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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1998-00-00
Als ich vor dreißig Jahren in meiner Kritik den Stab über Herbert Marcuse und die antiautoritäre Phase brach, ahnte ich nichts vom Schicksal dieser Denkperiode in deutschen Köpfen.
Schon damals war die deutsche Linke theoretisch am Ende.
Am Ende in Deutschland heißt aber nicht, daß darüber hinaus, daß neu angedacht würde, wie es etwa im Frankreich der siebziger und achtziger Jahre geschah.
Nein, in Deutschland wurde und wird weitergerührt im ungenießbar Gewordenen, in konzeptionell bereits Abgeschmacktem.
Dennoch frage ich mich, wie es geschehen konnte, daß die linke Theorie nach ihrem Ende noch auf Walter G. Neumann herunterkam.
Wer im eigenen Kopfe erleiden will, wie weit es mit deutschem Geist gekommen ist, dem seien Neumanns Bücher und Schriften verschrieben.
Sein "Islamoth. Die Gefahr des islamischen Fundamentalismus" in kkk-feder 15/16, Seite 3, ist ein einstweiliger Tiefstpunkt.
Hier trifft er sich mit der "Christlichen Mitte", mit Okkultisten, Faschisten und anderen Antishemiten, heißt: gott- und seelenlosen Feuerlegern.
Dahin hat ihn also seine "Gesellschaftsphilosophie" gebracht.
Ein Hedonist entlarvt sich selbst, könnte man sagen.
Aber hier muß ich etwas richtigstellen:
Die "Christliche Mitte" ist nicht gottlos und nicht seelenlos.
Sie steht fest auf dem Fundament des Christentums, vergeht sich freilich am Islam aus selber Tradition, indem sie ihn dämonisiert, und damit an der Grundidee des toranisch-koranischen Monotheismus.
Darin steckt ein Moment der Erkenntnis.
Die "Christliche Mitte" beruft sich ausdrücklich auf das Gesetz Gottes, vergißt oder übersieht darüber jedoch die Gesetzverletzungen im und durchs Christentun selbst.
Und in diesem Punkt finden die aktuellen, die scheinbaren Widersprüche doch wieder zueinander.
Der "antiautoritäre", letztlich "antipatriarchalische" Ansatz in Praxis und Denken führt ganz konsequent in antiautoritative Gesetzlosigkeit und findet sich in den Fängen menschlicher Tyrannei und Despotie wieder.
Neumann redet zwar viel von Psychoanalyse, Selbstreflexion und dergleichen, hat hier aber die Hauptarbeit an seinem eigenen theoretischen Tun und Lassen verabsäumt.
Das rächt sich bitter, wie sich zeigt.
Seine bisher letzten theoretischen Werke liegen in zwei Ausgaben der von ihm herausgegebenen Zeitschrift für Gesellschaftsphilosophie (Nr. 1, Februar 1997, und Nr. 2, September 1997) sowie der als edition scientia ebenfalls 1997 erschienenen zweisprachigen Schrift (deutsch-englisch) "Universum und Gehirn. Die Welt jenseits der Grenzen von Physik und Philosophie" vor.
Die polemisch-agitatorischen Texte "Islamoth" sowie "Gott und Liebe. Wahrheit und Perversion" in kkk-feder 15/16 und Neumanns "Manifestum Humanum" in diesem Heft (kkk-feder 17/18) ergänzen und verdeutlichen das Bild.
Seine Billig-Psychologie ließe sich leicht an Neumann selbst erproben.
Die bewährte kuckuck-Methode soll nicht den theorie-kritischen Tiefgang ersetzen.
Insgesamt enthüllt sich Neumanns "Theorie" als eine Ideologie oder Weltanschauung sondergleichen, symptomatisch aber für den geistigen Zustand deutschen, keineswegs nur politisch "linken" Denkvorrats.
Ein schöner Jahresbeginn 98 zum Ausgang dieses letzten Jahrhunderts im zweiten christlichen Jahrtausend, an dessen spirituellem Ende Neumanns "Islamoth"-Dämonologie ebenso wie seine Partner im Geiste oder Ungeiste von der "Christlichen Mitte", das Bieler Institut für Existenzanalyse des Dirk Schröder und der Pseudo-Moslem Salim Spohr mitwirken, dessen notorischer Antishemitismus womöglich dazu beiträgt, daß der Kurier der Christlichen Mitte in seiner Januar-Ausgabe 98 sich ganz behutsam mit Spohrs ideologischen Auslassungen beschäftigt, obwohl diese "Christen" in ihm und seiner mittlerweile sehr nordisch geratenen "Nakschibandiyya" doch ihren Hauptfeind auf deutschem Boden entdeckt haben müßten.
Dem ist mitnichten so.
Da wird mit verteilten Rollen in neuer Verkleidung eine alte Politik fortgeführt, die mit dem Mekkaner ebensowenig zu tun hat wie mit dem Nazarener.
Die unterschiedliche Verpackung soll uns hier nicht von den gleichen oder tendenziell doch verwandten politischen Inhalten und Zielvorstellungen ablenken.
Das Augenzwinkern über die angeblichen Gräben hinweg ist als politische Warnung zu beachten.
Den "Mitte"-Christen sei im übrigen ins Gebetbuch geschrieben:
Im Namen des Vaters (Judentum), des Sohnes (Christentum) und des Heiligen Geistes (Islam).
Die Fügung in Gottes Willen.
Das ist die Synthese!
Also auch etwas für die historische Dialektik und ihre Philosophen.
Neumanns edition gesellschaftsphilosophie erinnert der äußeren Aufmachung nach an die Regenbogen-Reihe bei Suhrkamp aus den sechziger und siebziger Jahren.
Ich will Neumanns Arbeit nicht auf eine Profilneurose reduzieren.
Dafür nehme ich das alles viel zu ernst.
Die Nahtstellen, an denen Wissenschaft und Philosophie in gefährlichen Nonsens übergehen, verdienen unsere Aufmerksamkeit.
Die Ökologie-Bewegung erlebt in ihren Mitläufern und Sympathisanten allerjüngst ihr helles bis höllisches Erwachen, da die feststellen müssen, heißt, endlich unverhüllt erkennen können, daß Greenpeace, die Ölkonzerne und die Grünen letzten Endes nur verschiedene Gesichtsmasken derselben Sachgestalt sind.
Der unmittelbar folgende Schritt der Erkenntnis muß irgendwann auch dem Klapperstorchnaivsten klarmachen, daß der ganze rotgrüne Ökofaschismus ein politisches Instrument der größten Umweltverschmutzer, nämlich der Erdölkonzerne, ist; daß, mit anderen Worten, "Umweltschutz" und "Umweltschmutz" ein und dasselbe, also ein riesengroßer Volksbetrug sind.
Ein Volk von Mülltrennern und Abfallratten wird natürlich für die atomare Energie-Vernunft keinen Sinn mehr aufbringen, auf sie keinen Gedanken mehr verwenden ("verschwenden") können, wollen und dürfen.
Dieser kleine Ausflug führt uns direkt zu den 96er Arbeiten "Kritik der herrschenden Vernunft. Der Weltgeist am Ende des 20. Jahrhunderts. Ein Lesebuch" (edition gesellschaftsphilosophie) und "Marx-Engels. Aktualität und Antiquiertheit" (selbe Reihe).
In diesen Schriften tritt Neumann nicht nur als Theoretiker usw. auf, sondern auch als "revolutionärer Marxist und Psychoanalytiker".
In seiner Biographie lesen wir über den Autor:
Walter G. Neumann, geb.1947 in Hildesheim, Abitur am Hessenkolleg Kassel 1969, Studium der Philosophie und Sozialwissenschaften in Frankfurt/M. und Hannover, Magister ebenda 1979, Promotion in Osnabrück 1986; Krahl-Schüler und Mitglied der Roten Zelle Soziologie 1970-73, Sekretär des Sozialistischen Büros 1977-79 und Sprecher der Grünen 1984-85 in Hannover; heute freier Schriftsteller und arbeitsloser Hochschullehrer, nebenberuflich Verleger.
An anderer Stelle ("Die geheime Weisheit der Weltreligionen. Wesenslogische Reflexionen eines aufgeklärten Atheisten" bei Haag+Herchen, 1991) heißt es:
... z.Zt. Lehrbeauftragter am erziehungswissenschaftlichen Fachbereich 1 der Universität Hannover und als wissenschaftlicher Buchautor tätig.
