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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1992-08-31
bis
1993-11-16
und zur
Jahreswende 93/94
Konfuzius sagt: Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung: Das ist der bitterste.
In kaum überarbeiteten Auszügen: Aufzeichnungen vom 31. August 1992 bis zur Jahreswende 1993/94
1993-04-19:
Worin besteht der Wandel, was ist anders geworden? Die Wertetafel, die Identität, die Parteinahme? O nein! Anders geworden, gewandelt hat sich der Kreis der Entrechteten.
Ohne Ansehen der Person ist zu urteilen:
Werden die Afrikaner verfolgt und verachtet, bist du ein Afrikaner. Sind's die Zigeuner, bist auch du einer, die Juden, so auch du. Nun sind es aber die Deutschen, also bist du einer von ihnen.
Ich könnte mich allenfalls fragen, warum ich erst so spät dahintergekommen bin, daß Deutschland und die Deutschen seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten verleumdet werden. Die Antwort muß lauten: Ich hab's erst spät gemerkt.
Solange es sich um eine innere Angelegenheit handelte, mußte ich mir darum keine Vorwürfe machen. Wehleidigkeit, gar nationale Wehleidigkeit ist mir zuwider. Solange das Sowjetsystem existierte, war es leicht, antideutsche Kampagnen als antidemokratische, vom "Osten" gesteuerte oder inspirierte Hetzpropaganda abzutun.
Seitdem das Land wieder halbwegs vereinigt ist und vor allem seit dem Golfkrieg und in der Folge des Balkankrieges lassen sich unangemessene, ja maßlose Angriffe auf die Integrität Deutschlands, die politische und moralische Verfassung der Deutschen kaum noch überhören und übersehen. Die Versuche, Deutschland und die Deutschen mit brauner Farbe zu übergießen, gewinnen an Penetranz.
Um es abzukürzen: Die Art und Weise, wie heute international gegen Deutschland Stimmung gemacht, zu Wirtschaftsboykott und sittlicher Ächtung aufgerufen wird, wie gesellschaftliche Randerscheinungen dem ganzen Volk angekreidet werden, jede Gelegenheit wahrgenommen wird, um Deutschland und die Deutschen in den Dreck zu ziehen, hat mich hellhörig und mißtrauisch gemacht.
Die Vergleiche mit der Hitler-Zeit sind mir nun ein Anlaß geworden, selbst einmal solche Vergleiche zu ziehen. Den ständigen Aufruf, die deutsche Vergangenheit nicht zu vergessen, nehme ich jetzt viel ernster, als es wohl ursprünglich gemeint war.
Wenn heute so unfair, ja infam gegen Deutschland polemisiert und intrigiert wird, wie war es denn damals? Gab's da ähnliche Ungerechtigkeiten, Übertreibungen, Verdrehungen, Inszenierungen und Kampagnen, die gar nicht, wie unsereins immer glaubte und zu wissen glaubte, auf das Konto der Deutschen, der Nazis gingen?
Müssen wir ernsthaft uns an den Gedanken gewöhnen, daß es nicht nur einen faschistischen Betrug gab, sondern viel früher schon einen Jahrhundertbetrug auf Kosten (!) der Deutschen, einen antideutschen, ja, Rassismus, buchstäblich, gegen den der deutsche Antisemitismus sich wie ein Kinderspiel ausnimmt?
Ich meine, daß es derlei zu bedenken gibt, darauf hat die nationale und rechtskonservative Literatur immer wieder hingewiesen. Ich habe mich dann und wann auch kundig gemacht; doch bereit, sie wirklich ernstzunehmen, sie nicht zu belächeln, zu ironisieren, zu verhöhnen und in gewissem Maße auch zu verfolgen, ja, publizistisch zu jagen, das bin ich erst jetzt, seitdem West- und Mitteldeutschland wieder zu einem Staat und Gemeinwesen zusammenwachsen.
Richtig gelesen: Mitteldeutschland. Denn Ostdeutschland liegt woanders. Ich lehne es ab, Rechtspositionen aufzugeben (und damit das Landerbe künftiger Generationen zu verschleudern). So besteht, man muß nur genauer hinsehen, das Reich fort und mit ihm die Grenzen, korrekt, vom 31. August 1939.
Also: Die deutschfeindliche Hetze "deutscht mich ein", zusehends, mehr und mehr. Ich muß jetzt nur aufpassen, daß nicht eine neue Blindheit entsteht.
