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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1982-03-23
bis
1984-08-24

Erich Knapp in Briefen an Horst Lummert

"Unautorisiert"*

* kkk - Die Briefe - in Auszügen abgedruckt - wurden unterschiedlich bewertet. Erich Knapp verstand sie als eher privat und vertraulich. Horst Lummert hat Briefe an den kuckuck als potentiell öffentlich - als per se für die Öffentlichkeit bestimmt - angesehen.
Das war eine Besonderheit des kuckuck von Anfang an, ein Gründungsprinzip dieser offenen proletarischen Alternative zur bürgerlichen und kleinbürgerlichen Verschlossenheit.
Der Verlauf der Korrespondenz zeigt, daß eine anders auszulegende redaktionelle Zusicherung nicht gegeben wurde und daß darüber letztlich Einvernehmen bestand.
Lummerts Fragen an Knapp waren ganz offensichtlich journalistisch-investigativer Natur.
Wer an den kuckuck schrieb, wußte, an wen er schrieb. Privatbriefe an den kuckuck gab es nicht.
Hinzu kam, daß der Briefautor den Empfänger wiederholt der Lüge zieh, was nur mit der Veröffentlichung der Briefe ausgeräumt werden konnte.
Der Abdruck in kuckuck 47 diente einer notwendigen Aufklärung. Die dokumentarische Wiedergabe seiner kkk-Beiträge im Internet
- siehe kkk-review:
setzt sich mit aktuellen Arbeiten Knapps fort:
NewCatch Strategien:

Die Brief-Auszüge in sieben Teilen

Erich Knapp an Horst Lummert/kuckuck

Teil 04

1983-04-09:

... Sie denken folgerichtig, werden aber folgerichtig ungerecht, z.B. mit der Unterstellung "Motiv der Irreführung und Ablenkung".

Gegen den aufklärerischen Aspekt, den Sie im Auge haben, könnte ich künftig vielleicht einzelne Einwände haben...

... meine Anlehnung an Frankreich ist eine existenzielle.

Beweise dafür gebe ich Ihnen nicht...

... Ich schrieb einmal an Ulrich Sonnemann, wenn sich die Deutschen jemals der Humanität verschreiben sollten, müßten wir schleunigst das Sonnensystem verlassen...

1983-04-28:

In dieser unserer Lage gibts doch nur eins, wenigstens für mich, der wahrhaft jahrzehntelang jedes nazistische Einzelerwachen auf die Hörner nahm, so daß ich jetzt fast permanent Migräne habe - den Urgrund des Nazismus ausrotten.

Das ist nicht der Kapitalismus, allen Marxpfaffen zum Trotz, sondern der konterrevolutionäre deutsche (habsburgische, preußisch-zollernsche wie -nazistische wie -"demokratische" und bayrische) Staat.

Dieser ist als antiemanzipativer seit der Romantik ein protonazistischer gewesen: gegen die bürgerliche Emanzipation (nicht erst seit "1813", sondern nach Angabe von Backhaus in Sind die Deutschen verrückt? bereits seit der Hinrichtung des englischen Königs durch die Revolution), gegen die sozialistische Revolution-Emanzipation (daher das deutsche Verständnis für das zaristische wie das stalinistische Rußland; und ab 1968 maoistisch-stalinistische Parteigründungen als "Antwort" auf das autoritäre, aber von Chruschtschew erstmals wieder aufgelockerte Osteuropa), gegen das Christentum (E. M. Arndt: "christlich-teutsch", wobei sein Antisemitismus zeigt, daß er nicht das jüdisch-emanzipative Element im Christentum meint, sondern das autoritär-römische und deutsch-heilig-römische)...

... Das wäre ganz im Sinne unserer Staatsnazis, aber nicht im Sinne der - sagen wir mal - "Friedensnazis", "Volksnazis", die den Krieg auf deutschem Boden verhindern wollen...

1983-05-02:

Zu der Abschrift aus der Personal-Akte meines Vaters:

Die machte 1945 oder 46 Herr Müller, ein 33 in Gießen entlassener AOK- und KPD-Mann.

Als mein Vater 1948 aus russischer Gefangenschaft heimkam, wurde er - wieder - stellvertretender Direktor der AOK Heppenheim, später ganz regulärer Nachrücker und Direktor für den Kreis Bergstraße.

