Ich ging durch Maisfelder, schöne Bäume an den Straßenseiten.
"Nach den Stümpfen des früheren Wasserturms rechts weiter", hatte der liebe Alte gesagt.
Da stand ich vor Friedhofsmauern.
Links eine Inschrift in Hebräisch und Deutsch:
Die badischen Juden unter Nachmann (dem Vater des heutigen westdeutschen Nachmann) hätten diesen Friedhof wieder angelegt.
Ich rein, und dachte, oder es dachte mich, sofort: hier liegt mein Großvater.
Ich aber dachte: son Quatsch.
Ich ging nach rechts zum Obelisk der Interbrigadisten.
Immer noch dieses neblige Gefühl, eine Gewißheit gegen alle Logik.
Dann runter zum Denkmal mit dem Stern.
Ich las die Inschrift.
Und später erzählte ich, mir sei gewesen, als solle ich nach rechts gucken, und da habe der Stein gestanden.
Als ich jedoch drei Tage später mit meiner Frau wieder dort war, war dieser Stein gar nicht zu sehen, weil durch eine niedrige Hecke verdeckt.
Ich muß also nach rechts getreten sein, bis ich über die Hecke schauen konnte.
Der Stein steht da.
Keiner von uns wußte, daß mein Großvater, ein Berliner, in Baden war, als er deportiert wurde.
1983-10-21:
Der Islam denkt welterobernd, aggressiv.
Er löst zwar Kasten auf, bleibt aber handelskapitalistisch.
Bis auf die Beduinen und Bauern hat diese Händlerreligion alle Schichten korrumpiert.
Haben Sie mal in islamischen Ländern gelebt?
Ich lebte jahrelang im Tschad, in Nigeria, Pakistan, Ägypten und bereiste, nicht als Whisky-Tourist und selten in klimatisierten Hotels absteigend, die Nachbarländer.
Es gibt unter Arabern im besonderen, abgeschwächter im nichtarabischen Islam, eine allgemeine Verlogenheit, ein Leben in der Lüge, das alles übertrifft, was man im klerikalen Katholizismus antrifft.
Neulich, als palästinensische Schüler Giftgasvergiftungen durch Israel mimten und man die "Patienten" im TV sehen konnte, sagte meine Frau spontan: "Typisch! Die machen mal wieder ihr Theater!"
Genau!
Wer die oft wahnwitzige selbstbetrügende Besessenheit kennt, in die Araber verfallen können, fällt auf solche Spielchen nicht herein.
Dies, daß die Israelis mit solchen Nachbarn leben müssen, ist in meinen Augen das Schlimmste an und für Israel.
Es ist auch nicht kurierbar.
Mit pathologischen Selbstbetrügern kommt nie ein rationaler Dialog zustande.
Die Israelis, als Juden psychisch eh instabil nach 2000 Jahren der Verfolgung durch die Christen, müssen dort bald ganz überschnappen.
Von Ben Gurion über Begin zu Schamir: kein Abstieg, sondern ein Absturz!
Die islamische Kopf-Korruption (von der homosexuellen Komponente, hervorgerufen durch die Abschließung der Frauen, habe ich gar nicht gesprochen - auch sie ist eine Korruption) kann überwunden werden, indem der Islam selber überwunden wird: durch Bahai, Sufismus, Achmadiyya, Laizismus, Sozialismus.
1983-11-11:
Heute morgen wachte ich von einem Traum, der mich beunruhigt hat, auf: ich betrachtete gerade leere Bilderrahmen und hatte einen Halbsatz über den Odenwald gelesen, daß der zu Deutschland gehöre, und es war ein Nazibuch aus nazistischer Zeit, dennoch voll Informationen, die ich nur umpolen müsse auf rheinbündisch - jaja, da sehen Sie sich voll bestätigt!! -, da rief mich meine Mutter an aus dem Lädchen, das wir aufgemacht hatten nach der Entlassung meines Vaters.
