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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1998-00-00

Horst Lummert

Hermann Schaber und der Heilige Krieg in der Demokratie

zu kkk-feder 21/22*

* Hermann Schaber: Die Sprache der Ruinen von Birkenau. Eindrücke einer Reise nach Auschwitz im November 1987 - kkk

Ich läute diese Runde mit der These ein, daß Auschwitz-Besuche - ob heute oder vor zehn oder auch zwanzig Jahren - nichts zutage bringen, was nicht zutage gebracht werden soll.

Nichts läßt sich beweisen.

Alles stützt sich auf das, was von den Sowjets hingestellt wurde oder übrigblieb.

Dies zu hinterfragen, ist das A&O zeitgeschichtlicher Forschung in diesem Bereich.

Mehr als 45 Jahre stand Auschwitz unter sowjetischer Obhut und Verwaltung.

Und es ist vor allem ein großer Irrtum oder ein raffiniertes Täuschungsmanöver, zu wähnen oder zu proklamieren, die Sowjets wären unbedingt an einer antideutschen Agitation interessiert gewesen.

Der Vertuschungszusammenhang ist ein ganz anderer.

Er führt zurück ins Jahr 1939, in die Zeit des beiderseitigen Polenfeldzugs, der Freundschafts- und Grenzverträge.

In diese Zeit fällt auch die NS-sowjetische Kooperation auf dem Gebiet der "Volkstumspolitik", einer großangelegten Politik der, wie man heute sagen würde, "ethnischen Säuberungen".

Damals wurden die "Volksdeutschen" ebenso umgesiedelt wie Polen, Russen, Ukrainer und Juden.

Diese Umsiedlungen hatten hintergründig oft, je nach Interessenlage, das Motiv einer Dezimierung der jeweiligen Völkerschaften.

In diese Zeit fallen die Mordaktionen von Katyn und anderswo ebenso wie die Verfolgung, Ghettoisierung, Entrechtung und Vernichtung der Juden.

Der "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums" war kein geringerer als der "Reichsführer SS" Heinrich Himmler selbst.

Der "Volkskommissar für Nationalitätenfragen" hieß Josef Stalin.

Die Politik ethnischer Säuberungen war also ausdrücklich Chefsache auf beiden Seiten.

Damals spielen die Akteure der "Volksdeutschen Mittelstelle", die unmittelbar dem SS-"Rasse- und Siedlungshauptamt" unterstand, eine wichtige Rolle.

Die fieberhafte ns-sowjetische Zusammenarbeit bei der Regelung der "Volkstumsfrage" wird mit dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion noch eine Weile fortgeführt.

Der kampflose Rückzug der Roten Armee unter Zurücklassung der jüdischen Zivilbevölkerung, mit Ausnahme politischer Funktionäre, räumte den deutschen Einsatzgruppen das Feld für deren Vernichtungsaktionen.

Die Zurücklassung und Auslieferung der spezifisch jüdischen Bevölkerung an ihre deutschen Mörder geschah in Übereinstimmung mit der sowjetischen Ideologie, wonach das orthodoxe religiöse Judentum, das in diesen Teilen der Sowjetunion und Polens zuhause war, als historisch überlebt, politisch reaktionär, konterrevolutionär, mithin als für den Müllhaufen der Geschichte vorgesehen galt.

Die Vernichtung der Juden geschah in beiderseitigem Interesse.

Der klassenpolitische Denkansatz führte dazu, daß die jüdische Bevölkerung nicht restlos, sondern nur insofern in Gefahr war, als sie sich als jüdisch im religiösen Sinne verstand und danach lebte.

Der deutsche metaphysische Antisemitismus hatte eine andere Qualität, indem er keine Ausnahmen zuließ.

Für das Gros der jüdischen Bevölkerung im Einzugsbereich des deutschen "Überfalls auf die Sowjetunion" kam die deutsch-sowjetische Kooperation dieser partiellen Art einer zwiefachen Bedrohung gleich.

Wenn man dieses zeithistorische Gesamtbild sich vor Augen führt, erhält "Auschwitz" - und damit die gesamte ns-deutsche Judenvernichtungspolitik - mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der neuen Aufteilung der Einflußsphären in Europa eine mehrfache Funktion.