Er hat sich um seine Akte überhaupt nicht gekümmert, wir alle nicht - Augen voraus, die Scheiße lag, so meinten wir, hinter uns.

Nix wie voran!

Deshalb ist das mir vorliegende Material der Denunziationen mager, aber immer noch mehr als der beigefügte Zettel...

Ach ja, die Angabe auf S. 34 war nie beweisbar, da mein Vater die Vaterschaftsakte meiner Mutter beim Amtsgericht (Lorsch, damals) hat klauen lassen.

Bei preußischen Zuständen wären wir wohl längst tot...

1983-05-14:

... Schöne Zeiten für Sie, als Sie mich noch für einen Grünnazi hielten...

... Sie sind ein Schleusenöffner! Das wird Ihnen noch leid tun!

... Wenn der Aharonot-Wolfmann einen Duckwitz gelten ließ und mit ihm eine Zwodutzendschaft von AA-Nazis publizistisch absichtlich übersah, aus Dankbarkeit; wenn der Staat Israel den Sadat trotz seines Oktoberkriegs schätzen lernte und mit ihm und seinem Rechtskurs die alten ägyptischen Nazis - dann darf ich, um den Kern des Übels, die Staatsnazis, zu beseitigen, auch die Beihilfe jener Nazis entgegennehmen, die mit den Staatsnazis einmal nicht einverstanden sind...

... Und nun passen Sie bitte auf.

Sie haben jetzt Materialien genug in Händen, die, wenn sie nicht verschiedene Staatspolizeien beunruhigen, so doch Anlaß zu Störaktionen geben können.

Passen Sie auf beim Überqueren der Fahrbahnen, da gibts Autos...

1983-06-13:

... für die "echten Deutschen" ist das Sowjetsystem gerade gut genug und besser geeignet als das westliche, sie einigermaßen im Zaum zu halten.

Daraus ergibt sich meine teils gelassene, teils interesselose Einstellung gegenüber autoritären und menschenrechtsverletzenden Zügen in der DDR...

... Also fiel ich von meinen sozialistisch-demokratischen Hoffnungen zurück auf das konservative Bedürfnis, wenigstens die Errungenschaften von 1789 erhalten zu wollen.

Notfalls, damit Sie nicht eines Tages überrascht sind, mithilfe der Todesstrafe...

Aber es gibt im Ernstfall nur eine Rettung, und die muß jetzt vorbereitet werden:

In Frankreich eine rheinbündische Befreiungsbewegung initiieren...

Nein, wir können das nur schaffen mithilfe des Idealismus...

Ich bin ein politischer Résistant, konservativ in einer in Deutschland unbekannten Weise, re-aktionär und Anachronist.

1983-06-25:

Ja, was sollen denn die Söhne von Naziverbrechern tun, Ihrer Meinung?

Sollen sie strikt das Werk ihrer Väter fortsetzen wie die im Bonner Staatsdienst?

Oder sollen sie karitativ wiedergutmachen?

Sie erwecken den Eindruck, letzteres gefiele Ihnen nicht.

Wollen Sie verlangen, daß sie nur noch Steine klopfen?

Das waren doch nicht die Verbrecher, sondern die Kinder der Verbrecher sind sie.

... verschonen Sie die Österreicher mit ihren bajuwarischen Stammesgenossen von Bayern.

Die Gefahr ist groß genug, daß einmal die Südtiroler zurückkommen!

Die Ostösterreicher kommen doch grad noch so gegen die Westösterreicher an, und da wollen Sie die endgültig majorisieren.

Nein, das ist ein weiteres Argument gegen den R-M-D-Kanal.

Also Ihnen wünsch ich jetzt 10 Jahre Verbannung in Bayern, durchaus am Starnberger See mit beliebigem Ausgang nach München, Bier soviel Sie fassen können, ich bin ja nicht immer ein Unmensch!...

... Faschismus: ist der Begriff wirklich aufklärend?...

Maurras ist xenophob, aber nicht völkisch.

Wie könnte er, da die heutigen Franzosen eben nicht alle von Galliern und Germanen abstammen, nicht alle von Römern; im Süden gab es bis zu den Römern vorgallische Bewohner.

Warum war er Antisemit?

Weil die Juden für ihn sozialistische Deutsche waren...

Sehn Sie mal:

Maurras war ein Lügner, bei dem mich nur wundert, daß er so klar schreiben konnte.

