1992-08-31
bis
1993-11-16
und zur
Jahreswende 93/94

Horst Lummert

Deutschland in Europa · Das neue alte Rußland · Konsequenzen und Perspektiven · Angewandte Geo-Politik · Anti-Deutschland-Koalition und das euro-islamische Denkmodell · Neue Fragen und historische Antworten · Right or wrong - my country? · Wahrheitsfindung als Tugend des Jüngsten Gerichts

Konfuzius sagt: Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung: Das ist der bitterste.

In kaum überarbeiteten Auszügen: Aufzeichnungen vom 31. August 1992 bis zur Jahreswende 1993/94

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1993-01-06:

Die Entdeckung, daß nicht mit gleichen Maßstäben gemessen wird, ist die Entdeckung eines offenbar allseits akzeptierten Manichäismus.

Denn wenn wir die "Bösen" sind, die ihre Rolle ohne Murren zu spielen haben, während andere tun können, was sie wollen, ohne Gefahr zu laufen, vergleichbar zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn wir also für vogelfrei gelten, müssen wir uns dagegen wehren.

Hat die Wertetafel der anderen, hat ihr Gott uns zum Feind par excellence gestempelt, müssen wir uns nach einem anderen Gott umsehen; denn es ist natürlich albern, weiterhin behaupten zu wollen, jener Gott tue dies alles ja nur, um uns zu prüfen, uns zu härten und zu stählen, eigentlich seien doch wir seine Favoriten.

Gut, gut, mögen wir sein. Doch gegen jene anderen müssen wir uns abgrenzen, das bringt die Logik der Zusammenhänge so mit sich.

Wenn wir uns treu bleiben, bleiben wir unserem Genius treu.

Wir drehen den Spieß einfach um und gewinnen damit erst einmal Zeit und Raum zum Durchatmen. Das ist einerseits geheimnisvoll, andererseits einfach, wenn man’s nur erst begriffen hat.

Das Stichwort ist bereits gefallen.

Manichäismus geht von zwei gegeneinander wirkenden Kräften aus. Es ist ein ewiger Kampf, ein scheinbar ewiger Kampf, der aber letztlich mit der Überwindung von Lüge und Finsternis und dem Sieg der Wahrheit und des Lichts endet.

Als Marxisten sprachen wir von der Dialektik der Geschichte, die mit dem Ausbruch der klassenlosen Gesellschaft plötzlich aufhört. Als aufgeklärte Dialektiker wußten wir natürlich, daß der Kampf und also die Dialektik der Geschichte niemals enden wird und kann, solange dieses Universum existiert.

Die Zwei-Götter-Theorie ist keineswegs absurd, sondern gründet in den Gesetzen der Natur. Wie man's nimmt, so kann sie auch den Mächtigen gefährlich werden, gibt sie doch der Ohnmacht einen Kompaß zur Hand.

Klassenanalyse, Dialektik der Geschichte, so etwas wie ein moderner "Aus 1 mach 2"-Manichäismus, sind von inniger Logik und Konsequenz.

Die Manichäer wurden einst blutig bekämpft und schließlich ausgerottet. Wahrscheinlich tauchten sie anderswo unter. Ihre Theorie fand sicherlich da und dort eine Zuflucht und tauchte unter anderm Namen wieder auf.

Polytheismus und Monotheismus - in ihrer anders gearteten Gegensätzlichkeit - verschütteten die Fragestellung der Manichäer. Sie kommt erst im dialektischen Denken wieder zum Vorschein.

Der größte Bogen über die Zeiten wird damit freilich zum klassischen Denken der Chinesen geschlagen. Vielleicht (wahrscheinlich, ach, ganz gewiß) ist die Philosophie (wie übrigens auch der biblische Schöpfungsbericht) ein Kind dualistischen Denkens. (6.1.93)

1993-01-08:

Alles schon einmal dagewesen, das heißt, es kommt wieder.

Wenn aus der Betrachtung des Himmels nicht ein neues Studium, neue Astronomie und Astrologie werden sollen, bleibt nur das Schauen. Das Staunen, die Freude, ein kontemplatives Dasein. Meditation.

Die historiographische Methode ist nicht die einzige nützliche Wegweisung. Neben der Phänomenologie ist das substantielle Verstehen im Analogieverfahren erprobt. Es ist die ältere Methode, die ohne Schrift auskommt.

Leben und Erscheinen der Geschöpfe vermitteln sich selbst. Der Analogie winkt das konstellative Denken. Die Auffassung von "Synthese" ist nah. Der Raum tritt vor die "Zeit". Deren Bemessungen haben noch ihren Ursprung als Fortbewegung auf unendlichen Bahnen.

Diese Worte dienen nur der Weiterverbreitung des kosmischen Geschehens als Bild und Vorstellung. Diese Worte wollen sich am Ende überflüssig machen.