"Auschwitz" ist für den sowjetischen Sieger die historische Gelegenheit, sich von seiner Komplizenschaft loszumachen, sich von aller Mitschuld freizusprechen, die Sowjetunion "reinzuwaschen" und Deutschland zur grenzenlosen Beschmutzung an den Schandpfahl zu stellen, doch nur, soweit dieses Deutschland sich nicht bereit fand, mit den Sowjets nun gemeinsame Sache zu machen.

Daraus folgte die Abschirmung der "DDR" und die maßlose Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, mit der sich ja das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung, demokratischen Wahlen, durch eine Fluchtbewegung von Ost nach West, die in die Millionen ging, zur westlichen Demokratie bekannte.

Jeder Versuch, diesen konstitutiven Unterschied zwischen der "DDR" und der Bundesrepublik Deutschland propagandistisich wegzubügeln, verfälscht die Geschichte.

Die Nachkriegskonstellation bot den Sowjets die wundersame Gelegenheit, sich von ihren eigenen Verbrechen wegzumogeln, von ihnen abzulenken und nach der Methode "Haltet den Dieb!" die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Bundesrepublik zu richten.

Das war ein Meisterstück der Desinformation.

Indem die "revanchistische BRD" mit kräftiger Nachhilfe durch nicht nur sowjetische Nachrichten- und Mediendienste als "Fortsetzung des Hitlerfaschismus" dargestellt wurde, geriet allmählich aus dem Bewußtsein, daß es in Wahrheit gar nicht "gegen die Nazis" ging, sondern gegen die westdeutsche Demokratie, ihren wirtschaftlichen Aufschwung, ihr neues Ansehen in der freien Welt, ihre Integration in die westliche, vor allem atlantische Allianz.

Die "DDR" war ein Lakai dieser Verleumdungspolitik.

Ihre Einflußmöglichkeiten im Westen waren bedeutungslos, wenn sie offen auftrat.

Die sowjetische Deutschland- und Europapolitik verlängerte ihren Arm in die "revanchistische BRD" hinein mittels geheimdienstlicher Operationen, die dann als "innenpolitische Affären" - von "Fibag", "HS 30", "Koblenzer Beschaffung"... bis "Guillaume" - die bundesdeutsche Öffentlichkeit beunruhigten, ohne den Staat freilich aus den Angeln zu heben.

Größere und nun auch politisch ernst zu nehmende Erfolge konnte diese sowjetische Einfluß- und Destabilisierungspolitik verzeichnen, wenn sie "Bewegungen" ins Leben rief, die scheinbar autonom aus den gesellschaftlichen Gegebenheiten sich entwickelt hatten.

Die Friedensbewegung und die Ökobewegung, aber auch der Feminismus spielten dabei eine hervorragende Rolle.

In diesen Bewegungen, auch international übergreifend, traten schließlich als "jüdisch" deklarierte Personen, Kreise, Institutionen auf, die nun vollends den Eindruck erweckten, daß die nazistische Gefahr in West(!)-Deutschland offenbar doch ernstgenommen werden müsse.

Das war und ist ja nicht einmal falsch, wurde aber, was die internationalen politischen Zusammenhänge angeht, irreführend angebracht und interpretiert.

Die Friedensbewegung war, wie man damals wissen konnte, doch heute endgültig weiß, eine Kriegsbewegung, ein Instrument der psychologischen Kriegführung gegen die westdeutsche Demokratie und damit gegen die selbstgewählte politische Lebensform des deutschen Volkes, soweit es sich frei entscheiden konnte.

Mit der Friedensbewegung wurde der ehrliche Friedenswille der westdeutschen Bevölkerung zum Zwecke politischer Infiltration, militärpolitischer Spionage, gesellschaftlicher Sabotage, medialer Desinformation, Diffamation und übelster Demagogie mißbraucht.

Die Ökobewegung richtete sich gegen die westdeutsche Wirtschaftsmacht.

Der Feminismus destabilisierte das gesellschaftliche Grundgefüge.

Letztlich ging es gar nicht gegen Deutschland, sondern um Deutschland, um seine Herauslösung aus dem westlichen Verbund, um die politische, gesellschaftliche, ideologische Umpolung.

Deutschland sollte dem Osten zugegliedert werden.

Der westdeutsche Nachkriegsneutralismus, den ich spätestens in den siebziger Jahren als Nachkriegsunterwanderungsfaschismus enttarnte, war als praktikable Übergangslösung gedacht, die auf die Einheit der Nation setzte.