Lügner können nicht klar schreiben.

Eine Psychoanalyse würde hier interessant werden.

Lügner, also bewußter Wahrheitsverdreher war er von Anfang an, in der Dreyfus-Affäre.

Dann kommt die nächste Lüge: er haßt, mit Recht, die Uniformierung des Mannigfaltigen.

Und unterschiebt diese Uniformierung - dem Judentum, das schließlich keine Auslegungsautorität, -hierarchie hat.

Roma locuta, causa finita - das ist ein nichtjüdisches Prinzip.

Hatten nicht gerade die Juden unter Rom gelitten, dem Imperium wie der Kirche?

Maurras war ein Lobhudler sowohl des imperialen wie des vatikanischen Rom, es ging ihm also gar nicht um die Mannigfaltigkeit des Polytheismus.

Nicht die Uniformität wollte Maurras zerstören, sondern die Verbindlichkeit der Ethik vom Berg Sinai!

Dies ist der Kern, nur dies!

Maurras war kein Faschist, sondern ein Nazi!

Alles andere ist elegantes Geschwätz.

Er konnte den Franzosen seine eigentliche Absicht unmöglich offen vortragen.

Einem freien und neugierigen Volk muß man Mannigfaltigkeiten vorlegen, einem eleganten Volk die Unsicherheiten der verunsicherten Juden und der plumpen Deutschen.

Einem guten Volk kann man nicht sagen, daß man die sieben Gebote (so viel sinds doch eigentlich, oder?) ebenso gut auf den Mist werfen könne.

Nein, da mußte man römisch antikisieren, und er traf das Wesentliche der katholischen Kirche genau...

1983-06-26:

... möchte ich dazu präzisieren: nämlich daß auch Spinozas Pantheismus monotheistisch ist (wenn Gott = das Gute auch kein Schöpfer des Universums ist, nicht außerhalb, weil ein solcher entweder nicht allmächtig oder verbrecherisch sein muß)...

... Offensiv werden!

Sowohl gegen das Heidentum wie gegen heidnische Pseudo-Judaismen!

1983-06-28:

Ich werde jetzt noch den Satz nachsenden:

"Zur politischen Soteriologie gehört die religiöse JHWH-Formel."

1983-06-29:

... Ich muß mir die Schuld geben wegen "Aus-schwitz", ich hätte sorgfältiger Korrektur lesen müssen.

Sorry!

Hoffentlich merkts sonst niemand...

Wir müssen die Staaten so wie sie sind nehmen und auf schiefe Bahnen zu bringen versuchen...

Wo alles unwahr ist, kann nur noch die kalkulierte Unwahrheit die Wahrheit ans Licht provozieren...

Bisweilen verirrt sich so ein lügender Wahrheitsprovokateur im fremden und eignen Dickicht...

Mourir pour les bêtes allemands?

Also ich weiß nicht, H.L., ist das nicht allzu pauschal?

Fast alle Deutschen waren 1945 Nazis.

Die Junglehrer in der SBZ, hat man sie (oberflächlich, wie nicht anders möglich, dort und von denen und damals) umerziehen sollen oder totschlagen?

Meinen Sie wirklich, die seien ideologisch Nazi geblieben?

Ihre zurückgekehrten alten Kommunisten und Sozialisten, wären sie in den Apparaten verwendet worden - wie lange hätten sie, deren Charakter sicher solider war als der der ihnen Vorgezogenen, gegen den Stalinismus durchgehalten, bis zum Zusammenbruch oder der Kaltstellung?

Was war denn damals und dort viel möglich?

Stalin herrschte noch, alles zwischen Magdeburg und Moskau lag in Trümmern, der Kalte Krieg ging schon los.

Die Apparate waren und blieben nötig, stärker als die stärkeren Charaktere, und Apparate brauchen Apparattypen, nicht Menschen...

1983-07-23:

Wir Westdeutschen können nie eigene Atomwaffen haben, es sei denn wir würden zu richtigen WESTdeutschen, d.h. einem Staat, der weder die DDR vereinnahmen will noch von ihr vereinnahmt werden will.

Und amerikanische Atomwaffen bei uns unterstehen der Entscheidung eines nichteuropäischen Entscheiders, also fundamental anderen Bedingungen der Betroffenheit und der Überlebenschancen...

1983-07-28:

Leider bin ich nicht die Friedensbewegung, sonst wäre die ja nicht so erstaunlich dumm, sondern intelligent.