Buchveröffentlichungen u.a.: Der Tod der Liebe (1989), Philosophie und Praxis, Der heilige Lukács, Die Antiquiertheit der Moderne (1990), Selbstaufklärung und Lust heute (1991) in diesem Verlag.
Später ("Neuerscheinungen Frühjahr 1997") beim eigenen verlag für die gesellschaft fügt er hinzu: "Frührentner".
Er war gerade 50 Jahre alt.
Es war schwierig, vom Verfasser und Verleger Neumann Rezensionsexemplare zu bekommen.
Aber das ist ein Kapitel für sich.
Die Marx-Engels-Kritik ist laut Vorwort mit "Frühjahr 1995", die "Kritik der herrschenden Vernunft" mit "November 1995 bis Mai 1996" datiert.
Die letztere baut also auf der ersteren auf.
In der M-E-Kritik (hier: II) überraschte mich dieser Satz des "revolutionären Marxisten":
Heute ist in der ersten Welt eine klassenlose Gesellschaft unter dem Aspekt des Privateigentums die vorherrschende Realität... (II/47).
Diese Aussage entspricht exakt dem reklamierten, politischen und medialen Selbstverständnis dieser Gesellschaft ("in der ersten Welt").
Wie kann ein kritischer Analytiker so etwas schreiben?
Vielleicht kann uns der "Psychoanalytiker" Neumann die Frage beantworten.
Ich füge an dieser Stelle ein paar Grund-Sätze ein, die sich in der nun ein Vierteljahrhundert währenden Geschichte des kuckuck und aus ihr heraus gebildet haben; ihr ideeller und sachlicher Zusammenhang mit unserem Thema wird sich, hoffe ich, bald erweisen:
Fundamentalismus bedeutet Rechtssicherheit.
Revolution - im Wortsinn - erlangt ihre geschichtliche Relevanz dadurch, daß sie die "Verhältnisse" wieder ins Gesetzbuch einträgt.
Diese Rückkehr ist ein Zirkelschluß und damit - als Wiederkunft - ein re-legitimierter Neubeginn.
Fundamentalismus der Aufklärung ist gründendes, begründetes Wissen.
Begründung des Wissens.
Walter G. Neumann schreibt:
Klassen und Schichten. Die Klassenstruktur der bürgerlichen Gesellschaft hat sich mit (sic! - H.L.) Marx und Engels grundlegend verändert.
Während jene noch von zwei großen Klassen, der Bourgeoisie und dem Proletariat, ausgingen, wozu noch kleinere Klassen wie die der Grundbesitzer und die arbeitenden Bauern, der Adel und der Klerus gehören, haben sich im Laufe der Zeit größere Schichten von Angestellten, Beamten, Ingenieuren, Wissenschaftlern usw. gebildet.
Ökonomisch gesehen arbeitet heute die Mehrheit der Gesellschaft in abhängiger Form, während die Bourgeoisie verschwunden und zum Angestellten ihrer selbst geworden ist.
Was das Bewußtsein der so Arbeitenden angeht, hat es sich mit dem des absteigenden Bürgertums vermischt und ist ein kleinbürgerliches Bewußtsein geworden, ein Bewußtsein, wie wir es fast alle von unseren Vätern und Müttern her kennen, soweit diese vor dem 2. Weltkrieg geboren worden sind.
Von Klassenbewußtsein kann keine Rede mehr sein, oder: jeder ist in dem Maße heute klassenbewußt, als daß er/sie weiß, daß über ihn Kapital und Staat, Arbeit und Geld usw. herrschen, ohne daß ihn diese Tatsachen zur Revolution treiben würden (II/46).
Möglicherweise steckt in diesem resignativen Element mehr Realitäts- und also auch Klassenbewußtsein als in Neumanns Theorie, die davon ausgeht, daß diese Klassen ja eigentlich schon abgeschafft seien und wir hier im klassenlosen Kapitalismus leben.
Aufgabe des revolutionären Marxisten und Psychoanalytikers wäre es doch nun, das ganz allgemein gewordene Mittelklasse-Selbstverständnis als ganz simpel falsches Bewußtsein im weltweit gesamtgesellschaftlichen Verblendungszusammenhang herauszustellen, mithin klarzulegen, daß jede Gesellschaft eine Klassengesellschaft ist und sein muß; daß die Grundklassen "unserer" Gesellschaft nicht abgeschafft wurden; daß vielmehr die "Überwindung der Klassengegensätze" ins Repertoire der kapitalistischen Werbeagenturen gehört.
Diesbezüglich haben wir's nur mit einer Wahrheit zu tun: Die Reichen werden immer reicher, die Armen werden immer ärmer.
Darin enthalten ist das sozialrevolutionäre Potential, das sich u.a. in der islamischen Resaissance eine vorläufige Zuflucht und Basis geschaffen hat; die aktuellen Kultur- und Zivilisationskonflikte tragen unverkennbar diesen Klassencharakter.
Es geht nicht ums Gebet, sondern um Gerechtigkeit und Freiheit.
Die historische Befreiung der bezahlten und unbezahlten Sklaven ist das Wundmal dieser Epoche.
In der "Kritik der herrschenden Vernunft" (III) kommt Neumann auf Marxens Utopie zurück. Angewandt auf die Gegenwart:
Bei dem ungeheuren gesellschaftlichen Reichtum der Industriegesellschaften würde die Arbeitsfreiheit vieler oder der meisten keinen Mangel an notwendigen Lebensmitteln aller Art bedeuten, wenn dieser Reichtum neu verteilt würde und nicht mehr in Geld ausgedrückt wird (III/50).
Im kommenden Jahrtausend wird und darf es keine entfremdete Arbeit und kein Geld mehr geben; werden die Produktivkräfte gerecht verteilt sein und jeder abwechselnd Jäger, Fischer, Hirt oder kritischer Kritiker sein, ohne, wie Marx sagt, nur eine Tätigkeit davon zu seinem Beruf zu machen (a.a.O.).
Neumanns Naturschutz-Grüne werden inzwischen an jedem Fischteich und jedem Waldrand ihre von Heinrich Himmler inspirierten Umwelt-Polizisten aufgestellt haben.
Wehe Utopia!
Der revolutionäre Neumann appelliert kurzerhand an die etablierte Klasse, ach,
wenn die herrschenden Politiker, Wissenschaftsfachleute, Wissenschaftler und Medien-Agenten nicht so borniert und beschränkt wären, was ihr Denken und Vorstellen anbelangt (a.a.O.)!
Aber das sind die gar nicht!
Die herrschende Klasse samt Management ist weder borniert noch beschränkt.
Die Herrschenden wissen, was sie tun und tun müssen, wenn die Herrschaftsverhältnisse bleiben sollen, wie sie sind, ob mit oder ohne Geld, wofür ja die "Goldene Kreditkarte", diese Re-Fetischisierung des Zugangs zur Ware, der beste Beweis ist.
Neumanns Theorien-Paket beschreibt implizit diesen Weg, modelliert imgrunde eine institutionalisierte Depravation, eine Fortführung des sozialen, geistigen, emotionellen Abstiegs.
Doch erst Neumanns Ausflüge ins religiöse Fach und in die Psychoanalyse beseitigen die letzten Zweifel an dieser Lesart.
Die früheste der mir vorliegenden Schriften Dr. Neumanns ist "Die geheime Weisheit der Weltreligionen. Wesenslogische Reflexionen eines aufgeklärten Atheisten", 1991 erschienen (I).
In diesem Buch beschäftigt sich der Autor auf knapp 90 (!) Seiten mit sämtlichen (!) Religionen.
Es weigert sich etwas in mir, es ist wohl meine heile Seite, all diesen Unsinn zu wiederholen:
Das Haus Imrân soll die Religion des Islam selbst sein, die die Menschen verbinden soll, die an Allah als einen einzigen, mächtigen und weisen (aber auch strafenden) Gott glauben.
Der Koran okkupiert damit die Abstammung und Lehre des Neuen Testaments oder des Lebens von Jesus bzw. das Verbindende der Liebe, das er als Lieben interpretiert.
Das begründet den Überlegenheitsanspruch des Islam über andere Religionen, daß seine Anhänger nur aus dem Gefühl lieben, nicht aus Liebe (als Einbildung) wie das Christentum.
Damit steigert der Islam aber auch die Gottesgläubigkeit des Alten Testaments, dem alle anderen Irrende sind.
