2004-01-27
Freund Freuds Pseudorätsel
Das Wohlwollen des Analysten mit seinem Analysierten ist unverkennbar.
Dieser jedoch dankt das mitnichten.
Das ist natürlich "natürlich".
Der an S. Freud geschulte Analyst weiß das und fühlt sein Urteil durch die Zurückweisung erst recht bestätigt.
Dagegen hat der Analysierte keine weitere Möglichkeit der Wehr.
Freud nahm das Material für seine Wissenschaft aus dem 19. Jahrhundert: Es aus dem 20. zu nehmen, war er zu alt.*
Im 20. hingegen entpuppte sich dieses Material auch als das der Menschenvernichter.*
Es war für Freud als Wissenschaftler zu spät geworden.*
Seine Rezeption im Deutschland nach 68 ist deshalb ein Akt von Verspätung.*
Ich möchte ein Werk zum Ausgleichen des Lückenhaften empfehlen: "Psychoanalyse und Ethnologie" von J. Reichmayr, U. Wagner, C. Ouederrou, B. Pletzer, beim Psychosozialverlag Gießen 2003.*
Das seit Nazitagen verrufene Wort "Ethno" würde sinnigerweise besser durch "Bevölkerungen" (Plural) ersetzt.*
Eine freudianische Analyse trifft einen politischen Menschen kaum.*
* Sigmund Freud lebte von 1856 bis 1939. Seine revolutionären Werke gründeten, entstanden und erschienen im 20sten Jahrhundert. Der autoritäre Charakter-Typus der Initiatoren des europäischen Völkermords hat die Werke Freuds - aus psychologischen, rassistischen und kollektivistischen Gründen - gefürchtet und verboten. Freuds Bücher verfielen dem NS-staatlichen - antisemitischen - Autodafé vom 10. Mai 1933. Die Psychoanalyse Sigmund Freuds kann nach wie vor als wissenschaftlich unüberholt gelten. Kokhavivs Bewertung stützt sich weniger auf Freud als auf ein bißchen Lebenserfahrung. kkk
Die Politik im 20. Jahrhundert hat zu derart vielen Traumatisierungen und Völkermorden geführt, daß das Charakteristikum "Haß" sehr grob ist.
Wie wird ein Mensch, der hinter sich brachte, was sein Jahrhundert produziert hat, und der so geprägt wurde?
Ich halte, obwohl geschmeichelt, weniger vom Stil meines Schreibens.
Halte ihn für zu hölzern und zu unflexibel, möglicherweise Ergebnis meines Alterungsprozesses.
Früher, so meine ich, hätte ich besser geschrieben, obwohl auch schärfer und unerbittlicher.
Meine Skripte sind also nicht nur formal ein Albtraum für meinen entsagungsvollen Herausgeber, dem ich an dieser Stelle noch einmal danken möchte.
Ob ich wirklich freundlich und herzensgut bin, bezweifle ich gleichfalls.
Ich halte mich für herzenshart und egozentrisch.
Und "nett" klingt mir fast wie "matt", was ja nicht meine Erscheinung wiedergibt, höchstens mein mediokres Denken.
Meine treue Ehefrau meint, daß der Analytiker sehr präzise mich durchschaut habe, aber sie ist ja von mir allzu oft enttäuscht worden.
Wer mit mir zusammmenlebt, endet meist in Bitterkeit, weswegen fast alle Freunde früherer Zeiten sich vorsichtshalber von mir zurückzogen oder gar vorzogen zu sterben.
Der Balkonbrüstungsbesteiger, der redend Provokationen in die Runde brüllt, schafft sich sein Ende.
Man hört nicht mehr zu.
"Ach der da!"
Meine zwei Jahre jüngere Schwester Trudel (Gertrud) Rimann, die als Künstlerin Clara R. heißt und allzu langsam bekannter wird als mehr als nur begabte Zeichnerin,** wurde mir tatsächlich "vorgezogen".
** Gibt es von ihrer Arbeit etwas zu sehen - vorzustellen bei uns im Internet? kkk
Als Kleinkind dachte ich tatsächlich so.
Doch schon vor meiner Pubertät erkannte ich, daß ich als "Prellbock" die vielen Prügel, zuerst meiner Eltern für das temperamentvolle verschissene Kleinkind und den Dickkopf, geradezu anzog.