Aber das müßten Sie doch wissen.

Warum schreiben Sie dennoch, Sie hättens ja geahnt, daß die ganze Friedensbewegung auf eigne Atomwaffen hinauslaufe?

Ich denke halt politisch-logisch.

Da ist es klar, daß keine Gruppe, die demokratisch sein will, dulden darf, daß die Leben-oder-Tod-Entscheidung außerhalb ihrer liegt.

Diese Entscheidungskompetenz bedeutet Souveränität, sonst nichts.

Daß die Deutschen diese Souveränität nie erkämpft haben, daß sich in ihrem Land anstelle der westlichen Abfolge von "Fürstensouveränität" zu "Volkssouveränität" die andere durchsetzte: von "Fürstensouveränität" zu "Staatssouveränität", d.h. vom Absolutismus privater Machthaber zum Absolutismus ihres Apparates (glänzend dargestellt von Eckard Kehr, Primat der Innenpolitik; Kehr ist einer der größten deutschen Historiker, tot und totgeschwiegen) - daß die Deutschen diese innere Souveränität gegen ihre Herren nie erkämpft haben, führte rechtens dazu, daß ihre Herren ab 1945 auch die Souveränität nach außen verloren.

Und deshalb ist die Lage der BRD auch unhaltbar.

Als Demokratie, wäre sie eine, müßte sie die Entscheidung über hier stationierte Atomwaffen fordern.

Als Nazistaat im Auftrag eines Nazivolkes darf sie diese Entscheidungskompetenz so wenig erhalten wie ein Idi Amin.

Draußen sieht man das klar.

Unsere Instantpazifisten ahnen, daß eigene Atomwaffen nicht zu haben sind und verfallen deshalb auf den Nonsens der Gewaltfreiheit als politisches Mittel.

Unsere Sachwalter in Bonn stehen zwischen Baum und Borke.

Einziger Ausweg aus dieser Kalamität wäre gewesen: eine wirkliche moralische und politische Umkehr 1945, und zwar bei strikter Anerkennung der Grenzen der späteren BRD.

Umkehr politisch bedeutet nicht, ein Volk von Betschwestern zu werden, sondern sich endlich arbeitend in die Reihe der "Völker" zu stellen, die seit Jahrhunderten die Emanzipation der Menschheit vorantreiben.

... da mich die Story über Zimmermann und seine Reptilvisage zu sehr abgestoßen hatten...

Meine Reaktionen auf Deutsches sind oft physisch krankhaft.

Doch wissen Sie, daß selbst Schizophrenien abheilen, sobald der Kranke in einer anderen Sprachlandschaft lebt oder in eine solche hineinwächst?...

Ich bin, nebenbei, kein Monotheist, sondern ein Monoethist.

Damit meine ich, daß der Mensch ein Recht hat zu wählen zwischen der Ethik des Sinai und der des Moloch, der Menschenfresserei, des Nazismus.

Mit dieser Feststellung zwinge ich mich allerdings, ein universales Prinzip anzunehmen.

Aber ich sehe nicht, daß dies ein menschenartiger, nur allwissend-allgütiger, Schöpfergott sein muß.

Mit diesem Monstrum käme ich nicht zurecht, kommt keiner zurecht.

Keiner kann sich an die 7 Gebote halten, wenn Gott selber ein Verbrecher ist.

Ein allmächtiger Gott aber ist ein Verbrecher, wenn auch christlich einer mit gnädigen Anwandlungen:

"Naja, für diesmal laß ich Dich nicht an Hodenkrebs verrecken!"

"Oh danke, HErr, aber ich bin Deiner Gnade nicht würdig!"

Wie im KZ: der Kommandant läßt sonntags nicht hinrichten.

Wir müssen die Materie anders sehen: die Ethik des Sinai ist ihr sittliches Naturgesetz, das die Menschheit, will sie ihr Wohl, beachten muß.

Gehorchen oder verrecken - das ist die ganze Freiheit.

Materialismus so verstanden, sollte (ich gebrauche einen Ausdruck Lévis) Paterialismus genannt werden.

Nein, ich trenne und tue nicht zusammen, was Sie empfehlen.

Ich habe an alle appelliert, den Rheinbund zu schaffen, darunter an Anthroposophen und Juden.

