|
Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1984-06-13
Vgl. kuckuck 45a-d extra
Staatsgeheimnisse, Partei- und Kirchenheimlichkeiten müssen ans Licht gezogen werden.
Da geschieht zu wenig.
Doch Privatkorrespondenzen sind zu Lebzeiten der sie Schreibenden nichtöffentlich, es sei denn, sie hätten anderes vor Augen gehabt.
Meinen Briefwechsel mit Horst Lummert habe ich von Anbeginn und mehrmals später ausdrücklich als privaten gekennzeichnet.
Entsprechend ungeschützt, spontan, der experimentierenden Gedankenentwicklung offen und stellenweise unreif war er.1
Dagegen, daß Horst Lummert seinen Teil unserer Korrespondenz ins Öffentliche zog, konnte ich nichts einwenden.
Doch die Art, wie das geschah, macht es mir schwer, einiges zurechtzurücken.
1 siehe: Zum Grundsätzlichen in der Briefauswahl nach Knapps Beitrag am Ende der Seite
Auch empfinde ich diese als ein intersubjektives Verunglücken.
Der Stil der Auseinandersetzung soll jetzt thematisiert werden:
Was Deutsche nicht wissen: Selbstverständliche, deshalb nicht fixierte, deshalb nicht lesbare, deshalb für Deutsche kaum lernbare Voraussetzung der Res publica, zu der politische Literatur gehört, sind verbindliche Regeln öffentlich-zwischenmenschlichen Umgangs.
Die müssen nicht englische sein, aber ein Blick auf englische parlamentarische Usancen wäre lehrreich.
Auch Hemdsärmeligkeit ist möglich, Grobheit bäuerlicher und plebejischer Art.
Aber die "jesuitische Methode" zerstört das Vertrauen, ohne das die Beratung des gemeinsamen Interesses irrational wird.
Herrschen solche Regeln, wird der, der sie nicht innehat, aus der Debatte ausgeschieden, damit Rationalität des Diskurses wiederkehre.
Je selbstverständlicher die Regeln, desto stillschweigender der Ausschluß.
Diskriminiert wird, wer sich selber diskriminiert hat.
Dies ist der Punkt der Res publica, wo Demokrat und Aristokrat sich nicht unterscheiden.
Der politische Stil (des Gentleman) und der klerikale Stil (des mittel- und osteuropäischen Akademikers samt den diesem Angepaßten) sind unvereinbar.
Daß ich so etwas feststelle, beweist, daß ich in einem unpolitischen Land zu wirken versuche.
Bei uns herrscht seit dem Mittelalter der klerikale Stil, weswegen in Deutschland Politik öffentliche Unglücke zeitigt und die Sensiblen zum Rücktritt zwingt.
Denn was Menschen für "ewige Wahrheiten" halten, kann auch im richtigsten Fall nicht so wahr sein, daß mit ihr andere Menschen beeinträchtigt werden dürfen.
Alle Auschwitz' entstammen klerikalen "Wahrheiten", immer schon seit dem Mittelalter.
Der Theologie entsproß die geisteswissenschaftliche Universität, ihren spitzfindigen Disputen folgte im Stil des Argumentierens unser Akademikertum.
Der klerikale Stil des Rechthabenmüssens wird schon dem Sextaner beigebracht.
Ich sprach mit Vorbedacht von Aristokratie.
Horst Lummert wirft mir das vor - in klerikaler Weise, wie ich meine, denn er kennt den Inhalt, den ich in das Wort lege.
Es ist nicht im Sinn des Adelsstandes oder der Nazi-"Elite" interpretierbar.
Ich meine eine menschliche Haltung (s.o. unter engl. Parlamentarismus usw.) und zugleich Differenzierung des Denkens (s. bestimmte französ. Kulturen der Diskussion) und nenne deutsche Vorbilder: Ulrich Sonnemann, Martin Buber, Erich Fromm.
Im ständischen Sinn aristokratisiert ("Adel des nordischen Blutes") werden die Deutschen seit 180 Jahren, zuerst das Bürgertum, heute Bauern und Arbeiter.
Wer in diesem Land existentiell ein Demokrat ist, mußte erfahren, daß er zu einer Minorität, einer guten, in einem nichtdemokratischen Volk gehört.
Auch hier ist ein Ort, wo sich Demokrat und Aristokrat nicht unterscheiden, ein Ort, wo der Nazismus demokratisch ist und die Demokratie dem Nazismus sehr förderlich.
Der deutsche Nazismus hatte nach seiner Machterschleichung infolge des Aufsaugens konkurrierender deutscher Faschismen seine breite Mehrheit.
Adorno sagte sinngemäß, mit ihm seien die Deutschen unverstellt zu sich selbst gekommen.
Dies nicht etwa wegen nazistischer Gene - obwohl ich, diese antifaschistisch redende und völkisch handelnde Jugend hörend, verblüfft zur falschen Erklärung greifen möchte -, sondern infolge einer 180-jährigen sozio-psychischen Enkulturierung.
Deshalb wird unsere Linke, sobald linke Theorie in Praxis übergeht, zu einer pseudolinken Abteilung des Rechtsextremismus.
Deutschsein verhindert Linkssein.
Die "Linke" linkt.
Deshalb wäre Rheinbündnertum nicht bloßer Namenswechsel, sondern (es wäre doch inopportun wie jedes Unabhängigwerden, wenn langfristig auch vorteilhaft) die Selbstveränderung kollektiver Identität durch Auflehnung gegen die Definition durch Herrschaften und durch neues öffentliches Verhalten.
Demokratie ohne Selbstrevolutionierung ergibt nur die demokratische Wiederholung vordemokratischer Zustände.
Und das ist schlimmer als des Kaisers Herrschaft.
Aber wer will denn das:
Gegen den deutschen Nationalismus einfach auf einen französischen (à la de Gaulle) umschalten zu wollen...
Terrible simplificateur!
Wer sprach denn von Nationalismus?
Selbst unser Neologismus "Nationismus" ist problematisch, weil ein "ismus" Übertreibung anzeigt.
Jedoch Nation, wie sie historisch realinterpretiert worden ist in Frankreich seit 1789, nämlich als Selbstbestimmungsgesellschaft des Citoyen (ganz zu Anfang der Revolution war gemeint: des citoyen universel), kann Deutschsprachigen nur empfohlen werden.
De Gaulle war kein Nationalist.
Er war kein Rassist noch Antisemit.
Seine Eltern brachen mit Maurras und wurden konservative Dreyfusards.
Er war Antifaschist, wie kein Deutscher es war, enteignete französische Nazikapitalisten und ließ zu, daß 300.000 Kollaborateure hingerichtet wurden.
Er entkolonisierte das französische Afrika; nicht opportunerweise, sondern gemäß seiner Ankündigung 1941 in Brazzaville.
Daß er die algerischen Harkis kaltherzig ihren Mördern überließ, ist ein Schandfleck seiner Biografie.
Ist Nationalismus die Neurose/Psychose verkindischter Kollektive, die nicht sich zur Nation zu konstituieren wagten?
Oder, wenn wir das Wort Nationalismus wertneutral benutzen, was bedeutet er dann?
Ich meine, dann könne er nur jeweils das bedeuten, was die Persönlichkeit der jeweiligen Nation ist.
Universalia sunt nomina post rem, stellten die klugen Nominalisten gegen die klerikal disputierenden Realisten fest.
Wenn wir der schnelleren Verständigung wegen die Chiffre "Nationalismus" benutzen, sollten wir doch die Mühe nicht scheuen, der jeweiligen konkreten, sich stark unterscheidenden Inhalte eingedenk zu sein.
Andernfalls kommt es zu komischen Mißverständnissen wie dem zwischen westdeutschen "Linken" und französischen Linken (s. taz v.15.5.84, S.8f.).
Deutsche Säkularkleriker haben nicht ihresgleichen.
Französische Höflichkeit spricht das nicht aus.
Aber unsere "Linke" ahnt, wie inkonsistent ihre Position ist.
Warum sonst wären sie die eifrigsten Monopolisten ihrer Medien?
Das Bundeskartellamt sollte sich mit ihnen noch vor dem Fall Springer beschäftigen.
"Vernünftige Leute" (Horst Lummert), die vernunftlose Zustände aktiv ändern wollen - nicht nur über sie diskutieren -, sind auf vorhandene politische Komplexe wie z.B. Gruppen, Parteien angewiesen.
Da muß man sich auch mal anpassen.
Selbstbestimmungsgesellschaften (Nationen) sind die größten und rationaler Selbstentwicklung günstigsten Strukturen, die bisher geschichtlich entstanden sind.
