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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1983-01-21
bis
1983-05-30
(siehe auch kuckuck 37/38/39)
Christoph Marx an Horst Lummert:
...
Bislang hörte ich überhaupt nichts über ein Interesse an diesem Material: gibt es unter Ihren Lesern (und wieviele darunter sind Leserinnen?) gar niemanden mit Vorstellungsvermögen für die Folgen eines u.U. vollkommen irreführenden Geschichtsbildes?
Ich finde das äußerst erstaunlich besonders auch im Vergleich mit dem oft zu Tage tretenden marxistischen oder sonst alternativen Sendungsbewußtsein, das der Anlaß zu so manchen gesellschaftlich sich verantwortlich vorgebenden Schriften ist. Haben Sie selbst mehr gehört?
Die verkrampfte Zähigkeit, mit welcher am herrschenden aktualistischen Wahn festgehalten wird, erstaunt mich ja immer wieder fast maßlos; es ist doch merkwürdig, wie scheuklappen-heutig die Menschen dahinwandeln!... (21.1.83)
Horst Lummert an Christoph Marx:
Wie finden Sie meine Doppelrolle im kuckucksspiel? Feyerabends Verbotsbegehren war ein glatter Stilbruch. Wie beurteilen Sie Ihre Verdrängung des Namens Velikovsky aus der Rekonstruktions-Geschichte?
Die Reaktionen sind spärlich: "zu esoterisch", "unverständlich" o.ä.. Feyerabend kommt meist ganz gut dabei weg. Ich glaube aber auch, daß das Heft wegen seines Umfangs erst im Laufe der Zeit wirklich vom einen oder anderen durchgearbeitet wird.
Mich würden auch weibliche Äußerungen sehr interessieren. Ich denke, daß auf feministischer Seite ein ideologisch-grundsätzliches Interesse an dem Gesamtkomplex bestehen müßte und wohl auch besteht. Aber Emma meldet sich nicht - was wiederum die Folge eines anderen Grundsatzes sein dürfte, nämlich in derlei Fragen nicht mit Männern zu diskutieren.
Am kuckuck liegt es jedenfalls nicht, wenn die Sache auf sich beruhen bleibt. Ich bringe sogar das Kunststück fertig, mit Marx (Karl) und Velikovsky und Altem Testament zu jonglieren, ohne daß ich mich dabei in Widersprüche verwickeln müßte. Und der Theologe Zielonka (übrigens in vatikanischen Diensten - bis vor kurzem in Rom, jetzt in Paris: Doktor der Philosophie und der Gotteslehre) verträgt sich mit dem antiklerikalen Erich Knapp so gut wie mit dem Venusbazillus-Desinfektor Marx (Christoph): unterm Sternbild des kuckuck ist noch vielerlei möglich. Wir werden sehen, wohin die Reise geht.
Übrigens fiel mir auf, daß Sie nicht nur Velikovsky verdrängen, sondern jüngst auch den kuckuck nicht mehr namentlich genannt haben, nur noch als "deutsche Zeitschrift". Interessierte, die jetzt durch Sie an die Sache herankommen, können sich über das nähere und weitere Umfeld des Feyerabend-Anlasses gar nicht informieren.
Ich weiß nicht, wie Sie das durchhalten wollen, wenn Sie schon zu so früher Stunde solche Ausgrenzungen vornehmen zu müssen glauben. Die Diskussion hat doch erst begonnen. Oder sehe ich da etwas falsch?
Sie sprechen vom "herrschenden aktualistischen Wahn". Sind nicht die Schlußfolgerungen, die Sie aus der Geschichts-Rekonstruktion für die Gegenwart ziehen, auf ihre Weise aktualistisch?
Wenn es sich bei dem Vergessen vergangener kosmischer Katastrophen tatsächlich um kollektive Verdrängungen im psychoanalytischen Verstande handelt, obwohl ich eher annehmen möchte, daß es über die Jahrtausende einfach verloren ging, jederzeit aber ohne innere Abwehr, soweit diese nicht sehr viel spätere Entstehungsgründe hat, wieder "gefunden" werden könnte - wenn es sich also tatsächlich um kollektive Verdrängungen handelt, was geschah bzw. geschieht da eigentlich - psycho-logisch im Augenblick der Katastrophe bzw. im Augenblick der Aufklärung nach erfolgreicher Analyse?
Wenn heute noch verdrängt bleibt (was ja nun analysiert, worüber aufgeklärt werden soll) das Katastrophenerlebnis vergangener Jahrtausende - wo ist dies Erlebnis die ganze Zeit über gespeichert gewesen, wie überträgt sich's von Generation zu Generation?
Und sei's nun schon zu einem Bestandteil unsres Gen-Haushalts geworden: mit Psychoanalyse und Aufklärung wollen Sie da wirksam ran, ans Kollektiv? Völlig unbrauchbare Instrumente dies dafür. Was meinen Sie? (2.2.83)
CM an HL:
Wenn ich mal nicht mehr soviel verdränge, wie Sie glauben, kann es ja besser werden - den kuckuck erwähnte ich in jenem Brief noch nicht, weil ich dem Schurken im Stück keinen unzeitigen Hinweis auf das wichtigere Verbotsobjekt geben wollte; der Velikovsky indessen ist mir - ich habe das früher schon angedeutet - als Markenzeichen zu schade und gefährlich, um eine Sache damit zu umschreiben.
In was für Widersprüche wollen Sie sich denn beim Jonglieren mit Marx, Velikovsky & AT verwickeln? Ob Sie im Zirkus, von dem schon Feyerabend berichtet, mit Keulen, Messern und Flaschen oder aber mit Buchbänden herumwirbeln, sagt ja nichts aus über deren Qualitäten - stumpf, spitz oder scharf. Auch das Zusammenliegen diverser Meinungen im kuckuck macht noch längst keinen schmackhaften Mixedgrill - ich z.B. finde Knapp & Konsorten völlig ungenießbar in ihrer Art, aktuelle Kollektivverrücktheiten nicht als solche, sondern als rationales - wenn auch zu kritisierendes - Handeln aufzufassen. Und das mit Begründungen, die Gesellschaftstheorien entstammen, die keinerlei Bezug zur "vergessenen" Menschheits- und Naturgeschichte herstellen. Derartige sozialwissenschaftliche Betrachtungen sind m.E. ebenso überflüssig wie Worte zum Sonntag oder Wahlpropaganda jeglicher Couleur, der ich halt nichts anderes mehr als Polemik (wenn überhaupt) entgegenhalten mag.
Im weiteren jonglieren Sie sehr unlogisch. Wie kann dem Kollektiv das Wissen um seine eigene Geschichte "verlorengegangen" sein, wenn sie in den Quellen so tradiert werden muß, daß wir sie a) rekonstruieren können, b) das Kollektiv noch und noch sich mit seiner Vergangenheit beschäftigt und c) sie aber nie und nimmer in der rekonstruierten Form kennen will? Wie das gespeichert, tradiert und verarbeitet wird, finden Sie in den Tabellen ja zusammengefaßt: die könnte ich Ihnen zur Veröffentlichung vielleicht in leicht verkleinerter Form noch schicken?
Und ich kann Ihnen zum evt. Erfolg der Aufklärung - des Vorganges, die reale Vergangenheit in das Bewußtsein des Kollektivs zu heben - nur wiederholen, daß ich mir Gedanken dazu gar nicht mache: Einerseits habe ich für's Spekulieren nichts übrig; andererseits aber weiß ich nur zu unterscheiden zwischen der jetzigen Zwangsneurose, die 100%ig der Wiederholung der (nun atomar initialisierbaren) Katastrophe zusteuert, und der vielleicht über 1% liegenden Erfolgsaussicht einer Bewältigung der Vergangenheit.
Eine Methode zur Aufklärung des Kollektivs habe ich allerdings noch nicht gefunden und schon Velikovsky fragte diesbezüglich sehr zu Recht: Wie überhaupt läßt sich das Kollektiv auf die Couch legen? Ganz sicher nicht durch endlose Diskussionen im Bett nur verdrängungsleistender Theorien der Darwin/KMarx/Einstein-Prägung...
Ich möchte deshalb um schöpferische Gedanken eher als um provokative Fragen bitten. (9.3.83)
HL an CM:
Sie dürfen jetzt nicht ausweichen, meine Frage ist ernst gemeint: Wohin wurde verdrängt? Wo ist das seit Jahrtausenden Verdrängte gespeichert? Wie überträgt sich's von Generation zu Generation? Denn nur was im heute lebenden Individuum unterschwellig oder gänzlich unbewußt fortwirkt, könnte auch jene Abwehrmechanismen in Gang bringen, die sich gegen eine Aufklärung richten, d.h. also das psychisch Verdrängte nicht ans Tageslicht lassen wollen.
Die schriftliche Überlieferung ist etwas ganz anderes. Sie kann über Jahrtausende mitgeschleppt werden, ohne darum doch "verdrängt" zu sein. Im Gegenteil, ihr Überleben scheint mir dafür zu sprechen, daß man sie gerade nicht verdrängen, sondern allenfalls bessere Tage abwarten wollte, an denen sie sich womöglich offenbaren würde, ihr Geheimnis preisgeben könnte.
Die verbreitete "Heiligung" derartiger "Geheimnisse" spricht für diese Annahme, nicht für einen kollektiven Akt der "Verdrängung". Das hätte man ja leichter haben können, indem man's verbrannte, das Zeug.
Eher waren "Aufklärer" bereit, so "Unverständliches" einfach zu vernichten.
Beispiel: Die ganze Josua-Geschichte, auf die Sie gern zurückkommen. Die Bibel schreibt, das war so und so. Der Gläubige glaubt's, der Ungläubige glaubt's nicht. Weder der eine noch der andere "weiß" es. Der Ungläubige hätte die Geschichte auch verbrennen können, was soll's damit. Der Gläubige hat's gerettet über die Jahrhunderte, obwohl er's auch nicht besser wußte als jener. Aber er hielt da was für möglich, weil ihm immer wieder gesagt worden war, das soll wirklich so geschehen sein.
Nach dreitausend Jahren kommt ein Herr Velikovsky, guckt sich das alles noch mal ganz genau an, vergleicht mit anderen tradierten Texten und Wissenschaften und sagt dann einfach, wie es war (wobei ich auch noch andere Interpretationen nicht ausschließen möchte).
Die "Wissenden" sind schockiert, weil ihre Welt jetzt einzustürzen droht. Das gibt der Sache ihren Reiz. Die "Unwissenden" haben eine Sensation mehr.
Wenn es einen Verdrängungsakt tatsächlich gibt, so ist es der, der sich in diesem oder jenem lebenden Wissenschaftler abspielt, der sein bisheriges Werk usw. in Gefahr sieht.
Na ja, Priester, Theologen könnten natürlich auch Gründe haben, allerlei davon zu verdrängen. Aber da es sich im Falle Europas ja um ihre Überlieferung handelt, können sie doch eigentlich ganz froh sein, daß einer kam, die als unwissenschaftlich geltende Geschichtsschreibung mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen verband und ihren konkreten Wahrheitsgehalt bestätigt hat.
Sie ziehen aus allem den Schluß: Wenn's denn zu Wissenschaft geworden ist, können wir's ja in der neuen Übersetzung uns erhalten, das Original wird verbrannt oder kommt irgendwohin in die Ecke, wird verdrängt.
Ich hingegen meine: Vorsicht! vielleicht finden wir noch mehr! - Wenn Sie Hitlers Auschwitz in einen solchen Verdrängungszusammenhang bringen wollen, so allenfalls: Der hat die Sprache des 5. Mose-Buches aufs Volk dieses Buches angewandt, den Spieß umgedreht. Ein Verdrängungsakt könnte darin bestehen, daß die Opfer von heute die befohlene Täterschaft von damals nicht mehr wahrhaben wollen. Darüber kann man ganz offen reden!
Es wäre dann logisch zu folgern: Schmeißt die alten Bücher weg, ehe wieder ein Verrückter sie in die Hände bekommt und frei nach Josua sich mit dem biblischen Gott identifiziert und seinen Leuten gebietet, ihre Nachbarn alle auszurotten.