Das sollen insbesondere diejenigen sein, die die Schrift kennen und ausüben, während der Muslim Analphabet ist und an die Schrift nur glaubt.
Der Koran soll ihnen darin Leitung und Ermahnung sein (I/39).
Übers Christentum:
Wir haben hier in Jesus' Seewandlung den ersten geschichtlich bezeugten Surfer, wie wir modern sagen, vor uns, mag sein Surfbrett auch noch so primitiv gewesen sein.
Petrus aber konnte sich wegen des Windes auf ihm nicht halten, das heißt, er hatte Angst vor seinem eigenen Können bzw. vor dem Surfbrett (I/29).
Sie selbst sind es, die ein Wohlgefallen an Jesus gefunden haben, dies aber nicht zugestehen können, weil sie sich dann ihre Homosexualität eingestehen müßten, weshalb sie ihre eigenen (verbotenen) Vorstellungen sakralisieren, also verklären.
Deshalb heißt der betreffende Abschnitt "Die Verklärung Jesu".
Daß Jesus ihnen nun gebietet, von dieser Erscheinung zu niemandem zu reden, "bis der Sohn des Menschen von den Toten auferweckt worden ist!", verweist darauf, daß Jesus seine uneheliche Geburt nie überwunden hat, das heißt, daß er sich deshalb für einen (gesellschaftlich) Toten (Geächteten) hält, der nur durch übermenschliche (übersinnliche) Leistung diese Schande loswerden könne (I/31).
Wohl wissend um die päderastischen Neigungen seiner Jünger verbietet Jesus ihnen, Kinder zu verführen, sie aber auch nicht zu verachten.
Knabenliebe scheint also nicht nur im antiken Griechenland Sitte gewesen zu sein, sondern auch in Judäa.
Sündigungen und Verfehlungen aber sollen durch Aussprache unter vier Augen bereinigt werden.
Diese soll Verbindungen knüpfen und lösen, nicht Gewalt oder Rache usw. (a.a.O.).
Daraufhin empfehlen die Jünger, daß es besser wäre, wenn Mann und Frau überhaupt nicht heiraten würden.
Jesus aber meint, daß das die Leute nicht verstehen würden, weil sie aus verschiedenen Gründen verheiratet sind.
Er meint wohl, daß das sexuelle Bedürfnis des Mannes so groß ist (weil er beschnitten ist), daß es besser wäre für ihn, wenn er immer eine Frau zur Verfügung hat.
Das Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe ist demnach auf die durch die Beschneidung hervorgerufene größere sexuelle Reizbarkeit und den Penetrationswillen des Mannes zurückzuführen.
Es dient der bequemeren Samenentleerung des Mannes (I/31f.).
Übers Judentum:
Der Mensch des Judentums versteht sich als eine Antwort auf die Schöpfung Gottes, das heißt des Geldes, das mit der Gesellschaft identisch sein soll (I/47).
Sind die vergesellschaftete Gesellschaft und das "sich selbst heckende Geld" (Marx) diese Antworten, dann dürften wir in dieser Endzeit leben, nach der das Leid, die Not und die Unruhe beendet würden, und eine Zeit, die der idealen Urzeit (des Matriarchats) entsprechend, anbrechen, das Paradies also, das in jeder der Weltreligionen das Ziel des menschlichen Lebens ist (a.a.O.).
Der Fehler ist, daß diese Gesellschaft als Totalität vorgestellt wird, was patriarchalischem Bewußtsein entspricht.
In ihm ist das Verhältnis von Mann und Frau derart geregelt, daß letztere, die im Patriarchat eine Hure sein soll, als solche nicht herabgesetzt oder entwürdigt wird, sondern praktisch in ihr Recht eingesetzt wird, das heißt, Lieben wird als Huren (im praktisch handelnden Sinn des Wortes) aufgefaßt.
Die Frau wird in diesem Sinne sublimativ erhöht, um den Dingen, wie sie nun mal (im Patriarchat) sind, gerecht zu werden und sie anzuerkennen.
Das heißt auch, daß alles Schlechte, Schmutzige, Böse erstens als solches anerkannt, aber nicht verworfen wird und zweitens sublimiert wird, das heißt, es, wenn nicht geheiligt, dem Willen der Gesellschaft (Gottes und des Geldes) untergeordnet wird.
Wenn Marx von der "schmutzigen jüdischen Praxis" des Schacherns und Wucherns spricht, ist diese Anerkennung und Heiligung des aufs Handeln ausgerichteten Lebens gemeint (a.a.O.).
Deshalb ist, wie Marx richtig sagt, die Aufhebung des Judentums bzw. die Aufhebung der jüdischen Religion das Ende der Vorgeschichte und der Anfang oder die Konstitution einer menschlichen Gesellschaft (I/48).
Aus der repressiven in die regressive Gesellschaft.
Wie das geschieht, sagt uns der Psychoanalytiker Walter G. Neumann in "Universum und Gehirn. Die Welt jenseits der Grenzen von Physik und Philosophie" (IV).
Dieses kleine zweisprachige Werk erschien 1997, spiegelt also Neumanns jüngste Gedanken authentisch wider.
Neumann geht zunächst von bisher ungelösten Problemen aus:
Die beiden letzten Fragen, die die Wissenschaft heute noch beantworten muß: wie ist das Universum entstanden und wie funktioniert das Gehirn, sind Fragen nach dem Grund der Natur und nach dem Grund des Geistes.
Die jeweiligen Antworten können weder "Natur" noch "Geist" heißen.
Das wäre unlogisch und sich selbst widersprechend.
Deshalb können diese beiden Fragen nicht allein von den Naturwissenschaften einerseits und den Geisteswissenschaften andererseits beantwortet werden.
Eine Antwort auf beide Fragen bedarf deshalb eines vermittelnden Glieds, und das ist die ökonomiekritische Psychoanalyse.
Solange es Geld gibt, sind beide Fragen nicht zu beantworten.
Das Geld ist das Ding an sich, das nach Kant aller unserer Erfahrung vorgängig ist.
Das Geld macht unsere Vorstellungen zu dinglichen Vorstellungen, dem, was wir als Begriffe kennen.
Wir betrachten aber nicht nur die Lebensmittel, die wir konsumieren, unter dem Aspekt des Geldes, sondern auch die Begriffe, mit denen wir uns verständigen.
Die Vorstellung eines Gottes z.B. ist ein dinglicher Reflex des Geldes, das zur selben Zeit entstanden ist wie die Idee eines einzigen Gottes (IV/8).
Die ökonomiekritische Psychoanalyse, die ich selbst ausgearbeitet habe, ist die Bedingung der Möglichkeit eines neuen Denkens und Rechnens.
Sie überschreitet die Grenzen der Physik ebenso wie die der traditionellen Philosophie (a.a.O.).
Jetzt machen wir ein paar Sprünge, um dem Kern der Sache näherzukommen.
Der Grund von Natur und Geist ist nur als Gedanke und als Zahlenwert erfahrbar (IV/10).
Wie kommt er so plötzlich darauf?
Die ökonomiekritische Psychoanalyse ist weder eine bloße anwendbare Methode noch eine mysteriöse Geheimwissenschaft (IV/12).
Da lese ich vom "Zusammenfallen des Universums in einem Punkt" und vom "Entstehen eines neuen Universums aus diesem Punkt", von der "Tatsache, daß die Zeit im universellen Maßstab keine lineare" sei (IV/14).
Ist das Neumann im Original?
Er kann sich auch telepathisch verständlich machen (a.a.O.).
Die Seele (das Unbewußte) besteht aus schwarzer oder Anti-Materie. Deshalb wurde sie bisher nicht gefunden (IV/16).
Der Nachzügler als Vorreiter, wie wir ihn kennen:
Wer nicht aufgeklärt ist, wird auch die Gesetze des Universums und des Gehirns nicht erkennen können.
Wer den Ursprung des Universums kennenlernen will, muß über seinen eigenen Ursprung als Mensch Kenntnisse haben.
D.h. ich muß auch im Unbewußten wissen, warum und wie Kinder gemacht und geboren werden, nicht nur biologisch und physikalisch, sondern auch sexuell und gefühlsmäßig.
Wenn ich die Funktionsweise des Gehirns erkennen will, muß ich ein Bewußtsein vom Geschlechtsakt und vom Orgasmus haben, und, noch besser, die verschütteten hellseherischen und telepathischen Fähigkeiten, wie sie jeder Mensch potentiell besitzt, entwickelt haben.
Das sind Bedingungen der Möglichkeit von menschlicher Erkenntnis (IV/18).
