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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
Ich kann von feder 3 nicht abrücken.
1. Ich bin für alles verantwortlich, was ich irgendwann einmal schrieb.
2. Das Heft f 3 fällt unter die Rubrik «Methode» - des Denkens, des Schreibens, des («nomadischen») Nachgehens und Prüfens.
Die in federn 1 bis 3 veröffentlichten Aufzeichnungen stehen unter den Daten ihres jeweiligen Entstehens.
Als ich sie veröffentlichte, verband sich damit eine politische Absicht.
Meine Erkundungen führten mich sehr nah an Personen, Strukturzusammenhänge, Denkhintergründe heran.
Im Gegensatz zu meinen linken Begleitern hat die Rechte sehr wohl verstanden, was sie an mir hatte.
Der Haß - implizit und explizit -, den ich auf mich zog, spricht für sich.
Ich bin auch nicht «aufgedeckt» worden, wie manche vielleicht vermuten.
Ich bin immer als der aufgetreten, der ich bin.
Das Erwachen verband sich meist mit einer nochmaligen, nun genaueren Lektüre dessen, was ich geschrieben hatte.
Die inkriminierte feder 3 ist für Naziaugen voll von roten Tüchern.
Wenn ich von ihrem Führer das Wesentliche, nämlich seinen antisemitischen Rassenwahn, abziehe, bleibt für sie nichts mehr übrig.
Ein freies, souveränes Deutschland, das auf seine historischen Rechte pocht, interessiert diese Leute überhaupt nicht.
Auch ihnen ist der ausgrenzende Antisemitismus das A&O.
Jeder liest anders.
Die «Linken» heben dies hervor, die «Rechten» das.
Während der Kriege am Golf und auf dem Balkan, gleich nach der Wiedervereinigung, sah es eine Weile sehr schlimm aus für Deutschland.
Außen und innen regte sich ein merkwürdiger Psychokrieg gegen die neue Bundesrepublik.
Viele Vorkommnisse, Brandanschläge etc., waren inszeniert.
Die Neonazis waren oft gar nicht die Täter, oft aber auch bezahlt und instrumentalisiert.
Die Feindstaatenklauseln hätten unter solchen, sich täglich verschärfenden Umständen Anwendung finden können.
Wie stets in Deutschland, so fand sich auch damals niemand, der die Dinge beim Namen nannte.
Es wurde ja nicht einmal durchschaut.
Was aber war mit den neualten Nazis wirklich los?
Wo waren sie?
Wer waren sie?
Welcher Stellenwert kam diesem und jenem Einzelnen zu?
Ich interessiere mich für den Geist oder Ungeist, der hinter einer Sache steckt.
Also mußte ich mich an die NS-lntellektuellen, Revisionisten usw. wenden.
Das ist leicht gesagt.
Die Rechte schottet sich ab; es ist einfach, da hineinzukommen, wenn man einen passenden Schlüssel hat.
Mit anderen Worten: es ist nicht (!) einfach, sondem sehr kompliziert.
Nun ist nicht alles, was dann geschieht, geplant.
Ich hatte mich auf etwas eingelassen, buchstäblich.
Ich glaube, daß ich mit dem Ergebnis zufrieden sein kann.
Ich habe erheblich zur inneren Verunsicherung der NS-Rechten beigetragen.
Man wirft mir vor, ihre Spaltung betrieben und auch erreicht zu haben.
Wer kann das heute von sich sagen?
Um noch einmal vom NS-Revisionismus zu reden:
Ich habe vorgeführt, wie ein Mann ohne Berührungsängste mit unverbesserlichen NS-Ideologen umgehen und mit ihnen fertig werden kann, ohne dabei auf demokratische und rechtsstaatliche Mittel verzichten, ohne seine an Menschenrecht und Torah orientierten Prinzipien aufgeben zu müssen.
Die Bundesrepublik könnte selbst eingedenk der Feindstaatenklauseln sich als Rechtsstaat erhalten und dennoch mit den neuen faschistischen Gefahren klarkommen, nämlich in der geistigen Auseinandersetzung.
Bei uns wird doch über alles Mögliche und Unmögliche palavert.
Auch über den «Rechtsradikalismus».
Was sich dahinter aber wirklich verbirgt, weiß der Bundesbürger im allgemeinen nicht.
Inzwischen kriecht der Faschismus durch alle Ritzen und Löcher.
Nach «AZ - Am Zeitstrand» Nr. 3, Herbst 1997
kuckuck
feder 25/26
I./II. quartal 1999
26. Feb. 1999
In der print-Ausgabe nicht enthalten
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