Ein Argument, das denen Recht gibt, die die Übersetzung und Verbreitung solcher Schriften für äußerst gefährlich hielten, eben weil der Mißbrauch sich geradezu anbietet unter bestimmten historischen Bedingungen. Auch das wäre zugleich eine "Verdrängung", keine Aufklärung über den geschichtlichen Hintergrund.
Eine Verdrängung im Sinne der Psychoanalyse können Sie "kollektiv" schwerlich, über Generationen hinweg gar nicht lokalisieren. Das sage ich ein wenig unter Vorbehalt.
Denkbar ist eine Übertragung, insofern die anfängliche erste individuelle Verdrängung die sie tragende Persönlichkeit beeinträchtigen mußte.
Die Widerstände in einer späteren Generation würden dann kaum sich gegen Aufhellungen des eigentlichen Verdrängungsgrundes richten als vielmehr gegen den jeweiligen Übermittler.
Ich könnte beim Ödipus-Komplex sagen: Die Söhne wollen immerfort ihre Väter erschlagen, aber in Wahrheit meinen sie gar nicht ihre Väter als Väter, sondern als verkrüppelte Zeugen und Mittler der Ur-Katastrophe.
Mit Hilfe der Psychoanalyse kommen Sie aber niemals an diesen Ur-Hintergrund heran, sondern, soweit sie auch zurückgehen mögen, immer nur an einen Übermittler in der langen Linie der Tradition.
Jetzt, okay, kommen Sie sofort mit dem Argument: Wenn wir den "Erregungshintergrund" kennen, was geben wir uns überhaupt noch mit dem Ödipus-Quatsch ab, nachdem sich obendrein und in gewisser Weise zu weiterer Bestätigung Ihrer Theorie der mythische Ödipus als historischer Echnaton, mit allem, was dazugehört, ausgepuppt hat.
Aber Sie müssen zugeben, diese Argumentationsreihe stammt von mir. Ich könnte ebenso die logische Verbindung zu Marx herstellen, versage es mir aber heute, weil die zweite Seite dem Ende zugeht.
Sie haben in Ihrem vorigen Brief den armen Erich Knapp (samt "Konsorten") so angerempelt. Er ist einer der wenigen, die unsere Diskussion und die ganze Velikovsky- und Rekonstruktionsgeschichte mit Spannung und größtem Interesse verfolgen.
Vielleicht dies noch: Wenn denn die ganze Menschheit mehr oder weniger ursprünglich entstellt und verkrüppelt ist und imgrunde unheilbar, dann bieten sich eigentlich nur zwei Lösungen an: Vernichtung oder Erbarmen.
Feyerabends Verständnis für alle menschlichen Schwächen, sein Relativismus in erkenntnistheoretischer Hinsicht, all das gehört dann auf die Seite des Erbarmens. Da finden Sie auch den "Sündenfall" und die "Erlösung" durch den "Heiland".
Wenn Feyerabend freilich vor den Kadi zieht und die Kirche ex cathedra oder sonstwie verfügt, sind wir das "Erbarmen" auf einmal los.
So kommt es hin und wieder zu Stilbrüchen. Weil die Geschichte, weil die Menschen, weil die Realität, weil die Verhältnisse... Nicht so sind, wie wir's gern hätten.
Warum sagen Sie nicht gleich "Sündenfall" statt "Erregungshintergrund"? Auch in unseren heutigen Überlegungen kehrt vieles einfach nur wieder. (19.3.83)
CM an HL:
Schon Ihre 1. Erkundigung vom 19. bringt mich mit den Fragen an Sie in Verlegenheit, ob Sie denn überhaupt studieren - lesen, immerhin -, was ich Ihnen schicke? Und ob Sie Logik und etwas Dialektik zugänglich sind? Denn ich muß mich wiederholen:
(1) Die Frage, ob das Kollektiv vielleicht etwas verdränge und deshalb sich vielleicht zwangsneurotisch-irrational verhalte, führt zur Rekonstruktion seiner Vergangenheit nach Ereignissen.
(2) Aus dieser Rekonstruktion weiß man dann, daß die Vergangenheit tatsächlich völlig anders als gelehrt und erlernt aussieht, daß sie also in der Tat verdrängt wird: Wie und wohin ist zwar die nächste Frage, die indessen nichts an der Feststellung ändert.
Und in der Tabelle weisen Heinsohn und ich doch darauf hin (und m.E. schlüssig nach), wie dann diese Sachen in der Sprache gespeichert bleiben, ohne daß auf individuell übertragene, quasi in die tierische Hardware geprägte Erinnerungen zurückgegriffen werden müßte (Velikovsky, Mankind in Amnesia), oder auf Jung'sche Archetypen und ähnliche evolutionstheoretische Ableitungen.
Wie Sprache im Gehirn des Individuums dann schließlich wirkt, dämonstriert klarstens Arno Schmidt - auch das sagte ich bereits - etwa am Beispiel Karl May (Sitara und der Weg dorthin); und ob dabei die Sprache schriftlich fixiert vorliegt oder die Berichte mündlich tradiert werden macht keinen grundsätzlichen Unterschied, da ja die Schrift die Phonetik wiedergibt und wir die Etyms (A.S.) beim Lesen/Schreiben ebenso wie beim Hören/Sprechen "hören", also im Gehirn verarbeiten.
Natürlich wird doch immer gleich alles verbrannt, was allzu deutlich unverschleierte Vergangenheit wiedergibt: die Zerstörung der Bibliothek von Alexandrien gehört ebenso in dieses Kapitel, wie die Einkellerung der Tontafelarchive Mesopotamiens in westlichen Museen, wo sie nach Tausenden von Jahren im sicher bewahrenden Sand und Klima innert etwa derselben Anzahl Wochen zu Staub zerfallen - zu 99% unausgewertet.
Sodann scheint Ihnen die Logik im Josua-Vorfall offenbar noch immer ebenso zu entgehen wie die Tatsache, daß es sich bei dieser Schilderung um wohl den allereinzigsten übriggebliebenen Bericht handelt, mit dem sich "kosmische" - richtig ist "chaotische" - Vorgänge logisch und naturwissenschaftlich als Beobachtung in geschichtlicher Zeit nachweisen lassen - aus all den Myriaden von Überlieferungen (die es gab (und noch gibt)) ist alles andere derart deutlich Verständliche vernichtet oder zuschanden gemacht worden.
Es ist ja nett, daß einige Wenige die Rekonstruktionsgeschichte "mit Spannung und größtem Interesse verfolgen"; aber warum machen sie nicht mit und äußern sich über die Konsequenzen des "ganzen Velikovsky" auf ihr Denken?
Ich meine nicht in der Art, wie Sie selbst "andere Interpretationen nicht ausschließen möchten", ohne solche Varianten dann allerdings darzulegen - gerade bezüglich der Josua-Geschichte warte ich schon 1/2 Ewigkeit auf standhaltende "andere Interpretationen" oder gar die Widerlegung ohne Ausflüchte (=Ihr "Vorsicht! vielleicht finden wir noch mehr!" - Daran mangelt's nun wirklich nicht, und reicht es nicht am jeweils per Ultimo schon Vorhandenen?).
Wenn Sie dem Feyerabend nach seinen Briefen & Aktionen noch immer ein "Verständnis für alle menschlichen Schwächen" und "Relativismus in erkenntnistheoretischer Hinsicht" zuerkennen, so kann ich schlechthin nicht mehr folgen: kaufen Sie denn diese seine Heuchelsächelchen noch?
Außerdem geht es beim Kollektiv nicht um menschliche Schwächen, um Erbarmen oder Sündenfall (wenn nicht mit ph geschrieben), auch wenn wir festgestellt haben, daß das Kollektiv genau gleich wie das Individuum z.B. unter Verdrängung und Zwangsneurose "leiden" kann, indem es ja reichlich Opfer darbringt. Diese verhindern wir nicht mit Erbarmen und auch nicht mit Bereuen oder was immer man mit Sünden tut.
Also: Sie selbst (+ Konsorten) sollten m.E. von jetzt an nicht mehr ausweichen und ein Urteil darüber fällen, ob Sie sich weiterhin auf die gelehrte und erlernte Darstellung der Vergangenheit stützen, oder sich davon überzeugt haben, daß sie ganz anders, nämlich katastrophisch-chaotisch verlaufen ist; dann erst nämlich nehmen Sie die Einwände auch ernst, die gegen die aktualistisch geformte Voreingenommenheit anzuführen sind. (26.3.83)
HL an CM:
Der psychoanalytische Begriff der Verdrängung impliziert das Phänomen des Widerstands, der sich gegen die Bewußtwerdung richtet. Dies bedingt eine individuelle Verdrängung.
Wo wollen Sie denn sonst die Energien für die Widerstände hernehmen?
Sie behaupten, daß die heute lebenden Menschen - obendrein kollektiv - eine Jahrtausende zurückliegende Geschichte aggressiv nicht wahrhaben wollen, sich gegen ihr Bewußt- und Öffentlichwerden mit allen Kräften zur Wehr setzen.
Ich habe Ihnen bereits im zurückliegenden Briefwechsel an Beispielen vorgeführt, daß davon überhaupt nicht die Rede sein kann.
Wenn irgendwer verdrängt, so hat er Gründe, die mit seiner eigenen, individuellen Lebensgeschichte im Zusammenhang stehen, mögen sie nun psychologisch-familiärer (z.B. ödipaler) oder ganz einfach beruflicher Natur sein (Wissenschaftler, Priester z.B. ).
Weder Sie noch Heinsohn legen Beweise vor, wonach es sich um über solche Beweggründe hinausgehende Verdrängungsursachen handeln könnte, sofern der Begriff Verdrängung hier überhaupt angewendet werden darf.
Sie verwechseln die Rekonstruktion mit den Vorgängen selbst. Sie übersehen, daß alle Rekonstruktion hier immer nur eine Konstruktion sein kann, die sich überlieferten und/oder intellektuell daraus erschlossenen Materials bedient.
Die in der Sprache oder in den Künsten gespeicherten Vergangenheiten lassen sich bei entsprechendem Wissensstand wieder aufschließen, ebenso wie alle anderen geschichtlichen Spuren.
Wie unsre Sprache auf die Schmidtschen Etyme, so läßt sich jedes Spurensystem menschlichen Handelns auf dessen subjektiven Momente zurückführen.
Aber das gilt eben auch für die forschende und analysierende Wissenschaft selbst. Absolute Forschungsergebnisse gibt es nicht.
Dies noch zur Unterscheidung zwischen Ereignis und Rekonstruktion des Ereignisses. Ihrer Form der Aktualisierung historischer Vergangenheit liegt eine Konstruktion zugrunde, die auch mit Velikovsky nur noch wenig zu tun hat.
Was Sie zu Recht beanstanden, daß die Tontafelarchive Mesopotamiens, von der Wissenschaft unbeachtet, in Kellern verrotten, das haben Sie doch selbst im Sinne mit unseren Überlieferungen.
Auch Konfuzius war sicherlich fest davon überzeugt, überholtes Zeug zu vernichten, als er die Verbrennung des alten Schriftgutes anordnete.
Heute wissen wir, daß Unschätzbares verlorenging. Ich kann Ihnen nachweisen, daß Sie praktizieren wollen, was Sie den anderen vorwerfen, immerfort.
Es wird auch gar nicht deutlich, wer nach Ihrer Ansicht denn nun im besonderen, gleichsam als Kopf des Kollektivs, an allem interessiert sein könnte.
Denn das liest sich doch bei Ihnen, als stecke eine weltweite Verschwörung dahinter, die also etwa auch einen Feyerabend zwinge, jeweils wieder aufs Konventionelle einzuschwenken.
Selbst bei dem Rückgriff auf Manetho, dessen Motive als "antisemitisch" dargestellt werden, ist doch Erhebliches offen geblieben.