Neumann liefert uns seine alles umstürzenden Weisheiten als bündige Antworten auf "die beiden letzten Fragen", die sich doch aber unter den Bedingungen des Geldes, des einen Gottes, des jüdischen Patriarchats usw. nach Neumanns eigenen Worten noch gar nicht beantworten lassen.
Und in der Tat ist ja seine neue Theorie eher ein alter Hut, der täglich neu aufgeformt wird, um die Leute am Staunen zu halten.
Hier reproduziert Neumann die Ideologie des Spätkapitalismus und gibt diesen "Zeitgeist"-Abklatsch aus Print- und Fernseh-Medien als revolutionäres Konzept aus.
Abschied zu nehmen ist von phallischen, sprich: patriarchalischen Vorstellungen... (IV/22).
Es sind wahrhaft pubertäre Vorstellungen, von denen Dr. Walter G. Neumann sich endlich einmal verabschieden sollte.
Da gibt's wohl noch ein Problem.
Denn
Umdenken, Neu-Denken und -Verhalten ist angesagt, (...) auch wenn es den meisten insbesondere männlichen Vertretern der Zunft nicht in den Kram passen wird (ihre Pfründe und ihre Karrieren gefährdet), und sie diesen Absatz, auch und wahrscheinlich nicht nur diesen, mit höhnischem Lachen begegnen werden (die Arroganz des Vergewaltigers und Frauenhelden, der wie jeder Unternehmer ein Verbrecher ist, und sich als solcher auch betätigt - von den sensibleren Wissenschaftlern sei hier nicht die Rede) (IV/25f.).
Nämlich:
Die letzten Dinge in der Philosophie und in der Physik sind... durch die traditionellen Begriffe und Zahlen nicht erkennbar.
Sie wären es
1. erst, wenn unsere Gefühle (das verinnerlichte Wissen)... bewußt wären...
2. erst dann, wenn es die Warenform der Produkte und das Geld, d.h. den "Mann" und die "Frau" nicht mehr gibt, sondern den androgynen Menschen... (IV/28).
Ohne Selbstreflexion gibt es keine wahre Wissenschaft (IV/30).
Und die (vorerst) letzte Erkenntnis lautet:
Die Vorstellung eines Ur-Knalls ist, psychoanalytisch gesehen, die Vorstellung des Orgasmus, beim Geschlechtsverkehr von Mann und Frau.
Auch dieser ist bei Mann und Frau eine Explosion, die indirekt Leben zu erzeugen in der Lage, also Ursprung ist (IV/34).
Was ist mit den Zahlen?
Von ihrer Genese her ist die 1 männlichen Ursprungs. Sie ist das erigierte Genitale des Mannes. Die 0 dagegen meint das Weibliche: die Öffnung der Vagina. 1 und 0 verhalten sich wie Sein und Nichts
und so fort.
Der Punkt auf einer Linie ist das aneinandergereihte Geld (Münze), wobei die Linie, gleich welche, wiederum phallischen Ursprungs ist.
Als Kreislinie füllt sie die Vagina durch das Glied (a.a.O.).
Der Autor, wie gesagt, ist Dr. phil. Walter G. Neumann.
An dieser Stelle ist eine Nachbemerkung angebracht.
Neumanns Entmannungsstrategie bereitet die Kapitulation vor.
Der von ihm propagierte Menschentypus ist nicht Zukunft, sondern gesellschaftliche Gegenwart.
Was er in Heft 2 seiner Zeitschrift für Gesellschaftsphilosophie (IV) in einer Buchrezension schreibt, ist bezeichnend - diesbezüglich - für seine Ignoranz.
Er setzt darauf,
daß die Geschlechtsdifferenz größer wird, und damit tendenziell die patriarchalische Kultur mit den ihr eigenen, heute herrschenden Begriffen, abstirbt (IV/45).
Aber die ist (!) hierzulande und darüber hinaus in der gesamten "ersten" Welt tot.
Das macht deren ganzes Elend aus.
Die "zweite" Welt, die einst und noch "sozialistischen" Länder, zieht nach.
Allenfalls die neuen Strukturen des Organisierten Verbrechens haben so etwas wie ein inneres Patriarchat rekonstituiert.
Das ist ja auch der Grund, weshalb die "moderne Gesellschaft" damit nicht fertig wird.
Einem zeitspezifischen, höchst aktuellen Verbrechen liefert sie frei Haus die Opfer, und der rot-grün geschädigte Dr. phil. Walter G. Neumann hat auch schon - für die "Zukunft" - seine "revolutionäre" Rechtfertigungstheorie parat:
Geschlechtsverkehr zwischen Minderjährigen und von Minderjährigen ab der Pubertät mit Erwachsenen müßte deshalb erlaubt werden (III/37).
Die Liebe von erwachsenen Männern und Frauen mit sogenannten minderjährigen erwachsenen Kindern und Jugendlichen muß auch gesetzlich erlaubt sein.
Damit würde der/die einzelne auch die von den Herrschenden verfemte ungeschmälerte Lust genießen können... (III/63).
Deshalb sollte es für Päderasten und Pädophile Straffreiheit geben... (a.a.O.).
Welchen Stellenwert hat hier eigentlich der "androgyne" Typus?
Dennoch sollte jeder interessierten Frau und jedem Schwanzträger dieses Buch zu lesen ans Herz gelegt werden, die dem durch gesellschaftliche, d.h. entfremdete Arbeit gebildeten männlichen Geist entgegengesetzt sind (IV/45).
Was hat er nur gegen die "Schwanzträger"?
All das könnte er seit mindestens 20 Jahren durchschauen, wenn er in seiner Eigenschaft als Sekretär des Sozialistischen Büros 1977-79 die zurückliegenden Jahrgänge der vom SB herausgegebenen sozialistischen Zeitung links gelesen und näher studiert hätte.
Mein grundlagenkritischer Beitrag Herbert Marcuse und die antiautoritäre Phase war zehn Jahre zuvor erstmals in links erschienen.
Wir brauchten uns heute nicht noch einmal mit den halbdurchdachten Theorien dieser Heiapopeia-Linken zu beschäftigen.
Wir wären gewappnet.
Daß die linke Theorie in Deutschland hoffnungslos veraltet ist, läßt sich auch mit Heft 1 der Zeitschrift für Gesellschaftsphilosophie anhand etlicher Beiträge anderer Autoren belegen (V).
Das meiste aber schreibt Neumann selbst.
Nach seiner Auffassung
ist die Phänomenologie eine geschichtlich und erkenntnistheoretisch überholte Philosophie (V/54).
Der Mann hat nichts begriffen.
Ob im Marxismus, im Islam, im Christentum, im Judentum oder im Hinblick auf eine allgemeine Verbesserung irdischer Bedingungen ist es den Reformern und immanenten Revolutionären durchweg darum zu tun, sich vom Gesetz zu befreien, vom Dogma, von festgefahrenen Regeln und so fort.
Es ist schwierig, in dieser Grundfrage keine Einigkeit zu erzielen, weil Zweifel an der Richtigkeit dieser Tendenzen gar nicht erst auftreten.
Man ist sich ganz allgemein darin einig, daß die "orthodoxe Strenge des Gesetzes" abgelegt, bekämpft, besiegt, zu den historischen Akten gepackt werden muß.
Und das hört sich im ersten Moment auch ganz vernünftig an.
Um die Diagnose bestätigen zu können, müssen wir etwas weiter ausholen.
Der "Revisionismus", mit dem sich der kuckuck seit längerem befaßt, hat hier als NS-Revisionismus seinen wahren Namen erhalten, der auch seinem Selbstverständnis entspricht.
Der Revisionismus ist keineswegs allein oder vor allem auf die nazistischen Gaskammern fixiert.
Die Philosophie des Revisionismus greift geschichtlich viel tiefer.
Kammeier (Die Fälschung der deutschen Geschichte; 1935, 1993) ist einer der relevanten (ns-authentischen) Theoretiker, die nachzuweisen unternehmen, daß die gesamte Geschichte der Menschheit letzten Endes von Fälschern aufgeschrieben und also regiert wird.
Im kuckuck ist bereits in den frühen achtziger Jahren der Schweizer Christoph Marx mit seiner "Geschichtsrekonstruktion" vorgestellt worden.
Die Geschichte umzuschreiben, war und ist auch ein sozialistisches Bedürfnis, und der etablierte Kommunismus hat besonders in der Stalin-Zeit sogar seine eigene Geschichte fast periodisch "revidiert", verändert, umgeschrieben, gefälscht.