Recht verstanden, universels, sind Nation und Kosmopolitie kein Gegensatz.
Kosmopolitie ist der Zukunftshorizont aller jetzt noch lokalen Selbstbestimmungsgesellschaften.
Was 1789 materiell nicht gelingen konnte, wäre heute machbar.
Aber nun wird es nicht mehr gewollt.
Hauptsächlich in Deutschland kennt man diese Realperspektive nicht.
Entweder rümpft man die Nase über den Kosmopolitismus - Nazi und Stalinisten/Maoisten gleicherweise -, oder man versteht ihn unpolitisch als angeblich real bestehenden Diskussionsclub (weltweit) von Intellektuellen, die in Wahrheit bis zum Schopf im tribalistischen Morast stecken.
Sie halten ihre Sumpfblasen für das Wehen der freien Luft.
Fixiert sind sie auf klerikale Muster:
Christus gegen den Teufel, Ost gegen West.
Wo gehört da - nicht als Organisation, sondern als politische Haltung - der Grand Orient de Frances hin?
Irgendwie in den Osten, sagt der Kleriker verstohlen (damit man es in Paris nicht hört).
Was nur beweist, daß der Kleriker gegen den Westen ist.
Ja, der deutsche Nazismus hat es seit 1945 wieder schwerer.
Er muß sich tarnen.
Aus der amerikanischen State-of-the-Nation-Erklärung macht er den Bericht zur Lage der "Nation".
Dort Zu-Stand, hier Nieder-Lage.
Immer dieser Zwang zur Mimikry.
Leider nichts begriffen:
Die sogenannte nationale Frage, die ich selbstverständIich genau wie Sie (und genau wie Havemann) nicht ethnistisch begreife, sondern... sprach-... geschichtlich.2
Ich war ja gegen die Veröffentlichung unserer Korrespondenz!
Genau so haben sie es ja alle begriffen, die deutsche politische Romantik, die Völkischen, die 1848er, Stalin im Gefolge des Austromarxismus, Havemann wie die Maoisten, Rudi Dutschke, Peter Brandt, die Anthroposophen.
Die nationale Frage fassen sie ganz anders auf als die Nazis: nicht ethnistisch, sondern - ethnistisch. Bierkleriker!
Die Wahrheitsfinder vom Bräuhäusl!
Nein, Horst Lummert, nein: Auch die deutschen Proleten haben nicht das Recht, gefährliche Dummheiten zu machen.
Es darf um der gebrechlichen Zivilisation willen keine deutschen Staatsvereinigungen mehr geben.
Das Verbot der Alliierten 1919 und 1930 von damals ausdrücklich "Wiedervereinigung" genannten Unionen des Deutschen Reiches mit Österreich war richtig.
Sinngemäß gilt es für das Westreich und die DDR (und dem Staatsratsvorsitzenden sei's gesagt: es gilt, mit der Ausnahme Westberlins, auch umgekehrt).
Der Rheinländer Karl Marx, das sollten die Protagonisten des Proletariats wieder lernen, hat auf die Weltrepublik orientiert und auf das Absterben des Staates.
Seine Söhne bauen Lokalstaaten aus, vertikal und horizontal.
2 Die Unterscheidung ist völlig korrekt. Der deutschvölkische Rassismus schloß nicht via Sprache zusammen, sondern dividierte qua "Blut" und eliminierte auf diese Weise deutsche Sprachkultur (vgl. Judenverfolgung). kkk
Hier ist die gewissermaßen Havemannsche Stelle, wo bei Horst Lummert jene Brücke auflag, über die hin er 1970 zu Wolf Schenke ging.
Warum kann er, Horst Lummert, das mir nicht verzeihen?
Mein gegen meinen Willen zitierter und aus dem Zusammenhang gerissener Satz auf S.7 im kuckuck 45a-d bezog sich übrigens nicht auf Schenke,*=14 sondern auf den Pilsudski-Flügel der polnischen Solidarnosc.
Über das Nichtvorhandensein eines Luxemburg-Flügels, über den ich anders urteilen würde, sollte auch einmal gesprochen werden.)
Die Schenke-Lummert-Brücke ist möglich gewesen durch u.a. solche (heutigen!) Sätze voller Bedauern:
Die Teilung ist ja kein Kriegs-, sondern ein späteres Nachkriegsergebnis (H. Lummert).
Das könnte einigen so passen, nachdem Washington das Bündnis mit den Staatsnazis geschlossen hat.
John J. McCloy der Judenmordkomplize (er hat Roosevelts Befehl, die Wege nach Auschwitz zu bombardieren, so clever sabotiert) war ein Architekt dieses Nachkriegsbündnisses.
Da war die Spaltung geboten.
Roosevelt wollte ihm vorbeugen.
Er sagte 1943 in Casablanca: "Diesmal werden wir bis nach Berlin marschieren und Deutschland aufteilen."
F.D.R. war keineswegs ein "ahnungsloser Amerikaner", der auf Stalin hereinfiel. Er kannte seine McCloys. Deutsche Antinazis sollten sich vor Legenden hüten.
Adenauer, Mitrestaurator des westdeutschen Staatsnazismus war auch ein rheinischer Europäer.
Inkonsequenterweise war er beides, eben ein römischer Katholik.
Er hat Roosevelts Intention entsprochen.
Ulbricht als Schüler des humanistischen Rheinländers Karl Marx schottete sein stalinistisches Territorium vom Bonner Staatsnazismus ab.
Gut getan!
Ein neutrales Gesamtdeutschland hätte über kurz oder lang die Gustav Heinemanns abgesetzt und Stück für Stück (wie die Weimarer Republik) gefordert: die Oder-Neisse-Gebiete (die zu annektieren und ihre Bevölkerung zu vertreiben nicht Rechtens gewesen ist; aber man hüte sich, eine Rechtsfrage dem deutschen Staat zur Lösung anzuvertrauen!), dann das Memelland, dann die Sudeten, Österreich, Südtirol, Elsaß, Lothringen, die Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Flandern.
"Soweit die deutsche Zunge klingt" (E.M.Arndt) ist das Endziel ethnistisch bestimmter Außenpolitik.
Horst Lummert und Rudolf Augstein, der, en passant, auch ein katholischer Typus ist, kein norddeutsch-asketischer Protestant,3 wie H.Lummert meint: so verschiedene Deutschland-Hoffnungsträger sind sie gar nicht.
Lummert denkt, ein humanes Deutschland könne entstehen, wenn einmal von der Arbeiterklasse bestimmt.
Augstein trauert jener liberalen Möglichkeit nach, die mit Kaiser Friedrich III. gestorben sei.
Aber auch nicht zwei Weltkriegeniederlagen und eine Arbeiterrevolution können einen staatlich-sozialen "Rahmen" im Wesentlichen verändern.
Es müßte ein neuer "Rahmen" geschaffen werden, damit das Sozialverhalten der Bevölkerung sich ändert, bzw. dieses müßte sich ändern und den "Rahmen" dazu.
Der "Rahmen" "Deutschland" wurde von der Romantik ideologisch, vom preußischen Obrigkeitsstaat militärisch-plebiszitär gezimmert.
Er war nie human und demokratisch.
Alles, was sich in ihm abspielte, abspielt, abspielen wird, wird letztlich vom "Rahmen" bestimmt. "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" (Adorno).
3 Augstein ist wie Knapp ein abtrünniger Katholik - in einer langen bedrückenden Reihe... Wer ein klein wenig von Psychologie versteht, erkennt die latenten Gefahren... Darum ist der Puritaner Augstein gefährlicher als der barocke Strauß..., so Lummert (kuckuck 45a-d, S.31). kkk
Freilich, Demokratie darf nicht verstanden werden als voraussetzungslose Diktatur von Mehrheiten.
Die Übersetzung des Wortes Demokratie (Volksherrschaft) begünstigt die Mimikry des Nazismus.
Demokratie ist ein bestimmtes flexibles System von Regeln rationalen Diskurses vieler aufeinander hörender Bürger über die Führung der gemeinsamen Angelegenheiten in Berücksichtigung der Interessen jener, die am Diskurs nicht teilnehmen: Kinder, Kranke, die Menschheit außerhalb des Forums, die natürliche Umwelt, die künftig Lebenden.
Außerdem untersteht die Demokratie den Bürger- und Menschenrechten, die keine Mehrheit und keine Minderheit abzuschaffen berechtigt ist.
Der "Rahmen" namens Deutschland muß also beseitigt werden.
Dies getan, wäre Deutschland nur vervielfältigt, falls der Sozialcharakter der Menschen mehrerer Deutschlands unverändert bliebe.