Wenn wir ins Konstantinische Zeitalter heraufsteigen und seine schweren ideologischen und politischen Auseinandersetzungen berücksichtigen, die mit dem Konzil von Nikeia einen ihrer Höhepunkte fanden, woraus klar ersichtlich wird, daß sich hinter dem Streit zwischen Arius und Athanasius ein viel größerer, wirklich umfassender Weltanschauungskrieg verbarg, dann wird zugleich deutlich, was wir von dem guten Manetho eigentlich nur wissen können: nämlich was der Eusebius bei dem Africanus und dieser in Alexandria einige hundert Jahre nach Manetho im Vorbeigehen abgeschrieben haben.
Die Motive für eine Fälschung der Chronologie, falls es denn eine Fälschung war, müssen wir also ganz offensichtlich bei der weltlich-geistlich sich konsolidierenden römisch-byzantinischen Weltmacht suchen.
Aber Sie wehren sich ja mit Händen und Füßen dagegen, den wesentlichen Gegensatz zwischen, sagen wir, Morgenland und Abendland als für unsere Diskussion relevant zur Kenntnis zu nehmen.
Im übrigen ist mir überhaupt nicht klar, welche Konsequenzen denn noch ich aus der Tatsache bzw. ihrer Erkenntnis für mich ziehen solle, daß die Geschichte eine einzige Katastrophe und ein, an sich unbeschreibliches, Chaos beschreibt.
Ich habe Geschichte nie anders gesehen. Und meinen politischen Selbstdarstellungen können Sie ohne weiteres entnehmen, daß ich, auf die tägliche Praxis bezogen, eben schon die angemessenen Konsequenzen gezogen habe.
In einem Ihrer Briefe verwendeten Sie einmal das Bild vom fensterlosen Haus. Die Marxisten, denn von ihnen sprachen Sie, glaube ich, die Marxisten also machen Murks in dem Haus, ohne zu wissen, was draußen passiert. Das nehme ich jetzt auf:
Nach Ihrer Theorie wurden die Realgottheiten durch die Verbalgottheiten abgelöst. Sie zu beachten aber wäre ja der helle Wahn, nicht wahr.
Das hat der Marxist doch längst erkannt. Er dreht also dem mittlerweile zur Ruhe gekommenen Universum den Rücken zu und schaut nach, wie nun auch die aus dem Chaos hervorgegangenen irdischen und gesellschaftlichen Katastrophen und Skandale halbwegs gerichtet werden können.
Wenn aus dem Jenseits keine Gefahren mehr drohen, folgt dialektisch schlüssig auf alle transzendentale Bezogenheit die, sagen wir, Immanenzphilosophie - vom Pantheismus bis hin zu Karl Marx, der sogar Hand anlegen will.
Die Marxisten kümmerten sich schon sehr früh um den Gegenstand Ihres Interesses (Gäa), auch um die Geschichte seit Sinai zu einem erfüllenden Abschluß zu bringen.
Die faschistische Konterrevolution hat das längst begriffen. Die Dialektik ihrer Politik nimmt den proletarischen Gotteskindern nun auch noch die Arbeit ab, wenn Sie so wollen.
Historisch neu ist auch die Weltraumforschung. Die zunächst immanent angewandte Praxis (Marxismus, Materialismus) wird auf Transzendenz übertragen. Velikovsky hat da einiges schon vorgelebt.
Sie nennen, wo es Ihnen darum zu tun ist, sie als widerlegt und historisch überholt zu markieren, Marx und Darwin und Einstein in einer Reihe, als unterschieden die sich gar nicht voneinander.
Zu Marx habe ich etwas schon gesagt. Sein Verständnis der Geschichte als einer von Klassenkämpfen ist auch nicht eben evolutionär. Und Engels' nach Marxens Tod üppig aufblühenden, ich möchte sagen, unterschwellig germanophilen Evolutionismus können Sie sowieso vergessen.
Darwins Theorie ist in der Tat überholt, sie war's schon vor ihrer Geburt. Wahrscheinlich war sie das Erzeugnis einer vertrotzten Ideologie, die alles besser zu wissen glaubte und in Wahrheit eben nur ein qualitativer Rückfall war.
Aber so was gibt es ja. Von Darwin konnten sich Leute beeindrucken lassen, die wähnten, die Geistesgeschichte der Menschheit habe soeben begonnen.
Von Einstein verstehe ich nichts. Wenn ich allerdings sein mir nicht zugängliches Kosmoskonstrukt auf eines der initiierenden, von ihm erzählten Erlebnisse reduziere, die Geschichte vom Bahnhof und dem abfahrenden Zug, Sie kennen das Beispiel, so möchte ich sagen, daß die Kompliziertheit seiner für mein Leben ziemlich nutzlosen Gedankenverwicklungen mit der Relativitätstheorie, der einen wie der anderen, eine geradezu geniale Einfachheit zu Tage fördert.
Wenn's denn eine Täuschung war mit dem abfahrenden Zug, wie es eine Täuschung ist mit dem sich um uns drehenden Universum, so ist diese Folgerung auch umgekehrt möglich.
Die Weltraumfahrt bestätigt von Mal zu Mal entschiedener, daß von da draußen außer Steinen, Sie wissen es, nicht viel herzuholen, daß selbstverständlich die Erde der Mittelpunkt des Universums, also gut, der ideelle, der geistige Mittelpunkt ist.
In dieser Qualität findet sich, jedenfalls bisher, nirgendwo Vergleichbares. Doch während Sie mit Ihrer Gäa einen neuen Gedanken zu denken glauben, weiß ich natürlich, daß meine soeben hier geäußerten Überlegungen uralt sind.
Und daß sie, sollen sie historisch "überholt" werden, dies gewiß nicht erleiden durch so unzulängliche Theorien, wie sie uns nun schon seit Jahrhunderten immer wieder mal vorgelegt werden. Das besagt natürlich nicht, daß sie "unüberholbar" seien.
Einsteins Relativitätstheorie ließe sich sogar psychologisch erklären. Aus sich heraustreten, sich von außen betrachten, ist ein Symptom für Schizophrenien. Vielleicht haben wir da lediglich zwei Erscheinungsweisen des einen und selben Welt-Zeit-Zustands vor uns.
Daß es Massenwahn, Massenhysterien und kollektive Psychosen (eher vielleicht als Neurosen) gibt, stelle ich ja keineswegs in Abrede. Ich sehe nur, daß die Beweislage für die Bestätigung des von Ihnen vermeintlich Diagnostizierten einfach nicht zureicht.
An Heinsohn mehr noch als an dem hier speziell Erörterten, aber auch in Ihren Gemeinschaftsarbeiten läßt sich ohne weiteres die Grundkonstruktion einer "neuen" Mythologie nachweisen.
Wie sich in alten Mythen Geschichte und Wissenschaft verbirgt, so halt in mancher neuen Geschichte und Wissenschaft bunte Mythologie, alte oder neue.
Mir scheint, da beißt sich die Katze selber kräftig in den Schwanz. (3.4.83)
HL an CM:
Zu Ihren - hier noch nicht veröffentlichten - Briefen möchte ich noch einiges nachtragen.
5.8.82: "Und es fehlt den Juden selbstverständlich v.a. die aufgeklärt-rationale Begründung dafür, warum sie nicht der Gottheit (wieder) zu opfern seien."
Für diese Behauptung aber fehlt gewiß Ihnen die Begründung. Denn allenfalls könnte aus einem unaufgeklärt-irrationalen jüdischen Selbstverständnis heraus so etwas wie ein "akzeptierendes" Opferbewußtsein entstehen.
Der rationale, gerade auch über diese Geschichte im besonderen aufgeklärte Einblick in die hier wesentlichen Zusammenhänge wird sich zum genaueren Verständnis dem Begriff "Strafe" näher wissen als dem eines "Opfers". Ja, wenn ein amerikanischer Schriftsteller (mir ist der Name entfallen) dem Hitler dunkel-messianische Qualitäten zuschreibt, so entspricht dies eher jüdisch-biblischem Selbstverständnis als Ihre "Opfer"-Interpretation.
Auschwitz als göttliche Strafe für die Assimilanten, für die Untreuen, die Verräter am Gesetz - das ist biblisch begründbar. Aber "Opfer" ist das nicht.
Der biblische Gott bedient sich immer wieder seiner Feinde als Zuchtrute, wenn man so will. Die Entfesselung seiner Feinde macht diese zu eifrigen Gesetzeserfüllern wider Willen. Hitler ist ja wirklich ein gutes Beispiel: er verfehlte nicht nur sein Endziel, er erreichte das pure Gegenteil von dem, was er angestrebt hatte.
22.9.82. "... habe ich selbst noch ein paar weiterleitende Gedanken eingebracht, die eine zweite mögliche Wurzel (neben der von Velikovsky gesehenen) über die Entstehung des Antisemitismus behandeln; denn die Nabu-Namen der chaldäisch-hethitischen Könige zu Babylon, wo die Juden im Exil lebten, und die Identität dieses Nabu mit dem 6zackstern kann m.E. kein Zufall sein. In diesen Quellen ist mehr versteckt & verdrängt, als den biblischen Mächten lieb sein kann..."
Ich finde es schon interessant, mit welchem Eifer Sie nach historischen oder welchen Gründen auch immer für den Antisemitismus suchen. Nicht diesen ordnen Sie demnach als kollektiven Wahn ein, sondern das "Verstecken & Verdrängen" der vermeintlichen, wohl auch noch seriösen "Gründe" für diese historische Krankheit.
Es sind eben Rechtfertigungsmotive, die sich "versteckt & verdrängt" finden in Ihrer "Aufklärung" und "Offenlegung" frühgeschichtlichen "Erregungshintergrunds". Wie ich es auch schon höchst merkwürdig fand, daß Velikovsky mit Hilfe der Hyksos, die er als moderner Zionist natürlich auch sogleich in den Arabern wiedererkannte, den angeblichen historischen Makel von den Juden nehmen zu müssen glaubte, als könnte man leichterdings die Rolle Josephs in Ägypten nicht ebensogut als "Grund" angeben für Majdanek, Treblinka, Sobibór...
Das Hexagramm ist kein ursprünglich "jüdisches" Symbol. Sie finden es bei Pythagoreern, Theosophen, Alchimisten... Ein magisches Zeichen, das im Mittelalter in Kirchendekorationen eher zu entdecken ist als in Synagogen, vor allem viel zahlreicher (siehe hierzu: Scholem, Judaica. - kkk). Die Identifizierung mit dem Judentum erfolgt allgemein erst im 18. und 19. Jahrhundert - spätes Neuzeit-Produkt. Daß es aus der astronomisch-mathematischen Kultur Babyloniens herkommt, will ich gern glauben.
Wenn ich jetzt an diese geometrische Ordnung der zum Hexagramm miteinander verschlungenen bzw. sich gegenläufig überdeckenden zwei gleichseitigen Dreiecke denke, will mir auf einmal einleuchten, daß ein geradezu existentielles Interesse an der, und zwar restlosen, Beseitigung der Spuren und Zeugnisse von historischen Störungen dieser Ordnung doch eigentlich und vor allem bei den Vertretern der Schulen und Nachfolgeschulen letztendlich erstorbener Astronomie, d.h. vom Himmel herab nunmehr schablonisierender "Geometrie" und spezifischer "Mathematik" zu suchen und mit Sicherheit auch zu entdecken wäre.
So wird erklärbar, warum außer der biblischen, nachgerade anti-mathematischen Jonas*-Geschichte (siehe hierzu den folgenden Brief vom 10.4.83. - kkk) nichts sonst verblieben ist an Zeugnissen und Niederschriften.
Denn während die "störende" und also beunruhigende Bibelgeschichte nur in einem winzigen, sagen wir, Tagebuch einer erweiterten Familie aufbewahrt wurde, haben die allerorten herrschenden machtvollen Vertreter von "Ruhe und Ordnung", haben die Regimes der Sklavenhalter samt Priesterschaft mit ihrer Vertröstungspropaganda für ein schönres Leben nach dem Tode die "Ruhestörer" bald identifiziert und ihre Hinterlassenschaften, soweit erreichbar, ebenso vernichtet wie das Wissen von den besonderen kosmischen Umständen bei der großartigen Befreiung und Fortführung der Sklaven aus dem ägyptischen Beamten- und Ameisenstaat.
