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kokhaviv publications

Ismael - Die Gegenseite

Er wird ein wilder Mensch sein. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn. Er lebt getrennt von seinen Brüdern und fordert sie alle heraus. Genesis 16,12 und 25,18

2002-01-04

tauhid-stiftung
Ustad Tarik T. Knapp

Aide mémoire für mein Treffen mit Reinhard Z. am 8.1.2002 in Laudenbach:

Die Resultate des Bonner Epigonismus heute

Seit dem politischen Tod Konrad Adenauers - irgendwann zwischen der ersten Atomexplosion der Sowjets, die die globale Vormacht der USA relativierte und sie faktisch zur "friedlichen Koexistenz" mit der Sowjetunion gezwungen hat (Atomstopabkommen usw.), und seinem Rücktritt als Bundeskanzler der BRD - und seinem physischen Ableben wurde die Bonner Politik epigonal.

Adenauers Versuch, eine kontinentaleuropäische "Achse" mit dem Frankreich de Gaulles zu schmieden, wurde bereits unter Erhard vom Außenminister G.Schröder torpediert, die Ausweitung dieser Achse bis nach Peking, die die UdSSR von Osten hätte destabilisieren können, wurde schon von der CDU bewußt ignoriert mit der religiös-kulturalistischen Begründung, die "Russen sind ja schließlich dennoch Europäer und die Chinesen nicht". Dieser Epigonalismus blieb nicht auf die CDU beschränkt (die CSU war hingegen aufgeschlossener).

Denn die USA griffen damals in den vietnamesischen Bürgerkrieg ein und trieben damit China an die Seite der UdSSR. Längst verfolgten in der FDP nazinahe Rechte wie die Landesverbände NRW, Niedersachsen, Saarland sowie Liberale vom Schlage eines K.G.Pfleiderer eine prorussische, "borussische" Politik. G. Heinemann in der CDU neigte ihr zu.

Als H.Wehner mit dem Godesberger Programm und der Akzeptanz der europäischen und NATO-Politik Adenauers im Bundestag endlich diese Richtung in der SPD etabliert hatte, da schlug sich der unendlich geschmeidige, ehrgeizige und wahrscheinlich vom Sowjetblock erpreßbare W.Brandt auf die Seite der FDP, statt die Große Koalition mit der CDU/CSU fortzusetzen. Die FDP war inzwischen mehr denn je gegen die Adenauerlinie und (z.B. in Westberlin) mit Einflußagenten des KGB durchsetzt. Seitdem geriet die BRD immer mehr in den Orbit Moskaus, festgeschrieben zuletzt mit der Bildung der OSZE. Die "kleine Wiedervereinigung Deutschlands" mit der DDR machte diesen Kurs vollends irreversibel. Heute regiert die SPDS mit Tolerierung mal von seiten der FDP oder der Pastorentochter-CDU, als ob der gemeinsame Händedruck von Pieck (KPD) und Grotewohl (SPD) auf die "Blockparteien der DDR" anhielte und nun gesamtdeutsch ausgeübt würde.

Als ob? Rußland soll jetzt in die NATO eintreten. Damit wäre die idiotische Politik der Epigonen, der angeblichen Enkel Adenauers in Bonn, vollendet. Good night!

T.E.Knapp
Hp., 4.1.02

Lieber Reinhard,

vielleicht ist jetzt letzte Zeit, eine Lebensbilanz zu machen, bevor uns die Kräfte ausgehen. Nun also:

Du hattest neulich am Telefon so recht, Du hast zweifellos recht mit Deinem raschen Einwurf.

Ich hatte gesagt, daß der Zusammenbruch dieses Phönomens, das andere "Sozialismus" oder "Kommunismus" oder "Marxismus usw." nannten, mir die Gelegenheit zur Einsicht in die Stasipapiere über mich gegeben hat. Bei der Gauckbehörde, von der die Kopie stammt, die Du erhieltest. Ich meinte natürlich den staatlich-militärischen Zusammenbruch. Du sagtest wie aus der Pistole geschossen, dieses Phänomen sei doch gar nicht zusammengebrochen und wiesest auf die Berliner Koalition von SPD und SED, pardon: PDS hin. Ich stimmte sofort zu. Sagte, der Grund dafür sei, daß das nicht aufgearbeitet worden ist.

Nicht aufgearbeitet sei das alles, dabei bleibe ich. Aber, was Dich befremden mag, es wurde seit etwa den späten 50er, frühen 60er Jahren nicht aufgearbeitet. Dazu meine beigefügte Notiz über den Bonner Epigonismus. Da ist kein Vorwurf gegen Adenauer zu vermuten, wohl aber viele Vorwürfe nicht nur an SPD und FDP, gegen deren Politik ich zusammen mit U. Keitel seinerzeit gekämpft habe, direkt mit seiner Hilfe gegen die FDP, indirekt und verdeckt mit seiner Unterstützung auch gegen die SPD Brandts.

Ich habe mir ein durch und durch politisches Leben ausgesucht und geführt, mit allen Hochs und Tiefs. Aber nun zur Bilanz: Heute bedaure ich meine, indirekt von meinen Eltern verursachte, Lebensplanung. Es war die große Mühe wahrlich nicht wert! Politik ein schmutziges Geschäft? Sehr wahr! Auch wenn es kein Geschäft sein sollte und nicht war, eine den Typus des Parsifal ausnutzende, betrügende Machenschaft. Ich warne jeden gutwilligen Menschen, nicht auf die Beitrittswerbungen der Politiker zu hören und sie, diese Schmutzfinken und Verbrecher, ihr ehrloses Handwerk allein verrichten zu lassen!

(...)

Ich brachte das nur zu Papier, weil ich es vergessen könnte, wenn wir uns demnächst aussprechen werden.

(...)

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