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Ismael - Die Gegenseite

Er wird ein wilder Mensch sein. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn. Er lebt getrennt von seinen Brüdern und fordert sie alle heraus. Genesis 16,12 und 25,18

2003-01-08

Tariq Erich Knapp

Fatale Fehleinschätzungen

Stimmen in Frankreich erklären jetzt, die ivorische Friedensdiplomatie des französischen Außenministers de Villepin sei nur deshalb gescheitert, weil der vermittelte Waffenstillstand zwischen der Regierung in Abidschan und den Rebellen nur einen einzigen Tag gehalten hat und weil er mit einem Rebellenangriff auf Fremdenlegionäre gebrochen wurde.

Dabei ist das Scheitern seiner Mission auf eine irrige und eitel-selbstbezogene Einschätzung der französischen Außen- und Kulturpolitik zurückzuführen, die ohne eine gründliche Revision scheitern wird und muß.

Zugestandenermaßen hat de Villepin nur mit den Meuterern im Norden der Elfenbeinküste verhandelt, deren Mannschaften sich hauptsächlich aus den islamischen Nordstämmen des Landes, aus Fulani und Bambara, aus Malinke und Senufo und Dioula zusammensetzt.

Jedoch ließ er die Meuterer gegen die Regierung in Abidschan, gegen den illegal gewählten Präsidenten aus dem Stamm der Bété, mithin einem oberflächlich christianisierten und hauptsächlich paganen Volk aufgestanden, leichtfertig oder absichtlich außen vor.

Dort aber, im Kakaogürtel des ivorischen Mittelfeldes und zwar an seinem westlichen Ende, stehen weitere Rebellen. Ihr Personal ist überall während der Hoch-Zeit der Kakaoproduktion als Gastarbeiter aus den Staaten Niger, Mali und Haute Volta (heute Burkina Faso) angeworben worden:

Als der Kakaopreis sank, wurden sie arbeitslos und nach dem Tod ihres Förderers Präsident Houphouet-Boigny wurden sie mit der Ideologie der "Ivorität" (zuvor hatte das ius soli gegolten) und einer adäquaten Gesetzgebung, die die ivorische Staatsangehörigkeit plötzlich von der der Vorfahren der Gastarbeiter ableitet, in geradezu nazistischer Weise entrechtet, schikaniert und verfolgt.

Da viele Verfolgte zur Flucht nach Liberia gezwungen worden sind, gilt diese Rebellengruppe nahe der Westgrenze der Kakaozone und damit der Elfenbeinküste der Regierung in Abidschan als "Söldnerheer Liberias", obwohl dieser Nachbarstaat aufgrund seiner innenpolitischen, außenpolitischen und ökonomischen Situation nicht in der Lage ist, in solcher oder anderen Weise die Elfenbeinküste zu destabilisieren.

Es fehlt nur noch, daß Abidschan anfängt, vom "Krieg gegen den Terrorismus" zu reden und amerikanische Hilfe anzufordern!

In Tat und Wahrheit verteidigt Frankreich mit seiner Fremdenlegion an der Elfenbeinküste wie anderswo nur seine globale Francophonie, d.h. einen faktischen gallozentrischen Anti-Islamismus, der traditionell der der heimatlichen Eliten wie der katholischer Missionsinstitute ist.

Paris hat von jeher die Integration Europas und seine Afrikapolitik ineinsgesetzt mit seinen Kolonialinteressen und seiner Agrarfinanzierung durch andere Staaten.

Das nennt man dann die "Wahrung der Gloire de la France"!

Beim Vertrag von Nizza hat Paris kaltblütig die größte Sprachregion EU-Europas, die deutsche, und die Repräsentationsstärke der BRD im Europaparlament reduziert. Per faktisches Diktat, dem der epigonale H. Kohl sich gebeugt hat.

Die deutsche Unterordnung unter die überzogenen und eitlen Ansprüche Frankreichs war notwendig, solange die BRD noch nicht die DDR geschluckt hatte.

Heute jedoch gelten andere Maßstäbe!

Sie müssen schon deshalb geltend gemacht werden, wenn das sich erweiternde Europa nicht wegen der Höhe seiner Agrarfinanzierung platzen soll.

Dasselbe Problem stellt sich bei der Frage des Beitritts der Türkei zur EU. Europa kann nur dann seine Remonotheisierung gegen die Totalherrschaft der atheistisch-agnostizistischen Moderne erwarten, wenn die Türken zu stimmberechtigten Bürgern Europas werden.

Die törichte Selbsteinschätzung der Eliten in Paris und der französischen Offiziere der Fremdenlegion ist wirklichkeitsfremd und ein hinreichender Grund für das Scheitern französischer Interventionen in afrikanischen Ländern und überhaupt.

Entweder Frankreich dient nicht länger seiner angeblichen Grandeur und Mission civilisatrice oder es wird das kontinentale Land der erschreckenden Ideen des Michel Houellebecq und der Bischöfin der Klonsekte.

Der Islamismus sollte jetzt seine politischen und finanziellen Reserven mobilisieren, um die Aufständischen und Freiheitskämpfer in Elfenbeinküste so zu unterstützen, daß sie siegen können.

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