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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1990-00-00

Horst Lummert

The devoted friend und seine nützlichen Idioten

Wenn falsche Propheten Konjunktur haben, sind unpublizierbare Nachrichten und politische Wahrheiten oft identisch.

Wo Schreckensmeldungen groß in Mode sind, bleiben die kleinen Wahrheiten unerhört.

Die großen Visionäre der Ostpolitik, des Raketenhorrors, der Klimakatastrophe und der bevorstehenden Eiszeit erlangten nicht den Ruf von Scharlatanen und politischen Clowns.

Das Waldsterben, eben noch in aller Munde, ist zwar von anderen Angstmalereien, diesmal rund um die Wiedervereinigung, verdrängt worden, aber gelacht hat noch niemand; ernstgenommen werden die Spukgeschichten allemal.

Niemand überprüft die Theorien des Horrors. Nichts als eine armselige Ideologie würde davon übrigbleiben.

Stimmte nur die halbe Rechnung: die Meere und Flüsse und Seen wären schon umgekippt, die Wälder gestorben, die Tier- und Menschenwelt erstickt, verbrannt oder erfroren!

Das "Ozon-Loch" ist das "Loch Ness" der Ökologen.

Was an den Horrorgemälden zuerst auffällt, wird systematisch übersehen: die geopolitische Tendenz.

Hinter Schlagwörtern - "Regenwälder", "Bevölkerungsexplosion und Familienplanung", "Schutz der Wildnis" und so weiter - verbergen sich massive Eingriffe in politische und private Souveränitäten.

Die Entpolitisierung der Weltprobleme ist allerhöchste Politik.

Eine Strategie der "inneren Wildnis" sorgt für Angst und Schrecken.

Geschändete jüdische Friedhöfe überall in Europa. Schweineköpfe an jüdischen Gedenkstätten. Jüngst auch blutige Hammelköpfe gegen den Katholikentag in Berlin.

Der alte Terrorismus hatte gewiß viele Väter und Mütter. Auch diesmal sind wahrscheinlich mehrere Süppchen eingerührt worden. Doch über alle Maßen sind osteuropäische Geheimdienststrukturen plötzlich ohne Funktion und "kopflos" im doppelten Sinn.

Haben wir's bereits mit einer sozialistischen Gegenoffensive zu tun?

Ist dies eine wilde ("kopflose") Offensive oder organisierte Kriegführung von langer Hand und nach einer "klugen" Strategie?

Die angewandten Mittel - zu Hunderten geöffnete jüdische Gräber, in Carpentras die mit einem Spatenstiel aufgespießte Leiche, blutige Schweineköpfe - sprechen für einen wohlüberlegten, "intelligenten", Psycho-Terror.

Das "Publikum" soll den "Wahnsinn" nicht mehr verstehen und "verständnislos" reagieren - pro oder contra.

Professor Michael Wolffsohn entdeckte eine "sonderbare Häufung antisemitischer Anschläge im Untergang des Sozialismus".

Das ist ein Verdacht. "Anarchismus" war seit je Rußlands Kleinkrieg gegen Europa.

Rußlands nützliche Idioten waren und sind Legion.

So wurde Tschernobyl zu einer Atomstadt im Wilden Westen. Die Ausgebeuteten waren so dankbar, diesen scheinheiligen Ausbeuter ihren Freund nennen zu dürfen.

Geschenkt?

Nie wieder soll von deutschem Boden Krieg ausgehen.

Der Mordfall Barschel. Die Stasi-Akte "Roloff" für Ibrahim Böhme und die Geheimarmee der DKP im Kreuzberger Straßenkrieg.

Welche Rolle spielte (und spielt) die Stasi in den sorgsam gepflegten und behüteten rechtsfreien Räumen der Bundesrepublik Deutschland?

Wer waren die bei den Maikrawallen 1987 und 1989 in Kreuzberg beobachteten, streng militärisch organisierten Einsatzgruppen in Schwarz - auf Motorrädern... Wer die Motorradrandalierer am jüdischen Friedhof 1990 in Ostberlin-Weißensee?!

Was verbirgt sich hinter der systematischen Desinformationspolitik in weiten Kreisen der westdeutschen Publizistik und Medienwelt? Was hinter dem Signum "Hafenstraße"?

Wer verhindert die Strafverfolgung der organisierten Politmobkriminalität?

Eine Allianz aus Kommunisten und Chauvinisten prägt die offen antisemitische Pamjat-Bewegung in Rußland, die sich höchsten Wohlwollens erfreut.
Auch in der DDR, in der CSFR, in Rumänien und Ungarn werden antisemitische Gruppen immer dreister.
Die neuen Regierungen trifft keine Schuld daran. Im Gegenteil; sie haben nach ihrer jeweiligen Amtsübernahme sich um ein besseres Verhältnis zu den jüdischen Minderheiten bemüht und diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen,

schreibt Wolffsohn.

Besonders fiel auf, wie die Honecker-SED sich einerseits als antifaschistisch empfahl und andererseits ausgerechnet die Skinheads in ihren unübersehbaren Aufzügen gewähren ließ.
Mehrfach haben später Skinheads aus West- und Ost-Berlin zusammengewirkt - in sehr seltsamer Effizienz dieser sonst wirrköpfigen Leute - während die SED/PDS ihr Auftreten als schlimme Folge des Mauereinsturzes beklagte.

