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Ismael - Die Gegenseite

Er wird ein wilder Mensch sein. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn. Er lebt getrennt von seinen Brüdern und fordert sie alle heraus. Genesis 16,12 und 25,18

2003-08-30

Tariq E. Knapp

Allahu Akbar heißt: Gott ist größer!

Zur Nichtfalsifizierbarkeit der Kokhavivschen Zukunftsprognose

Seit der geradezu idiotischen Sportpalast-Paraphrasierung einer berüchtigten Rede des Hitlernachfolgers und Weltkriegsverlierers - "Wollt ihr den totalen Krieg?" - vor Veteranen der American Legion in St. Louis, USA, durch einen noch gigantischeren Weltkriegsverlierer darf von einer nichtfalsifizierten Prognose künftiger Weltgeschichte die Rede sein.

Seit vielen Jahrzehnten schon besteht ein gewisser Berliner Student der Frankfurter Schule und 68er APO-Aktivist namens Avram Kokhaviv darauf, daß der Zionismus jene Erstursache sei, die die Entstehung des revolutionären Islamismus erst möglich gemacht habe und diesen seitdem unbewußt, aber um so systematischer aufbaue zu einer permanenten Weltbewegung von jetzt 1,5 Milliarden Menschen.

Just diese provokante These der Kokhavim war es, die den Schreiber dieser Zeilen zu einem Antikokhavim gemacht hat, weil er aus pakistanischen Zeiten ein Islamist ist.

Er blieb dabei allzu sehr dem Vordergründigen verhaftet, weil er nur sah, daß die zionistischen Juden das Völkerrecht immer wieder zum Nachteil der Muslime verletzt haben.

Er hat seinen Widerpart, den ehemaligen Linken ohne jede Sehnsucht nach ägyptischen Fleischtöpfen am Bonner Strand und ohne Lange-Marsch-Allüren durch korrumpierende Institutionen, derart scharf bekämpft, daß es alles vernünftige Maß überschritten hat.

Dabei hat er dessen Rang als Zionisten ohne Rabbi und ohne jüdische Gemeinde peinlichst unterschätzt, wie übrigens alle Zeitgenossen.

Das rechnet er sich heute als affektgesteuerte Dummheit an, die er erst spät überwand.

Die Dummköpfe verwechseln ihr Festhalten an der Fehleinschätzung mit Charakterfestigkeit.

Dabei ist das nur die granitharte Festigkeit ihrer eigenen Verdummung.

Die famose goebbelsartige Rede George W. Bushs, dieses Eingeständnis des Endes des American dream, rät Deutschen, sich neu zu orientieren.

Das traditionelle "Fortschrittsdenken" hierzulande sollte aufhören, wenn man noch Zukunft gewinnen will.

Ein am falschen "Denken" Gescheiterter rät anderen Falschdenkenden, mit dem Denken anzufangen, bevor es zu spät ist.

Ich sage heute, daß der Zionismus in der Tat eine List Gottes ist, die die Folge einer anderen, früheren List wurde.

Die Ursache des Herzl'schen Zionismus war bekanntlich Europas Antijudaismus-Antisemitismus.

Die so lange Zeit Verfolgten wurden ihren Verfolgern derart ähnlich, daß sie nun eine Weltrevolution ingang gesetzt haben.

Horst Lummert, so heißt der zionistische Provokateur mit bürgerlichem Namen, hat schon in jungen Jahren einen Akkord angeschlagen, den er Gott abgelauscht haben könnte.

Es wäre mehr als klug, auf ihn zu hören.

Falls man zu hören bereit wäre, dann könnte man eine Musik des XXI. Jahrhunderts hören.

Postzionismus?

Der Zionismus als optimaler détonnateur, als Erstzünder der kettenreaktionsartig verlaufenden Permanenten Islamistischen Weltrevolution macht die Judenheit zum Mittel-zum-Zweck?

Das klingt zunächst menschenverachtend.

Jedoch die Juden selbst bezeichnen sich in ihrer Literatur als jene Auserwählten des Einen Gottes, der durch sie die übrige Menschheit zu Zivilisierten erziehen will.

Die Behauptung Lummert-Kokhavivs ist damit eine vorgezogene Analyse künftiger Weltgeschichte und deshalb postzionistischer Art.

Das hätte man schon seit längerer Zeit wissen können.

Als nämlich der erste Krieg zwischen einem Präsidenten Bush und dem Saddam Hussein ausbrach und um das Überleben der Juden in Palästina gefürchtet wurde, hat Lummert-Kokhaviv schon von einer Evakuiereng der jüdischen Zionisten aus Palästina geschrieben.

Er hat schon damals eine postzionistische Stellung bezogen.

