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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Buchausgabe:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 9. Revisionismus-Kritik exklusiv I
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1996-00-00

Horst Lummert

Siegeszüge des Kleinkarierten

oder

Der Tellerrand als Horizont

Soldaten sind Mörder, das kann ich sagen, das ist erlaubt, wenn auch nur, weil es Tucholsky gesagt hat.

Tucholsky hat aber auch anderes gesagt, etwa, daß er die Polen am liebsten vergasen würde.*

* Vgl. kkk-feder 7, S.12 (Die Satire darf alles. Mich interessieren ihre Grenzen) und S.17 (Dänische Felder) - kkk

Wäre das nun auch erlaubt nach der Sinngebung durch das Bundesverfassungsgericht?

Wenn Tucholsky oder irgendein anderer Dichter als Maßstab herangezogen werden kann, weil Erdichtetes hierzulande einen besonderen Schutz genießt, dann ist der offene Antisemitismus erlaubt, denn die deutsche Literatur ist voll davon, man muß nur ein paar Zeitläufte zurückgehen.

Es bräuchte also nur ein deutscher Dichter den NS-Staat oder Auschwitz zum Gesamtkunstwerk zu erheben, schon wären wir aus dem Schneider.

So was hatten wir ja auch schon.

Ich meine, auch das Filmwunder Riefenstahl ist längst nicht erloschen.

Und Zwerenz, Faßbinder, Syberberg oder Sobol, Grass...

Dichter dürfen, in Wort und Bild, sich über das Grauen, über Mord und Folter sogar lustig machen, Geschichte verdrehen, das ist eben die Kunst!

Kunst darf nun einmal alles, siedelt jenseits von Gut und Böse.

Soldaten sind Mörder, das ist Dichterwort, und damit hat es sich.

Aber der Bundespräsident differenziert neuerdings.

Soldaten der Bundeswehr sind Mörder, das dürfe man schon nicht mehr sagen, das sei denn doch strafbar.

Die Soldaten der Wehrmacht als Mörder zu bezeichnen, ist mittlerweile sowieso gang und gäbe, ja, political correctness macht die Behauptung, Soldaten der Wehrmacht sind keine Mörder, mit Sicherheit zu einer strafbaren Äußerung.

Wo sind also die Maßstäbe?

Dichtung, na gut, wenn der Dichter nicht ausdrücklich ein Nazi war.

In diesem Falle wäre sogar strafbar, was sonst nicht strafbar ist.

Das ist nicht nur eine Frage der politischen Auslegung.

Die Gleichheit vor dem Gesetz gilt nicht für jeden.

Dieser Widerspruch in sich bedingt die Existenz der Bundesrepublik Deutschland.

Es gibt den Unterschied zwischen dem "Völkerrechtssubjekt" BRD und dem Völkerrechtsobjekt deutsches Volk.

Die BRD ist quasi ein Vasall der Anti-Deutschland-Koalition aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die Feindstaatenklauseln der UNO-Satzung drücken dies aus: Die Vereinten Nationen insgesamt betrachten das deutsche Volk - stellvertretend für den NS-Staat, der seit 1945 nicht mehr existiert - als "den" Feind.

Die Identifizierung der Deutschen mit den Nazis hat das deutsche Volk gewissermaßen für vogelfrei erklärt, als rechtlos und verächtlich.

Das macht sich im Alltag nicht so bemerkbar; doch sobald sich ein Deutscher darüber seine eigenen Gedanken macht, wird's brenzlig für ihn.

Solange Deutschland geteilt war, war das nicht so offensichtlich.

Der notorische Antifaschismus, in Wahrheit immer ein Antideutschismus, hatte offiziell in der DDR sein Zuhause, während nach deren Auffassung die BRD der Hort der alten und neuen Nazis war.

Mit der kleinen Wiedervereinigung hat sich da etwas grundlegend geändert.

Die deutsch-deutsche Teilung wird als Arbeitsteilung fortgesetzt.

Der kapitalistische Westen kümmert sich um das, was er besser versteht, nämlich die Wirtschaft.

Der sozialistische Osten dagegen hat, wie verabredet, die ideologische Ausrichtung - nunmehr aller Deutschen - übernommen.

Denn davon versteht er natürlich viel mehr als der Westen.

Diese - öffentlich nicht ausdrücklich bekannte - Arbeitsteilung zwischen ökonomischer Basis und ideologischem Überbau hat Befremdliches zutage gefördert.

