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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
Glauben Sie, daß es klug war, mir den Brief vom 15.2.94 einfach wieder zurückzuschicken?
Nun, Sie haben ihn zumindest gelesen und auch auf einen Kommentar nicht verzichten wollen: "abstrus" - aus meinem Text zu "Ihrem abstrusen Schuldmehrungs- und -verewigungsprogramm" mit rotem Filzstift herausgestrichen.
Ich möchte es so verstehen, daß ich mich deutlicher ausdrücken solle.
Ich konzentriere mich auf die in meinem Schreiben vom 15.2. enthaltenen Fragen und wiederhole sie, ergänze sie z.T., wie folgt:
1. Nehmen Sie den aktuellen Stand zeitgeschichtlicher Forschung zur Kenntnis, prüfen und berücksichtigen Sie die Forschungsergebnisse bei Ihrer Arbeit?*
* Vgl. meine progressive Auseinandersetzung mit revisionistischen Thesen und ihren Vertretern in kkk-federn 6 (1996) bis 27/28 (1999). Allgemeines Fazit in kkk-feder 7: Der "Revisionismus" ist eine nationalsozialistische Reaktivierungsschule ... das Instrument der Rehabilitierung und der Wiederkehr des Nationalsozialismus (Horst Lummert: Helfershelfer). kkk
2. Der Historiker Ernst Nolte wurde kürzlich auf offener Straße von "Antifaschisten" überfallen. Empfinden Sie - in Erinnerung an den "Historikerstreit" und die Kampagne gegen Nolte, an der auch Sie beteiligt waren - eine Mitschuld an dem Verbrechen?
3. In seinem letzten Buch (Streitpunkte, Propyläen 1993) beschäftigt sich Nolte auch mit den "revisionistischen" Gaskammer-Untersuchungen:
So wird eine merkwürdige Parallele zur Kontroverse um den Reichstagsbrand sichtbar: wenn den technischen Experten der Nachweis gelänge, daß die "Tatwaffe", van der Lubbes Kohleanzünder, nicht imstande war, das Feuer während der zur Verfügung stehenden Zeit zu entfachen, würden alle Zeugenaussagen, welche auf die Alleintäterschaft van der Lubbes hindeuten, von vornherein wertlos sein. Dasselbe muß für die "Tatwaffe" der Räume und des Zyklon B bzw. der Abgase von Dieselmotoren gelten. (S.316).
Können Sie dem zustimmen?
4. In einem "Gutachten zur Frage der Echtheit des sogenannten Wannsee-Protokolls und der dazugehörenden Schriftstücke" kommen die Verfasser (Roland Bohlinger und Johannes P. Ney**) zu dem Ergebnis, daß wir's offenbar mit einer Reihe von Fälschungen zu tun haben, in die sogar der stellvertretende Hauptankläger beim Internationalen Militärtribunal in Nürnberg, Robert M. W. Kempner, verwickelt war.
Bei der gutachterlichen Prüfung mußten wir Folgendes feststellen: Sämtliche Historiker, die der herrschenden Meinung von der Echtheit des "Wannsee-Protokolls" anhängen und deren Arbeiten wir geprüft haben auf quellenkritische Hinweise, haben in Bezug auf das "Wannsee-Protokoll" eindeutig keine ernsthafte Quellenkritik betrieben, geschweige denn einen Echtheitsnachweis versucht.
Damit haben alle diese Historiker die wichtigsten Grundregeln mißachtet, die von der Geschichtswissenschaft für die wissenschaftliche Behandlung von Quellen aufgestellt worden sind. Diese Grundregeln werden bereits in den ersten Studiensemestern gelernt.
Es wird Aufgabe eines weiteren Gutachtens sein müssen, diesem Befund noch weiter nachzugehen und seine Ursachen aufzudecken. (S.92).
** Sein haßgetränkter Beitrag zur Rufmord-Kampagne gegen den kuckuck stellt Neys intellektuelle Redlichkeit allerdings entschieden in Frage (vgl. kkk-feder 14). Siehe auch Horst Lummert: Germar Rudolf und der Remer-Kreis in kkk-feder 9. Fazit: Der "Revisionismus" als Wissenschaft ist tot. kkk
Von anderen Autoren ist bereits die Echtheit des "Gerstein-Berichts" in Frage gestellt worden. Haben Sie diese Erkenntnisse schon überprüft?
Ich hoffe, mich diesmal ausreichend verständlich gemacht zu haben, bitte Sie um eine kurze, aber überzeugende Stellungnahme.***
*** Nachtrag: Giordano spricht - für die Verbrechen der Vergangenheit - das - auch gegenwärtige - deutsche Volk kollektiv schuldig, nimmt sich allerdings davon aus. Der kuckuck kümmert sich ums aktuelle Detail und um die Personen, die darein - heute von neuem - über mehrere Generationen hinweg - verflochten sind. Eine Erkenntnis dieser Recherchen lautet: Sie haben es getan, weil sie es wieder tun würden. Sie haben es in sich. Die paradoxe Logik des Satzes folgt aus der paradoxen Persönlichkeit des NS-Kulturträger-Typs. Die ns-"revisionistische Bewegung" (Graf) ist zur notwendigen Revision der Geschichte nicht geeignet. Die Faktenlage aber muß - geduldig und zuverlässig - geprüft werden. kkk
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situation
analyse
sommer/herbst 1994
kokhaviv press:
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