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Ein Haufen aufs Geratewohl hingeschütteter Dinge...

Knapp im Amt

Hoffnung und Irritation

1968-12-00

Pakistan

Stand: Dezember 1968
Außenpolitische Beziehungen Pakistans

Die pakistanische Außenpolitik ist aus dem labilen Verhältnis zu Indien zu verstehen. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten, zu den drei Großmächten und zur übrigen Welt werden direkt oder indirekt vom pakistanisch-indischen Verhältnis beeinflußt und durch die jeweilige Haltung zur Kaschmirfrage bestimmt, die noch immer, nicht zuletzt aus innenpolitischen Motiven, ein zentrales Problem der pakistanischen Außenpolitik ist.

Pakistans westlich orientierte Bündnispolitik der 50er Jahre wurde mehr und mehr, besonders seit dem Himalayakrieg von 1962 und dem indisch-pakistanischen Zusammenstoß von 1965, von einer Politik des "Bilaterelism and Mutualism" abgelöst. Darunter ist ein System ausbalancierter, möglichst guter bilateraler Beziehungen zu allen Staaten, insbesondere zu den drei Großmächten zu verstehen, eine Politik, die ihre - wenn auch von Pakistan nicht eingestandenen - Grenzen in dem weltpolitischen Antagonismus der Großmächte findet.

Das Verhältnis zu Indien ist geprägt von dem historisch bedingten Gegensatz und Mißtrauen zwischen Moslems und Hindus. Der Kaschmir-Streit, Symbol dieser "Erbfeindschaft", hat auf beiden Seiten Rüstungsanstrengungen ausgelöst, die sich insbesondere seit 1965 verzögernd auf den wirtschaftlichen Aufbau Pakistans auswirken. In der Sorge, eine zumindest ausreichende Abschreckung gegenüber der indischen Aufrüstung zu erhalten, hat sich Pakistan ein Streitkräfteverhältnis zu Indien von 1:4 zum Ziel gesetzt, das im personellen Bereich des Heeres erreicht sein dürfte; der materielle Rüstungswettlauf hält dagegen unvermindert an. Die nach 1965 völlig unterbrochenen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seither sehr zaghaft und nur auf Teilgebieten (Überflug, Fernmeldewesen) wieder normalisiert worden. Auf allen wesentlichen Gebieten (Handel, Verkehr) stagnieren sie. Direktgespräche werden z.Zt. über den Ganges-Wasser-Disput (Farakka) geführt. Den von Indien angeregten Nichtangriffspakt will Pakistan nur im Rahmen einer Gesamtregelung aller offenen Fragen, also auch Kaschmirs, ernstlich diskutieren. Ein Kompromiß in der Kaschmirfrage ist nicht in Sicht.

Die seit 1963 wieder normalen Beziehungen zu Afghanistan sind seit einigen Monaten durch die erneut hochgespielte Paschtunistan-Frage belastet, wobei auf beiden Seiten innenpolitische Rücksichten eine erhebliche Rolle spielen dürften.

In den jahrelang guten, durch wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit geprägten Beziehungen zu den USA trat nach dem indisch-chinesischen Krieg von 1962, in dem Amerika Indien politisch und materiell unterstützte, eine Wende ein, die zu einem zunehmenden pakistanischen Desinteresse an SEATO und CENTO führte. Im Jahr 1965 (kurzfristige Ausladung Ayub Khans durch Johnson, Absage Treffens des Pakistan-Konsortiums, Einstellung der amerikanischen Militärhilfe nach dem indisch-pakistanischen Krieg vom September 1965) erreichten die Beziehungen einen Tiefpunkt, haben sich jedoch seither, nicht zuletzt durch Wiederaufnahme der amerikanischen Wirtschaftshilfe seit 1966 wieder gebessert, ohne daß die USA jedoch ihre dominierende Position in der pakistanischen Außenpolitik wiedererlangt hätten. Nicht nur Nahost-Konflikt und Vietnam, sondern auch Rücksichten auf die anderen Großmächte und das Gefühl, durch Einstellung amerikanischer Militärhilfe zu einseitig (gegenüber Indien) benachteiligt zu werden, legen Pakistan deutliche Zurückhaltung auf. Die Kündigung des amerikanischen Nachrichten-Stützpunktes Peshawar ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Dennoch ist Pakistan sich bewußt, daß es auch im eigenen Interesse liegt, mit den USA zu einem positiven Interessenausgleich zu kommen.