Die Ostler lernen einen Westen kennen, wie er nie war, während die Westler jetzt mit einem Osten verhäkelt werden, dessen Bild sich aus ehemals kommunistischer Propaganda und neuer Realität täglich neu mischt.

Oft werden "die" Ostler mit dem ganzen System in einen großen Topf geworfen, das untergegangene Regime in seiner angeblichen Volksverbundenheit posthum bestätigt.

Es wiederholt sich damit ein Vorgang der frühen Nachkriegszeit, als die Sieger alle Deutschen über den Nazikamm schoren.

Nur mit der Wirklichkeit hatte und hat das sehr wenig zu tun.

Das Volk ist immer ganz anders, als seine Feinde - und Eliten! - es gern hätten.

So kommen die Feinde und Sieger denn auch mit den besiegten Eliten erheblich schneller klar als mit dem Volk.

Die, wie ich sie einschätze, oppositionellen DDR-Dichter von einst - Andreas Röhler und Peter Töpfer - sind soeben vom Sozialismus eingeholt worden.

Dieses Bild sollte man sich einprägen.

Die - aus der westlichen hervorgegangene - gesamtdeutsche Justiz arbeitet heute - wie einst die Justiz der DDR - nach gesetzgeberischen - "politisch korrekten", sprich: ideologischen - Vorgaben.

Es wird nicht mehr unparteiisch und ohne Ansehen der Person geurteilt.

Wer einer bestimmten Kategorie zugeordnet wird, verliert damit das Recht der anderen Bürger.

Insoweit schlägt sich hierin ein Feindstaatenklausel-Denken nieder, das den Zweiten Weltkrieg fortsetzt, indem es den Zustand der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht aufs deutsche Volk überträgt und damit verewigt.

Aus diesem einfachen Grunde darf (ja, muß nicht eigentlich?) der Wehrmachtssoldat als Mörder bezeichnet werden, der BRD-Soldat aber inzwischen nicht mehr so ohne weiteres.

"Bedingungslos" heißt, daß weder der deutsche Soldat des Zweiten Weltkriegs noch die Deutschen insgesamt bedingungslos gleichberechtigt sind.

Beide müssen bestimmte Bedingungen erfüllen, wenn sie an der Völker- und internationalen Soldatengemeinschaft teilhaben wollen.

Sie müssen

a) ihre historische Schuld bekennen und

b) zur anderen Seite überlaufen.

Wer das nach 1945 tat, hatte fortan keine Schwierigkeiten mehr.

Wer sich treu blieb, hat bis heute darunter zu leiden.

Die Umwertung der Werte des Menschen und seines Charakters kann ein Volk umprägen.

Es kommt jetzt nicht mehr auf die - wahrhaftig geglaubten und bezeugten - politischen, historischen, philosophischen Inhalte an, überhaupt nicht mehr auf Substanz, sondern allein noch auf die Hülle, den Schein, die öffentliche Erklärung.

Charakterlosigkeit zeigt sich freilich nicht erst nach dem verlorenen Kriege.

Der Verrat und das Überläufertum scheinen aber dennoch aus der geschichtlichen Folge von Niederlagen zu stammen.

Die Tradition des Verrats machte es gegen Ende des Krieges und danach der Elite nicht allzu schwer, sich schleunigst anzupassen.

Wer sich nicht anpaßte, wurde ausgeschlossen.

Dieser Mechanismus ist aber gewöhnlich ein Kennzeichen totalitärer Staaten.

Der NS-Staat bürgerte aus, der SED-Staat bürgerte aus.

Und neuerdings wird genau in diesem Stile weitergedacht.

Die morgendliche Vor-dem-Aufstehen-Aktion von Staatsanwaltschaft und Polizei gegen die Zeitschrift Sleipnir und den Verlag der Freunde begründet sich mit Buchhinweisen, einem Nachdruck des französischen Anarchisten Serge Thion sowie mit Beiträgen von Reinhold Oberlercher und Germar Rudolf, die in den Heften 2-5 Sleipnir erschienen sind.

In bezug auf Rudolf und Oberlercher zielt das Ausschlußverfahren (!) - nebenbei, ohne besondere Absicht, eher blind - auf zwei politische Publizisten, die selbst - expressis verbis - den Ausschluß von Bürgern planen (!), die sich nicht anpassen können oder wollen.

