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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Hans Wahls an Horst Lummert

Zur List der Schlange(n). Was auch immer die Geächteten sagen und schreiben, immer schon ist die List der Juristenschlangen am Ziel. Ich bin überzeugt, daß Sie mit einiger dialektischer Bemühung bei Betrachtung dieser Bemerkung Ächtung bewirken können.

Fehlt denn hier nicht ein ausdrückliches Bekenntnis, daß man gegen die Revisionisten, neuerdings Negationisten, ist?

Sie sollten sich einmal die sprachlichen Kopfheister unserer Richter im Zeichen des Orlettismus ansehen.

Das Schütteln des Kopfes habe ich mir längst abgewöhnt. Ich möchte nicht, daß er sich vom Rumpf löst. Natürlich gibt es eine politische Anatomie, bei der der Kopf gewissermaßen in der Töpfer Hand liegt. Dann funktioniert er auch wie gewünscht.

Gern habe ich Ihre Sprachexkursionen aufgenommen: das hintergründige "böses Blut". Vom Teufel, der "die Hand im Spiel" hat.

"Das Böse ist kein Wesen, sondern ein Mangel." Diese Sentenz wäre abzuklopfen, würde aber den Rahmen eines Briefes sprengen. Als Stichworte halte ich fest: Theodizee und Manichäismus.

Amalekiter: 2. Mose 18 berichtet über einen Sieg über die Amalekiter. Von Ausrottung ist an dieser Stelle nicht die Rede.*

Daß kriegerische Handlungen unter dem Schutz des Göttlichen stattfinden, ist in der neueren Geschichte bekannt.

In 5. Mose 25 geht es dann zur Sache. In Vers 19 soll das Gedächtnis der Amalekiter ausgetilgt werden unter dem Himmel. In der Kapitelüberschrift ist von "Ausrottung der Amalekiter" die Rede.

Konkret wird es dann in 1. Samuel 15. König Schaul (Saul) umgeht das Gebot des HErrn. Er muß die Folgen tragen.

Die Ausrottung hat dann Samuel gefördert.

Ob Übersetzungsfehler vorliegen, mögen Sie anhand des hebräischen Textes prüfen. Da die hebräische Schrift nicht vokalisiert ist, gibt es manchmal abweichende Übertragungen.

Den Fall von 2. Samuel 12,31, einen Schlager der bekannten Leute, werden Sie kennen (Verbrennung der Ammoniter in Ziegelöfen).

Ihre Bemerkungen zur Sache habe ich nicht recht verstanden.

Bleibt es nicht dabei, daß Israel nach Gottes Gebot zu handeln hatte und insofern für seine Ausmordungen ein Alibi hat.

Ob in diesem Dilemma Hegel oder Kant hilfreich sein können, wäre noch deutlicher zu machen. (17.7.96)

Aus dem Tagebuch des Fürchtegott Lümmeling, Dozent für Tabulogie an der Universität Wahnhalla

27. März 1995. Gegen 14 Uhr geht ein etwas theatralisches Telefax ein. Germar Rudolf teilt mit, eine dritte Hausdurchsuchung habe bei ihm stattgefunden.
Er meint dazu, Art. 20(4) GG sei aktueller denn je. Ein merkwürdiges Verfassungsverständnis!
Rudolf meint also, daß der Einzelne ordentliche Rechtsverfahren mit den Mitteln des Widerstandes bekämpfen müsse.
Diese Auffassung genügt mir, um Herrn Rudolf als Verfassungsfeind zu betrachten, gegen den alle, aber auch alle Rechtsmittel abgeschöpft werden müssen.
Der Staat darf seine treuen Bürger nicht im Regen stehen lassen.
In Dingen Rechtsradikalismus steht die Presse voll zur Sache und tut das ihre, um potentielle gesellschaftliche Außenseiter von Unbesonnenheiten abzuhalten.
Leider steht die westliche Wertegemeinschaft insofern nicht in allen Bezirken zusammen. So war heute zu lesen, daß sich Extremisten nach Dänemark und Spanien absetzen und dort unbehelligt ihr dunkles Handwerk betreiben können.
Einen gewiß diskutierungswürdigen Vorschlag, wie politischen Gefahren mit den Mitteln der Ächtung begegnet werden könnte, habe ich am 19.3.1995** zu Papier gebracht.
Es wird viel Mühe kosten, diese Notwendigkeit in der Öffentlichkeit bewußt zu machen.
In der WELT lehnt der gewiß unverdächtige Joachim Neander die Sache rund heraus ab.
Die an sich achtenswerten Argumente liegen jedoch neben der Sache.
Neander meint, Ehen könnten in die Brüche gehen, Kinder von zu Hause fortlaufen oder sich mit Selbstmordgedanken tragen.
Diese Wirkungen sind doch eher positiv zu werten, weil sich die Betroffenen aus eigener Kraft den verderblichen Einflüssen der Täter entziehen.
In den übrigen Fällen, in denen die Selbstbefreiungskraft nicht ausreicht, müssen Beratungsstellen unter Hinzuziehung von Psychotherapeuten tätig werden.

Hans Wahls, Köln

* Der Sieg über die Amaleqiter wird in 2. Mose 17 (nicht 18) geschildert.
In 17,14 heißt es: Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es Josua ein; denn ich will Amalek unter dem Himmel austilgen, daß man seiner nicht mehr gedenke.
17,16: Der Herr führt Krieg gegen Amalek von Kind zu Kindeskind.
Vgl. meinen Erklärungsversuch in kkk-feder 6, Seiten 5 (Test und Konsequenzen) und 21 (Die transzendentalen Vorfelder...), und früheren Heften.
2. Samuel 31: Aber das Volk darin führte er heraus und stellte sie als Fronarbeiter an die Sägen, die eisernen Pickel und an die eisernen Äxte und ließ sie an den Ziegelöfen arbeiten.
Die tendenziöse Umdeutung, von der Hans Wahls spricht, ist mir bekannt. Die Banalisierung zu politischem Zweck ist dabei unverkennbar. So hat jeder seine Pappenheimer.
** Der kkk-Redaktion nicht bekannt.
kkk

online-Fassung

kuckuck
feder 9
IV. quartal 1996
14. Aug. 1996

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