Die kommunistische Selbstverfälschung ist ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung der Frage, ob und inwieweit die heute als offiziell geltende Geschichtsschreibung ihrerseits auf Fälschung beruht und also eine kritische Revision im Sinne einer Richtigstellung notwendig und legitim ist.
In der Regel ist es ja so, daß Historikerschulen einander ablösen, so daß schon von daher eine mehr oder weniger regelmäßige, gewöhnlich generationsbedingte "Revision" der Betrachtungsweise erfolgt.
Geschichtsschreibung hat natürlich immer etwas mit Macht zu tun.
Historiker, die gegen das Herrschende und Vorherrschende anschreiben, bleiben im "Untergrund", bleiben unbekannt.
Ihre Wahrheit offenbart sich jedoch nicht von vornherein als "unterdrückte".
Erst die Geschichte selbst wird sie - unabhängig vom gesellschaftlichen Status - schließlich bestätigen oder widerlegen.
Die Entdeckung der Geschichte als eines übergeordneten Sinnverlaufs hängt nicht zuletzt mit der extensiveren und intensiveren Erforschung unserer Vergangenheiten zusammen.
Erforschung unserer Vergangenheiten, unserer Geschichte(n), ist Erforschung und Ergründung des Überlieferten.
Überlieferungen sind vielfältiger Art.
Das für jedermann Sichtbarste ist wohl die Architektur.
Es sind die Schriften.
Nicht von ungefähr wird der früheste Städtebau mit der "Erfindung der Schrift" zeitlich zusammengesehen.
Beide haben für die Nachwelt die etwa gleiche Funktion: sie sind - mehr oder weniger beredt - Zeugen vergangener Welten.
Schrift- und Baukunst bieten sich dem Studium dar.
Die menschliche Wißbegier ist ein ganz wesentliches Moment in der Geschichtsforschung.
Was die Geschichte freiwillig hergibt, also unverborgene Schriften, Bilder, Bauten, ist gleichsam der Präsentierteller.
Menschliche Wißbegier hat zunächst ihre Grenzen.
Der Mensch begnügt sich einstweilen mit einleuchtenden Erklärungen, die sich bald verklären oder bereits als Verklärungen entstehen.
Was der Mensch sieht, ohne es sogleich zu verstehen, verleitet ihn zu Spekulationen.
Das Überraschende ist das, was er sich nicht, noch nicht, noch nicht wieder, erklären kann.
Die Erzählkunst lebt weitgehend vom Unverstandenen, Unentschlüsselten.
Hier sehen wir, daß die Literatur nicht nur von Ereignissen berichtet, sondern zugleich den ihr angemessenen, weil zeitgemäßen, nämlich erfahrungsbedingten Grad des Verstehens tradiert.
Nehmen wir ein genetisches Wissen an, so kann sich der Mensch an etwas erinnern, was er selbst, "persönlich", also individuell gar nicht erlebt hat.
Durch ihn als per-sona klingt eine Vergangenheit seiner Art, der menschlichen Gattung. Nichts ist uns mehr fremd, wenn wir uns sozusagen genetisch erinnern.
Die genetische Erinnerung ist aber auch nur eine Ermahnung zu Erkenntnis und Selbsterkenntnis, noch nicht diese selbst.
Die Genese hat den inneren und den äußeren Aspekt, sie hat - wie alles und jedes - ihre zwei Seiten.
Die dialektische Empfehlung - "aus eins mach zwei" - ist ein Imperativ der Erkenntnis und nicht der Zerstörung.
Indem zum Beispiel die moderne analytische Naturwissenschaft den Mikrokosmos aufdeckt und erkennbar macht, gibt sie der Menschheit Mittel zur Hand, äußere Überbleibsel selbst urgeschichtlicher Realitäten als Überlieferungen zu verstehen, die gelesen werden wollen, die wir lesen wollen.
Objektives "Wollen" als Aufforderung und subjektives Wollen gehen eine Symbiose ein. Wir wollen sozusagen, was wir wollen sollen, bedingt durch das, was vor uns war.
Erkenntnis ist nichts anderes als eben Erkenntnis dessen.
Die Entdeckung beziehungsweise die Erfahrung, daß unsere Wißbegier das bereits Gewußte und Bewußte als Aufforderung begreift und versteht, mehr zu wissen, mehr wissen, mehr erforschen und ergründen zu wollen, diese als Aufforderung erlebte Erkenntnissucht, die Suche als Findenwollen und Findensollen ist offensichtlich die innere, ihm ganz wesentliche Natur des Menschen, gleichsam sein immanentes Gesetz.
Je mehr der Mensch weiß, desto deutlicher wird ihm, wie wenig er imgrunde weiß und - wissen kann.
Die Grenzen menschlichen Wissens werden erst dem "Wissenden" bewußt.
Indem er nämlich erkennt, daß ihm allein mit seiner physischen, physiologischen, mithin materiellen Natur, der einen Seite seines Wesens, ziemlich enge Grenzen gesetzt und gezogen sind.
Seine Grenzüberschreitungen sind ideeller, seelischer und geistiger Natur.
Dies ist die andere Seite.
Beides aber ist wirklich.
Wie die "Materie" des Menschen den Geist, die Seele, die Ideen bedingt, so wirken diese ganz zweifelsfrei auf das materielle Leben des Menschen ein, auf es zurück.
Ja, die Formgebung menschlicher Außenwelt, also dessen, was wir "Kultur" nennen, verdankt sich dem Ideenreich des Menschen.
Dies aber ist nicht außerwirklich.
Die Grenzüberschreitungen des Menschen sind Operationen der Erkenntnis.
Die "Geschichte" gewinnt mit ihrer strukturellen und zeitlichen "Vertiefung" an Rätseln und Geheimnissen.
Sie wird uns zu einer gültigen - autoritativen - Darstellung, die wir als Selbstdarstellung des "unübersehbaren" Kosmos verstehen müssen, wenn wir unseren Verstand nicht vorher schon an der Garderobe irdischer Begrenztheit abgegeben haben.
Die Entdeckung, daß es außer Intelligentem nichts gibt, daß jeder Stein davon Zeugnis ablegt, stellt die "objektiv" und "subjektiv" erstrebte Verbindung unserer menschlichen, je individuellen Intelligenz mit jener konstitutionell vorgegebenen, überirdischen, universellen, kosmischen, höheren, alles umfassenden und begründenden Intelligenz her und dar.
Dem wir objektiv ein- und untergeordnet sind, das wir nichts lehren, von dem wir nur lernen können, stellt sich uns dar als Autorität schlechthin, der wir nur noch den richtigen Namen geben müssen.
Das war immer ein Problem.
Die wechselnden Namensgebungen sind als Geistes- und Religionsgeschichte in unser Bewußtsein eingegangen.
Der biblische Gottesname geht dem aus dem Weg, indem er sich gleich selbst den Zeitläuften anpaßt.
Es ändert aber nichts am Wesen dessen, was hier gemeint ist.
Auch die tiefste brahmanische Weisheit ist sich der Grenzen des Menschen bewußt.
Sich per "An-alHaqq" dem Höchsten gleichzumachen, ist ein grobes Mißverständnis aus dem Vergessen, der Nichtbeachtung oder dem Nichtwissen kosmischer Verfassung und Wahrheit.
Komisch ist, daß die politisch eingesetzte Psychoanalyse sich heute so dem Obskurantismus angeähnelt hat, daß Sigmund Freud sich im Grabe umdrehn würde, wenn er es erführe.
Einiges davon war bei ihm allerdings schon angelegt.
Karl Kraus hatte mit der Definition, daß die Psychoanalyse die Krankheit sei, für deren Therapie sie sich hält, nicht nur seiner Leser- und Vortragsgemeinde gefallen.
Freud selbst verletzte, als er die Couchpraxis verließ, um sich am "Mann Moses" zu versuchen, nicht nur die Tabuzone seiner Berufung.
Er bestätigte an sich selber den Komplex, dem er den Namen jenes unglücklichen, wohl ägyptischen Königs aus der griechischen Legende gab.
Freud unterlief mit seiner "Analyse" die Geschichte seiner Väter und macht sich damit selbst zum vom Schicksal geschlagenen Ödipus.
Otto Weininger machte es ihm auf weitaus tragischere Weise vor.
Von Karl Marx ganz zu schweigen.