Ich schlechtes Gewissen, weil ich nicht "schaffe", sondern las (das galt als Faulenzerei), aber meine Mutter sagte nur, wir säßen herum und wüßten nicht, was gerade passiert sei: Israel, der heutige Staat also, habe sich - - zur Nachrichtenagentur erklärt.
Filmende.
Interpretiert: Israel habe sich freiwillig als Staat aufgelöst.
Sie haben recht: ich spinne...
Habe ich nach Ihrer Meinung einen wichtigen Aspekt Ihrer Attacke (in kuckuck 42a-d - kkk) übergangen, nicht beantwortet?
Müßte ich noch etwas aufklären?
Ich wollte aus Platzgründen nicht auf alles eingehen, meine auch, daß, falls ich historisch etwas je bewegen werde und falls es eine Nachwelt noch geben wird, diese sich um Gerechtigkeit für mich bemühen kann oder es läßt, und daß, falls ich unbedeutend bleibe, es egal ist, mit welchen Argumenten Sie mich "ins Abseits gestellt" haben.
... Sie sollten m.E. das schärfer rausstellen, was Ihr Schwerpunkt zu sein scheint, die Richtung Monotheismus, die Überwindung des Christentums in diese Richtung.
Ich würde mich sehr freuen über einen KUCKUCK, der dem abendländischen Mittelalter, das durch die Romantik, den Vatikan, Englands balance-of-powers-Politik auf dem Kontinent, den Nativismus-Nazismus usw. bis heute anhält östlich des Rheins, auch durch die teutonisch-borussischen Partien des Marxismus, einen harten Stoß versetzt.
1983-11-18:
Wer Ihren aggressiven Intellekt kennt, wundert sich nicht, daß Sie den Schlüssel sofort fanden: die Geschichte einer (einiger) Enttäuschung(en).
Nur erzählten Sie die, je länger je weniger, kaum.
Und das ist verwunderlich.
Frage: was ist das (tiefenpsychologische) Motiv für die überwiegende Nichtverwendung des Schlüssels?
Ich wäre nämlich auch entwicklungsgeschichtlich, also meinungenwechselnd darstellbar, als einer der letzten Mohikaner des Westlertums im deutschsprachigen Raum.
Dies anhand des Ihnen vorliegenden Materials.
Aber auch anhand der nichtzuveröffentlichenden Informationen, die ich Ihnen gab, in ihrem Licht.
Es ist doch, falls die Menschheit überlebt (d.h. falls sie den dazu unumgänglichen Intelligenzsprung schafft), nahezu sicher, daß einmal eine Monografie über den KUCKUCK gemacht wird.
Und daß, falls... (s.o.), Ihre Korrespondenzen von Ihren Erben 30 Jahre nach unserem Tod herausgegeben werden.
Die sind, das schätze ich mit innerer Sicherheit ab, aufschlußreicher als alle offiziell/offiziösen Verlautbarungen der Oberen, weil erstere über den letzteren stehen.
Dann wird man gewahr werden, daß Sie mich "ins Abseits gestellt" haben, weil Sie mich nicht im Licht Ihres ganzen Wissens interpretierten...
... Was Westdeutschland zusammen mit Frankreich und BeNeLux zu leisten hätte, militärtechnologiseh, das wäre u.a. ein Laserschirm, der ein- und anfliegende Raketen abfängt, eine hochsophisticated Defensivwaffe...
... muß ich zuerst mit Ihren Verdächtigungen fertig werden.
Vielleicht entstehen die wirklich nur, weil wir so verschieden sind: (nein: nicht gestorben, sondern different!).
Ich bin ein politischer Operateur, Sie ein Denker.
Operateure sind blöd.
Denker in ihrer Weise auch.
Ich bin überlegter, gebildeter, skrupelhafter als die meisten hierzuland, aber, verglichen mit Denkern, unüberlegt, ungebildet und skrupellos.
Weiß ich...
Zwar bin ich immer noch ein Leser und Lerner, Faulenzer, aber mit 18 begann ich politisch zu schaffen.
