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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
Unser Briefwechsel von 1987 brach schnell wieder ab. Sie waren seinerzeit nicht bereit, die Korrespondenz fortzuführen. So blieben viele Fragen, die ich an Sie gerichtet hatte, zumindest in diesem Rahmen ungeklärt.
Inzwischen hat sich manches ereignet, was damals noch nicht ausdrücklich zur Rede stand. Wesentliches ist, jedenfalls tendenziell, wieder auf die Beine gestellt worden, anderes steht nach wie vor, ja fester denn je auf dem Kopf.
Vor sieben Jahren hatte ich nicht die Hoffnung, daß Sie aus Ihrem abstrusen Schuldmehrungs- und -verewigungsprogramm alsbald wieder herauskommen würden. Ich weiß natürlich längst, daß sich daran bis heute nichts geändert hat, möchte mich aber dennoch in einem Punkt vergewissern, ob bzw. inwieweit Sie den aktuellen Stand zeitgeschichtlicher Forschung zur Kenntnis nehmen und in Ihrer Arbeit auch prüfend berücksichtigen.
Im Verlaufe des sogenannten Historikerstreits hatten auch Sie sich an den seinerzeit veröffentlichten Thesen Ernst Noltes entzündet (vgl. Giordano: Ist Auschwitz vergleichbar? Gedanken zu einer aktuellen Diskussion. In: Allgemeine jüdische Wochenzeitung vom 7.11.86).
Das sah damals alles sehr "jüdisch" aus, auch wenn Herr Bronfmann im Spiegel (49/86) mal wieder den Deutschen, nein: den nichtkommunistischen Westdeutschen so richtig ins (eigentlich ja gar nicht vorhandene) Gewissen redete.
Hier alles nach kuckuck 55 (I/87).
Ich habe es nun schon anklingen lassen: die "jüdische" Karte gegen die nichtkommunistischen Westdeutschen, na gut, aber war's denn auch ein jüdisches Spiel - und nicht eine kommunistische Intrige?
Mir fällt auf, daß alle "Juden", die sich in der deutschfeindlichen Propaganda, soweit sie nach Deutschland hereinreicht oder hier direkt stattfindet, profiliert haben, in erster Linie Kommunisten sind oder waren, und zwar im Sinne einer konkreten KP-Mitgliedschaft.
Ich denke dabei an Sie, Ralph Giordano, an Michel Lang, an Serge und Beate Klarsfeld.
Ignatz Bubis hatte indes sofort nach 1945 engsten Kontakt zur Roten Armee, zu GPU/NKWD und im übrigen, was uns aktuell beschäftigt, zur organisierten Kriminalität.*
Eine besondere Pointe, daß die französischen Kommunisten Klarsfeld mit dem rechtsextremen (zionistischen) Betar bei Gewaltaktionen zusammenarbeiten, kommt hinzu.
Die Vermutung, daß es sich beim sogenannten Historikerstreit gar nicht darum handelte, die Opfer des Holocaust und ihre Hinterbliebenen vor verletzenden Mißdeutungen zu schützen, stützt sich auf die Beobachtung, daß die ganze Sache mit dem Verscheiden der Sowjetunion (!) eingeschlafen ist.
Denn was 1986 als Grund für den Streit und die Kampagne gegen Nolte vergleichsweise harmlos war, erhält doch jetzt erst - durch denselben Autor in fortgeführter Sache - sein Gewicht und sein wahres Gesicht.
Ernst Nolte (Nolte: Streitpunkte. Heutige und künftige Kontroversen um den Nationalsozialismus. Propyläen 1993) fordert dazu auf, den "Geschichtsrevisionismus" endlich ernstzunehmen.
Fühlen Sie sich eigentlich, nebenbei, ein wenig als Schreibtischtäter, wenn Ernst Nolte wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit auf offener Straße überfallen wird, wie jüngst in Friedrichshain geschehen?
In der Sache geht es heute nicht nur um die Prüfung des "Leuchter-Reports", sondern auch um die Beachtung von Untersuchungen, Gutachten, Tatsachenfeststellungen, die z.B. die Echtheit des "Wannsee-Protokolls" oder des "Gerstein-Berichts" in Zweifel ziehen.
Spielen diese Dinge in Ihren Überlegungen eine Rolle?
Sehen Sie Gründe, Ihre bisherigen Zeitgeschichtsdeutungen zu revidieren?
Was man natürlich ganz allgemein erkennen kann, ist eher eine verbissene Nichtbeachtung wissenschaftlicher Einsichten, wenn sie das Weltbild stören.
Finden Sie das gut?
Es wird wieder viel mit Diffamierungen gearbeitet, wo die Argumente nicht mehr ausreichen.
Sind Sie mit von der Partie?
Vielleicht geben Sie doch einmal Laut.
* Vgl. kkk-feder 4/5, S.11f. - kkk
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kuckuck
feder 4/5 ### projekt YISHMAEL
situation
analyse
sommer/herbst 1994
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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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