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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1991-09-08
bis
1992-08-30
1992-08-07:
Der Völkermord in Bosnien ist ein Fokus, in dem sich ein allgemeinerer Krieg gegen den Islam sammelt.
Der großserbische Chauvinismus ist nur eine Gelegenheit, auf diesem Wege einen Schritt weiterzukommen.
Tatsächlich reiht sich die "Bundesrepublik Jugoslawien" (aus Serbien und Montenegro) ein in die Staatengemeinschaft der antiislamischen Diktaturen, Monarchien, Formaldemokratien.
Rund ums Mittelmeer haben sie sich etabliert.
Von Marokko über Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien, Iraq, Syrien bis zur Türkei haben wir es mit solchen Staaten zu tun, in denen der "Islamische Fundamentalismus" unterdrückt, seine Anhänger verfolgt, in Lager gesperrt, gefoltert und ausgerottet werden.
Diese (islamischen) Staaten sind des Westens Kollaborateure und Quislinge.
Serbien gesellt sich jetzt zu ihnen.
Die Internierung, Folterung und Ermordung jener moslemischen Männer, derer die Serben habhaft werden konnten, ist neben der "ethnischen Säuberung", also der systematischen Vertreibung und Ausrottung der nichtserbischen Bevölkerung aus Bosnien-Herzegowina und Teilen Kroatiens, ein gutes Beispiel für das Dilemma zwischen Moral und politischem Interesse, in das der Westen geraten ist.
Die Todeslager für die Moslems, die Ausrottung und Vertreibung, der ganze Mordterror kann unter den Augen der "erschrockenen" und "empörten" Welt geschehen, ohne auf ernstzunehmenden Widerstand zu stoßen, weil Serbien mit seinen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dieser Welt lediglich vorexerziert, was den islamischen Völkern insgesamt noch blüht.
Es läßt sich bereits voraussehen, daß der Westen in dem Moment militärisch eingreifen wird, da islamische Staaten, in denen es sich schon rührt, den bedrängten Moslems helfen wollen.
Bei der Behandlung der Antagonismen ist zu bedenken, daß wir es nicht mit einem Krieg des christlichen Europa gegen die islamische Welt zu tun haben.
Ein solches christliches Europa gibt es gar nicht mehr.
Im Gegenteil.
Das Christentum wird sich letztlich mit dem Islam verbünden müssen - gegen eine atheistische, nihilistisch-ökofaschistische Welt.
Der Papst hat bereits zu erkennen gegeben, daß er die Lage ähnlich beurteilt.
Während aus Israel bisher außer einer Zeitungsmeldung keine Stimme gegen den Völkermord in Bosnien zu vernehmen ist, meldet sich gestern der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem zu Wort.
Er fordert die Juden "Jugoslawiens" auf, er spricht von 5.000, das Land jetzt zu verlassen und nicht abzuwarten, bis vielleicht militärische Helfer sie da herausholen müßten.
Wie ist das zu verstehen?
Die Aufforderung erfolgt, nachdem der bosnische Ministerpräsident (oder Präsident) in den islamischen Ländern herumreist und dort um militärische Hilfe bittet.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist eben eine westliche Intervention durchaus vorgesehen, nur eben nicht für die Moslems, sondern gegen sie.
Für die Sorge des Oberrabbiners sind vier Beweggründe denkbar.
1. Die Lage wird generell immer gefährlicher, bringt euch also in Sicherheit.
2. Die Serben könnten sich auch an euch vergreifen, geht also rechtzeitig weg.
3. Wenn die Moslems rüsten und die Serben zurückdrängen, könnten sie euch Juden als besondere Feinde (siehe Nahost) behandeln.
4. Serbiens Juden haben selbst Anteil an der Politik Belgrads.
In "Jugoslawien" (Serbien) ist noch immer ein kommunistisches Regime an der Macht.
Wir wissen, daß in Rußland viele Juden in Bedrängnis gerieten, nicht weil sie Juden sind, sondern weil sie zur herrschenden Kaste des Sowjetregimes gehörten.
Der britische Rabbiner hat sich für einen militärischen Einsatz gegen Serbien bzw. in Bosnien ausgesprochen.
Das ist die Ausnahme.