Die ständige Ermahnung der Deutschen, nicht aus ihrer Geschichte auszusteigen, impliziert natürlich den Gedanken, daß diese Geschichte ein unabwaschbarer Makel sei. Die Identität der Deutschen mit sich und ihrer Geschichte wird in diesem Sinne gedacht als eine Stigmatisierung eines ganzen Volkes, eine Methode kollektiver Demütigung und partieller Entrechtung.
Die Deutschen werden somit zu einem Volk minderen Ranges, zweiter, dritter oder vierter Klasse gestempelt. Wenn das kein Rassismus ist, weiß ich nicht, was Rassismus dann noch sein soll.
Aber wie die Afrikaner und schwarzen Amerikaner plötzlich entdeckten, daß "black beautiful" ist, so könnten auch die Deutschen eines Tages aus ihrer Not eine Tugend machen. Und genau dies ist es, was nicht angemahnt wird. Nein, wir sollen nicht stolz auf unsere Geschichte sein, sondern in Sack und Asche gehen.
Wir müssen also die Schuldfrage klären.
Wie jeder Angeklagte, der beschuldigt wird, ein Verbrechen, ein schweres Verbrechen begangen zu haben, ein Recht auf Verteidigung hat, so kann dieses Recht auch von den Deutschen in Anspruch genommen werden.
Mag auch so manch ein Feind der Deutschen selbst blind für die Rechts- und Beweislage geworden sein, so gilt doch nach wie vor, jedenfalls in einem Rechtsstaat, daß ein Angeklagter nicht aufgrund von Behauptungen verurteilt werden kann, daß es nicht an ihm ist, zu beweisen, was und daß er's nicht getan habe. Das Gericht muß ihm die Tat nachweisen.
Fakten müssen auf den Tisch, Beweismittel, die hieb- und stichfest sind. Wenn ich einen Mord begangen haben soll, will ich die Leiche sehen. Man soll mir sagen, wen ich wann, wo und wie umgebracht habe: Tatopfer, Tatwaffe und dergleichen mehr. Jedwede Zweifel, die den Angeklagten entlasten könnten, sind zu berücksichtigen.
Ich hatte ja keine Ahnung, was man uns da zumutet, wie dünn das Eis, über das wir fast ein halbes Jahrhundert gehen, wirklich ist.
Die deutschen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschheit oder Menschlichkeit, sind so leichtfertig abgehandelt, so fadenscheinig belegt worden, daß sich nur noch wundern kann, wer da mal seine Nase hineinsteckt.
Ein Problem wird gar nicht beachtet: Ob eventuell andere Personen oder Personengruppen, Staaten, Regierungen als Täter oder Verantwortliche in Frage kommen.
Da ist das letzte Wort gewiß noch nicht gesprochen.
Seltsam ist die Abstinenz der bundesdeutschen Justiz und der etablierten Zeitgeschichtsforschung.
Die deutschfeindliche Welt hat nicht nur wirtschaftliche und machtpolitische Gründe für ihr Verhalten.
Deutschland ist eine kulturelle, eine geistige, philosophische, musische Provokation für die übrige europäische Zivilisation - und dies seit Jahrhunderten.
Deutsche Künste und Wissenschaften, von der Gotik bis zur Raketen- und Atomforschung, von der klassischen Musik zur philosophischen Ordnung von Recht, Staat und Denken, haben die Welt grundlegend umgeformt, indem sie ihr stabile Kategorien zur Hand gaben.
Dagegen erscheint manches winzig, unausgegoren oder wie nachgemacht, was vor und neben dem Deutschen Gültigkeit beansprucht. Die deutschen kulturellen Leistungen sind so unvergleichlich, daß man sich nicht über "deutschen Größenwahn", sondern über die Bescheidenheit und Gutmütigkeit der meisten Deutschen wundern muß. Die Deutschen kennen gar nicht ihre geschichtliche Bedeutung. Sie ist einfach außergewöhnlich.
Wer nun also meint, die Deutschen beleidigen zu können, sie täglich kränken, erniedrigen und beschimpfen zu dürfen, der muß aber auch daran denken, daß sie noch nicht wieder "auf Null" gebracht worden sind; daß ein schöpferisches Volk überhaupt erst auf den Nullpunkt kommen muß, wenn es seine Qualitäten und Fähigkeiten entfalten, seinen Stolz und seine Kraft wiederfinden soll (und will).