Sie haben tatsächlich vor, was ihnen jetzt geschieht.

So wird es mir schwer, für sie noch ein gutes Wort einzulegen.

Das tue ich auch nicht.

Mein Wort gilt der Zeitschrift als dem demokratischen Forum, das die offene Diskussion pflog, was (und wie es) freilich nicht erwünscht ist.

Wem nützt der Überraschungscoup am frühen Morgen gegen die Röhlersche Wohnung, auch wenn das Unternehmen, wie Röhler sagt, menschlich korrekt verlaufen sei?

Ja, wem nützt das alles?

Abgesehen vom persönlichen Umgang: die Beschlagnahmeaktion strotzt von Formmängeln, das ist nicht korrekt.

Der erste Beschluß vom 28.8.95 gegen Heft 2 wurde den Herausgebern zunächst gar nicht bekanntgemacht.

Der Beschluß vom 24.10.95 gegen die Hefte 3-5 blieb drei Wochen liegen, um dann Hals über Kopf vollstreckt zu werden.

Für den ersten Beschluß war inzwischen die Frist abgelaufen, jedenfalls wurde er unterm 14.11. um zwei Monate verlängert.

Wann begannen diese zwei Monate, wann enden sie?

Die Beschlußtexte verlieren über Fristen kein Wort.

Zwei Monate seit dem 28.8. waren bereits am 27.10. abgelaufen.

Die Operation gegen Röhler begann am 15.11.(!), morgens um sechs.

Außerdem kann laut Beschluß-Ausfertigung die Beschlagnahme dadurch abgewendet werden, daß der Betroffene den Teil der Schrift, der zur Beschlagnahme Anlaß gibt, von der Vervielfältigung oder der Verbreitung ausschließt (§ 111m Abs.4 StPO).

Dazu war weder Zeit noch Gelegenheit.

Auch die Angemessenheit der Mittel war offensichtlich nicht gewahrt.

Mit der Beschlagnahmeaktion war nichts mehr abzuwenden.

Das letzte Heft - Nummer 5 - war längst ausgeliefert.

Heft 6 ist in Arbeit.

Gegen dieses Heft liegt kein Beschluß vor.

Trotzdem sind die Mittel zu dessen Herstellung eingezogen worden; d.h. hier wird etwas abgewendet, was laut Beschlüssen gar nicht abzuwenden ist.

Die Ausweitung der Beschlagnahme aufs Arbeitsgerät - Computeranlage, Kopierautomat - geht übers Beschluß-Notwendige hinaus.

Von Adressen-Datei, Buchführung und Bankauszügen u.ä. ist in den Beschlüssen ebenfalls nirgendwo die Rede.

Von Korrektheit also keine Spur.

Wem nützt die Aktion?

Vielleicht waren die belangten Hefte juristisch nicht ganz wasserdicht; einem etablierten, durchorganisierten Verlag kann so was nicht passieren, der hat seine juristische Abteilung.

Der Überfall auf Sleipnir ist typisch für einen Angriff auf einen schwachen Gegner, von dem man weiß, daß er sich nur unzulänglich wehren kann, den man also nicht so sehr ernst nehmen muß.

Ich habe mich im stillen schon oft gewundert, daß seit vielen Jahrzehnten agierende Großverleger kraßrechter Publikationen unbehelligt bleiben.

Haben wir es in unserm Fall mit einem Scheinangriff "gegen rechts" zu tun, der in Wahrheit der etablierten Rechten, die argumentativ-ideologisch nach außen abgeschottet bleibt und eine offene Diskussion gar nicht zulassen würde, dienlich ist?

Die Frühnebelaktion schadet dieser offenen Diskussion; sie richtet sich - zumindest objektiv - gegen die kontroverse Gestaltung der politischen und weltanschaulichen Auseinandersetzung.

Diese Art der Auseinandersetzung behagt vielen Kreisen nicht, und man geht völlig fehl, falls man annimmt, dies allein dem Konto des bundesrepublikanischen Staates zulasten zu müssen.

In diesem Staate hat das "rechte", "neonazistische", "revanchistische" Element immer eine Rolle gespielt - und zwar die Rolle des Buhmanns, des Abschreckungspotentials.

Die "rechte Gefahr" wurde regelmäßig an die Wand gemalt, wenn sie irgendwie nützlich erschien, um die Bevölkerung auf den "richtigen Weg" zu bugsieren.