Sie tun ersteren wirklich Unrecht, sie mit den Thule-Leuten in einen Topf zu werfen.

Wieviel Qualm auch immer Thule, Anthroposophen, jüdische Kabbalisten im Kopf haben mögen, sie sind zu unterscheiden nur nach guten oder bösen Absichten.

Falsch: man kann sie natürlich nach allen möglichen Gesichtspunkten unterscheiden oder zusammentun.

Nur sollte man nicht beleidigen.

Ich hielte eine Insinuierung mit Thule für beleidigend... (Vgl. Teil 02, 1982-09-12 - kkk).

1983-08-03:

Ich neige Ihrer Feststellung zu, daß meine Reaktionen auf Deutsches typisch deutsch sind...

Völker sind nun mal historisch geprägte Matritzen.

In Freiheit gekommen, verhalten sie sich lange Zeit entsprechend den Prägungen, die sie durch ihre früheren Herrschaften erfuhren.

Waren die böse, sind es die Völker noch einige Zeit.

Das hat gar nichts mit "an Kulturrassismus grenzendem böswilligen Ethnizismus" zu tun! (Die Rede war hier von den Polen - kkk)...

... Ich habe zwar von Antisemitismus in Frankreich noch nichts bemerkt, aber das will nichts heißen...

Wirklich: wenn Sie in Wut sind, schlagen Sie alles zu Klump!...

"Steinersche Bunkerarchitektur"!...

Es dauerte einige Zeit, bis mir deutlich wurde, daß es einen ideologisch antinazistischen Nazismus gibt...

Richtig ist Ihr Verdacht, daß die Suprastruktur von GRÜNEN/Friedensbewegung, soweit sie überhaupt rudimentär ein Ziel anstrebt und nicht völlig Werkzeug der NATO bezw. des Finanzkapitals der Anglos ist, die parlamentarisch verkleidete Diktatur der BRD abschaffen will zugunsten eines basisdemokratischen-Chaos, in dem die Nazis nun ganz ungehemmt, aber noch besser verborgen als hinter der "demokratischen" Fassade der BRD, diktieren.

Nur machen Sie den Fehler von Tucholsky, der "Weltbühne" und anderer, etwas (zwar kritisch) verteidigen zu wollen, das wegen seiner Unwahrhaftigkeit keinen Bestand haben kann.

Es scheint mir realistischer, dieses Lügengebäude abzuräumen, gleichzeitig die Abräumer kennenzulernen und öffentlich zu denunzieren - und "meinen" Leuten im Ausland zu helfen, daß das NS-Konzept für die Nach-BRD in Scherben geschlagen wird, bevor es an die Macht kommt.

Daß mich dieses komplizierte Vorgehen überall verdächtig macht, muß ich hinnehmen.

Ich kann nicht anders handeln, da ich nicht imstande bin, nur einen Feind, eine Gefahr wahrzunehmen.

Daß ich scheitern werde, wie ich immer gescheitert bin - ich akzeptiere das.

Ich bin halt im falschen Land geboren worden.

Manchmal denke ich, anthroposophisch gewissermaßen: was müssen meine Mutter und ich für Verbrecher in einem früheren Leben gewesen sein, daß wir zu dieser Zeit unter dieses Volk geworfen wurden!

1983-08-09:

Zufällig stoße ich auf eine Buchwerbung des Fischer-Verlags: Wanda Kampmann, Deutsche und Juden - Die Geschichte der Juden in Deutschland vom Mittelalter bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Taschenbuch Nr. 3429.

Abgesehen davon, daß "Deutschland" ein höchstens 200 Jahre alter Begriff ist - aber kann man von diesem Faktum absehen? -, wird an diesem Titel der deutsche Antisemitismus klar.

Deutsche und Juden seien zwei Arten von Menschen.

Wenn hier seit dem Mittelalter - recte: bereits in der Antike! - lebende, deutschsprachige Menschen bis 1914/18 immer noch keine Deutschen waren, sondern Juden...

Das weitere erübrigt sich.

Ich schließe mit dem Satz:

Zumindest die für diesen Buchtitel Verantwortlichen sind unbelehrbare Nazis.

So unbelehrbar, daß man sie henken muß!!!

Ich wäre dankbar, wenn dieser Absatz direkt in den nächsten KUCKUCK übernommen würde.