Die Feinde Deutschlands mögen sich nicht täuschen. Die Identifizierung mit ihrer Geschichte wird die Deutschen nicht schwächen, sondern aufrichten, wieder aufrichten. Man täusche sich auch nicht über die Schattenseiten dieser Geschichte. Die zwölf Jahre Erfahrung kann uns niemand mehr nehmen. Sie haben uns tief und ernst gemacht.
Die zwölf Jahre trennen uns endgültig von denen, die uns ins Abseits stellen wollten. Wenn ihr glaubt, uns vor Gottes Gericht zerren zu können, so sollt ihr gleich auch wissen, daß wir diesen Weg, dies Gottesgericht nicht scheuen und nicht fürchten. Ihr werdet da euer Wunder erleben!
Ihr habt euch selbst getäuscht. Die zwölf Jahre waren unsere Universität. Wir haben uns und euch besser kennengelernt, studiert und studiert. Diese Schule fehlt euch allen. Sie hat uns demütig, bescheiden, genügsam, skeptisch, wachsam, klug, weise und gerissen gemacht. Den langen Atem hat sie uns beigebracht. Wir haben die Weisheit der anderen Völker studiert. Vieles davon haben wir besser begriffen. Wer geschlagen wurde, wie wir geschlagen wurden, mußte (und muß) Urkräfte mobilisieren, muß sie verfügbar haben und im Himmel einen guten Freund, wenn er wieder auf die Beine kommt, ein Phönix aus der Asche. Inschallah. (19.4.93)
1993-04-27:
Identitätsfragen treten immer wieder auf. Aufs Finden, Sichwiederfinden, folgt ein neues Suchen, Rätseln. Stets handelt es sich um Kollektivzugehörigkeiten. Eine lange Geschichte als Vorgeschichte...
In mir (dir, uns) sammelt sich die Vorgeschichte zu einem Konzentrat. Die Geschichte als bewußtes, erkennendes und erkennenwollendes Aufsichnehmen beginnt mit mir.
Ich kann also immer nur mit mir selbst identisch sein. Auch im nationalen Zusammenhang, in den ich hineingeboren wurde (und den ich stets nur als zufällig empfand), muß ich meine eigene Identität politisch erst stiften.
Ich habe nichts vorgefunden, das ich hätte übernehmen und fortführen sollen. Damit komme ich auf meine Klassenlage zu sprechen, die ebenso zufällig, doch in stärkerem Maße als die Nationalität für mich prägend geworden ist. Das mag aber miteinander zusammenhängen.
Die Geschichte beginnt mit der Bewußtwerdung und ihrer Formulierung. Was nicht Sprache geworden ist, kann nicht überliefert, also nicht Geschichte werden.
Ich kann eine nationale Identität ablehnen, weil sie mich nicht wirklich betrifft. Wo aber die verantwortliche Kohärenz einerseits nicht besteht, eine tatsächliche Inkohärenz zum andern nicht beachtet wird, wo ich also als zufälliges Mitglied einer Gemeinschaft, die ich mir nicht ausgesucht habe, zur Verantwortung gezogen werde für die Geschichte, für die Taten und Untaten dieser Gemeinschaft, sitze ich wirklich in der Falle. Nun muß ich mich ergeben oder die Herausforderung annehmen. In dieser Lage bin ich jetzt. Deutschland wird, das ganze deutsche Volk wird angesprochen, und ich bin mitgemeint. Jetzt werde ich also auch in einem engeren nationalen Sinne geschichtlich.
Dadurch entstehen Widersprüche, scheinbare oder tatsächliche Unvereinbarkeiten. Die "jüdische" und die "deutsche" Identität bestehen in einem erweiterten Verstand fort, nebeneinander-ineinander. Das Besondere tritt gleich zweimal auf und wünscht sich deckungsgleich. Den Einklang finde ich nur auf einer höheren Ebene.
Diese höhere Ebene liegt in einer weltweiten, die Menschheit einigenden und zugleich entzweienden Vorgeschichte.
