Horst Lummert an Germar Rudolf

18.7.95

Grundsätzlich möchte ich festhalten, daß meine Anmerkungen zu Ihrer Arbeit - und zwar auf beiden Gebieten: der naturwissenschaftlichen Gaskammerforschung und der jüngeren Judaismus/Antisemitismus-Forschung - eben dieser Arbeit förderlich sein wollen, indem sie unnötige Schwachstellen als mögliche Angriffspunkte beseitigen helfen.

Was Sie tun - wiederum: auf beiden Schienen -, erachte ich als notwendig.

Ihre Existenzbedrohung - ursächlich - durch den Zentralrat der Juden in Deutschland gibt Ihnen auch moralisch das Recht, offensiv gegen die dahinter wirkenden Ideologien anzukämpfen.

Mir ist von vornherein klar gewesen, daß man mir jede "gerechte Behandlung von Nichtjuden" auch als "eine besondere Form der Heimtücke" auslegen kann; da "taktischer" Natur, "moralisch", nach Bischoff, sowieso "wertlos".

Die talmudische Lehre ist mir zu bekannt, als daß ich nicht auch wüßte: meine Aussagen vor Gericht können nur der "Heiligung des Namens" gedient haben, und zwar in jenem negativen Sinne, wie ihn die spezifisch jüdische Literatur nicht nur nahelegt, sondern zur Norm erhoben hat.

Ich weiß, daß der Antisemitismus/Antijudaismus ungerecht ist und zugleich seine Berechtigung hat; weiß, daß die "Judenfrage" keine Erfindung der Antisemiten ist.

Ich weiß auch, daß da zwei Welten, Denkwelten, Mentalitäten aufeinanderprallen, deren "Versöhnung" "eigentlich" "unmöglich" ist.

Gegen diese Unmöglichkeit und Unversöhnlichkeit habe ich mein Pferd der "gemeinsamen Erkenntnis" gesattelt, von dem ich manchmal meine, es sei wohl doch nur ein Esel.

Ich muß also mit den geschichtlich gewordenen (hier: Denk-) Umständen leben und jeweils das tun, was ich für richtig halte.

An Bischoffs Schulchan-Schrift fällt auf, daß ihre vierte Auflage im Kriegsjahr 1942 erscheint.

Diese Ausgabe ist von den Ereignissen an der damaligen Ostfront nicht zu trennen.

Hier ließe sich also ein Motiv mutmaßen.

In zweiten Teil räumt Bischoff ein, von seinem gewohnten (nämlich sachlichen, völlig unpolemischen) Stil abzuweichen.

Die Ergänzungen (in eckigen Klammern) der Talmud-Zitate (u.a. ) verschärfen den Duktus.

Bischoff (oder die Redaktion der vierten Auflage) schreibt mehr über den Talmud als über sein Thema im engeren Sinn; so hinterläßt er den Eindruck, es müsse endlich auf diese Zusammenhänge hingewiesen werden, was aber doch beim - in der Regel sachgebildeten - Bischoff-Leser nur offene Türen einrennen kann.

Irgendwie paßt dieser Gestus ("Herr Lehrer, ich weiß was!") nicht zu dem ausgewiesenen Sachverständigen Dr. Erich Bischoff.

Die Authentizität der 42er Auflage sollte vielleicht einmal anhand der (unzensierten) Ausgabe von 1929 geprüft werden.

Gleichwohl ist der umfangreiche (fast unverhältnismäßige, nämlich ein Viertel des Gesamts umfassende) Anhang (Register, Fußnoten etc.) eine Fundgrube fürs Weiterforschen.

Der alte Bischoff hatte (trotz allem, wie ich denke) ein gewissenhaftes Auge darauf.

Ich bin mit Ihnen der Auffassung, daß Unklarheiten ausdiskutiert werden müssen; daß solche Dispute weiterhelfen.

Wo Sie eindeutig Stellung beziehen, gefallen Sie mir am besten.

Aus dem kurzen Ewald-Protokoll der Gerichtsverhandlungen lese ich heraus, daß lange Zeit darauf verwendet/verschwendet wurde, Remers Raubdruck auf Distanz zu halten.

Ich hätte da ganz anders argumentiert: Er tat es ohne mein Wissen, doch ich bin ihm heute dankbar dafür. Objektiv hat Remer der Wissenschaft gedient.

In der zweiten "Darum Auschwitz?"-Fassung* finde ich wiederum die zögerlichen "(pseudo)rationalen" Belege.

* Vgl. Horst Lummert, Germar Rudolf und der Remer-Kreis, in kkk-feder 9, S.2ff.

Beim Rassismus sagen Sie, warum "pseudo"; doch an anderen Stellen sieht's eher so aus, als trauten Sie sich nicht, von einem rationalen Antisemitismus zu sprechen.

Natürlich gibt es rationale Argumente gegen das Judentum und den Judaismus.

Man muß nur die richtigen Quellen benutzen, um die Gründe zu finden.