Aber der Einheitswille der Deutschen hatte sich ganz offensichtlich in der Massenfluchtbewegung aus der "DDR" in die Bundesrepublik manifest gemacht.

Der Neutralismus, aus dem die spätere Ökopaxbewegung sich großenteils rekrutieren konnte, war eine die politische Skala übergreifende Bewegung, die jedoch bei näherem Hinsehen schnell Mißtrauen erregte, weil sich da Kommunisten und linke Sozialdemokraten ebenso tummelten wie überparteiliche Christen und Nationalisten, ehemalige Nationalsozialisten, die aus der fatalen Geschichte Deutschlands ihre Lehren gezogen zu haben schienen.

Die Vermischung von "Links" und "Rechts" auch in der späteren Friedens- und Umweltschutzbewegung hat im Neutralismus ihre Keime.

Die allenthalben geforderte Aufarbeitung der Geschichte wurde aber gleichzeitig massiv behindert, ja zu verhindern versucht, je stärker und einflußreicher diese konzertierte psychologische Kriegführung sich gerierte.

Ausländische Interessen, ein Erbe der Anti-Hitler-Koalition, verschärften diese Tendenzen.

Die sowjetische Politik fand Stützen in ihren ehemaligen Verbündeten und ideologischen Freunden.

Bevorzugt wurden "jüdische" Intellektuelle, Schriftsteller, Journalisten, Wissenschaftler.

Der Jüdische Weltkongreß, um den es mittlerweile ziemlich ruhig geworden ist, gab sich als Vertreter der Judenheit schlechthin, obwohl davon keine Rede sein konnte.

Die ärgsten "jüdischen" Gegner der Bundesrepublik und ihrer konsequenten Westpolitik waren weltliche, atheistische, vor allem sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Juden, während die jüdische Orthodoxie davon nichts wissen wollte, wie auch bereits die politischen Kreise nach der Irgun, die in Israel dem Likud und der heutigen Regierung Netanjahu nahestehen, von der Idee einer "Wiedergutmachung" angewidert waren.

Die Antideutschlandpolitik war sozialistisch-kommunistisch motiviert, dirigiert und weltweit eingeschärft, aber nicht, um Deutschland zu zerstören, sondern um es für den Sozialismus/Kommunismus sowjetischer Prägung, geopolitisch gesprochen: für die Reichspolitik Rußlands zu gewinnen.

Deutschland sollte weichgekocht, sollte in die Knie gezwungen werden, um es hernach aus seiner Bedrückung erlösen zu können.

Darum wurde dieser antideutsche Akzent vor allem als jüdisch initiiert dargestellt.

Aber wie schon die "Protokolle der Weisen von Zion", so hatte auch diese Politik einen russischen, seinerzeit noch sowjetischen Ursprung.

Rußland muß diese deutsche Karte spielen, weil es die Einigung Europas verhindern muß, jedenfalls nach bisherigem Traditions- und Geschichtsverständnis.

Geopolitisch liegen Rußlands Interessen auf der Hand. Soweit Rußland als eine politische und militärische - potentielle - Gefahr richtig erkannt wird, ist die europäische Einigung gerade im Sinne einer konkreten und wahrhaftigen Friedenspolitik eine historische Notwendigkeit nach den Jahrhunderten europäischer Kriege und Selbstzerstörungsrevolutionen.

In der Anti-Europa-Konzeption Rußlands spielt der Antisemitismus eine zentrale Rolle.

"Der Jude" als "ewige Gefahr" ist das "Sesam öffne dich!" - innen und außen.

In der okkult gestimmten Mittelklasse besteht dafür ganz generell eine offene Empfänglichkeit.

Ich will mich jetzt nicht mit einzelnen Personen aufhalten, denn sie waren Legion, wenn ich sage, daß die Friedens- und Ökobewegten der siebziger und achtziger Jahre - ob als Operateure oder als Mitläufer - Lakaien dieser aufgezeigten sowjetischen Europapolitik waren, zum Teil geblieben sind, nicht zuletzt mit neuer Maskierung, zu anderen Teilen es wieder werden.

Denn ausgestanden ist dieser Krieg um Europa noch lange nicht.

Um es auf einen Nenner zu bringen: Zwei alte Komplizen - die einst kommunistischen und nazistischen Völkermörder - spielen wieder und weiter mit verdeckten Karten - den "jüdischen" Joker vorab.