Da hatte nämlich der liebe Gott seine Hände mit im Spiel. Wie gefällt Ihnen die These?
26.3.83: "... und ob dabei die Sprache schriftlich fixiert vorliegt oder die Berichte mündlich tradiert werden macht keinen grundsätzlichen Unterschied, da ja die Schrift die Phonetik wiedergibt und wir die Etyms (A.S.) beim Lesen/Schreiben ebenso wie beim Hören/Sprechen hören, also im Gehirn verarbeiten."
Das ist so, wenn wir's auf die alten Schriften - Hebräisch, Ägyptisch, Chinesisch - anwenden, nicht haltbar. Bleiben die Schriften - die chinesischen Embleme, die ägyptischen Hieroglyphen, die hebräischen, in der Regel wohl aus drei Konsonanten bestehenden, Radicals, charakteristisch übrigens für alle semitischen Sprachen - konstant, so ist das Gesprochene so zahlreich und variabel wie z.B. die arabischen Mundarten, die chinesischen Dialekte, die allesamt von jeweils einer Schrift, einem Zeichensystem abgedeckt werden.
Das Konsonantenwurzelschema können wir zwar auf die indogermanischen Sprachen übertragen, aber Arno Schmidt hält die Vokale konstant und spielt mit den Konsonanten. Das gibt zwar interessante Einblicke in hiesige Sprach- und Denkstrukturen, ist für unsere Zwecke aber unbrauchbar. Sie können mich da ja gegebenenfalls berichtigen.
Bei aller Mehrschichtigkeit und aller historisch zusammengekommenen Bedeutungsdichte der chinesischen Zeichenschrift läßt sich auch gerade an ihr die gegenüber dem Mündlichen disziplinierende und präzisierende Funktion erkennen. Alle auf Phonetik fußende Paläolinguistik hat ihre historischen Grenzen. (6.4.83)
HL an CM:
Im vorigen Brief... spreche ich von der "nachgerade antimathematischen Jonas-Geschichte". *Das sollte natürlich "Josua-Geschichte" heißen.
Später überlege ich, ob nicht eine geheime Nachricht sich Luft machte mit diesem Fehler.
Eine "Etym"-Wortwurzel-Assoziation bietet sich an, ich komme von "Jonas" sogar auf "Janus", womit über Ihren Verlag (Umschau mit dem Janus-Signet) wiederum die Verbindung mit "Josua" hergestellt werden kann.
Und die Jonas-Geschichte selbst erzählt uns ja auch von einer neuen Qualität, einer Wende, einer neuen geschichtlichen Stufe in der, sagen wir einmal, göttlichen Pädagogik.
Josua, Jonas und Janus gehören also tatsächlich zusammen.
Und noch etwas: der Name "Jonas" bezeichnet auch ein Autorenpaar, das u.a. in "antimathematischen" Zusammenhängen Erwähnung fand: im kuckuck 25/26.
Ich sehe, das Heft haben Sie noch nicht. Ich füge es bei. Vielleicht finden Sie das eine oder andere Interessante darin.
Was ich Ihnen, sozusagen als Ergänzung und Erweiterung unserer Korrespondenz, ans Herz legen möchte, ist meine "zubereitende Plauderei" (S.66ff.) Es ist ein bißchen lang geraten, aber ich finde, daß darin viele Punkte berührt werden, die uns auch hier schon beschäftigt haben. Paläolinguistik, Bibel, Gynaikokratie, sogar Gunnar Heinsohn wird kritisiert, ein wenig Kultur-Interpretation in aller kuckucksbescheidenheit.
Inzwischen bin ich sicher, daß meine Jonas'sche Fehlleistung ein Hinweis sein wollte: "Als sie Hand anlegten..." (10.4.83)
CM an HL:
Am Tag, an dem ich Ihre letzten zwei Briefe mit derselben Post erhielt, traf ich mich mit Gunnar Heinsohn in Köln zur Fahrt nach London, wo wir an einer Veranstaltung der Society for Interdisciplinary Studies (SIS) teilnahmen - u.a. sprach Alfred de Grazia über den Homo Schizo, wie er unsere gegenwärtige Ausgabe der Art nennt. Im Auto machten wir uns Gedanken zu Ihren Briefen:
Venus=Himmelskönigin=Jesus/Maria-Proletariat/Arbeiterklasse beschreiben die Kette von der Verdrängung des Zerstörerischen, das nun als ins Gegenteil Verkehrtes, also als Symptom des Messianismus und anderer Heilsbringerschaft wiederkehrt. Die Verehrer der so wiederkehrenden Gottheit attackieren dann die Ungläubigen als Christusmörder wie im Antisemitismus, aber auch als Feinde oder gar Mörder des Proletariats, wie Sie es im kuckuck mit Ihren Gegnern tun.
Wie der Papst seine Ankündigung ausdrücklich als Wahrheit deklariert, die den Ungläubigen, angeblich in ihren - als unwahr bezeichneten - Mythen Befangenen nahegebracht werden soll, kennzeichnen auch Sie diejenigen, die Ihren Glauben nicht mitmachen, sogleich als Mythologen - vielleicht gar nicht wissend, daß Mythos ursprünglich nichts anderes heißt als das "wahre Wort".
Sie fordern also zur Verfolgung des wahren Wortes auf. Dazu paßt dann, daß Ihr marxistischer Glaubenskern merkwürdig unexpliziert bleibt. Lediglich Ihre erregten Attacken, die Sie gegen allenthalben vermutete Gegner Ihres Proletariats richten, erlauben den Rückschluß auf Ihren Marxismus.
Und tatsächlich erkennen wir ja den Gläubigen an seinen Zeichen, für die er angstvoll und drohend zugleich Respekt fordert, die ihm aber unerklärlich und unfaßbar erscheinen und eben heilig sind.
Gehörte Marx tatsächlich zu den Wissenschaftlern, dann müßte doch in wenigen Sätzen anzugeben sein, welche bis dato ungelösten Probleme er welchen bis heute unbezweifelbaren Lösungen zugeführt hat.
Das merkwürdige Fehlen solcher Ausführungen bestätigt dann nur die eingangs formulierte These, daß die Faszi-Nation am Marxismus nicht aus Lösungen von lange rätselhaft gebliebenen Problemen rührt, sondern daraus, daß mit dem Proletariat - so rein, aber auch so mächtig wie die Heilige Jungfrau - für die von der Kirche, aber noch keineswegs vom Glauben Abgefallenen ein gleichwertiger Ersatz geliefert wird.
Und damit auch kein Zweifel an der historischen Identität dieser Gottheit aufkommt, ist ihre Farbe das Rot der gluthölligen Venus und ist ihr symbolisches Kürzel das Pentagramma Veneris. So unterscheiden sich dann Ihre regelmäßigen Verdammungsurteile im kuckuck nicht gar so sonderlich von den Aktionen der anderen Priester derselben Gottheit.
Wäre also die Einfügung von Resten, die trotz etlichen Verdrängungsversuchen überlebt haben, in das von Ihnen favorisierte Wissenschaftsgebäude so leicht machbar und nur eine Frage der Zeit, dann hätte man doch erwarten dürfen, daß Sie die von Ihrer Glaubensgemeinschaft so instinktsicher aufgesammelten Reste schon einmal korrekt eingefügt hätten.
Statt also die von Ihnen allzuleicht beschriebene Arbeit endlich auch einmal leichthin zu erledigen, geben Sie Ihre ganze Kraft für die Abschirmung Ihrer Gottheit.
Das führt nun gleich auf die Frage, wie denn kollektive Verdrängung erfolge, zurück. Sie wissen ja doch, daß Freud die kollektive Verdrängung bzw. das kollektive Schuldgefühl ganz selbstverständlich als über die Jahrtausende tradierbar betrachtete.
Wenn Sie einmal seine Versuche nachlesen, die Strenge der jüdischen Sexualmoral zu erklären, so werden Sie finden, daß er sich zwar dafür interessierte, wie aus Schuldgefühl gegenüber Moses ein neues Verhalten entstand; nicht aber dafür, daß es sich dadurch tradierte, daß Juden eben ihre Schriften tradierten.
Es macht halt keinen Unterschied, ob vor dreieinhalb Tausend Jahren Menschen im Angesicht einer realen Katastrophe gezüchtigt wurden, oder ob ihnen das heute mit Begründung durch eben diese Katastrophe passiert.
Heute wie damals handelt es sich um einen zwanghaften, der Wirklichkeit unangemessenen Abwehrmechanismus. Dieser aber zieht die Kraft des Menschen in sich hinein und bringt ihn so zum verrückten Handeln. Was kennzeichnet denn die individuelle Neurose, wenn nicht dieser Mechanismus? - :
Ein kleines Kind erfährt ein bestimmtes Ereignis als Trauma und ist zu einer sofortigen Reaktion gezwungen - ganz unabhängig davon, ob diese das Trauma zu bewältigen vermag: Wurde also ein Kotspiel plötzlich hart bestraft, mag zur Besänftigung und in Befolgung der strafenden Person eifriges Händewaschen begonnen worden sein.
Dieses vermag selbstverständlich Kot wegzuspülen, bleibt aber gegenüber dem Schrecken für die Strafe gänzlich hilflos. Kommt dieser Mensch später in Angstsituationen, die in keiner Weise mit seinen Toilettengewohnheiten in Zusammenhang stehen, und er beginnt zwanghaft mit Händewaschen, bis ihm die Haut in Fetzen hängt, dann nennen wir ihn verrückt.
Der Abwehrmechanismus paßt in keiner Weise zum aktuellen Angstauslöser, zeitigt aber sogar schon hier durchaus blutige Folgen.
Was die Sprache dem Kollektiv also nahelegt, sind Abwehrmechanismen, die nicht zu den jeweiligen Problemen passen. Für Ihren Fall ließe sich das wiederum daran exemplifizieren, daß gegen eine kapitalistische Wirtschaftskrise nicht der rote Fünfzackstern anzurufen ist, sondern z.B. Kreditsteuerung, Auftragssteuerungen, Arbeitszeitverkürzungen, etc. anzusetzen sind.
Wer aber der Gottheit hinterherläuft, wird die Verfechter solcher problemorientierter Vorschläge als Verräter geißeln und anschließend heftig ausstoßen, daß am Ende doch die Gotthelt der baniera rossa siegen wird.
Sie sehen wiederum, wieviel Arbeit von Ihrer Seite zu leisten wäre. Warum tun Sie das nicht einfach und lassen mich solange einfach als Ärgernis liegen?
Aber zu diesem Ärgernis zählen Sie ja auch, mit welchem "Eifer" ich dem Antisemitismus nachforsche.
Dieser Eiferervorwurf ist nun deshalb aufschlußreich, weil der Antisemitismusvorwurf, mit dem Sie immer so schnell bei der Hand sind ebenso wie der Antisemitismus selbst durch Eifer gekennzeichnet ist.
Wenn Sie jetzt den Versuch, die Morde an Juden als ver-rückten kollektiven Abwehrmechanismus zu dechiffrieren, als Eifer deklarieren, ja als "Rechtfertigung" des Holokaust (=Ganzbrandopfer) der Verbrechen denunzieren, dann betreiben Sie ja nichts anderes, als den Sucher nach der Feuerquelle zum Brandstifter zu erklären.
Ganz ähnliche Vorwürfe erhält ein begabter Bremer Sozialwissenschaftler, der ein sog. Fußhallfanprojekt durchführt.
Wie Sie wissen, gelten diese Fans aufgrund ihrer NS-Symbole und der Tatsache, daß sie die gegnerischen Fans als Juden, die man verbrennen müsse, angreifen, als Neonazis.
Seine Versuche, für diese Fans in den Jugendfreizeitheimen Platz, Zeit und Zuwendung zu organisieren, wurden von den verantwortlichen marxistischen Sozialarbeitern mit dem Vorwurf zurückgewiesen, er würde die antifaschistische Jugendarbeit, die sie mit jungen Menschen, die - Gott sei Dank - den Fünfsackstern und nicht das Hakenkreuz führten, unterminieren.
