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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1991-09-08
bis
1992-08-30

Undisziplinierte Überlegungen
zu einer euro-islamischen Strategie

Chronik in 10 Fragmenten (4)

1991-12-15:

Es ist eben festzuhalten, daß oft Richtiges nur gilt, wenn die Voraussetzungen für seine Anwendung gegeben sind.

So ist es richtig, die Dinge in Schwung zu bringen, die Infrastruktur auszubauen; aber was hat das mit mir zu tun, wenn ich weder über Mittel noch über Beziehungen oder irgendwelche Anknüpfungspunkte verfüge, über die ich mich einschalten könnte.

Ich erinnere mich, daß ich zur Mystik ein ambivalentes Verhältnis habe, auch artikuliert habe.

Mir fiel auf, daß Zeitalter der Aufklärung und der Wissenschaft stets mit großen Imperien einhergingen.

Alexander der Große, Saladin, Kaiser Friedrich, Napoleon haben viel für Forschung und Wissenschaft getan.

Die Eroberung von Ländern bringt ihr Erforschen ohnehin mit sich.

Die Expansion von Weltreichen oder zu Weltreichen erwähnen wir seit je als Zeiten des Aufschwungs, des Wohlstands usw., und Wissenschaft ist immer damit verbunden gewesen.

Aber was hat das mit mir zu tun? Wenn ich jenes Denken aufnehme, so denke ich, wie Herrschende denken, wie Verfügungsgewaltige denken müssen.

Ich denke mich in deren Rolle hinein, versetze mich an ihre Plätze, vergesse jedoch dabei, wer und was ich bin bzw. nicht bin.

Ich denke und lebe in einer mir nicht angemessenen Bewußtseinswelt.

Aber daneben oder darunter gab es zu allen Zeiten Denkströmungen - und Denkqualitäten -, die von vornherein einen ganz anderen Sinn hatten.

Da ging es nicht mehr um Welteroberungen, nicht um die Aufklärung anderer Menschen, um sie letztlich zu beherrschen.

Hier richteten sich Beherrschte und Ohnmächtige ein und warteten ihre oder überhaupt die Zeit ab.

Da bildeten sich im Verlauf der Geschichte in den verschiedenen Kulturkreisen Bünde, Sekten, mehr oder weniger geheime Gesellschaften.

Ihnen zugrunde lag immer wieder der Versuch, am öffentlichen und offiziellen Denken und Werten vorbei Wahrheiten zu finden, mit denen man sich identifizieren konnte.

Die Vereins- und Sektenbildungen brachten es mit sich, daß zugleich partielle gesellschaftliche Interessen damit verbunden wurden.

Aus dem Denken wurde schließlich eine gemeinschaftliche List, mit dem Ziel, Macht zu erlangen.

Der ursprüngliche Gedanke ging damit allerdings verloren.

Hier ist zu fragen, ob in diesem Denken eine objektivierbare Wahrheit sich verbarg.

Wir wissen längst, daß dies so ist.

Mystischem Denken verdanken wir viel von dem, was später als Aufklärung gesellschaftsfähig wurde.

Mystik als Denken ins Okkulte, nämlich Verborgene und Verdeckte ist, wo sie seriös bleibt, selbst ein aufhellendes Denken, ein Klären und Offenbarmachen.

Nur wer nicht versteht, redet weiter von Mystikern als von Dunkelmännern, die die Wahrheit verhüllen wollen.

Nun gibt es ja Dunkelmänner genug, die sich für Mystiker halten, und es ist letztlich das Kriterium der Überprüfbarkeit durch Intelligenz, an dem sich die Geister oder Ungeister scheiden.

Ein allgemeiner Mangel an Geist und Verstand, die gewöhnliche Abwesenheit von intelligenter Phantasie, bringt mehr zu Bruch als nur die Mystik.

Die existentielle Motivation und wahrscheinlich eine individuelle Anlage setzen dem allgemeinen und offiziellen, dem gesellschaftlich anerkannten und selbstverständlichen Denken, Verstehen und Auffassen eine andere Qualität, wie eine Monade, die erst noch werden soll, entgegen.

Hier steht nicht Pol gegen Pol, sondern die Spitze des Kegels oder die Tülle des Trichters in ihrer innigsten Konzentration dem großen, ganzen Rauminhalt entgegen.

Und das Bild vom Trichter kommt nicht von ungefähr.

Gott atmet seine Schöpfung wieder ein. Gott holt seine Schöpfung zurück.

Weltraumforschung und Makrophysik sprechen von Schwarzen Löchern, in denen sich das Einsteinsche Energiegesetz verwirklicht bzw. bestätigt sehen darf.

Wenn es nicht eine Projektion wissenschaftlicher Theorien, sondern eine reale Entdeckung ist, so haben wir mit den Schwarzen Löchern ein Phänomen vor uns, das sich als höchste Konzentration des Seins oder des Seienden, nämlich der Materie, und als Nichts zugleich, weil aufgrund seiner Eigenheit nicht wahrnehmbar, definieren läßt.

Wenn Gott seine Schöpfung zurückholt, wenn uns der Himmel mit all seinen Sternen wieder näher kommt, dann geschieht mit dieser Schöpfung, daß sie sich bzw. Gott sie wieder auf den Punkt bringt, zu höchster Verdichtung und denkbar Kleinstem.

Gott sammelt alle Energien ein.

Indem er seine Schöpfung zurückholt, verwandelt er die "Dinge" allesamt in Energie zurück.

Ein neuer Schöpfungsakt wird damit vorbereitet.

Gott schuf also nicht aus dem "Nichts".

Er schuf aus dem höchsten Konzentrat, der denkbar größten Dichte, die sich unseren Sinnen und selbst unserm Denken entzog, so daß wir glauben durften, es werde alles und sei alles geworden aus dem Nichts.

Nun sind das ohnehin alles nur Worte, die uns dazu einfallen können; aber ich glaube doch, daß sich hier etwas verstehen läßt, was für uns, und zwar aktuell, in dieser Zeit, wesentlich ist.

Am Tageshimmel (zwölf vor zwei am frühen Nachmittag) der halbe zunehmende Mond im Osten.

Das ist eigentlich mein Schabat, nämlich die genaue Grenze zwischen zwei Wochen.

An diesem Zeitschnitt also meine hiesigen Gedanken.

Der "Faktor Zeit".

Die Zeit als Schöpfer, als Urheber.

Der rhythmische Wechsel in sonst scheinbar gradlinigen Verläufen ist eben oft auf unerkannte oder einfach unbedachte Kreisbewegungen zurückzuführen.

Was wir als Zeit empfinden, beruht ja zunächst auf dem regelmäßigen Wechsel, einer beständigen Wiederkehr des Bekannten und Gleichen.

Zeit verdanken wir der Drehung und Wanderung unserer Erde, der Wanderung des Mondes und so fort.

In der Überschneidung verschiedener Umdrehungen und Wanderungen, in den Bewegungsrelationen der Gestirne zueinander, den Lichtdifferenzen von Tag und Nacht, erkennen wir (oder glauben wir zu erkennen), daß die Kreisläufe unterbrochen werden (oder würden), wir erleben einen Rhythmus, der aus nichts anderem als dem Charakter der Zyklen, der je individuell bewegten Vielfalt am Himmel resultiert.

Kein Planet gleicht dem anderen. In dieser Erkenntnis treffen Philosophie und moderne Weltraumforschung zusammen. (15.12.91)

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Herbst 1992

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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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