Michael Wolffsohn schließt seine Überlegungen:

Nun hat es in der Bundesrepublik Deutschland schon seit Jahren Hakenkreuzschmierereien gegeben, auch auf jüdischen Friedhöfen.
Über die Täter wurde viel gerätselt; im Jahre 1970 freilich berichtete ein früherer Funktionär des CSSR-Geheimdienstes, Ladislav Dittmann, westlichen Stellen, daß seine Agenten diese Schmierereien inszeniert hätten, um die Bundesrepublik Deutschland als neonazistisch zu brandmarken.
Ob hier der Schlüssel liegt, kann noch niemand sagen. Aber es lohnt, Nachforschungen in jeder Richtung zu betreiben. (Die Welt vom 17.5.90).

Die Frage, ob es einen aktuellen Zusammenhang von kommunistischer Konterrevolution und arabischem Terrorismus gebe, muß mit einem deutlichen "Ja" beantwortet werden.

Im rumänischen Hermannstadt befand sich ein Ausbildungslager für den Guerilla-Kampf.

Syrische, libysche und palästinensische "Kämpfer" richteten gemeinsam mit der Securitate das Dezember-Massaker in der rumänischen Zivilbevölkerung an.

Dies ist das skandalöseste Beispiel für ein "gutes Einvernehmen". Unter diesem Zeichen verstanden sich Securitate und PLO, Ceausescu und Arafat, Securitate und Staatssicherheitsdienst, Honecker und Arafat... Das ist nur ein Ausschnitt.

Die Beziehungen des Sozialismus zum arabischen Terrorismus schließen die Sozialistische Internationale mit ein, deren Quasi-Mitglied auch Arafats PLO ist. Olof Palme, Bruno Kreisky standen in einem engen politischen Zusammenhang mit Khaddafis Libyen.

Als Präsident der Sozialistischen Internationale empfing Willy Brandt akademische Ehren der Moskauer Lomonossow-Universität.

Von der Bonner Rednerschule wurde Willy Brandt mit dem "Goldenen Mikrophon" ausgezeichnet.

Der häufig betonte Unterschied zwischen Reden und Tun ist künstlich,

sagt Willy Brandt.

Reden ist Arbeit. Wer überlegt redet, handelt und bewirkt, daß Menschen sich so oder anders verhalten.

*

Dazu noch ein aufwärtsgerichteter Blick und ein besonders exaktes Aussprechen jeder Endsilbe, und eine unverwechselbare Sprechtechnik,

befand der Leiter der Schule.

Brandt:

Ich habe das nicht gelernt, sondern - auch wenn das arrogant klingen mag - ich habe es gekonnt.

Helmut Schmidt ("Macher" und "Weltökonom") bekannte bei gleicher Gelegenheit:

Ich habe doch mit geringen Kenntnissen manchmal eine ganz schöne Schau abgezogen.

Jüngstes NATO-Manöver nimmt eine feindliche (Orange) Landung an der Südspitze Sardiniens an. Erstmals kommt der Feind nicht aus dem Osten (Sowjetblock).

Orange = subtropische Zone.

Das Ende des Sozialismus. Die Wiedereinsetzung der Revolution.

Vielleicht scheiterte der Sozialismus, weil in ihm die Verteilermentalität den Gedanken an Wachstum allmählich verdrängte.

So ergeht es dem Sozialismus wie der Natur: der Kapitalismus "richtet sie zugrunde".

Der Sozialismus ist begrenzt, wie die Naturschätze begrenzt sind: Güter in Gefäßen, denen nur nach Maß entnommen werden darf.

Sozialismus und Natur sind Vorräte, die sich mit der Zeit verbrauchen. Darum muß man sie sorgfältig behüten. Bewachen.

Das hat zwar mit der Wirklichkeit wenig gemein; aber hierin treffen sich Sozialismus und Ökologismus in einer Grundideologie.

Die marxistische Utopie vom Kommunismus und von der klassenlosen Gesellschaft hat einen Hintersinn vom Ende der menschlichen Geschichte, deren Gesetze nun nicht mehr gelten.

Die messianischen Endzeitvorstellungen, die Marx selbst mit dem Kommunismus verband, apperzipierten bereits das künftige Pensionärsdasein: man lebt vom Ersparten und tut im übrigen nur noch, was einem gefällt.

Der Grundgedanke, daß es erfüllt sei, bremst die Geschichte, wie er die Produktivität einschläfert und jede Entwicklung entmutigt.

Gerd Binnig, 1986 Nobelpreisträger für Physik, kommt - Aus dem Nichts. Über die Kreativität von Natur und Mensch (Piper 1989) - zu der Erkenntnis: "Wer sich isoliert, kann überleben." Daraus läßt sich folgern: Wer sich soziiert, insonderheit sozialisiert, bereitet sein Sterben.

Die für eine Zeit typischen Krankheiten sagen oft etwas über das Wesen ihrer Epoche aus. Es sind heute die verschiedenen Schizophrenien, das Carcinom und neuerlich Aids. Alle drei Leidensarten sind bisher nur schwer oder gar nicht heilbar.