Es kann sich aber auch ins Gesamtbild fügen, wo der Westen jetzt auf die mobiler werdende islamische Welt reagieren will oder muß.
Es fällt doch auf, daß das Morden einfach so weitergehen konnte.
Die Verbrechen sind seit über einem Jahr bekannt.
Nachdem nun die Lager-Bilder mit den internierten Moslems um die Welt gehen und also mit islamischen Gegenmaßnahmen gerechnet werden muß, jetzt endlich will sich auch der Westen militärisch - der eine mehr, der andere weniger, aber eben doch - einschalten.
Es trifft sich dann gut, wenn westliche Soldaten mit Hisbollah-Kämpfern zusammenstoßen.
Gegen sie nämlich wird ein westlicher Militäreinsatz "logisch".
Wenn unter diesen Umständen die Türkei sich nicht bald aus ihren westlichen Ketten befreit, kann die Sache sehr, sehr ernst werden.
Aus der Türkei kommen regelmäßig Vorwürfe gegen Deutschland, gegen Europa.
Europa solle sich schämen, daß es zusieht, wenn in Bosnien gemetzelt wird.
Die mitunter schrillen Töne des NATO-Partners sind drauf zurückzuführen, daß die Türkei selbst in Zugzwang gerät, wenn nicht bald etwas geschieht.
Der Druck kommt vom Islam, der sich unterhalb der Regierungsebene und der offiziellen Türkei politisch und militant im Volke organisiert hat.
Es ist schon gesagt worden, daß Europa in Bosnien sich so still verhalte, weil es einen islamischen Staat auf europäischem Boden sowieso nicht zulassen werde.
Es könnte in dieser Angelegenheit ein türkisches Einverständnis geben.
Alle islamischen Staaten, deren Regierungen sich als antiislamische Kollaborateure des "Westens" hervorgetan haben, stehen vor dem gleichen Dilemma wie die Türkei.
Der westliche Krieg und der Nachkriegsdruck auf den Iraq bringen auch diesen in eine Doppelrolle.
Einerseits ist Saddam ein antiislamischer (antischiitischer) Vortruppführer des Westens, andererseits ist er ein machtbewußter Araber, der sich auf sein Volk stützen kann, wenn er keine Fehler macht.
Da das Volk mit Sicherheit das Gemetzel auf dem Balkan richtig verstehen wird, muß Iraqs Führung sich "islamisieren".
Es ist durchaus denkbar, daß Saddam Hussein just in dem Moment stürzt, da er eben dies versuchen will.
Der arabische Nationalismus ist spezifisch antiislamisch.
Der westlich-islamische Konflikt hat sich in die "islamischen"/antiislamischen Nationalstaaten hineinverlagert.
Was dort als ein "Bürgerkrieg" erscheint, ist in Wahrheit der importierte Krieg des Westens gegen den Islam.
Es kann nicht oft genug gesagt werden:
Der Westen führt diesen Krieg nicht als "Christentum".
Die Religion des Westens wie der gesamten "modernen" Welt ist der ökologische Nihilismus, ein purer Ökofaschismus.
Weltanschaulich haben wir es also mit einem ökofaschistischen Krieg gegen den Islam und seine monotheistische Überlieferung zu tun.
Die prekäre Bündnislage bringt endlich ans Licht, daß der Islam heute die einzige Religion ist, die jene historisch tradierten Wertvorstellungen vertritt und für sie kämpft, auf die einst Europa sich gründete.
Eine Zivilisation, die ihre geistigen Ursprünge verrät, bereitet sich den Untergang.
Diese tieferen Zusammenhänge sind geschichtlich verhüllt; denn was fallen soll, wird blind sein, während es fällt.
Der gezielte Artillerieangriff auf das UN-Hauptquartier in Sarajevo soll von moslemischen Truppen ausgegangen sein.
Man habe die Einschußwinkel gemessen und sei zu diesem Ergebnis gekommen.
Ich halte das für glaubhaft.
Die moslemische Seite kann an dieser Art von UN-Hilfe nicht interessiert sein.
Außerdem heißt es heute, daß die moslemischen Truppen mittlerweile über schwere Waffen verfügen, die vermutlich "über dunkle Wege" aus den islamischen Ländern hereingebracht worden seien.