Ich machte immer Fehler, weil ich die nächstliegenden Aufgaben anpacken wollte, bedenkenlos Bündnisse schloß mit Leuten, die später zu bekämpfen wären.
Blutigen Kopfes legte ich Lernpausen ein.
Dann wieder ran.
Usw. immer hin und her.
Da ich zulernte, blieb ich nie der alte, also unvertrauenswürdig, ich wuchs über meine Freunde raus, verließ meine Basis.
Und wurde nie etwas.
Heute weiß ich eine ganze disparate Menge und bin weniger als nichts geworden.
In Lawrence/Kansas sagte mir mein Freund Laban, ich würde ein crack-pot-politician.
Das wurde ich, und heute sitze ich auf allen Schüsselscherben, die ich in 35 Jahren schlug.
Ab 1975 war ich frei und von meinem SPD-Wahn kuriert.
Ich ging daran, die SPD stürzen zu helfen.
Zuerst Bünemann-"Partei" (dazu demnächst ein Dokumentenbündel, in dem Dutschke, Preuß, Agnoli, Brückner, Der Lange Marsch, Scharrer, Ströbele undundund sowie Bünemann und ich dokumentiert sind, schicke ich Ihnen).
Über diese Gruppe wurde ich soweit bekannt, daß mich Achberg einlud.
Damals wußte ich nur, daß Anthroposophen keine Anthropologen sind; bis heute weiß ich nicht den Unterschied zwischen diesen und Ethnologen.
Danach dachte ich, sie seien so was wie Westhindus, also Exchristen.
Jedenfalls ließen sie mich agieren.
Die Rest-Bünemänner (Eurosozialisten, Rheinbund) gingen parallel mit den Anthroposophs, K-Gruppen, Haußleiter usw. in Richtung Grüne.
Dort ich dann inn BuVo, Fraktionsbildung mit Petra, einer KB-Frau und einem (aber das hielt der geheim) K-Grüppler (von einer pro-Nordkorea-Gruppe) gegen die Rechten.
Petras Exzentrizitäten hielt ich lange aus, die KB-Frau war als Mensch und Denkende erstklassig (natürlich innerhalb ihrer KB-Grenzen, die ich auch nicht zu erweitern vermochte).
Dann fuhr der K'ler nach Nordkorea, als er zurückkam, erklärte ich ihm politische Feindschaft, ich zwang ihn zum Rücktritt.
Wie ich auch Roland Vogt zum Rücktritt als Parteiangestellten zwang, worauf er frei wurde, in den nächsten BuVo und später in den Bundestag zu kommen.
Schließlich platzte mein Bündnis mit Petra, wegen ihrer dogmatischen "Gewaltfreiheit" (naja, da wäre etwas zu Bastian zu sagen, dem Strolch).
Nun hatte ich viele Ziele erreicht: Gruhl-Springmann vertrieben, das linke Saarbrücker Programm erhalten, Roland geschaßt, den völkischen Korea-K'ler über den Rand gedrückt - und die Halb- und Ganzrechten hatten mich lieb.
Ich hätte also beste Chancen gehabt, in den BuVo zurückgewählt zu werden, hatte aber die Nase voll von meiner Brutalität und Hinterfotzigkeit.
Ich zog mich zurück.
Die KB-Frau wandte sich gegen mich, als ich Petra angriff, aber nicht wegen meiner politischen Gründe, sondern weil sie von Frau zu Frau solidarisch war.
D.h., ich, der die linke Fraktion aufgebaut hatte, zerschlug sie komplett.
1983-11-19:
... Also ich Dornach-Agent wollte die Anthroposophierung der BRD zulassen, aber seit die die DDR (und CSSR) mitteleuropäisch kassieren wollen, stelle ich Moskau-Agent mich schützend vor das meiner Hilfe bedürftige todkranke DDR-Lager gegen die immense Woge aus Dornach.
So einfach machen Sie sich das.