Charakteristisch für sie ist, daß sie das "Ganze" teilen, spalten, zersetzen, auflösen. Sie zehren von dem, was da ist, und was sie "produzieren", sind feindliche Wucherungen, Gewächse, Lebensgifte, Gegenwelten. Die "Krankheiten" schaffen sich aus dem "Gesunden" und lösen dieses damit ab.

Vielleicht läßt sich in den Schizophrenien der Faschismus in all seinen Formen identifizieren. Der Wahn des Nationalsozialismus war ein Höhepunkt.

Der Sozialismus ähnelt eher einem Carcinom, das zuendegeht, wenn es die "gesunden" Substanzen aufgezehrt und "sozialistisch" umgewandelt hat.

Aids scheint hingegen das Symptom des Ökologismus zu sein. Der Ökologismus "kultiviert" die Gegenwelt und löst die Widerstandsenergien auf.

Die drei Krankheiten sind zugleich miteinander verwoben. Drei Arten von Wahn, drei Arten von Substanzzerstörung und -vernichtung wechseln sich in der Vorherrschaft ab.

Im "Kapitalismus" aber realisiert sich ein historisches Prinzip.

Im "Kapitalismus" werden tatsächlich "historische" Entwicklungs- und Bewegungsgesetzlichkeiten erkennbar. Die drei Sozialismusarten verkörpern dagegen retardierende ahistorische Prinzipien.

Wenn der "Kapitalismus" auch eine tödliche Seite hat, so, weil er das Leben vorantreibt und also dem Tode näherbringt. Insofern verwirklicht sich als historisches zugleich ein Lebensprinzip. "Kapitalismus" ist nur der falsche Name.

Der Sozialismus hält das Leben, hält die individuelle Entfaltung, hält die ganze Geschichte zurück. So scheint er den Tod hinauszuschieben, das Sterben zu verzögern. Im Sozialismus tritt das endlose Sterben an die Stelle des Lebens. Als ob die Zeit stillesteht.

In der Aids-Kultur des Ökologismus erfüllt sich ein Versprechen der spanischen Falange: Es lebe der Tod!

Was am "Kapitalismus" als "historisches Prinzip" erscheint, bestimmt offenbar nicht in gleichem Maße die moderne Industrieproduktion. Tatsächlich ist dieser Produktionsprozeß einem Verzehrungs-, Verdauungs- und Ausscheidungemodell doch sehr ähnlich. Die natürlichen Gegebenheiten (Naturprodukte), "Rohstoff" nunmehr, werden in gesellschaftliche Bedarfs- und Verbrauchsgüter umgewandelt.

Unter diesem Gesichtspunkt stellen die drei "Krankheiten" Negationen dar, die sich gegen die industrielle Basisnegation richten.

So käme das Ende der "Krankheiten" dem Ende der modernen Produktionsgesellschaft gleich.

Yishmael.

Die zentrale Frage lautet: Ist die Industriegesellschaft mit all ihren Zerstörungskapazitäten lediglich ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein der Naturgewalten, oder haben wir's mit einer ernsten Bedrohung der Natur, des gesamten göttlichen Schöpfungswerks auf Erden zu tun?

Wenn sich im "Kapitalismus" ein "historisches Prinzip" realisiert, brauchen wir um den Bestand der "Natur" nicht zu fürchten: Kapital- und Produktionsprozesse sind eingegliedert in alle natürlichen, universellen, kosmischen Abläufe.

Laufen diese insgesamt auf eine Vernichtung und Selbstvernichtung hinaus, läßt sich daran ohnehin nichts ändern.

Andernfalls werden wir auch gegenläufige, also wachsende, lebendige Tendenzen nicht aufhalten können.

Was immer wir tun, wir tun es in dem uns gegebenen, relativ engen menschlichen Rahmen.

Oder wir sind Teufel, die der Schöpfung entgegenwirken. Oder beides ist wahr und unterliegt unserer Entscheidungsfreiheit.

Ein Vergleich mit starken Schneefällen, mittleren Orkanen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Sturmfluten läßt freilich die "zivilisatorischen Eingriffe in die Natur" winzig, ja geradezu lächerlich erscheinen.

Die ideologischen Gegenwelten sind indes gesellschaftlich aufgesogen worden. Die Produktionskultur glaubt, sich die contraproduktiven Krankheiten leisten zu können. Irresein, Krebs- und Aidskultur gelten als schick.

Die Moralkritik unterstreicht diesen Befund. Das verinnerlichte Verunreinigungs- und Zerstörungssyndrom wird im pränatalen Bereich exzessiv.

Die moderne Gesellschaft ist eine Mediengesellschaft, in der die Elektronik einen Schein erzeugt, der die Realitäten verdrängt.

"Aids-Kultur". Das sind nicht die kranken Menschen. Es ist die Gemeinschaft jener Ideologen, die die Gefahren der Krankheit herunterspielen, mit ihr kokettieren und die "Gesunden" zu hindern suchen, sich davor zu schützen.

Aids ist vor allem eine Schickeria-Krankheit, die nicht angetastet werden darf, weil mit ihr die ganze Schickeria als eine gesellschaftliche Krankheit bloßgestellt würde.

Mit Tuberkulose-Kranken wird ganz anders verfahren: sie haben keine Medien-Lobby und kommen daher sofort in Quarantäne, obwohl die Tuberkulose - im Gegensatz zu Aids - längst nicht mehr tödlich, weil heilbar ist.

