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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

NS/SS-Pädagogik

Wo sind sie geblieben?

"Hier aber kam es darauf an, den Sinn von Schule partiell außer Kraft zu setzen... ein Zersetzungsprozeß sollte verwirrtes, affektgeladenes Verhalten erzeugen, das nach Führung verlangte und dadurch in Abhängigkeit von Macht geriet..." (18).

"Dem Bedürfnis nach sozialer Mobilität und Egalität kamen hierarchisch gegliederte, aber vom Gemeinschaftsmythos der radikalen Bewegung bestimmte politische Organisationen entgegen, die Machtgewinn unter Ausschaltung beruflicher Leistungsnormen versprachen" (20).

"Politische Herrschaft versicherte sich der Sympathien der unangepaßten Jugendlichen, indem sie diese zum Fanatismus anstacheln ließ, solche bewußte Förderung von Radikalismus den etablierten gesellschaftlichen Mächten gegenüber jedoch als Ergebnis einer natürlichen Entwicklung der Jugendlichen hinstellte, der mit Toleranz zu begegnen sei. Nach relativ kurzer Zeit glaubte man freilich auf bürgerliche Wertvorstellungen nicht mehr Rücksicht nehmen zu brauchen: der Antagonismus von HJ und Schule schien durch Modelle zur Integration der beiden Organisationsformen zur Beeinflussung der Jugend aufgehoben werden zu können. Die NS-Ausleseschulen gaben diese Modelle ab" (20f.).

"Politische Bildung hätte den Zielen der HJ widersprochen: die Förderung vitalen Machtstrebens wäre beeinträchtigt und die Wirksamkeit einer zentral gelenkten Propaganda gefährdet worden" (21).

Harald Scholtz: NS-Ausleseschulen. Internatsschulen als Herrschaftsmittel des Führerstaates. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973.

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Dok.

13.2.1942

Geheim!

RFSS an Heißmeyer

Lieber Heißmeyer!

Wie ich höre, ist Neubeuren immer noch nicht in unserem Besitz.

Ich beauftrage Sie, mir in allen Fällen, in denen irgendein Referent des Reichsfinanzministeriums aus mir unverständlichen Gründen Schwierigkeiten im Ankauf eines solchen Objektes macht... sofort Mitteilung zu machen. Diese Handlungsweise entspricht in keiner Weise den Anordnungen des Führers, denn wie sollen wir 100 Anstalten auf die Beine bringen, wenn uns dauernd unnötige Schwierigkeiten bereitet werden.

Ich ordne daher an, daß Sie in solchen Fällen, bevor ein anderer Teil des Reiches, der später kommt als wir, und nicht von dem Referenten des Reichsfinanzministeriums gehemmt wird, ein solches Objekt kauft, Sie selbst in meinem Namen den Kaufvertrag - und zwar für das Reich - abschließen.

Heil Hitler
Ihr Himmler

(160)

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Geheim!

RFSS an Heydrich,
Chef der Sicherheitspolizei und des SSD
mit Durchschrift an Heißmeyer
*

*SS-Obergruppenführer und Inspekteur der "Napolas"/NPEA - kkk)

Lieber Heydrich!

Es sind noch eine große Anzahl Objekte, vor allem Seckau, Vorau, Spanheim, St.Wendel, Rufach, Achern, ferner Lambach, Leubus, Mokritz, Annaberg, Haselünne, St.Veit, St.Ottilien, St.Xaver, Driburg, die bereits in Betrieb genommen sind, den NPEAs als Gebäude zugedacht.

Wichtig ist nunmehr, daß über die Geheime Staatspolizei in Zusammenarbeit mit dem Reichsfinanzministerium die Besitzeinweisung für die Inspektion der NPEA im Reichserziehungsministerium erfolgt. Ich bitte um Bericht.

Heil Hitler
Ihr Himmler

13.3.1942

(161)

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An den
SS-Obergruppenführer Heißmeyer,
Berlin

13.2.1942

Ich wünsche Meldung, wann das ehemalige Kloster Lambach, das vom Führer als Nationalpolitische Erziehungsanstalt bestimmt ist, anzulaufen beginnt.

Wenn auch im Augenblick in Lambach ein Lazarett eingerichtet ist, so wünsche ich trotzdem, daß in dem einen nicht belegten Flügel sobald wie möglich eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt ihren Dienstbetrieb beginnt. Den Plan des Kreisleiters, in diesem Flügel Munitionsarbeiter unterzubringen, kann ich nicht ernst nehmen. Ich glaube kaum, daß Gauleiter Bigruber diesen Plan, der den raschen Ausbau von Lambach zur Nationalpolitischen Erziehungsanstalt auf ungeahnte Zeit hinausschieben würde, mitmachen wird.

Wenden Sie sich an Gauleiter Bigruber und übermitteln Sie ihm, ich ließe ihn bitten, Sie in jeder Weise zu unterstützen.

gez. H.Himmler

(161)

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Himmler an Heißmeyer:

Berlin, den 7.5.1940

Ihren Bericht vom 29.4.1940 betreffend Ausweitung der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten habe ich erhalten.

Eine Teilung der Erziehungsgewalt kommt gar nicht in Frage. Ich habe dies auch gestern Herrn Oberst Frießner vor Beginn des Appells der 6000 Offiziersanwärter vor dem Führer persönlich gesagt. (...)

Ich verbiete (sic! - kkk) es mir außerdem in aller Form, daß betont wird, es würde besonderes Gewicht auf die Erziehung zum offiziersmäßigen Denken und Handeln nach den im Heer üblichen Grundsätzen gelegt. Ich bitte, bei den nächsten Verhandlungen den Herren in aller Freundlichkeit aber klar zu sagen, daß ich die Erziehungsrichtlinien in den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten bestimme und nicht das Heer.

Alle Abmachungen mit dem Oberkommando des Heeres bedürfen meiner persönlichen Genehmigung

(147).

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Elite für die Diktatur. Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten 1933-1945. Ein Dokumentarbericht von Horst Ueberhorst.

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Dok.
Führerbefehl

Der Führer

Hauptquartier, 7. Dez. 1944

Ich befehle, daß in Zukunft der aktive Offizier- bzw. Führernachwuchs des Heeres und der Waffen-SS vor seinem Eintritt in die Wehrmacht in Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, Adolf-Hitler-Schulen, der Reichsschule Feldafing und weiteren vom Reichsführer-SS zu bestimmenden Heimschulen erzogen wird.

Die Übernahme geeigneter Soldaten aus der Truppe in die aktive Offizier- bzw. Führerlaufhahn wird dadurch nicht berührt.

Mit der Durchführung dieses Befehles beauftrage ich den Reichsführer-SS und Befehlshaber des Ersatzheeres, Heinrich Himmler, in Zusammenarbeit mit dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und dem Leiter der Partei-Kanzlei, Reichsleiter Martin Bormann.

Die erforderlichen Maßnahmen sind als besonders kriegswichtig im Einvernehmen und mit Unterstützung der Reichsministerien, der Dienststellen der Partei, des Heeres und der Waffen-SS unverzüglich zu treffen.

gez. Adolf Hitler

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Horst Ueberhorst, Elite für die Diktatur. Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten 1933-1945. Ein Dokumentarbericht. Athenäum-Droste-Taschenbücher (7232) Geschichte 1980.

online-Fassung

kuckuck 35/36
1982, Frühjahr/Sommer
13. Juni 1982

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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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