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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1997-01-18
Ein paarmal bin ich darum herumgeschlichen, um *Horst Lummerts "Test und Konsequenzen".
Zuerst las ich es im Sommer letzten Jahres in *kkk-feder 6.
Im November kam die *September/Oktober-Ausgabe von Sleipnir heraus, leicht verspätet.
Ich las den dort veröffentlichten Nachdruck ein zweites Mal.
Vor wenigen Tagen machte ich eine Kopie davon für einen Kameraden, dem gegenüber ich im Gespräch Horst Lummert erwähnt hatte.
Bei der Gelegenheit überflog ich die Seiten nochmals, las mich an dieser und jener Stelle erneut fest.
Kennen wir das nicht als "Alice im Wunderland", dieses "nur was ich dreimal sage, ist wahr"?
Geht vielleicht auch mit dem Lesen.
Und dann reifte die Frage heran:
Was mag es dazu wohl inzwischen als Reaktionen geben?
Oder gibt es dazu inzwischen überhaupt auch nur eine Reaktion?
Ich rief Andreas Röhler an.
Er fragte seinen Mitherausgeber Peter Töpfer.
Beider Antwort war: Nein, auf diesen Beitrag von Horst Lummert gibt es noch keine Erwiderung, keine Antwort.
Als ob keine Antwort nicht auch eine Antwort wäre!
"Eine deutsche Elite, die beim Gedankenaustausch schon jedem mittelmäßigen Torahschüler aus dem Weg gehen muß, steht nicht gut da."
Offenbar.
Und geht Horst Lummert - von dem wir nicht genau wissen, ob er Torahschüler war1 oder geschweige denn wie gut er als solcher war - in den genannten neuralgischen Punkten aus dem Wege.
Wohl in der Angst, sonst noch schlechter dazustehen als mit einer Verweigerung.
Womit sie ihm doch nur recht gibt in dem, was er zu seinen (wiederholten) Erfahrungen über den "deutsch-jüdischen Dialog" schreibt.
1 Ich bin es noch! H.L./kkk
"Das ist ärgerlich", wie Lummert an anderer Stelle - und durchaus im gleichen Zusammenhang - bemerkt; "denn die deutsche Position ist oft nicht so schlecht, wie sie von den Deutschen eingeschätzt wird."
Aber offenbar geht es nicht um die konkrete Position und die Frage, wie gut oder wie schlecht sie vertretbar ist.
Es geht um die Methodik, um das Instrumentarium des gedanklichen Austausches, der zugleich eine Konfrontation ist, ein geistiger Kampf.
Denn hier ist eine Herausforderung ausgesprochen worden.
Unübersehbar, nicht wegzuwischen.
Aber die Kämpfer des Geistes vergessen wohl, daß, wer kämpft, verlieren kann, wer hingegen nicht kämpft, schon verloren hat.
Dabei ließe sich so viel erwidern, kämpferisch erwidern.
Denn Horst Lummert hat Richtiges und nicht ganz so Richtiges gemischt; manches gar, das ich einmal für falsch erklären möchte, wenn es in einen falschen Zusammenhang gestellt, falschen oder ungeeigneten Vergleichen unterzogen wird.
Da ist "die Vorstellung von Blut&Boden" als "irrationaler Komponente".
Sagt uns Horst Lummert, der "Jude".
Der "Jude" ebenso wie "Deutscher" in Anführungsstrichen schreibt und in beidem Axiome sieht - Ursätze, die nicht bewiesen werden können.
In seinen Schriften deutet Lummert an, sein Judentum leite sich von der Linie seiner Mutter ab.
Er führt dazu nicht weiter aus, ob es sich nur von der mütterlichen Linie her ableite oder auch von der väterlichen, er sie aber nicht erwähnt, weil es reicht, dieses sein "Judentum" von der mütterlichen Linie her abzuleiten.2
2 Vgl. kkk-feder 9, S.40 ("Mein Judentum gründet sich auf die Linie meiner Mutter, nichts weiter."). Am 30.6.94 schrieb ich an Germar Rudolf: "Ich habe nie mein eigenes Volk verraten...: weder meinen Vater, noch meine Mutter", weder das deutsche, noch das jüdische Volk. H.L./kkk
Soweit ich jüdisches "Gesetz" kenne (jetzt setze ich einmal vorsichtshalber Anführungsstriche, ohne damit die Vorstellung eines Axioms zu verbinden), ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat, egal, wer der Vater ist.
Ein kluges Gesetz!
Einen Mischling ersten Grades als Angehörigen des eigenen Volkes zu verstehen, das hat sogar der dogmatische (real existent gewesene) Nationalsozialismus getan, wie sich in dem "Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" in Verbindung mit dem "Reichsbürgergesetz" von 1935 zeigt.
Aber es wurde nicht so fein differenziert zwischen jenen Mischlingen ersten Grades, die eine Mhtter deutschen (oder artverwandten) Blutes hatten, und jenen, bei denen der Vater deutschen (oder artverwandten) Blutes war.
