2003-01-23

Horst Lummert

Gegen hetzerische Sprache und Demagogie*

Aus Anlaß bemerkenswerter Belastungs- und Entlastungskapriolen des Hermann Schaber

Ein später Nachtrag

Hermann Schaber war ein Künstler. Wie er mit unterschiedlichem Gerät gegen Juden und Polen verfuhr, wollte gelernt sein.

Seine Schuldverteilungsmethode war aber imgrunde ganz einfach. Den Letzten bissen immer die Hunde.

Nicht Rußland und Deutschland hatten vereint das kleine Polen von der Landkarte radiert, nein, die Polen waren und bleiben die Gnadenlosen, die auch heute das friedfertige Rußland zu Kriegshandlungen provozieren könnten.**

** Vgl. kkk-feder 14, S. 55; hierzu auch Thomas Logemann, Wer sind - bitteschön - "die Polen"? in kkk-feder 15/16, S. 65 - kkk

Die Vertreibung der Deutschen war eine polnische Angelegenheit und nicht von den Alliierten, Russen voran, geplant und durchgesetzt.

Die Russen hatten nicht einen schwerwiegenden Grund, an den Polen etwas gutzumachen, nämlich ihnen das 1939 geraubte Land im Osten durch die deutschen Gebiete am Westrand Polens zu ersetzen.

Nicht die Polen haben tausend Gründe, all dies nicht zu vergessen und nicht zu verzeihen, nein, ihnen kann bis in die Steinzeit nicht verziehen werden.

Die Polen sind nicht Opfer, sondern Täter.

Hermann Schaber ließ sich von einer merkwürdigen politischen Moral tragen. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man dann aber die Formel, nach der bei ihm alles abläuft.

Jedesmal geht es ihm um die Entlastung der Deutschen und - der Russen. Schabers Friedensbeweggründe der achtziger Jahre zeigen, daß ihm die Russen noch mehr am Herzen lagen als die Deutschen, die vor sowjetischen Raketen zu schützen ihm erst einmal schnurzpiepe war.

Vielleicht ging es ihm weder um die Deutschen noch um die Russen.

Schaber hatte ein Faible für Diktatoren. Selbst wenn er dem deutschen NS-Staat etwas anlasten wollte, sprach er allenfalls von Behörden, die das eine oder andere Schlimme z.B. gegen die Juden bewirkten.

Schnell war er dabei, die Verbrechen der Nazis zu relativieren, indem er sie mit der Bundesrepublik verglich, die in den westlichen Bündnissystemen sich nicht vor der sowjetischen Bedrohung schützen wollte, sondern mit ihrer Politik die ganze Menschheit bedrohte.

Das Verhältnis zu den Juden zu bessern, fiel ihm eigentlich nur ein, wenn die auch bereit waren, einen hohen Preis dafür zu zahlen. Sie sollten auf den Gaskammer-Holocaust verzichten.

Schaber war es nicht darum zu tun, bestehende Zweifel auszuräumen, unklare Sachverhalte zu klären. Für Schaber gab es derlei Zweifel nicht. Für ihn gab es keine Gaskammern, sondern nur den "Gaskammer-Glauben".

Wer guten Glaubens den einen oder anderen Mangel in der Nachkriegsüberlieferung entdeckte und ebenso guten Glaubens sich mit Schabers Entdeckungen austauschte, der merkte bald, daß Schaber für Gegenargumente nicht zu haben war. Er wußte schon alles, für ihn war die Welt erklärt, lagen die Dinge auf der Hand.

Nur gab es da einen heiklen Punkt. Schabers Bibelglaube war auf Angst gebaut. Er fürchtete die Macht Judas, die Relevanz der heiligen Schrift, und hoffte, daß Gott dem bald ein Ende setzen würde.

Seine Angst und seine Unverschämtheit hielten sich in "Judenfragen" nicht so die Waage, daß das Instrument zur Ruhe gekommen wäre und Hermann Schaber zum inneren Ausgleich.

Schabers Antijudaismus war wohlüberlegt, nicht von vornherein böse und primitiv wie der seines "Seelenverwandten" und Friedensgenossen.***

*** Vgl. kkk-feder 15/16, S. 41 - kkk

Wenn bei Schaber Böses durchkam, kriegte es gleich diesen Dreh. Seine demonstrativen Auftritte vor dem Ettlinger Amtsgericht waren keine lustige Episode. Ich habe dazu etwas nachgetragen.****

**** Vgl. kkk-feder 15/16, S. 47: Anhang - kkk

* in der print-Ausgabe nicht enthalten

online-Fassung

kuckuck
feder 15/16
III./IV. quartal 1997
4. Sep. 1997

Siehe auch:
Hermann Schaber: Replik mit handschriftlichen Anmerkungen

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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