Der Iran fordert die Bildung gemeinsamer islamischer Verbände zur Beendigung der Massaker an der moslemischen Bevölkerung in Bosnien, wenn die UNO nichts dagegen unternimmt.
Liefern Sudan und Iran Waffen an "islamische Extremisten" in Ägypten? Ein ägyptischer Regierungsvertreter machte solche Angaben. (7.8.92)
1992-08-21:
Die kommunistische/sozialistische Konterrevolution läßt sich mittlerweile auf mehreren "Feldern" ausmachen.
Da ist das Verwirrspiel um das Grundgesetz: Die Position der Bundesrepublik soll geschwächt werden bzw. schwach bleiben (Militärpolitik, Asylpolitik).
Der Aufbau Ost soll nicht gelingen.
Die Bundesrepublik West soll beunruhigt, destabilisiert werden: Hetze gegen die eigene Bevölkerung (rechtsradikale Tendenzen, Ausländerfeindlichkeit).
Stimmungmache in Presse und Fernsehen. Abtreibungspolitik. Gesundheitspolitik (Aids).
Verleumdung der "normalen" Bevölkerung. Verallgemeinerung und sensationelle Privilegierung "gesellschaftlicher Randgruppen" (Homosexualität).
Friedens- und Umweltbewegung bevorzugt Aktionen, die von politischen Dringlichkeiten (Balkankrieg, organisierte Kriminalität etc.) ablenken.
Der propagandistische Effekt solcher Aktionen hat Symptomwert und läßt sich also als Indiz (hypothetisch) verwenden.
Es geht nicht um eine prinzipielle Auseinandersetzung mit dem Ökofaschismus (o.ä.).
Dieser Prozeß ist abgeschlossen. Die Fronten sind geklärt.
Aktuell sind Recherchen und Aufdeckungen notwendig. Strategie und Taktik des Feindes lassen sich an ihren praktischen Äußerungen ablesen. Dies ist zu tun.
Eine deutsch/europäisch-islamische Allianz ist als umfassende Strategiefigur gegen den Ökofaschismus und die sozialistische Konterrevolution hypothetisch durchzuspielen.
Der Islam ist ein Instrument gegen die nihilistisch-ökofaschistische Weltanschauung (im Innern) und gegen den atheistischen Kommunismus/Sozialismus (von außen).
Der Islam ist also ein innen- und außenpolitisches Orientierungsinstrument gleichermaßen.
Europa hat eine Chance, sich diesem Kampf anzuschließen, indem es sich auch prinzipiell wandelt.
Es braucht sich eigentlich nur auf seine Traditionen zu besinnen. Der Katholizismus mit seiner Kirche ist ein denkbarer Bündnispartner.
Ob das europäische Kirchenvolk bereit ist, diesen Weg mitzugehen, ist nicht ganz klar. Viel hängt vom allgemeinen Klima ab, von der Stimmung, die über die Medien verbreitet oder anempfohlen wird.
Eine psycho-mentale Stabilisierung der Bürger würde das Instrument Medien zumindest neutralisieren.
Wichtig ist in der Tat, daß die Menschen die Propagandaapparate abschalten und auf der Basis eigener Erfahrung nach Prinzipien der Vernunft zu denken beginnen bzw. ungestört fortfahren.
Der Krieg hat längst begonnen. Die Frontlinie wird von Tag zu Tag deutlicher. Jetzt sammeln sich die Truppen.
Der sozialistische und ökofaschistische Defaitismus wird zum Landesverrat, wo wir unser Leben verteidigen und künftigen Kriegen vorbeugen müssen.
Sicherheitspolitik verlangt jetzt Priorität.
Um sie durchzusetzen, brauchen wir eine handlungsfähige Regierung.
Eine handlungsfähige Regierung erhalten wir nicht mit dem derzeit gültigen Wahlrecht.
Ein souveränes Land braucht ein klares Mehrheitswahlrecht - wie die USA und Großbritannien.
Erst damit läßt sich die Souveränität des Landes auch politisch umsetzen.
Die euro-islamische Strategie beruht auf der Einsicht, daß eine "christliche Allianz" gegen den Islam, wie sie das Gorbatschow-Modell Europäisches Haus und Bush's Commonwealth of free Nations implizieren, aus einem ganzen Bündel von Gründen falsch ist.