... Was mich nervös macht jetzt, das ist das Hochschalten im anthroposophischen Tempo...
... Nicht die DDR muß ich schützen, die braucht mich wahrhaftig nicht, sondern die Ansätze der geistigen und politischen Verwestlichung Westdeutschlands.
Sie mögen es weiterhin für gelogen halten: ich lehne eine Vereinigung mit der DDR ab, auch wenn sie vom Osten her vorgeschlagen werden sollte.
Ich lehne die Kappung aller Verbindungen mit Westeuropa ab.
Ich bin, ohne es zu wissen und belegen zu können, überzeugt, daß Steiner irgendwo geschrieben haben muß, Frankreich sei als kartesianische Zivilisation out of date, der französische "Volksgeist" sei dabei, abzusterben und Platz zu machen dem deutschen.
Solange die Anthroposophen auf kleiner, nicht staatspolitischer Flamme kochten, solange sie für mich brauchbar waren gegen die Regierungs-SPD in Bonn, waren sie mir genehm.
Aber jetzt geht es ans Eingemachte.
Es gibt Stimmen, die sagen, daß das Mitteleuropa-Konzept ein Anerbieten an Moskau sei: die Jalta-Linie insgeheim zu respektieren, aber die BRD, Österreich und die Schweiz zu einer privatkapitalistisch geduldeten Vorkammer des Moskauer Hegemonialbereichs werden zu lassen.
Also in Wahrheit doch nicht blocküberschreitend (was mir wieder passen würde), sondern gesellschaftspolitisch eigenartig unter dem Schirm Moskaus (was mir eben nicht paßt, weil ohne Frankreich und eine frankeuropäische Unabhängigkeit gar keine Chance besteht, je eine libertärsozialistische Entwicklung zustandezubringen).
Hörn Sie um Gotteswillen auf, mich dauernd zu belauern, ich komme ja vor lauter Zurückweisungen gar nicht mehr zum Wesentlichen.
Ja ich sehe, daß meine Ungeduld, meine Verärgerung über Ihre kleinlichen Anwürfe, mir nahelegen wird, Sie als hoffnungslosen Fall abzutun, keine Zeit mehr auf Sie zu verschwenden.
Wenn Sie meine Position nicht kapieren können, dann usw. und zwar "im"!
Ich habe Heinsohn, Kadritzke nicht verstanden, als sie die Diskussion mit Ihnen so schnell aufgaben.
Aber auch meine Geduld hat Grenzen.
1983-11-27:
Mir wurde eröffnet, daß ich evtl. noch in diesem Jahr an einem Lungeninfarkt abkratzen kann.
Spätfolge von 20 Jahren Asthma bronchiale, dieses familiär-sozial verursacht.
Ich muß jetzt einiges abschließen, will auch noch einen befreundeten Arzt konsultieren...
... Meine Bibliothek und meine übrigen Papiere möchte ich einer französischen Universität überlassen.
Sie schrieben mir ja neulich etwa, Sie würden das Rheinbund-Konzept kritisch prüfen, und wenn nichts übrig bliebe, könnten Sie auch nichts machen.
Seien Sie mir bitte nicht böse:
Es kommt mir darauf an, daß einer dieses Konzept als zu seiner Existenz gehörig ansieht, nicht als ein äußeres Luftobjekt.
Ist es existenziell, dann wird er selber Substanz einbringen.
"Rheinbund" ist nicht historizistisch oder eng geografisch gemeint; er ist eine Chiffre für das, was im deutschsprachigen Mitteleuropa seit dem kurpfälzischen Calvinismus (der Heidelberger Aufklärung im 17. Jhdt., der Vermählung von Friedrich V. mit der englischen Prinzessin Elisabeth usw.), seit der deutschsprachigen Aufklärung und der Klassik des 18. Jhdt., seit der Mainzer Republik und dem Rheinbund angestrebt worden und von Österreich/Bayern und (später) Preußen zerschlagen wurde, was mit H. Heine und Börne, mit H. Mann, mit Döblin noch einmal aufflackerte - und was dennoch realisiert werden muß.
