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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1996-00-00
Das "absolute Böse" bei Oberlercher ist das Natur-Gesetz.
Der Gott vom Sinai ist der Gesetzgeber.
Seine Lehre für den Kriegsfall lautet: Töte, oder du wirst getötet.
Jede natürliche Regel, die wir als Gesetz begreifen, hat, wenn wir dagegen verstoßen, "Strafe" zur Folge.
Ich reiße das Kind mit Gewalt vom offenen Fenster zurück, um es vor dem tödlichen Absturz zu bewahren, kleide dies in die Lehre, du mußt sterben, wenn du ungehorsam bist.
Wenn du dich zu weit hinauswagst und vom Fensterrand stürzest, wäre die Erklärung, aber die gibt dieser Gott nicht.
Wir sollen seine Ordnung studieren, sollen verstehen lernen.
Er fordert unsere Intelligenz heraus.
In der Erinnerung des Kleinkinds ist mein gewaltsamer Rettungsakt "das erfahrene Böse"...
"Das Böseste" aber sind meine Worte.
Der Gott vom Sinai ist der Herr der Heerscharen, der Gott des Krieges.
Im Christentum verdünnt er sich zum Herrn der "himmlischen Heerscharen" beflügelter Friedensengel.
Er ist dies und alles andere auch, der Zerstörer, der Schöpfergott, der Strafende, Liebende, Barmherzige.
Der Eine Gott ist zuständig fürs Grobe und fürs Feine.
Er ist kein Moralist.
Die Moral wächst auf geschichtlichem Boden, wo die Menschen "den bösen Befehl" nicht befolgen und dafür ihre Bestrafung riskieren.
Die Bibel nennt Beispiele von Abraham bis Saul; es ist ihre pädagogische Seite, ihr läuternder Anteil.
Sie schaffen das Gesetz nicht ab.
Verzeihen und Milde walten lassen, es ereignet sich neben dem Gesetz.
Der Löwe hat kein Mitleid mit dem Zebra, Oberlercher hat keins mit dem Tier, dessen Fleisch er verzehrt, mit dem Gemüse, dem Obst, das er ißt, keins mit den nomadischen Mittlern des "absoluten Bösen".
Gottes natürliche Ordnung ist nicht das, was unser Leben als eine sittliche Schöpfung erscheinen läßt.
Die Wahrheit des biblischen Gottes macht uns nichts vor.
Die Ehrlichkeit und Offenheit der Torah kennt keine Grenzen.
Eine - überall sonst übliche - Zensur hätte "das Böse" aus den Berichten heraushalten können.
Wir erzählten uns eine Erbauungsgeschichte.
Es wäre aber nicht die Wahrheit, nicht die ganze und nicht die halbe.
Es wäre eine fast vollkommene Lüge.
Das christliche Gottesverständnis eliminiert das Böse vom Allmächtigen, erlöst uns vom Übel der Gesetzesschuld, als wäre damit das Böse nun aus der - christlichen - Welt geschafft.
Das Böse, das dennoch bleibt, überläßt es den Juden, so als hätten sie es erfunden...
Das christliche Gottesverständnis lebt von dieser Projektion.
Man braucht also nur noch die Juden abzuschaffen, um "das Böse" endgültig aus der Welt zu haben.
Die heidnischen Antisemiten/Antijudaisten zehren von dieser ursprünglich christlichen - "frohen" - Erlösungsbotschaft.
Auch hier nichts Neues unter der Sonne.
Der Geist kann sich nur zum eigenen Schaden vom Gesetz lossagen.
So will es nun mal das Gesetz.
online-Fassung
kuckuck
feder 7
II. quartal 1996
30. Mai 1996
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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