Mir gefällt Ihre Unterscheidung der Instant-Gesamtdeutschen von jenen, die taktisch erst mal die Osttront/DDR ignorieren wollen.

Letztere sind die Intelligenten.

Erstere die Dummen, also alle Bonner Staatsparteien sowie die "linken" Gesamtdeutschen und stalinistischen Ethnisten.

Das Konzept der Intelligenten heißt nicht "Gesamtdeutschlands Wieder-/Vereinigung", sondern "Mitteleuropa".

Die großdeutsch-völkische Variante ist kaum erkennbar.

Es geht um ein Mitteleuropa inclusive CSSR, Polen, Ungarn, Slowenien, Kroatien.

Das ist die katholische Richtung, Habsburg, Wittelsbach.

Beim Pfingsttreffen der Sudetengauner in Wien 1983 waren sie alle zusammen auf dem Heldenplatz: Zita und Otto, Becher und Pfaffen.

Fehlte nur jener CDU-Lodgman von Auen, der vor 1938 im Prager Parlament sagte, natürlich seien sie, die Sudetengauner, Landesverräter.

Das sind die Intelligenteren, Gefährlicheren.

Aber aktuell brauchbar gegen die Dummen, Gesamtdeutschen, die Bismarxe, weil die Dummen die Mehreren sind.

Langfristig sind die Intelligenteren immer noch dumm genug.

Die nichtdeutschen Mittelosteuropäer wollen nicht in einem Mitteleuropa mit dem dann majoritären deutschen "Stamm" zusammengesperrt werden.

Die wollen, wenn auch wohl nicht der Herr Dedijer, in ein Gesamteuropa entlassen werden, ob westlich des Bug oder inclusive der UdSSR.

Die, die jetzt bereit sind, die Ostfront noch zu ignorieren, können sich auf die Westfront konzentrieren.

Haben sie damit Erfolg - und ich hoffe das, weil es den Abzug der US-Army aus Europa bedeutet -, tritt sofort die gesamteuropäische Reaktion darauf zutage: gegen die deutsche Gefahr.

Kapitalgruppen sowohl hinter den Gesamtdeutschen wie den Mitteleuropäern könnten sich eine Führung der 3. Welt wünschen, wie Sie es vermuten.

Was sie haben, ist technisches know-how, eine tüchtige und submissive Arbeiterklasse (zu der auch die Angestellten zählen!) und Fabriken.

Was sie nicht haben, ist eine gesamtmenschheitliche emanzipative Idee (die fehlte ja allen deutschen Staaten), politische Intelligenz und Finanzmacht.

Die Weltföderation wird deshalb englisch sein, mit einem besser zu gängelnden amerikanischen Trampeltier für grobe Disziplinierungsaufgaben weltweit.

Nicht daß ich den Engländern, also der Londoner City und dem Privy Council der Familie Mountbatten traue.

Ich bescheide mich ja mit einem Frankeurafrika, weil das mein Klima ist.

Aber ich ziehe die englische Weltföderation längst einem deutschbeherrschten Mitteleuropa - also einem moderneren Heiligen Römischen Reich - vor.

Und ich glaube, daß ich mit dieser Einschätzung der Machtverhältnisse global richtig liege...

Bunkerarchitektur.

Ich hab mir das nochmal angesehen.

Das Goetheanum ist innen hell, Bunker sind dunkel.

Viele große Fenster.

Gewiß, das ist eine Masse Beton.

Es soll ja das Zentrum einer Weltgemeinschaft sein, so eine Art Vatikan.

Dafür ist der Bau gut gestaltet: imponierend groß, doch keinesfalls so eine moderne Hosenknopfherstellungsmaschine wie der neue Kongreßbau in Westberlin und andere Ungetüme.

Trotz der Größe umschaubar.

Vor allem die Flächen so dynamisch geschwungen, daß mit fast jedem Schritt um das Gebäude herum andere Perspektiven entstehen.

Kein Historismus und auch nicht der "Bauhaus"-Typ, der heute die ganze Welt eintönig macht.

Dennoch ist Ihr "Bunkerarchitektur" mit mir rumgegangen.

In der Tat: die Dächer der Steiner-Bauten lasten alle.

Ungeheuer betont, von unten bereits auskragend angesetzt, die Dachgeschosse.

Guckt man näher, sieht man, daß in ihnen Wohnräume liegen, daß also nicht massiver Beton auf den Mauern lastet.

