2003-12-12

Tariq Erich Knapp

Umar Ben Mariam oder auch nicht, doch für ihn Einer!

Dank der Gnade und Barmherzigkeit Allah taalas wurde ich, Umar Ben Mariam, am 11.11.1964 im Flecken Massenya nördlich des Tschadsees geboren.

Meine Mutter heißt Mariam, sie ist die Schwester des damaligen Nachtwächters der bundesdeutschen Botschaft im damaligen Fort Lamy, das das Lager Rabahs war und heute Ndschamena genannt wird.

Der Nachwächter und seine Mutter zogen mich groß.

Ich bin Tschadaraber aus dem Stamm der Misiriye.

Ich diente in der Armee des Tschad und holte später die Grundschule und das Lyceum nach.

Der Chef der Armee und der Staatspräsident haben mein berufliches Fortkommen dankenswerter Weise gefördert.

Ich wurde dank des Präsidenten der Arabisch-libyschen Volksdschamahiriyya nach Einsätzen in Zentralafrika und den beiden Kongos zum panafrikanischen Berufsrevolutionär.

Der heilige Koran ist mein Leitvorbild.

Ob das die Biografie des von mir gezeugten Sohnes ist, bleibe offen.

Vielleicht lüge ich auch, oder ich verwische die simple Wahrheit, daß ich die Schwester des Nachtwächters jener Institution schwängerte, in der ich gearbeitet habe.

Will ich nur mögliche Verfolger des von mir Gezeugten täuschen?

Möge das wenigstens mir gelingen!

Gibt es diesen Umar Ben Mariam wirklich oder nicht?

Es könnte ihn geben auch in anderer stammesartiger Variante.

Gewiß hätte er geboren werden können.

Wenn nicht im Tschad, so doch in Kamerun oder in Elfenbeinküste oder in Nigeria.

Ist Kinderzeugen allein schon ein politisches Verbrechen?

Das Rötliche, das dieser Umar unter seiner Kontinentalfarbe Schwarz zu tragen behauptet, ist bestimmt das Rötliche der Rebellion gegen die sture Anmaßung der behäbigen Mittelmäßigkeit.

Als gäbe es tatsächlich ein Gen der politischen Rebellion.

Ich bin stolz auf diesen Sohn!

Einen ihm Gleichen hätte ich schon in den Vereinigten Staaten oder in Mexiko zeugen können.

Die Mädchen verweigerten sich dem nicht.

Ich tat nichts dagegen.

Auch in Bangla Desh oder in Nepal, oder in Indien oder Pakistan hätte ich menschliches Leben zeugen können.

Ich tat es nur nicht infolge der Impotentia per solum unum conubium (sofern mein Latein noch gültig ist).

Das conubium christianum meine ich und seinen sozialen Zwang, dem der Muslim entfliehen kann.

Mittlerweile habe ich gelernt, daß der Gott vom Berg Sinai mir dieses Gebot nicht auferlegt hätte.

Und damit meine Keime zum Rebellieren in das Denken und Fühlen vieler weiterer Völker, zu denen die Kunde von Seiner Einzigartigkeit noch nicht gedrungen ist, hätte einführen können.

Die Polizeibehörden, die für die Bekämpfung psychischer Keimlegungen zur Revolution zuständig sind, können die Zeugung durch Buchstaben auch dann nicht mehr verhindern, wenn sie dazu willens wären.

Indessen haben sie keine Handhaben mehr gegen die Keimlegung der Botschaft vom Sinai.

Die Inlibration übertrifft jede Inkarnation!

Stichworte für postmortale Kontemplationen, da dann dafür Zeit zur Verfügung steht:

Gen und Mem;

Söhne und Testamente;

Zeugung und Zeugnis.

Unlängst erhielt ich einen mich traurig stimmenden Luftpostbrief, der beweist, daß er ein vielmals mutigerer Mann ist als sein Erzeuger.

Er teilt mir mit, daß er die Immunschwäche-Erkrankung habe, "on m'a infecté", schreibt er mir und spannt einen bitteren ironischen Bogen von einer "US-AIDS"-Hilfslieferungsstation zu seiner gleichlautenden Erkrankung und fügt hinzu, daß diese wohl und nach Überzeugung aller Afrikaner von einer Firma der USA erzeugt worden sei, um Afrikas demografische Selbstbefreiung zu hintertreiben.

Unmittelbar darauf schreibt er, daß nicht nur für ihn, sondern für alle wahren Panafrikaner der zimbabwische Präsident Robert Mugabe der größte Held unserer Zeit und unserer besseren Zukunft sei.

Er als vorerst noch einziger Politiker treibe in genialer Weise die Enteignung aller Kolonialisten Afrikas voran.

Seine Bewegung würde sich nach Norden und Süden fortsetzen.

Es gehe nicht nur um den riesenhaften Landbesitz, der den Afrikanern gewaltsam genommen worden sei, sondern auch um den Rohstoffbesitz.

Von Afrika würde die Rückgewinnung des Ureigentums auch auf Lateinamerika übergreifen.

Ob er mit diesem Luftpostbrief seine letzten Wünsche vor seinem Tod übermitteln will oder auf die vorbildgebende Willensbotschaft seiner panafrikanischen Freunde, Genossen und Brüder setzt?

Ich weiß es nicht, wünsche ihm nur Erfolg.

Denn sein Blut, und wenn es nur mein kleiner Anteil ist, ist das meines unbedeutenden Lebens, das ebenfalls enden wird.

Alhamdulillah amen!

© Copyright 1999 - 2011 kokhaviv publications