Die auf "Juda" projizierte "Schuld" und "Gefahr" ist nichts anderes als ihre eigene, gemeinsame historische Schuld, ist die Gefahr, die von ihnen für die Menschheit ausgeht.

Mit "Auschwitz" läßt sich alles und nichts beweisen.

Der politische Justizfall ns-sowjetischen Komplizentums hat hier allerdings ein Objekt der Forschung hinterlassen, eines der besonderen Art und einer Forschung, von der bisher nirgendwo die Rede ist, für die es nicht einmal Ansätze gibt.

"Katyn" ist nicht nur eine Stätte des Massenmords, sondern auch ein Modell, das sich auf andere, freilich nicht auf alle anderen Fälle übertragen läßt.

Auschwitz wurde 1940 errichtet, etwa zu der Zeit, als in Katyn und anderswo die sowjetischen Massaker an der polnischen Militär- und Zivil-Elite anliefen.

Die ersten Auschwitz-Häftlinge waren polnische politische Gefangene.

Erbaut wurde das Lager von einigen hundert Juden aus dem Dorf Oswiecim/Auschwitz.

Übereinstimmend wird in polnischen, jüdischen und deutschen Schriften von 300 Juden gesprochen.

Mir fällt auf, daß Schaber bei zwei Möglichkeiten stets jene aussucht, die die Vergasungstheorie ausschließt bzw. die ns-deutschen Angaben stützt.

Er schreibt (kkk-feder 21/22, Seite 8/print):

Jener Keller, der als einstige Gaskammer bezeichnet wird, hatte immerhin eine Grundfläche von 240 Quadratmetern.
2.000 Vergasungsopfer konnten hier theoretisch hineingepfercht worden sein, wie dies auf einer Hinweistafel bei der Krematoriumsruine II angegeben ist.

"Konnten" also, "theoretisch".

Er geht dieser These nicht weiter nach, sondern hängt gleich die folgende Alternativ-Frage an:

Konnten derart große Kellerräume als Leichenkeller gedient haben?

Sogleich erklärt er

die Frage, warum derart viel Raum zur Aufbewahrung der Leichen bis zur Verbrennung gebraucht wurde...

Wenn nun aber doch vergast wurde, was ja als "theoretische" Möglichkeit eingeräumt wird?

Das Gesamtlager war riesig, und

nach polnischen Berechnungen starben in den Lagern um Auschwitz täglich annähernd 100 Häftlinge. Diese Durchschnittszahl erscheint glaubhaft (9).

Kleine Zahlen sind eben glaubhaft.

Es grassierten

nachweislich Seuchen wie Fleckfieber bzw. Typhus,

so daß

mitunter auch mehrere hundert Häftlinge täglich gestorben sein dürften.

Ergo:

erscheint die Größe der Birkenauer Leichenkeller nicht mehr unangemessen.

Die "theoretisch" immerhin für möglich gehaltenen Vergasungsopfer sind mittlerweile ausgeräumt.

Zumal:

Wenn man davon ausgeht, daß die Leichen in den 8 Meter breiten Kellerräumen in zwei Reihen dicht an dicht aufgebahrt wurden, dann konnten in dem 50 Meter langen Kellerraum maximal etwa hundert Leichen aufbewahrt werden, und in dem anderen 30 Meter langen etwa 60.
Daß die Leichen ordentlich aufgebahrt und in der Reihenfolge ihrer Einlieferung auch eingeäschert, nicht aber wahllos übereinandergestapelt wurden, kann bei der Sorge des SS-Personals, sich vor Ansteckung durch Seuchen zu schützen, als sicher angenommen werden (9).

Warum verzichteten die um ihre Gesundheit so besorgten SS-Leute nicht überhaupt auf die Unterhaltung solcher epidemischen Lager?

Vor die Wahl gestellt, entscheidet sich Hermann Schaber für die deutsche Version, die saubere und ordentliche Aufbahrung, nicht das wahllos Übereinandergestapelte.

Die Wahrheitssuche hat da also ihre Steine im Weg.

Daß sogar noch ein dritter, wesentlich kleinerer Leichenkeller in den Grundrißplan eingezeichnet ist, läßt die Vermutung zu, daß an Seuchen Gestorbene nach dem Grad ihrer Ansteckungsgefährlichkeit voneinander isoliert aufgebahrt wurden (9).