Warum dann die Betonung des Daches?

Ich vermute: Schutzbedürfnis, man erwartet dicke Brocken vom Himmel.

Es gibt doch Kinderbücher, in denen die Häuser Steinpilze sind; der Eindruck der gemütlichen Geborgenheit wird da erweckt...

Mit Anthroposophen kam ich auf der Documenta erstmals zusammen.

Ihre Weltanschauung interessierte mich nicht.

Ich hielt sie bis 1980 für so eine Art westliche Buddhisten, nicht für Christen.

Mich interessierte: sind die gegen den Staat BRD, wie stellen sie sich an im Kampf usw..

Erst vor 2 Monaten las ich Vorträge Steiners z.Zt. des 1. Weltkrieges.

Da dachte ich: aha mein Sohn!

Lassen Sie mich mal weiterlesen.

Und sagen Sie mir ruhig, was Sie wissen...

Wie wars zuletzt im BPA?

Die Nachrichtenzentrale (Schichtdienst an Sichtgeräten der Agenturen, dt., engl., frz., deshalb nur Angestellte) war das roteste (was SPD heißt und DAG oder ÖTV) Referat des Hauses.

Außer Ahlers hat niemand gewagt, uns krumm zu kommen.

Nur wir konnten rund um die Uhr arbeiten (d.h., sonst wollte keiner) und beherrschten die Geräte.

Wir prozessierten um unsere Beförderungen, Zug um Zug.

Wir waren umgeben von CDU/CSU-Beamten, darunter alte Nazis.

Denen sagten wir unverhohlen die Meinung.

Ich bin derjenige, der mit einem früheren Kollegen, der damals im BuKaAmt arbeitete, Ahlers' Vorhaben, als MdB Parlamentarischer Staatssekretär des BPA zu werden, vermasselte mit einer besonderen Nachrichtenzusammenstellung für Willy in Norwegen, über Guillaume.

Ahlers wurde MdB und sonst nichts mehr.

Ausgepißt, der Herr Fallschirmjäger.

Nicht mal eine 1-Mann-Mehrheit der Koalition kam zustande, in der Ahlers das Zünglein hätte spielen können.

Er bekam Asthma - endlich kam seine Angst zum Vorschein! -, an dem er starb.

Ach der Guillaume, auch so eine Anekdote.

Ich kannte ihn seit 1959 in Ffm., Jusos wir beide, er SPD-Funktionär (seine Frau Telefonistin bei der SPD, immer unfreundlich).

Wir, E. Nitzling, Fritz Vilmar im selben Distrikt.

Wir machten den "linken" Matthöfer zum MdB.

1970 traf ich im Bonner Bahnhof Matthöfer und Guillaume.

Ich trat zu ihnen.

Das übliche Blabla.

Ich nannte ihn nicht Günter, sondern Erich, irrtümlich, weil damals im Distrikt zufällig fast alle Erich hießen.

Der Zug läuft ein, Matthöfer geht in die 1. Klasse. G. und ich quatschen in der 2. bis Ffm..

Alles mögliche.

Seine Frau wolle nicht nach Bonn.

Ich muß dazusagen, daß G. damals in Ffm. der einzige rechte Genosse im Distrikt war.

Aber nun war keine Spannung mehr zwischen uns.

Damals waren gerade ein paar FDP-Herren, u.a. Kühlmann-Stumm, aus der Koalition geschieden.

Und da wollt Ihr umziehen, wo die Koalition vielleicht in 14 Tagen platzt, fragte ich.

G.: "Erich, die Partei läßt uns nie im Stich!"

Konnte ich ahnen - ich, der ganz skeptisch dreinblickte -, daß der eine ganz andere Pachtei meinte als ich?

In den folgenden Jahren hatte ich einige kurze, meist indirekte, und einen brieflichen Kontakt mit ihm, der sicherlich den Geheimern in die Hände fiel.

Harmlos, Reichsbannerkram.

Aber immerhin.

Und dann kam 1973 oder 74 der ÖTV-Streik in Bonn.

Wir sagten, dem indolenten saufenden Willy muß mal in den Arsch getreten werden, wir streiken mit.

Sind ja Angestellte, nichwahr.

Große Kalamität: die Nachrichtenspiegel fielen ja aus, auch unsere telefonischen Kurzinformationen.