Allerdings sind von der Tuberkulose eher die unteren sozialen Schichten betroffen. Kranke oder Bazillusträger, die "unerlaubt" ihre Quarantäne-Krankenhäuser verlassen, werden von der Polizei in aller Medien-Öffentlichkeit "heim"-gesucht.

Klassenunterschiede gibt es eben nicht nur bei den Renten- und Lebensversicherungen.

Die klassengegensätzliche Behandlung von epidemischen Krankheiten ist verfassungswidrig.

Die "Aids-Kultur" agiert gegen Gesetz und Grundgesetz. Sie mehrt die rechtsfreien Räume für die organisierte "Gegenkultur".

"Kultur gegen" - was?

Die "Gegen-Kultur" definiert sich als "Alternative" zur "jüdisch-christlichen" Tradition, als eine Art Feindbastion gegen die biblisch konstituierten Maßstäbe.

Die "Umwertung aller Werte", ursprünglich ein Motto Nietzsche'scher Philosophie, meint die Abwertung und Entwertung, sagen wir, "monotheistischen" Grundwissens.

Ließe das Christentum vom Bilderkult und von der Blasphemie der "Gottessohnschaft" und der "Gottidentität" Christi, könnte den "drei Krankheiten" eine dreieinige Gegenoffensive der Abrahamssöhne widerfahren. Der pränatalen Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung das toranische Zauberpferd. Oder ein toranischer Wunderesel.

Das "Böse" hat seine Zeit wie das "Gute", die "böse" Zerstörung einer "bösen" Zerstörungstendenz zuletzt etwas Gutes. Die angesagte "Endzeit" wäre kein Wahn, sondern bereits ein Stück Wirklichkeit.

Möglich, daß der Kampf gegen den Sozialismus sich erübrigt, weil die Marxisten - auch in China - natürlich sowieso längst begriffen haben, daß sich die Sache historisch erledigt; daß sie zu fehlerhaft war, und das bereits im Ansatz.

Übrig bleibt ein Ökofaschismus, der den Menschen unterhalb der Botanik rangiert. Eine "Ökologie", die den Menschen zum zweitrangigen oder drittrangigen Wesen degradiert.

Dies ist das Kriterium: Eine "Ökologie", die nicht dem Menschen dient, sondern ihn unterwirft und erniedrigt, ist faschistisch.

Eine "ökologisch orientierte" soziale Marktwirtschaft ist - wenn ernstgenommen - der falsche Gedanke. Die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts jedes einzelnen Menschen ist unser Thema.

Der Ökofaschismus ist ein Terrorismus.

Wie der Feminismus seinen Hauptfeind in der Frau sieht (wie sie war und ist und sein wird), so ist der Ökofaschismus eine Kriegserklärung an den Menschen als Vernunftwesen.

Was sich dort im Namen der Frau gegen sie organisiert, geschieht hier im Namen der Natur gegen die Natur des Menschen. Zwei menschenfeindliche Bewegungen und Ideologien entpuppen sich als ein und dasselbe Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Historiologisch in der Reihenfolge haben wir es mit drei organisierten politischen Großverbrechen zu tun, Mordverbrechen an Millionen, zig- und hundertmillionen Menschenleben: Sozialismus/Kommunismus, Faschismus/Nationalsozialismus, Feminismus/Ökologismus.

Der Ökofaschismus ist eine "Friedensbewegung". Die Menschen werden nicht in Kriegen, sondern "friedlich" umgebracht, noch ehe sie das Licht der Welt erblicken.

Der pränatale Megamord hat - weltweit unverkennbar - den sozialdarwinistischen und rassistischen Zug.

Wer die Mörder leben läßt, trägt ihre Schuld.

Sozialismus als Recht auf Sklaverei ist deren Höchstform.

Im Ökofaschismus wird das Lebensrecht zum "Recht" auf Kindermord. Das Recht auf Leben zum Recht der Mörder und der wenigen, die das Gemetzel überlebten.

Klassenfrage, Individuation & Entsklavung.

Die proletarische Revolution hatte den Sozialismus nicht hervorgebracht, sie hat ihn beseitigt.

Der Sozialismus war das Werk von Verbrechern und Träumern.

Die Proletarier aller sozialistischen Länder entfesseln sich soeben.

Der Sozialismus lebt auch nach seinem Tode weiter davon, daß er als "Idee" gutgeheißen wird. Die "sozialistische Idee" wird von ihren Realisationsformen getrennt.

Aber die Parteiengeschichte ist mit der Geschichte des Sozialismus identisch, es gibt keine andere, und es gibt keinen anderen Sozialismus. Um so schlimmer für die Träume vom "Schönen und Guten". Was heute als "Mißbrauch" eines "utopischen Gedankens" ausgegeben wird, war einfach seine Verwirklichung.

Träume, die sich politisch erleben, Politik die sich träumt: sie müssen mit der großen Enttäuschung, dem großartigen Wachwerden und Erschrecken rechnen.

Die politischen Träumer sind nicht einfach freizusprechen, denn zuviel Unheil, zuviel Blut und Tränen, haben sie mit ihren Träumen begründet und gerechtfertigt. So entlarvt sich der politische Traum als einen Komplizen des Verbrechens.

