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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Buchausgabe:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 3. Strategien der Zerstörung
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1983-00-00

Horst Lummert

Der Staatsdiener und das Jalta-Problem

Die Geschichte einer Enttäuschung

Wenn Gott tot ist, gilt die Wahrheit nichts mehr, dann ist alles erlaubt: Im Angesicht der Hölle wird es opportun, sich mit dem Teufel zu verbünden. In der Höllennacht sind alle Katzen grau, und unterm Atomblitz verkohlen sie mitsamt den Mäusen, die sie sonst fraßen. Mit instrumenteller Weltanschauung organisiert die psychologische Kriegführung sich als Friedensbewegung. Wem dient Erich Knapp? Wem nützen seine politischen Ambitionen, seine Aktivitäten in Parteien, Bünden, Verbänden, Initiativen?

Wem nützt seine publizistische Arbeit? Ihm am allerwenigsten, materiell sowieso nicht; sie scheint ihm eher zu schaden.

Seine Biographie weist ihn aus als einen, der um seiner Ideale willen Kopf und Kragen riskierte: Unter der Justizgewalt der DDR wäre der Diplomat mit dem Informationsstand des Nachrichtendienstlers, Pressesprechers und Kulturattachés nicht nur fristlos entlassen, sondern sofort in Haft genommen, in einem Geheimverfahren wegen etlicher Delikte und Vergehen, man würde sagen: Verbrechen, zu schwerer Strafe, wahrscheinlich zum Tode verurteilt worden.

In der Bundesrepublik strengte er gegen die Entscheidung seines außenministeriellen Arbeitgebers ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht an. Mit Erfolg: Die Bundesregierung mußte ihm 225.000 Mark an Gehältern nachzahlen.

Das ist wesentlich für eine gerechte Beurteilung der Knappschen Diagnose des inneren Zustands der Bundesrepublik, die sich gerade in seinem Fall nicht nur formal als Rechtsstaat erwiesen hat - gegen alle Finessen der zuständigen Regierungsbehörde. Es widerlegt vorab die These, er sei ein Kämpfer gegen seine zivile Entrechtung.

Knapps Aktivitäten finden nicht im vollen Lichte der Öffentlichkeit statt. Das ist, soweit es seine journalistische Arbeit betrifft, nicht nur seine Schuld. Die zahlreichen Stränge seiner politisch-publizistischen Initiativen haben sich mitunter dermaßen verselbständigt, daß sie einander stören, oder bei Berührung sich als taktisch modifizierte Teilstücke einer Gesamtabsicht zu erkennen geben, wenn's gutgeht. Bei Lichte.

Ein Mann von der Klugheit und der dialektischen Intelligenz eines Erich Knapp, der sich, scheint's, unnötigerweise verdächtig macht, erregt zugleich den Verdacht, daß er sich verdächtig machen will. Er möchte vielleicht zwielichtig erscheinen, weil seine Arbeit, seine Funktion, seine politischen Absichten alles andere als zwielichtig sind.

Zwielichtig ist die politische Szene, in der er sich engagiert hat. Was da an unterschiedlichen bis gegensätzlichen Interessenvertretungen zusammenkommt, spielt in Knapp sich noch einmal im individuellen und kleinen ab. Wird diese Zwielichtigkeit nun bloß suggeriert, fügt Knapp sich der Szene mehr oder weniger geschickt nur ein? Täuscht er nur Dritte, wie ja die ganze Bewegung über sich uns im unklaren läßt? Oder täuscht er auch diese Szene über sich, Erich Knapp?

Seine berufliche und seine politische Arbeit weisen beide ein deutliches Kennzeichen auf: er sitzt nicht in der ersten Reihe, doch bald dahinter, meist irgendwo zwischengeschaltet, gleichsam in der Vermittlung. Da nun der Moderator zugleich ein Motor ist, wird die Mittler- zur Schlüsselfunktion. Auch nach seiner Entlassung hat er nichts anderes gemacht: er hat Informationsströme kontrolliert und beeinflußt.

Bereits die einfache Informationskontrolle ist eine potentielle Desinformation. Moderne Nachrichtenflut und die Vielfalt ihrer Informationsverzweigungen machen die mehr oder minder gezielte Auswahl zur täglichen Praxis; der Akteur - als der subjektive Auslesefaktor - ist da von konsequenzenreicher Bedeutung. Aufschlußreich wäre ein Gesamtbild dessen, was der Öffentlichkelt auf diese Weise vorenthalten bleibt.

Wer kontrolliert die Kontrolleure? Erich Knapp hat uns eine Botschaft hinterlassen. Das setzen wir uns einmal in den Kopf. Wir treiben ein klein wenig Blütenlese - im doppelten Sinn; indem wir einmal auflesen und zusammentun, ein andermal die Blüten wie Schriftzeichen zu lesbaren Wörtern und diese zu Sätzen zusammenfügen. Wie in manchen Schriftsystemen die Zeichen zugleich Buchstaben und Zahlen darstellen, so hat auch Knapps Botschaft eine mindestens zweifache Bedeutung.

Das Rezept:

Es gibt nur zwei Möglichkeiten in Deutschland! Glauben Sie ja nicht, daß etwa das Volk ewig mit der Mitte der Kompromittierten dahinwandeln wird! Es wird sich einst der Seite zuwenden, die am konsequentesten den kommenden Untergang prophezeit und sich von ihm ferngehalten hat.

Der konsequentesten Untergangspropheten einer: Erich Knapp, geboren 1932, Sohn eines ns-verfolgten Sozialdemokraten, Fulbright-Stipendiat an der Kansas University, Politwissenschaftler, Soziologe, Historiker, Zeitungsredakteur, liberaler Demokrat, Office Manager in der Presseabteilung des Britischen Generalkonsulats Frankfurt, Pressesprecher der IBM Deutschland in Sindelfingen, seit 1963 im Auswärtigen Amt, Presse- und Kulturattaché in Tschad, Nigeria, Ostpakistan, 1966 als Presseattaché mit dem damaligen Bundespräsidenten Lübke auf Afrikareise; später sitzt er in der Abteilung IV des Bundespresseamtes in Bonn, arbeitet fürs sozialdemokratische Reichsbanner, von 1974 bis 1975 wieder als Pressesprecher einer westdeutschen Botschaft, diesmal in Kairo.

Aus dem Auswärtigen Dienst wird er am 9.4.75 fristlos entlassen. Ein präzises Timing fällt auf: Im Kairoer Amt war er vom 10.4.74 bis zum 9.4.75, genau ein Jahr, nicht einen Tag länger.

Wenn die Gründe für seine Entlassung - Geheimnisverrat, beinahe Mordverdacht - stimmten, blieb ihm zum Verdunkeln hinlänglich Zeit. Er hielt sich noch mehrere Wochen in Kairo auf. Doch offenbar gab es nichts zu verdunkeln und nichts zu erhellen, in Kairo jedenfalls nicht.