Die hebräische Sprache scheint zunächst zu trennen, stellt aber bei genauerem Zusehen die Eintracht wieder her. Wenn Gottes Saat Zwietracht ist, so war es die babylonische Verwirrung der Sprachen, die freilich zumindest tendenziell und in einem begrenzten Maße überwunden wird, wenn wir das alles auch verstehen. Ich kann dann "deutsch" oder "doitsch" als "doidsch/dodsch/daudisch/davidisch" lesen und die "Germanen" (lat.) als "Sprößlinge", "Abzweigungen", als "Stämme", "Brüder und Schwestern" unserer gemeinsamen Ureltern wiedererkennen.
Was weder in der biblischen noch in der germanischen Geschichte ausdrücklich gesagt wird, was sich aber womöglich in der geschichtsaktuellen "deutsch-jüdischen" Erbfeindschaft ausdrückt, das hat vielleicht bis wahrscheinlich in den überlieferten Nebenbemerkungen seinen Ursprungsbericht. Ich muß demnach die Linien meiner geistigen, seelischen, namentlichen Herkünfte zu ihren Anfängen zurückführen. Als ihre Wege sich trennten.
Wer weiß, wann das war: als die Urkinder aus dem Paradies vertrieben wurden, als Gott seinen und Adams Erstgeborenen Qain verfluchte und verschonte, als Noahs Söhne getrennt wurden, als Abram sich von seinem Vater Terech lossagte, als Abraham seinen Erstgeborenen Ismael verstieß und ihn der Obhut seines Gottes überließ... Als die Kinder Israel am Roten Meer sich von ihren ägyptischen Brüdern und Vettern trennten. Wer weiß es?
Als Vertreter und Verfechter besonderer Grundsätze finden wir uns jedesmal wieder.
Mein Instinkt, mein Verstand, meine ursprüngliche und meine späte, gereifte Erkenntnis lassen mich Partei ergreifen: für Qain (und für Lamakh), für Cham, für Ismael und seine Mutter Hagar...
Das "Judentum" war mir dazu ein Weg, ein Notbehelf, eine Handhabe (was ich aber gar nicht erkannte). Ich mußte mich als "Juden" mißverstehen, um den Hebräer und mit ihm die hebräische Sprache, die Sprache der Torah und damit diese zu entdecken und mit zunehmendem Staunen zu erkennen.
Über die deutschsprachige Bibel, die Übersetzung Martin Luthers, war ich bereits da herangeführt worden. Die sprachlichen Begrenzungen begrenzten zugleich das Verstehen der Schrift. Ich mußte also an die Urschrift und die Ursprache heran. So fand ich mit Hilfe des Deutschen Zugang zur Torah und mit Hilfe der hebräischen Torah, jetzt nachprüfbar, zu den Feinden Israels.
Denn Qain und Lamakh und Cham und Ismael und Esau werden von den Kindern Jakobs/Israels als Ur- und Erbfeinde begriffen und erlebt.
Es ist verständlich, daß die Deutschen als die Urheber der Schoah, des "Holocaust", jenen "bösen Brüdern und fernen Verwandten" zugerechnet werden.
Amalek gar (eigentlich: Amaleq) ist der Prototyp, den Israel mit Stumpf und Stiel ausrotten soll. Den Deutschen wird vorgeworfen, an den Juden getan zu haben, was ein jeder Jude dem Amaleq und dessen Kindern und Kindeskindern bis zum letzten Amaleqiter antun soll.
Ich habe mithin "durchs Judentum hindurch" meine Identität, weniger der Kollektivität oder der Nationalität nach, um so mehr jedoch nach den für mich gültigen Prinzipien gefunden, wiedergefunden - oder historisch erstmals entdeckt (eingedenk der Erkenntnis, daß vor mir familiar nur Vorgeschichte war, also Unerkanntes, Unentdecktes, Unartikuliertes).
Das Stigma der Initiation, des Eintritts in die Geschichte ist die Beschneidung.
Mein Selbstverständnis ist somit ohne die Torah nicht zu erklären. Was immer ich mit dem Judentum zu schaffen oder nicht zu schaffen habe, an der Torah führt nichts vorbei, was mein Leben, meine persönliche Identität (mit all ihrem Fragen, Zweifeln, mit all meiner Skepsis auf dem Grunde eines tiefen Urvertrauens) geprägt hat. Es ist allerdings etwas in mir von Anfang an wirksam gewesen, das mich dorthin geführt hat. Nicht alles läßt sich erforschen.
