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kokhaviv publications

Ismael - Die Gegenseite

Er wird ein wilder Mensch sein. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn. Er lebt getrennt von seinen Brüdern und fordert sie alle heraus. Genesis 16,12 und 25,18

2003-06-01

Ridwan Abdul-Muqsit

Was meint "ein Segen"?

KhartoumDer gerade abgeschlossene ökumenische Kirchentag in Berlin stand unter dem Motto "Ihr sollt ein Segen sein".

Der zum Islam konvertierte frühere römische Katholik, ein Beobachter des Zeitgeschehens, ist unbefangen genug zu fragen, wie hinkünftig ein Segen beschaffen sein soll, wie er sich auswirken könnte.

Limonadenhaft alleweil friedfertig jedweden Glauben oder jegliches Meinen anerkennend, wenn es sich nur friedfertig gibt, oder efferveszent das Wesentliche belebend und wiederbelebend?

Da kommt das mutige Büchlein eines ehemals reformierten Christen, zum römischen Katholizismus konvertiert, gerade zur rechten Zeit.

Peter Kreeft, Ökumenischer Djihad?, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2003 (ursprünglich bei Ignatius Press, San Francisco, USA, 1996).

Es ist ein amerikanisches Buch im besten, aber auch im schlechteren Sinne.

Es spricht viele Gebrechen und Verbrechen unserer weltgesellschaftlichen Zustände ehrlich und taktlos an, nennt sie lügenfrei und ohne Umschweife beim Namen, spricht sich außerdem über unsere Abwehrmaßnahmen aus ohne philosophisches und sogar theologisches Wortgedudel.

Frank und frei.

Es geht dem Theologen Kreeft nämlich nicht um die feinen Unterscheidungen zwischen den einzelnen Strömungen der abrahamitischen Monotheismen, die letztlich im Verlauf ihrer historischen Auseinandersetzungen auf je verschiedenen kulturellen Böden entstanden sind.

Nein, die Fallstricke zwischen den abrahamitischen Monotheismen umgeht Kreeft kühn, ganz anders als die krampfhaften Vereinigungsbestrebungen vieler christlicher Ökumeniker, die folgerichtig doch zu keinem Ergebnis kommen können, sich in faulen Kompromissen verheddern müssen, solange nicht die Hauptprobleme der Menschheit gelöst sind oder wenigstens theoretisch Lösungen für diese erarbeitet wurden.

Ganz praktisch-amerikanisch ruft Kreeft zu konkludentem Handeln auf, alle christlichen Konfessionen, dazu die gläubigen Juden und Muslime und sogar Atheisten, falls sie noch auf dem Boden der abrahamitischen Lehren stehen.

Kreeft erinnert schon nach ein paar Seiten an die Kairoer Weltbevölkerungskonferenz 1994, wo es den Katholiken und den Muslimen in konkludentem Verhalten und ganz wider Erwarten der mächtigen Mediengewaltigen und ihrer Hintergrundkräfte gelang, die erstrebte weltweite Durchsetzung der Forderungen zur Kontrolle der "Bevölkerungsexplosion" zu torpedieren.

Kreeft rät uns, statt langatmig und langweilig bloß zu theoretisieren zum "Just do it! - Tu es einfach!"

Was tun?

Kreeft nennt als erstes Weltübel die populistische Abtreibungsindustrie und die Empfängnisverhütungsindustrie.

Er zählt die Zahlen der abgetriebenen Kinder auf, diesen globalen Holokaust, der die Medienmacher so gar nicht aufregt.

Er kommt auch indirekt auf die ökonomischen Zustände zu sprechen, die diesen Massenmord als plausible und menschenfreundliche Tat erscheinen lassen, unsere Kinderfeindlichkeit, die Verarmung der Kindergebärerinnen und Kinderzeuger, ihre landläufige Verachtung durch den Kult des "ewigen" Jungbleibens, Auswirkung einer weiteren Industrie.

Wir kommen auf diese Thematik zurück.

Doch zunächst bleibt zu berichten, wo das Buch nach Meinung des Lesers amerikanisch im nichtbesten Sinne gewirkt hat.

Dazu muß die objektivierende Rezension zum subjektiven Bericht des Lesenden überwechseln.

Mir klang das Kapitel 7, "Gibt es so etwas wie Christentum schlechthin?", allzu konstruiert und an ein Fachpublikum gerichtet.

Für dieses mag es in sympathisch vereinfachendem Stil geschrieben sein.

Doch die frischgemuten ersten Seiten des Buches fallen ab.

Dafür allerdings leuchtet mir Kapitel 8, "Eucharistie und Ökumene", wieder ein, und das überraschte den heutigen Muslim.

Der Autor nämlich erinnerte ihn ungewollt an seine Kindheit im katholischen Milieu.

Ich verstand nun in diesem Licht die grenzschützende Maßnahme des Papstes mit seiner Vermahnung zur Einhaltung der Lehre der Eucharistie besser.

Sie leuchtete mir sogar ein:

Wenn Gott sich in einem Menschen inkarnieren kann, warum sollte er nicht, obzwar unsichtbar, dasselbe können in einer Hostie?

Jedenfalls habe ich mich meiner Ersten Kommunion erinnert, als das Kind trotz der Verfolgungen der katholischen, längst nazifizierten Plebs diese Einwohnung Jesu sehr wohl gespürt und von ihr durchdrungen worden ist.

