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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Horst Lummert an Uwe Bahnsen

Redaktion Die Welt

Fax / persönlich / Kein Leserbrief!

4.2.95

In Ihrem Kommentar zum Hamburger Auschwitz-Urteil ("Skandalöses Urteil" / vgl. DIE WELT vom 4.2.95) überschlagen Sie sich geradezu, so daß einem die ersten Zweifel kommen, ob Sie denn auch wirklich meinen, was Sie da schreiben.

Es geht also in der Sache um "Volksverhetzung, Verleumdung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener", und das sollte in der Tat nicht "mit der Rechtsordnung dieser Republik vereinbar" sein.

Nun haben wir eine unabhängige Rechtssprechung, der Sie eigentlich nicht ins Handwerk pfuschen sollten.

Sie argumentieren nicht juristisch, sondern ideologisch, politisch.

Das ist schon schlimm genug.

Was Sie aber offenbar überhaupt nicht bedenken, ist die Frage, wer denn eigentlich wen verhetzt, verleumdet, welch Verstorbener Andenken verunglimpft wird.

Natürlich werden Sie sofort ahnen, daß die verstorbenen Täter (oder vermeintlichen Täter) damit gemeint sein könnten, deren Andenken verunglimpft, die verleumdet, gegen die das ganze Volk aufgehetzt werde, gar daß dieses ganze Volk selbst es sei, das verleumdet, dessen Tote verunglimpft werden, der inneren Verhetzung ist ja kein Ende, das ist wahr.

Doch Ihre Ahnung trügt, was die Absicht meines Briefes angeht.

Ich weiß nicht, was Sie vom Judentum wissen, ob Sie die Torah studiert haben, um überhaupt wissen zu können, worum es in der ganzen Holocaust-Geschichte essentiell geht.

Das Insistieren auf dem Holocaust ist ja in Wahrheit eine Beleidigung des jüdischen Volkes.

Wer einen Mord, einen Völkermord, an den Juden geplant, inszeniert, durchgeführt oder auch nur als geplant, inszeniert, durchgeführt behauptet hat und weiterhin behauptet, macht sich der Volksverhetzung, der Verleumdung des jüdischen Volkes, der Verunglimpfung des Andenkens seiner Verstorbenen schuldig.

Warum?

Weil eine solche Katastrophe, ein Völkermord in dem beschriebenen Ausmaße niemals gegen den Willen Gottes stattfinden würde, und weil, nach dem substantiellen Verständnis der alten hebräischen Schriften, eine Schoah, gar ein Holocaust, was ja ein heiliges (!) Ganzbrandopfer bedeutet, nicht anders denn als ein Gottesgericht, als eine göttliche Bestrafung denkbar wäre.

Und Gott straft nicht ohne Grund.

Wofür aber sollte das jüdische Volk bestraft worden sein, das so schwer wöge, daß es einen Völkermord rechtfertigen würde?

Wer dennoch darauf mit Vehemenz besteht, muß wissen, was dies impliziert.

Skandalös ist die allgemeine Halbbildung in diesen Fragen; sie reicht bis in höchste jüdische Gremien hinein, ja scheint dort besonders verbreitet zu sein.

Es ist immer gut, wenn einer weiß, wovon er spricht.

Und wo ein Rechtsstaat seine eigenen Prinzipien über Bord wirft, um politisch gefällig zu sein oder sein Gewissen zu beruhigen, oder auch beides, da ist nun - so wie so - Vorsicht geboten.

Ich glaube, das Wesentliche ist damit erst einmal gesagt.

online-Fassung

kuckuck
feder 13
II. quartal 1997
7. März 1997
12. Mai 1998

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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