Alles hatte eben seine deutsche Ordnung.

Etwas anderes kann sich Schaber offenbar gar nicht vorstellen.

Die Leichen wurden zwar "aufgebahrt", die Noch-nicht-Leichen aber "zum Austreten abkommandiert" in die "unbeschreibliche Hölle" der "Latrinenbaracken" (20).

Das ist die Hölle, aber doch nicht ganz so schlimm, weil

Gefangenenlager auf der ganzen Welt zwangsläufig eine Folge von Krieg bzw. militärischer Verteidigung sind, auf deren Vorbereitung kein Staat verzichtet,

nicht wahr, auch nicht die Bundesrepublik Deutschland.

Jeder macht es.

Noch irgendwelche Fragen?

Was die Verbrennungskapazität der Krematoriumsöfen und die Möglichkeit, Leichen im Freien zu verbrennen, betrifft, so werden die Leichenzahlen so restriktiv und minimal berechnet bzw. die Erfahrungen in Bombennächten völlig außer acht gelassen, daß beim Leser, der sich so unbefangen wie irgend möglich hält, sofort der Verdacht aufkommen muß, daß wir's da wie schon anderswo mit einer reichlich tendenziös gestrickten Untersuchung zu tun haben.

Das bekannte deutsche Improvisationsgenie kommt hierbei überhaupt nicht in Betracht.

Die selbst bei Höß zu findende

Auskunft, die Vergasungsopfer seien meist in großen Gruben in der Nähe der Krematorien IV und V mit Holz verbrannt worden, erweist sich aus mehreren Gründen als unsinnig:
Es hätte ungeheurer Mengen an Holz bedurft, um Tausende oder auch nur Hunderte Leichen täglich zu verbrennen.
Die kümmerlichen Wäldchen um Birkenau hätten nicht einmal einen Bruchteil der Holzmenge liefern können, die dafür nötig gewesen wäre.
Und das viele Holz mit Eisenbahnzügen herbeizuschaffen, hätte derart viel Laderaum beansprucht, wie er während des Krieges kaum aufzutreiben war.
Aber selbst wenn die riesigen Mengen an trockenem Holz zur Verfügung gestanden hätten, dann wäre damit eine Verbrennung großer Leichenhaufen in Gruben dennoch unmöglich gewesen - allein schon wegen der fehlenden Sauerstoffzufuhr! (10f.).

Hat Hermann Schaber auch nur eine ungefähre Vorstellung vom Holzanfall auf jeder mittleren Baustelle?

Auschwitz war ein Industrie- und Lagerkomplex allergrößten Ausmaßes.

Abgerissene Holzbaracken, Inneneinrichtungen, Eisenbahnschwellen, Betonverschalungen... mußten nicht herbeigeschafft werden, sie lagen überall herum, gestapelt oder nicht, und warteten geradezu auf ihre Verbrennung.

Die Leichen wurden, wie in den Bombennächten nach schweren Luftangriffen, natürlich nicht in "Haufen" verbrannt, sondern "ordentlich" über Gestelle aus Schwellen und Schienen gelegt, eben wegen der notwendigen Sauerstoffzufuhr.

Und die erwähnten Gruben verschärfen den Luftzug unter und durch die Gestelle.

Ich sehe hier nur ein Problem:

Daß der Autor an das Nächstliegende nicht denkt, um seine vorgefaßte Meinung nicht revidieren zu müssen.

Wo Leichenhaufen naheliegen, nämlich in den Leichen- oder Gaskammern, da bahrt er die armen Toten ordentlich auf, damit nicht so viele reinpassen.

Wo sie aber locker aufs Rostwerk gelegt werden müssen, spricht er von nicht-brennbaren "Leichenhaufen".

Hier hapert's am deutschen Ordnungssinn, seinem bekannten Einfallsreichtum.

Makaber genug ist das alles sowieso schon.

Für Schaber ist "unmöglich", was sein Auschwitz-Bild stört.

Überall in Birkenau: sumpfiges Gelände, hoher Grundwasserspiegel.

Wie konnte man da Gebäude errichten?!

Die Verbrennungsgruben hätten, so Schaber, "binnen weniger Stunden unter Wasser gestanden" (11).

Asche auf Asche, so entstehen Hügel, und die Grube in einem Hügel wird vom Grundwasser nicht mehr erreicht.