Die Arbeiter dachten logisch und setzten Prioritäten. Der erste Schritt mußte der entscheidende sein.

Für die arbeitende Klasse in der DDR gab es seit vierzig Jahren nur zwei Möglichkeiten: Entweder, der Sozialismus verschwindet, oder wir verschwinden aus dem Sozialismus.

Ein Verbleiben in freier Entscheidung, eine bejahende, sich mit dem Sozialismus identifizierende Position blieb immer außerhalb der Erwägungen, stand niemals wirklich zur Debatte.

Millionen verließen die DDR und gingen in die Bundesrepublik. Viele von ihnen haben nicht das große Glück machen können, zurück wollte keiner.

Nicht jeder konnte weggehen, doch wer blieb, der spielte Theater, erlernte die Sklavensprache, wurde doppelzüngig, täuschte seine Umgebung, verwirrte vor allem die Vertreter und Nutznießer der "sozialistischen Arbeiter- und Bauernmacht".

Die Geschichte des Sozialismus ist eine Geschichte des Bürokratismus. Das ist die wesentliche proletarische Erkenntnis im 20sten Jahrhundert.

Die Geschichte des Sozialismus ist die Geschichte der contraproduktiven Überwachung, Unterdrückung und Ausbeutung. Der Sozialismus ist im Feinschnitt ein Kastensystem nur zur einen Hälfte. Der grobe Antagonismus besteht zwischen der schaffenden Klasse und einem abschöpfenden, schröpfenden Kastenlabyrinth als Gegenklasse.

Mit der Revolution hat die proletarische, die schöpferische Klasse freilich der bürokratischen Schröpferklasse den Boden unter den Füßen weggezogen.

Aber auch dies läßt sich sagen: Die privilegierten Hofnarren des alten Systems haben sich längst wieder mit dem Sozialismus vereinigt. In der neuen Volkskammer sind die oppositionellen Reformparteien von der nunmehr ebenfalls oppositionellen SED/PDS kaum noch zu unterscheiden.

Wer begriffen hat, daß in der DDR 1989 eine proletarische Revolution stattfand, der versteht auch sofort, daß die PDS - genauso wie die frühere SED - und die vereinigten Reformer des Sozialismus keine linken Parteiungen sind, sondern lupenrein rechte - wenn denn Begriffsinhalte noch einen Sinn haben.

Denn "rechts" unterschied sich von "links" seit je in der Beantwortung der Frage: Willst du's erhalten oder grundlegend verändern, das staatliche, gesellschaftliche System von Macht und Ohnmacht, Herrschaft und Sklaverei.

Die SED sowieso, aber auch die sogenannten Reformer wollten das sozialistische System nicht abschaffen, sondern verbessern, mithin erhalten. Im Hinblick auf das zerfallende Sowjet-Imperium ein ausgesprochen reaktionäres Unterfangen. Die proletarische Revolution hat sie denn auch nachhaltig an der Ausführung der geplanten Flickarbeiten gehindert. Das ist die geschichtliche Wahrheit.

Die - zumeist "ökologischen", "grünen", "feministischen", "links" geeinigten - Reformgruppen stehen seit der Volkskammerwahl vor dem Dilemma, daß das "Volk" sich "undankbar" zeigte. Aber sie haben das Wesentliche nur nicht begriffen.

Sie schreiben sich die Revolution zugute, und das ist nun der reine Etikettenschwindel.

Sie wollten keine Revolution, sondern einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz", wie (oder ähnlich) sie es nannten. Das Volk aber machte die Revolution und damit dem sozialistischen Spuk ein Ende.

Der revolutionäre Hauptfaktor war die Fluchtbewegung.

Gorbatschows Politik hatte Hoffnungen geweckt, die das SED-Regime nicht erfüllen wollte, weil es sie nicht erfüllen konnte. Es war dazu nicht in der Lage.

Das alte Regime konnte nur so bestehen, wie es seit vierzig Jahren bestanden hatte: als Diktatur einer kleinen Parteiclique von Quislingen.

Die Reformbewegung hatte ihre Ideale, aber ebensosehr ein gestörtes Verhältnis zur Realität.

Als die Flüchtlinge in Budapest den vermittelnden Rechtsanwalt Vogel stehen ließen, auf seine Angebote nicht eingingen, sagte er vor der Kamera: "Sie wissen nicht, was sie tun."

Nun, sie wußten es besser. Das ist der Sachverhalt.

Die Flüchtlinge und Botschaftsbesetzer waren die eigentlichen Revolutionäre, die den inneren Zustand der DDR und die neue Machtkonstellation in Europa sehr genau einschätzten und daraus ihre politischen Schlüsse zogen.

Sie hatten die Schwäche des Systems der DDR erkannt und setzten akkurat auf diese Karte.

Die Vorgänge waren der Ertrag einer mehrfachen Konsequenz. Die konsequente Risikobereitschaft und Standhaftigkeit der Botschaftsbesetzer in Budapest und endlich in Prag, die konsequente Haltung der Bundesregierung, die konsequente neue Politik der ungarischen Regierung.

Prinzipienfestigkeit zeichnete die Beteiligten aus, das differenzierte Denken und genaue Handeln: ein kombiniertes Meisterstück politischen Veränderungswillens.