Die überkommene wie auch die neue Rechte ist indessen verbohrt genug, dieses Rollenspiel nicht nur zu akzeptieren, sie hat sich daraus eine Erfolgsgeschichte oder meinetwegen auch Mißerfolgsgeschichte konstruiert.

Was die Rechte bis heute nicht begriffen hat und nach meiner Einsicht auch in Zukunft nicht begreifen wird, ist die tatsächlich hochgradig abschreckende Kraft ihrer - rassischen, völkischen - Grundidee.

Die Rechte hat nämlich recht, wenn sie und wo sie die Geschichte aufarbeitet und zur Klärung mancher Ungereimtheiten beiträgt.

Sie hat auch recht, wenn sie den sogenannten Holocaust (!)** erforscht, weil sie meint, damit das deutsche Volk - juristisch, moralisch, völkerrechtlich - entlasten zu können.

** Vgl. kkk-feder 15/16: Horst Lummert, Revisionismus-Kritik exklusiv. Die Judenvernichtung - verdrängt und vermarktet. Zu Richard Chaim Schneiders Fetisch Holocaust (http://www.kokhavivpublications.com/kuckuck/review/krev0006.html) - kkk

Das soll zwar nicht sein, ist aber rechtens - wenn auch nicht nach der jüngsten Nachwende-Rechtsstaatlichkeit.

Doch was die Rechte hier richtig macht, was sie hier gleichsam aufbaut an moralischer Integrität, das reißt sie mit ihren weltanschaulichen Rechtfertigungsversuchen alles wieder ein.

Eine revisionistische Rechte, die sich - wie Oberlercher, Sander, Rudolf, Ney, Koll, Koch... - ausdrücklich aufs Ressentiment stützt, die das Vorurteil als historischen Impuls nachgerade propagiert, verkürzt ihre philosophische und wissenschaftliche Rationalität aufs Partielle, ja, durchsetzt selbst dies mit einem so nachhaltigen irrationalen Grundstoff aus Vor-Urteil, daß es einem schwer wird, die wahren Motive von den vorgegebenen noch zu unterscheiden.

Ich will hier auch in eigener Sache sprechen.

Ich war von Rudolfs wissenschaftlicher Integrität überzeugt, als ich zu ihm Kontakt aufnahm, weil ich glaubte, die Presse hätte über den Fall falsch berichtet, was ja auch zutraf.

Rudolfs erste wichtige (?!) Frage an mich war, ob ich "mosaischen Glaubens" sei, was ich wahrheitsgemäß verneinte, denn einen "mosaischen Glauben" gibt es nicht.

Dann kamen wir, alles im Briefwechsel, auf Israel zu sprechen.

Ich bekundete meine schicksalhafte Beziehung zu Israel, dem Land, den Menschen.

Ich war 1988, zusammen mit meiner Familie, vorübergehend israelischer Staatsbürger.

In Israel gibt es keine Tabus für die öffentliche Diskussion.

Was hier in Deutschland vorgeht, ist gespenstisch, wenn man es mit israelischen Augen sieht.

Die Selbstbeschmutzung der Deutschen glaubt eh niemand, das macht nur mißtrauisch.

Wirklich seltsam aber ist, daß sich die Deutschen von selbsternannten "Vertretern des Judentums", hinter denen sich in Wahrheit internationale - sowohl legale als auch illegale - Finanzinteressen und kommunistische Residuen verbergen, so schurigeln lassen, wie das seit den achtziger Jahren - nicht früher! - geschieht, als nämlich der damalige Ostblock die "jüdische" Karte ins Spiel brachte, um via Jüdischen Weltkongreß international salonfähig zu werden.

In Ostberlin wurde dazu eigens die traditionelle Gemeinde Adass Jisroel wieder ins Leben gerufen.

Ihr Wiederbegründer war ein israelischer Kommunist, Mario Offenberg, der 1975 zusammen mit Eike Geisel (!) bei Wagenbach in Berlin eine Übersetzung aus dem Französischen - Nathan Weinstock: Das Ende Israels? Nahostkonflikt und Geschichte des Zionismus - herausgab.

Der Brüsseler Weinstock liefert darin eine fundierte marxistische Analyse des Konflikts und seiner Geschichte.