Die Frankfurter Richter taten gut daran, die Ortsbesichtigung in Auschwitz zu unterlassen.

Nach rund zwanzig Jahren.

Inzwischen sind 53 Jahre seit Kriegsende vergangen.

Der Strafverteidiger Laternser lehnte eine Beteiligung "sehr energisch" ab, mit der Begründung,

daß nach Ablauf von 20 Jahren nicht allein die naturgemäßen Veränderungen ein völlig anderes Bild ergeben müßten, sondern daß der zu besichtigende Ort auch musealen Zwecken gewidmet worden sei, die umfangreiche Wiederinstandsetzungen und tendenziöse Verdeutlichungen voraussetzten.

Schaber:

Dr. Stäglich stimmt dieser Auffassung Laternsers... zu, weil "die Auschwitz-Region während ihrer etwa zehnjährigen Abschirmung gegenüber der Außenwelt mit Sicherheit zahlreichen jetzt nicht mehr kontrollierbaren Einwirkungen der sowjetischen Besatzungsmacht und der Polen" ausgesetzt gewesen sei (11f.).

Davon ist gewiß auszugehen.

Hier entsteht nun die Frage, ob und inwieweit derlei Einwirkungen den Deutschen von vornherein schaden und nicht vielleicht auch nützen sollten.

Immerhin entdeckte die deutsche Rechte irgendwann Auschwitz als Fundgrube revisionistischer Nachforschungen.

Mit eingebauten Mängeln lassen sich künftige Zweifel programmieren.

Wenn diese Zweifel zu Lasten eines gemeinsamen Feindes gehen, haben beide Seiten etwas gewonnen.

Der Revisionismus nährt sich aus solchen Zweifeln bzw. ihren materiellen Ursachen an Ort und Stelle.

Falsche Spuren lassen sich legen, wenn man nur weiß, was man will, und außerdem viele Jahre Zeit dafür hat.

Eine Sache der Strategie.

In alten polnischen und sowjetischen Darstellungen wird stets behauptet, daß die Verbrecher die Spuren ihres Verbrechens beseitigt hätten.

Um etwas zu "präparieren", kann man das eine oder andere auch "vergessen".

Ich will nur sagen, daß mit den vorliegenden Beweismitteln alles und nichts bewiesen werden kann.

Zuletzt läuft es darauf hinaus, wem man eher glauben möchte, den Tätern oder den Opfern.

Im Einzelfall stehen wir immer wieder vor dieser Frage.

Bei der Aufklärung eines Verbrechens richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Täter.

Wir entdecken bei ihm zwei Motive: das Motiv für die Tat - und das Motiv, alles abzustreiten.

Das Recht ist ihm zuzugestehen.

Nach Lage der Fakten hat er keine Chance, freigesprochen zu werden.

Für Hermann Schaber stellt sich die Welt in simpler Ordnung dar:

Das heutige, Holocaust genannte, Auschwitzbild..., das im wesentlichen ein Ergebnis des Frankfurter Auschwitz-Prozesses ist, läßt weder Einsicht noch irgendeine vernünftige und praktikable politische Schlußfolgerung zu, wie die allgemeine Hilflosigkeit der Menschen gegenüber den heutigen staatlichen Machtapparaten beweist, die nicht nur die Existenz einzelner Völker, sondern der Menschheit überhaupt aufs Spiel setzen.
Das heute herrschende Auschwitzbild will Nachdenken verhindern, es fordert gläubige Unterwerfung und es kann nur hilflose Depression erzeugen in allen, die daran glauben; es trägt damit aber auch Keime eines Totalitarismus in sich, die leicht jenen des NS-Systems noch in den Schatten stellen könnten (13).

Diese Worte sind eine Frucht revisionistischer Propaganda, die leicht dazu verführt, am Gesetzestext, der sich nach Schabers Niederschrift ja noch verschärft hat, vorbeizusehen.

Allein dieser nämlich belegt, daß der Rechtsstaat überhaupt nicht in Frage steht.

Fragen:

Welche Rolle spielten die - politischen - Kapos bei der Verbreitung von Gerüchten, Zweckmeldungen?

Im Warschauer Ghetto kamen die ersten Meldungen über Vergasungen von eingesickerten Partisanen.

Gab's dafür auch taktische Beweggründe, um die Menschen zu mobilisieren?

Im Krieg ist alles erlaubt.

