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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Die "rote" Intrige oder Der Filz von BPA und BuKA und ...

Erich Knapp an Horst Lummert

Wie wars zuletzt im BPA? Die Nachrichtenzentrale (Schichtdienst an Sichtgeräten der Agenturen, dt., engl., frz., deshalb nur Angestellte) war das roteste (was SPD heißt u. DAG o. ÖTV) Referat des Hauses. Außer Ahlers hat niemand gewagt, uns krumm zu kommen. Nur wir konnten rund um die Uhr arbeiten (d.h., sonst wollte keiner) u. beherrschten die Geräte. Wir prozessierten um unsere Beförderungen, Zug um Zug. Wir waren umgeben von CDU/CSU-Beamten, darunter alte Nazis. Denen sagten wir unverhohlen die Meinung. Ich bin derjenige, der mit einem früheren Kollegen, der damals im BuKaAmt arbeitete, Ahlers Vorhaben, als MdB Parlamentar. Staatssekretär des BPA zu werden, vermasselte mit einer besonderen Nachrichtenzusammenstellung für Willy in Norwegen, über Guillaume. Ahlers wurde MdB u. sonst nichts mehr. Ausgepißt, der Herr Fallschirmjäger. Nicht mal eine 1-Mann-Mehrheit der Koalition kam zustande, in der Ahlers das Zünglein hätte spielen können. Er bekam Asthma - endlich kam seine Angst zum Vorschein! - an dem er starb.

Ach der Guillaume, auch so eine Anekdote. Ich kannte ihn seit 1959 in Ffm., Jusos wir beide, er SPD-Funktionär (seine Frau Telefonistin bei der SPD, immer unfreundlich). Wir, E. Nitzling, Fritz Vilmar im selben Distrikt. Wir machten den "linken" Matthöfer zum MdB. 1970 traf ich im Bonner Bahnhof Matthöfer und Guillaume. Ich trat zu ihnen. Das übliche blabla. Ich nannte ihn nicht Günter, sondern Erich, irrtümlich, weil damals im Distrikt zufällig fast alle Erich hießen. Der Zug läuft ein, Matthöfer geht in die 1. Klasse, G. u. ich quatschen in der 2. bis Ffm. Alles mögliche. Seine Frau wolle nicht nach Bonn. (Ich muß dazusagen, daß G. damals in Ffm. der einzige rechte Genosse im Distrikt war. Aber nun war keine Spannung mehr zwischen uns). Damals waren gerade ein paar FDP-Herren, u.a. Kühlmann-Stumm, aus der Koalition geschieden. Und da wollt Ihr umziehen, wo die Koalition vielleicht in 14 Tagen platzt, fragte ich. G.: "Erich, die Partei läßt uns nie im Stich!" Konnte ich ahnen - ich, der ganz skeptisch dreinblickte -, daß der eine ganz andere Pachtei meinte als ich?*

In den folgenden Jahren hatte ich einige kurze, meist indirekte, u. einen briefl. Kontakt mit ihm, der sicherlich den Geheimern in die Hände fiel. Harmlos, Reichsbannerkram. Aber immerhin.

Und dann kam 1973 o. 74 der ÖTV-Streik in Bonn. Wir sagten, dem indolenten saufenden Willy muß mal in den Arsch getreten werden, wir streikten mit. Sind ja Angestellte, nichwahr. Große Kalamität: die Nachrichtenspiegel fielen ja aus, auch unsere telefon. Kurzinformationen. (Wir hatten ja das Recht, den BuKa auch nachts im Bett anzurufen, aber wehe, es war dann nicht wichtig genug). Naja, wir streikten tatsächlich. Und der Bundeskanzler hatte nur noch die Informationen von BND, Verfschutz, MAD, nix mehr aus Agenturen, Presse, Rundfunk (bis China), TV. Oh was eine Wut!

Dann hatte ich die Nase voll. Der Schichtdienst machte mich kaputt, Zeit für Freunde, die man ja abends trifft, kaum noch. Bonn vermopste Kleinstadt. Ich zum AA: möchte mal wieder raus. (Ich war AA-Mensch, zum BPA nur abgeordnet). Hoppe: Kairo, zweiter Mann dort.

Hoppe hat mich sicherlich nicht reingelegt. Er hat mich ja, als ich aus Lagos u. Dacca meine Briefe schrieb, gedeckt u. mittels meiner Aggressionen Karriere gemacht. Nun hatte er mich nicht mehr nötig. Ich schrieb im Sommer, nein Herbst 74 einen Leserbrief über Willy, den die FAZ abdruckte. Dann mein Brief im ED. Hoppe feuerte mich. Damit aber war ich dem Zugriff der deutschen Polizei entzogen. Hätte ich das getan, was man mir vorwarf, hätte ich alle Spuren verwischen können, ich blieb ja fast 2 Monate in Kairo, nach meiner Entlassung. Man konnte mich nicht zurückberufen, ich war ja entlassen.

Im AA gab es 1974 Leute, die mich lieber für immer im BPA gesehen hätten, weil ich eine Karriere-Stelle für junge "echte" Diplomaten wegnahm. Also stuften sie mich 2 Stufen runter. Ich hätte die im BPA gemacht, das AA erkenne das nicht an. Alles gelogen. Aber man wollte mich abschrecken. Nach 6 Monaten in Kairo mußten sie mich rückwirkend wieder eine Stufe hochheben. Aber die andere war perdu. (Knapp, 9.8.83)

*Günter Guillaume war der DDR-"Kanzlerspion" bei Willy Brandt. Zu beachten sind die Zeitabläufe. Erich Knapp wechselte in dem Moment vom BPA in die Kairoer Botschaft, nämlich im April 1974, als die Konspiration in Bonn aufflog, Guillaume enttarnt wurde. Brandt trat im Mai 74 von seinem Amt zurück. Knapp wurde nicht mehr gebraucht. Sein Mentor Hoppe feuerte ihn am 9. April 1975, präzis nach einem Jahr Kairo. kkk

kkk-feder 12, 1997. Nach kuckuck 47, 1985.

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