Ohne genauere Kenntnisse dieses "jüdischen" Gesetzes kann ich eine auf der Hand liegende Mutmaßung über den Grund dieser differenzierten Ansicht äußern.
Wir haben ein Vaterland, aber eine Muttersprache. Und - hier der Bogen zu "Blut&Boden" - was ist denn wichtiger?!
Das Land oder die Sprache?!
Das Land, in dem ich lebe, kann ich wechseln, wenn ich will oder muß.
Die Sprache, die ich als Kind lernte, kann ich nicht wechseln.
Wie perfekt ich auch eine andere Sprache gelernt haben mag: Die Muttersprache ist immer und bleibt die, die mich in prägenden Jahren begleitete, mit der ich aufwuchs und deren Schatz in mir und mit mir zusammen wuchs, in der ich meine Kindheitsträume träumte.
Nichts prägt mehr als Sprache.
Denn am Anfang war das Wort.
Das Wort ist der Beginn der Menschwerdung, für uns als Spezies wie für jeden einzelnen.3
Die Judenheit weiß das. Zweitausend Jahre in der Diaspora, und noch immer ein innerer, ein völkischer, ein kultureller, auch ein blutsmäßiger Zusammenhalt, der stärker ist als der der meisten bodenständigen Völker.
3 Nach jüdischer Auffassung ist die Sprache (der "Name") die Seele des Menschen (vgl. auch "Der Name Deutsch und seine Bedeutung" in kkk-feder 6 sowie "Die nordische Götterwelt und die Rolle der Juden" in kkk-feder 7. H.L./kkk
Trotzdem ist der "Boden"-Begriff der Judenheit nicht fremd.
Wie war das mit dem jüdischen Neujahrsgruß "Nächstes Jahr in Jerusalem"?
Syberberg, in rechten Kreisen als Linker verschrieen und in den letzten Jahren doch mit manch bemerkenswerter "Rechtstendenz", sagte uns vor: "Heimat ist dort, wo die Gräber der Vorfahren sind!"4
Und mir ist gut in Erinnerung, wie orthodoxe Juden in meiner Heimatstadt Hamburg protestierten, weil über einem alten, längst aufgelassenen jüdischen Friedhof ein Einkaufszentrum entstehen sollte.
4 Auf deutschen Friedhöfen werden Gräber nach 30, oft schon 20 Jahren wegplaniert. Was für ein Geschichtsbewußtsein! - H.L./kkk
Gerade dieser Tage erleben wir den Abzug der israelischen Armee aus dem größten Teil des palästinensischen Hebron.
Aber 400 jüdische Siedler bleiben, und zu ihrem Schutz die fünffache Zahl israelischer Soldaten!
Das, ja, allein schon die Tatsache der Existenz Israels, zeigt wohl deutlich, daß auch die Judenheit eine beachtliche "Boden"-Haftung hat. Eine, die runde zweitausend Jahre zurückreicht.
Immerhin ist das eine Tendenz, die unter der Judenheit eine minoritäre ist.
Von rund 15 Millionen Juden weltweit leben knapp 5 Millionen in Israel.
Beide Zahlen entnehme ich meinem einbändigen Brockhaus von 1994.
Indes möchte ich offenlassen, inwieweit diesem geglaubt werden kann.
An gleicher Stelle nämlich lese ich, daß die Juden keine biologische, sondern eine sozial-religiöse Einheit bilden.
Das bliebe zu überprüfen.
Einer Meldung des Hamburger Abendblattes vom 2. Dezember 1996 (basierend auf AFP Jerusalem) entnehme ich, daß nach einer Studie des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem mehr als ein Fünftel der Israelis ganz oder teilweise immun gegen AIDS sei.
Angegebener Grund dafür: Aufgrund eines genetischen Defektes fehle ihnen ein Rezeptor, der nötig ist, damit das AIDS-Virus in die Zellen eindringen kann.
Nun, mit einem solchen kleinen Beispiel sehen wir doch schon, wie zweischneidig das Schwert einer biologistischen Betrachtung sein kann.
Wenn ein solcher "Defekt" keine negativen Auswirkungen hat, aber seine Besitzer gegen eine tödlich gefährliche Krankheit immunisiert, dann würde ich eher von einem Vorzug als von einem Defekt sprechen.5
Wie so üblich, mag die Wahrheit ein Halbling, ein Mischling sein.
5 Im hier erörterten Kontext ist vielleicht interessant, daß die - von den Müttern übertragene, aber nur bei Knaben ausbrechende - Hämophilie ("Bluterkrankheit") unter Juden nicht vorkommt. Grund: die Tradition der Beschneidung. H.L./kkk
Gehen wir einfach einmal davon aus, daß "die Judenheit" (speziell auch aufgrund ihres außergewöhnlichen Schicksals durch die Diaspora) ihre Identität auf zwei Säulen gestellt hat, auf Genetik und Genese.
Oder umgekehrt herum, Genese und Genetik, welche Lesart halt jeder bevorzugen mag.
Wobei wir offen lassen können, welche Säule eine größere Gewichtung bei der Geschlossenheit hat, oder ob beide gleichermaßen.