Wer versteht diesen Gedanken: nie wieder unter Dächern schlafen. (8.1.93)

1993-01-15:

Boutros-Ghalis "koptischer Ursprung" ist ein Schlüssel zu seiner Politik.

Die physische Ausrottung der islamischen Lehr- und Führungsintelligenz ist eine Tatsache, über die öffentlich kaum gesprochen wird.

In Bosnien sollen 1.000 Imame ermordet worden sein.

Aus Tadschikistan liest man ähnliche Nachrichten zwischen den Zeilen.

In den nordafrikanischen Ländern wird rigoros gegen die islamischen Autoritäten vorgegangen.

Die 415 Palästinenser (Hamas), die von den Israelis ausgewiesen wurden und bis heute im Niemandsland zwischen Libanon und Israel ausharren, gelten als islamische Köpfe.

Das läßt sich mit Sicherheit sagen:

Der (selektive) Krieg gegen den Islam findet seit langem statt und hat in den vergangenen Wochen und Monaten sozusagen an Profil gewonnen.

Die Fronten des Krieges und seine Teilnehmer sind jetzt schon viel genauer als vor einem Jahr auszumachen.

Man ist nicht mehr auf Spekulationen aufgrund geschichtlicher oder interessenlogischer Zusammenhänge angewiesen.

Wenn der Islam sich dagegen wehren will, wird er natürlich erst einmal Bilanz ziehen müssen.

Vielleicht geht einigen Ländern dann auf, daß die Golfkrieg-Koalition gegen den Iraq ein Fehler war. (15.1.93)

1993-01-17:

Wenn wir die "Anti-Hitler-Koalition" als das verstehen, was sie ist, können wir sie auch bei ihrem richtigen Namen nennen: Anti-Deutschland-Koalition.

Warum schließen Deutschlands Feinde nicht Frieden mit uns? Als einzige ehemalige "Achsenmacht" ist Deutschland ohne Friedensvertrag.

Warum werden die Artikel 53 und 107 ("Feindstaatenklauseln") der UNO-Satzung nicht endlich aufgehoben? Darauf bezogen, ist Deutschland ohne internationalen Schutz gegen eventuelle Interventionen seiner Weltkriegsgegner.

US-Raketenangriff auf Bagdad.

Nuclear-Anlage getroffen, heißt es zunächst.

Es war jedoch eine Werkzeugmaschinenfabrik.

Wer provoziert wen?

Das Geschick des Westens, einen gewollten Krieg nicht selber anzufangen, ist bekannt.

Wer auf eine Welt von Mitspielern zurückgreifen kann, hat es leicht, einen "Feind" zu isolieren und weitere Züge vorzubereiten, ob in Europa oder Nahost oder anderswo.

Die Ausschließung eines Landes durch nachhaltige "schwarze Propaganda" hat ihre eigene Geschichte.

Wer vom Westen systematisch diffamiert wird, muß mit Krieg rechnen. (17.1.93)

1993-03-23:

Was seit 1945 als überholt, vergangen und erledigt gelten (oder zumindest so erscheinen) mochte, ist mit der Wiedervereinigung wieder aktuell geworden.

Die deutsche Geschichte holt uns inzwischen ein und stellt die alten Fragen auf scheinbar neue Weise.

Saddam Hussein ist mit Hitler verglichen worden.

Die Dämonisierung Hitlers und seines Dritten Reiches ist auch an mir nicht vorübergegangen.

Die Kriminalisierung ist auch mein Werk, wenn auch nur mit einem eher privaten Anteil.

Dämonisierung und Kriminalisierung Hitlers schlossen Deutschland und die Deutschen mit ein, so daß jede gegen sie gerichtete politische, psychologische, kriegerische oder terroristische Maßnahme aller Welt plausibel und gerecht erscheinen mußte.

Der Versuch, Deutschland zu rehabilitieren, impliziert, umgekehrt, eine Konsequenz von hoher Brisanz.

Wer wagt es?

Wenn vormals von einem "geprüften Torahwissen" die Rede gewesen ist, so müssen wir jetzt uns mit der Vorstellung von einer Überprufung unserer Geschichtskenntnisse vertraut machen.

Damit verbindet sich eine sehr heikle psychologische Problematik.

Die Instanzen, die wir bei einer Überprufung zu Rate ziehen können, sind nämlich präsent.

Sie sind genauso präsent wie unsere Irrtümer, Vorurteile, die sich allesamt auf Unwissen gegründet haben.

Ihre Korrektur wäre ohne weiteres möglich gewesen.

Was jetzt möglich ist, nämlich eine parallele Geschichtsschreibung zur Kenntnis zu nehmen, ist ununterbrochen seit hundert Jahren möglich gewesen.

Nur hat es nach 1945 an der Bereitschaft gefehlt.

Die Revision des Geschichtsbildes ist von zwei grundlegenden Voraussetzungen abhängig.

Es muß eine gründliche und wahrheitsgetreue Quellenforschung betrieben werden.

