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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1998-00-00

Horst Lummert

Zu Hermann Schaber

"Die Wahrheit hat das letzte Wort", ja, was ist hier die Wahrheit? Daß Leuchter und Rudolf ein paar Putzbrocken aus einer Mauer in Auschwitz brachen, von der gesagt wird, in den Räumen dahinter seien Menschen durch Gas zu Tode gekommen?

Wie vertrauenswürdig sind die Auschwitz-Untersucher? Stand das Ergebnis ihrer Nachforschungen nicht von vornherein fest?

Diese Frage stellt sich, wenn man den Ablauf der Rudolf-Reisen rekonstruiert (vgl. kkk-feder 9). Die personelle "Besetzung" machte ein anderes Resultat gar nicht denkbar. Da man die Rechtslage kannte und also wußte, daß niemand das Forschungsmaterial prüfen würde, vor allem auch die Umstände seines Auffindens, geschah die Reise ohne wissenschaftliches Risiko.

Wer vertraut denn Ermittlern, die mit den Tätern politisch verwandt, verschwägert oder sonstwie verbunden sind?

Was für ein Gebäude, aus dem das Mauerwerk gebrochen wurde? Und wenn die Untersuchung korrekt verlief und das Ergebnis stimmt, was besagt es? Daß es keinen Holocaust gab? Daß die Juden nicht verfolgt und nicht gemordet wurden? Daß kein Völkermord stattfand?

Wie können aus einer kleinen Besonderheit so allgemeine Schlüsse gezogen werden, ohne daß darunter die Wissenschaft leidet? Schon jetzt sind jüdische Arbeiten viel verläßlicher. Irgendetwas stimmte da wirklich nicht. Es ist nur die Frage, ob wir's mit einer Verschwörung zu tun haben, und wenn, wer dahintersteckt.

Die nationalsozialistische Wissenschaftspartei weiß es ganz gewiß: es ist eine jüdische Verschwörung, die mittlerweile die ganze Welt beherrscht. Warum hat diese Verschwörung nur nicht die Entfernung der 4-Millionen-Tafeln in Auschwitz verhindert? Wie ist es möglich, daß die Herrscher der Welt so mit sich umspringen lassen...?

Die Todeslager befanden sich allesamt auf nach dem Krieg sowjetisch beherrschtem Territorium. Aber solange deutschnational Friedensbewegten auch im nachhinein der Schutz der Sowjetunion vor westdeutschen Raketen mehr am Herzen liegt als der Schutz der westdeutschen Bevölkerung vor den sowjetischen SS-20-Langstreckenraketen, werden wir in Deutschland wohl nie diese Frage restlos klären.

Die Verteidigung der Sowjetunion bzw. Rußlands war ihnen in den achtziger Jahren - wie heute - näher als die westdeutsche, inzwischen gesamtdeutsche Demokratie.

Hermann Schaber ist gewiß ein ehrlicher Mann, der nur das Beste will; aber fällt ihm gar nicht auf, daß er die zwei totalitären Mächte im Europa des Zwanzigsten Jahrhunderts, nämlich die Sowjetunion und das Hitler-Reich, mit größtem Verständnis und wahrer Milde behandelt, während er mit der demokratischen Bundesrepublik so hart ins Gericht geht, daß er sie nicht mal mehr verteidigen möchte und prompt nach Auschwitz fährt, als hier in Deutschland der Historikerstreit tobt.

So war es doch, oder nicht?

Mit seinen Reiseeindrücken vom November 1987 will ich mich demnächst noch näher befassen. Er war also früher als Rudolf in Auschwitz. Er ging nicht unvoreingenommen, förderte aber Fakten und Umstände zutage, die nur mit Mühe revisionismuskonform interpretiert werden können. Die "aufgebahrten" Leichen in den Kellern von Auschwitz sind Grund genug, der Sache noch einnal nachzugehen.

Ernst Nolte hatte die Lawine des "Historikerstreits" losgetreten. Er schrieb in einem Artikel für die FAZ, daß die sowjetischen Massenmorde und der ganze "Revolutions"-Terror möglicherweise die nazistische Reaktion ausgelöst hatten. Solche Fragen muß man stellen, wenn Geschichtswissenschaft sich nicht ad absurdum führen will.

