free download kuckuck network archive NewCatch.com

Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Christoph Marx

16. Oktober 1981

Herrn H.-J. Breidenstein
UMSCHAU VERLAG
Stuttgarter Straße 18
D-6000 Frankfurt

Sehr geehrter Herr Breidenstein,

ich arbeite und schreibe jahrelang mit meinem Herzblut für die Aufklärung der Afterweisheit, Velikovsky habe zunächst einmal über Welten im Zusammenstoß spekuliert und darauf eine Geschichtsrekonstruktion begründet, obwohl erst mit der Rekonstruktion der Menschheits- auch die Rekonstruktion der Naturgeschichte greifbar wurde; und da kommt das Ignorantentum schon im Klappentext des von mir Ihnen vermittelten Buches der von mir praktisch herausgegebenen Zeitalter-Reihe mit dem saudummen Satz zum Durchbruch, Velikovsky habe "nach Fertigstellung (!) seines epochemachenden Werkes Welten im Zusammenstoß weitere Forschungen angestellt" und sei dabei auf die Frage der fehlenden Jahrhunderte etc. gestoßen - glauben Sie eigentlich, der Autor habe mich aus Schindluderei mit der Überwachung der Herausgabe beauftragt, als er noch unabhängigen Geistes mir die Aufgabe übertrug?

Immer noch auf dem Umschlag von Vom Exodus zu König Echnaton, das ich mir beschämenderweise im Buchhandel beschaffen mußte und von dem ich nur durch Ihre Reklame im Börsenblatt überhaupt erst erfuhr, bilden Sie eine Widdersphinx ab, die in der hier rekonstruierten Periode nichts zu suchen hat.

"Zu dieser Ausgabe" wird dreist behauptet, "gegenüber der Originalausgabe ist unsere Übersetzung mit ... Abbildungen bereichert (!), die sich allesamt auf den Text beziehen (!)" - das schlägt sich darin nieder, daß Abb.1 "Tut-ench-amun" - ich habe mich also vergeblich um einheitliche Namenschreibung bemüht! - zeigt, der die hier rekonstruierte Periode überhaupt nicht berührt und unsinnigerweise "um 1360 v.Chr." (der religiös bestimmte Begriff "v.Chr." hätte sowieso überall durch "v.u.Z." ersetzt werden sollen) datiert wird: auch für die Abb.2,5,9,11 und 12 werden unkommentiert solche vom Autor um Jahrhunderte als falsch nachgewiesene Lehrmeinungsdaten abgedruckt, als ob das Buch durch die ärgsten Gegner des Autors von innen heraus verraten werden sollte!

Die Dreistigkeit schlägt sich darin nieder, daß Sie von 6 Bildern der Originalausgabe gerade eine einzige (!) Abbildung gnädigst übernommen haben; daß Abb.2 ebenso völlig überflüssig ist wie Nr.1; der Papyr"o"s Ebers (ausgerechnet: der gehörte in den Anhang von Die Seevölker!), 3, hirnverbrannterweise den Platz einnimmt, der im Original richtigerweise "eine Seite des Papyrus Ipuwer mit der Schilderung der biblischen Plagen" zeigt; daß die schöne Rundplastik der Königin Hatschepsut der Originalausgabe in Abb.4 mit einem Relief aus "Preußischem -Kulturbesitz" - alle Ihre Bilder sind aus dieser Quelle, deren immer wiederkehrende Bezeichnung aufdringlich wirkt und die Sie überhaupt aus Anständigkeit gegenüber dem Autor völlig hätten auslassen können, da es genügend andere Quellen gibt - ersetzt ist; Abb.5 das falsche Bild und dazu alles ist, was Velikovsky mit 3 Bildern (3, 4 und 5) zu Königin Hatschepaut illustriert - Ihre Abb.6 mit der "Königin von Saba" aus einer kriegstechnischen Schrift des 15.Jhs.u.Z.(!) mag Ihnen als famoser Einfall erschienen sein: mit der Rekonstruktion hat er nichts zu tun und verwirrt nur ebenso durch Einbringen der unkommentierten Lehrmeinung, wie es die falschen Jahreszahlen des ägyptischen Sothis/Manetho-Schemas tun.

Ihre Abb.7 ist die einzige aus dem Original, wo sie allerdings ergänzt ist noch mit der Photographie des Reliefs (7) - warum sprechen Sie dem Autor so die Fähigkeit ab, die Auswahl seiner Bilder mit Bedacht vorgenommen zu haben?

Was das "Relief aus dem Amun-Tempel", Ihre Abb.9, mit der Rekonstruktion gemeinsam hat, ist schlechterdings unerfindlich: dafür verzichten Sie dann auf die Rundplastik von Thutmosis III, deren Abbildung der Autor selbst vorgesehen hatte, und von der Sie selbst sogar im eigenen Müller-Band ein gleichartiges Bild veröffentlichen!

Es gibt imposantere Bilder von Echnaton - sehen Sie nur schon bei Hirmer nach - als Abb.11 ("um 1355 v.Chr."! anstatt "830 v.u.Z.": geht es eigentlich noch?) und auch von Amenophis III, Abb.12, der vor Echnaton gehört. Und letztlich verzichten Sie schlicht, aus unbekannten Gründen (weil die Photographie nicht aus "preußischem Kulturbesitz" stammt?) auf die Abbildung der Mescha-Stele (9), die auf Seite 277 gehörte...

Ich lege Kopien der Originalabbildungen bei: Ihre Anmerkung "Zu dieser Ausgabe" erweist daran (sich) nicht nur als dreist, sondern als Gefasel. Und die Karten haben Sie auch weggelassen, ebenso wie unsere Tabelle aus Seevölker, die schon im Ramses vergessen wurde.