Mein Name spricht Bände dem, der zu lesen versteht. Doch ohne die Sprache der Torah hätte ich meinen Namen gar nicht lesen und verstehen können. Und dieser Name ist nun wirklich überliefert. Die Verknüpfung kann ich nicht lösen. Es gibt für mich keine Entscheidung: Entweder - oder.
Mag sein, daß ein jeweils geschichtlich Überwiegendes, dann wieder zugunsten eines anderen Zurücktretendes für Vielfalt sorgt und vielleicht auch Verwirrung stiftet und neue Fragen aufwirft: ein intelligentes Dasein ist lebensnotwendig, wo sich Denken und Verstehenmüssen immer wieder herausgefordert sehen. Wahrscheinlich komme ich mit diesen Überlegungen zu keinen neuen Resultaten, jedenfalls keinen, die nicht schon anderswo und sehr viel früher klargelegt worden sind.
Bomben fallen auf Gerechte und Ungerechte. Wer mit anderen in einem Boot sitzt, teilt mit der Zeit deren Schicksal. So kommt ein neues, gemeinsames Selbstverständnis hinzu.
Die ungerechten Angriffe auf Deutschland machen mich auf einmal zu einem Deutschen. Das Nachforschen in der deutschen und europäischen Geschichte seit Bestehen des Zweiten Reiches 1871 macht mich plötzlich hellhörig für die Feinheiten, für die politischen, diplomatischen oder ganz und gar versteckten Details, und siehe da:
Die Deutschen kommen eigentlich ganz gut dabei weg, wenn einer nur erst einmal dazu bereit ist, die Fakten und Umstände zu prüfen und schließlich gerecht zu urteilen.
Vielleicht geht es hier tatsächlich eher um eine Richtersache als um die Frage dieser oder jener Identität. Gleichwohl bin ich aufgrund meines zufälligen Hierseins als deutscher Staatsbürger, deutschgebürtiger Bürger, Binnenzeuge eines mehr oder weniger systematischen Rufmords am deutschen Volk - und zwar seit der "kleinen Wiedervereinigung".
Wenn nun erst einmal ein Unrecht zutagetritt, wird auch bislang als "Recht" Erachtetes möglicherweise überprüft werden müssen.
Vielleicht gibt es einen Jahrhundertbetrug tatsächlich. Dann will ich aber bitte mein Recht und mein Land und meinen guten Ruf wiederhaben.
Was mich das angeht?
Ich bin mit den anderen in einen und denselben Topf geworfen und hochgekocht worden. Jetzt koche ich mit ihnen in selbstverständlicher Solidarität. Um eine gerechte Sache sollen sie in mir einen zuverlässigen Zeugen haben. Ich bin mit mir vollauf identisch.
Wenn sich herausstellt, daß Deutschland und die Deutschen "an und für sich" als Bösewichter abgestempelt werden, so will ich mir wohl überlegen, ob nicht auch für uns der Grundsatz gelten muß: Right or wrong - my country.
Deutschlands Feinden ging und geht es gar nicht um Gerechtigkeit, um das Unrecht, das die Deutschen anderen Völkern zugefügt hatten.
Sie bekämpften, verfluchten und verleumdeten Land und Volk der Deutschen, als diese noch gar nicht waren, was sie später angeblich und tatsächlich geworden sind.
Was immer sie taten, diese Deutschen, es wurde ihnen böse ausgelegt. Lügen über Deutschland werden bis heute - und bis in deutsche Schulbücher hinein - als "historische Wahrheit" verbreitet.
Doch Gott der Herr der Geschichte hat es mit den Deutschen immer wieder gutgemeint. Er hat ihnen Kraft und den langen Atem gegeben. Er hat sie errettet aus der größten Not und Erniedrigung.
Ja, der Herr hat es gut mit ihnen gemeint und ihre Feinde getäuscht. Ganz im Sinne der Torah läßt sich sagen, daß dieser Gott, der einst alleinige Gott Israels, den Deutschen wider alle Niedertracht ein gewiß strenger, aber letztlich guter und gerechter Gott gewesen und geblieben ist.
Wie einst David von König Saul, so sind die Davidischen, Daudischen, Doitschen, Deutschen gejagt, beschimpft und verleumdet worden. Man bestimmte sie für die Rolle des Schurken im Stück, doch Gott hat es nicht gewollt. Die Verleumder gehen in sich, ein späterer Saul hatte sein Damaskus-Erlebnis. Ich weiß, wovon ich rede. (27.4.93)
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Frühjahr 1994
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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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