Die Forderung, an die Stelle der sogenannten Bundesrepublik recte Deutschland einen Rheinbund, Bayern usw. zu setzen, ist demnach nur eine vorgängige.
Die nachfolgende Forderung, Veränderung des Sozialcharakters, muß real vorher erhoben werden: von den Menschen an sich selbst.
Es wäre der Kampf um die rheinbündische Republik, der den Sozialcharakter unserer Leute verändern, entdeutschen, republikanisieren würde.
Horst Lummert, Rudolf Augstein, Rudolf Steiner, Gustav Heinemann und viele andere, wie sehr sie sich auch sonst unterscheiden, sind die gutmeinenden Träumer Deutschlands.
Aber die bösen Träumer wußten immer, daß der "Rahmen" Deutschland ihrer war.
Denn dieser "Rahmen" ist, vom Standpunkt des Humanisten und Demokraten gesehen, böse.
Die guten Träumer waren allemal gut genug, Girlanden des Humanismus und der Demokratie um den "Rahmen" zu winden, solange dieser angebrochen war und wieder heilen mußte.
Die Demokraten halfen den Nazis, Zeit zu gewinnen.
Wenn sich ein Land voll hartnäckiger, intelligenter, fleißiger, monomanischer, intoleranter Träumer (böser wie guter) einmal nicht völlig zerstört - was ein Unglück wäre, aber, falls isolierbar, den Nachbarn erträglicher, als Bedrohungen und Katastrophen alle 20 Jahre mitzuerleiden - dann muß dieses Land kleinräumig aufgeteilt werden.
Seine Einwohner müssen allen möglichen kulturellen Einflüssen ausgesetzt werden, bis sie die Komplexität der Welt erkennen und vordergründige Anomien beobachtend und lernend tolerieren, statt sie theoretisch vorschnell und praktisch gewaltsam zu harmonisieren.
Harmonie gibt es.
Sie ist der Vernunft hörbar.
Aber sie ist nicht durch Harmonisierungen produzierbar.
Zu glauben, dies sei möglich, ist der Irrtum der konservativen Ideologie.
Zu glauben, daß Harmonie überhaupt nicht existiere, ist der Irrtum der zänkisch keifenden Linken.
Gelernt werden muß, daß es verschiedenartige, in sich jeweils logische Paradigmen der Seinserklärung gibt mit allen möglichen persönlichen und kulturellen Ausdrucksformen; daß das Andere, die/der Andere neben uns in vollem Recht bestehen dürfen.
Also für die Mehrheit in unserem Land Juden, Türken, Kommunisten.
Würde das nicht gelernt durch die Schaffung eines Rheinbundes, dann empfiehlt sich die Einwanderung einer Million Schwarzafrikaner in die BRD.
Schnell würden Juden, Türken und Kommunisten als Weiße von der Mehrheit ins Herz geschlossen.
Also 100 Millionen veilchenfarbige Marsianer auf die Erde, damit die Menschheit als eine sich erkennen lernt?
Aus dem Fehlen der Marsianer ergibt sich für den Kosmopoliten die Taktik des Umgangs mit wechselnden Gruppen und Medien (in kleinen steckt mehr Intelligenz als in großen).
Kleine Gruppen müssen angestiftet werden, Großgruppen aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem sie zu Schritten animiert werden, die unkontrollierbare Folgen haben.
Ganz bestimmte Informations-Bits und -Qualitäten, verschieden je nach Eingabeeinheit, müssen eingefüttert werden.
Günstig ist dabei, daß dies bedacht, aber ohne Plan geschieht, denn gegen Pläne entwickelt das herrschende Gleichgewicht Gegenpläne, die es mit größerer Kraft durchsetzt.
Auf nichts kann man sich verlassen, ruft der all' das beobachtende kuckuck. Das ist die Qual dessen, der viel sieht, zu viel für sein jetziges Aufnahmeraster, aber nicht alles sieht. Nur der fliegende kuckuck überschaut alles.
Der Partisan ist nicht nichts, darauf könnte sich ein kuckuck verlassen.
Auf nichts könnte er sich eh nicht verlassen, weil es nichts nicht gibt.
Verlassenheit muß ertragen werden, bis Geschwisterlichkeit erlernt ist.
Die erlernt sich, indem man nicht richten will, sondern sich im Anderen erkennt.
Auf nichts kann man sich verlassen.
Schmidt klagte über den "unberechenbaren Carter", obwohl der sorgfältiger alle Lagen zu berechnen versuchte als alle Zeitgenossen.
Man kann wissen, daß die Logik unserer Weltverhältnisse in der Endkatastrophe landen muß.
Die kleinen Berechner brechen immer nur Todesspitzen ab, täglich.
Statt die Verhältnisse zu ändern, was freilich unberechenbar ist, obwohl ohne Berechnungen auch das nicht möglich ist.
Alles, was hierbei hilft, ist gut.
Alles, was konserviert, ist schlecht.
Marx' Denken ist besser als der versteinerte Marxismus; Rudolf Steiner ist besser als Bonn; der Freudomarxismus ist besser als diese alle.
Draußen sind gut das nationelle Bewußtsein Frankreichs, das carbonarische Italiens, das hussitische der Tschechen, das trotzkistische in der Sowjetunion, das oranische der Niederlande, das cromwellsche Englands, das jeffersonsche der USA.
Aufwachen!
Das Heilige Römische Reich des Prinzips Herrschaft muß beseitigt werden.
... die heutigen Proletarier... sind... in puncto Massierung nur noch schwer zu manipulieren (H. Lummert).
Aber massiv für alle Kinkerlitzchen des Konsumismus, des Fußballspiels und der BILDzeitung: Voyeursex, Tratsch, Verleumdungen, Schadenfreude, Minderheitenhetze, "Blonde Deutsche von Neger...".
Dieses Proletariat verweigert sich.
Der Humanität.
Aber es steht wie ein Aktionär hinter diesem waffenexportierenden Wirtschaftsaufschwung.
Nur die Beine verheddern sich jetzt: "Wir wollen Arbeit!" Gleichgültig, welche.
Man würde auch wieder Cyclon-B produzieren, wenn die Direktoren dürften.
Hingegen: "Weniger Arbeit für gleichen Lohn!" Dat geiht nich meh?!
"Die Türken in die Gaskammern!"
Wenn der Kohl es nicht bald schafft, wird ein Adolf gerufen.
Kein Thälmann, ein Adolf.
Die wollen kein 1917. Aber "Arbeit und Brot", 1933.
Der sozialdemokratisch-kleinbürgerliche Gewerkschafter wird vom kleinbürgerlichen Lkw-Fahrer einfach überfahren.
Vor und zurück macht zweimal drüber, das ist Unternehmermentalität.
Wer sagt jetzt, ich formuliere zu hart? Horst Lummert schildert (S.33, 2.Abs.) Arbeiter, die im Betrieb vorgesetzte Angestellte "auflaufen" lassen (vgl. auch kuckuck 37/38/39: 20ff. - kkk).
Ich habe das nicht veröffentlicht, es trifft mich sogar, daß das nun zu lesen ist.
Als es noch brieflichen Charakter trug, antwortete ich, dieses Verhalten bewiese den boshaften Knecht und meinte damit, daß Hinterhältigkeit Knechtsnatur signalisiere und sadomasochistisches, nur in ungefährlichen Situationen sich rächend abreagierendes Einverständnis mit dem Verbleiben im Knechtszustand.
Solches Verhalten macht Arbeiterrevolution schon im innersten Kern des einzelnen Arbeiters unmöglich, weil es eine Selbstzerstörung des eigenen Würde- und Schamgefühls ist.
Man kann zum Knechtsdasein gezwungen werden und sich bei guter Gelegenheit befreien, wenn man seinen Wert kennt und achtet.
Wer sich aus freien Stücken würde- und wertelos verhält, wird unter keinen Umständen frei.
Wer Menschen (nicht etwa Institutionen), mit denen er konkret zu tun hat, böse behandelt, etwa wie einen "Ball" tritt, weil er sie nur "funktional" als "Feind" sieht, ist schlicht ein Lump!
"Dabei kann dieser Angestellte ein ganz friedlicher Bürger und Arbeiterfreund sein."
Die materialistisch-philosophische Begründung lese man noch einmal nach.
Für mich ist genau das klerikaler Stil.
Adieu au prolétariat! - falls Horst Lummert, der das Industrieproletariat besser als ich zu kennen behauptet, richtig beschrieben hat.
Die westdeutsche Arbeiterschaft stehe "als Garant für die republikanische Verfassung"4 Die? Für was?
Republikanische Verfassung?
Eine solche ist das Grundgesetz aber nicht!