Nach einem jahrelangen Arbeitsgerichtsverfahren erfuhr Knapp wenigstens materielle Gutmachung. Noch am 10.11.78 kam der Generalbundesanwalt in einem Schreiben an Erich Knapp auf frühere Ausführungen zurück, wonach "die Ihnen zur Last gelegte Urheberschaft für die Veröffentlichungen im Berliner Extra-Dienst vom 11. März 1975 und 14. März 1975 sowie die Überlassung eines Runderlasses des Auswärtigen Amtes vom 31. Januar 1975 an den Berliner Extra-Dienst mit den zur Verfügung stehenden Beweismitteln nicht mit der zur Anklageerhebung ausreichenden Sicherheit nachgewiesen werden konnte. Es kann daher keine Rede davon sein, daß durch die Ermittlungen der Tatverdacht gegen Sie ausgeräumt wurde".

Die unmittelbare Veranlassung für die fristlose Kündigung war jedoch ein Brief Knapps an den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt beziehungsweise die Veröffentlichung des Briefes im Berliner Extra-Dienst vom 21.3.75 - gleichsam der abschließende Höhepunkt einer Geschichte langwieriger Korrespondenzen. Daß dies zugleich ein Hinweis auf den Urheber jener früheren Veröffentlichungen zu sein schien, könnte allerdings auch den Verdacht nähren, Knapp sei hereingelegt worden.

Die ÖTV, der Knapp zwölf Jahre angehörte, will von ihrem Mitglied nichts mehr wissen. In der Bonner SPD-Baracke, von der aus anerkennende Briefe an den linken Genossen Knapp gesandt wurden, leugnet man heute, Verbindungen gehabt zu haben,

schrieb die Bonner Rundschau in ihrer Ausgabe vom 3.6.76.

Am 17. April 1975, nach fünftägigem Todeskampf, stirbt Peter Lazarek in einem Kairoer Hospital. - Im Bonner Auswärtigen Amt (AA) wird die Akte Peter Lazarek seit dieser Zeit als Verschlußsache geführt, denn der Tod des jungen Diplomaten erweist sich für die Behörde zunehmend als ein Spinngewebe, in dem sie sich selbst verfangen hat.
Doch eins glaubt man im Auswärtigen Amt in Sachen Peter Lazarek inzwischen gefunden zu haben: den moralisch Schuldigen am Tod des Botschaftssekretärs, den am 10.April 1975 (das Telegramm aus Bonn trug das Datum des 9.4.75 - kkk) fristlos gekündigten Pressereferenten der Kairoer Botschaft, Erich Knapp (43). - Darum warf der Vortragende Legationsrat 1.Klasse, Dr. Berthold Witte, bereits vor dem Bonner Arbeitsgericht, wo Knapp auf seine Wiedereinstellung klagt, vor: Nach allem, was ich weiß, muß ich Herrn Knapp für schuldig am Tod Peter Lazareks halten. - Was wußte Dr. Witte? Einen Tag nach Knapps Kündigung hatte Peter Lazarek dem Vortragenden Legationsrat gegenüber ausgesagt, geheime Telegramme in Knapps Auftrag mit nach Deutschland genommen und dem Düsseldorfer DGB übergeben zu haben. Von hier aus seien die Dokumente dem linksgerichteten Berliner Extradienst zugeleitet worden. Bereits Monate zuvor hatte sich das Auswärtige Amt bemüht, die undichte Stelle in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, aus der der Berliner Extradienst mit vertraulichem AA-Material beliefert wurde. Lazareks Aussage war auf diesem Hintergrund Indiz genug, die Quelle dieser diplomatischen Indiskretion in Kairo zu suchen. Dr. Witte jedenfalls untersagte dem Botschaftssekretär nach dessen schriftlichem Geständnis weiteren Kontakt zu Erich Knapp.

Im Berliner Extra-Dienst vom 22 6.76 las man dazu:

Die der CDU nahestehende Bonner Rundschau hatte in Kairo recherchieren lassen. Zwischen den Zeilen möchte sie suggerieren, daß es in Kairo einen Zirkel von Deutschen aus der Bundesrepublik gegeben habe, durch den möglicherweise Bonner Papiere in den Ostblock geschleust worden seien. Lazarek habe dazu gehört und hier sei vielleicht das Motiv seines Freitodes zu suchen. Mysteriös findet es das Blatt, daß zur Zeit dieser Vorgänge auch die Frau eines zum Zirkel zählenden DDR-Diplomaten durch einen platzenden Autoreifen ums Leben gekommen sei.

Und:

Für EXTRA-Dienst haben die zwischenzeitlichen Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft bzw. durch den mit der Vernehmung Knapps befaßten Bundesrichter Buddenberg auch einen bemerkenswerten Hinweis erbracht: Nummer, Datum und Uhrzeit des am 11. März 1975 veröffentlichten Lissabon-Telegrammes stimmen voll überein. Wie erinnerlich, hatte das AA seinerzeit EXTRA-Dienst beschuldigt, eine Fälschung begangen zu haben...
So wird man sich jetzt auch mit der Frage zu beschäftigen haben, ob der im ED vom 11. März 1975 veröffentlichte Text (in ihm wurde z.B. die Putsch-Planung von Rechts angekündigt) eventuell aus der Schreibmaschine jenes bundesdeutschen Botschaftsrates in Lissabon stammt, der dort - wie in dem Portugal-Buch Wallraffs beschrieben - die Aufgaben eines BND-Residenten wahrnimmt...

In seinem Brief an Helmut Schmidt vom 9.2.75 (ED druckte ihn am 21.3.75 ab) hatte sich auch Erich Knapp zu diesem Thema geäußert:

Bürgerliche Zeitungsberichte lassen aber an die massiven Einmischungsversuche denken, die hohe SPD-Funktionäre in Portugal anstellen. Nicht nur mit Argumenten, so hört man, operiert dort unsere Partei.
Will die SPD mit ihrem pathologischen Antikommunismus den Faschismus in einem Nachbarland fördern?
Wer dem Muttergottesfaschismus die Rückkehr nach Portugal erleichtert, macht sich ebenso schuldig, wie wenn er dem Herz-Jesu-Faschismus aus Bayern Konzessionen macht!

Gerd Schmückle, dazumal Direktor des Internationalen Militärstabes in Brüssel, erinnert sich (Ohne Pauken und Trompeten, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1982):

Am 11. März 1975 unternahm Spinola einen Putschversuch, der fehlschlug. Der General floh nach Spanien. Einige seiner Mitverschworenen wurden verhaftet, Osorio wurde angeblich ermordet und seine Leiche in den Tejo geworfen - die Bevölkerung sang ein Spottlied darauf. Doch wenige Tage später rief mich ein Bekannter aus Paris an: Osorio sei in der Seine-Stadt untergetaucht. Ein Offizier werde mich unterrichten. Tags darauf erschien der Bote. Er schilderte folgendes: Spinola sei von den Kommunisten hereingelegt worden. Sie hätten ihm zutragen lassen, ein Massaker, dem Tausende seiner Anhänger zu Opfer fallen würden, stünde unmittelbar bevor. Spinola selbst stünde auf der Todesliste. Daraufhin sei der General in die ihm eigene Panikstimmung verfallen. Mit einem überhastet vorbereiteten Putsch habe er das Morden - das gar nicht geplant war - verhindern wollen. - Ich konnte die Erzählung nicht verifizieren. Sie klang abenteuerlich, doch auch glaubwürdig, so, wie mir Spinola geschildert worden war (336).