Wenn ich etwas Gültiges, auch Gerechtes über Deutschland und die Deutschen erfahren will, werde ich nicht bei Ralph Giordano nachschlagen.

Dennoch muß ich ihn lesen, wenn ich wissen will, wie die Feinde der Deutschen argumentieren.

Dies nach beiden (nach allen) Seiten.

Da stimmen wir wohl überein.

Zum talmudischen "Chaos" wäre einiges zu sagen; aber das heben wir uns vielleicht für später auf.

Ich schrieb Ihnen schon früher einmal, daß ich das asiatische Denken für das überlegenere halte.

Warum?

Das hat u.a. mit seiner "Unsystematik" zu tun.

Nietzsche nennt sich irgendwo (dem Sinne nach) den ersten unsystematischen deutschen Philosophen.

Das Systemdenken ist ein Denken in subjektiv gefertigten Schablonen.

Das assoziative Denken und Schreiben (ich nenne es das nomadische) ist das der Natur, den Gegebenheiten, der "Schöpfung Gottes" angemessene.

Was von Fall zu Fall sich ereignet, wird aufgeschrieben. Erkennen heißt: die inneren Strukturen des assoziativ Festgehaltenen im nachhinein entdecken und verstehen.

"System" ist hier also "von Gott" vorgegeben, nicht vom Autor konstruiert. Wir können nur finden, was ohnehin schon da ist.

Die Kasuistik in der talmudischen Darlegung ist nicht "Chaos", sondern aufgeschriebene, zunächst als "Fall" festgehaltene, dann gründlich über- und (bis ins Haarspalterische) durchdachte Wirklichkeit.

Man wird sich hüten, etwas hineinzudenken, ihm künstlich Grenzen zu ziehen. Was als "Grenze" verstanden wird, ist das Immanente, die vorgegebene innere Struktur. Vgl. hierzu auch die moderne "Chaosforschung".

Als Naturwissenschaftler dürften Sie eigentlich keine Schwierigkeiten damit haben.

Daß die menschlichen Beziehungen wie die übrige Natur einer inneren Gesetzlichkeit unterliegen, ist die Grunderkenntnis.

Dieses Denken ist so unvorstellbar alt, erprobt, von den besten Köpfen angewandt und geschärft, daß es, frei nach Brecht, noch lange leben wird.

Wenn wir meinen, es einfach hinter uns lassen zu können, auch, daß es uns fremd sei, so verlieren wir nur unsere kostbare Zeit, indem wir uns daran hindern, genau dies "Fremde" uns aufzuschließen.

Das dreijährige Madchen, dem von einem erwachsenen Manne "beigewohnt" wurde, ist natürlich der Knüller** in Bischoffs Arbeit von 1942.

** Vgl. Hildburg Radte-Schoone in kkk-federn 9, 10 und 11

Bei solchen Nachrichten ist es wie bei Gerüchten: Man weiß nicht, ob man sie glauben soll, was dahinter steckt.

Wo etwas Ernstes daran zu vermuten ist, muß geprüft werden.

Ich glaube nicht, daß es sich um eine Fälschung handelt.

Da es sich nicht um "Norm", sondern um "Gemara" handelt, muß ein Fall zugrunde gelegen haben.

Entweder wurde ein kleines dreijähriges Mädchen von einem Mann geschändet, oder es sollte eine künftige Heirat schon vor der Zeit "besiegelt" werden.

Im ersten Fall haben wir's mit einem Verbrechen zu tun, im zweiten mit einer getricksten, sich ums Gesetz mogelnden scheinbaren "Eheschließung".

Das Leben ist, wie es ist. Es sind zwei böse Geschichten, die nunmehr von den Richtern bzw. Gelehrten rechtlich geklärt werden müssen.

Was ist geschehen, wie ist das oder jenes vor dem "Gesetz Gottes" zu vertreten.

Die Richter suchen nach mildernden Umständen für den Täter, der die Todesstrafe oder eine andere schwere Strafe verdient hätte.

Im Fall 1) wegen einer widerlichen Gewalttat. Im Fall 2) wegen des Versuchs, Gott zu betrügen, zu überlisten.

Ähnliches finden wir auch heute im Islam, wo z.B. ein Mann unter einem Dach Alkohol trinkt, weil er glaubt, Gott könne ihn dann nicht sehen.

Verbunden damit ist natürlich die simple Vorstellung von einem Gott, der da irgendwo in den Wolken sitzt und zuguckt.

Mit solchen primitiven Vorstellungen muß sich aber der weniger primitive Richter auch befassen.

Er wird also für den armen Tropf irgendwelche Ausreden finden, die die Strafe nicht allzu hart ausfallen lassen.

Die Geschichte mit dem dreijährigen Mädchen ist ebenso widerlich wie von grundsätzlicher rechtlicher Bedeutung.

Man muß den Autoren zugestehen, keinem Problen aus dem Weg gegangen zu sein - bei gleicher Moral wie der unseren.

