Horst Lummert an Michael Koll

Egal, wie man es nennt, wir wissen alle, was gemeint ist. Der Begriff "Antisemitismus" hat sich eingebürgert.

Ich verwende ihn eigentlich nur, wenn ich von vornherein mit entsprechenden Widerreden rechne; der Begriff sei doch gar nicht genau, man müsse doch...

So kommen mitunter Diskussionen in Gang.

Antijudaismus ist präziser, wo es sich nur um Juden handelt... In unserm Fall können wir jedoch getrost beim gemeinen Begriff bleiben.

Ja, wir können und müßten ihn eigentlich erweitern.

Die neu-rechte "Nomadologie" legt nahe, von "Antinoahiten" zu sprechen.

Die drei Söhne Noahs und ihre Sippen haben alle mal klein angefangen: als Viehnomaden. Die Qainiten, diese Urnomaden, kommen noch hinzu.

Was wir - völlig falsch - "Antisemitismus" nennen, ist - bei genauerem Hinsehen - eine simple Menschenfeindlichkeit (Tier- und Umweltschutz inclusive).

Die Misanthropen mögen sich auch nicht leiden.

Ich bezeichne im Zusammenhang mit der sogenannten "Judenfrage" den, sagen wir, irrationalen Überschuß als "Antisemitismus".

Ich will mich jetzt nicht an diesem Begriff festhalten.

Ihr jüngster Brief (9.7.96) ist geradezu beispielhaft fürs Ressentiment als Verpackung - oder auch umgekehrt: als Kern der Aussage, die das Sachargument nur als Hülle benutzt.

Wir sprechen von den Hunnen.

Wo sie vielleicht mit den Deutschen verwandt sind, ist das "ja nicht unedel", genießt Attila sogar "einen guten Ruf, viele gotische Ritter dienten ihm".

Aber "diese chasarische Beimischung, deren assimiliertes Produkt Sie selber wohl sind", also ich bin gemeint, auch ich, "diese perennierende Gefahr aus dem Osten kommt... heute aus dem Westen, von jenen chasarischen Migranten"; eine "unassimilierte, recht brutale asiatische Mischrasse, die um 800 u.Z. aus opportunistischen Gründen die mosaische Ideologie zur Reichsreligion erhob".

Sehen Sie, das ist es: hier "brutal asiatisch", dort "nicht unedel", "guter Ruf".

Die gotischen Ritter "dienten ihm", nämlich dem Attila, sie waren nicht untertänige Kollaborateure des Feindes, nein, sie "dienten" - "nicht unedel" - der Besatzungsmacht.

Merken Sie was?

Die "brutale asiatische Mischrasse" der Chasaren aber hatte, logischerweise, nur "opportunistische Gründe" für ihre Entscheidung, ihr Tun und Lassen.

Ich möchte zu den Chasaren noch etwas sagen.

Sie wissen, was das Wort "Chasar" bedeutet. Ihr Name (= Rückkehrer) folgt der Interpretation, daß es sich bei den Chasaren um Teile der verschollenen Stämme Israels handelte.

Die "assyrische Gefangenschaft" wird ausdrücklich im südkaukasischen Raum lokalisiert.

Im Althebräischen findet sich das Wort nicht. Es könnte sich also ebensogut um eine spätere - neuhebräische - Auslegung handeln.

Wichtig ist etwas anderes. Der biblische ASCHKENAS ist ein Enkelsohn JAPHETs und Sohn GOMERs. Die Aschkenasim sind also, nimmt man es mit dem Namen genau, in der Tat keine SEMiten, sondern JAPHETiten.

Die Bezeichnung der kaukasisch-osteuropäisch-germanisch-deutschen Juden als "Aschkenasim" ist späteren Datums.

Ich will damit nur sagen, daß die Bibelkundigen seit eh und je wissen, was die Unkundigen erst bei Arthur Koestler erfahren; was zugleich demonstriert, an welchen Leserkreis sich dieser, von Weltanschauung zu Weltanschauung springende, im Suicid endende Mann nur wenden konnte.