In seiner Vorbemerkung zur deutschen Ausgabe schreibt der Verfasser:

Was aber auch langfristig gesehen kein Gegenstand von Verhandlungen sein kann, ist die Machtstruktur eines auf der Grundlage der politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Hegemonie des Zionismus und auf Kosten der Palästinenser aufgebauten Staates.
Auch wenn die gegenwärtige Leitung der Widerstandsbewegung einen keineswegs unkontroversen Kompromiß anstrebt, wird - wie uns es auch das irische Beispiel vor Augen führt - die koloniale Konfliktstruktur letztlich die Revolte wieder aufflackern lassen.
Die Vorhut von morgen hat sich bereits zu Worte gemeldet; sie befindet sich in den israelischen Gefängnissen und Lagern, in den Bergen von Oman und Dhofar, unter den ägyptischen Fabrikarbeitern, den Bauern von Beha's und dem Nil, den Studenten Kairos und Beiruts, den palästinensischen Feddayin.
Diese Kräfte werden zusammen mit der mutigen antizionistischen Minderheit in Israel einen gemeinsamen internationalen Bund von Revolutionären bilden.
Meinen aufrichtigen Dank an Eike und Mario, die die großartige Aufgabe der Übersetzung, Aktualisierung, Einleitung und Herausgabe dieses Buches bewältigt haben.

In ihrer Einleitung als Herausgeber attackieren und wehren sie ab:

Noch in der Trennung in jüdischen und nichtjüdischen Antizionismus, letzterer wird demagogisch gleichgesetzt mit Antisemitismus, versucht die zionistische Ideologie ihrer rassistischen Doktrin zur Geltung zu verhelfen.
Der zionistische Hegemonieanspruch trifft die angeblich Dazugehörigen, die sich nicht fügen, so ein zweites Mal und in besonderer Schärfe.

Das war 1975.

Die westdeutsche Linke glaubte und glaubt wohl bis heute an ihre innere Autonomie.

Zehn Jahre später dreht der Wind, die ideologischen Gewichte werden umverteilt.

Das sowjetische Mutterland muß retten, was sich retten läßt.

Mitteleuropa gerät neu ins Blickfeld russischer und also auch - mit verteilten Rollen - deutschlinker und deutschrechter Politik.

Beide, die Linken sowohl als auch die Rechten, haben zur Wiedervereinigung Deutschlands nicht nur nichts beigetragen, sie haben sie sabotiert.

Sie entsprach nicht ihren Vorstellungen; sie wurden von den Ereignissen überrumpelt.

Ihr (rechter) "Elite"- beziehungsweise (linker) "Avantgarde"-Anspruch ging mit dieser historischen Fehleinschätzung endgültig in die Binsen.

Beider Kernproblem (und Schicksal) ist Rußland.

Sie machen gar nicht deutsche Politik.

Sie sind der linke und der rechte Arm russischer Deutschland- und Europa-Politik.

Auch der Verlag der Freunde erinnerte mich spontan an "unsere sowjetischen Freunde" aus eben erst vergangenen Zeiten.

Die kritische Betrachtung dieser Konstellation ist - für Deutschland! - lebensnotwendig und also unverzichtbar, soll jedoch - ginge es nur nach der deutschrechten/deutschlinken Legende - nicht Schule machen.

Sie ist aber mein Job, diese kritische Sicht.

Die deutsch-russische - NS-sowjetische, nationalkommunistische - Kombination beschäftigt mich seit undenklichen Zeiten.

Der westdeutsche Nachkriegsneutralismus, der Anfang der fünfziger Jahre mittels Stalinangebotes Deutschland an die Sowjets versteigern (oder verschleudern) wollte, ist mein Leib- und Magenthema im nunmehr fünften Jahrzehnt, und ich hege bereits den Verdacht, daß mit der Wahl Lafontaines zum SPD-Vorsitzenden ein neues Kapitel zu dieser alten Geschichte geschrieben werden soll.

Davor zu warnen, ist wie ein "roter Faden", der sich durch meine publizistischen Bescheidenheiten zieht und (nicht nur) mir schon viel Ärger eingebracht hat.

Vielleicht haben Röhler und Töpfer nur noch nicht verstanden, was da läuft.

Ihr freies Diskussionsforum hat sich zu wörtlich genommen.

Die "Diskussion" soll wohl zwischen Linken und Rechten stattfinden, falls es der Worte überhaupt noch bedarf, doch stets nur und ausschließlich in der deutsch-russischen Gemeinsamkeitsidee, die neuerdings sogar rassisch abgesichert worden ist.