Nachfolger und Identitätsträger des Deutschen Reichs.
Das war immer antidemokratisch: 1871 so gegründet, 1918 im Großen Hauptquartier für eine Schwächeperiode parlamentarisch kostümiert, 1933 wieder zu sich gekommen.
Die Präambel des GG sagt, daß dieses als "Ordnung" bezeichnete Staatsgebilde-Provisorium-Transitorium nur für eine Übergangszeit gelte.
Wie 1918.
Das ist der innenpolitische Sinn von Wiedervereinigung!
Aber so lange dauerte es gar nicht, und der Obrigkeitsstaat war wieder perfekt.
Natürlich muß auch hier differenziert werden.
Es ließe sich nachweisen, daß das GG einerseits wirklich eine westlichdemokratische Verfassung ist, andererseits aber auch das Restaurations-Statut des alten deutschen Obrigkeitsstaates.
Das letzte Element war das stärkere.
Zur Abwehr der Renazifizierung wurden außerdem Institutionen geschaffen, die sofort von den Nazis gegen die Demokraten besetzt wurden.
Ich habe Horst Lummert nie "Antirussismus" vorgeworfen (einen derartigen Ausdruck gibt es nicht, weil der Haß auf Moskau so allgemein ist), weil er gegen die Sowjetunion, ja gegen die gesamte russische Geschichte mit Ausnahme von acht Monaten im Jahr 1917 ist.
Aber das Wort "Antiamerikanismus" ist schnell bei der Hand, wenn einer gegen den US-Militarismus und Babbitt-Faschismus ist.
Die Kraft, dagegen zu sein, das Bewußtsein der Legitimität meines Widerstandes kommt mir nicht aus deutschen Quellen - wer aus denen trank, mag Reagan -, sondern aus den amerikanischen des Fulbright-Stipendiaten, der ich einmal war.
Es gibt ein Amerika, das ist so "europäisch", daß die Gründerväter und Jefferson auswandern würden, müßten sie heute dort leben, oder sie würden revolutionieren.
Und dann würden sie von Europas Konservativen Antiamerikaner genannt.
4 Lummerts Satz, auf den Knapp sich bezieht, lautete: Vergleiche ich "revolutionäre" Programme (von heute) mit dem Grundgesetz, verstehe ich sofort, warum die authentische Arbeiterbewegung sich als Garant für die republikanische Verfassung begriff (S.1). kkk
Diesen Konservativen muß man nur einige Namen nennen, um sie hinter ihrer "demokratischen" Fassade herauszuprovozieren: Cromwell, Wilhelm von Oranien, Jefferson, Lincoln, F.D.R., Sieyes, 1789, Bonaparte, Gambetta, Clemenceau, de Gaulle, Garibaldi, Mazzini, Cavour, Masaryk, Benesch, Trotzki, Lenin.
Themen, Themen...
Das Handwerkszeug des Karl Marx handhabt nicht, wer die UdSSR faschistisch nennt oder ihr Wirtschaftssystem staatskapitalistisch.
Handhabt freilich auch nicht, wer Hitler mit dem Geld des Finanzkapitals erklären möchte.
Handhabt nicht, wer die Bedeutung der deutschen Goldmark für die erste Phase der Oktoberrevolution überschätzt und den Vormarsch der deutschen Truppen auf Leningrad kurz danach geflissentlich übersieht.5
Handhabt nicht, wer aus der Tatsache, daß die deutschen Gelder über eine Bank jüdischen Namens nach Petrograd flossen, auf einen jüdischen Charakter der Oktoberrevolution schließt.6
Die Konstruktion von Geschichtsmythen läßt auf Ressentimentdenken schließen und war immer letztlich faschistoid.
5 Das ist eine Irreführung. Nach dem allgemeinen Dekret über den Frieden vom 8. November 1917 - also 1 Tag nach dem Sieg der sogenannten Oktoberrevolution - machte Trotzki am 28. November 1917 einen direkteren Vorschlag an alle Kriegführenden zum Waffenstillstand.
Der Abschluß des Waffenstillstandes zwischen Deutschland und Rußland erfolgte am 15. Dezember 1917. Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk beginnen am 22. Dezember 1917.
Eine drohende Verschleppung der Verhandlungen wird durch entgegenkommende Verhandlungsführung der Außenminister der Mittelmächte unter besonderem Druck der Obersten Heeresleitung, die zum Friedensabschluß drängt, zunächst überwunden.
Trotzki, der - entgegen Lenins Plänen - bei den Verhandlungen eine besondere Verzögerungstaktik anwandte, was die Wiederaufnahme der Kriegshandlungen am 18. Februar 1918 und einen kurzfristigen Vormarsch der deutschen Truppen zur Folge hatte, war - nach heute allgemeiner Auffassung: mit hoher Wahrscheinlichkeit - in das seitens Berlins (vermutlich auch Wiens) materiell vielfältig abgesicherte Komplott zwischen der OHL und Lenin nicht eingeweiht.
Der deutsche Vormarsch erzwang den Friedensabschluß vom 3. März 1918, indem er die Position Lenins gegen Trotzki stärkte. Dieses Komplott ist unser Thema. kkk
6 Eine der zahllosen Zinken, auch dieser Satz. Lehrstückchen aus der Schule der Desinformation. Ist dem auch nur eine Spur von Knapps Kollaboration mit dem westdeutschen Rechtsradikalismus zu entnehmen? kkk
... waren Fragen der Religionen, Kulturen, Frauenbefreiung, Bevölkerungsexplosion.
Da nach der einseitigen Veröffentlichung mein Standpunkt nicht erkennbar ist, dies:
Ich sehe akute Gefahren nicht nur durch Krieg, Umweltkatastrophen und die Neuen Völkischen von links, sondern auch - infolge längerer Aufenthalte in Afrika, Asien und Lateinamerika - durch ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum.
Es gibt, so meine ich, diesen Gefahren gegenüber traditionalistische Weisen des Erkennens (bzw. der Verhinderung des Erkennens neuer Phänomene) und des gesellschaftlichen Verhaltens (bzw. Fehlverhaltens), die inadäquat geworden sind.
Bestimmte kulturell-religiöse Institutionen tradieren das.
Aus diesen Institutionen kommt auch eine hetzerische, tendenziell inquisitorische, verleumdende Methode in die Diskussion über (ich nenne es unzutreffend, aber neutral) Demografie.
Wer es wagt, die insgeheime Bewertung der Frau als permanent zu Schwängernde und jährlich Niederkommende beim Namen zu nennen, dem wird das Wort im Mund verdreht und als eigene Ansicht unterschoben.
Als infam empfinde ich den Hinweis auf das braune "Wörterbuch des Unmenschen".
Die Einstellung, die ich bekämpfe, kommt in einem Wort des Fürstenknechtes, Bauern- und Judenfeindes Luther zum Ausdruck:
Laßt nur die Weiber alljährlich tragen, und wenn sie daran zugrunde gehen, was macht's, so ist's Gottes Wille? (Sinngemäße Wiedergabe).
Ausnahmsweise zitiere ich aus meinem Brief vom 16.4.1982:
Es gibt eine Bevölkerungsexplosion und es gibt dort ein tägliches Leiden an ihr.
Ich spreche gar nicht über den Hunger, sondern über den sozusagen offenen Gefängnishof der übervölkerten Länder, die Unmöglichkeit, einmal für sich, allein, unmittelbar zur, wenn auch agrarisch bestellten, Natur zu sein.
Ständig in Gesellschaft sein zu müssen verkrüppelt.
Von den bedauernswerten dauerschwangeren Mädchen und Frauen, diesem Bauch- und-Zitzenvieh der katholischen und islamischen Machos und der traditionsvernagelten Hindus spreche ich gar nicht.
Damit nicht ein spitzfindiger Kleriker eine weitere falsche Beschuldigung konstruiert, füge ich hinzu, daß ich das Massenverhungern seit Jahr und Tag mündlich und schriftlich angeprangert habe samt den Schuldigen.
Wenn Horst Lummert über Frauen der Dritten Welt schreibt (S.16-17), beweist er, daß er sie nicht gesehen haben kann.
Wer auch nur eine dieser Frauen geliebt hat (richtig, meine ich, nicht nur mit süßlichem christlichen Herzen), der lernte Mitgefühl beim Anblick eines Abwrackens binnen weniger Jahre.
Statt Lebenserfahrung billige erbauliche Traktätchen christlicher Missionare!
Dazu kommt dann die "linke" Soße: daran sei die kapitalistische Ausbeutung schuld.
Aber das ist nur teilwahr.