In Bonn war derzeit Georg Leber Verteidigungsminister. Ich stelle diese Verbindung her, weil der geschilderte Vorgang an ein anderes Ereignis erinnert, das lange Zeit zurücklag.

Nach dem von Schmückle wiedergegebenen Muster hatte fünfzehn Jahre zuvor der Bundesnachrichtendienst - beziehungsweise sein Chef Reinhard Gehlen - dem Verteidigungsminister Strauß ein paar Fallen gestellt.

Straußens Adjutant behauptete, der Leiter des Bundesnachrichtendienstes, Gehlen, treibe Strauß in immer neue Verängstigungen hinein. Gehlen warne vor Attentatsabsichten. Er schrecke Strauß mit angeblichen Gefährdungen seiner Familie. Der Geheimdienstchef verfüge über eine phantastische Begabung, seine Berichte auf die jeweiligen Empfänger einzustimmen. Strauß nehme sie zu ernst (261).

Gehlen - einst Chef der Aufklärungsabteilung beim Heeresgeneralstab (Fremde Heere Ost) - war seiner ganzen Wirkungsstruktur nach ein kompetenter Vertreter des klassischen preußendeutschen militärisch-sicherheitspolitischen Nachrichtendienstes.

Aufschlußreich war seine Rolle in der Spiegel-Affäre:

Strauß meinte: es sei nötig gewesen. Gehlen habe auf eine Aktion gegen den Spiegel gedrängt. Gehlens Informationen seien beunruhigend gewesen: Augstein besitze geheimste Unterlagen der NATO, gleichzeitig befände sich - so Gehlen - in der Redaktion eine Kommunistische Spionagezelle (264).
Weitab trieb, Kopf nur noch über den Fluten, Gehlen. Ganz allein. Er hatte, nachdem er die Regierung gegen den Spiegel aufgebracht hatte, die Zeitschrift im letzten Augenblick warnen lassen (265f.).
Eine Protestwahl Bayerns gegen Bonn: Um den Preußen zu zeigen, daß man keinem der ihren so übel mitspielen darf, wie dies Strauß geschehen war. Die Bayern verhalfen den Christlich-Sozialen zur absoluten Mehrheit im Landtag. Strauß konnte den günstigen Aufwind in München benutzen, um die Wirkung seines Rücktritts in Bonn abzumildern (267).

Es ist gut, wieder einmal daran erinnert zu werden, wie hierzulande Affären produziert, Horrorbotschaften in Umlauf gebracht werden, auf welche Weise und aus welcher Richtung das öffentliche Klima der Bundesrepublik seit Jahrzehnten systematisch vergiftet und das politische Bewußtsein verwirrt worden ist. Der Verdacht, daß die großen bundesdeutschen Erschütterungsaffären nachrichtendienstlich initiierte Fallenstellerei zur Ursache hatten, war auch anhand anderer Fälle zu belegen (siehe hierzu kuckuck 8).

Daß die in die Hunderte gehenden Starfighter-Abstürze keine auf "Fehlkonstruktion" zurückzuführenden "Unfälle" waren, könnte längst allgemeines Wissen sein, wären nicht die für solche Vorfälle zuständigen "Aufklärer" möglicherweise identisch mit den Tätern.

Und alle Anzeichen sprechen dafür, daß auch mit der sogenannten Friedensbewegung im nationalpolitischen Zusammenhang Köder und Bananenschalen ausgelegt worden sind, mittels derer der Gesamtzug bundesdeutscher Politik allmählich umorientiert werden soll. Der Erfolg dieser Methoden ist nicht von der Hand zu weisen.

Das eingangs erwähnte "Rezept" wird jetzt durchsichtig in seiner Funktion. Das Bemerkenswerte an ihm ist, daß es von Hitler stammt, der es bereits am 12.4.22 in einer Rede verraten hatte. Der Pressedienst Demokratische Initiative veröffentlichte das Zitat in einer Reihe von weiteren Hitler-Zitaten, die er der bekannten Sonthofener Rede Straußens verglich.

Strauß also plane die Machtergreifung vermittels Panikmache, indem er "am konsequentesten den kommenden Untergang prophezeit". Vor gar nicht so langer Zeit, doch längst vergessen, "enthüllte" ja der Spiegel genauso unentwegt, Strauß plane eine vierte Partei.

Wahr ist, daß diese vierte Partei bereits im politischen Hintergrund des Spiegel ausgereift war. Sie ist - in Gestalt der Grünen - inzwischen im Bundestag. Ihre Raketenpolitik macht sie nach jenem "Rezept". Erich Knapp war einer ihrer Gründer. Er saß im ersten Bundesvorstand, begnügt sich aber später damit, als Mitglied der sogenannten Dreier-Kommission der Grünen für den richtigen (laut Studien von Zeitfragen, Mai/II '83) "Informationsfluß zwischen BuHauptausschuß u. Butagsfraktion" zu sorgen. Kontrollstation à la Knapp.

In seinem Brief an den ehemaligen NS-Führungsoffizier Helmut Schmidt schrieb er:

Vielleicht erinnerst Du Dich, daß ich 1969 schrieb, Du seist Brandt in all dessen Funktionen vorzuziehen. Brandt, dessen einziges großes Verdienst die Ostpolitik ist...
Darin, daß Du der effizienteste Organisator der SPD bist, sehe ich mich auch seit Beginn Deiner Kanzlerschaft nicht getäuscht.

Der "Mentalitätsnazi" - so heißt Schmidt einige Jahre später in der Ladenburger Petition an die französische Nationalversammlung - war also in jeder Beziehung dem Antifaschisten Willy Brandt vorzuziehen, dessen "einziges großes Verdienst" Erich Knapp darin sieht, die dubiose Ostpolitik in die Wege geleitet zu haben - tendenziell in der Nachfolge Bismarcks.

Gegen diese Auslegung der Ostpolitik verwahrt sich Knapp allerdings auf eine Weise, die ganz und gar sich nicht vertragen möchte mit seiner ebenfalls an Schmidt adressierten brieflichen Forderung nach "Offenheit gegenüber unserem Volk". Diese Offenheit hat Erich Knapp gerade zu verhindern gesucht. Was Knapp sich anno 1970 mit seinem Aktenvermerk im Bundespresseamt geleistet hat - nachzulesen in diesem Heft (Seiten 98 bis 103) -, qualifiziert ihn nicht eben für den Posten eines Emanzipators, aber einwandfrei für den eines Zensors.

Nur weil Erich Knapp einstweilen keine Macht über die Presse hat, gibt es sie und sogar einen kuckuck. Was Knapp 1970 unterbinden wollte, ist eben, was ein kuckuck allein niemals schaffen kann: die kritische Durchleuchtung des ostpolitischen Kuhhandels, seine Enthüllung als Wiederaufnahme jener Rückversicherungspolitik gegen den Westen, mindestens 100 Jahre europäischer Geschichte ignorierend. Schlimmer: Es war die Wiederbelebung einer antidemokratischen Komplizenschaft, die zwischen Ludendorff und Lenin begonnen hatte.