Das Christentum von seinem Begründer her als ödipalen Protest zu interpretieren, liegt nah.
Ich habe mich an dieser Kulturspezifität auch erprobt.
Die Banalisierung stellt sich ein, sobald man die Hilfskonstruktion überstrapaziert.
Es sind die ewigen Versuche, das Unverstandene kleinzukriegen.
Die modernen "messianischen" Massenbewegungen - ob nun Sozialismus-Kommunismus, Faschismus-Nationalsozialismus oder Feminismus-Ökologismus - haben allesamt den inneren Beweggrund, alles bisher Gewesene herabzusetzen, zu verbösen, zu entwerten.
Da dies von der Geschichte so aber nicht bestätigt wird, ist jede "progressive" Massenbewegung genötigt, die Geschichte umzuschreiben und damit zu verfälschen.
Die Verleumdungsstrategien haben im Zeitalter der Wissenschaften zwangsläufig einen wissenschaftlichen Charakter angenommen.
So prostituiert sich die Wissenschaft zu "Wissenschaft".
Der parteiliche Zweck, eigentlich ja ein Subjektivismus, wird aller objektiven Wahrheit übergeordnet.
Nach stalinistisch-kommunistischer Wissenschaftslehre war jeglicher "Objektivismus" als "bürgerlich" und also "unwissenschaftlich" auszuschließen.
Die NS-"Wissenschaft" bezeichnet Unpassendes einfach als "jüdisch", was dem feministischen Grundsatz-Affront gegens "Patriarchat" mindest sehr nah ist.
Bei genauerem Hinsehen richtet sich alle "Progressivität" gegen das Überkommene, Überlieferte, gegens "Alte" eben, das in seinem Kern als "jüdisch" definiert wird.
Den modernen Massenbewegungen haften durchaus zu unterscheidende Ideologien an, in einem Punkt stimmen aber alle überein: sie sind atheistisch, "heidnisch", gottlos und, was besondere Beachtung verdient, ohne Seele.
Eine entseelte Masse, so jedenfalls das gemeinsame Konzept, macht Front gegen die "jüdische Seele" und ihren Anverwandten.
In diesem Weltanschauungskrieg geht es in der Tat um Fortsetzungen der "alten" biblischen Konflikte.
Ihre seit Jahrhunderten und Jahrtausenden periodisch auftretenden Wiederbelebungen bestätigen die toranisch konstatierte Ewigkeit der in den Kämpfen waltenden Prinzipien.
Schier ewiger Krieg zwischen ewigen Prinzipien ist eine ewige Infragestellung des Ewigen selbst.
Das oder der Ewige trägt in der menschlichen Geschichte wechselnde Namen.
Selbst im "namenlosen Gott" ist der historische Auftritt näher bezeichnet.
Auch eine "Partei der Parteilosen" ist eine Partei wie die "Statt-Partei", die ja nicht statt einer Partei, sondern als solche selbst auftritt.
Immer aber ist es ein Name, eine nähere Bezeichnung, die von anderen Namen, Etikettierungen usw. unterscheiden soll.
Name schlechthin ist nach jüdischem Verständnis eben der Name Gottes.
HaSchem ist Der Name.
Dieser Name ist zugleich der besondere Name des Noah-Sohnes Schem oder, wie es im Deutschen gewöhnlich heißt, Sem.
Das ist vom Wort her das gleiche.
Antisemiten sind demnach nicht nur Feinde des Stammvaters Sem/Schem, sondern auch Feinde Gottes nach jüdischem Verständnis.
Die von mir getroffene Unterscheidung - Antisemiten bzw. Antis(c)hemiten - dient nur dieser Verdeutlichung, beschreibt keinen wesentlichen oder substantiellen Unterschied.
Es ist dasselbe Wort in selber Sache.
Es vereinfacht die Auseinandersetzung in ihrer theoretischen Beschreibung.
Atheisten sind Antishemiten.
Aber was ist damit gemeint?
Wofür spricht, für was steht dieser "Name"?
Der toranische "Namens"-Träger versteht "sich" als Schöpfer all dessen, was da ist, war und sein wird.
Als Dirigent des Ganzen, als Herr des Geschehens, als Lehrer dieser Geschichte, als Gesetzgeber, als Warner vor den Folgen der Gesetzesmißachtung, als barmherziger und zorniger, gütiger und rächender, strafender und bereichernder Herr, Vater und Mutter zugleich, Gott des Krieges und seiner Listen.
Das Besondere an der Geschichte des Volkes Israel ist die Idee, allein mit diesem Herrn auskommen zu sollen.
Israel genügte der Anforderung ja in keiner Weise, und "Gott" macht "seinem Volk" immer wieder Konzessionen.
Der Urgedanke aber, daß sie Gott mehr als den Menschen gehorchen sollten, ist der Gedanke der Freiheit, derselbe, den Friedrich Schiller im "Tell" hohe Dichtung werden läßt: "Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht: Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last - greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter seine ew'gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst..."
Dies ist das "Fundament" einer Aufklärung, wie sie im deutschen Denken ihren Höhepunkt fand.
Kants Kategorischer Imperativ ist philosophisch unüberbietbar.
Nur "Gott gehorchen", heißt, allein dem "himmlischen Gesetz" sich unterwerfen.
Das Ende aller Sklaverei auf Erden.
Die freie Stirn vor Königsthronen.
Die Gestalt des Mordechai in der Rolle Esther wird viel zu wenig vom Standpunkt der alles auf Gott setzenden Freiheit gewürdigt.
Da besteht ein spezifisch deutscher Nachholbedarf.
Der Gesetzesgedanke schafft Rechtssicherheit, weil jeder - ob König oder Sklave - dem - aufgeschriebenen - Recht unterworfen ist - aber nichts und niemandem sonst.
Wer sich vom Gesetz freispricht, gerät in die Versuchungen des Dunklen und Verborgenen, in die Verstrickungen des Hinterhalts.
Das scheinbar stolze Selbstbekenntnis "An-alHaqq" verbirgt eine Vielzahl hermetischer "Meister"-Despotien.
Wer sich übers Gesetz erhebt, ist eine Gefahr für jeden, der ihm vertraut, schließlich für alle, die sich ihm unterwerfen.
Mit "An-alHaqq" - Signet (und Signal), das auf die Gespensterflaschen aller "Meister" von Sufi-, Derwisch-Orden, Mystiker-Sekten sämtlicher Religionen, Theosophien usw. paßt - zieht die Willkür ein, das autoritäre Regime vom "Wilden Westen" bis zum "Führer-Staat": "Ich bin das Gesetz".
Insofern ist der monotheistische Grundgedanke auch und gerade aus der Demokratie nicht wegzudenken.
Imgrunde ist in ihm die Demokratie als Rechtsstaat von vornherein angelegt.
Darum ist über beides mit der gleichen - intoleranten! - Aufmerksamkeit zu wachen.
Die toranische Idee ist in der Tat alles andere als tolerant.
Sie postuliert eine Wahrheit, die neben sich keine andere duldet.
Dies hat seine Fragwürdigkeit und ist bedenkenswert; bedenkenswert wie alle Wissenschaft, die nicht viele "Wahrheiten" nebeneinander akzeptieren kann.
Der monotheistische Gedanke ist ein höchst moderner Gedanke, eine Idee der Zukunft.
Der Menschheit bleibt also genügend Zeit, sich darüber Klarheit zu verschaffen, Klarheit zu gewinnen, den Gesetzesgedanken noch einmal gründlich zu reflektieren.
Niemand hat die Wahrheit für sich gepachtet.
Jeder Mensch unterliegt seinen Irrtümern und Unzulänglichkeiten.
Auch dies zu erkennen, ist, wie gesagt, "brahmanische Weisheit".
Der zu erwartende, unabdingbare Konsens beschränkt sich darauf: es kann in jedem Streitfall nur eine Wahrheit geben.
Der Streit geht also weiter.
Er ist das A&O.
Das Lebenselixier.
Der Vater der Dinge.
Und dessen Vater ist nach toranischem Verständnis der Herr der Geschichte.
Den kosmischen Ordnungswillen in seinen geschichtlichen Ausprägungen zu verstehen oder nicht zu verstehen, ihm zu entsprechen oder nicht, um diese Frage geht der ganze Streit.
Dieser Streit wird "heilig", wo die irdischen Auseinandersetzungen als Weltanschauungskriege sich auf "Sein oder Nichtsein" des universellen Diktats zuspitzen.