Die Bewertung der Frau als Nicht- oder Halbmensch ist Teil einheimischer Kulturen und Religionen der Dritten Welt.
Das Christentum bringt wenigstens theoretisch die Gleichberechtigung von Frau und Mann, aber seine Feindschaft gegen Mittel der Geburtenkontrolle zerstört diesen Ansatz völlig.
In Libyen leben auf einem qkm kaum 2 Menschen. In China...
Und die Wüsten, die verkarsteten Bergzonen?
Man bedenke doch: auf den Ozeanen lebt auf einem qkm kein Mensch!7
Entwicklungshelfer werden!
Reisen bildet!
Dem Frauenelend in der Dritten Welt kommt man nicht bei mit dem Hinweis auf Berliner Furien, die ihren Kindern von ihrer mißlungenen Abtreibung erzählen.
Diese Töchter von brutalfeigen Nazivätern, mit ihrem "linken" Geseire, ihrer erotischen Nullität, ihren antimännlichen (physizistischen, was parallel ist zu den rassistischen ihrer Eltern) Aggressionen, die blieben besser ganz ohne Nachkommen.
Die sollten sich efrauzipieren.
Insofern mag in Westberlin die Humanisierung des Nordens wirklich nicht gelungen sein.
7 Das gilt genauso für Europas und Amerikas Berg-, Wald-, Seen-, Heide- und Weidelandschaften, agrarisehe Nutzflächen usw.. Es ändert nichts an der Vergleichbarkeit der für die einzelnen Länder errechneten durchschnittlichen Bevölkerungszahl je Quadratkilometer. Ergo? Unsere Länder, besonders in den Industriegebieten, sind "übervölkert". "Ständig in Gesellschaft sein zu müssen, verkrüppelt." Naja. kkk
Für Skandinavien, die Niederlande, Britannien stimmt das nicht.
Und vom Woityla-Papst spricht man wie früher vom Roncalli-, Ratti- oder Montini-Papst.
Weil sich die braunen Schrumpfgermanen für nordisch hielten, soll Nordeuropa nazistisch sein?
Der Antisemitismus ist eine Volkskrankheit römisch- und orthodox-katholischer, aber nicht protestantischer Länder.
Wo kamen sie her, die Lanz zu Liebenfels, Schoenerer, Lueger, Hitler, Himmler, Goering, Goebbels, Heydrich, Kaltenbrunner, Eichmann?
Nicht aus Preußen!
Ein Hofprediger Stöcker wird tausendmal angeführt, Tausende katholisch-antisemitischer Volksprediger werden verschwiegen.
Sicher: Wöllner und die Berliner Romantik.
Aber die in Wien und München?
Die noch unpolitische Heidelberger gehört nicht hierher.
Die erste völkisch-antisemitische "nationalsozialistische Arbeiterpartei" wurde im Sudetenland gegründet.8
Richard Wagner samt Schwiegersohn waren keine Preußen.
Simon Wiesenthal hat nachgewiesen, daß das SS-Wachpersonal der KZ überwiegend österreichisch und südosteuropäisch-volksdeutsch war.9
Gegen Preußen kann der Demokrat viel einwenden. Aber für den Nazismus gibt es weniger her als der katholisch-deutschsprachige Süden.
Wir wollen mal die schwarze Kirche beim KZ lassen, sie war schon immer in der Nähe der Scheiterhaufen
Während die deutsche katholische Kirche noch gut mit den Nazis auskam, katholische Widerständler verleugnete und bis in ihre Todesstunde im Stich ließ - heute streicht sie Gewinn ein, indem sie sich schamlos auf sie beruft -; während Hitler das Institut des Konklaves der Papstwahl übernehmen wollte für die Wahl seiner Nachfolger, bereitete der Vatikan für den Fall des Scheiterns des antibolschewistischen "Freiheitskampfes" eine neue Selbstlegitimation vor: die Legende "von Luther über Friedrich II. (und Rousseau) zu Hitler".
Horst Lummert versucht, die männischen Marschierer der SA und SS einem feministischen Norden anzulasten.
Eine Tatsache allein genügt zur Widerlegung dieser dürren Konstruktion: daß die dänischen Juden gewarnt und von Dänen nach Schweden übergesetzt wurden.
Der Norden war überhaupt ein Zufluchtsort der Antinazis.
Muttergotteskult gibt es hingegen in Südeuropa.
Der klassizistische Vorstadt-Architekt Hitler, der Borgia-Mensch Heydrich: nordisch?
Hitler lachte über Rosenbergs Mythos und Himmlers Heinrich-der-Vogler-Mythe.
Hitlers Antisemitismus war der typische für jenes Europa von Warschau über Bukarest bis Wien und München.
Wer katholische Messen, Prozessionen, Aufzüge, wer den katholischen Symbolismus, den Blut- und Märtyrerkult, den Hierarchismus, Oberammergau kennt, der weiß, wo die Nürnberger Parteitage mit ihren Lichtdomen und der gesamte nazistisch-faschistische Kult herstammen.
Die Resistenz katholischer Zentrumswähler der Weimarer Republik gegenüber der NSDAP schuldet sich ihrer Immunität.
Die waren geimpft.
In Österreich, Kroatien, Portugal, Spanien kamen sie an die Macht; sie waren nicht weniger blutrünstig.
Wie wirkungslos sind Ernst Noltes und Friedrich Heers Aufklärungen geblieben!
8 Gemeint ist offenbar die nationalistische Partei "der tschechischen Nationalsozialisten, denen sich wenig später die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) anschloß" (Nolte). kkk
9 Hierzu können Knapps politische Freunde aus der Nähe des "Rasse- und Siedlungshauptamtes" der SS und der "Volksdeutschen Mittelstelle" sicherlich genauere Auskunft geben. kkk
Gegen diese überwältigenden Faktensammlungen kommt der Hinweis auf den "Sachsenschlächter"-Mythos (S.36, Mitte) nicht an.
Den hat es bei den Nazis randständig gegeben, als Dementia Kleistiensis ("Hermann der Cherusker", die Franzosengedichte; Klaus Peymann macht sich um diese Kulturschande wieder verdient).
Armes Volk, das seit fast 500 Jahren glaubt, sich entscheiden zu müssen zwischen der "Luthersau" und der "Papstsau"; deren zwei Staatskirchen sich um die Synthese ihrer Minderwertigkeiten bemühen.
Der Dreiviertelkatholizismus Luthers ist nicht der ganze Protestantismus!
Die Reformierten sind z.T. Antitrinitarier geworden.
Sie sollten weniger im Weltkirchenrat mitarbeiten und mehr das Gespräch mit dem Judentum und Islam führen.
Dabei würden sie auch ihre rassistischen Denominationen in Alabama und Transvaal los.
Berechtigter Abscheu vor der barbarisch-psychotischen Figur Luthers darf nicht an die Seite des Vatikans treiben.
Wer so fragt, glaubt sich mächtig.
Das Wort "Sekte" kommt aus der größeren, der machtvollen Herde, der Kirche.
Aber aufs Ganze der Menschheit bezogen, ist auch die große römisch-katholische Gruppe nur sektoral.
Man könnte von der "Vatikansekte" sprechen. Descend! amice!
Ich bin nicht, aber wenn ich einer "Sekte" beiträte: was wäre daran so verachtenswert?
Wer Minderheiten allein deswegen verachtet, weil sie Minderheiten sind, wer es für "unrealistisch" hält, wenn jemand die täglichen Nachteile auf sich nimmt, die mit der Zugehörigkeit zu Kleingruppen leider verbunden sind - der beweist mir nazistisch-katholische Mentalität.
Ich bin keiner Sekte oder dergleichen beigetreten noch glaube ich, daß Jesus scheintot in Kaschmir weile.
Er war ja nicht Gottes Sohn, sondern ein sterblicher Mensch.
Aber vielleicht wartet seine Lehre auf ihre Auferstehung aus dem Lügengrab des Neuen Testaments?
Nicht dem kuckuck entnahm ich, daß Jesus am Kreuz nur scheintot war und erst später in Kaschmir starb.
In Srinagar/Indien befindet sich das Grabmal eines Meisters Jus (Yuz), dessen Hände und Füße die Wundmale einer Kreuzigung trugen (sie sind auf einem Steinrelief zu sehen).
Alte buddhistische (Pali-) und hinduistische Texte berichten von Jesu Scheintod am Kreuz zu Jerusalem und von seiner Wanderung bis nach Kaschmir.
Der Islam bestätigt nicht nur im Koran diese Aussage,10 sondern auch mit mündlichen Überlieferungen von Zeitgenossen/innen Mohammeds sowie Denkmälern entlang des Weges nach Osten.