Antisozialistische Flüchtlinge, eine bürgerliche Regierung in Bonn und eine sich eben befreiende postkommunistische Regierung in Budapest brachten dies zustande, eine listige Zugabe der Geschichte, um letztlich den Erfolg zu gewährleisten.

In der Tat wurde die Revolution - folgt man nur den gängigen Theorien ihrer Pächter - von gänzlich unrevolutionären Kräften auf den Weg gebracht, vorangetrieben und ans Ziel geführt.

Als die DDR-Regierung den kämpferischen Botschaftsbesetzern in Prag auch noch Sonderzüge zur Verfügung stellte, da war's auch um die Geduld der Reformgruppen in der DDR geschehen.

Sie hatten doch immer nur friedlich um Verständnis geworben, erfolglos um einen "Dialog" gebettelt.

Die Botschaftsflüchtlinge aber führten einen klugen Stellungskrieg gegen die Regierung in Ostberlin und sollten jetzt dafür belohnt werden. Das war zuviel!

Die geplante Demütigung - die bereitgestellten Züge sollten durch die verhaßte DDR fahren - leitete indessen fürs Regime die Katastrophe ein.

Die gedemütigt werden sollten, waren auf einmal die Sieger. Denn sie wußten, was sie taten.

Die "Gruppen" hingegen beschwerten sich über die ungleiche Behandlung, der ewig "vermittelnde" Rechtsanwalt Vogel sprach von "Rechtsungleichheit".

Die Revolution hat eine ganz klare, nachvollziehbare Geschichte. Die "Gruppen" haben damit eigentlich gar nichts zu tun. Sie wollten bis zuletzt die DDR erhalten. Ihre Strategie war der reine Separatismus für einen "besseren" Sozialismus.

Die Worte Stefan Heyms klingen noch nach: "Wir wollen euch nicht!" Gemeint war der Westen. Er beleidigte die Arbeiter aus der DDR, die sich in Westberlin endlich einmal Dinge kaufen konnten, die er, Heym, schon immer genießen durfte. Und er nahm nur vom Feinsten!

Nein, diese Leute, von Christa Wolf bis Stephan Hermlin, die appeasenden falschen Propheten im Westen dazu, waren nicht revolutionär, sie waren konterrevolutionär. Sie sind es geblieben.

Der Widerspruch zwischen Sagen und Tun, Propaganda und tatsächlicher Politik, zwischen Denken und Handeln, ist gleichsam konstitutiv für den Sozialismus, und es ist nicht der Mühe wert, zwischen den zahlreichen sozialistischen und sozialdemokratischen Richtungen zu unterscheiden.

Denn dies eint sie alle, dies ist ihr gemeinsames Merkmal: daß ihre Mittel niemals zum Ziele führen.

Sozialismus ist immer verbunden mit einem starken Staat, wenn er überhaupt eine Weile überleben will, d.h. mit staatlicher Hilfe seinen wahren Zustand verschleiern kann.

Selbst der israelische Kibbuz, ein Bauernsozialismus, der lange Zeit als gelungenes, in sich freies, demokratisches Unternehmen angesehen werden konnte, ist mittlerweile - als System - bankrott.

Der Sozialismus lebt von seiner Legende, die er jedoch nur aufrechterhalten kann, wenn kritische Stimmen möglichst ausgeschlossen bleiben.

Einer kritischen Analyse hat kein Sozialismus standgehalten, viel weniger allerdings der Geschichte.

Von Moskau über Nicaragua und die zahlreichen Abenteuer-Spielplätze in aller Welt bis zu "Co-op" und "Neuer Heimat" und was dergleichen mehr, hat der Sozialismus das Zeitliche gesegnet. Er ist tot.

Ein teurer, blutiger, tränenreicher Spaß, ein Teufelsspiel, das freilich raffinierter als der Nazismus inszeniert war, so daß es nicht alsogleich durchschaut wurde und dadurch länger währte.

Die menschlichen Ideale des Sozialismus waren sein größtes Kapital und sein schönster Trick.

Er bluffte auf Deibelkommraus, und es waren nicht die Schlechtesten, die auf ihn hereinfielen, zunächst.

Vielen ersetzte er das warme Nest einer versäumten Kinderstube. Für eine mißverstandene Jugendbewegung war er allerdings nicht unschuldig genug.

Leider fand (und findet) sich das Sozialismus-Syndrom in stärkstem Maße und weitester Verbreitung gerade bei denen, deren Berufung es eigentlich ist, vor Irrlichtern und historischen Fallstricken zu warnen: den Intellektuellen und Künstlern.

Sie lockte offenbar (und lockt) der sozialistische Versorgungsstaat.

Ein Phänomen des Zeitalters: Der Antiintellektualismus keimte in den Intellektuellen.

Die mißlingende Individuation ist das Schicksal und ein Werk der falschen Propheten.

Der Mordanschlag auf den SPD-Kanzlerkandidaten Lafontaine - sein Protektor Willy Brandt nannte ihn einmal "eine gelungene Mischung aus Napoleon und Mussolini" (Die Zeit vom 31.5.90) und erteilte in einem ganz anderen Zusammenhang die Lehre, "Verrückten und Verbrechern" niemals die Macht zu überlassen - war objektiv ein Bestrafungsversuch für eine unglaubliche demagogische Verlogenheit in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren.