Die Schwester hingegen war ein anpassungsfähiges Kind, das sich still im Trubel eines politisch naziverfolgten Elternhauses in einen Winkel mit Bleistift und Blatt Papier zurückzog.
Sie war eine Wohltat für die ohnehin stark geplagten Eltern.
Eine Wohltat blieb sie auch später.
Ihre künstlerische Neigung wurde anerkannt und danach sogar gefördert, meine politischer geäußerten Ansichten waren anstößig.
Zunächst in der Volksschule, wo die Mitschüler den Kleinen und Schwächlichen wegen seiner Sprache, dem Hochdeutschen immerhin näher als der Dialekt, den ich bis heute im innersten Herzen verabscheue und verachte, ein "Bubemädsche" nannten.
Selbstverständlich faßte das Kind dies allein wie eine öffentliche Anzweiflung seines Status als "Mann" auf.
Was seine Neigung zu weiblicher Gesellschaft aber nicht beeinträchtigte, sondern sogar förderte.
Mädchen waren eben nicht so aggressiv wie Buben.
Lehrer und Eltern der Mitschüler sorgten für deren "Aufklärung" über den späteren Außenseiter, was die Invektiven nur verschärfen konnte, die sich von jetzt an politisch einfärbten und sogar staatlich gebilligt waren.
Das warf das Schulkind zurück auf seine Eltern, die, wie immer sie gewesen sind, sein Ursprung und naturgegeben waren.
Zur Zeit der Pubertät kam keine Rivalität zu den Eltern auf.
Ihr Leid war sein Leid.
Haß wuchs statt dessen auf jene, die, je mehr das Wissen zunahm, das elterliche Leid - schon ab 1905 bei der Mutter, schon ab der Jahrhundertwende beim in einer sehr armen Familie von Steinbrucharbeitern und Putzfrauen aufgewachsenen Vater - verursacht hatten.
So wird ein "Politiker" groß!
"Mir nach!" - so mag ich oft getönt haben, aber selbst die Sozis sind nie mir nachgeschlagen.
Sie schon vor 1933 nicht, als das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zur Untätigkeit verdonnert worden ist von der SPD.
Ja, ich bin immer ein nachdenklicher Nachdenker geblieben, habe, von Haus aus relativ ungebildet, nie vorausgedacht.
Mußte folglich von den Ereignissen immer wieder überrascht werden.
Wie die meisten Mitmenschen ebenfalls.
Wie könne so einer meinen, daß andere ihm folgen würden, fragt der Analyst.
Ich habe tatsächlich geglaubt, daß, wenn so ein Dummkopf wie ich dazulernen könne, andere auch dasselbe können würden.
Ich habe dabei nur mein Hirn überschätzt, insofern ich das Hirn der anderen nicht genug unterschätzt habe.
Es kommt, so sage ich mir heute, nicht auf das Kopforgan an, sondern auf das zuckende Herz.
Und Herz scheint mir bei den Deutschen schlecht entwickelt zu sein.
Bei anderen Völkern habe ich mehr Menschen kennengelernt, die stärker auf ihr Herz hören.
Mein Nirwana wird schon von allein eintreten, da brauch ich kein Aschram in Fernost.
Kein Tibet und kein Indien.
Übrigens hilft mir ein Heilpraktiker, durch den ich viele psychosomatische Malaisen schon plötzlich überwunden habe wie die Migräneanfälle, für die ich auch eine sehr eigene Methode der Abschaffung fand.
Der akupunktiert mich auch in letzter Zeit.
Ob mein Heil der Kampf ist, weiß ich nicht.
Er ist es halt.
Seit ich lebe.
So werde ich wohl auch, falls ich nicht gelähmt werde, bis zuletzt bleiben.
Wie anders könnte es auch sein?
Dschihad ist des Menschen Auftrag und gottbefohlen.
Ich diene!
Daß man mich deshalb nicht liebt, kann ich ertragen.
Ich habe viel geliebt und wurde und werde von ein paar Menschen wiedergeliebt.
Und wenn Gott mich nicht seinerseits lieben würde, warum hat er mich überleben lassen, wo ich leicht und oft hätte umkommen können?