2003-04-25
Chancen einer Schadensbegrenzung
Der Schaden steht fest. Er besteht in der Machterschleichung einer rassistischen Clique in den USA. Da läßt sich nicht mehr von Clash of civilizations sprechen, wie S. Huntington das tat, eher von einem Kulturkrieg, wenn man darunter nach R. Luxemburg verstehen will, daß es schlicht ein Krieg zwischen dem, was wir bisher unter Kultur verstanden haben, und der erneuerten Barbarei ist.
Die Kultur muß verteidigt werden gegen den "amerikanischen" Ausrottungsrassismus. Diese Zeitenwende geschah relativ plötzlich, obwohl wir im deutschen Nazismus schon einen warnenden Vorläufer der heutigen Weltlage hatten. Dennoch erweist sich diese Wiederkehr des Hitlerismus als unerwartetes Ereignis. Die USA galten doch als das Land, das den Sieg über den deutschen Nazismus eigentlich erst ermöglicht hatte. Nun aber Bush junior als Hitler II.!
Wir weisen zur Aufklärung unserer anderen deutschen Illusionisten auf das Buch des Professors Antony S. Sutton hin, America's Secret Establishment, 1983, Wiederauflage 2002, ISBN 0-9720207-0-5.
Wer die radikale Rechte in den USA auch nur von weitem hat beobachten können, dem sagen die kurzen Anmerkungen Suttons zu den Kräften des Round Table, der Trilateralen und auf den britischen imperialistischen Kolonialisten Cecil Rhodes genug, um zu wissen, daß die Nazis sich zurückgeschlichen haben - ausgerechnet an die einzig übriggebliebene Weltmacht USA.
In unserem Land quatscht die nazistische extreme Rechte seit vielen Jahren schon von der "amerikanischen Ostküste", um davon abzulenken, was sie in Wahrheit meint, nämlich das, was sie früher einmal das "jüdische Finanzkapital" genannt hat. Sutton schreibt: "There were no Jews at all in The Order until very recently. In fact, The Order has, as Rosenbaum suggests (in Esquire 1977 ) some very definite anti-semitic tendencies. Token Jews (and token blacks) have been admitted in recent years" (S. 23).
Die Verteidigung der menschheitlichen Kultur gegen die Barbarei des angelsächsischen Rassismus zwingt, die Gegenwehr in kürzester Zeit aufzubauen.
Zunächst fällt einem der Marxismus ein. Marx hat in der Tat das Wesen des Kapitalismus präzise beschrieben und auch die Methode für seine Überwindung genannt. Marx hat den westlichen Rationalismus wirklich bis zu seinem logischen Ende geführt. Jedoch hat sich erwiesen, daß der humanitäre Rationalismus nicht imstande gewesen ist, den Kapitalismus zu überwinden. Die Massen blieben zu zurück, um den Marxismus wirklich schöpferisch anzuwenden, sagt man jetzt. Die frühesten Kritiker der Degenerationsform des Marxismus, Trotzki und seine Trotzkisten, haben aus dem Schutt der Marxschen Lehre wenigstens ein Element geborgen, das für die Zukunft tauglich sein könnte: die Idee der Permanenten Revolution. Und aus den Überresten des Leninismus: die Idee der Partei der Berufsrevolutionäre.
Alles andere ist der Müll des 19. Jahrhunderts. Marx wollte seine Lehre der entstehenden Arbeiterbewegung aufpfropfen. Er hat die Arbeiter romantisierend "das Proletariat" genannt.
Die Trotzkisten sprechen von einer "proletarischen Arbeiterklasse". In Wahrheit gibt es cum grano salis nur noch eine sozialdemokratische Arbeiterklasse "arbeiteraristokratischer" Art auf der einen Seite und das überwiegend farbige Proletariat auf der anderen.
Allerdings könnte die Spaltung des bisherig atlantischen Westens zwischen Nordamerika und Westeuropa die Arbeiterschaft Europas reproletarisieren.