Die Wiener AZ schrieb:

Egal, ob es sich um eine politisch motivierte Attentäterin handelt oder nur um eine Irre: Es liegt eine objektive Logik in der Tat.

Die Logik ist nicht nur politischer oder psychologischer Natur. Die Tat hat vor allem einen religiösen Aspekt.

Die "Geisteskranke" - Adelheid Streidel - besuchte eine Klosterschule. Die Arzthelferin galt bei ihren Kolleginnen als ebenso fleißig wie "altfränkisch". Sie war "anders als die andern", ja, "wie Gott". Was soll das heißen?

Es heißt: Adelheid Streidel lebt unter einem hochsensiblen moralischen Gewissen, in einem religiös bestimmten Sendungsbewußtsein und mit einer Risikobereitschaft, die auch vor dem Letzten nicht zurückschrecken läßt.

Enno von Loewenstern, der in den vergangenen Monaten zum Meister richtiger Prognosen wurde, hält auf einmal inne und in der Welt ein Privatissimum zu "Herostrat heute".

Ebensogut hätte er über einen möglichen Erfolg seiner Zeitung grübeln können, in der einen Tag vor dem Anschlag der Zeichner Klaus Böhle den Lafontaine so überzeugend als Wendehals karikiert hatte, daß ein Besessener sich animiert sehen mochte, an diesen Hals mal mit dem Messer zu gehen.

Loewenstern kam vermutlich selbst darauf, lenkte jedoch sofort ab, indem er zu einem falschen Vergleich griff, der sich nun freilich ganz ungewollt als eine richtige Wahl erweist.

Loewenstern schreibt:

Herostrat hat nach seiner Festnahme ausgesagt, er habe den Tempel der Artemis von Ephesos angezündet, um seinen Namen unsterblich zu machen.
So ist dieser Mann durch die Vernichtung eines der sieben Weltwunder (365 v.Chr.) zum Inbegriff des Attentäters aus Ruhmsucht geworden...
Ihr Gott ist die Eitelkeit. Eben hierin ist Herostrat der Archetypus; um dieser Gottheit zu opfern, beging er einen Gottesfrevel aus der Sicht seiner Zeit und nahm aus derselben Sicht nicht nur die schlimmste Diesseitsstrafe in Kauf, sondern auch die ewige Verdammnis.

Die Epheser wollten seinen Namen auslöschen, was ihnen freilich nicht gelungen ist. Der Fall Herostrat wird nämlich von neuem "aufgerollt" werden müssen.

Es ist charakteristisch für religiöse Täter, daß sie sich verschließen, daß sie ihre wahren Motive verhüllen, um sie zu schützen. Sie übersteigen ihr Geheimnis, begehen die Tat und täuschen irgendeinen lächerlichen Beweggrund vor.

Gewöhnlich sind wir ohnehin auf die Darstellung der Vermittler, im Falle Herostrat also auf die hellenistisch-europäische Überlieferung, im Falle Streidel auf Berichterstattung in den Medien angewiesen.

Es war nicht der "Gott Eitelkeit", dem Herostrat "opferte", auch nicht ein "Gottesfrevel aus der Sicht seiner Zeit", was dieser Mann am Artemision in Ephesos beging.

Die "Sicht seiner Zeit" war durchaus zwiespältig.

Der Polytheismus der Antike sah sich seit langem der Wahrheit des israelischen Monotheismus ausgesetzt.

Aus der "Sicht seiner Zeit", gibt man ihr nur den würdigen philosophischen und religiösen Rang, der ihr zukommt, war die Zerstörung des heidnischen Tempels kein "Gottesfrevel", sondern ein Gottesgebot!

Es war die Erfüllung eines biblischen Befehls, wie er bereits vor mehr als tausend Jahren ergangen war, nachzulesen im 5. Buch Moses und bei Yoshua.

Die Juden waren inzwischen aus der Babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt, hatten den Zweiten Tempel in Jerusalem errichtet, besannen sich aufs Gesetz vom Sinai, auf die Schriften insgesamt und ihre Geschichte.

"Ephesos" war eine Provokation.

Egal, ob Herostratos die Torah-Anweisungen kannte, wichtig war hier die historische Konsequenz, war die Logik dieser Tat.

Der Tempel der Artemis konnte wieder aufgebaut werden, die Religion, die er beherbergte, war nicht mehr zu retten.

Vierhundert Jahre nach Herostrat wird der Tempel von Jerusalem zum zweiten Mal zerstört - und nicht wieder aufgebaut.

Anders als die griechische Religion hat sich freilich die biblische Lehre als geschichtsträchtig und geistig überaus fruchtbar erwiesen.

Das Christentum ging aus ihr hervor und prägte zwei Jahrtausende Europa und europäische Ausstrahlung über alle Kontinente.

Die biblische Tradition brachte schließlich den Islam hervor, der dem Monotheismus neue geistige Impulse gab, die, vom Nahen Osten ausgehend, die Welt verändert haben.

Und die Vaterreligion, die Religion der Väter, ist lebendig wie eh und je.