Die höchste Moral ist hier der Gottesgehorsam.

Das Judentum muß an der Torah, das Christentum am Neuen Testament, die Marxisten müssen an der marxistischen Lehre, der Islam am Quran gemessen werden.

Wer seinem eigenen Gesetz zuwiderhandelt, wird damit sich und seinem Gesetzgeber untreu.

Das Judentum ist frevlerisch, weil es den Geist der Torah wenigstens mißversteht, ich sage: weil bzw. insoweit es sich dagegen etabliert hat.

Man kann natürlich auch sagen, daß es aus der geschichtlichen Not der Isolierung eine Tugend gemacht hat.

Ich schrieb schon sehr früh, daß die Juden allesamt hätten Moslems werden müssen.

Aber das ist eine lange Geschichte.

Die Lebensumstände machen aus dem Naturwissenschaftler Germar Rudolf allmählich einen Philosophen.

Wann haben Sie Geburtstag? Ich fragte Sie schon früher mal danach; die Frage hat einen Sinn.

Vom Defizit der Naturwissenschaft schrieben Sie mir einmal, auch von Ihren philosophischen Neigungen oder Sehnsüchten.

Jeder hat sein Schicksal.

Wer es auf sich ninmt, ist den andern, die es nicht tun, immer einen Schritt voraus.

Jene böse Geschichte um das kleine dreijährige Mädchen ist rechtsphilosophisch bedeutsam, weil die unglaubliche Absurdität und Verruchtheit des Vorgangs nicht von der Aufgabe der Richter ablenken darf, Recht zu sprechen.

Rechtsprechung hat damals wie heute wenig mit Gerechtigkeit und viel mit dem Versuch zu tun, dem Gesetzestext halbwegs Genüge zu tun, ihm gerecht zu werden.

Wir erleben es fast täglich in Strafgerichtsverfahren, wo in Mordfällen, bei grausamsten Gewalttaten und hinterhältigsten Verbrechen gegen Menschen und ihr leibliches und seelisches Recht, von den Opfern völlig abgesehen wird und nur noch der Täter im Mittelpunkt der Verhandlung, des Verstehens, Verzeihens, des Suchens nach mildernden Umständen usw. steht.

Wer denkt eigentlich an die Opfer? Aber das Gericht hat eben über eine Tat zu befinden, also bemüht es sich um den Täter.

Zu Ihren zwei Sätzen am Ende: "Assimilation oder Ausweisung" - letztlich "eine Frage... der Machtverhältnisse".

D'accord, was die Machtverhältnisse angeht.

Ich setze die Macht voraus und frage: wie setze ich sie ein?

Was heißt "Assimilation"?

Ich meine, im Detail (worin ja der Teufel steckt), wie wollen Sie das anstellen, wie messen?

Sprache, Benehmen, Meinungsäußerung?

Ich will Ihnen sagen, wie das funktioniert, wenn eine Macht mit Konsequenzen droht: Sie finden nur noch Angepaßte (Assimilierte).

Das ist dann aber nichts Neues, das haben wir, nur halt mit anderen Inhalten, doch heute in einem Übermaß.

Die Angepaßten sind - unter welcher Bedrückung und Bedrohung auch immer - die Duckmäuser, die Süßmuths, Weizsäckers, Vollmers...

Die passen sich überall und unter allen Umständen an.

Die Assimilanten (schönes Wort, nicht?) haben einen Instinkt für "Machtverhältnisse".

Was wir brauchen, sind stolze und aufrechte Männer, selbstgewisse Frauen, die sich von dem, was sie einmal als richtig erkannt haben, durch keine Macht abbringen lassen.

Ich verstehe, daß Sie die Anmaßungen und Einmischungen in innere Angelegenheiten beendet sehen wollen.

Um das zu erreichen, brauchen Sie den Gegentyp zum "Assimilanten".

Ich spreche jetzt von der Psychologie des Einzelnen.

Wer sich problendos anpaßt, ist mir eher verdächtig.

Charaktere brauchen gewöhnlich eine lange Zeit, um sich in eine neue Situation einzuschleifen; auf die ist dann aber Verlaß.

Druck und Gegendruck, das schafft neue "harte", feste, stabile Persönlichkeiten.

Also, ich will es den Zugewanderten nicht leicht machen, sie nicht in Watte packen, will sie prüfen, doch nicht im Schnellverfahren; denn Gottes Mühlen mahlen langsam.

Und was zu bedenken ist: wir brauchen zahlreich Ersatz für die "Umerzogenen", die charakterlosen oder einfach substanzlosen Stiefellecker, Überläufer, Verräter...

Das Volk ist kein stehendes Wasser, aber damit wiederhole ich mich nur, weiß ich mich - beim alten Heraklit - einig mit Ihnen.

online-Fassung

kuckuck
feder 13
II. quartal 1997
7. März 1997
12. Mai 1998

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

© Copyright 1999 - 2011 kokhaviv publications