Zum Glück hat die katholische Geistlichkeit sich damals nicht (mehr) an den Wahnsinnstaten der Rassisten beteiligt.

Nicht einer!

Und auch die Gemeindeschwester Anna nie!

Damals schon ist es um das Wesentliche der abrahamitischen, also mosaischen, also christlichen, also islamischen Weltlehre gegangen.

Und auch heute geht es um das ihr Wesentliche!

Der marxistische Philosoph G. Lukács hat damals behauptet (und nach dem Ende des Nazismus wurde es breit herausgestellt), daß Nietzsche sozusagen der erste Nazi gewesen sei.

Damit hat er die Antinazis darüber im Nichtwissen gehalten, daß der französische "Aufklärer" Voltaire einer der frühesten Nazis war.

Der Voltairianismus ist heute eine der Agenturen des Vergnügungswahns, der "fun-Gesellschaft", die das massenhafte Kindermorden wie eine Selbstverständlichkeit erscheinen läßt.

Ein Buch, das 1996 erstmals erschienen ist, kann natürlich nicht aktuelle Verschlimmerungen der Situation ansprechen.

Aber gerade der amerikanische Präsident Bush trifft seine wichtigsten Entscheidungen, als ob er im Namen Gottes handele.

Folgerichtig sehen seine Kriege und Kriegsdrohungen gegen die andere Fraktion des Abrahamismus, gegen den Islam, aus, als seien sie Handlungen im Namen der Hitlerschen "Vorsehung" und nicht im Auftrag Gottes.

Ebenso folgerichtig ist es, daß die amerikanische Weltpolitik heute sich gegen die anderen "geistigen Semiten" (eine Bezeichnung von Papst Pius XI. für die von den Nazis Verfolgten) wendet und nicht mehr gegen die (zionistischen) Juden.

Ob das die Folge dessen ist, daß der Zionismus die Holokaustüberlebenden erfolgreich "goijisiert" hat, die Juden zu einem Volk gemacht hat wie die übrigen Völker?

Diese "Arisierung" der Juden wäre dann ein Hauptproblem unserer "aufgeklärten" Zeitumstände.

Wir stehen, sagt Kreeft, in einem ökumenischen Dschihad, und er will uns bewußt machen, daß wir Abrahamiten endlich diesen Heiligen Krieg aufzunehmen haben.

Denn der Krieg ist für diese kindermordende und kinderverhindernde Moderne noch längst nicht gewonnen, obwohl der Berliner Kirchentag es glaubhaft machen könnte.

Ein gesellschaftliches System ist erst dann perfektioniert und für alle künftigen Zeiten scheinbar abgesichert, wenn es auch religiös gebilligt ist.

Solange jedoch Reste des Christentums wie Reste des Judentums leben und solange nicht der Widerstand des kämpfenden Islam total gebrochen ist, solange steht der Endsieg der Kindermörder nicht gesichert fest.

Das rassistische Kastensystem des Hinduismus hat sich selbst perpetuiert, solange "die Welt" damals, die indische Ökumene, nur Süd- und Südost-Asien umfaßt hat.

Indessen hat der Abrahamismus schon seit mehr als einem Jahrtausend auch den indischen Subkontinent erreicht.

In Indonesien/Malaisia hat er sogar einen großen Teil des kulturellen Kolonialbereiches des Hinduismus konvertiert.

Der heutige (Bürger-) Krieg der in Delhi regierenden Organisationen der Hindutwa gegen Islam und Christentum gleicherweise ergänzt die islamfeindliche Außenpoltik der neonazistischen amerikanischen Bush-Regierung und formt eine bevorstehende globale Auseinandersetzung vor.

Wer sich aufseiten Indiens, des völkerrechtlich illegalen Besetzers des muslimischen Kaschmirs, positioniert - also die USA und Israel -, der erweist sich folgerichtig als Erzfeind sowohl des Islam wie des Christentums.

Insofern läßt sich nach dem Vorausgang des Strategems Hitler - zuerst die Juden und nach dem Krieg die Christen - die Zukunft prognostizieren.

Dem Zionismus läßt sich demnach auch keine bedeutendere Zukunft mehr prognostizieren.

Der Vatikan muß deshalb daran erinnert werden, daß in seinen Archiven Dokumente liegen, die nicht nur für Zeitgeschichtler von Interesse sind.

Die unter den Päpsten Pius XI. und XII. aus "realpolitisch"-opportunistischen Gründen zurückgehaltene Enzyklika gegen Rassismus und Nazismus wäre jetzt endlich zu aktualisieren, global zu fassen und herauszugeben.

Wie 1994 in Kairo muß jetzt wieder und für eine längere Zeit das konkludente Handeln und der politische Widerstand aller Abrahamiten praktiziert werden.

Es bietet sich an, gemeinsame christlich-islamische solidarische Positionen zu folgenden Problemen einzunehmen:

1. Zur Gleichheit aller Rassen und Kasten (varna!),

2. zur Gleichberechtigung auch in ökonomischer Hinsicht die Zurückdämmung der Übermacht der World Trade Organization und ihrer Unterorganisatioinen wie der Weltbank (Schuldenerlaß für die ärmsten Länder und Völker als Eingangsschritt).

Das Buch Peter Kreefts macht dafür Mut.

Sein neuntes Kapitel, "Was kann ich tun?", zeigt die beste Methode zur Vorbereitung auf den wirklich ökumenischen Dschihad auf:

Systematisches Beten!

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