Etwa ein Jahrzehnt später hat er eine berühmte Frage erneut gestellt - "Wer ist Jude?" - und richtig beantwortet: - Jude sei derjenige, der die Thora glaube und nach ihr handele.

Das ist für jeden Antizionisten unmittelbar einleuchtend und die Rehabilitation der alten hebräischen Lehre.

Wie das "Alte Testament" das Fundament für das "Neue Testament" ist, so ist das Judentum die Basis des Christentums.

Und im beginnenden Zeitalter des Fundamentalismus wird das Fundament zum Erdgeschoß dessen, was auf ihn hochgebaut worden ist.

Balkone, Erker und Mansarden sind katholische Nebensächlichkeiten.

Christentum wie Islam sind jetzt erkennnbar als Architektur der Zivilisierung des Menschengeschlechtes.

Auch die Schriftgelehrten der drei abrahamitischen Konfessionen haben dies zu beherzigen und zu predigen!

Der gemeinsame Krieg der Drei Lehren vom Zivilisierungsprozeß ist gegen den Paganismus zu führen!

Das rückt natürlich auch den heutigen Zionismus als Teilpaganisierung der Juden in ein künftiges Licht, das postzionistische.

Nation Building?

Ein postkolonialistischer Begriff feiert im noch siegreichen Washington Wiederauferstehung.

Eine "souverän" gewordene ehemalige Provinz (des zerstörten osmanischen Reiches und danach des britischen Empire) soll zu einer Nation europäischer Art gemacht werden.

Dies, obwohl der Iraq ein Territorium mit am Grünen Tisch der westlichen Diplomatie gezogenen Grenzen ist.

Kunstgrenzen wohlgemerkt.

Das ist gut kolonialistisch konzipiert.

Analog zu einer Provinz "Goldküste", die unter einem zwar rebellischen, aber westlerischen Statthalter des Westens in "Ghana" umgetauft worden ist.

Das allein zeugt vom epigonalen Denken in Washington.

Saddams Diktatur war doch schon eine westliche, formal "antiwestlich"-rebellierende, und jahrzehntelang der Handlanger des westlichen Imperialismus.

Wie andere Diktatoren in Lateinamerika, ist Saddam gestürzt worden.

Aber sein Regime war als totalitäres doch die einzige Steuerungsmöglichkeit gewesen, die dieses zusammengestückelte Gebiet gouvernabel gehalten hat.

Dieser Landstrich mit seinem nach westlicher Begrifflichkeit unvereinbaren Gemisch von konfessionellen und/oder volklichen Bestandteilen kann nicht, kann nie eine Nation nach europäischem Vorbild werden.

Die nation-building-Idee kann man nicht anders als idiotisch nennen!

Kein geringerer als Oswald Spengler hat 1922 schon festgestellt, daß "Nationen" im "magischen","arabischen" Kulturkreis identisch sind mit Religionsgemeinschaften und nicht mit europäischen Entitäten, die fast alle ethnisch geprägt sind und mit einem europäischen Begriff bezeichnet werden, nämlich "nation".

Spengler stellt fest, daß das die jeweilige Bevölkerung zu Gemeinschaften konstituierende Element die "idjma" ist, der "consensus", also die Schahada oder eine Taufe (Der Untergang des Abendlandes, Bd. II, Mchn. 1922, S. 79 f. u. 228 ff.).

Gott also hat nicht nur ein Eisen im Feuer und auf dem Amboß, sondern mindestens zwei: Judentum und Islam.

Die Initiatoren des "Krieges gegen den Terror" sorgen dafür, daß das Feuer weiter brennt und der Hammer auf das Metall stößt.

Gott ist größer, und der postzionistische Jude H.L./A.K. ist Sein Prophet!

Der Konsens, die Idschma (= Übereinstimmung der islamischen Rechtsgelehrten) - ein Hadith des Propheten Mohammed hält fest, daß "die Umma des Islam nie in einem Irrtum übereinstimmen kann", also, wie der Papst ex cathedra, unfehlbar sei! - konstituiert die künftige 1,5 Milliarden-"Nation" of Islam.

Dieser so ganz andere Prozeß eines nun globalen nation-building quer zur westlichen Auffassung heutiger Kulturen ethnischer Hintergründe wird sich durch das ganze XXI. Jahrhundert und viele zusammenschweißende Kriege ziehen.

Das ist aber ein neues Paradigma, dem wir uns seit Lummert-Kokhavivs gedanklich antizipiertem alternativen Weltszenarium bald anzubequemen haben.

Nach dem Philosophen Karl Popper ist dies, die Nichtfalsifikation, und nicht irgendeine Affirmation, wie sie sich aus Bush juniors Totalitarismus-Rede ergibt, das entscheidende Kriterium.

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