Das wäre die erste und gleichsam objektive Bedingung.

Und sie ist zweifellos als schon sehr weitgehend erfolgt anzusehen.

Deutsche, aber vor allem ausländische - amerikanische, britische, kanadische, französische und auch russische - Experten, Zeitgeschichtler, Juristen, Naturwissenschaftler haben gute Arbeit geleistet, auf die nur zurückgegriffen werden muß.

Dies wäre also die zweite Voraussetzung.

Doch nun erleben wir - in Deutschland! - das gleiche wie bereits beim Gegenstand ihrer Forschung:

Dieser besondere - nämlich revisionistische - Zweig der Geschichtswissenschaft ist kriminalisiert, dämonisiert und auf vielfache Weise verleumdet worden.

"Der Wahrheit verpflichtet" - mein Motto als Maßstab für jedes Schreiben - ist heute das ausdrückliche Markenzeichen eines Verlages, der sich auf besagtem Felde verdient gemacht hat ("Revisionismus bei Grabert").

Also ein "rechter" Verlag, der aus diesem schlichten Grunde mit seinen seriösen und notwendigen Publikationen mitunter massivem öffentlichen Druck ausgesetzt ist.

Verlag und Verleger, Wigbert Grabert, stehen seit 1990 regelmäßig in den Verfassungsschutzberichten.

Der publizistische Versuch, Deutschland von der Kriegsschuld begründet zu entlasten, was doch eigentlich das Anliegen einer jeden deutschen Einrichtung, Behörde, Zeitung usw. sein müßte, verstößt demnach gegen die deutsche (!) Verfassung.

Das kann doch nicht wahr sein!

Die besagte Rehabilitierung kann m.E. nur von "links" angegangen und glaubhaft besorgt werden.

Die Auseinandersetzung mit dem Nachkriegsneutralismus bedarf nach der deutschen Teilvereinigung einer besonderen Erklärung und Bestätigung.

Die nationale Rechte hat mit diesem Neutralismus ihren Grundfehler begangen.

Erst jetzt, da diese Frage so nicht mehr gestellt ist, entfällt ihre gefährliche Brisanz.

Und es entfällt der Verdacht, der sich jederzeit damit verbinden konnte und aus Gründen der Sicherheit auch damit verbinden mußte.

Die Geschichte hat inzwischen die Richtigkeit der Adenauer/Kohl-Politik bestätigt.

Der Neutralismus, der doch ursprünglich die nationale Einheit retten wollte, lief - in seinen ganzen ostpolitischen Konsequenzen - zuletzt darauf hinaus, die Teilung des Landes-Torsos (!) per Anerkennung der "DDR" unumkehrbar zu machen.

Hingegen wäre ein schwaches Gesamtdeutschland zwischen den Blöcken - und man muß sich ja ein solches neutrales Deutschland zwischen zwei Blöcken vorstellen, die sich weiterhin gegen Deutschland einig geblieben wären - hoffnungslos in seinem ganzen Nachkriegselend versunken.

Die Teilung des Landes war eine historische Chance, die von Adenauer sofort wahrgenonmen wurde, wie schließlich die wohl einmalige Gelegenheit der Vereinigung mit der "DDR" von Helmut Kohl im richtigen Augenblick beim Schopfe gepackt worden ist.

Wir haben im Zeitraum seit 1945 bei zwei glücklichen Gelegenheiten zwei Kanzlerglücksfälle zur Verfügung gehabt.

Adenauers "Politik der Stärke" bei gleichzeitiger Integration in den Westen war die realistische Voraussetzung für die weitere Entwicklung.

Die grundsätzliche Fehleinschätzung der Adenauer/Kohl-Politik durch die nationale Rechte führe ich auf deren Antikatholizismus zurück, der sich hierbei als ein äußerst hinderliches Vorurteil erwiesen hat.

Auf einmal waren die "Separatisten" die nationalen Einiger, während die Adenauer- und Kohl-Gegner auf breiter Front der Zwei-Staaten-Theorie verfallen waren.

Verleumdung, Dämonisierung und Kriminalisierung benutzten auch die Rechten als Kampfmittel gegen "Lizenzparteien", "Systempolitiker", "Ultramontane", "Zionisten" und "Freimaurer".

Der Kulturkrieg gegen die Katholische Kirche, soweit er von rechts geführt, bleibt uns eine Erklärung dafür schuldig, wie denn - historisch betrachtet - die Reichsidee von den "Ultramontanen" getrennt werden soll.

Wenn die nationale Rechte, geschichtsrevisionistische Verleger und Autoren sich um die Klärung historischer Grundfragen unseres Jahrhunderts verdient gemacht haben, so bleibt ein Defizit hinsichtlich ihrer historischen und politischen Einschätzung des Christentums resp. Katholizismus. (23.3.93)

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kuckuck
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situation
analyse
Frühjahr 1994

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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