Daß alles nur "Lüge" gewesen sei, kommt einer bei der deutschen Rechten verbreiteten Vorliebe für Verschwörungstheorien entgegen.

Dennoch gibt es da ein paar Unklarheiten, um die man sich kümmern muß.

Niemand verbietet das.

Wir leben in einer Demokratie, die in der deutschen Geschichte ihresgleichen sucht - und nicht findet.

Wer etwas anderes behauptet, hat viel Gesetzes- und Verfassungsliteratur aufzuarbeiten.

Über Feinheiten können wir dann immer noch reden.

"Eine Stätte für fabrikmäßig betriebenen Völkermord war Birkenau sicherlich nicht" (17), schreibt Hermann Schaber. Seine Nachforschungen belegen diese These allerdings nicht.

Seine Relativierungen sind fadenscheinig bis verräterisch:

Dabei waren die Verhältnisse in Birkenau zweifellos gleich menschenunwürdig wie in jedem anderen Gefangenenlager irgendeines Staates der damaligen oder der heutigen Zeit.
Auch ohne besondere Massenmordeinrichtungen trifft die Bezeichnung Vernichtungslager auf Birkenau wie auf jedes andere Gefangenenlager zu.
Staatsapparate, ob demokratisch oder nicht, kennen durchaus kein menschliches Mitgefühl mit jenen, die sie als ihre Gegner betrachten...
Keine Staatsführung soll sich hinter angeblich einzigartigen Grausamkeiten, die in Auschwitz geschehen seien, verstecken können...
Zu einer der widerwärtigsten Erscheinungen gehören feierliche Mahnungen jener Politiker an den Holocaust in Auschwitz, die mit der größten Selbstgerechtigkeit für Rüstungsmaßnahmen mitverantwortlich sind, die einerseits einen großen Teil der Menschheit in hoffnungsloses Elend stürzen und die andererseits ganze Völker ständig mit totaler Vernichtung bedrohen.
Dabei werden die Parteien dieser Politiker von Rüstungsunternehmen finanziert, die einst von der Ausbeutung der Gefangenen in Auschwitz profitierten.
Solche Politiker erklären das Volk (!) wegen Auschwitz in ewige Haftung genommen.
Und wer ihnen öffentlich entgegenhält, daß die Unmenschlichkeiten von Auschwitz weder außergewöhnlich noch einzigartig waren, daß sie zu politischen Zwecken möglicherweise sogar übertrieben und entstellt werden, der wird dann als gefährlicher Extremist diffamiert und muß mit gerichtlicher Verfolgung rechnen.
Während alles nur Erdenkliche getan wird, damit sich die Welt ununterbrochen über Holocaust und Gaskammern in Auschwitz entsetzt, gerät in Vergessenheit, daß die heute größten Industriekonzerne der Bundesrepublik und die hinter diesen stehenden Banken identisch sind mit jenen, die sich während des 2. Weltkriegs in der oberschlesischen Industrieregion - und nicht nur dort - der Sklavenarbeit von Millionen Gefangenen bedienten...
Erst wenn auch die Deutschen der Bundesrepublik beginnen, sich gegen die Macht dieser Konzerne und gegen die fortgesetzte Aufrüstungspolitik ihrer Regierungen wirksam zu wehren, kann gesagt werden, daß sie aus Auschwitz etwas gelernt haben! (17f.).

"... auch die Deutschen der Bundesrepublik..." - und das heißt, es den anderen Deutschen, nämlich denen der DDR, nicht wahr, füglich nachzutun.

Und genau damit wird alles Wahre, das Schaber auch sagt, wiederum unwahr.

Zuletzt ist die demokratische Bundesregierung - damals, 1987, wie heute die Helmut Kohls - der eigentliche Bösewicht, Quelle der "widerwärtigsten Erscheinungen".

Das reicht.

Hitler war dagegen ein harmloser Wicht, von Stalin ganz zu schweigen...

Die Vier-Millionen-Opfer-Schilder in Auschwitz mußten nach der "Wende" verschwinden.

Spricht diese Tatsache nicht gegen eine diesbezügliche Verantwortlichkeit des "Weltjudentums", nicht vielmehr für die der soeben weggetauchten Sowjets?

Das Judentum war ja nicht untergegangen, nicht wahr?

Womit wir wieder am Anfang wären.

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III./IV. quartal 1998 (3)
15. August 1998

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