Eine Fülle von Hinweisen wird in Europa total ignoriert, weil "die Araber lügen", und weil eine große Institution samt der von ihr geprägten abendländischen Kultur durch sie invalide werden.
Die immer wieder versuchte Ausrottung der europäischen Juden war auf die Beseitigung und wenigstens Einschüchterung von Zeugen gerichtet.
Der Mystizismus im Christentum, immer wieder unterdrückt und verketzert, hat eine Ahnung der Wahrheit in sich getragen.
10 Der Koran (4. Sura, Vers 156) zweifelt offensichtlich nicht den Tod Jesu an, vielmehr daß der Gestorbene der Messias (= Christus) gewesen sei. Vgl. kuckuck 45a-d, S.138. War er doch der Messias, so haben nicht sie ihn getötet, sondern Gott hat "ihn zu sich erhoben". kkk
Die Templer hatten in Palästina Genaueres erfahren, weswegen sie zum Schweigen gebracht worden sind.
Fatal wird für die fälschende Kirche der Pseudoisidorier und Pseudokonstantinier das Turiner Leichentuch, das auch noch im Besitz der Freimaurerfamilie Savoie ist.
Zunächst in Dienst genommen als eine der unzählbar vielen volksverdummenden Reliquien, gibt es den Instrumenten der heutigen Wissenschaft (u.a. Pollenanalyse und Peroxidas-Reaktions-Untersuchung) zwei Tatsachen preis:
Daß es wirklich zur Zeit Jesu in Palästina zur Umhüllung eines gekreuzigten Mannes benutzt wurde, und daß dieser Mann, als er in der Umhüllung gelegen hat, schwer gefoltert und durch Nägel verletzt, nicht gestorben ist.
Anderthalb Jahrhunderte Bibelkritik und Leben-Jesu-Forschung, die Funde von Qumran, Nag Hammadi und im Katharinenkloster/Sinai sowie das Turiner Leichentuch haben eine Festung der Lüge unterminiert.
Diese wird nur noch durch faule Gewohnheit, Feigheit und unsaubere Interessen gehalten.
Horst Lummert ist gegen Sekten:
Die mit der Reformation begonnene Zellspaltung des institutionalisierten Christentums...
beklagt er (S.20).
Ist eine Institution unbedingt zu erhalten, oder wäre nicht besser ihre jüdische Essenz zu befreien?11
Rom oder Jerusalem?
Noch wichtiger: Wer ist hier eigentlich der Spaltpilz? Der rohe Luther war es ja wohl nicht.
Christentum ist - anders als Jesuanertum - Kirchentum.
Kirchentum ist freiheitsfeindlich, bevormundend, diktierend.
Spaltungen von Machtapparaten sind Montesquieusche Taten.
Die Auflösung des Kirchentums geht dem Ende des Staates als Res krypta voraus und erlaubt den Aufbau der Res publica.
Horst Lummert wertet nicht nur die Reformation ab, sondern auch die Renaissance, nicht nur die Oktoberrevolution, sondern auch die von 1789.
Weil sie alle Halbheiten seien. Ich sehe in ihnen Wegstrecken.
Wo hat es denn keine Renaissance, keine Reformation, kein bürgerliches 1789 gegeben? In Rußland.
Deshalb ist die Oktoberrevolution steckengeblieben.
Wo hat es denn keine Reformation, kein 1789, keine Oktoberrevolution gegeben?
In Spanien.12
Deshalb ist es, neben der BRD, das faschistischste Land Europas, trotz westlich-demokratischer Fassade.
Nur. Die Spanier sind zur guten Hälfte keine deutschen Knechte und Feiglinge, was hoffen läßt.
Das Geschichtsbild Horst Lummerts ist nicht progressiv, sondern reaktionär im Sinne der französischen Legitimisten und Restauratoren.
Oder, weiter ausholend, im Sinne des Hauses Habsburg, das in Mittel-und Osteuropa das Schwert der Gegenreformation war und in Böhmen und Mähren einen Völkermord unternommen hat.
Ein gewisser (Hans?) Sedelmaier - (Hans Sedlmayr, 1896-1984, Kunsthistoriker. Vgl. http://www.albert-ottenbacher.de/sedlmayr/seite4.html - kkk) - hat in den 50er Jahren das Buch Verlust der Mitte geschrieben, das nachzulesen sich lohnen würde.
Da ist alles vorhanden an Geschichtslegenden, was Konterrevolutionäre brauchen.
Ich frage noch einmal, wen Horst Lummert als Bakterie, den Zersetzer, den Spaltpilz benennen wird, der Europas Feudalunordnung zerstört hat.
11 Vgl. hierzu u.a. kuckuck 45a-d, S.20. In seiner Auseinandersetzung mit dem Christentum, der Kirche, dem Monotheismus u.ä. hat Erich Knapp in wesentlichen Fragen seit langem Lummerts Position eingenommen,13 von der aus er polemisiert - gegen wen? kkk
12 No comment fürderhin; keine Korrekturen. kkk
13 proteisch adaptiert. kkk
Warum sucht ein deutscher Linker wie H. Lummert Unterschlupf bei der vatikanischen Kirche?
Ich wage zu sagen: weil er trotz seines (übrigens mit persönlicher, achtenswerter Konsequenz praktizierten: er wurde selber Arbeiter!) Proletkults weiß, daß seine Klasse sich selbst aufgegeben hat.
Daß sämtliche Arbeiterorganisationen unrevolutionär, bestenfalls für den bürgerlichen Liberalismus noch brauchbar sind, ist eine Binsenweisheit.
Das wäre jedoch nie möglich geworden, wenn ihre Basis, das Proletariat, nicht selber sich aufgegeben hätte.
Dazu kommt, daß H. Lummert von einer allgegenwärtigen Übermacht des Nazismus m.E. überzeugt ist.
So findet er sich eine scheinbar zahmere Form des Faschismus.
Es scheint seine Kraft zu überfordern, als einsamer linker Illuminat in wechselnden Bündnissen und mit ungewisser Siegesaussicht zu streiten.
Ich meine hingegen, daß der Nazismus letztlich doch zu dumm ist; Bonn ungestützt durch den amerikanischen Machtapparat würde den vereinten Kräften West- und Osteuropas unterliegen; die europäischen Carbonari könnten Bonn wie den Vatikan wie den spanischen Militärapparat besiegen und Rußland libertarisieren.
Lummerts Vatikanismus tendiert (gegen seinen erklärten Willen) zum Antisemitismus.
Denn der Semitismus ist der Zersetzer!
Lummerts Befürwortung der NATO tendiert (ebenfalls gegen seinen Willen) entweder zum Krieg oder auf, was er begrüßen würde, den Zusammenbruch der Sowjetunion ohne Krieg - und zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Es wäre, auch ohne Krieg, der Triumph des barbarischen mittel- und osteuropäischen Tribalismus.
Denn es gibt eine Zersetzung des Sowjetreiches, die nicht semitisch ist, sondern ethnizistisch-nazistisch!
Vor dieser Konsequenz undurchdachten Antisowjetismus warne ich.
Gerade zur rechten Zeit erschien der Artikel Die deutsche Frage als ein Kernproblem der Friedensordnung in Europa von Oberst i.G. (das heißt m.W. "im Generalstab") Gerhard HUBATSCHEK in Europäische Wehrkunde.
Er legt in aller Offenheit, was bei diesen Leuten heißt: im Vollgefühl der Sicherheit, dar, daß ein Zweck der sogenannten "Nach"rüstung der NATO die Wiedervereinigung Deutschlands sei als "Beseitigung einer zutiefst anormalen Lage im Herzen Europas".
Diese Leute sind ja durch das Grundgesetz der BRD gedeckt.
Obrist i.G. HUBATSCHEK legt u.a. offen: Der politische Standort eines wiedervereinigten Deutschlands kann und darf nicht unter überkommenen Kriterien des Neutralismus definiert werden... (nicht zu früh freuen, Horst Lummert!) ... - auch wenn eine Westbindung in der bisherigen Form der politischen und militärischen Integration ausgeschlossen wäre.
Horst Lummert kann die Implikation dieser Ankündigung unmöglich übersehen.
Das hat er (und haben wir) nun von dieser NATO und ihrer Politik des "die UdSSR Zu-Tode-Rüstens"!
Ein Rheinbund würde hingegen die Westbindung vertiefen, ohne den Bonner Nazismus und ohne den militärisch-industriellen und babbittfaschistischen Komplex in den USA.
Henry Kissinger warnte gerade wieder, mit einer deutschen Wiedervereinigung würden die "vor den beiden Weltkriegen herrschenden politischen Bedingungen wiederhergestellt".