Knapps Konzeption deckt sich nicht voll und ganz mit besagter Tradition. Er bezieht sich nicht auf Deutschland insgesamt, auch nicht aufs alte Bismarck-Reich. Er beschränkt sich auf die Bundesrepublik. Doch dadurch wird sein Konzept - unter den heutigen Bedingungen in Europa - zu einem Modell korrekter Anwendung Bismarckscher Prinzipien. Vielleicht ist dies der eigentliche Grund für Knapps Abwehr jener Interpretation der Brandtschen Ostpolitik, die sich die geschichtliche Möglichkeit einer Wiedervereinigung weiterhin offenhält.

Konsequent respektiert er die Europa teilende Grenze der Einflußzonen sowie das gesamte von der Sowjetunion beanspruchte, bzw. ihr in Jalta zugesprochene Gebiet - um nunmehr die andere Hälfte, die Einflußsphäre westlich von Elbe und CSSR ein wenig modifizieren zu können.

Knapp stützt sich auf Jalta. Als Gegenpart Rußlands im europäischen Spiel hat er - anstelle der Vereinigten Staaten - Frankreich vorgesehen, auf den ersten Blick jedenfalls. Interessant, aber vielleicht nicht des Pudels Kern, daß er just jene - westeuropäische - Balkanisierung im Auge hat, die er in Studien von Zeitfragen als subversiven Plan für Osteuropa der amerikanischen CIA unterschiebt.

Erich Enapp empfiehlt eine gaullistische Lösung der europäischen Probleme: ein West-Europa - Frankeuropa! - der Nationen. Sein Insistieren auf der Trennung vom deutschen Ethnizismus wird unter diesen Umständen zu einer grundlegenden Bedingung für seine politischen Vorstellungen. In Verbindung mit dem Gedanken an Revolution, minoritär inszeniert, die die Nation erst konstituiere, und einem - unter Ausschluß der Arbeiterklasse - mittelständisch basierenden Sozialismus wird sein kleindeutsches Programm zu einem russisch-französisch abgesicherten und abgesegneten - nunmehr nicht-völkischen - Nationalsozialismus mit deutlich elitären bis faschistischen Wesenszügen. Ich will das im einzelnen noch belegen.

Dieser kleindeutsch-etatistische Faschismus hat gegenüber dem heutigen Bündnissystem und dem Festhalten an der Wiedervereinigung - unter nationalpolitischem Aspekt, auf dessen klassenpolitischen Hintergrund wir noch zu sprechen kommen - einige beachtliche Vorteile: er beschert die volle staatliche Souveränität, einschließlich der Errichtung einer eigenen defensiven Nuklearstreitmacht; er ist kurzfristig zu realisieren. Ohne die eigene Souveränität auf die lange Bank schieben zu müssen, bringt er sich vielmehr in eine günstigere Lage, langfristig vielleicht auch eventuellen ostdeutschen Vereinigungsinitiativen mit Nachdruck entgegenkommen zu können.

Erich Knapp ist ein Nationalist, der die Zeichen der Zeit zu begreifen meint. Sie wird ihm knapp, er treibt zur Eile:

Mit der Betreibung und dem Beschluß vom 12.12.1979 hat sich demnach die Bonner Republik als Machtsystem illegalisiert. Das ganze Bonner System, einschließlich seiner justitiellen Hilfsfunktionen, ist jetzt bar jeder Legitimität. Wir haben, ohne es richtig wahrzunehmen, eine raffiniertere und für unsere Zukunft endgültigere Usurpation unserer Menschen- und Bürgerrechte erlebt, als es die nach dem 30.Januar 1933 gewesen ist

- so konstatiert von Erich Knapp am 15.2.82. Und am 15.7.82:

Die BRD unregierbar zu machen, ist vernünftig, humanitär und rechtens.

Beides in den jeweiligen Ausgaben der Monatsschrift Neue Politik. Herausgeber: Wolf Schenke - einst außenpolitischer Referent der Reichsjugendführung und Mitarbeiter des Völkischen Beobachter, seit Jahrzehnten die Graue Eminenz der nationalen Opposition in der Bundesrepublik, 1981 Begründer einer Nationalen Befreiungsbewegung.

Knapp:

Es ist einfach eine Legende, zu behaupten, es hätten immer numerische Mehrheiten revolutioniert. Nein, es waren aufgeklärte Minderheiten, die neben dem eigenen auch das Interesse ihrer privatisierenden Nachbarn wahrnahmen.
Jede Revolution ist bisher von jenen ausgegangen, die ein Interesse an der Politik nehmen und politische Bildung haben (15.2.82).

Und die konstituieren dann die Nation, nicht wahr?

Meint der verschmitzte Diplomat mit seiner nicht-völkischen Nation gar etwas ganz anderes als unsereins, will er schlichtweg das "Volk", die "Plebs" gewissermaßen entrepublikanisieren?

Knapps "Revolution" definiert sich nach der klassischen "zweiten Revolution" - der Pariser Schreckensherrschaft seit Danton und Marat 1792 und der russischen "Oktoberrevolution".

Die "zweite Revolution" Frankreichs richtete sich nicht gegen die ehemalige Herrschaftsklasse, die längst ins rheinische Ausland geflohen war, sondern gegen die Revolution selbst, gegen ihre demokratischen Träger, gegen die Verfassung. Gegen Volksaufstände der Armen und Ärmsten.

In Rußland wiederholte es sich mit den entsprechend gewaltigeren Ausmaßen. Knapps "Selbstbestimmungsgesellschaft" ist am Ende eine Diktatur der souveränen Minorität über den mehrheitlichen Rest. Eine reaktionäre Konzeption, die bis in ihre letzten Gedankenverästelungen hinein noch erhellt werden muß. Erich Knapp hat eine absolute, totale "Republik" im Sinn.

Konsequent sind wir stärker, aufgeschwemmt sind wir nichts. Und diese Konsequenz wird sich herausstellen als Voraussetzung unseres Sieges gegen alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit toter Massen (NP 1.12.81).

Gesundschrumpfen ist die Parole, nach außen wie nach innen.

Zum Thema Mitbestimmung gehört auch die schändlich verzögerte Reform des § 218. Verzögert hat Wehner schon vor 1972, weil er den katholischen Bischöfen in den Hintern kriechen wollte. Verzögert hat Jahn, weil er ein Funktionär ist. Verzögert hat schließlich das Christenpack, dessen politische Basis karnickelhaft werfende fromme Frauen sind (Brief an Helmut Schmidt).
Wir wollen die Hetzreligionen hinter uns lassen. Wir wollen den Pfaffen und Popen, den Rabbis und Muftis das Geld entziehen. Sollen sie arbeiten... (NP 15.8.82).
Noch einmal: Wer ein Ancien régime beseitigen will, der sollte nicht beginnen mit der Abschaffung der Todesstrafe (StvZ, Juli 83/1).
Es muß kommen das Reich des Marx und Bakunin und Proudhon, des Lenin und Trotzki, des Landauer und Buber. Die bewaffneten und die unbewaffneten Propheten zusammen, wieder miteinander sprechend über den besten Weg zur Befreiung, müssen die Christentümer stürzen (Die Aktion, Sept.82).
Am Tag der Erstürmung Beiruts und an allen Tagen danach wollen wir beten, daß das Beil Gottes bald, sengend und zerquetschend, auf Westeuropa niederfallen möge, um den Körper der Menschheit von seinem korrupten Kopf abzutrennen (ebd.).
Die Heimstätte der in Europa von Christen verfolgten Juden in Palästina hat keinerlei staatsrechtliche oder historische Legitimität (NP, 15.8.82).
Wer hingegen die politische Schicht in Osteuropa bedroht (mit inneren Aufständen, von christlichen Kirchen ferngesteuert), der führt den Kalten Krieg mit neuen Mitteln fort. Ob er es will oder nicht, begünstigt er damit die Spannungs- und Kriegspolitik (NP, 15.7.82).
- und die Lügen der katholischen Kirche, die ihre pomphafte Fronleichnamsprozession durchziehen mußte, wohingegen die Leichname von Bolschewiken und Russisch-Orthodoxen, die von den Cruise Missiles erzeugt werden, offenbar ihrem Gott wohlgefällig sind (ebd.).
Doch niemand im Nazistaat wurde gezwungen, Juden zu ermorden; niemand ist wirklich gezwungen, einen Kriegshetzer zu beschützen vor seinen potentiellen Opfern (ebd.).
Es gibt nur eine politische Idee, mit der die politische Voraussetzung ökologiseher Problemlösungen zu schaffen ist: der Selbstverwaltungs-Sozialismus (NP, 15.8.82).