Die innere Paradoxie dieses dauernden, gleichwohl doch befristeten Vorgangs gibt niemandem die letzte Sicherheit.
Damit tritt der "subjektive Faktor" wieder stärker in den Vordergrund.
Bei Dirk Schröder geht es ausdrücklich um die Entseelung des Menschen als Befreiung vom "jüdischen Joch".
Die ärgsten Antishemiten sind am Ende Knechte des in ihrer Vorstellung zum Wüstendämon geschrumpften Gottes vom Sinai.
Die antishemitische Gottesknechtschaft ist so etwas wie ein dialektischer Gottesbeweis.
Sie sind gehorsam wider Willen.
Schröder respektiert diese Dialektik nicht, so wird für ihn aus jedem unfreiwilligen Gottesdiener ein verkappter Jude.
"Revolution" ist nicht widergesetzlich, sondern ausdrücklich neue Rechtsetzung, Restauration des Gesetzes und damit der durchgehenden Rechtssicherheit für alle und jeden; dies aber besagt: Gleichheit vor dem Gesetz.
Rechtsgleichheit.
In dieser Hinsicht bleiben allerlei unerwartete, politisch erquälte Probleme zu lösen.
Wie die antishemitischen Eiferer HaShems Wünsche erfüllen, so sind die Vertreter des Rechtsstaats emsig dabei, diesen in Frage zu stellen.
Diese Dialektik ist auch im kleinen der geheimnisvolle Weg der Geschichte.
Ignoranten und Antidialektiker müssen (und sollen wohl auch) an eine Verschwörung glauben.
Sie spielen bei der Heraufkunft des Unerwarteten eine hervorragende Rolle.
Ihre Fehlinterpretationen ändern nicht die Geschichte, nein, diese widerlegt naturgemäß jene.
Um so besser!
Da hatte also doch der "jüdische" Teufel seine Hand mit im Spiel.
Und alles funktioniert gleich viel besser.
Er kann es sich nicht (mehr) leisten, seine Kritiker unverkürzt zu Wort kommen zu lassen.
Die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung (VffG) haben auch den Makel der finanziellen und ideologischen Abhängigkeit nicht loswerden können; sie haben ihn noch verstärkt.
Denn Remer ist immer dabei.
Noch aus seinem Grabe bestimmt Otto Ernst, was Sache ist.
Lohnt es sich überhaupt, die Zeit damit zu verbringen?
Der NS-Revisionismus erledigt sich selbst, und die Unzulänglichkeiten der neuen linken Theorie laufen schließlich mit den revisionistischen Tendenzen zusammen.
Problematisch wird's mit dem Staat, der sich anschickt, seine von den alliierten Besatzungsmächten ererbten Freiheiten und Grundrechte peu à peu abzuschaffen.
Ich weiß heute nicht mehr, ob meine privaten Gespräche abgehört werden.
Ich weiß nicht mehr, ob es nur der Milchmann oder der Postbote ist, wenn's morgens an der Wohnungstür klingelt.
Die Rechtssicherheit hat erheblich gelitten.
Was früher den Unterschied zwischen einer Demokratie und dieser oder jener Diktatur ausmachte, verliert mehr und mehr an Schärfe.
Das Verlangen, daß der Staat sich endlich konsequent um das Organisierte Verbrechen kümmern möge, findet mittlerweile seine merkwürdige Erfüllung in der zunehmenden Verunsicherung derer, die die Forderung stellten.
Der Staat zeigt die Zähne, und der Normalbürger kann keineswegs das Gefühl haben, daß es zu seinem Schutze geschieht.
Die Stunde der Denunzianten steht sozusagen unter dem Protektorat der Bundesrepublik Deutschland.
Das ist ein schlechtes Zeichen.
Vieles spricht dafür, daß der demokratische Staat sich seiner nicht mehr sicher ist.
Seine - antirevisionistische - Sondergesetzgebung ist der Art, daß sie jede Diktatur überdauern und von dieser gegen ihre politischen Gegner angewandt werden könnte.
Das ist höchst bedenklich.
"Volksverhetzung" ist kein Delikt, auf dessen Erfindung und Definition ein Rechtsstaat stolz sein kann.
Meinungsdelikte sind in der Demokratie einfach ein Unding.
Der schleichende Entzug demokratischer Grundregeln und -rechte ist ein teuflisches Spiel mit dem Feuer, in das viele politische Hände verschlungen sind.
Der Revisionismus lebt davon, daß man ihn wissenschaftlich, jedenfalls offiziell, nicht zur Kenntnis nimmt und obendrein politisch verfemt und juristisch verfolgt.
Damit wird ein Anschein erweckt, der den Revisionisten nur guttun kann.
Die Bundesrepublik präsentiert sich - staatlich und gesellschaftlich - in geistiger Entsagung vor dem Dritten Reich.
Der NS-Revisionismus aber "ist ein Gespenst, das zurückschreckt, sobald sich ihm einer nähert" (kkk-feder 7, Seite 5).
Seine Ausgrenzung freilich ist "eine Beleidigung des mündigen Bürgers" (a.a.O.).
Im übrigen bleibe ich bei der wiederholten Feststellung, daß der Revisionismus "als Wissenschaft tot" ist.
Der "Revisionismus" ist eine nationalsozialistische, spezifisch antijüdische "Weltanschauung".
Insofern fällt er unter die Grundfreiheiten für Meinung und Presse.
Doch auch der nicht-wissenschaftliche Publizist orientiert sich korrekterweise an Tatsachen.
Die Wahrheitsfindung von Fall zu Fall bedient sich des logischen Zusammenhangs vorliegenden Faktenwissens und eingebrachter Argumente.
In kkk-feder 15/16 wurden revisionistische Themen mehrmals angesprochen.
Das Heft beschäftigte sich zu fast zwei Dritteln seines 100-Seiten-Volumens mit der Holocaust-Problematik und ihren aktuellen Folgen.
Eine ähnliche Darstellung und Kritik der Freisprüche von Amberg und Ettlingen wie die im kuckuck vorgelegte Arbeit von Hermann Schaber mit beigefügter Dokumentation der Amberger Urteilsschrift etc. ist meines Wissens bisher nirgendwo erschienen.
Warum?
Auch in den VffG habe ich darüber nichts gelesen.
Paßt da etwas nicht ins vorgefaßte Bild?
1.
Die von David Irving ganz unverdächtig herausgegebenen Goebbels-Tagebücher von 1938 widerlegen die revisionistische These, die "Reichskristallnacht" sei wahrscheinlich von "jüdischen Drahtziehern" in Frankreich angezettelt worden.
Goebbels selber schildert sich mehrmals als Auftraggeber und Antreiber.
2.
Die Zahl der ermordeten Juden wird beim behaupteten Wegfall der Gaskammern nicht geringer.
Die Zahl der Tatverantwortlichen und Täter nimmt hingegen zu.
Allein die Geiselerschießungen werden (vgl. Schaber in kkk-feder 13) mit 5 Millionen toten Juden beziffert.
Rechnet man die nicht verstummenden 6 Millionen Gastoten hinzu, kommen wir auf die da und dort bereits genannten 11 Millionen ermordeten Juden.
Diese Zahl, erstmals errechnet in kkk-feder 15/16 (= YISHMAEL 11), unterliegt gleichwohl dem gleich angefügten alten englischen Sprichwort: "Wer rechnet, irrt".
Wer nur einen Menschen vernichtet, hat eine ganze Welt vernichtet.
Dieses Denken aber sollte (und soll wieder) vernichtet werden.
Und eben dies, heißt es auf Seite 90 (kkk-feder 15/16), macht den Krieg gegen den Nazismus (und seine antishemitischen Erben) zu einem heiligen Krieg.
3.
Germar Rudolf schreibt unter ethischen Gesichtspunkten wider besseres Wissen.
In seiner Auseinandersetzung mit Johannes Peter Ney bekannte er, "daß selbst ohne die Massenvernichtung die Behandlung der Juden vier der im StGB aufgeführten fünf Punkte des Völkermordes erfülle" (vgl. kkk-feder 9, S.2; Brief Rudolf an Lummert vom 18.7.95).
"...selbst ohne die Massenvernichtung", die nun freilich als Faktum hinzukommt.
Das heißt:
Der Völkermord an den Juden ist nach allen fünf Rechtsdefinitionen im Strafgesetzbuch (§ 220a) "erfüllt".
Warum stellt Rudolf seine Arbeit nicht schleunigst ein?