Recht hat er!!!
Es gibt eben gute gemeinsame Interessen des amerikanischen (zu dem Reagan ausgesprochen nicht gehört) und britischen Establishments und Moskaus und des nationalbewußten Frankreich und des humanistischen Italiens usw. usw. einschließlich einer Handvoll Demokraten in der BRD.
Das Rheinbundprojekt ist nicht aussichtslos, auch wenn Mitterrand und Chirac schon vor dem deutschen Wiedervereinigungsprojekt kapituliert haben.
Die Himmelsrichtungskategorie - für unsere Staatsnazis steht der Feind im Osten, für Horst Lummert in einem feministischen Norden, für die Völkischen im fremdrassigen Süden, für die Anthroposophen im ahrimanischen Westen - überlassen wir besser den akademischen Klerikern, "den Engeln und den Spatzen" (H. Heine).
London-Stockholm-Moskau-Tripolis: so ist's vielleicht realer.
Da das ja kommt, nehme ich lieber jetzt Stellung:
Nun, auf den sozialethischen.
Schon Buddhismus und Jainismus waren Revolten gegen das Rassen- und Kastensystem des Brahmanismus.
Buddha und Mahavira waren keine Brahmanen.
Deutlicher sind die abrahamitischen Religionen solche der diesseitig-sozialen Egalité.
Bedeutet der Name Abraham etwa A-Brahman oder Anti-Brahman? Der Stamm Abrahams wanderte jedenfalls vom Osten aus nach Westen. Auf ihn und vielleicht auf dieselbe Abschüttelung des Kastenjochs berief sich Moses, als er ägyptische Proletarier zur Auswanderung nach Osten bewog.
Der Buddhismus unterlag in Indien wieder dem Brahmanismus, und der Jainismus wurde marginalisiert.
Erst der Anprall des Islam brachte wieder sozialen Fortschritt: es entstanden der Din-i-Ilahi Kaiser Akbar des Großen (sic! - kkk) und der Sikhismus.
Auch die Sikhs wurden letztlich marginalisiert, und der Din-i-Ilahi verschwand wie Kaiser Aschokas Buddhismus.
Erst unter dem Brutish Radsh brach die soziale Verpanzerung des Hinduismus: Ramakrishna, Vivekananda, Sri Aurobindo.
Dies ist der Neo-Hinduismus, auf den ich mich mehrfach bezogen habe.
Aus ihm kommt auch Mahatma Gandhi, der keineswegs den Egalitarismus des Islam pazifistisch aufweichen, sondern dessen historisch entstandene äußerliche Formen wie die des Hinduismus und der Sikhia als ephemer erkennbar machen wollte.
Was sich im Osten entwickelt hat, wird in der One World auch Europa erreichen.
Dieses hat die Juden demoralisiert und den Islam bei Tours und vor Wien zurückgeschlagen.
Frankreich, nebenbei, war mit dem Sultan verbündet und Polen mit Habsburg.
Polen ist nicht das Gegenstück Frankreichs, sondern Spaniens.
Die Ostjuden haben die Blüte ihrer Kultur nicht Polen zu verdanken, sondern sie Polen abgetrotzt.
Jetzt schlägt dem Abendland die Stunde des Monotheismus.
Denn die Türken stehen - um einen milden Scherz zu wagen - nicht mehr vor Wien, "sondern vorm Aldi-Markt".
Aber was bedeutet "Monotheismus"?
Den letzten Grund des Seins kann man, wenn man will, "Gott" nennen.
Jeder darf ihn sich vorstellen, wie er will und kann.
Er, der Seinsgrund, bleibt uns objektiv unfaßbar.
Religiöse wie naturwissenschaftliche Modelle können bestenfalls Teilannäherungen an die absolute Wahrheit sein.
Daraus ergeben sich sowohl die Glaubensfreiheit aller Individuen wie das Gebot der Toleranz.
Gegen Uniformismen ist der kulturelle Pluralismus der family of man zu fördern und zu schützen.
Ideologischer und Priesterzwang sind nicht zu dulden.
Aber, mag man es als Widerspruch auffassen oder als Polarität, für alle Menschen gilt nur ein Sittengesetz: nicht die heidnisch-polytheistischen oder henotheistischen, sondern das mosaische.
Wäre der Katholizismus nicht Herrschaft und Herrschaftslüge, sondern nur die Synthese von kultureller Vielfältigkeit (die ja von den Sinnen aufgefaßt wird und die die Sinne schult und verfeinert) und mosaischem Sittengesetz - ich wäre Katholik.
Aber dann gäbe es die Institution Kirche nicht.
Leider hat das römische Prinzip Herrschaft das Gesetz vom Sinai in seinen Dienst gezwungen.
Die klerikale Politik legt das Gesetz aus.
Ergebnis sind die Lügen von den Reichen: des Zweiten Reichs der Liebe (des Sohnes) und des Dritten Reichs der Freiheit (des Geistes).
Es hat weder Liebe noch Freiheit gegeben!
Das Dritte Reich sollte Beweis genug sein, das Nazireich, für die Lügenhaftigkeit des Christentums.
Nicht aus Mitleid, sondern in konsequenter Herrschaftssicherung hat der Vatikan nach 1945 die SS-Mörder nach Südamerika gelotst: damit sie dort, von den USA unterstützt, das Reich weiterhin erfoltern konnten.
Es gibt ein altes christliches Motto: Thelema - "Love and do what thou willst shall be the law".
Es ist die Liebe, die Himmler seinen Mordkommandos ans Herz gelegt hat.
Die Liebe wurzelt im Gesetz und ist von ihm nicht zu trennen!
Das Gesetz ist keinem Menschen, keinen Mehrheiten, keinen Institutionen untertan!
Es gibt heidnische und halbheidnische Kulturen und eine abrahamitische sittliche Kultur.
Letztere ist das Weltgesetz.
Was überhaupt noch nicht angesprochen wurde:
Auch das Geld steht unter dem Gesetz. Das Geld beherrscht die Welt, und zwar heute wortwörtlich den Erdball. Das Geld ist die bisher einzige wirklich die ganze Menschheit vereinende Kraft. Aber es entzieht sich dem Gesetz der Gerechtigkeit.
Was ist denn nun mit der Schuldenbombe?
Könnte sie entschärft werden durch ein Schuldnerkartell? Dürfen die lateinamerikanischen Gorillas und Latifunderos so leicht herauskommen aus ihrer Verantwortungslosigkeit?
Keine Angst, Gangster werden sich nicht einig unter Druck. Unter Druck will ein Gangster dem anderen die Zeche aufhalsen. Da sind ja die Banken der USA gut dran.
Aber auch nur ein Staat muß ein Schuldenmoratorium erklären, ein Riesenschuldner wie Brasilien beispielsweise. Und eine Weltfinanzkatastrophe würde ausbrechen, gegen die die Krise von 1930 ein Kinderspiel war.
Die damalige europäische "Krisenlösung" war der Nazismus und sein Krieg.
Die Schuldenbombe ist eine der westlichen Hemisphäre. Sie umfaßt die schuldigen Gläubiger (USA) und die schuldigen Schuldner (Lateinamerika).
Westeuropa hat kreditunwürdigen Gangsterregimes keine gefährdenden Kredite gegeben. Westeuropa hat den Sowjetblock kreditiert, in dem nur Polen zahlungsunfähig wurde.
Soll Westeuropa den Hauptteil der Zeche bezahlen, wenn amerikanische Großbanken bankerott gehen?
Die kleinen Leute in Europa, auch die Feinde des Kapitalismus, haben nur große Nachteile von einem Crash des Zahlungsverkehrs. Geld ist eben Ware und Tauschmittel zugleich.
Sollen also die USA für die Bedenkenlosigkeit ihrer Banken allein aufkommen!
Aber da müßte Westeuropa einen Abstand zu den USA schaffen, und das empfiehlt sich nicht, wenn gleichzeitig die Spannung zum Ostblock per Pershing II und Kreuzraketen verschärft wird.
Darum fordern Westeuropas Regierungen Washington nicht auf, die Außenstände amerikanischer, ins Südamerikageschäft verstrickter Großbanken zu garantieren.
Denn das wäre doch die Lösung: der US-Steuerzahler zahlt, was seine Bankiers verbrochen haben. Oder er macht eine Revolution.
Welcher Demokrat könnte die Foltergeneräle in Lateinamerika von den Schulden entlasten wollen? Diese Schulden wären nur dann erlassen, wenn die Klasse, die sie machte, beseitigt würde.
