Horst Lummert an Max Wahl*

Ja, wenn es so einfach wäre, daß hier ein "Umerzogener zum eigenen Denken zurückgefunden" habe. Ich habe darüber schon sehr viel nachgedacht, eben weil es so einfach nicht ist.

Als der Krieg (eigentlich doch nur die vorerst letzte Schlacht) 1945 zu Ende ging, war ich rund dreizehn Jahre alt. Ich lebte damals im Sudetenland ("kinderlandverschickt" privat) und mußte nun irgendwie mit den Dingen und den neu anfallenden Problemen selbst fertig werden.

Wir wurden im Juli 1945 "ausgewiesen". Die Erwachsenen fielen fast völlig aus. Ich ging "schwarz" über die nunmehr deutsch-tschechische Grenze, um aus der alten Heimat Lebensmittel heranzuschleppen, wurde dabei ein paarmal von den tschechischen Grenzern erwischt.

Was eben noch galt, war auf einmal wie vom Erdboden verschwunden.

Später, in Berlin-Ost, war es überhaupt kein Problem, die Wahrheit und die Tatsachen, die bekannt, von der kommunistischen Propaganda zu unterscheiden.

Der Schritt nach dem Westen war - 1952 - ein Schritt der Selbstbefreiung. Der längst angelaufene Kalte Krieg ließ das, was wir Umerziehung nennen können, völlig in den Hintergrund treten.

Wenn ich mich prüfe, so habe ich niemals wider besseres Wissen gehandelt, geredet, geschrieben. "Wer schreibt, ist der Wahrheit verpflichtet", so war das Motto des kuckuck und all meiner Schreibereien.

Umerziehung im Sinne einer "Gehirnwäsche", das kann ich in bezug auf mich nicht bestätigen; es hätte eine intensive nationalsozialistische Erziehung vorausgesetzt, wovon aber in meinem Fall nicht die Rede sein konnte.

Ganz anders als später im Sozialismus, war die Jugend im Dritten Reich ja nicht indoktriniert worden.*

* Die NS-Erziehung beim "Jungvolk" und in der Schule hielt sich in heldisch-tapferen und national-geschichtlichen Grenzen. kkk

Es mag mit meinem Jahrgang zusammenhängen, daß sich aus der Situation heraus eine ziemlich lockere Lebensanschauung ergab, locker, frei, eigenständig.

Dennoch gibt es natürlich etwas, das hierbei beachtet werden muß.

Als ich - im Gegensatz zur kommunistischen Presse - die westliche Presse las, war das für mich ein Erlebnis freier Meinungsbildung und gründlicher Information, so man sich nur informieren wollte.

Das Problem ist, daß wir von bestimmten Informationen abgeschnitten waren, was jedoch nicht so relevant werden konnte, solange wir uns mit dem Sowjetismus auseinanderzusetzen hatten.

Und daß wir nicht bereit waren, dennoch zugängliche Informationen ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen.

Das betrifft die politisch rechte Literatur- und Pressearbeit.

Der historische Revisionismus verdankt seine aktuellen Erfolge viel weniger der eigenen Durchsetzungskraft als in erster Linie den Fehlern, die das demokratische Establishment machte, indem es die wissenschaftliche Arbeit des Revisionismus kriminalisierte, ächtete, verteufelte.

Das mußte jeden überzeugten Demokraten und Rechtsstaatler mißtrauisch, aufmerksam, neugierig machen.

Die Bundesrepublik hat sich mit diesem Fehler - möglicherweise - das historische Grab geschaufelt.

Sie dürfen niemals außer acht lassen, daß das Volk 1945 allein dastand. Also nicht nur ich als junger Bengel, sondern das ganze deutsche Volk war sich selbst überlassen.

Hier zeichnet sich erstmals wieder deutlich ein innerer Klassenantagonismus ab. Die politische Klasse der BRD, ja selbst die der DDR, war letzten Endes mit der einstigen NS-Führungs- und Funktionsträgerklasse identisch.

Ihr fast nahtloser Übertritt ins demokratische Neuland nahm dem "Volk" nur deshalb nicht die Orientierung, weil das arbeitende Volk sich längst von allen selbsternannten Eliten freigemacht hatte.

Der Opportunismus, von dem Sie sprechen, betrifft in der Tat die mit dem Tod Hitlers vom Eid auf den Führer befreite Führungs- und Funktionsträgerschicht.

Ich glaube, daß wir es da mit einem sehr ernsten Problem zu tun haben. Hätten die Wehrmacht, das Beamtentum, die politischen Führer und Organisationen, Standesverbände usw. ihren Eid nicht auf den Führer, sondern aufs deutsche Volk, aufs deutsche Reich abgelegt, wäre das Hinüberrieseln in die Siegerkonstrukte nicht so (moralisch) problemlos, ja gewissenlos vor sich gegangen.

"Der Führer ist tot, jetzt sind wir frei, entbunden von Eid und Pflicht."

Der "elitäre" Verrat am deutschen Volk, am deutschen Soldaten hat eine lange Geschichte.

Stalingrad, "Rote Kapelle", "Nationalkomitee Freies Deutschland", Mitarbeit bei der "Schwarzen Propaganda" gegen Deutschland und das deutsche Volk.