Die Symbole der Neonazis wurden also keineswegs - wie Sie sich das vorstellen - leichthin zur Vervollständigung der Geschichtsrekonstruktion verwendet, sondern mit Bann belegt.
Diese Symbole erweisen sich vielmehr als zwanghaft wiederkehrende Abwehrmechanismen und gerade nicht als schnell einfügbarer Stoff.
Sie sehen hier denselben Vorgang, wie gegenüber dem antiken Stoff; d.h., auch das ganz aktuelle Material, das (noch) nicht vollständig in den Museen verschwunden ist, versperrt sich der schlichten Einvernahme durch Ihre "forschende und analysierende Wissenschaft".
Hätte diese nicht versagt, dann gäbe es die Hakenkreuze auf den Fanjacken nicht. Das Abschlagen der Hakenkreuze etc. von den Häusern und Denkmälern erweist sich nämlich als ein geradezu verhaltenstherapeutischer Umgang mit dem Symptom: Es wird weggemacht, aber nicht bis zum Trauma zurückverfolgt und kann deshalb bei nächster Gelegenheit wiederverwendet werden.
Stünden die Hakenkreuze noch da, wo die Nazis sie plazierten, und wären sie mit beschreibenden Tafeln, wie man sie von historischen Sehenswürdigkeiten ja durchaus kennt, versehen worden, dann wäre statt der Symptomverdrängung ein Stück Aufklärung in Gang gekommen.
Ich bleibe gern bei meinen Wahren Worten der Rekonstruktion; und würde noch lieber darüber lesen, welche Konsequenzen Ihren Meinungen daraus erwachsen. (13.4.83)
HL an CM:
Sie machen es sich schon einfach genug, wenn Sie glauben, alles Mögliche (und Unmögliche) auf Ihren Roten Venusstern reduzieren zu können.
Denn "wie der Papst seine Ankündigung ausdrücklich als Wahrheit deklariert", so bestehen Sie halt auf Ihren "Wahren Worten der Rekonstruktion".
Na gut, Sie glauben daran. Jetzt aber übertragen Sie die schlichte Methode auch auf mich, imgrunde sei ich doch auf den roten Stern fixiert. Sie entlarven mich als "Venuspriester", den kuckuck als Instrument der Inquisition: "zur Verfolgung des wahren Wortes".
Soll ich denn nun denken, Sie wüßten nicht mehr weiter? Ich habe ja etliche Zweifel nicht nur geäußert, sondern auch begründet. An den Momenten, die ich als fragwürdig herausgehoben und kritisiert habe, läßt sich nun gut ablesen, was Ihnen "wahres Wort" ist und was nicht.
Sie räumen meine Zweifel nicht aus, räumen aber mittlerweile ein, nicht so sehr aufklärender Wissenschaft, wie bislang immer betont, als vielmehr der Verbreitung neuer Mythen zu dienen.
Als Prediger einer neuen Religion, gleichsam, geben Sie dem Inquisitor eine Definition zu Protokoll - "daß Mythos ursprünglich nichts anderes heißt als das wahre Wort" -, mit der Sie nicht nur geschichtlich, sondern auch in eine frühe Phase unserer Auseinandersetzung zurückfallen.
Auf die feinen Unterschiede zwischen Mythen und "Mythen" hatte ich ja längst hingewiesen. Und der Wahrheitsgehalt ergibt sich nicht aus dem Etikett, sondern vermittels eingehender Prüfung.
Im übrigen bedeutet "Mythos ursprünglich" nichts weiter als Gesagtes und Erzähltes. Daß man's zuzeiten mit der Realitätstreue sehr genau nahm, davon zehren heute Legenden auch aus weniger wahrhaftiger Küche.
Sie müßten ja eigentlich als Mann der Bibel auftreten, Jude und Hebräer werden, konsequenterweise, denn die Alttestamentarier sind doch die einzigen ehrlichen Übermittler jener Katastrophengeschichte.
Nirgendwo sonst hat sie sich in dieser Dichte erhalten. In unserm Kulturkreis wurde sie wahrscheinlich bewußt unterdrückt.
Sollten Sie zum Vergleich an die nordische Überlieferung denken: Deren Aufzeichnung ist so späten Datums, daß die Originalität erst noch nachzuweisen wäre, zumal gerade diese Texte mit dem Anspruch auftreten, von einem früheren Weltalter zu berichten.
Da gibt es, sind's nicht nur abgehobene Rezeptionen antiker Tradition, natürlich Anknüpfungspunkte.
Wenn die Erdachse sich verstellte, die Pole gar umschlugen, die Eiszeit(en) urplötzlich hereinbrach(en), wäre der sagenhafte Norden über Nacht unter dem Eis verschwunden.
Velikovsky würde die Authentizität der altisländischen Dichtung und Saga belegen helfen. Und dergleichen ist ja wohl das CHMarx'/Heinsohn'sche Hauptanliegen in dieser Angelegenheit. Warum sagen Sie's aber nicht klipp und im Klartext? Wir könnten schon ein ganzes Stück weiter sein. Die Verengungen in unserer Diskussion sind ja, weißvenus, nicht durch mich verursacht.
Ich kann Sie nicht "einfach als Ärgernis liegen" lassen, weil Sie kein Ärgernis sind. Sie sind mir wie ein Himmelsgeschenk, ja buchstäblich. Auch daß ich Heinsohn als potentiellen "Mörder des Proletariats", wie Sie schreiben, "attackieren" kann, liegt an seinen Schriften, ich erfinde mir nichts, es fällt mir zu, ich kombiniere.
Ihre Definition von Wissenschaft als "unbezweifelbare Problemlösung" ist mir zu schmal. Karl Marx war einer jener Denker, die Probleme gewiß nicht lösten, wohl aber auf sie und auf ihre Lösbarkeit hingewiesen haben.
Sie wissen, daß ich die kulturphilosophischen Werke Sigmund Freuds für spekulative Projektionen halte; er selbst schrieb sie mit deutlichen Vorbehalten. Sie diskutieren an meinen Argumenten vorbei.
"Strenge der jüdischen Sexualmoral": Wenn Sie genau hinschaun, werden Sie erkennen, daß die sexuellen Gebote sich gar nicht unmittelbar auf die Sexualität beziehen, sondern auf die Wahl des Partners. Es sind soziale Regeln, die die Sexualität nicht als solche, sondern als sozialen Konfliktstoff ausschalten wollen. Nach europäischen Maßstäben ist die biblische "Strenge" von skandalöser Freizügigkeit.
"Kotspiel" und Waschen: Es gehört zur Natur der Primaten, ja, zur tierischen Intelligenz, sich körperlich rein zu halten. Sich selbst beschmutzende Tiere sind in der Regel sozial gestört (infolge Domestikation o.ä.). Es gibt keine vernünftige Begründung für die These, die humane Reinlichkeitskultur habe so etwas wie einen Zwangscharakter.
In dem von Ihnen angeführten Beispiel erweist sich das Kind bereits als Opfer der Erziehung durch die wegen solcher Bagatelle gleich "hart... strafende Person".
Aber ich sehe, daß Sie diesen Zwangsakt mit der "Strenge" biblischer oder "jüdischer" Erziehung verknüpfen möchten. Dann verdankten wir das "Kotspiel" - nicht die Körperkultur - den Vorschriften des Alten Testaments, nicht wahr?
Ich unterstelle also die kosmischen Katastrophen und behaupte: daß diejenigen, die sich mit diesen Ereignissen historisch buchstäblich identifizierten, ja sie personifizierten, es beispielhaft für alle andern mitgetan haben, daß die andern es nachholen müssen.
Die Lehren der Bibel beruhen auf der neuen Katastrophenerfahrung, ziehen daraus als erste die nötigen Konsequenzen. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Alle bisherigen Weisheiten verblassen im Angesicht dieser kosmischen Konsequenzen.
Die Gebote enthalten die Therapie, eine simple Anleitung zur langwierigen Selbstheilung einer kataklysmisch verstörten Menschheit.
Aufgrund ihrer biologischen Konstitution waren die Frauen irdischen Erschütterungen sehr viel elementarer ausgesetzt als die Männer.
Es machte sie "böse", "irre" und "gefährlich"; so wurden sie von den Männern "gebändigt" und "unterdrückt".
Wie gefällt Ihnen meine "Rekonstruktion"? Sie erscheint mir schlüssiger als Heinsohns Anthropologie.
In Krisenzeichen kommt es dann wieder zum Ausbruch, könnte man sagen, kommt es zu Rückfällen in der Heilungsgeschichte.
So bedacht, scheint die Theorie, daß vor dem Patriarchat eine lange Geschichte gynaikokratischer Verhältnisse zu entdecken sei, nicht hinreichend begründet.
Feministische Perioden, Amazonentum und dergleichen, gehen stets einher mit männlichen Schwächeperioden; sind geradezu symptomatisch für historische und meinetwegen auch kosmische Krisenzeiten, "Endzeiten", "Apokalypsen"...
Penetrationsangst, Abweisung des männlichen Samens - vielleicht erinnert's noch ein wenig an die weibliche Urreaktion auf kosmische Einstrahlungen.
Ich gehe hier auf Ihre Argumentationsweise ein, wie Sie sehen.
Und die einzigen, die sich davon nicht verrückt machen ließen, zogen gerade durch die Wüste.
Vergessen Sie bitte nicht, daß wir auf die Geheimnisse der männlichen Sexualität, die zugleich die Geheimnisse des männlichen Geistes sind, noch gar nicht zu sprechen gekommen sind.
Die Beschneidung führt allerdings in die Gegenrichtung vom "Homo Schizo", raus aus dem Teich unter der Glocke an Land.
Daß Angst ursprünglich immer etwas mit Enge zu tun hat, gilt für den Mann, gilt für die Frau. Im Zentrum eine psychische Frage, ein psychologisches Problem; gelöst, überwunden, eine neue Grundbedingung.
"Kreditsteuerung" etc.: Sie haben die ersten kuckuckshefte nicht gelesen. Da steht nämlich, daß ich die sogenannten sozialistischen Staaten als vorkapitalistisch betrachte; daß wir den globalen Kapitalismus noch vor uns haben; daß die "sozialistischen Systeme", wollen sie vorankommen, sich kapitalistischer Methoden bedienen müssen. "Arbeitszeitverkürzung"? Aber wem sagen Sie das?
Sie haben mir einen Ball zugeworfen: In der Tat mache ich seit vielen Jahren die Beobachtung, daß geübte Brandstifter sich als Feuerwehr aufspielen.
Ich bin der Meinung, daß man weder die nazistischen Symbole noch die entsprechende Literatur "verbieten" kann. Aber es ist sicherlich falsch, zu meinen, die Jugendlichen, die sich heute für den Faschismus begeistern, täten dies aus sich heraus, autonom, und man müsse ihnen nun, so oder so, erzieherisch beikommen.
Zuviele Belege gibt es für eine gegenläufige "Entwicklung". Erst kommt die Nachricht, dann das Ereignis. Erst "beklagen" Medien die "Ausländerfeindlichkeit", dann steht an Kreuzberger Mauern "Türken raus" (die ersten Beschriftungen stammten ganz offensichtlich von TV-Filmemachern).
Ein großer Taschenbuchverlag (Ullstein - kkk) bringt jetzt nacheinander die bei Umschau erschienenen Velikovsky-Titel heraus. Weil er mit einer "kollektiven Verdrängung" rechnet? Nein, er wittert natürlich ein Geschäft. Es gibt hierbei nur eine Verdrängung: Ödipus & Echnaton. Ich warte, Christoph Marx. Sie haben doch die Rechte fürs Deutsche besorgt; halten Sie jetzt den Daumen drauf? Nachtigall! Sagen Sie mir bitte, daß ich mich irre. (28.4. 83)
CM an HL:
Seit Velikovsky's Tod ist mir von seiner Witwe jede Beschäftigung mit seinen Buchrechten verboten worden. Ödipus & Echnaton hätte schon längst wieder erscheinen müssen, ginge es nach den von mir vermittelten Verträgen.