In seinem ersten Brief an Robert Havemann geht Erich Knapp gleich unter Punkt eins von einer historischen Lüge aus: der These von der sogenannten Verweigerung der Revolution in Deutschland als "Fortgang der Oktoberrevolution".

Die Revolution von 1918 in Deutschland brachte immerhin fünfzehn Jahre republikanische Freiheiten mit sich, Demokratie. Was Lenin mit seiner "Oktoberrevolution" von einem Tag zum andern schaffte, dafür brauchten Ludendorff und Hitler eben diese fünfzehn Jahre: alle gewonnenen Freiheiten wieder zu vernichten.

Wenn es wahr ist, daß Lenin und Hitler - beide - Agenten des preußendeutschen Generalstabs waren, dann liegt die Zukunft der Beleidigten nicht in der Vergangenheit.

Trotzki, auf den Knapp sich beruft, hat in seiner Lebensgeschichte (Mein Leben, bei Fischer 1929, Berlin) und noch einmal in seiner Geschichte der russischen Revolution (selber Verlag 1931, 1967), gleich zu Beginn des zweiten Teils, über viele Seiten hin sich lang und breit geäußert zu den "Gerüchten" und "Verleumdungen", Lenin betreffend, der schon sehr früh in den Verdacht geriet, ein bezahlter Agent des deutschen Generalstabs zu sein. Bei Miliukow ist übrigens nachzulesen, daß Lenin, vermutlich in seiner Krakauer Zeit, auch "sich zur Annahme österreichischer Gelder herbeiließ".

Zu Trotzkis Geschichte der russischen Revolution schreibt Janko Musulin in seiner Einleitung, Januar 1967:

Nicht die Jahre lassen eine Studie veralten, sondern neue Entdeckungen, Funde und überlegene Darstellungen. In einem Punkt allerdings wissen wir heute mehr als Trotzki. Der Leser wird in den ersten Kapiteln des zweiten Teiles erfahren, welch ungeheure Bedeutung die gegen Lenin erhobene Anschuldigung, im Schweizer Exil deutsches Geld genommen zu haben, besaß. Dieses Gerücht hat um ein Haar die politische Laufbahn des Titanen der Revolution beendet. Trotzki verteidigt seinen Meister mit der ganzen Kraft seiner Beredsamkeit. Wir aber wissen heute, daß Lenin tatsächlich schon seit Jahren Berliner Subsidien erhalten hatte. Aus deutschen Archivbeständen, die 1945 nach England kamen, wurden Mikrofilme hergestellt, die eine amerikanische Studiengruppe unter Professor Stephan T. Possony von der Georgetown University untersucht und analysiert hat. Aus diesen Dokumenten erfahren wir nicht nur den Namen des Mannes, der die Subsidien vermittelte (der estnische Sozialist Keskuela), das Instrument, das man für solche Zwecke geschaffen hatte (Bund für die Befreiung der Ukraine), sondern auch die Höhe bestimmter Summen, die Lenin zugeflossen waren. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Trotzki von all dem wirklich nichts gewußt.

Auf der Flucht vor den Ermittlungsbehörden (der Republik!), in dieser Illegalität - woraus sich dann so schöne Legenden spinnen lassen um Heuhaufen und Heizer nach Finnland - schrieb Lenin Staat und Revolution, ein geniales Stück, fürwahr, eine großangelegte Kaffeegrunduntersuchung an Marx-, Engels-, Kautsky-Texten, zu dem einen Zweck, den nunmehr beschlossenen Staatsstreich vorab theoretisch, marxistisch, zu rechtfertigen. Wenn erst einmal der "Staatsapparat" - das heißt vor allem: die Ermittlungsbehörden, das Parlament, die freie Presse, alle, die er, Lenin, in seiner heiklen Situation zu fürchten hatte - zerschlagen war, dann, erst dann konnte der Mann aufatmen. Dann war ihm das Mausoleum sicher. Anders, sage ich, hätte die sogenannte Oktoberrevolution nicht stattgefunden. Die Wahrheit war Lenins größer Feind. Im "Oktober" rettete er seine Haut.

Wenn es einen Verrat gab, so war es dieser Verrat der sogenannten "Bolschewisten", was ja "Mehrheitler" bedeutet, absurder Name für eine winzige Clique bestochener Konspirateure, der Verrat dieser politischen Dunkelmänner an den Idealen der internationalen Arbeiterbewegung. Ihre Revolutionssabotage stellt alles in den Schatten, was seither sich auf diesem Felde des Arbeiterbetrugs - etwa auch durch die vielgeschmähten Sozialdemokraten - zugetragen hat.

Es wird noch Jahre und Jahrzehnte brauchen, um diesen blutigen Schwindel mit all seinen perversen Folgen historisch richtig begreifen und einordnen zu können.

Erst wenn diese Schmach getilgt ist, werden die Arbeiter wieder zu sich kommen können.

Und dies nebenbei:

Selbstverständllch wäre eine Arbeiterdemokratie voll und ganz legitimiert - wenn es ihr politisch vernünftig erscheint -, auch die sogenannte nationale Frage zu stellen, nicht nach den Rezepten eines Autokratischen "Sozialismus" à la Erich Knapp, auch nicht unterm Schleier des Ökologismus (oikeios bedeutet auch soviel wie eigentümlich, heimatlich und vaterländisch), sondern nach den sozialen und internationalen Gegebenheiten und Erfordernissen - und immer in Solidarität mit der Arbeiterklasse in den anderen Ländern.

Das ist ein praktisches, kein grundsätzliches Problem.

Noch eines:

Daß die Lüge des Jahrhunderts nicht längst auf die einzige, moralisch und vor der Instanz einer höheren oder historischen Gerechtigkeit, falls es das gibt, vertretbare Weise ans Licht gezogen wurde, ist nur ein Beweis mehr für die tiefen Ängste der herrschenden Cliquen und Clans in aller Welt vor der proletarischen Selbsterschaffung - die in den Köpfen und Herzen der Menschen beginnt, die ihren Anfang nimmt, wo verwirrende, blind- und dummachende Ideologien die Wahrheit in ihr Gegenteil verkehrten.

