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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Ministerpräsident Glogowskis Rücktritt - RIEGERS RACHE FÜR HETENDORF ?

H.L.- Bald nach Jahresbeginn 1998 ließ der damalige niedersächsiche Innenminister Gerhard Glogowski das NS-Schulungszentrum in Hetendorf schließen. "Daß ausgerechnet Beamte der Polizeiinspektion aus dem nahegelegenen Celle den Willen ihres Dienstherrn umsetzen mußten, empfinden viele Bewohner des Dorfs als späte Genugtuung. 'Die haben mit denen doch fast gemeinsame Sache gemacht', empört sich ein Bauer, der wie andere 'immer in Angst' gelebt hatte, 'wenn vollbesetzte Autos mit Glatzköpfen aus ganz Deutschland hier einfielen'. Seit 1984 waren die vier heruntergekommenen Häuser des Gebäudekomplexes 'Hetendorf 13' Schauplatz unzähliger Aufmärsche und Treffen rechtsextremistischer Gruppen. Vor allem die sogenannten Hetendorfer Tagungswochen, aber auch andere Veranstaltungen mit prominenten Rechtsextremisten wie Manfred Roeder, abgesichert von Mitgliedern inzwischen verbotener Neonazi-Organisationen wie der 'Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei' oder der 'Nationalen Liste', hatten immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt. Ein Anwohner, der öffentlich gegen die braune Front Stellung bezog, erhielt einen Drohbrief, den Rieger persönlich unterschrieb: 'Wer Krieg haben will, soll ihn bekommen. Wir haben uns genau gemerkt, wer im Dorf uns verleumdet, gegen uns gehetzt und sich gegen uns gestellt hat.'" Rieger ist Vorsitzender etlicher NS-Organisationen, darunter der rassistischen "Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft". "Mindestens ebenso irritierend wie die langjährige Zurückhaltung der Polizei in der näheren Umgebung sind die Umstände, unter denen Rieger 1978 das 15000 Quadratmeter große Gelände erwerben konnte. Die Celler Sozialorganisation 'Lobetalarbeit' hatte das Objekt für 1,2 Millionen Mark Ende der sechziger Jahre an das Bundesvermögensamt verkauft. Die unmittelbare Nähe zum Truppenübungsplatz Munster ließ eine weitere Nutzung als Behindertenheim und Sonderschule nicht mehr zu. Damals kaufte Rieger das Gelände - 'für'n Appel und'n Ei', so seine langjährige Kampfgefährtin Gertrud Herr, die in der Zeit des Nationalsozialismus Führerin beim 'Bund Deutscher Mädel' war. Preis laut Kaufvertrag: 120.000 Mark - ein Zehntel dessen, was der Bund dem Voreigentümer bezahlt hatte." Offenbar hatte sich die Bundesrepublik gleich zweimal - vom Voreigentümer und vom Nacheigentümer - ausnehmen lassen. Auf diese Weise ist die neue/alte Rechte reich und mächtig geworden. Auch Manfred Roeder genoß die Großzügigkeit des Bundes, nämlich der Bundeswehr, die ihm einen großen Teil ihres Wagenparks kostenlos (nich ma'n Appel oda'n Ei) vermachte. Der vorbestrafte Anwalt Rieger ist wie der vorbestrafte Anwalt Roeder eine "Schlüsselfigur der rechten Szene" ('Spiegel'). War Glogowskis Abgang dann vielleicht Riegers (und auch Roeders) "Rache"?

Zitate aus 'Spiegel' 8/1998 nach kkk-feder 19/20, 1998

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