Die Russen oder Slawen sind wie die Kelten nicht mehr die Erbfeinde von einst, sondern Blutsbrüder.

Meinetwegen.

Hinter der Rassenstrategie erscheint das grandiose Gemälde eines Russischen Weltreichs - von der Behringstraße (oder gar Alaska) bis zum Atlantik.***

*** Vgl. Avram Kokhaviv, Die eurasische Karte (http://www.kokhavivpublications.com/2002/newcatch/20020707_103.html), und Horst Lummert, Eurasien (http://kokhavivpublications.com/2002/rebird/horst_lummert/20020624_006.html) - kkk

Ich glaube nicht an die Naivität der deutschen und der französischen Rechten: sie könnten dem russischen Drang auch nur annähernd Gleichwertiges entgegensetzen.

Ihre Russophilie beziehungsweise Rußlandbezogenheit ist der Abschied von Europa.

Die Problematik muß durchdacht, analysiert, diskutiert werden.

Sie ist das Thema Nummer 1 (!) jeder geopolitischen Grundfragenstellung.

Genau dies aber soll verhindert werden, und es muß verhindert werden, wenn das Spiel gelingen soll.

An diesem Spiel sind auch all jene Kräfte beteiligt, die Deutschland mit ewiger Schuldbeladung eben dafür reif machen wollen.

Das wird zwar nicht gelingen, weil internationale und nationale Sozialisten ihre theoretischen Defizite zu wesentlichen Elementen ihrer Weltanschauungen gemacht haben.

Die Geschichte bleibt ihnen darum - gleichsam systematisch und prinzipiell - verhangen.

Meine kleinen Interventionsversuche dienen aber genau dieser Aufhellung.

Sleipnir soll nun freilich von Hause aus wieder zurückgenommen werden, hinter die Linie, die der Zeitschrift von Anfang an zugedacht war.

Die Aktion der Staatsanwaltschaft im "roten" Berlin präpariert also - objektiv - die Richtigstellung bzw. Wiedereinrichtung des Sleipnir-Kurses.

Die vorgegebene politische Linie war vorübergehend verlassen worden.

Eine Rückkehr ist wesentlich mit meiner Verabschiedung verbunden. Ich bin der Erste, der das sagt. Bevor man es sagt, muß man es begriffen haben.

Meine Ein- oder Aussortierung als "Jude" lag nicht nur Rudolf am Herzen.

Er meint es übrigens ernst damit.

Gerade weil die Dinge sich zuspitzen, sollte man immer gewahr sein, daß allein die dauerhafte Assimilation das jüdische Problem außerhalb einer jüdischen Nation lösen kann... Assimilation oder Ausweisung.
Die Wahl der Mittel ist allein eine Frage der nationalen wie internationalen Machtverhältnisse.

Germar Rudolfs Ultimatum (in Staatsbriefe 8-9/95) gilt - jedenfalls, sobald die Machtverhältnisse es zulassen - auch für mich.

Auf mein bisheriges Leben zurückschauend, erkenne ich in mir einen notorisch Unangepaßten, ja Unanpaßbaren, wo irgendeine Macht es wagte, mich in eine Form, in eine Richtung zu zwingen.

Hans-Dietrich Sander hat mich in seinen Staatsbriefen als "jüdischen Dissidenten", als "Pfahl im Fleische Judas", ja, als "jüdischen Privatgelehrten" vorgestellt und diesem Abtrünnigen - zugleich wohl auch Gefährdeten, ohne daß Sander dabei an Rudolfs Drohungen dachte - eine "Freistatt" in seinem Blatt "eröffnet".

Vielen Dank für alles: für die Identifizierung, die Charakterisierung, die Aufwertung, und natürlich fürs Asyl.

Schon ein ungenannter Beobachter des Rudolf-Prozesses fand an mir, ich war als Zeuge der Verteidigung geladen, am erhebendsten den "Juden".

Soll ja alles sein.

Michael Koll, Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe einer Forschungsarbeit aus dem Amerikanischen (Clarion Cunctator, Holokaustismus. Prägung und Zerfall eines Begriffs), wünscht sich, in Anlehnung an Alfred Nossig, die Juden als einen "Orden zur Förderung der Weltvervollkommnung".