Die Stalin-Ära hat zwar ihre Kritiker gefunden. Den Trotzkisten ist es aber zuzuschreiben, daß die ganze, nämlich bis ins "Revolutions"-Jahr zurückreichende Wahrheit - die ganze Lüge - weiterhin nicht nur im Dunkel bleibt, sondern obendrein kultiviert, mystifiziert und mythisiert wird.

Dieser Mythos lähmt die Irregeführten, weil er ihnen beständig einflüstert, es sei nur verdorben worden, was anfangs gut war. Nein, der Betrug, der Verrat, die ganz gemeine Intrige, das war der Beginn, war die Sache selbst von der ersten Stunde an. Das gilt es zu begreifen.

Aber es wird nicht begriffen, indem man sich's hier einreden läßt, es wird begriffen im Laufe intensiver Erforschung der Geschichte in ihren Details, der Sondierung bekannter und zugänglicher Fakten, Dokumente, kompetenter Literatur.

Die Gekränkten dieser Erde werden damit beginnen, ihre ewigen unversiegbaren Träume, Ideen und Sehnsüchte zu revitalisieren - mit Verstand.

Auch Knapp hat sie zu fürchten.

Aber die Revolution ist nicht blutig. Ihre Verhinderung bringt das Blut über sie.

Wer zittert vor der historischen Wahrheit?

Keine Regierung unter sowjetischer Vormundschaft hat eine demokratische Legitimation. Die Forderung nach Demokratie, Emanzipation und Selbstbestimmung - für die "ostelbischen" (Knapp) Arbeiter -, nach freien und geheimen Wahlen ist, man bedenke, für die herrschenden Parteicliquen eine Aufforderung zum politischen Selbstmord.

Bedeutet also Revolution zuvörderst Emanzipation, so ist sie dort am allernötigsten.

Darüber wollen wir aber nicht die Komplizen - unsere "ökologischen" Waldbarone und industriellen Ostgeschäftemacher - aus den Augen verlieren.

Und Frankreich? Als Havemann seinen Brief an Breschnew schrieb, maßte er sich nichts an, sondern ließ sich herab zu einem, der sich anmaßte, Macht über viele ungefragte Völker auszuüben. Das ist selbst von Wolfgang Pohrt nicht verstanden worden. Aber Knapps - beziehungsweise der Eurosozialisten etc.pp. - Ladenburger Petition an das freigewählte, wenn auch infolge de Gaullescher Verfassungsmanipulation eingeschränkte, Parlament in Paris ist eine Herausforderung des guten Geschmacks.

Ich kann den Absendern garantieren, daß die Angeschriebenen mit der Lektüre des - apolitisch politischen - Schimpfwerks nicht viel weiter kamen als bis zum ersten Satz im ersten Abschnitt.

In dieser Sprache erreicht man keinen französischen Parlamentarier. Niemand weiß das besser als Erich Knapp. Also war die "Petition" nicht an Frankreich gerichtet, eher gegen es, es zu kompromittieren, seine Politiker zu beleidigen. Frankreich wird sich hüten, in die Rheinbund-Falle zu schliddern.

Die NATO ist der Neue Rheinbund. Kaum jemand hat das so gut begriffen wie Frankreich - und zwar in der ganzen Breite seines politischen Spektrums.

Mit der "Petition" werden denn auch ganz andere Kräfte angesprochen und mobilisiert. Knapp könnte wieder einmal die Deutsche National-Zeitung mit Munition beliefert haben.

In einem im Kern gegen die französische Republik gerichteten, in Studien von Zeitfragen als "Sondermaterial" (Juli 83/I) - in der unverkennbar Knappschen Diktion - erschienenen Aufsatz - "Für ein libertäres & colbertistisches (= streng staatsdirigistisches - kkk) Frankeuropa" unter dem interessanten Namen "Joseph dels Razès" - lesen wir nicht nur den bereits zitierten Satz:

Noch einmal: Wer ein Ancien régime beseitigen will, der sollte nicht beginnen mit der Abschaffung der Todesstrafe!

In der für Knapp charakteristischen Argumentationskette tut sich auch dies dem Leser kund:

... müssen alle Todgeweihten ihre Hoffnung auf Frankreich und seine Fähigkeit, die Katastrophe einigermaßen zu begrenzen, richten - trotz Mitterrands Zweideutigkeiten. - Wenn aber die französischen Linksparteien durch eigenes Versagen wie durch die objektiven Konsequenzen, die das Kapital schon zu Beginn jeder sozialistischen Politik resolut zieht, Frankreich in den Todesstrudel abgleiten lassen, dann ist es Zeit zu ihrer Ablösung. Wie die Verhältnisse soziologisch liegen, kann die Ablösung nur durch die nationale, sprich gaullistische Bourgeoisie erfolgen - also: die citoyens der Revolution und der Résistance. Der Entschluß zur Ablösung kann nur nach der Erörterung aller Umstände getroffen werden. Er muß, angesichts der tödlichen Gefahr, nicht demokratisch entstehen.

Offenbar soll sich Knapps einzige "Nation" gleich noch einmal "konstituieren".

Lassen wir das Rankenwerk beiseite, so bleibt uns die "nationale Bourgeoisie" als Autor Knappscher "Ablösungs"-"Revolution".

Das wird für uns natürlich wichtig, weil Knapp ja ausdrücklich dieses Modell auf die Bundesrepublik, andernfalls auf eine südwestdeutsch-rheinische Pressure-Miniatur, angewendet wissen will.

Kein Wunder denn auch, daß er sein Bedauern über den bisherigen Verlauf der Geschichte in Kreisen der deutschen "nationalen Bourgeoisie" beziehungsweise einem ihrer zentralen Sprachrohre Wort werden läßt:

Bereits der Übergang von der Absoluten Atomaren Abschreckung zur Flexible Response veranlaßte de Gaulle, Frankreich aus dem militärischen NATO-Automatismus herauszuziehen, durch die eigene Force de frappe Frankreichs Boden zu einem Sanktuarium zu machen und die Frage über Krieg oder Frieden wieder demokratisch zu der der Betroffenen zu machen: der Nation (Neue Politik vom 1.12.81).

Dann der Wink:

Der Wechsel der französischen Verteidigungspolitik... blieb für das westdeutsche Denken leider folgenlos (ebd).

Original und unentwegt Erich Knapp:

Ich antworte Wolf Schenke: Ja, ich habe ihn gut verstanden und bin bereit, mitzuarbeiten an dem Aufbau einer Nationalen Befreiungsbewegung (NP, 1.12.81).

Ich bin sicher: Auch Schenke hat den Knapp "gut verstanden" und ist "bereit". Der "Wandel" vollzieht sich durch "Annäherung".

Zu Recht fordert Schenke deshalb u.a. den sofortigen Austritt der BRD aus der NATO ohne Wenn und Aber und ohne jede Vorbedingung, die Neutralität und Blockfreiheit Westdeutschlands sowie - da die USA auch ohne Stationierung von Cruise Missiles und Pershing-II... uns in einen Krieg mit der Sowjetunion verwickeln können - die Kündigung des recht hintersinnig Deutschlandvertrag genannten Unterwerfungsdokuments nebst Truppenvertrag usw. (ebd.).