Das Judentum hat Millionenmord und Verfolgung nicht nur überlebt. Es hat viel Leben, viele Tränen, viel Hoffnung hergegeben, die Wunden sind längst nicht vernarbt. Aber das Volk des Buches lebt und denkt und ist zuversichtlich, und es streitet wie eh und je um den wahren Weg.

Der griechische Polytheismus ist hingegen reine Literatur geworden, die die Menschen erfreut und die Philologen beschäftigt, die Philosophen immer noch nachdenklich macht, weil in den Mythen viel Geschichte sich manifestiert oder verbirgt, aber als Religion ist der Polytheismus Vergangenheit - "aufgehoben" allerdings auf eigentümliche Weise im katholischen Christentum.

Die biblische Wahrheit duldet solche Kompromisse nicht, doch begegnen wir Kompromissen auch im Islam und im Judentum.

Prinzipiell ist der Polytheismus vergangen, nicht, weil er - etwa mit politischer Macht - "verdrängt" worden wäre. Er mußte weichen, geistig, weil die Nachricht vom Sinai überzeugender war. Der Gott Abrahams hat erkennbar mehr Wahrheit für sich. Er hat uns die besseren Argumente mitgegeben, wenn man so will.

Dem religiösen und prinzipiell philosophischen Sieg des Judentums über das Griechentum steht freilich der weltliche Sieg des griechischen und polytheistischen Denkens übers biblische gegenüber.

Die moderne Welt nennt sich wohl christlich, in ihren Codices stehen die Werte, die vom antik Biblischen übermittelt wurden, aber das tägliche Leben, das allgemeine Selbstverständnis dieser westlichen Zivilisation ist "griechisch" orientiert, polytheistisch, ja, es erkennt sich in den vorbiblischen Lebensauffassungen und Weltreligionen, gegen die die Religion Israels ihren Existenzkrieg führte, wieder.

Der Antisemitismus in unseren Jahrhunderten hat viel mit dieser weltanschaulichen Identitätskrise zu tun, die in den europäischen Kernländern mit der Entstehung der kirchlichen Reformbewegungen begann, welche ja auch eine Reaktion auf die historische Begegnung mit dem Islam darstellten.

Die Aufspaltung des tatsächlichen Lebens in einerseits das "Weltliche" und andererseits das "Grundsätzliche" und "Philosophische" ist eine Tragödie.

Der Widerspruch zwischen den Werten und Maßstäben, die im Prinzip immer noch gelten, und der Wirklichkeit ist so groß, daß alles wie eine einzigartige Lüge aussieht.

Unsere Demokratie beruht auf Rechtsgrundsätzen, die jeder rechtschaffene Mann unterschreiben kann, während das wirkliche Leben ganz anderen Maximen folgt.

Die Frage, ob diese Wirklichkeit den Theorien und Grundwerten oder die Theorien und Wertvorstellungen der Realität angepaßt werden sollten, ist politisch noch nicht entschieden.

Bisweilen kann man den Eindruck gewinnen, daß niemand ernsthaft daran denkt, diesen Zustand zu beenden, ihn in einer neuen Wahrhaftigkeit aufzuheben.

Und ich muß gestehen, daß das Leben in dieser Unentschiedenheit seine Annehmlichkeiten hat, auf die niemand gern verzichtet, obwohl jeder weiß, daß es so imgrunde nicht in Ordnung ist.

Wahrheit ist die revolutionäre Kraft, die die Welt verwandelt, gewiß.

Aber die Welt hat auch viele gute Grundsätze einfach auf den Müllhaufen gekippt, und kein Gott scherte sich darum.

Es ist also möglich. Der Mensch ist frei. Gesetze und Grundsätze engen die Möglichkeiten und Freiheiten des Menschen nur ein.

Davon gelöst, ist er glücklicher als je zuvor.

Das Unverbindliche ist das Menschliche. Und es fällt mir auch nicht schwer, das aufzuschreiben.

Verbirgt sich dahinter, hinter diesen Freiheiten, die wir uns einfach herausnehmen, eine List, eine List der Vernunft, eine List der Geschichte, des Schicksals, der Bestimmungs- und Heilsgeschichte des Menschen?

Damit geraten wir in die Zwänge einer Dialektik, die freilich keineswegs hergeholt ist, sondern auf tiefer und alter, langer geschichtlicher Lebenserfahrung beruht, in die das Denken lediglich ein bißchen Ordnung gebracht hat.

Wer das Schicksal, sprich: die Geschichte und ihre Tücken, nicht fürchtet, wer von heute auf morgen lebt und gar nicht wissen will, was vorher war und was aus allem folgen wird, der wird so weiterleben und sich transzendental überraschen lassen.

Was Gesetzeskonsequenzen sind, mag ihm als Laune der Götter erscheinen.

Missionieren ist sinnlos, Belehrungen gehen in den Wind.

So wird nebeneinander her das eine und das andere fortbestehen, etwa im Verhältnis von Mehrheiten zu Minderheiten, wie in der Politik, wie in jeder Demokratie.

Die grundlegenden Fragen werden nicht von Menschen beantwortet.

Auf die kosmischen Bedingungen haben wir keinen Einfluß.

Wir sind Steinchen im Mosaik.

Im Spiel.

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kuckuck
projekt YISHMAEL
Aleph
20. Juni 1990

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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