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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Horst Lummert an Hans F. Zacher

Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften

9.4.94

In der Presse wurde über die fristlose Entlassung des Diplom-Chemikers Germar Rudolf berichtet. Inzwischen lief dagegen ein Arbeitsgerichtsverfahren, über dessen Ausgang mir allerdings nichts bekannt ist.

Als Grund für die Entlassung wurde ein Gutachten bzw. "falsches Gutachten" angegeben, das Rudolf in Zusammenarbeit mit dem Institut Fresenius verfaßt hatte. Sie wissen, worum es geht.

Die fristlose Kündigung erfolgte mit Schreiben vom 7.6.93.

Nun gibt es dazu widersprüchliche Darstellungen der Hintergründe.

Die einen sagen, es handle sich um ein "pseudowissenschaftliches", eben "falsches Gutachten"; die anderen: keine wissenschaftlichen Einwände.

Was ist nun richtig?

Es gibt auch Hinweise, wonach der Zentralrat der Juden in Deutschland Druck auf die Max-Planck-Gesellschaft ausgeübt und gewisse "Erwartungen" ausgesprochen habe.

Rudolf sollte nicht nur entlassen, sondern auch für die Zukunft aus dem wissenschaftlichen Verkehr gezogen werden.

Es geht nun also um die Frage, ob Germar Rudolf als "Pseudowissenschaftler", mithin zu Recht, oder jedoch wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit entlassen wurde.

Im ersten Fall braucht man kein weiteres Wort darüber zu verlieren.

Für den zweiten Fall gilt eigentlich Artikel 5 des Grundgesetzes.

Zudem die Max-Planck-Gesellschaft in eine "zur Verhinderung der Wissenschaften" umzuwandeln (und dann bitte auch umzubenennen!), ist bzw. wäre ein göttliches Vergnügen - jedenfalls für die wissenschaftliche und politische Konkurrrenz in aller Welt.

Sie erkennen bereits, wohin meine Vermutungen tendieren.

Denn daß Ihre Gesellschaft sich einen Scharlatan ins Haus geholt hätte, möchte ich doch lieber ausschließen.

Ich hoffe ja, daß Herr Rudolf inzwischen wieder seiner Arbeit am Stuttgarter Institut nachgeht, einfach: weil es mein Vertrauen in oder auf den Rechtsstaat und, sagen wir, die Ehre der Wissenschaft wieder ins Gleichgewicht brächte. Ich bin beunruhigt.

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sommer/herbst 1994

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