Bei diesen - auch sprachlichen - Anpassungsfähigkeiten wundert's mich schon gar nicht mehr, daß Knapps Setzer in dem im kuckuck auszugsweise dokumentierten Buch (Deutschland, wir weben dein Leichentuch) sich unablässig "Ausschwitz"-Denkmäler setzen durfte.

"Befreiung" bedeutet ihm:

Befreiung zuvörderst aus den Stricken der Geschichte, die uns fesselt und in diese Todeszelle gebracht hat (ebd.).

Ein historischer Aussteiger also? In der Ausgabe vom 15.12.82 las man von Erich Knapp diesen merkwürdigen Satz:

Ich verabschiede mich als politischer Mensch von den Deutschen. Als Mensch unter Menschen will ich bei ihnen bleiben bis zum Ende. - Dies wäre die Bekundung, die ich gern noch in NP publiziert sähe.

Wie das? Da er doch hernach politisch kräftig weitermacht! War's ihm schon selbst unerträglich geworden, was er in eben dieser Neuen Politik von sich gegeben hatte?

Aufrecht werden, das ist nicht das Ergebnis eines naturwüchsigen Wucherns. Würfe man nur die Krummformen der älteren Generation ab, so das unreflektierte Bild der jugendlichen Selbsterziehung, dann täte schon die Natur ihr Werk, und der aufrechte Gang könne beginnen. Da sie Geschichte nicht kennen, wissen sie nicht, daß genau so der junge Mensch der zwanziger und dreißiger Jahre war, so aufrecht, der dann zum frisch-freien Nazi wurde (weil er es unpolitisch bereits war) und sich so vorteilhaft von den Geheimnazis in Bonn unterschied (NP 15.8.82).
Sicherlich: Begin, seine Koalition, seine Offiziere, müßten vor ein Nürnberger Tribunal und unter einen Nürnberger Galgen gestellt werden; die typisch sozialdemokratische Opposition in Jerusalem sollte in ihrem eigenen Sumpf ersticken, so wenig wert ist sie. Aber gleichzeitig müssen wir sehen, daß die Begins wahnsinnig wurden durch die antisemitischen Verfolgungen, von denen der Massenmord durch deutsche und österreichische Katholiken nur der letzte Höhepunkt war (ebd.).
... jetzt muß jeder Menschenfreund sich zu äußerst diszipliniertem Denken zwingen (ebd.).

Erich Knapp kämpft, wie man immer wieder erstaunt feststellen kann, gegen "Nazis", die "ideologisch keine Nazis sind", während er mit ideologischen Nazis gemeinsame Sache macht.

Welchen Stellenwert erhält jetzt aber im nachhinein sein konsequenter Widerstand gegen die Renazifizierung des Diplomatischen Dienstes der Bundesrepublik?

Wem nützt Erich Knapp? Wem schadet er vor allem? Nimmt er den Traumtänzer und Schönredner einer neuen grande illusion, diesen Spielzeughersteller und Dichter seiner farce de frappe, wie das Ding, das teure, in Frankreich genannt wird, wirklich so ernst, diesen guten Charles de Gaulle, Saubermann im kollaborationsverschmierten Nachkriegs-Frankreich? Maurras ante portas?

Ich muß sagen, daß Erich Knapp mich enttäuscht hat. Ein klarsichtiger tapferer Mann im Apparat kämpft gegen dessen Nazifizierung wie einer vom Jüngsten Tag und mit allen persönlichen Risiken, die damit zusammenhängen.

Da glaubt man, dieser Kerl stürzt nicht nur um, er verkündet eine neue Zeit, und jetzt kommt so ein kleinkarierter Gaullismus heraus.

Das hätte er sich leichter machen können. Denn wenn er seinen Gaullismus doch wieder nur mit Nazis realisieren will, warum blieb er nicht gleich bei den Nazis im Amt?

Da er es nicht tat, aber tut, was er tut, muß ich annehmen, daß die Nazis im Amt allenfalls ein Vorwand, der wahre Beweggrund für seine Rebellion aber gar nicht waren.

Knapps seltsamen Pläne zur Etablierung einer neuen Wissenschaft - der "Teutonologie", einer insonderheit auf "die Deutschen" anzuwendenden "Endemologie" - haben zweifellos kulturrassistische Züge.

Bei aller Historisiererei verwendet er den Begriff "Sozialcharakter" ähnlich, wie die traditionelle Rechte von "Nationalcharakter" spricht.

Maurras? Auch Fiume fällt einem manchmal ein, und ein Anteil Mussolini, als der Sozialist nicht mehr war, schon Faschist, aber die Sozialisten umwarb, mit dieser oder jener Methode, sie herüberzuholen, umzudirigieren, ihrer vielen Anhänger wegen, der "Massen", nicht wahr.

Vielleicht wurde Knapp gar nicht entlassen. Wenn alles nach Drehbuch geht, können wir noch auf einiges gefaßt sein. Oder es ist ein Verrückter am Werk, ein Gezeichneter, ein zutiefst in der Seele Verletzter. Nicht daß der revolutionäre Berg kreißte - das gaullistische Mäuschen macht mir zu schaffen. Und einiges mehr.

Knapp hat eine Massenbewegung zu organisieren, dabei bedient er sich einer dialektischen Methode, Rezept obenauf. Zu welchem politischen Zweck?

Darf man einem Erich Knapp zutrauen, er würde vom Sterbebett aus noch schnell sämtliche Hebel und Knöpfe betätigen, um unsern Planeten ins All zu sprengen?

Daß einem solche Überlegungen überhaupt kommen können, ist eben ein Kind der Doppelbödigkeit der ganzen sogenannten Friedensbewegung. Auch das könnte beabsichtigt sein. Ein gewissermaßen kollektiver agent provocateur möchte zu unbedachten Gegenhandlungen verleiten.

Es sind Profis am Werk. Und Erich Knapp könnte sich noch einmal als Militärstratege einen unrühmlichen Namen machen. Dieser Demagoge ist mit vielen Wassern gewaschen.

Die NATO-Strategie macht uns vor dem Kriegsfall erpreßhar und löscht uns im Ernstfall völlig aus. Und genau das soll sie wohl auch bezwecken. - Das Spannocchische Konzept (aus dem österreichischen Generalstab - kkk) hat innenpolitisch den Vorteil, gemäß ihrer Berufsauffassung jenen Teilen der Bundeswehr plausibel zu sein, die sich patriotische und landsmannschaftliche Gefühle als Menschen bewahrt haben und nicht die Henkersknechte des Pentagon an ihren eigenen Verwandten, an Freunden und Landsleuten (hüben und drüben) werden wollen. Jenes Konzept ist ein Appell an das besondere Berufsethos und die Ehre von Soldaten und Offizieren. Es ist, sollten die Selbstmordraketen installiert werden, ein überzeugendes und starkes Motiv für die notwendige Befehlsverweigerung! (StvZ, Okt.82).