Sie haben ja schon einen kleinen Einblick in die mit der Witwe und ihrem Kreis bestehenden Verhältnisse veröffentlicht (kuckuck 35/36 - kkk).
Beispielhaft für das, was heute zwecks Geschäft vorgeht, mag mein beigelegter Brief an Umschau-Breidenstein in Bezug auf die Wiederveröffentlichung von Zeitalter im Chaos sein: Die Leute dort - und auch in Princeton (dort treten aber noch Unterdrückungsmotive hinzu) - sind mit Velikovsky - ganz zu schweigen von Vorstellungen über die Bedeutung der Rekonstruktion - völlig überfordert.
Die Aufzeichnung der nordischen - v.a. der irischen (4.Jh.) Überlieferungen stammt aus früherer Zeit als diejenige der biblischen AT-Geschichten (9.Jh.).
Doch abgesehen von solchen Kleinigkeiten werden mir auch Ihre offenbar bedeutsam gemeinten Argumente immer unverständlicher, d.h. sie sind mir schlicht nicht mehr einsichtig.
Entweder Sie "unterstellen" die Katastrophen nicht nur, sondern anerkennen sie und lassen sich somit meine Vorhalte gefallen; oder dann eben nicht und geben sich halt uniform-evolutionistisch geprägten wissenschaftlichen Theorien hin: Warum unterstellen Sie eigentlich mir die Definition einer Wissenschaftlichkeit, mit der ich Ihre eigene erkennbare Einstellung unschrieben habe?
Ich habe Ihnen doch schon wiederholt gesagt: "Philosophien, Religionen und Wissenschaften sind Großdenk- oder -wahnsysteme, die einzig der Leistung von Verdrängung a) der Katastrophen und damit des Chaos um uns herum und b) des Verlassenseins durch die (Himmelskörper-) Realgottheiten dienen".
Beweisen läßt sich das bekanntlich einfach damit, daß von diesen verdrängten Tatsachen eben nicht die Rede ist und sein darf.
Weder verstehe ich da Ihre merkwürdige Auffassung, die Lehren der Bibel seien nötige (d.h. geistig gesunde) Konsequenzen aus der neuen Katastrophenerfahrung - die Einbildung daraus eines lebendigen Gottes ist doch völlig krank; noch begreife ich, wie Sie auf "bisherige Weisheiten" vor den Katastrophen resp. vor dem Verlassensein tippen, oder gar wen Sie unter den "einzigen, die sich davon (den Katastrophen) nicht verrückt machen ließen" verstehen wollen, denn ich kenne keine solchen - letztlich ist doch das Menschheitskollektiv insgesamt "verrückt" geworden, denn das Ganze verdrängt auch Alles.
Gar nichts sodann vermag ich mit lediglich heute bei uns erfundenen und nur in der aktualistischen Lehrmeinung vertretbaren "feministischen" oder "männlichen Schwächeperioden" anzufangen, und der Luxus individueller Spinnereien - "Penetrationsangst" u.ä. - liegt beim Kollektiv im übrigen m.E. schon gar nicht drin.
"Kapitalistische" oder "sozialistische Systeme" sind auf uniform-evolutionistischem Mist gewachsen.
Geht's nach mir, wird also die Vergangenheit ins Bewußtsein gehoben, dürften andere Un- resp. Ordnungen entstehen, über die ich aber weder etwas weiß, noch wissen kann.
Nur ist m.E. die Wahrscheinlichkeit einer "Heilung" durch Aufklärung um mehrere Größenordnungen besser als dann, wenn wir die Welt in ihrem derzeitigen neurotischen Wahn weiterversinken lassen.
Warum nur vermögen Sie nicht selbst zu beurteilen, daß eine ganz andere als die gelehrte Vergangenheit wahr ist?
Mit Bücherpost erhalten Sie Gunnar Heinsohn's jetzt abgeschlossen vorliegende Arbeit Privates Grundeigentum, Patriarchalische Monogamie und Geldwirtschaftliche Produktion - Eine sozialtheoretische Rekonstruktion zur Antike, die im Herbst auch bei Suhrkamp erscheint.
M.E. liegen dort Diskussionsresultate vor, wie ich sie gerne auch aus unserem Schriftwechsel entstehen sähe, hier bislang aber ohne den grundsätzlichen Konsens über die tatsächlich verdrängte tatsächliche Vergangenheit nicht zustandekommen können.
Wir kommen so nicht weiter! Was nicht ausschließen soll, daß etwa weiteres Material zur Veröffentlichung vorläge, beispielsweise ein dafür natürlich nicht zugelassener Briefwechsel Rix-Velikovsky zum faschistischen Holokaust.
Zur politischen Ökonomie mag Sie schließlich noch die Heinsohn/Steiger-Arbeit Marx und Keynes - Privateigentum und Geld interessieren, die ich dem Buch beilege. (1.5.83)
***
Kooperation. Mit einer früheren Gemeinschaftsarbeit von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, beide Universität Bremen, beschäftigte sich kritisch kuckuck 25/26 (zum Thema: "Ausrottung des Nachwuchsverhütungswissens"). Ullrich Boehm (s. Brief S.82f.) arbeitet "dienstlich als Vertreter der Universität Bremen" mit der arabischen Universität Birzeit (Westbank) zusammen. kkk
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HL an CM:
Inzwischen habe ich alles erhalten. Vielen Dank! Heinsohns Arbeit liegt mir jetzt in mehreren Fassungen vor. Die Endform muß ich noch mit meinen bisherigen Arbeitsunterlagen vergleichen.
Die Heinsohn/Steiger'sche Auseinandersetzung mit Marx und Keynes ist wohl, soweit ich sehe, in der Dissertation schon mit berücksichtigt.
Ich schrieb Heinsohn vor kurzem, daß mich seine Geldtheorie noch am ehesten überzeugt. Der Schuldschein als erstes Zahlungsmittel leuchtet mir ein.
Die Entstehung der Schuldverhältnisse aus der Einrichtung des Privateigentums, dem damit verbundenen "individualisierten Existenzrisiko" und der Notwendigkeit, einen "individuellen Sicherheitsvorrat" zu erwirtschaften, wodurch der Privateigentümer gleichsam zum "Schuldner seiner selbst" werde, erscheint mir durchaus schlüssig, wenngleich ich mir auch andere Voraussetzungen dafür vorstellen kann.
Denn die Entstehung gerade jener Voraussetzung, die Heinsohn/Steiger (siehe insbes. S.21, 2.Absatz) schildern, erscheint mir nicht ganz so zwingend.
Die Autoren lassen das Privateigentum aus jenem "Desaster" gewaltiger Naturkatastrophen hervorgehen, durch Entmachtung der "katastrophisch destabilisierten Herrenschichten" im Verlauf der Rebellion von "Leibeigenen". Denkbar.
Die Entstehung von Privateigentum auf solche Weise garantiert aber noch nicht die Entwicklung einer Geldwirtschaft, denke ich.
Dies bedarf einer weitgehenden Rechtssicherheit, die einen diesbezüglichen Konsens erst ermöglicht. Sonst wird der Raub rückgängig gemacht oder einfach fortgesetzt.
Die Beurkundung durch Tempel/Banken erhält ihren Garantiewert erst in Verbindung mit weltlicher Macht, mit deren Gewaltandrohung für den Fall der Nichterfüllung des Vereinbarten, des Vertrages.
Dies aber bedingt das Einverständnis der staatlichen Ordnung mit der Einrichtung des Privateigentums. Dieses, will mir scheinen, erhält sich nicht aus eigener Kraft und Machtvollkommenheit, nicht von vornherein.
Bei Heinsohn/Steiger "begibt sich der Schuldner ursprünglich bereits bei Beginn des Kredits als Schuldknecht unter die Gewalt des Gläubigers", vorsorglich. Worauf gründet diese Gewalt (siehe a.a.O., S.23)?
Wahrscheinlich ist diese Gewalt begrenzt; sonst würde sich der starke "Gläubiger" nicht erst auf ein Vertragsverhältnis mit dem Schwachen und potentiellen Schuldner einlassen, sondern ihn enteignen.
Wodurch wird die Macht des Gläubigers begrenzt? Durch rechtsstaatliche Verhältnisse. Woraufhin konstituieren die sich?
Und nun könnte man gleich weiterfragen, inwieweit nicht diese rechtsstaatlichen Verhältnisse, bzw. deren Repräsentanz, eben auch das "Geld" eingeführt, d.h. als Teil der Gesamtkonstitution mitbegründet haben.
Das jeweilige Kräfteverhältnis zwischen Staat und Gesellschaft scheint mir hier doch sehr stark die Rechtssicherheit zu bedingen. Eine lebensfähige Ausgewogenheit hat sicherlich eine längere Geschichte. Dies nur mal als spontane Überlegungen.
Soll ich Ihren Brief an Umschau/Breidenstein mit in den kuckuck nehmen? War neulich meine dritte Sendung mit kuckuck 25/26 auch angekommen?
Apropos Geld: Gold, goldener Regen. Haben Sie zum Sagenkomplex um Perseus eine spezielle Interpretation? Auf Ihren letzten Brief komme ich noch zurück. (6.5.83)
HL an CM:
Sie schreiben: "Die Aufzeichnung der nordischen - v.a. der irischen (4.Jh.) - Überlieferungen stammt aus früherer Zeit als diejenige der biblischen AT-Geschichten (9.Jh.)." Worauf stützen Sie das?
Sie meinen in beiden Fällen Jahrhunderte unserer Zeitrechnung? Denken Sie beim Alten Testament an die Masora?
Ums 9. Jahrhundert herum sind m.W. die ersten Eddalieder anzusetzen, Zusammenfassungen einige Jahrhunderte später. Die irische Überlieferung wird schriftlich gesammelt um 1200 (?).
Zweifellos ist hierbei die keltische (irisch-britische) Geschichte von besonderem Interesse, gerade auch, was die ersten Siedler betrifft, die aus dem Schwarzmeerraum gekommen sein sollen. Da können jedenfalls zum Vergleich andere, vor allem griechische Berichte herangezogen werden.
Soviel ich weiß, reicht die Datierung in die Mitte des dritten Jahrtausends zurück, in die Nähe der Sintflut. Spezifisches zu finden mag auch durch die druidische Übung einer nur mündlich weitergegebenen Geheimwissenschaft erschwert sein.
Da Sie doch auch ein bißchen Sprachforschung betreiben: Sehen Sie einen Zusammenhang Druiden - Drusen - Derwische? Ich finde einige Anknüpfungspunkte. Sowohl das griechische drys/drus als auch das keltische derw, worauf Druide zurückgeführt werden kann, bedeuten: Eiche. Die Eiche als Baum der Weisheit ist zumindest im Norden Europas unumstritten.
Eine strukturelle Verwandtschaft könnte u.U. in Geheimhaltung der Lehre und feudalistischen Auffassungen bei den Drusen sowie im besonderen Charakter der Derwisch-Orden erkannt werden. Aber ich will der Sache keinen Zwang antun.
Vielleicht dies noch: hebräisch (nur die "Konsonanten") D-R-D-A (Ayin) = ein weiser Spruchdichter. D-R-D-R = Distel, Stachelgewächs ("Drudenfuß"?). Druden-Truden-Druidinnen.
Die weibliche Form des Druidentums tritt erst in christlicher Zeit, d.h. offensichtlich als Reaktion auf Verfolgung und Unterdrückung der ursprünglichen Druiden auf.
Da gibt es zweifellos religiös bedingte Verdrängungen und Verfälschungen. Zum Teil haben wir's aber wohl auch mit Rückzügen zu tun.
Anderseits wird auf dem gesamten Gebiete nordeuropäischer Geschichte die seriöse Forschung außerordentlich erschwert, weil damit so viel Mißbrauch getrieben wurde, gerade auf deutscher Seite; wobei mir bis heute nicht klar ist, was die Deutschen denn eigentlich mit der nordischen Tradition zu tun haben.