Die "christliche Allianz" bindet - theoretisch - katholische, protestantische und orthodoxe Christen zusammen.
Als Bindemittel dient der "Hauptfeind" Islam ("Fundamentalismus").
Der protestantische "Allianz"-Partner ist aber kaum noch als christlich anzusprechen, hat sich vielmehr schon ökofaschistisch und atheistisch zersetzt.
Der historische Konflikt zwischen "Rom" und "Byzanz" ist keineswegs ausgestanden, während die katholisch-islamischen Gegensätze politisch an der Oberfläche bleiben.
Die überlegene römisch-katholische Theologie hat ihre Arme ausgebreitet für eine intensive Verständigung mit dem Islam.
Im Vatikan wird nämlich wirklich Grundsatzpolitik gemacht.
Die Orthodoxen Kirchen sind noch lange nicht so weit, sich auf solche Diskussionen einzulassen.
Das hat nicht nur theologische Gründe.
Der serbische Krieg gegen die katholischen Kroaten und die bosnischen Moslems hat eine Todfeindschaft ans Licht gebracht, die wir als einen wichtigen historischen Faktor berücksichtigen müssen.
Ein katholischer Christ kann mit diesen "orthodoxen" Hassern kein "christliches" Bündnis gegen den Islam eingehen.
Im Gegenteil: Die finstere serbische Völkermord- und Vertreibungspolitik ist eine schreckliche Herausforderung für das christliche Abendland und den Islam gleichermaßen.
Der Vatikan hat Bosnien-Herzegowina als souveränen Staat anerkannt und will in Sarajevo eine Botschaft eröffnen. Das ist ein Signal.
In dem aufgezeigten Szenario findet eine jüdische Position bisher keinen Platz.
Es ist auch unklar, wie von jüdischer oder israelischer Seite der Balkankrieg überhaupt eingeschätzt wird.
In manchen Kreisen mag sich die Ambivalenz verstärken.
Zwischen dem antideutschen Freund Serbien und dem Völkermörder Serbien zu unterscheiden, wird nicht immer leicht sein, so daß da und dort auch Rechtfertigungs- und Verharmlosungsideologien dem werden abhelfen müssen.
Hinzukommt, daß Serbien gegen Moslems Krieg führt, die auch Feinde Israels sind.
Man kann sich nicht immer seine Partner aussuchen.
Serbien und Israel sitzen "irgendwie" in einem Boot.
Der jüdische Standpunkt müßte allerdings auch die antisemitischen Signale aus den christ-orthodoxen Ländern bedenken.
Aller Voraussicht nach wird sich Israel ebenso wie das religiöse Judentum individuell und von Fall zu Fall so oder so entscheiden.
An eine jüdisch-islamische Verteidigung des Monotheismus ist ohnehin nicht zu denken.
Die jüdische Sicht ist ethnozentrisch und läßt sich nur schwer prinzipiell kategorisieren.
Die Unbedingtheit biblischer Überlieferung hinterläßt in der praktischen Politik heute kaum Spuren.
Anders Papst Johannes Paul II., der sich in allen essentiellen Fragen der Gegenwart mit Nachdruck immer wieder zu Wort gemeldet hat.
Der Haß, den dieser Papst auf sich zieht, ist nur noch vergleichbar dem Haß, den der islamische "Fundamentalismus" erntet.
Es sind die gleichen Feinde, die sich auf die katholische und die islamische Grundsatztreue eingeschossen haben.
Eine katholisch-islamische Allianz in diesem Krieg, der mehr und mehr heilige Züge annimmt, ist in vielerlei Hinsicht geboten.
Das Interesse an einer konsequenten Fortsetzung der vatikanischen Politik unter Johannes Paul II., diesem historischen Glücksfall von Papst, läßt an den richtigen Nachfolger denken.
Ein "jüdischer" Papst, Familie aus Polen, geboren in Paris, Jude und Franzose, mit neunzehn Jahren zum Katholizismus übergetreten, heute Kardinal und Erzbischof von Paris, Jean-Marie Lustiger, erfahren und weltoffen wie Johannes Paul II., wäre, denke ich, ein würdiger Erbe des heiligen Amtes.
Mit ihm würde die Politik der Kirche noch einen besonderen Akzent erhalten. (21.8.92)
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Herbst 1992
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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