Erich Knapp, ein unter sowjetischer "Erpressung" auf die Bundesrepublik reduzierter Deutschnationaler? Seine Absage an den "Ethnozentrismus" ein Bittebitte um Schönwetter? Um der Erpreßbarkeit zu entgehen, möchte er auch Berlin abstoßen. So stark, daß einer wie Knapp gleich in Panik gerät, kann dieser Druck wiederum nicht sein.

Erich Knapp rezensierte Wolfgang Pohrts Endstation und grübelte darüber,

warum Pohrt die verhältnismäßig milde Diktatur Jaruzelskis in Polen so rasant verurteilt hat, so daß das falsche Bild, er sei gegen die Friedensbewegung, befestigt wurde (StvZ, Nov. 82).

Mittlerweile bekommt Lech Walesa - wie einst Carl von Ossietzky - den Friedensnobelpreis. So wandelt sich allmählich das Bild. Knapps Kriegsrechts- und Friedhofsbewegung war sowieso nicht mehr zu entlarven, aber der "Selbstbestimmungs"-Einpeitscher definiert sich eben auf unnachahmliche und fast schon berauschende Weise.

Man kann süchtig nach ihm werden. Nicht "Rußlands Schwächungsängste zu verstärken" (StvZ, Mai/II 83), ist ein Knappsches Hauptanliegen. Soll Rußland freier werden, "dann muß es sich entspannen können" (ebd.).

Spannender werden dann schon Knapps Eingriffe in die Souveränität der sogenannten Drittweltländer:

In der Sahelzone z.B. haben der einheimische Aberglaube, daß große Rinderherden eo ipso gut seien, und der technologische Aberglaube der europäischen Entwickler zur Verwüstung weiter Lebensräume geführt.
An anderen Orten wird der alte Glaube, daß Frauen jahrjährlich Kinder zu gebären hätten, sowohl vom islamischen Fundamentalismus wie vom Katholizismus gewaltsam gestärkt mit der Folge der verelendenden Bevölkerungsexplosion.
Die kulturrevolutionäre Gleichberechtigung der Frauen muß von uns gegen die männischen Religionen unterstützt werden! Jede Hilfe für Prestigeprojekte (Armeen, nationale Fluglinien, Stahlwerke, AKW) ist zu sabotieren (ebd.).

Am spannendsten aber ist wohl der - innere - klassenpolitische Hintergrund: Quelle eines neuartigen Imperialismus.

Es muß auch das Ziel deutlich genannt werden: Die Befreiung von Monopolkapitalismus und NATO, die Revolution zur Schaffung von Föderationen Rätesozialistischer Ökologischer Republiken, zuerst regional, endlich als Weltföderation. - Zur Klassenbasis einer solchen Strategie noch dies: Auf unsere disziplinierten Fabrikarbeiter mit ihrer jetzt faschistoiden (fremdenfeindlichen) Indoktrination warten zu wollen, wäre Zeitverschwendung. Für Arbeiterparteien ist kein Bedarf, wenn das Subjekt der Revolution bewußtlos, also nicht Subjekt ist, sondern Objekt. Deshalb können wir z.Zt. nur die Teile der Arbeiterklasse ansprechen, die als Angestellte das unverdiente (!) Glück, die Zeit und Gelegenheit zur Erlangung höherer Bildung und verfeinerter Lebensansprüche fanden. Wenn auch teilweise ohne die politische Bildung der ausgestorbenen deutschen Arbeitergenerationen (vielleicht zum Glück: Beim Anblick unserer akademischen Marxologen oder der maoistischen Stalinisten kommt einem das Grausen!), so ist doch der Ökologismus dieser Angestellten das Ergebnis eines ästhetischen Begreifens der Menschen- und Naturfeindlichkeit unserer Produktionsverhältnisse, zu denen auch der Gigantismus und die Grobheit vieler Technologien gehört. Diese Sensibilität hat Alarm geschlagen, als das abgehärtete, patriarchalisch geprägte Gefühl und der nur noch technische Verstand der Fabrik-Arbeiter zu nichts weiter reichte, als zu blinder Wut auf Langhaarige und Ausländer. Die Angestellten hängen freilich eng zusammen mit dem selbständigen Kleinbürgertum, den Bauern, dem Akademikertum, den mittleren und kleinen Beamten (und sogar den höheren Beamten in den Versorgungseinrichtungen des Staatsapparates) sowie der nichtmonopolistischen Bourgeoisie. Diese Zwischenklassen waren bei uns bis in die 60er Jahre faschistoid in der nazistischen oder christlichen Ausprägung. Aber das ändert sich rasch (StvZ, Mai 82).

Na ja, da ist sie halt wieder, die alte Konterrevolution aus der Generalstabskasse. Und das alte Personal. Wolf Graf von Baudissin, ehemals Erfinder des demokratischen Bürgers in Uniform, hat seine Generalsuniform abgelegt und sich diskret unter die Zivilisten gemischt - als Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.

In vorderster Front derer, die den jahrzehntelangen Frieden wieder mal in "Bewegung" bringen, stehen Generäle, Ministerialbeamte, Diplomaten, hohe Offiziere - meist ohne "Vergangenheit". Die Vergangenheit hat sich einstweilen in den Schatten gestellt. Oberstleutnant Mechtersheimer, Major Hansen, Konteradmiral und Kommandeur der Bundeswehr-Führungsakademie Wellershoff, General Bastian, Europa-Beamtin Kelly, die Nachrichtenoffiziere Augstein und Nannen sowie die Luftwaffenoffiziere Beuys und Engelmann...

Und die

Moral der neuen Klasse kann nur eine nichtkonsumistische, sozusagen aristokratische sein. Für eine nicht übersehbare Übergangszeit ist auch die oberste Etage der Finanzbourgeoisie zur Mitherrschaft geeignet, weil sie so reich ist, daß keine ökologisch notwendige Produktverknappung ihren Lebensstandard tangieren kann

- jede um so mehr natürlich den der Proleten...

Knapps Sklaverei enthüllt bereits in der Theorie ihre menschennaturfeindlichen Konturen, na gut.

Dies klingt gewiß zynisch. Aber der gegenwärtige Massenmord in der Dritten Welt, die Umweltvergiftung, die Ausrottung der leidenden tierischen Kreatur... (StvZ, Juli 83/1).

Nicht "Deutschland" - der Demokratie weben sie das Leichentuch. Der menschlichen Würde.

Und der südwestdeutsch-rheinische Separatismus? Ist ein Spiel mit falschen Karten.

Ob ähnlich um Knapps finanzpolitische Vorgaben, die in einigen Punkten von den üblicheren grün-alternativen Vorstellungen abweichen, es bestellt ist, habe ich nicht näher untersucht.

Daß sein Konzept insgesamt eine Lakaien- und Bütteldienst-Offerte an die herrschende Klasse - präziser: die traditionelle Henkersklasse - nationale Bourgeoisie - darstellt, darin ist es den rivalisierenden Farbwechslern, ob halb- oder gesamtdeutsch, jedenfalls gleich.

Ihre "Alternativen" sind immer Alternativen zu dem, was sozialhistorisch bereits in der Tür steht. Weltweit.

Rhetorisch nahm Erich Knapp bereits vor einem Jahr Abschied von der Politik. Seine letzte politische Nachricht überschrieb er: "Die Uhr ist abgelaufen..."

kuckuck 42ad
1983

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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