Inzwischen ist eine starke Kontrollkompetenz für die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) durchzusetzen - gegen die USA. Kontrolle der immer noch souveränen Staaten und der Banken.
Es ist deutlich, was ich meine:
Da das europäische Proletariat seine in ihm liegende Aufgabe nicht wahrgenommen und sich selbst verraten hat, fällt die Führung der menschheitlichen Emanzipation an den kosmopolitischen Teil des Finanzkapitals.
Dieser war das Subjekt aller bürgerlichen Revolutionen, und er kann auch sozialistisch-etatistische Revolutionen in sein Konzept aufnehmen.
Die Anarchie des Industriekapitalismus und der souveränen Staaten (in deren Rahmen auch die Banken z.T. noch arbeiten) muß beseitigt werden.
Es geht jetzt um die Gründung der Weltkonföderation des Weltcitoyen.
Horst Lummert hat gerätselt, was wohl der finanzpolitische Hintergrund meiner Kritik an den autarkistischen Wirtschaftsvorstellungen der GRÜNEN sei. Vielleicht ist dieser jetzt etwas klarer geworden?
Horst Lummert (hat er keine Freunde?) nennt sie immerzu meine Freunde (wie auch die DKP, Wolf Schenke, Die Grünen, die Nazis und andere).
Abgesehen von der Gleichgültigkeit gibt es viele Grade der Nähe zwischen Freund- und Feindschaft.
Viele Anthroposophen stehen mir menschlich sehr nahe, obwohl es zur Freundschaft nicht ganz gekommen ist.
Ich achte und mag Anthroposophen wegen ihrer Friedfertigkeit, Ausgeglichenheit, ihrem Wohlwollen gegenüber Außenstehenden.
Angenehme Menschen!
Ich konnte einiges von ihnen lernen, anderes verwunderte mich, nichts hat mich von ihrer Seite je verwundet.
Die Anthroposophie ist kritikwürdig. Kritisierbar und würdig der Kritik.
Ich habe dem kuckuck einige Dokumente gegeben, damit Diskussion sei.
Herabwürdigende Kommentare habe ich damit nicht verbunden.
Mit Anthroposophen (Achberg, J.Beuys, F.I.U.*) bin ich seit 1976 eine gute politische Wegstrecke gegangen, um die verhängnisvolle Regierung Schmidt zu stürzen.
* Freie Internationale Universität - kkk
Heute gehe ich einen anderen Weg, da die Hauptpartei des Bösen Deutschland, die christliche, wieder offen in der Verantwortung sitzt. Dort soll sie bleiben bis zur Stunde der Konsequenz.
Ich halte die anthroposophische Pädagogik für die einzige humane in diesem unserem Land, die anthroposophische Landwirtschaft und Medizin für fortschrittlich. Die Unternehmen der Anthroposophen sind (in meiner Kennzeichnung, die sie aus ihrer Sicht abwehren) typisch utopisch-sozialistische nach Art des Robert Owen.
Ihre Zukunft hat Karl Marx in seinen Briefentwürfen an Vera Sassulitsch zum Thema des russischen Mir vorausgesagt: Entweder werden sie vom kapitalistischen Prozeß resorbiert infolge Bankerotts oder durch Angleichung der Methoden (ein individual-anarchistischer Geld-Waren-Kreislauf würde von einer bestimmten Größenordnung an offensiv und legalistisch vernichtet), oder sie werden vorher aufgefangen durch eine sozialistische Revolution.
Steiners Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus ist ausprobierbar erst nach der revolutionären Vernichtung des Kapitalismus und seiner Staaten.
Aber beim Wort Revolution heben Anthroposophen abwehrend die Hände.
Gegenwärtig sind die Dreigliederungsidee und die Revolution gleich utopisch. Warum mit ihnen Zeit verlieren?
Die "Mitteleuropa"-Perspektive (die im Mannheimer Raum jetzt mithilfe der Fa. Pegulan des Ariseurs Ries öffentlich vorgetragen wird) und eine Politik aus Steiners Volksgeist-Mythologie, beides romantische und reaktionäre Projekte, bekämpfe ich.
Das wissen die informierten Anthroposophen von mir. Ebenso lehne ich die Volksentscheid-Aktion ab.
Die Westdeutschen haben sich 1980 und 1983 mit großer Mehrheit für Raketenparteien entschieden, und sie waren informiert.
Andere Westdeutsche haben mit den GRÜNEN eine völkische Reichspartei ohne irgendwelche Strukturen des rationalen Diskurses entwickelt, und dies mit dumpfer Entschlossenheit und gegen hörbare Warnungen.
Solch ein Volk zur 100-prozentig direkten Demokratie zuzulassen, wäre eine Katastrophe!
Sportpalast-Demokratie, Goebbels-Demokratie: die Seifenoper-Demokratie Bonns ist so viel anders doch nicht.
Aber muß es nun total werden?
Hierzu frage ich, welche Absichten welcher Veränderung die Protagonisten der Volksentscheid-Aktion im Hinterkopf haben. Das muß öffentlich werden.
Horst Lummert verzeichnet mich böse. Doch solange mir sein kuckuck, ob ängstlicher papistischer Nesthocker oder kühne Kurven fliegend, Fragen zu stellen erlaubt, die andernorts ich nie stellen konnte oder selten stellen konnte und nie detailliert, so lange werde ich in diesem einzigartig weiten Forum Antworten zu provozieren versuchen.
Denn in einem Land großer wie allerkleinster Meinungsmonopolisten und Ideologie-Päpste ist das überlebenswichtig.
"Unsere Absprache lautete, daß Sie aus Ihren Briefen zitieren. Sauber gehandelt, kann das nicht bedeuten, aus meinen Briefen übernommene Passagen zu zitieren. Aber dergleichen ist keine Frage intellektueller Einsicht, sondern persönlicher Qualität."
"Aber damit das jetzt klar ist: auf jede weitere Zitierung aus meinen Briefen an Sie werde ich über einen Rechtsanwalt reagieren. Denn das ist nicht politisch."
7.6.84
Erich Knapp
Aus einem Brief an Horst Lummert (Antwort auf dessen Schreiben vom 6.6.84:
Aus dem Brief an Erich Knapp vom 6.6.84
H.L./kkk - Bei der Briefauswahl kam es mir in erster Linie auf meine Äußerungen zu dieser oder jener Frage an.
Wo ich glaubte, auf eine Wiedergabe der Knapp-Zitate in meinen Briefen nicht verzichten zu können, schon um den Sinnzusammenhang nicht zu verstümmeln, habe ich doch sorgsam darauf geachtet, daß nicht Dinge hineingerieten, die Sie nicht schon an anderer Stelle - allemal jedoch auch im kuckuck - geschrieben hatten, in gleicher oder ähnlicher, jedenfalls nicht weniger drastischer Form.
Ich habe dem Leser tatsächlich nichts offeriert, was er aus Ihren Texten nicht ohnehin schon kannte bzw. kennen mußte, wenn er sie gelesen hat.
Statt des "Henkersbeils" findet er irgendwo die "Guillotine", statt des "Zitzenviehs" die "karnickelhaft werfenden frommen Frauen".
Ich habe mir da keinen besonderen "Knapp" konstruiert, es ist derselbe, der sich längst allen bekanntgemacht hat.
Der macht Ihnen Angst!...
Soweit ich bisher erkennen kann, habe ich nichts zurückzunehmen. Ich kann ja auch schlecht im nachhinein meine Briefe an Sie "korrigieren".
Ich habe dokumentiert - nach vorheriger Ankündigung und Absprache.
An den Briefen erkennt der Leser vor allem, daß meine Polemik in kuckuck 42a-d kein Überfall war, sondern (für Sie) im großen und ganzen eine Wiederholung.
Ich glaube nicht, daß es mißverständlich ist; daß der Leser etwa meinen könnte, Sie hätten mit Ihrer Bemerkung Schenke gemeint.14
Der Effekt entsteht dadurch, daß Sie an ihn eben nicht dachten, als Sie den Satz schrieben.
14 Vgl. (print) Seite 138 und kuckuck 45a-d, Seite 7. In Wahrheit ist alles viel schlimmer. Das unvollständige Zitat richtete sich nicht gegen "den Pilsudski-Flügel der polnischen Solidarnosc". Knapp wünschte im Zusammenhang der Korrespondenz dem ganzen polnischen Volk "das Henkersbeil". Glaubte er, mich zum verschwiegenen Komplizen seiner kriminellen Theorien machen zu können? - H.L./kkk
online-Fassung
kuckuck 45e-h
extra
25. August 1984
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
kokhaviv publications > kuckuck network > archive
© Copyright 1999 - 2002 kuckuck · kokhaviv publications