Die "Lawine" kam aus DDR- und anderen kommunistischen und sozialistischen Quellen, und es ging einzig und allein darum, den NS-Sowjet-Vergleich schnellstens wieder wegzuräumen, diese ganze Diskussion abzuwürgen, indem man sie "antifaschistisch" herumwarf; eine Diskussion übrigens, die etwa Anfang der sechziger Jahre, als die Köpfe noch klar waren, überhaupt keine Sorgen bereitete.

Im Zuge der "Entspannungspolitik" war es aber darum zu tun, die "revanchistische BRD" der sowjetischen Deutschland- und Europa-Politik zu unterwerfen. Daß sich an diesem "Streit" auch jüdische Intellektuelle beteiligten, war nicht außergewöhnlich, zumal diese fast ausschließlich selbst einmal einer kommunistischen Partei nahegestanden oder angehört hatten. Hätten sie, nachdem die Republik von Weimar versagt hatte, Nazis werden sollen?

Niemand im - so verstandenen - antifaschistischen Lager konnte es zulassen, daß möglicherweise die gesamte Anti-Hitler-Koalition mit dem Ruch des Verbrechens behaftet würde. Die "Feindstaatenklauseln" lassen die einseitige Geschichtsdeutung ohne weiteres zu. Dieses "Lager" hatte inzwischen die Macht des "Meinungsführers" in der Bundesrepublik erlangt.

Die Zusammenhänge waren eigentlich leicht zu durchschauen; doch ein eigentümliches Phänomen kam nun hinzu. Die Bewegung trug schillernde Farben. Sie trat zwar als mehr oder weniger "links" auf, war aber alles andere als das. In der Tat sammelte sich damals eine antidemokratische Opposition aus Linken und Rechten gegen die Bundesrepublik Deutschland. Die "Nachrüstung" wurde wie eine "Vorrüstung" behandelt.

Hermann Schaber muß heute wissen, daß die sogenannte Friedensbewegung in starkem Maße von der DDR gesteuert war. ÖKOPAX war ein machtpolitischer Schwindel. Damals hatten die Linken noch eine Strategie, die Rechten hingegen sahen bald nicht mehr durch und witterten folglich irgendeine, gegen das deutsche Volk gerichtete, natürlich jüdische, Verschwörung. Daß sich jetzt ehemalige Friedensbewegte, wie etwa Knapp, eine neue politische Biographie zurechtschneidern, egal, ob sie paßt, hängt mit der Wiedervereinigung zusammen. Es war für sie die Katastrophe.

Die wildesten Feinde der deutschen Einheit treten heute als neue Nationale auf. Auch in dieser Geschichte gibt es eben schlechte Verlierer. Seine Jesaja-Ermahnung hätte Schaber an andere Adressen richten müssen. Die Politik der Nachrüstung, die offensive Politik Reagans gegen die Sowjetunion, ja, diese - richtige - Politik, die zu ihrer Zeit in Deutschland ganz allgemein und bei den ÖKOPAX-Demagogen im besonderen als "Gefahr für den Frieden" galt, wurde von der Geschichte bestätigt: sie hat die Sowjetunion tatsächlich zur Kapitulation gezwungen.

Diese Politik sicherte (!) nicht nur den Frieden, sie beseitigte eine gefährliche Brutstätte des aggressiven Imperialismus und bescherte den Deutschen die Wiedervereinigung mit dem Gebiet und den Menschen der damaligen DDR. Bei der Namenssuche für den Platz vor dem Brandenburger Tor sollte man zuerst an Ronald Reagan denken, an seine Worte: "Open the gate, Mr.Gorbatchov! Tear that wall!"

Inzwischen erleben wir in Deutschland einen ideologischen Bürgerkrieg mit etwas anderer Einfärbung. Die Friedensbewegten von einst wollen aus der Niederlage von 89/90/91 einen politischen Sieg sich basteln. Momentan schlagen "Links" und "Rechts" aufeinander ein; aber es ist bereits abzusehen, daß sie sich gegen die Republik, gegen unsere Demokratie, wieder zusammenraufen werden.

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feder 19/20
III./IV. quartal 1998
6. April 1998

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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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