Was will er denn noch beweisen:
"Wir haben sie nicht vergast, sondern allesamt totgeschlagen etc.pp."?
Rudolf weiß auch, daß neue(!) "Maßnahmen" gegen "die Juden" - von Entrechtungen à la "Nürnberger Gesetze" über Deportationen bis zu Massakern und Massenmord - intellektuell begründet, geplant und praktisch vorbereitet sind (vgl. kkk-feder 10).
Alles weitere
4.
muß ich breiter anlegen.
Daraufhin schrieb Germar Rudolf einen Offenen Brief an de Boor, worin er dessen Thesen sehr gründlich verwarf.
Der Kölner Professor der Psychiatrie hatte empfohlen, die neuen Rechten mit ihren abstrusen Ideen als Geisteskranke zu behandeln und kurzerhand klinisch wegzuschließen.
Rudolfs Entgegnung war ein Plädoyer für die Rechtsstaatlichkeit, kein Zweifel.
Ich habe mir Wolfgang de Boors jüngstes Buch angesehen ("Wahn und Wirklichkeit") und feststellen können, daß der von ihm aus dem elisabethanischen England entlehnte Begriff der "Monoperceptose" sich leicht auch auf ihn, de Boor, anwenden ließe.
Er weiß das, und mit Bezug auf Schopenhauer hat er schließlich von seiner rigorosen Position Abstand genommen.
Das persönliche Zusammentreffen mit Deckert scheint ihn ohnehin verwandelt zu haben.
Er hält ihn nicht für verrückt.
Daß de Boors Theorien aus bestimmten, eher gesellschafts-positivistischen Grundanschauungen resultieren, ist nicht Thema dieser Überlegungen, kann jedoch in den zwei Bänden Über den Zeitgeist nachgelesen werden.
In den Heften der "freien Geschichtsforschung" ist nun jüngst mit den gleichen "Waffen" gegen die Opfer und Überlebenden des Holocaust "argumentiert" worden.
Die Juden seien in Wahrheit Opfer ihres eigenen "induzierten Irreseins".
Germar Rudolf läßt dergleichen geschehen, obwohl er nach eigenem Bekunden genau weiß, daß an den Juden ein Völkermord verbrochen wurde.
Es lag nahe, diese infame Methode umzudrehen und auf die Revisionisten anzuwenden.
Ich tat das in kkk-feder 15/16 (S.74f.).
Daraufhin sandte mir Germar Rudolf ein Fax, worin er mitteilte, daß er zum Thema gern "Passagen aus Ihrem letzten kuckuck als Leserbrief in VffG 4/97 abdrucken" würde.
"Falls Einwände bestehen..."
Nein, ich hatte keine Einwände dagegen, obwohl ich mich natürlich fragte, warum er nicht einfach aus dem kuckuck zitierte, warum es ein "Leserbrief" sein mußte.
Es ist nicht meine Aufgabe, derlei Absichten vorab zu zensieren oder anderswie zu beeinflussen.
"Zensuren" erteilen kann ich dann immer noch.
Mir fiel auch auf, daß er unvollständig zitierte.
Der "Leserbrief" erschien in der besagten Ausgabe auf Seite 286.
Für Rudolfs Verfahren bieten sich vier mögliche Erklärungen an:
1. Er wollte nicht aus dem kuckuck zitieren, um für das Blatt nicht Reklame zu machen.
2. Er wollte nicht aus dem kuckuck zitieren, weil er auf diesem Wege die anderen revisionismus-relevanten Themenstellungen in kkk-feder 15/16 nicht ohne weiteres hätte übergehen können.
3. Er mußte diese Themen jedoch übergehen, weil die revisionistische Diskussion darauf nicht oder noch nicht eingerichtet ist.
4. Er wollte auf das abgedruckte Zitat nicht verzichten, weil er damit übereinstimmt, es aber so nicht sagen und schreiben will. Als Leser des kuckuck aber konnte er leicht in den Verdacht geraten, seine Argumente vom Feinde zu beziehen, also wählte er die Umformung zum "Leserbrief".
Rudolf hat unvollständig zitiert.
Warum?
War, was er wegließ, unwichtig, nebensächlich?
Was fehlt?
Nun, was er gegen die Holocaust-Opfer gelten ließ, löschte er im Vergleich mit den Revisionisten aus:
Alle Induktoren sind zugleich induziert. Außerdem ist eine nicht unwesentliche Anzahl der Induktoren bzw. Induzierten selbst nicht normalen sondern hochgradig pathologischen Persönlichkeitstypen zuzurechnen.
Die Wahnvorstellungen können induziert werden, ohne daß die Opfer krankhaft oder abnorm zu sein brauchen.
Es liegt eine Blockierung der normalen neurologischen Mechanismen höherer Ordnung vor. Etwas populär formuliert handelt es sich um "geistiges AIDS".
Auch im weiteren Sinn ist die Parallelität gegeben (kkk-feder 15/16, S.74, nach VffG 2/97, S.82f.).
Was ferner fehlt, worauf auch nicht eingegangen wird, obwohl es zur Sache gehört:
Die Absicht der Täuschung ist zwar erkennbar, tritt aber mehr in den Hintergrund, weil sie zusätzlich durch eine andere Psychoseform überlagert ist, nämlich die des "Verfolgt-Seins".
Das "Verfolgt-Sein" entspringt wahrscheinlich einem Kompensationsmechanismus, um die inneren Spannungen erträglich zu machen, die sich aus dem Widerspruch zwischen Ehrgeiz und der Fähigkeit, dessen Forderungen zu erfüllen, ergeben (a.a.O.).
Was auf die Juden gemünzt war, liest sich wie eine Selbstcharakterisierung des NS-Revisionismus.
Nicht zu ermessen ist der Schaden, wenn eine Gruppe krankhafter aber schlauer Schwindler Wahnvorstellungen hervorruft, um ihre Opfer erpressen zu können (83) (kkk-feder 15/16, S.75).
Das sind, zugegeben, für den Revisionismus im allgemeinen und Germar Rudolf im besonderen äußerst heikle "Passagen" - egal, in welcher "Richtung" man sie liest.
Denn hier wird - wider besseres Wissen, wohlweislich! - suggeriert: Die Juden wurden gar nicht verfolgt, und einen Völkermord an ihnen, meine Güte, das bilden diese Psychopathen sich bloß ein, eine wahnsinnige Bande schlauer Schwindler, die ihre Opfer nur erpressen wollen.*
* Davon unberührt bleibt die metaphysische - "jüdische" - Frage der transzendentalen Zulässigkeit bestimmter Begriffe nach toranischem Gottesverständnis. Vgl. Brief Horst Lummert an Uwe Bahnsen in kkk-feder 13 und Horst Lummert, Revisionismus-Kritik exklusiv, zu Chaim Schneider: Die Judenvernichtung - verdrängt und vermarktet - kkk
Ja, Germar Rudolf, diesmal kommen Sie nicht so einfach davon.
Sie wissen, daß es so nicht ist.
Sie kennen die Wahrheit.
Dennoch heißt es in einer "Anmerkung der Redaktion" zu meinem "Leserbrief":
Allerdings blieb es dem Holokaustismus überlassen, alle Gesellschaften weltweit zu infizieren, womit jede Heilung erschwert wird (286).
Zu "infizieren" mit was, mit dem "induzierten Irresein", der "Lüge" von der Judenverfolgung und dem Völkermord an den Juden?
Diese jüdischen Spinner und Betrüger haben das sich alles nur eingebildet, erfunden, nicht wahr?
Und genau damit endet die Wissenschaft des "Revisionismus".
Die "VHO" - "Vrij Historisch Onderzoek" - in Berchem/Flandern (Belgien) entwickelt sich zu einer nationalsozialistischen Propaganda-Zentrale, Sektion "Geschichte".
Ich finde, nun, die ganze "Revisionismus"-Debatte sollte sich auf die Sicherheitsproblematik konzentrieren, auf die Germar Rudolf in kkk-feder 10 hinwies.
Dann endlich könnte man von "Verfolgung" sprechen, und diese schließlich wäre im demokratischen und rechtsstaatlichen Sinne legitim.
Um noch einen Türspalt offenzuhalten:
Als Wissenschaft hätte der "Revisionismus" einen enormen Nachholbedarf.
Als NS-Propaganda braucht er nur so weiterzumachen.
online-Fasung
kuckuck
feder 17/18
I./II. quartal 1998
16. Feb. 1998
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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