Heute jedoch verhält es sich noch folgendermaßen:
Es hat sich erwiesen, daß die europäische Arbeiterschaft sich aus dem Mehrwert der kolonialen, später die "Dritte" genannten, Welt bediente, was sie in der Tat zu einer "Arbeiteraristokratie" gemacht hat.
Die Proles im ursprünglichen Sinne vegetieren weiterhin in der Dritten und inzwischen auch noch in der früheren Zweiten Welt.
Und die Erste, der alte Westen, ist jetzt erst zerbrochen.
Den Trotzkisten sei in der heutigen Situation zur Vermeidung eines weiteren Fehlweges nur empfohlen, nachzulesen, was ihr Gründer Trotzki in seiner letzten Verlautbarung vor Abfassung seines sehr persönlich gehaltenen Testaments geschrieben hat: "Wenn sich das Weltproletariat tatsächlich unfähig zur Erfüllung seiner Sendung erwiese... es bliebe nichts anderes übrig, als offen zu erklären, daß das sozialistische Programm zu nichts anderem als einer Utopie geführt hatte" (New International, Nov. 1939, sowie in In Defense of Marxism , S. 8-11; zit. nach Isaak Deutscher, Trotzki, Band III, S. 432).
Wir sind, wie gesagt, gezwungen, uns in dieser Lage notgedrungen auf ältere Konzepte zu stützen und von nun an auf gut Glück zu arbeiten, in der Hoffnung, daß der "Zufall" - ein anderes Wort für den Gott des unerforschlichen Ratschlusses - endlich wieder ins Weltgeschehen eingreifen möge und die Wahl des Heilungsmittels unter den vom Menschen angebotenen treffen wolle.
Wir zählen aus den in der Erfahrung eines Lebens gemachten Erkenntnissen hier einfach das intensivierte Bündnis zwischen einem aktualisierten, auf die Höhe des heute Erforderlichen gebrachten Islam und dem Gedankenführer des europäischen Christentums, dem römischen Katholizismus, auf.
Der militärische Sieg der US-Army über die europide Diktatur des Saddam Hussein - die Baath-Partei war ein Produkt der Europäisierung des arabischen Denkens! - hat neben schrecklichen Kollateralschäden doch auch einen Kollateral-Segen gebracht: nicht die Demokratisierung europäischer Art, wie von der US-Propaganda an die Fernsehschirme gemalt, sondern die Befreiung der von der arabisch-nationalsozialistischen Einheitspartei Unterdrückten. Zu hoffen bleibt, daß nach Ende eines irakischen Partisanenkrieges gegen die Besatzer dieser Gedanke der Kampfeinheit aller Monotheisten, des Tauchid, Platz greift.
Weiter steht zur Wahl ein Ausbau des jüngst erneuerten Bündnisses zwischen Deutschland und Frankreich. Frankreich, die älteste Tochter des römischen Katholizismus, ist die Heimat nicht nur vieler wirklich christlich motivierter, zum Widerstand gegen die Plutokratie entschlossener Christen, sondern auch von fünf Millionen Muslimen und dazu das Zentrum der vorwiegend afrikanischen Francophonie. Vielleicht läßt sich doch noch das Adenauer-deGaullesche Bündnis wiederauffrischen, obwohl die anglisierte CDU abseits steht?
Eurafrika könnte ein Gegengewicht werden, oder dazu entwickelt werden, zum avisierten kontinentaleurasischen Block Paris-Berlin-Moskau-Peking.
Denn Rußland ist als imperialistische Macht und als blutiger Unterjocher vieler Völker doch und trotz der kürzlichen Manöver gegen die WASP-Mächte in der UNO der heimliche und auch in der Zeitgeschichte offene Verbündete Britanniens und der USA. Auch China ist aufgrund seiner alten konfuzianischen Kultur und seines neuzeitlichen Marxismus-Maoismus kein wirklicher Garant einer antiplutokratischen Widerstandsbewegung der Proles der Erde.
Der geistige "Kitt" einer solchen Resistance kommt, leider, nur aus einer Allianz entschlossener Monotheisten und "Tauchidisten". Selbstredend ist die Idee eines Eurafrika nicht denkbar ohne die Einbeziehung der arabischen und darüber hinaus der muslimischen Welt.