Der Fachmann-Ägyptologe, an den dieses Buch v.a. gerichtet ist, wird dem Autor schon in der ersten Zeile des Buches die Lächerlichkeit nicht verzeihen (denn es wird eben an Stelle der Sache jede Kleinigkeit zum Vorwand des Weglegens aufgenommen), die deutsche Namenschreibung "Echnaton" im englischen Titel nicht richtig - und anders wird er nie geschrieben - mit "Akhnaton" wiedergegeben zu haben - außerdem lautet der richtige Untertitel von Ages in Chaos (Vol.I) "From the Exodus to Akhnaton".

Sie haben sich sklavisch an die deutsche Erstausgabe gehalten und darauf verzichtet, Vorwort und Danksagung jetzt aus der Originalausgabe zu übernehmen, wie es der wissenschaftliche Anspruch an die werkgetreue Gesamtausgabe heute erfordert hätte.

Außerdem hatten wir Sprach- und Satzregelungen ausgemacht, an die Sie sich nicht mehr hielten: Das geht von der Dynastien-Numerierung, die mit arabischen Ziffern zu erfolgen hat, über Werktitel, die kursiv zu schreiben sind (Beiträge in Werken haben Anführungszeichen), bis hin zu einheitlicher Namenschreibung (außer in Zitaten natürlich).

Die Übertragung aus dem Amerikanischen sodann stammt nicht allein von Ilse Fuhr, sondern auch von Albert Fuhr.

Hätten Sie mich, wie vertraglich vereinbart, mit der Satzkorrektur betraut, wären auch Fehler unterblieben: So hieße es S.188 nicht, "Auf den Seiten dieses Buches, die sich mit der Periode der libyschen Dynastie beschäftigen", weil "dieses Buch" nämlich noch gar nicht erschienen ist - es müßte also "des Bandes der Zeitalter im Chaos-Reihe" heißen.

Der Ersatz der lutherschen Bibelzitate durch die Buber-Übersetzung ist so auch unterblieben, ebenso natürlich wie die sorgfältige Überprüfung der Zitate, Ausgestaltung mit wirklich ergänzenden Illustrationen, der vereinbarte Abdruck der P.A.F.-Kontaktadresse, das rechtzeitige Anschreiben der 1200 Velikovsky-Interessenten, usw..

Ich bestehe darauf, daß Sie unseren Vertrag einhalten, unter den Sie Ihre Firmenunterschrift gesetzt haben.

Es geht hier rein um die Sache, das von Frau Velikovsky gesuchte persönliche Zerwürfnis hat in den Hintergrund zu treten, da daraus - wie bei allem unsachlichen und irrationalem Verhalten - nur Unheil und Bedrängnis sich entwickelt.

Nach diesem Beispiel fordere ich nun endgültig, daß Sie mich über Ihre Verbindung zu Princeton aufklären und zugleich wieder die vereinbarte Zusammenarbeit aufnehmen.

Mit vorzüglicher Hochachtung,

- gez. ChMarx.

Kopie an Frau Velikovsky, mit folgender Mitteilung:

Für mich bewahrheitet sich mit dem vorliegenden Fall erstmals die Vorhersage von Dr. Velikovsky, als er mich mit seiner Vertretung beauftragte, daß seine Angehörigen zur Durchsetzung seiner wissenschaftlichen und editorialen Anliegen nicht in der Lage oder befähigt seien - es wird sich erweisen, ob die Spuren auch bei Mankind greifbar werden.
Jedenfalls ist jetzt mit der Neuausgabe des ersten Zeitalter-Bandes allein und ausschließlich deshalb Mist gebaut worden, weil Sie aus persönlieh gefärbten Motiven heraus den Verleger dazu bestimmten, ohne meine Hilfe zur Sache auszukommen.
Wie ich schon früher verschiedentlich ausführte, bin ich v.a. anderen Ihrem Mann verpflichtet, und nicht Ihnen oder seinem "Estate".
Daß ich dazu Ihre Feindschaft auf mich nehmen muß, kann ich angesichts Ihres mehrfach belegten Verhaltens nicht abwenden; und es wäre daher auch überflüssig, hinter gepflegt-vornehmen Tönen diese Tatsache zu verbergen - letztendlich schreiben wir hier nicht allein über so oder anders regelbare geschäftliche Belange, sondern mehr noch zum Festhalten wissenschaftshistorisch einmal bedeutsamer Vorgänge.
Es wird daher nichts an Ihrer Position ändern, wenn ich von jetzt an wieder versuchen werde, die mir übertragenen Rechte nach meinem eigenen Gutdünken mindestens im deutschsprachigen Raum wahrzunehmen und dabei - falls nötig - noch mehr auf jene Aussagen von Dr. Velikovsky und die Vorgänge in Ihrem Haus 1977 zurückgreifen werde, die bislang noch selten zur Sprache gelangt sind.
Wie weit mir Erfolg beschieden sein wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt; aber daß ich die Anliegen Ihres Mannes mit ebensolcher Hartnäckigkeit verteidige, wie Sie es zu tun meinen, wissen Sie: wenigstens diesbezüglich haben wir eine Gemeinsamkeit.
gez. Marx.
PS: Erzählen Sie bitte nicht mehr, Sie hätten "nie einen Dime" deutschen Geldes erhalten: Zehntausende von Dollars sind Ihnen im Rahmen meiner Verträge bislang zugeflossen und werden es wohl weiterhin tun.

kuckuck 40/41/42
1983/84, Sommer/Herbst/Winter
6. Juni 1983

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

kokhaviv publications > kuckuck network > archive

© Copyright 1999 - 2002 kuckuck · kokhaviv publications