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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1996-09-05

Horst Lummert

Antwortbrief an Rolf F. Schütt

Ich rücke von kkk-feder 3 nicht ab.

Wenn Sie genau hinsehen, finden Sie auch dort ständig meinen Hinweis, daß es mit Rassismus und Antisemitismus nicht zu machen ist. Daß letztlich Deutschlands Niederlage auf diese Kardinalfehler zurückzuführen ist.

Hinzu kommt: Damals (1993...) wurde gegen die Deutschen gehetzt. Im Moment geht's wieder, jedenfalls in meinem Metier, gegen die Juden.

Trotzdem sieht es an der Oberfläche ein bißchen nach Kreisen aus, aber nur, wenn man beim Betrachten meine Prinzipien außer acht läßt.

Die Materie ist sehr kompliziert.

Eine Revision (!) der Geschichte wird sich von einem durchideologisierten "Revisionismus" nicht (von sich) abbringen lassen.

Mayer und Nolte sorgen für eine gewisse Beständigkeit, Nolte mehr wohl als Mayer, weil bei diesem sehr genau gelesen und sortiert werden muß.

Der deutsche "Revisionismus" hat sich unglaubwürdig gemacht.

Wer so mit der Wahrheit umgeht, wie es im Umkreis von Rudolf geschah, der verliert das erforderliche Vertrauen, wenn es herauskommt.

Insofern ist der "Revisionismus" als Wissenschaft tot.

Das bedeutet aber nicht, daß die "Revisionisten" keine bedenkenswerten Erkenntnisse vorgelegt hätten.

Es bleibt imgrunde bei der (in kkk-federn 3 und 4/5 dargelegten) Notwendigkeit einer gründlichen wissenschaftlichen Überprüfung.

Um dies tun zu können, brauchen wir eine Veränderung der Rechtslage.

Insofern beißt sich die Katze tatsächlich in den Schwanz.

Auch die Gegenwissenschaft ist völlig ideologisiert.

Es ist ein ständiges Pendeln zwischen der notwendigen Kritik an denen und der notwendigen Kritik an jenen.

Wenn Sie die momentane Diskussion mit Goldhagen (dessen Lektüre ich Ihnen dringend empfehle) verfolgen, werden Sie merken, daß vieles ungesagt bleibt.

Die einzigen kompetenten Gesprächspartner wären die deutschen Revisionisten, diesmal einschließlich ihrer antijudaischen Grundposition.

Es gibt einen rationalen Antisemitismus der ausdiskutiert werden muß.

Dazu ist ein neues Klima der Rechtsstaatlichkeit, der Freiheit des Geistes vonnöten.

Die meist undemokratischen "Revisionisten" können dazu - glaubhaft - wenig beitragen.

In dem von ihnen favorisierten Staat ist jegliche dieser Freiheiten prinzipiell abgeschafft.

Das ist unser Dilemma.

Vertreter des Rechtsstaats müssen für die Grundfreiheiten der Gegner des Rechtsstaats plädieren.

Aber nur in der freien Auseinandersetzung können wir den Erkenntnisstand auf ein gesichertes, neues, höheres Niveau bringen.

Gegen die linksliberalen und sozialistischen Deutschenhasser und Anti-Antisemiten haben die Revisionisten allemal recht.

Von dort kommt nichts von wissenschaftlicher Bedeutung.

Es ist interessant, wie z.B. Goldhagens Grundanalyse der deutschen Verhältnisse mit dem revisionistischen Ansatz übereinstimmt.

Nur in der Beurteilung springen die Positionen auseinander.

Beide gehen davon aus, und jeder belegt es auf seine Weise, daß Hitler, Nationalsozialismus und deutsches Volk letztlich ein und dasselbe waren.

Im "eliminatorischen Antisemitismus" fanden sie zusammen. Die wenigen Ausnahmen seien statistisch irrelevant.

Auf der Grundlage dieser axiomatischen Übereinstimmung (die sogar die deutsche linke und liberale Position weitgehend einschließt) könnte diskutiert werden.

Der Stellenwert des Antisemitismus relativiert sich bei den Linken und Liberalen, so daß die Positionen "Goldhagen" und "Revisionismus" übrigbleiben.

Die "Revisionisten" würden ihren "eliminatorischen Antisemitismus" historisch, philosophisch, ja theologisch/judaistisch begründen.

Gegen beide Positionen argumentiert Lummert/kuckuck.

Mit der heute öffentlich zugelassenen "politisch korrekten" Fliegenklatscherei ist eine höhere Ebene der Auseinandersetzung nicht zu erreichen.

Goldhagen fordert übrigens die Beseitigung des "Volksverhetzungs"-Paragraphen.

online-Fassung

kuckuck
feder 10
IV. quartal 1996 (2)

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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