Wenn sich aber Juden auf ihre Rolle als die Gelehrten unter den Völkern besinnen, dann müssen andere ihnen Nahrung und Schutz bieten.
Die deutsche Geschichte kennt die Figur des "Schutzjuden", und zu einer Zeit war sogar eine eigene Staffel, die SS, mit dem Schutze der Juden betraut.
Nach der Überwindung der Holokaust-Lehre: Ist der Gedanke so abwegig, eine Staffel nach Jerusalem zu entsenden?

Auch Koll macht sich Sorgen um Unterbringung, Verpflegung und Schutz der Juden.

Oberlercher will im übrigen für jede "Entmischung", jede "ethnische Säuberung", wann immer geschehen, die Garantie des Reiches festschreiben.

Ist das nicht alles sehr unterhaltsam?

Nur leider viel zu wenig bekannt.

Und die Berliner Staatsanwaltschaft trägt das ihre dazu bei, daß der aktuelle und allgemeine Unwissensstand erhalten bleibe.

Der irrationale Ethnizismus hat keine rationale Parallele.

So kommt es, daß dieselben Leute - fast rundweg Akademiker! - wissenschaftlich präzis an der Entkräftung der Verbrechensvorwürfe Weltkrieg II arbeiten und gleichzeitig die Rechtfertigung der Verbrechen formulieren, falls sie denn doch stattgefunden haben, formulieren nicht zuletzt als den philosophischen Teil ihrer Zukunftsentwürfe.

Will sagen, daß diese selbsternannte "Elite" alles andere denn eine verantwortungsbewußte, vertrauenswürdige Leistungs- und Führungsauslese ist.

Sie ist ein gemeingefährlicher Haufen, der politisch, philosophisch, publizistisch, also in Wort und Schrift bekämpft werden muß.

Aber er hat seine Rechte.

Wenn wir mit diesen Leuten diskutieren, wenn wir uns mit ihren Thesen und Widersinnigkeiten auseinandersetzen wollen, müssen wir ihnen gewähren, was sie, einmal an der Macht, uns niemals gewährt haben und niemals gewähren würden: das Wort.

Sie müssen sich frei bewegen, frei aussprechen, frei argumentieren dürfen.

Meine Hände sind gebunden, im selben Moment, da mein politischer Gegner - wahrscheinlich mein Todfeind - gefesselt vor mir liegt.

Es wäre ehrlos und feige, ihn in diesem Zustand anzufechten.

Die Kriminalisierung meiner Gegner kann mir nicht gefallen.

Ich ächte sie nicht, obwohl sie mich schon jetzt gezeichnet, ausgeschlossen, als Menschen klassifiziert, ja, potentiell entrechtet und ausgebürgert haben.

Ich meine, ich habe keinen Grund, für sie ein Wort einzulegen, außer dem, daß wir uns in dieser Frage womöglich eigener Grundrechte begeben.

Gleiches Recht für alle, das muß jene mit einschließen.

Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit, früher war es mein Grundsatz, ohne daß ich mich damit näher beschäftigen mußte.

Ich bin davon vorerst wieder abgekommen.

Vielleicht muß er doch beachtet werden, wenn wir uns nicht selbst umbringen wollen.

Wer Feind der Freiheit ist, wer nicht, hat nicht die Staatsanwaltschaft zu entscheiden.

Sie handelt gegen Menschen, die öffentlich kaum bekannt sind.

Die Beschlüsse der Berliner Staatsanwaltschaft sind falsch, weil sie den Meinungsbildungsprozeß unterbinden.

Sie sind rechtlich nicht tragbar und politisch undurchsichtig.

Nun soll ja die Justiz nicht politisch, sondern nach dem Gesetz handeln, aber korrekt, bitteschön.

Die Metadialektik des ganzen Vorgangs läßt ein politisches Motiv durchschimmern oder zumindest möglich erscheinen, dessen praktische Folge genau denen nützt, gegen die die zitierte Frühnebelaktion sich angeblich richtete.

Röhler ist der Sack, den man schlug, um die freie öffentliche Diskussion in Sleipnir zu treffen.

Sie ist der Esel.

Sie ist gemeint.

Meine Vermutung ist, daß das Blatt erst wieder in Ruhe weitermachen kann, wenn die Diskussion beendet wird.

Ich habe keinen Grund, Andreas Röhler, mit dem ich gut zusammengearbeitet habe, dem ich nur Fairness bescheinigen kann, Schwierigkeiten zu bereiten.

Ich werde also mit diesem letzten Satz meine Mitarbeit einstellen.

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feder 6
frühjahr 1996
9. Jan. 1996

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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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