Nein, verraten wurde nicht der Nationalsozialismus, verrraten, geschändet, verflucht, entrechtet, beschmutzt wurde das deutsche Volk.

Und keine "Elite" war da, die es vor diesen Unverschämtheiten in Schutz genommen hätte.

Nein, die "Elite" und ihr Nachwuchs aus "NAPOLA" und Adolf-Hitler-Schulen haben, ob als neue Sozialisten, Liberalisten oder christliche Moralisten bei der Beschimpfung des deutsehen Volkes die erste Geige gespielt.

Ja, "unsere" (?) Feinde lieben diesen Verrat, doch die Verräter werden auch von ihnen verachtet.

Es war niemand da, der dem Volk vertrauenswürdig "die wahre Geschichte" erzählt hätte.

Die politische Rechte in Deutschland war nicht nur verfemt, sie war irgendwie auch geschützt.

Bis heute wundert es mich, daß bestimmte rechte Publikationen über Jahre und Jahrzehnte hin unangetastet geblieben sind.

Die Nachkriegsgeschichte zeitigt eine innere Dialektik, die dem Bürsten gegen den Strich sehr ähnlich ist, aber gerade auf diese Weise, diesem Umweg gewissermaßen, allmählich die Wahrheit an den Tag bringt.

Nicht dle gläubigen Anhänger Hitlers machen ihn unsterblich. Was ihn am Leben hält, ist die Ächtung, die Verteufelung. Jede Dämonisierung ist so etwas wie eine Heiligung, gleichsam deren Vorausschatten.

Hitlers und des Nationalsozialismus' mythische - ja mythische! - Macht bis in unsere Tage herein und fortwirkend ins nächste Jahrtausend beruht nicht auf Liebe und Verehrung, sondern auf Haß und Dämonisierung.

Seine Feinde können ohne ihn nicht mehr leben, das macht ihn unsterblich. Und hier haben wir etwas dem "ewigen Juden" Vergleichbares.

Auch dessen wahre Macht kommt aus der Dämonisierung durch seine Feinde.

Die mythische Dimension des "deutsch-jüdischen" Erbkrieges macht eine "Versöhnung" eher unwahrscheinlich.

Da braucht einer den andern. Der "Mensch Adolf Hitler" und die geschichtliche, im einzelnen hieb- und stichfeste "Wahrheit über Nationalsozialismus und Faschismus" bleiben dabei nicht nur verschüttet, sie verlieren auch an Bedeutung.

Kaiser Barbarossa ist eine mythische Gestalt geworden, die jeder geschichtlichen Realität trotzt.

Das ist nicht nur ein "jüdisches" bzw. antideutsches Problem, also eines "unserer" Feinde, es ist vor allem ein deutsches Problem.

Mit einem Bubis oder einem Giordano kann man sich noch auseinandersetzen, die Weizsäckers aber, die Süßmuths und die vielzuvielen anderen, die machen die Sache so trostlos.

Der Selbstverrat ist zu einem nationalen Charakterzug geworden, so daß ich mich manchmal frage, ob nicht womöglich eine List der geschichtlichen Vernunft sich darin äußere, daß die "Multikulturellen" Deutschland zu einem Einwanderungsland machen wollen.

Was die vorhaben, gelingt sowieso nicht, und ob die Widerstandskräfte sich nun an der organisierten Zuwanderung wieder aufrichten oder mit den Zuwanderern selbst hereinkommen, ist im Grunde egal.

Die Geschichte eines Volkes ist kein stehendes Wasser. Wenn wir politisch denken, kann uns die ethno-historische Schmalspur nur hindern.

Ach, mit dem "Ökofaschismus" meine ich den eigentlich "linken" Ökologismus samt Feminismus und was dergleichen mehr.

Der Begriff "Faschismus" wird hier polemisch gegen die "Antifaschisten" gewendet, in deren Sinne ungefähr das Schlimmste, was ihnen passieren kann.

Vielleicht haben es die Faschisten "nicht verdient", ihren Namen dabei mißbraucht zu finden?

Der Ökosozialismus, eine genauere Bezeichnung, stellt den Menschen in seinem Wert unter die Botanik, um es so abzukürzen.

Der organisierte pränatale Megamord - ein weltweit anerkanntes UNO-Projekt - ist das Verbrechen schlechthin.

Das ist gemeint.

Und darum auch mein Projekt Yishmael als - in Erinnerung an den Stauferkaiser Friedrich II. - Idee der Herstellung von Ordnung, Recht und Reich, diesmal unter der Fahne des Propheten.

Deutschland braucht eine weltpolitische Strategie ebensowohl wie taktische Überlegungsmodelle.

Der Islam sollte nicht als "fremd" zurückgewiesen, sondern als kämpferische Möglichkeit der Rückgewinnung des Abend- und des Morgenlandes wie der Stier bei den Hörnern gepackt werden.

Die "Fremden"-Abwehr ist ein bedrohliches Zeichen der Schwäche, des inneren Verfalls.

Ein unerwartetes Produkt der "Umerziehung"? (3.5.95)

* in der print-Ausgabe nicht enthalten

online-Fassung

kuckuck
feder 8
III. quartal 1996
28. Juni 1996
01. Juli 1996

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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