Wir hatten ja das Recht, den BuKa auch nachts im Bett anzurufen, aber wehe, es war dann nicht wichtig genug.

Naja, wir streikten tatsächlich.

Und der Bundeskanzler hatte nur noch die Informationen von BND, Verfschutz, MAD, nix mehr aus Agenturen, Presse, Rundfunk (bis China), TV.

Oh was eine Wut!

Dann hatte ich die Nase voll.

Der Schichtdienst machte mich kaputt, Zeit für Freunde, die man ja abends trifft, kaum noch.

Bonn vermopste Kleinstadt.

Ich zum AA: möchte mal wieder raus.

Ich war AA-Mensch, zum BPA nur abgeordnet.

Hoppe: Kairo, zweiter Mann dort.

Hoppe hat mich sicherlich nicht reingelegt.

Er hat mich ja, als ich aus Lagos und Dacca meine Briefe schrieb, gedeckt und mittels meiner Aggressionen Karriere gemacht.

Nun hatte er mich nicht mehr nötig.

Ich schrieb im Sommer, nein Herbst 74 einen Leserbrief über Willy, den die FAZ abdruckte.

Dann mein Brief im ED.

Hoppe feuerte mich.

Damit aber war ich dem Zugriff der deutschen Polizei entzogen.

Hätte ich das getan, was man mir vorwarf, hätte ich alle Spuren verwischen können, ich blieb ja fast 2 Monate in Kairo, nach meiner Entlassung.

Man konnte mich nicht zurückberufen, ich war ja entlassen.

Im AA gab es 1974 Leute, die mich lieber für immer im BPA gesehen hätten, weil ich eine Karriere-Stelle für junge "echte" Diplomaten wegnahm.

Also stuften die mich 2 Stufen runter.

Ich hätte die im BPA gemacht, das AA erkenne das nicht an.

Alles gelogen.

Aber man wollte mich abschrecken.

Nach 6 Monaten in Kairo mußten sie mich rückwirkend wieder eine Stufe hochheben.

Aber die andere war perdu.

Nein, ich kann da keine Methode sehen.

Um es mal deutlich zu sagen: ich wurde ein Opfer, stimmt.

Aber die, die mir ans Zeug wollten, sind dumme Hunde.

Die wollten zwar, aber die konnten nicht.

Unsere Staatsnazis sind bedenkenlose Verbrecher.

Aber letztlich sind sie dumm!

1945 habe ich sie feige gesehen.

Zu meiner Mutter sind sie gekrochen um Persilscheine.

Und sie gab sie ihnen leider.

Zu mir, dem 13-jährigen: "Guten Tag, Herr Knapp!"

Hut gezogen, Diener gemacht.

1975 habe ich sie verbrecherisch gesehen - und dumm.

Ich weiß, daß ich sie einmal wieder feige sehen werde.

Dann werden sie geschlachtet.

Diesmal gibts kein Pardon.

Die ÖTV ließ mich ca. 3 Wochen nach meiner Entlaseung fallen.

Ich kanns nicht schriftlich beweisen, hörte aber, daß Hoppe (über Brakebusch) und Wischnewski bei der ÖTV in Stuttgart dafür gesorgt haben, daß die meinen Rechtsschutz nicht länger wahrnahmen.

In Bonn war es den ÖTV-Funktionären peinlich, in Düsseldorf dem einen, den ich sprach, ebenfalls.

Meine ÖTV-Kollegen haben mehrmals schriftliche Beschwerden verschickt, auch die SPD-Betriebsgruppe im BPA, während beide Gruppen im AA stillschwiegen, total.

Der Bonner SPD-Unter-Bezirksvorsitzende setzte sich noch für mich ein.

Dann begann ich die SPD zu provozieren, wollte ausgeschlossen werden.

Aber nix.

Ich trat im Dezember 1976 aus.

Ich habe meinen Feinden im nachhinein "Recht" gegeben, seis drum.

Die ganze Geschichte ist ein Aspekt der BRD und meine Berechtigung, die BRD zerstören zu dürfen.

Ich möchte nicht rehabilitiert werden!!

Weil ich von denen nicht mehr angenommen werden will; weil die Nazis waren, sind, bleiben werden.

Weil mein letztes Wort über die, wenn ich es sprechen könnte, nur das Todesurteil sein kann.

Das meine ich wörtlich.

online-Fassung

kuckuck 47
I/85
18. Feb. 1985

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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