Jürgen Graf: "Damit (nämlich mit den "unterschiedslos gegen alle Juden gerichteten Drangsalierungen" - H.L.) spielte er (gemeint ist Hitler - H.L.) unfreiwillig das Spiel der orthodoxen und zionistischen Juden mit, welche in diesem Assimilierungsprozeß eine tödliche Gefahr für sich erkannten" (vgl. kkk-feder 8, S.24).

Dieser Satz findet Ihre Zustimmung. Der Satz drückt eine Wahrheit aus: daß sowohl politische als auch religiöse Juden in der Assimilation eine Gefahr sehen.

Es ist aber nicht dasselbe, ob ich diesen Sachverhalt zur Kenntnis nehme oder mir daraus eine politische Doktrin schneidere.

Es ist natürlich auch putzig anzusehen, wie traditionell rausschmeißerische Misanthropen (s.o.) auf einmal als Fürsprecher einer Juden-Assimilation (wohl auch Assimilation von Zigeunern, Türken, Polen, Kaukasiern) sich verkaufen wollen.

Sie wollen, daß ich in die Reihe Sozialismus, Faschismus, Feminismus auch den Zionismus stelle.

Na bitte. Da steht er.

Ihr Hinweis auf Chaim Weizmann soll ja wohl sagen, daß dieser Mann sein eigenes Volk in großer Zahl zu opfern bereit war, um den Staat Israel zu gründen.

Ich setze voraus, daß diese Sage halbwegs authentisch ist. Ich halte es durchaus für möglich.

Unter den gegebenen Umständen war die Alternative: keine Opfer, kein Staat - kein Staat, nur noch Opfer.

Eine politische Aussage, die mir überhaupt nicht gefällt, aber nicht in die Reihe paßt, in der Sie sie haben möchten.

In die Reihe paßt eher der zionistische Chauvinismus, der sich in der jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit den Arabern austoben konnte.

Ich war einer der ersten, wenn nicht der erste überhaupt, der - anno 1967 - öffentlich - in der Zeitschrift konkret - dagegen Stellung bezogen hat.

Meine kritische Begleitung der israelischen Außen- und Militärpolitik geht von Anfang an zu Lasten israelischer Freundschaften.

Wer schreibt, ist der Wahrheit verpflichtet, und die ist meist so revolutionär, daß sie auch zerstört, was gar nicht zerstört werden sollte.

Ihre "Feder zittert ein großes Fragezeichen dahin", nämlich bei dem Gedanken, Chaim Weizmann "hat vielleicht auch in Ihr kuckucksnest sein Ei gelegt".

Mit dem Eierlegen haben Sie's ja.

Ja, was soll ich dazu sagen? Schaut mir womöglich der Chaim über die Schulter, wenn ich das schreibe?

Ich kann Ihnen das nicht vorwerfen. Verlassen Sie sich auf Ihren Verstand, Ihren sechsten Sinn. Ich kann Ihnen ja viel erzählen.

Es gibt vielleicht eine Sicherheit, nämlich in der Sprache, in dem, was ich schreibe, wie ich mich verständlich zu machen versuche.

Die Sprache läßt sich auch von einem kuckuck nicht überlisten. Prüfen Sie das.

Zum "versöhnlichen Schluß" bringen Sie Ihre "eddisch-vedischen Stammeltern" ins Spiel; sie hießen, "lt. Personal-Urkunde, Ask und Embla".

Wenn das so richtig ist, wenn Sie mir also keine etymologische Falle stellen wollen, könnte ich Sie damit ohne weiteres dem ASchKenasischen Mutter-Volk (EM, AM), dem Volk des Herrn (BL) zuordnen.

Haben Sie daran gedacht, als Sie es mir schrieben?

BLA ließe sich zusätzlich als BLH (He = A(h)) für verbraucht, abgenutzt, veraltet, auch erniedrigt und/oder als BLHH für plötzliche Furcht, Schrecken erklären.

BL ist ursprünglich ein assyrisch-babylonischer Gott.

Auch ich sehe in allem "doch eine sehr vernünftige Basis für eine Bruderschaft aller Menschen in Gott". (13.7.96)

H.L.

online-Fassung

kuckuck
feder 9
IV. quartal 1996
14. Aug. 1996

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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