Die seit 1949 bestehenden Beziehungen zur Volksrepublik China wurden seit 1960 in Erkenntnis der gemeinsamen Gegnerschaft zu Indien, die während des Himalaya-Krieges 1962 offen zu Tage trat, planmäßig gefestigt. In relativ rascher Folge wurden Abkommen über Grenzziehung, Luftverkehr, Handel, Kultur, Straßenbau, Wirtschafts- und Rüstungshilfe geschlossen. Ein reger Besuchsaustausch (einschließlich offizieller Besuche beider Präsidenten) fand statt. Trotz der Kulturrevolution setzte die pakistanische Seite regelmäßige Besuche bis in die jüngste Zeit fort, die, vor allem im Jahre 1968, auch möglichem chinesischen Mißtrauen wegen Pakistans bewußter Annäherung an die Sowjetunion zuvorkommen sollten. Der pakistanische Außenminister bezeichnete die Freundschaft mit China vor kurzem als "Kardinal-Prinzip" der pakistanischen Außenpolitik. Dafür, daß sie in der pakistanischen Bevölkerung populär ist, liegen zahlreiche Beweise vor. Das wird es der Regierung erschweren, etwa einmal von China verfolgten Subversionsversuchen zu begegnen.

Das Verhältnis zur Sowjetunion war immer durch deren enge Beziehungen zu Indien belastet. Besuche Ayub Khans in Moskau (1965 und 1967), die Vermittlerrolle der Sowjetunion in Taschkent, planmäßig verstärkte Wirtschaftshilfe und der Kossygin-Besuch 1968 leiteten indes eine Wende ein. Die im Sommer 1968 erkennbar werdende sowjetische Bereitschaft, zu Lasten der Beziehungen mit Indien Pakistan auch Militärhilfe zu gewähren, stärkte die sowjetische Position entscheidend. Dies führte u.a. dazu, daß das offizielle Pakistan sich - trotz im Lande weit verbreiteter Ablehnung - jeder Kritik an der sowjetischen Invasion in der Tschechoslowakei enthielt. Noch ist es nicht gelungen, zuverlässige Information über den Umfang einer sowjetischen Rüstungshilfe zu erhalten. Manches deutet darauf hin, daß sich ursprünglich hochgeschraubte Erwartungen nicht erfüllen. Daß in jüngster Zeit eine nüchternere Bewertung zu erfolgen scheint, könnte hieraus resultieren. Es muß jedoch weiterhin damit gerechnet werden, daß Pakistan künftig auf allen Gebieten, die sowjetische Interessen berühren, mit besonderer Vorsicht operieren wird. Rückwirkungen auf das deutsch-pakistanische Verhältnis sind nicht auszuschließen.

Die gefühlsmäßig besonders enge Bindung an die islamischen Länder des Nahen und Mittleren Ostens hat im Verhältnis zum Iran und zu der Türkei 1964 institutionellen Ausdruck durch Gründung der Regional Cooperation for Development (RCD) gefunden. Zunächst nur als Basis für regionale Wirtschaftsentwicklung konzipiert, hat die RCD seit der Gipfelkonferenz von Ramsar 1967 auch politische Akzente erhalten, die durch das kürzliche Treffen der drei Staatsoberhäupter in Karachi (gemeinsames Interesse am Persischen Golf) noch verstärkt wurden. Im Blick auf die Sowjetunion bedeutet die RCD in etwa eine Ablösung von CENTO.

Die deutsch-pakistanischen Beziehungen sind bisher frei von Belastungen. Sie sind von Vertrauen und Freundschaft geprägt, die sich vor allem in der Deutschlandfrage bewährte. Ostberlin hat bis heute in Pakistan, dem größten islamischen Land, nicht Fuß fassen können, obwohl es an entsprechenden Versuchen nicht gefehlt hat. Die pakistanische Regierung hat in der Vergangenheit unsere Bemühungen unterstützt - zum mindesten nicht gestört - das Vordringen Ostberlins in internationale Organisationen abzuwehren.

Während die guten Beziehungen zur VR China in den vergangenen Jahren einer Aufwertung Ostberlins eher im Wege standen, könnte die Zunahme des sowjetischen Einflusses sich auf eine vermehrte Zurückhaltung Pakistans uns gegenüber auswirken. Konzessionen zu unseren Lasten sind in Rechnung zu stellen, ein radikaler Kurswechsel ist aber, solange das gegenwärtige Regime besteht, kaum zu erwarten.

Lt. Vermerk Erich Knapp vom 13.03.2001 (Brief an Lummert) handelt es sich hierbei um "die offizielle Darstellung der deutschen Botschaft in, damals, Rawalpindi (bevor Islamabad Hauptstadt wurde). Ich erhielt sie vor meiner Abreise aus Bonn nach Dhaka (Dacca) im AA. - Der Verfasser des Berichtes (kkk: - L3-82.30/0-443/67 - der Deutschen Botschaft in Lagos/Nigeria vom 05.05.1967) an das AA in Bonn war ich (Sekretärin: Mechthild Ernst), und ich habe auch die diversen Zeitungsartikel verfaßt und ihre Veröffentlichung offiziell bezahlt. Es war diese meine Initiative, die mich empfohlen hat für die Versetzung nach Pakistan mit dem bestimmten China-Auftrag. Auch die übrigen Zeitungs-Clippings sind jetzt bei Hoovers*. Die Sache ist jetzt so alt, daß sie publiziert werden darf (nach 30 Jahren sind sie frei geworden)".

kkk

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