Bei Herman Wirth (1929) las ich z.B., daß die nordsemitische Schrift nordischer Herkunft sei. Seine Beweisführung ist so luftig, daß es schon nicht mehr seiner späteren Tätigkeit beim "SS-Ahnenerbe" bedurfte, um solche Behauptungen als ideologische Phantastereien abzutun. Wirth ist übrigens ein Urvater der Grünen.
Wenn ich, was Sie neulich beanstandeten, unterstelle, statt anzuerkennen, so aus Gründen methodischer Korrektheit.
Meine Hauptzweifel richten sich auf die Nahtstellen, die oft sehr plötzlichen Übergänge von (rekonstruierter) alter Geschichte zur Nutzanwendung heute.
Wenn nachzuweisen ist, daß, um bei dem Beispiel zu bleiben, die nordsemitische Schrift aus dem Norden Europas stammt, was für Gründe könnte es da für einen vernünftigen, gewissenhaft prüfenden Menschen geben, es nicht wissen zu wollen?
Nur läßt sich an so unzulänglichen Methoden eben auch ablesen, daß weniger das Suchen, also das Erforschen der Wahrheit, als vielmehr das Wiederfinden von zuvor Ausgestreutem im Mittelpunkt des Interesses stand.
Zur Methode: Wenn Sie Ihre z.T. sprachmystische Methode auf Ihre eigenen Begriffe anwenden, wird Ihnen das "Wahre Wort der Rekonstruktion" zum "Freya" (vrai!)-Wort... Voilà!
Zur Bibel: Wenn Sie als Antwort auf meine Hinweise lediglich finden, "die Einbildung daraus eines lebendigen Gottes ist doch völlig krank", so machen Sie es sich wieder einmal zu leicht.
Die Authentizität des einen oder anderen Gebotes, es sind doch alles praktische Anleitungen fürs tägliche Leben, steht zunächst dahin, ist großenteils Sache des Glaubens der davon Betroffenen.
Erst gründlich reflektierte Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis vermögen sie zu bestätigen.
Ich bin in der Lage, Ihnen über diese Lebenstips bis hin zu den Speisevorschriften nachzuweisen, daß da Sinn und Verstand drinsteckt, es sich also nicht um willkürliche Befehle, Anordnungen und dergleichen handelt, die ebensogut auch andere sein könnten.
Die daraus resultierende Allgemeingültigkeit für die Menschheit hat im "einzigen Gott" ja nur einen Namen oder Nichtnamen für das, was auch Sie gültige Wahrheit nennen, sobald Sie sich von ihr überzeugt haben.
Ich denke, daß der Wahrheitsgehalt auch die Langlebigkeit einer Tradition begründet, gewiß nicht ausschließlich. Aber ein Mißbrauch hat seine Grenzen, wo eine Geschichte unglaubwürdig wird, sich nicht mehr nachprüfen läßt. Die einfachen Anweisungen aber haben noch jeglicher Lebensprobe standgehalten.
Der Irrtum, für "jüdische Verschwörung" zu halten, was vielmehr die simple Realisierung eines historischen Prinzips ist, hat aber auch seine Geschichte.
"Feminismus": Ich denke schon, daß sich hinter solchem "Luxus individueller Spinnereien" der politisch motivierte Versuch verbirgt, genau jene Kulturspezifitäten wieder hervorzuholen, die fürs nordisch-keltische Modell charakteristisch waren, jedenfalls dafür gehalten werden.
Das aufklärerische Moment daran begrüße ich. Die politischen Motive betrachte ich argwöhnisch-kritisch. Darauf beruht meine Doppelrolle, von der ich in solchen Zusammenhängen schon einmal sprach.
Apropos Kollektivwahn: Warum sehen Sie nicht in der Panikmache um die "Atomare Untergangskatastrophe" eine aktuelle Mobilisierung des Erregungshintergrundes? Das wäre doch ein schönes Beispiel, auf das wir uns einigen könnten.
Konsens: Sie erwähnen einen Briefwechsel Rix-Velikovsky. Bitte, ich bin immer interessiert.
Im übrigen denke ich, daß just unser Schriftwechsel mehr zur Aufklärung beiträgt als Heinsohns Diskussionsresultate, die Sie erwähnen.
Auch darin müßte es zwischen uns einen Konsens geben: entscheidend ist weniger, was die großen Verlage drucken, als was sie nicht drucken.
Wir lebten denn in einer Epoche der Aufklärung. Dies ein wenig unter Vorbehalt. (7.5.83)
CM an HL:
Immer von neuem vergessen Sie daran zu denken: Zu den Zeiten, über die wir diskutieren, sah es am Himmel anders aus, ganz anders! Daß eine "Beurkundung durch Tempel/Banken" den "Garantiewert erst in Verbindung mit weltlicher Macht" erhalte stimmt direkt eben keineswegs, denn diese Macht der "Gewaltandrohung für den Fall der Nichterfüllung" kann nur von der mächtigsten aller Mächte, der/den Gottheit(en) ausgehen, die ja dann auch auf jeder Münze - unmittelbar oder durch ihre weltlichen Stellvertreter - erscheint und auf jedem Schuldschein als Zeuge(n) angerufen wird: das war auch gut & richtig so, denn diese Gottheiten handelten sichtbar am Himmel und gaben durchaus Beweise ihrer überge"ordneten" Macht.
Also bedingt die "Einrichtung des Privateigentums" nicht so sehr das "Einverständnis der staatlichen Ordnung", als jenes der Gottheit: abzuleiten aus dem vor-bildlichen Verhalten der Gottheit(en). Es sind gerade rechts"göttliche" und nicht rechts"staatliche" Verhältnisse, welche die "Sicherheit" garantieren - sehen Sie sich doch nur 1x unsere heutigen Banken/Tempel und die sie beschützenden (Venus=)Sphingen an...
Wenn Sie meinen, der Brief an Breidenstein und die Witwe könne wieder über neue Aspekte Auskunft geben oder Zusammenhänge sichtbar machen, so veröffentlichen Sie ihn nur. Solange es bei den Originalen bleibt und die Leser sich so ihr eigenes Urteil bilden können, bin ich mit allem einverstanden. Das Einzige, was mir bislang aus dem kuckuck praktisch völlig fehlt, sind solche Leserurteile.
Vielen Dank für 25-26; mein Problem ist, Sie wissen es, daß ich allem aktualistisch pervertierten, unbewußt die Vergangenheit verdrängenden Denken recht ungnädig gegenübertrete: ich vermag zwar darin das Reaktionäre leicht bloßzustellen, indessen finde ich es des Aufhebens nicht wert, jeden Heidegger, Bloch, Sartre, usw. oder gar ihre sie +/- Verehrenden daraufhin zu befragen.
Es liegt doch auch daran, daß alle unsere Denker in diesen Sparten von unbedachten Grundsätzen ausgehen, die halt falsch sind und ich es deshalb für überflüssig halte, diese Leute "besser verstehen zu lernen unter Berücksichtigung" ihrer Zeitgenossen, wie Sie etwa meinen (73).
Ich erkenne natürlich wieder die Hintergründe Ihrer Anliegen und Auffassungen; nur fehlt ihnen m.E eben die tatsächliche Ausgangslage und ich warte so noch immer auf die Absage an das uniform-evolutionistische Weltbild und die Aufnahme der Diskussion der Konsequenzen.
Zu Perseus fällt mir derzeit nichts ein, was von den andern Astralhelden grundsätzlich abweichen würde. (7.5.83)
CM an HL:
Ich dachte wohl mehr an die ersten Quellen über die Druiden und Kelten bei den römischen Autoren, als an die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen der nordischen Überlieferungen etwa im 12. Jh.u.Z., wie Sie natürlich richtig sagen.
Besonders bezüglich der Druiden gibt es die "Wunschdruiden" und die "Druiden-an-sich", die wir zwar nie erreichen, aber auf die wir aus den "Druiden-wie-bekannt" aus den Quellen schließen, wie es Prof. Stuart Piggott in The Druids (London 1968) ausdrückt.
Mir reicht's an sich, daß die nordischen Berichte offensichtlich keinen grundsätzlich anderen Inhalt haben als alle anderen Überlieferungen der Menschen.
Nichts gegen das Wort der Freya (vrai-Wahrheit): es handelt von sehr harten, wahren Tatsachen sobald Sie es aufklärend sagen.
Nur unerkannt treibt es sein verdrängendes Unwesen, wie beim methodischen Feyerabend, der lächerlich macht, wer etwas "wahr" haben will (für ihn ist Freya, daß es keine Freya gibt).
Es geht zu weit, einen Begriff wie "einzigen Gott" oder "Gott" usw. mit etwa "gültiger Wahrheit" gleichzusetzen gerade wenn wir ja wissen, daß der Begriff lediglieh einen Himmelskörper benamst und meint.
Aus diesem "Wesen" zugeschriebenen Vorschriften - die sich zum minderen Teil als nützlich oder gesund oder gar als "richtig" erwiesen - abzuleiten, daß da "göttlicher" Sinn und Verstand 1 Rolle spielten, geht nicht an!
Ich glaube Sie auch nicht in der Lage, diesen Vorschriften insgesamt einen eher der Aufklärung als der Verdrängung nützlichen Sinn nachzuweisen.
Was sagen Sie etwa zu diesem Un-Sinn & Un-Verstand: Dem Sofer passiert es versehentlich, daß er in einem Mem die senkrechte Linie links die waagrechte Linie unten berührt, das Mem also geschlossen statt offen ist.
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Sofer, Soferim. Schriftgelehrte der sogenannten, von Esra (-444) begründeten, I. Periode der nachexilischen kritischen Aufarbeitung und Zusammenfassung israel-judäischer Literaturüberlieferung. kkk
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Die einzig erlaubte Art diesen Fehler zu korrigieren besteht darin, den Buchstaben völlig auszuradieren und neu zu schreiben.
Macht er das nicht und trennt er nur die Senkrechte von der Waagrechten mit einer gar nicht bemerkbaren Rasur, so ist die Sefer Torah possul und eine Gemeinde kann dann generationenlang ungültige, wertlose "Segenssprüche" austeilen - "alles praktische Anleitungen fürs tägliche Leben", wie Sie sich auszudrücken belieben, "großenteils Sache des Glaubens".
Und dabei ist das ja nur ein winziges Körnchen im "Wahrheitsgehalt, der die Langlebigkeit einer Tradition begründet", der "Anweisungen", die "noch jeder Lebensprobe standgehalten" haben: - : 99% ist doch in der Tat völlig krank, wie ich schon schrieb, ein Prozentsatz ähnlich wie im derzeitigen wissenschaftlichen Gedankengut...
Warum sagen Sie (zu) der Angst um die "Atomare Untergangskatastrophe" jetzt "Panikmache"? Gewiß schürt der Erregungshintergrund die Angst im Teufelskreis, weil ja alle gedachten Abwehren nicht aus der Aufklärung, sondern verdrängungspervertierten philosophischen, religiösen & wissenschaftlichen "Argumenten" entstammen.
Entscheidend ist weder was die großen noch was die kleinen, sondern was die fürs Kollektiv sprechenden Medien in der Weise veröffentlichen, daß das Individuum es als real gegeben akzeptieren muß - das reicht von der BILD Zeitung bis zum Wissenschaftsverläglein.
KUCKUCK oder UMSCHAU (Buchverlag) gehören nicht dazu: WO trägt unser Briefwechsel zur Aufklärung bei & mit welchen Resultaten?
Die Gelderklärung Heinsohns ist 1 greifbares Resultat aufklärenden Wissens um den Erregungshintergrund und läßt weiterschreiten; ähnliches läßt sich von der Rekonstruktion assyro-babylonischer Geschichte berichten; wo denken Sie, liegt konkret unser Beitrag? (11.5.83)
HL an CM:
Nur kurz zu den Soferim: Die Vorlagen waren großenteils in einem Textzug geschrieben, ohne sichtbare Trennungen zwischen den einzelnen Wörtern. In zahlreich denkbaren Zweifelsfällen mußte sorgsam umgegangen werden. Das unterstelle ich.