Darum geht es mir: nicht eine Kopfspielerei, die abhängt von der "objektiven" Kritik noch so wohlmeinender Intellektueller, sondern ein existenziell-politischer Auftrag, zu einem bestimmten Ziel zu kommen.
Über die Methoden des Weges kann man diskutieren...
Seien Sie mir nicht allzu böse:
Mein Weggenosse, ein wertvoller, hätten Sie sein können, mein politischer Nachlaßverwalter konnten Sie nicht werden.
Wie alle Deutschen, haben Sie mir nicht getraut, ich habe Sie verunsichert, Sie haben sich aggressiv geschützt.
Mir alles sehr vertraut.
Ich trag es Ihnen nicht mehr nach.
Es ist halt, wie es immer war.
Meine Leiche wird verbrannt, und an der Mole von Narbonne-Plage unterhalb des Denkmals für den Widerständler Brossollette wird die Asche ins Meer gekippt.
Keiner soll je meinen Namen für das politische Deutschtum in Anspruch nehmen können, etwa so wie es die Staatsnazis heute mit dem der Geschwister Scholl tun.
Die Deutschen haben mich zu Tod gebracht, ich wünsche Ihnen als Deutschen (nicht als deutschsprachigen und demokratisch-humanitären Europäern!) den Tod!!
Politisch oder raketentechnisch wird das Beil Gottes, die UdSSR, dies ins Werk setzen.
Denn, schon gemerkt? - die Pershing-II-Entscheidung hat nun erst Westeuropa von den USA abgekoppelt.
Von jetzt ab wird tägliches Zittern in Westdeutschland herrschen, dessen Ende der Zusammenbruch sein wird.
Man spricht von "moralischem" Zusammenbruch.
Aber hier gibt es keine Moral, sondern das stumpfsinnige Vertrauen auf die Macht der stärkeren Seite.
Dieses Vertrauen wird nicht währen können.
Ich habe die Hegemonie der UdSSR über Westeuropa nicht gewollt...
Mein letzter Fluch, nach dem auf Deutschland, gehört der r.k.-Kirche...
Ich bin sicher:
Ein hinderliches Blendwerk weggeputzt, wird die Intelligenz der Menschheit schon den Weg voran finden.
Nieder mit dem Vatikan-Faschismus!
Schade, daß ich nicht die Zeit hatte, ihm die Schusterahle in die Brust zu rammen!...
Falls ich mal weg bin - für mein Gefühl werde ich allerdings noch 20 Jahre leben; aber das bedeutet nichts: früher dachte ich immer, ich würde nicht älter als 30, und nun bin ich 52 - können Sie meine Briefe nach Belieben benutzen: publizieren, verbrennen, aufm Clo auslegen.
Ich bat bisher um Vertraulichkeit, weil eine intellektuell ehrliche Darlegung nicht ins praktische politische Spiel einfließen darf, soll letzteres nicht platzen.
Ich danke, daß Sie meinen Wunsch respektierten!
Wolf Schenke, so hörte ich aus Köln, liegt mit (wahrscheinlich letaler) Leberzirrhose weiterhin im Krankenhaus.
Es wird ihm wohl demnächst ebenfalls piepe sein, was über ihn gesagt wird.
Ich bin der Ansicht, daß er, seit ich ihn kenne zumindest (also 1980), kein Nazi mehr war.
Ich habe ihn nicht mißbraucht, seine NP allerdings benutzt zum Transport meiner Informationen.
Das war legitim.
... Ja, das wars wohl.
Ich werde Ihnen weiterhin schreiben im Rahmen des Möglichen.
Und es könnte ja eine Tatarenmeldung sein, es könnte ja doch das Herz Ursache der fortschreitenden Kurzatmigkeit sein.
online-Fassung
kuckuck 47
I/85
18. Feb. 1985
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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