Der "Blut"-Anteil von "Blut&Boden" wäre insofern also wohl unvollständig ohne die Verknüpfung mit Kultur, wie sie sich in allererster Instanz durch Sprache äußert.
Nicht zufällig kommt mir dabei Felix Dahn in den Sinn: "Dem Volk, dem Recht und seiner Sprache treu fand mich der Tag, soll jeder Tag mich finden."
Aber der deutsche "Blut&Boden"-Gedanke ist in der Tat, wie von Horst Lummert charakterisiert, eine Ideologie.
Eine Ideologie ist etwas jüngst Geschaffenes, nichts althergebracht Gewachsenes.
Wir denken an die Grenzen des Deutschen Reiches, wie sie sich im Laufe von zehn Jahrhunderten verschoben haben.
Und wie sie sich oftmals durch Verträge von Fürsten untereinander verschoben haben, durch die Interessen einer kleinen, herrschenden Kaste (Lummert würde sie wohl Klasse nennen) ohne Rücksicht auf gewachsene, ansässige Bevölkerung.
Der deutsche "Blut&Boden"-Gedanke ist also ein junger.
Soweit die Judenheit (ein Teil der Judenheit) sich mit Israel einen "Blut&Boden"-Gedanken erfüllt hat, ist es ein viel älterer Traum.
Des Alters wegen eine Art von Erstgeburtsrecht?!
Ach, das Alter!
Man sollte es auch nicht überschätzen.
Hellenen und Römer waren alt.
Ihre Nachfahren sind nur noch Griechen und Italiener.
Nicht, daß es wenig wäre, Grieche oder Italiener zu sein.
Aber es ist weniger, als es damals war, Hellene oder Römer gewesen zu sein...
Ist das der Punkt, wo Horst Lummert empfiehlt: "Wenn die Deutschen auf dem Erstgeburtsrecht bestehen, müssen sie sich der jüdischen Lehre anvertrauen"?
Und ist vielleicht gar das der Punkt, wo die "deutsche Elite", jener Teil, der in Sleipnir publizieren läßt oder zumindest Sleipnir liest, schweigt?
Der Herausforderung ausweicht wie ein Hausbewohner, der den Einbrecher hört und sich rasch die Decke über den Kopf zieht: Sehe ich ihn nicht, kann auch er mich nicht sehen!
Ja, ein Einbrecher ist dieser Horst Lummert:
Eingebrochen, hineingebrochen in die so oft muffige, die selbstbeweihräuchernde Ruhe jener rechten, vor allem: jener elitär rechten Kreise, in deren Denken und Schreiben er zum zweiten Mal binnen eines Vierteljahrhunderts hineingelangt hat.
Er hat sich nicht eingeschlichen wie ein Dieb, o nein.
"Ich habe niemanden im unklaren über mich gelassen."
Und da war auch kein Schloß, das diesen "Einbruch" verhindert hat, kein Wächter, den "Einbrecher" aufzuhalten, gar abzuschrecken.
Die Pforten des Geistes waren unbewacht.
So unbewacht kann Pforten nur lassen, wer sehr, sehr, sehr reich ist - oder sehr arm...
Als ich das erste und zweite Mal um "Test und Konsequenzen" herumschlich, stieß ich mich an den einleitenden Worten:
"Ich habe die Rechte getestet, habe sie einer Prüfung unterzogen."
Sagte mir: Wer denkt denn Horst Lummert, daß er sei?!
Unser Lehrer, unser Prüfer, unser Shodushi, der erleuchtete Lehrer der (Kriegs-)Kunst?
Und: Wer denkt er, daß wir seien?!
Unmündige Kinder, halbstarke Flegel?
Eine solche - vermeintliche - Anmaßung kann eigentlich nur ignorieren, wer sehr weise ist - oder sehr feige.
Weisheit kommt - logisch! - von Wissen.
Be-weisen kommt auch von Wissen, von andere-wissen-machen.
Feigheit braucht man nicht zu beweisen.
Sie beweist sich von selbst, wenn nicht jemand kommt und sich die Mühe macht, sie zu beweisen.
Das ist wohl quod erat demonstrandum, was zu beweisen war...
Und solange keiner dem Mann widerspricht, hat er recht.
Das ist alte Sitte.
Wer von den Lesern anders denkt, widerspreche mir, wenn schon nicht Lummert selbst.
Es wär' ein Anfang, zu welch' End auch immer.
Hamburg, am Reichsgründungstag 1997
Andromeda / Science Fiction Magazin. Ausgabe 136/137, Januar 1996. Wie faschistisch ist die Fantasy? Eine Themenarbeit am Beispiel Christian Worch. Herausgeber: Klaus N. Frick und Hermann Ritter. Interview mit Christian Worch, Artikel über ihn und das Thema. Der Fansy-Autor Worch mit vier Erzählungen vorgestellt. Eine Fundgrube für Hermeneutiker. Versand: Michael Leiner, Griesborner Str.69, 66359 Bous. kkk
online-Fassung
kuckuck
feder 12
I. quartal 1997
5. Feb. 1997
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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