M'm an der Basis geschlossen könnte, etwas undeutlich geschrieben, auf ein Silbenende hinweisen bzw. es in Frage stellen. Es könnte auch ein Samekh sein, wobei es sich womöglich um ein (mystisches?) Spiel zwischen Wasser und Stütze handelte.
Daß in der jüdischen Tradition gern pessimistisch Stimmendes oder finster Anmutendes optimistisch gewendet wurde, wo es die Wortstruktur zuließ, ist bekannt. Es könnte ebenso ein Teth sein. Beispiel für eine mögliche Wendung: T't (Teth-Yod-Teth) = Lehm, Ton, Schmutz, Schlamm. M'm = Wasser. Da könnte also im Zweifelsfall das Saubere (Wasser) dem Schmutz vorgezogen worden sein. Aber ist im Sinnzusammenhang das eine sowohl als das andere möglich? Liegt Ihnen ein konkreter Fall vor?
Sie finden in tausend Jahren und in völliger Unkenntnis der deutschen Sprache die Textspur "Bettuch". Den Sprachforschern liegen aus verschiedenen Jahrhunderten ein paar Überlieferungen vor... Bet-tuch Bett-tuch Beet-tuch... vielleicht undeutlich geschrieben: Bot-tuch, was Boot-tuch, aber auch Bot(en?)-tuch heißen könnte, u.U. sogar Bat(h)-tuch, ja Mundtuch (hebr. P', Pa). Und das Tuch hat neben sich noch andere Findlinge: touch und Tusche und Dusche, doucher...
Der phantasievolle Finder kann nun machen, was er will, es ergibt immer einen Sinn, keineswegs Unsinn, und das liegt in der Struktur unserer Sprache, was ja doch zuerst eine Frage der Anatomie unserer Sprechorgane ist, mittels derer nämlich die Umsetzung psychischer Bilder in akustische Entsprechungen (!) gelingt.
Der Willkür sind da von vornherein Grenzen gezogen. Der Schritt vom Bett zum Beet, also zum (geschlossenen) Grab ist ja in der Tat kurz, und die Grundvorstellung "Boot" ist dem "Ba(d)t(h)" ganz nah.
Die Berührung, Bedeckung, Umhüllung eines halboffenen Körpers (Kaph?) liegt in jedem Falle (ungefähr) vor, wie Sie's auch wenden wollen. Und wenn zwei offene, hohle Hände (Kaph) zusammenkommen, können Sie an Beten denken. Kaph heißt außerdem soviel wie Pfanne, Schale. Frz. cuvage ist da ganz nah (in den entsprechenden Abwandlungen): Kufe, Bottich (!), Bütte (!), Waschbecken, Schale, Blumenuntersatz, Napf, Kapsel, Deckel einer Taschenuhr, Waschfaß. Sie kommen auf Kappe, Koppe, engl. cup, cover...
Im Deutschen können Sie ohne Mühe die Schale auf Schule, Sohle (was Kaph übrigens auch heißt), Scholle (flacher Fisch), Scholle (Erd...), ja Schall, Seele, und Saal übertragen, und Sie werden feststelIen, daß die mit s-c-l- (s-l-) verknüpfte Grundvorstellung überall mit drin ist. Aus den frühen sprachmystischen Beobachtungen hat unsere moderne Sprachwissenschaft nur Bestätigungen ziehen können.
Daß der Spekulation Tür und Tor offenstehen, ist klar, drum ist dies am Gegenstand noch ungeklärter Urtexte wohl weniger als exakte Methode denn als hypothetisch-leichthändiges Spielen anzuwenden.
Wie ja überhaupt in diesen Dingen der heitere Ernst sich als schöpferischer erweist als der staubige.
Und der zweite Buchstabe Beth (Haus) ist schon der Form nach dem Kaph so nahe, daß wir uns gar nicht mehr wundern, wenn's mit ihren Grundvorstellungen genauso ist.
Insofern auch war die Erfindung der Schrift bzw. ihre Umwandlung in alphabetische Puzzle-Systeme sicherlich ein Schritt zum vergleichenden Erkennen, zur Erkenntnis aus dem Vergleich.
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H.L./kkk - Marx bezog sich auf einen beschädigten Text, dessen Fehl nicht "ausgebessert" wird, sondern durch ein makelloses Steinchen ersetzt (!) werden muß. Das Ganze ("Mosaik") ist erst mit jedem seiner Teile vollkommen. Lummert (ich) hatte die Frage offenbar ungenau gelesen und verstanden, seine (meine) Antwort geht jedenfalls an der Problematik vorbei.
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Von einer Verdinglichung der Sprache kann man erst sprechen, wo der ihr immanente, für uns heute gleichsam metasprachliche Sinn verloren gegangen, wo die Sensibilität für ihre Transzendenzen verkümmert ist.
Sie machen, glaube ich, einen Fehler: aus der Sicht historisch vorerst letzter (wissenschaftlicher) Blüte den Baum zu verwerfen, an dem sie wächst. Soviel ich weiß, kommt nach der Blut erst die Frucht. Aber wie wollen Sie jemals ernten, wenn Sie vorher den Wald abschaffen?
Ein Wort zu Perseus. Meine Frage meint: könnte der mit ihm legendär verbundene "goldene Regen" auf einen außerirdischen Ursprung des Goldes hindeuten?
PS: Ich vergaß: Sie schreiben von "einer gar nicht bemerkbaren Rasur". Woher wissen Sie's dann? (18.5.83)
HL an CM:
Zu Ihrem Brief vom 7.5.83 (Privateigentum/Geldwirtschaft): Wie auch immer es am Himmel ausgesehen haben mag, Heinsohn weiß am Ende selbst, daß es der staatlichen Garantie bedarf.
"Die Münzerzeugung wird also keine Aufgabe der Tempel-Kreditbanken, sondern eine staatliche Veranstaltung" (S.188; alle Zitate aus seiner Dissertation in der Fassung vom Februar 1983).
Man versteht schon gar nicht mehr, was der "Tempel" hier überhaupt noch zu suchen hat.
Das "Resultat der Verwendung nominalen Geldes hat einen so informierten Forscher wie R.Bogaert... sogar zu der zirkulären Überzeugung gebracht, daß die Bank überhaupt erst aus dem Geldwechsel entstanden sei" (188), was auch jüngsten Erfahrungen - etwa in der Nachkriegszeit - entsprechen würde. Dies nur nebenbei.
Vielmehr: Es "entsteht das Problem der Wertfestsetzung des Geldes. In der Münze erfolgt diese weitgehend durch gesetzlichen Befehl und das staatliche Monopol der Münzausgabe" (186).
Daß die Gläubiger dabei nicht verlieren, setzt voraus, "daß die staatliche Münze nicht alles verfügbare Gewichtssilber in Münze umprägt, sondern nur so viele Münzen bereitstellt, wie von den kreditgebenden Banken gegen Sicherheiten und Zinsen verborgt werden können.
Von dieser Begrenzung der Geldemission her kann Aristoteles erst sagen: In gewisser Rücksicht ist aber doch das Geld ein bloßer Tand und lediglich ein Werk der gesetzmäßigen Einrichtung (Politik, I,9)" (186).
Auch Th.Mommsen bezeichnet die Münze "als ein Gesetz" (nach Heinsohn, S.187). Heinsohn spricht an gleicher Stelle vom "staatlichen Schuldendeckungsmittel".
Dabei denkt er jedoch über 280 Seiten hin nirgendwo daran, daß der Staat zunächst seine eigenen Schulden damit zu decken suchte.
Erst wenn der Verschuldungsgedanke auf den Staat Anwendung findet, wird dessen Interesse ebenso verständlich wie die eventuelle Hinzuziehung religiöser Einrichtungen.
Der Vater des Geldes heißt Krieg. Nicht für Söldner und Huren ließ der Herrscher Münzen prägen, aber für den Ankauf von Ausrüstung, Verpflegung, Waffen.
Der Staat gab mit dem Gelde einen allgemeinen Wechsel aus auf in Aussicht gestellte Gewinne durch Eroberungen.
Die gesetzliche Regelung ist die Zwangsmaßnahme des Staates zum Zwecke der allgemeinen "Anerkennung" des Geldes als Zahlungs- und eben Ersatztauschmittels.
Und daß der Staat, wenn er sein Versprechen nicht halten kann oder will, einfach das Geld abwertet, gesetzlich oder durch weitere, ungedeckte Münzherstellung, daß er bei allem das Gesicht zu wahren trachtet, setzt eben immer schon gesetzliche, rechtsstaatliche Verhältnisse voraus.
Und Heinsohn weiß das alles sehr genau. Eroberungspolitik, die Konstituierung von Weltreichen, bringt das Geldwesen hervor und den Zwang, das eroberte Land aufzuteilen.
So wäre das Geld womöglich noch vor dem Privateigentum dagewesen.
Ich bestehe nicht darauf, will nur sagen, daß Heinsohn seine Beweiskette auch hier ziemlich willkürlich aufgefädelt hat.
Jene Landaufteilungen wurden auch in den von ihm angeführten Beispielen immer "bestimmt", von oben.
Der Druck der objektiven Verhältnisse (Sachzwänge) war (f.d.Herrscher) offensichtlich stärker als der demokratische Druck von unten.
Geld also als Voraussetzung des Privateigentums, jedenfalls als eine Bedingung; ebenso zur Entstehung der Zirkulationssphäre, d.h. von Banken und Handel.
Schichten-/klassenmäßig gründet ja beides - Privateigentum und Zirkulation - auf gleicher Ebene. (24.5.83)
CM an HL:
Wo Sie sich auf Arno's Etym-Spuren bewegen, kann ich Sie nur unterstützen. Aber wir reden aneinander vorbei, wenn Sie Wahnideen & -ideechen wie unsere Memstory zu rationalisieren trachten:
Es ging um den Unsinn, daß ein nicht vorschriftsmäßig korrigierter Buchstabe - und die Vorschrift an sich schon ist blödsinnig - die Wirkung haben soll, die damit geschriebene Verehrung einer Gottheit bringe beim Ableiern keinen Profit mehr (um in Ihren Kategorien zu sprechen).
Ich bleibe dabei: Zu 99% sind derartige (von Religionen herstammende) Vorschriften blanker Unsinn; und wenn sie einen praktischen Sinn doch noch irgendwo haben, so ist er zumeist nur als Mittel zum Zweck eingebaut worden, nämlich um eigentlich den Unsinn durchzusetzen.
Ich bin ja nun nicht Ökonom; aber daß "Der Vater des Geldes Krieg heißt", wie Sie meinen, erscheint sogar mir als eines der unzutreffendsten Statements überhaupt, die mir je zugetragen worden sind.
Also Mr. Reagan fabriziert Geld, weil er sich durch die Eroberung Asiens + die damit einhergehende Zerstrahlung Europas Gewinne verspricht, welche die derzeitigen Rüstungskosten nebst - um Größenordnungen verbesserten - Schweizerbankprofiten in der Zukunft wieder einbringen sollen - keine Rede davon, daß er die rote linke Gefahr aus dem Osten bannen will - und daß ihm nur deshalb Völker folgen.
Geht's eigentlich noch?, ist für Solches hier die stehende Redensart...
Oder haben 1 Thutmosis (III), 1 Sargon, 1 Nebukadnezar (Hattusilis) "Geld" erfunden, gemacht, als Vorbedingung gebraucht für ihre Kriegszüge?
Ebensowenig wie 1 Hitler oder sonstwer, der/die des Kollektivs große Kriege führten.
Nächstens werden Sie noch behaupten, der Horusland-Krieg (zu schweigen von Vietnam) sei wegen des Profits geführt worden (sehen Sie sich doch noch mal das Bild der Madam (=mad-adam) Thatcher in unserem Echnaton-Heft (S.7) an.
Vergessen Sie doch auch 1x die nicht auf realer Vergangenheit errichteten Theorien und messen Sie nicht an ihnen. (30.5.83)
kuckuck 40/41/42
1983/84, Sommer/Herbst/Winter
6. Juni 1983
kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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